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Florence and the Machine: Lungs

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Allmählich wird schmerzhaft deutlich, dass ich mit den Alben hier schwer der Zeit hinterher hänge und aufholen muss, und dass obwohl ich nicht-aktuelle Alben schon alle weglasse. Seufz. Lungs jedenfalls ist von Mitte des letzten Jahres und gehört zu den großen Entdeckungen von 2009, wurde im Grunde schon vor dem Release (wie in den UK üblich) mit einem Wahnsinns-Hype bedeckt. Und wird den Vorschusslorbeeren mehr als gerecht. Das ungeschliffene Kiss with a Fist war die erfolgreiche Auskopplung, aber der Rest des Albums wirkt deutlich weniger White-Stripes-inspiriert, vielschichtiger, abwechslungsreicher, eine Mischung aus Kate Bush, Toyah Wilcox der frühen Siouxie und Joanna Newsom, gekreuzt mit wilden Drumbeats und einer mal märchenhaften, mal treibenden flirrenden Südstaaten-Surrealität, die unmittelbar aus der Welt von Stephen King Büchern oder True Blood zu kommen scheint und meilenweit entfernt ist von den Retroelektrosounds, mit denen uns die meisten britischen Sängerinnen dieser Tage kommen, ganz im Gegenteil – obwohl alle Tracks von Florence Welchs nasalem Gesang eindeutig zusammengehalten sind, ist die musikalische Bandbreite durchaus greifbar. So ist Cosmic Love eine wuchtige, etwas an Hounds of Love erinnernde, Orgie aus Harfentönen und Voodoodrums (die auf Blinding und zahlreichen anderen Tracks ebenfalls dominant sind), während My Boy builds Coffins, Rabbit Heart oder auch die etwas aus dem Albumrahmen fallende Coverversion von You got the Love eher herkömmlicher sauberer Pop ist, und etwa der Drumming Song eine Fusion beider Richtungen aufzeigt. Wenn es so etwas wie GarageFolkSoul gibt, liefert Florence hier genau dieses Feeling ab – jeder Track wirkt irgendwie dreckig und ein bisschen punky, ist aber zugleich in einer an das Goth-Genre erinnernden Geste operettenhaft überinszeniert, so dass man unwillkürlich auch an den frühen Marc Almond und seine Mambas denken muss. Böse gesagt ist Lungs der Versuch, aus der undurchdringlichen Skurrilität von Newsoms Ys ein Pop-Album zu melken – weniger böse ist, dass dieser Ansatz absolut gelingt. Lungs ist durch den stets etwas gleichförmigen und zu oft exaltierten Gesang (mitunter kennt Welch nur zwei Ausdrucksweisen: Laut und Lauter) mitunter etwas anstrengend, aber insgesamt ist versinkt man nach einer Weile in der hypnotischen, sirenenhaften Intensität der Stimme, der Texte und der Musik, die zusammen eine düstere Oper ergeben, deren Intensität nicht einmal durch die oft greifbare Überproduktion gemildert wird (das Intro von Girl with One Eye und viele der Demos der Deluxe-Version machen deutlich, dass Florence Gesang auch mit weniger opulenter Produktion strahlen kann). Lungs ist ambitioniert, fast angestrengt überambitioniert, und während der Hörens ist die spannendste Frage oft die, wie gut Florence Welch erst sein könnte, wenn sie sich einmal entspannen würde.

26. April 2010 07:45 Uhr. Kategorie Musik. Tag , . Keine Antwort.

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