Frank Gehry ist anscheinend nicht nur ein Star-Architekt, sondern vor allem in Wirklichkeit ein verkappter Menschenfeind.

Das stählerne, langherabgezogene Dach und die Stahlkachel-Front der Case Western Reserve University sorgt im Sommer für kochende Temperaturen und im Winter für Schneelawinen, so daß jetzt der bisherige Gehweg versetzt werden muß. Mehr….
Als Sonnenspiegel hat sich auch Gehrys Disney-Concert-Hall erwiesen.
So sieht die Fassade des berühmten Gebäudes in LA aus:

Und so sieht der Odeillo Solar Ofen in Frankreich aus.

Fällt da jemandem was auf?
Man verstehe mich nicht falsch, FOG ist in meinen Augen ein grandioser Architekt, wenn er sich zur Baukunst auch so verhält wie David Carson zur visuellen Kommunikation. Wir brauchen solche Leute, die eine Idee von einem an sich zweckgebundenen Medium als Form individueller Expression vorwärtstreiben, die die Grenzen zwischen Kunst (als Suche nach einer Antwort auf ein selbstgestelltes Problem) und Design (als Suche nach einer Antwort auf ein Problem Dritter) niederreissen und die so zu einer Form der Dienstleistung mit hohem individual-expressivem Wert ist, in dem die Suche des Designers, seine eigene Ästhetik manifest wird und doch zugleich pragmatisch eine bestmögliche, bestelegante Lösung des faktischen Problems geboten wird.
Wenn jedoch ein Architekt klimatische Bedingungen vernachlässigt, vergisst er die Basics seines Handwerks, tanzt er die Kür, ohne die Pflicht zu liefern. Ein CD-Booklet, auf dem man die Songs nicht lesen kann, ist eine Sache. Eine Zitronenpresse, die nicht mehr funktional zu verwenden ist, ist ein Grenzfall. Ein Gebäude, das gemeingefährlich ist, überschreitet diese Grenze leider. Das ist an sich auch ein Statement, Architecture must burn kriegt ja bei Gehrys Sonnenspiegel eine ganz eneue Qualität, aber wirklich gutes Design (und Architektur ist Design) dar sich so etwas im Alltagsumfeld nicht erlauben. So sehr ich gegen das Diktat der Zweckmäßigkeit bin (die meisten Autos sehen heute so schlecht aus, weil sie sich diesem totalitären Ansatz – dem Terror des Windkanals – unterworfen haben), so schrecklich finde ich auch dieses l’art pour l’art, eine Architecture, deren hauptsächlicher Zweck ist, auf den Genius des Architekten zu verweisen, die bloße gebaute Signatur ist. Das ist, im Kern, architekturfeindlich, weil menschenfeindlich. Das ist reines Ornament. Egal, wie schlicht und kühl die Entwürfe von Gehry aussehen, sie sind ornamental. Sie sind Deko. Sie verweisen auf nichts außer auf sich selbst. Sie stellen nichts in Frage, sie verwirren nicht, sie geben keine Antworten, sie sagen nichts aus, sie wollen nur schön sein, Gehry preisen. Und unterm Strich ist das dann eben doch zu wenig.
via eyebeam
4. März 2005 19:14 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.