FlexOT von dem stets famosen Paul van der Laan, leider nicht als Pro.
P22 Brass ScriptPro von Michael Clark und Richard Kegler.
Zwei Fonts, die mir in der neuen Fontshop-News aufgefallen sind, bestätigen zwei aktuelle Trends, finde ich. Zum einen eine Rückkehr – sofern man bei einer 10 Jahre alten Schrift davon sprechen kann, aber es geht ja darum, dass sie jetzt angeboten wird – zu einer fast Gill-Sans/Frutiger-artigen eleganten serifenlosen Ästhetik, die ein wenig von dem Pattern der bisherigen Helvetica/Din-Rips einerseits und der ja fast zahllose Thesis-Derivate andererseits abweicht und eine andere Art von Retro-Ästhetik (nichts anderes ist Helvetica/Akzidenz/Univers ja auch, ein International-Style-Retroismus) einbringt, die weicher, mehr 70s ist. Das vorletzte Heft von Raffinerie für das Schauspiel Zürich ging in diese Richtung, viele andere Sachen auch. Läutet für Akzidenz etwa doch die Glocke? Schwer zu glauben, so beliebt wie der Font und seine vielen Brüder bei gerade jungen Designern sind, zumal Helvetica ja irgendwie zu allem gleich gut passt/nicht passt.
Zum anderen die Rückkehr von Scriptfonts, die weniger eine simple Handschrift emulieren, als start zurückgreifen zu den geschwungenen Nachkriegsformen, Reklamemalerei, Retroanklängen aus den USA. Die Mister K von FSI, obwohl ästhetisch sicher etwas anders, natürlicher gehalten, ist auch so ein Beispiel für neue Scriptfonts, die die Features von OpenType ausgiebig nutzen, um mit alternativen Glyphen und intelligenten Ligaturen ein möglichst natürlich wirkende Faux-Kalligraphie anzubieten für all die Designer, die keinen Ed Benguiat in sich schlummern haben («If you need a script typeface, why don’t you draw it yourself? You’re designers, right?»).
Beides, ganz unabhängig von einander, Trends zu einem wärmeren Retrofeeling, das erschreckend gut zu dem erhöhten Wellness-Kuschelbedürfnis einer Krisenwirtschaftsgesellschaft passen würde.
11. Juni 2009 07:56 Uhr. Kategorie Design. Tag Typographie. 3 Antworten.


Schöner Beitrag!
wenn man sich die aktuelle Mode anschaut, so ist diese ja durchsetzt von zahllosen 70er Elementen. Finde ich logisch, dass Schriften da mitziehen. Stellenweise blitzen die späten 80er wieder durch. Retro wird langsam so was von alltäglich, weil die Abstände immer kürzer werden. Ein bisschen habe ich das Gefühl dass mit Retro die Einfallslosigkeit kaschiert wird. Klar, aufgewärmtes Essen schmeckt ein paar Tage später auch lecker, aber etwas wirklich neues haben Koch und Köchin da nicht gezaubert. Auch wenn alle voll des Lobes sind.
Ich denke Akzidenz wird es immer geben. Nach den üppigen Ausflügen in die Vergangenheit wird es immer das Bedürfnis nach einer reduzierten Schriftform, nach Aufbruch und Neuem geben.
Da bisher das Schreibmittel das Aussehen der Schrift vorgab, denke ich dass neue Wiedergabetechnilogien auch keine neuen Schriften hervorbringen werden. Die alten Schriften werden dagegen wieder einzughalten in den digitalen Alltag.
i’m in love with flex ot in italic.
richtich geil.
danke für den tip.