
Rabban Ruddigkeit bringt die vierte Ausgabe seines Freistil-Illustrations-Magazins an den Start. Zur Black Issue schreibt er:
Die Illustration feiert ein Comeback. Seit einigen Jahren entstehen immer neue Medien, Agenturen und Foren für Illustration. Und – immer mehr junge Menschen studieren das Zeichnen. Das führt zu immer mehr Bildern, immer mehr Reizen und irgendwann dann auch zu einer Beliebigkeit, die die Illustration schon fast wieder bedroht.
Deshalb haben wir uns entschlossen, mit dem nächsten Freistil etwas zu wagen. Wir rufen Illustratoren auf, uns aus schließlich Arbeiten in schwarz und weiss zu senden. Dies können Freie und Auftragsarbeiten sein, Illus im Raum und in der Bewegung, Mischformen, Collagen und natürlich Bleistift-Zeichnungen…
Diese neue und einmalige Darstellung macht die Arbeiten vergleichbar. Und hebt die Unterschiede noch besser hervor. Und weil das Buch dennoch in 6 Farben (CMYK + Extraschwarz + Lack) gedruckt wird, haben die Teilnehmer die Möglichkeit, alles aus schwarz und weiss – und dem, was dazwischen liegt – herauszuholen.
Freistil wird so zu einem Buch, das es weder als Website noch bei den üblichen Kataloganbietern geben kann. Und das den Blick auf Illustration heute einmal mehr schärfen wird.
Die call for entries sind online. Bewerbungsschluß ist der 31. Oktober 2008. Das Buch erscheint im Frühjahr 2009 im Verlag Hermann Schmidt Mainz (www.typografie.de). Für Rückfragen stehen wir jederzeit gern zur Verfügung.
6. Oktober 2008 12:55 Uhr. Kategorie Design. 6 Antworten.
Scheint leider eines dieser Bücher zu sein, wo nicht unbedingt die Qualität der Arbeiten entscheidet, sondern eher, ob der “Künstler” die 320 Schleifen für eine Doppelseite bereit hält. Schade.
320 für eine Doppelseite ist aber ein fairer Kurs – gemessen an dem, was du anderenorts für 2 Seiten hinlegst. Das ist – auch wenn man hört, wie aufwendig der Druck wird, eigentlich im grünen Bereich.
Womit wir wieder bei der alten Diskussion wären ;-) Wenn man den Untertitel “Best of … ” fährt, finde ich es schon bedenklich, dem Projekt eine finanzielle Zugangsbeschränkung aufzuerlegen. Den besten Beweis liefert meiner Meinung nach der Vergleich zwischen dem letzten “Freistil”-Buch und dem im selben Jahr (?) erschienen “Illusive” von DieGestalten, welches inhaltlich in die selbe Richtung tendiert. Die Qualität der Arbeiten im Gestalten-Output scheint wesentlich höher, was sicherlich damit zusammenhängen wird, dass dieses Buch nicht über die Schiene “tu ma her und wenn’s uns gefällt, schicken wir dir nen Überweisungsträger” zusammengestellt wurde, sondern auf einer aufwendigeren redaktionellen Arbeit des Verlags basiert.
Sorry, wieso wird ein Projekt besser, wenn es KEINE (zudem so geringe) finanzielle Beschränkung gibt? Die Folge wäre doch nur, dass noch mehr Leute, denen eine Repräsentation der eigenen Leistung keine 400 Euro wert ist – eine faire Kostenbeteiligung am Projekt, wenn man alles einrechnet – eine Flut von Arbeit einreichen, durch die man sich noch härter würde kämpfen müssen. Quantität ist aber nicht Qualität, oder? Allein durch den Preis trifft man doch schon einen schöne Vorauswahl, die die ganz schlimmen Fälle weghält und dafür sorgt, dass zumindest nur (semi)-professionelle Illustratoren oder solche, die es werden wollen, einreichen – zumal man bedenken muss, dass eine gute Illustration AN SICH 400 Euro und mehr ja auch EINBRINGT.
Über die redaktionelle Arbeit von Rabban Ruddigkeit vs. der von Robert Klanten und seinem Team kann ich natürlich wenig sagen, das hat eventuell auch viel mit Geschmack des Betrachters einerseits und der Redaktion andererseits zu tun?
Wie alles im Leben, ist auch hier die Teilnahme und der Buchkauf aber völlig freiwillig, so dass jeder selbst entscheiden kann, ob und wie er so etwas als Marketing-Plattform (und nichts anderes sind solche Bücher für die Einreicher) bzw als Informationsmedium (die andere Seite der Medaille für die Leser) nutzen will.
Ich sehe wohl deinen Punkt. So oder so denke ich aber, dass Bücher, die nur auf einem “call for entries” basieren – egal ob mit finanzieller Beschränkung oder ohne – meist qualitativ nicht so gut sein werden, wie Bücher, die von einer aufmerksamen Redaktion zusammengestellt werden.
Mir – als Beispiel für eine illustratorische Ich-AG und als nicht besonders herausragende Gestalterpersönlichkeit – wird wohl der Weg in beide Arten von Büchern verwehrt bleiben. Denn wenn ich vierhundert Euro für eine Illustration bekomme, gibt es zunächst dringendere Ausgaben zu tätigen als Doppelseiten zu buchen.
Das ist aber eigentlich nicht besonders schlimm – denn wenn der einzige Sinn in diesen Büchern besteht, sein eigenes Marketing voran zu bringen, dann kann man das Geld sicherlich woanders wesentlich besser platzieren. Ich denke aber – und da glaube ich, bin ich mit dir einer Meinung –, dass es bei solchen Sachen eher um die eigene Eitelkeit als um Neukunden geht.
Naja, ohne Call for Entries hat eine Redaktion ichts auszuwählen, es sei denn, sie ruft Leute aktiv an – so kommen in solche Bücher aber irgendwie immer wieder die gleichen Arbeiten, eine Tendenz, die GestaltenBücher ansatzweise haben. Auf eine Art kann ein solches redaktionelles System noch prohibitiver sein als eine Geld-Grenze, weil sich hier ein Circle of Friends bildet. Das ein solches System, wo eine Person oder mehrere nach bestimmten gesichtspunkten surfen, suchen, lesen und finde, ganz andere – ja nach Redaktion und Engagement bessere oder schlechtere – Leistungen bringt als eine Art Wettbewerb, ist aber ganz klar … es sind einfach ganz verschiedene Dinge. Ich gebe dir auch Recht, dass man den Stand der Dinge in Sachen Illustration wahrscheinlich weniger über einen Wettbewerb und mehr über redaktionelle Recherche findet – denn mit ersterem Modell bist du ja auf die Sachen angewiesen, die eingeschickt werden, und die können Crap-o-la sein. Auf der anderen Seite findet man so vielleicht die neuen Talente, wer weiß. Am Ende kann und muss jeder selbst entscheiden, ob er a) mitmachen will und b) das Buch kaufen wird.
Und ob man 400 Euro investiert – das ist halt das Ding. Es gibt immer wichtigeres. Hardware, Software, Miete, was sparen. Die Frage ist halt – und davon muss der Herausgeber überzeugen – BRINGT es marketingtechnisch etwas, hier vertreten zu sein? Es gibt Firmen, die profitieren anscheinend sehr von ihren Awards und Publikationen, andere nicht – ich hab noch nicht einen Kunden gekriegt durch die zahlreichen Preise, die wir seit 2000 gewonnen haben. 2006 haben wir fast ruinös viel gewonnen und die Kosten wurden erschreckend,, weswegen ich 2007 GAR nichts eingereicht habe. 2008 hätte ich dann wieder Lust gehabt, aber habe die meisten Termine verpasst und bisher eigentlich nur beim RD eingereicht, wo wir ja mit beiden Einreichungen auch reingekommen sind.
Aber so oder so – hat noch nie das Phone geklingelt und jemand sagt: Heeey, ich hab euren Stuff im Who’s Who in German Design gesehen, wollt ihr für uns arbeiten. Never happened. Entweder, weil unsere Sachen da nicht umwerfend genug sind – oder weil eigentlich kein Auftraggeber diese Bücher wirklich liest und es nur brancheninternes Wankfest ist.
Wirklich keine Ahnung. Ich gebe gern zu, dass ich Awards mag – auch wenn Bruce Mau sicherlich recht mit seiner Abneigung gegen Wettbewerbe hab. Ich hab meine Sache nie studiert und bin immer sehr unsicher, ob ich das, was ich mache, überhaupt richtig kann und freue mich aufrichtig, wenn eine Jury-of-Peers dann eine Arbeit gelungen findet. Davon abgesehen freut es mich vor allen, wenn Kunden wie die Philharmoniker, die inzwischen auf realtiv wilde Reisen mit uns gehen und auf ein vages «Ich könnte mir vorstellen, dass…» mutig losgehen, wenn ich SELBST kaum sicher bin, ob die Idee funktionieren wird, für diesen Mut ein Kompliment bekommen. Meist freut es mich mehr für den Klienten als für mich – denn wenn ich eins an dem Job spannend finde (da mich das grafische an sich meist nicht mehr so kickt), dann ganz sicher der unternehmensberaterische Aspekt, Kunden zu euphorisieren, zu enthemmen, mutig zu machen. Und ich liebe es, wenn Leute, die wirklich mit dir ins Dunkel springen und auch die Kritik von Nörglern am Design zu ertragen haben («Was soll das denn?») auch mal bestätigt kriegen, dass es unterm Strich gut ist, was sie da mit uns machen :-D.
Zumal man ja selbst IMMER an der eigenen Arbeit zweifelt und verzweifelt und sie in Frage stellt (sonst wird sie ja nicht gut)… da ist es schon echt nett, wenn dir jemand einfach mal über den Kopf streichelt und sagt: You do pretty good work, man.
Und das, ganz klar, ist die eigene Eitelkeit, aber eben bei mir wirklich ein Stück Kampf gegen die eigenen Zweifel – und es ist wirklich so, dass mich Steff immer dazu treiben muss, mal was einzureichen.