FORMAT

Die Format ist das Magazin der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd. Im Sommersemester hauptsächlich von Studenten des zweiten Semesters erstellt. Wie der Name nahelegt, ist das Magazin sichtbar von Ulmer Einflüssen geprägt, sauber, aufgeräumt, formatiert eben. Kühl, gut lesbar, klar, für junge Studenten eigentlich fast verwirrend unexperimentell, ruhig und professionell – man will fast sagen altersweise. Ein simples, aber solide bespieltes Raster und nur wenige Patzer (stumpfe Einzüge, unsexy Trennungen, ungewollte Trennstriche im Text, typographische Detailfehler wie «20 Prozent», unruhiger Flattersatz, keine Caps und OSF (die die Akkurat aber auch nicht hergäbe… interessant übrigens, dass hier neben der Reflektor schon das zweite Magazin mit dieser Schrift kommt.)

Die Format ist nahe dran an der ursprünglichen ersten Botenstoff, in Feeling (wenn auch reduzierter), aber auch in Inhalt. Interviews, kurze redaktionelle Essays wie die VVV-Software-Vorstellung, Arbeiten aus dem universitären Bereich, eine Standortbestimmung der Gmünder Gestaltungsphilosophie, die nicht ganz ohne saubere Selbstironie bleibt. Die Hochschule, die sich hier präsentiert, macht sich Gedanken über Design, verortet sich modern an den eigenen Mythos anknüpfend und sucht nach einer neuen Interpretation der Moderne eines Otl Aicher, und überzeugt mit guten Arbeiten.

Schon die typographischen Plakate aus dem ersten Semester, wenn auch eher Ideen aus den 60s reproduzierend, sprechen eine klare Sprache, die sich in den Bachelor und Diplomarbeiten einen klaren eigenen Charakter dazu erarbeitet und die über die vielen verschiedenen Bereiche – Interface, Produkt, Grafik - doch eine verbindende «Cleanliness» aufweisen, die die Arbeiten stets ehrlich und auf der Höhe der Zeit wirken lassen. Wilde Experimente sucht man hier vergeblich, die gezeigten Abschlussarbeiten wirken perfekt an der Realität orientiert und fast erschreckend ausgereift. Was keine Kritik ist – ich finde mehr als gut, wenn Hochschulen sich aus ihrer Geschichte heraus eine klare eigene Note geben und diese als Leuchtturm nutzen. Es macht Sinn, wenn ei eine oder andere Hochschule verballert-experimentelles Design sucht, die andere einen pragmatischen, klassischen Designweg geht und in den Vordergrund stellt, kluge, minimalistische und durchdachte Oberflächen zu gestalten.

Die Format ist an vielen stellen spürbar mit geringem Budget gemacht, kleine Auflage, schlichtes (aber irrsinnig professionelles Design, ich kenne Studenten, die im Diplom nicht so gezielt und beherrscht in den Instrumentenkasten des Designs greifen wie das Team um Jonas, Heuer, Domic Specht, asaad El Salawi und Mareike Graf. Weitab von Selbstdarstellung, weitab von Laut ist dieses Heft ein funktionales, klares Ding, in seiner Schlichtheit so schön wie das Neutral-Diplombuch von Kai Bernau, mit der schwarzweißen Eleganz einer Braun-Hifianlage. Bis auf die Wahl der Rockwell und das ja eben bewusst (aber nicht sehr gelungen) aus dem Rahmen fallende Mittelkapitel :-D ist das Heft ein Musterbeispiel sparsamer Typographie, wunderbar effektiver Bildanordnung und eines klaren, aber dennoch sehr lebendigen Rasters, das zwar auch kleinere fehler aufweist – aber wenn das hier die Erstausgabe ist, habe ich beileibe schon schlechtere Sachen gesehen. Von der Absicht und dem Layout her ist die Format ein wunderbar entspanntes, extrem vorzeigbares Projekt und wenn es wirklich nur von den Studenten selbst initiiert ist, und ohne große professorale Betreuung, schaue ich mehr als gerne über die kleinen Kratzer im Lack hinweg, die die Sache ja letzten Endes vielleicht auch davor bewahren, allzu perfekt zu sein und noch Raum für Verbesserungen und Wachstum lassen. Wenn es eine gute Sache gibt, dann Studenten, die einfach losgehen und selbst etwas auf die Beine stellen – und in diesem Fall sogar nicht einmal für onanistische Designorgien, sondern um ein überraschend offenes, kommunikatives und gekonntest Magazin auf die Beine zu stellen, dass eine saubere Visitenkarte für Christa Salerno und ihre Hochschule ist. wenn in der zweiten Ausgabe die kleinen typographischen Unsauberheiten ausgemerzt sind und vielleicht mehr Budget für besseres Papier und aufwändigeren Druck da ist, um so besser, meist ist der Sprung einer Erstausgabe und der zweiten Nummer beeindruckend. Ich freu mich jedenfalls drauf…

schön dass das heft auch bei dir angekommen ist.
auch dein artikel ist schön, wenn du auch immer wieder betonst wie es trotz des angestrebten perfektionismus ein paar patzer enthält :-)
Ich finde das Heft auch toll. Diese Schlichtheit ist wirklich schön. Wenn ich es in der Bahn lese muss ich zugeben, dass ich nur auf neidische Blicke gewartet habe.
Minuspunkte gibt es für mich für Rechtschreibfehler, für die falschen Trennstriche mitten im Text und auch in den Interviews hapert es noch.
Das was mir am meisten an dem Heft gefällt, und ich frage mich ob es mit Absicht oder ohne so gemacht wurde, sind die durchscheinenden Seiten, die dem Raster eine ganz neue Dimension verleihen.