
Wie immer frühwarniger Tipp von Christoph, der die Foals lange kannte, bevor sie explodierten (und in diesem Sommer auch deutsche Festivals mit ihrer exzessiven Show rocken werden). Die Combo aus Oxford verbindet zickigen BritPop à la BlocParty mit afrobeat-insirierten Takten und Gitarren – das Ergebnis ist ein hochgradig tanzbarer Punkbeat, der klingt als hätten die Talking Heads kiloweise Ketamin geworfen. Die Band nennt das, was sie macht Math-Pop und im Grunde ist es ein verdächtig postmoderner Zitatenstadl aus Funk, Pop und Rock und Ethno, der an sich nervig sein sollte, aber keine Sekunde ist, weil die Foals alle Verdachtsmomente gegen sie energisch egen die Wand spielen und mit reiner, nackter Energie alle Zeifel wegblasen, die knackigen NewWave3.0-Drums halten die Sache kompakt zusammen, egal wieviel innerhalb der Songs experimentiert wird. Irritierend hohe Gitarrensounds, seltsame Brüche, reichlich geheimnisvolle Songtexte – alles an den Foals schreit «Kult». Schon der Opener mit dem schönen Wortspiel «French Open» macht klar, was die Foals prägt – grandioses Gitarrenzusammenspiel mit flirrenden Melodien, dezente Überproduktion mit grandiosen Bläsern, ein Beat, der das beste von Dancefloor und Afrobeat kombiniert, um im nächsten Moment wie straighter Indierock zu klingen. Explodierende, überbordende, energetische, tobende, schäumende Songs. Komplexe Arrangements, die trügerisch simpel klingen. Die lose Songstruktur die die erste BlocParty so grandios machte, übernommen und weiterentwickelt. Traumhafte Bläsersätze, die nie so nahtlos zu Punkbeats zu passen schienen wie hier. Kleine Experimente in der Produktion, die das Album nicht nur zum Brenner auf der Tanzfläche machen, sondern auch kopfhörertauglich. Das Gute an den Foals ist, dass sie trotz des Hype eine sehr solide Band sind, wie ja in letzter Zeit recht viele Hype-Bands, die sich deutlich aus dem engen NuPop-Korsett herausschälen und uns hoffentlich über die Jahre noch grandiose Platten bescheren wird. Weil nicht nur das Artwork des Albums verrät, das hier (mal wieder) jemand antritt, um den Thron von Radiohead zu erobern.
16. Juni 2008 08:05 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.