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Fever Ray: Fever Ray

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Es ist schon seltsam, wenn jemand mit einer so markanten Stimme wie Karin Dreijer Andersson diese ausgerechnet auf ihrem Solo-Debut so derart pitcht und verzerrt, dass man sie kaum wiedererkennt. Nach dem enormen Erfolg als Teil von The Knife und Gast-Vokalistin bei zahllosen erfolgreichen Projekten ist diese Suche nach einer anderen Facette im Gesang (die ja bei The Knife bereits spürbar ist) vielleicht auch verständlich. Wie ein dunkler Zwilling der kühlen The-Knife-Ästhetik wirkt das Fever Ray Album, beklemmend, eng, trotz des großzügig verwendeten Halls trocken, eingetaucht in 80er-Synth-Sounds, psychedelische Flächen, introspektiv, kafkaesk wie das Coverartwork. Dreijer Andersson gelingt das Kunststück eines schwarz schillendern unterkühlten Bombast, in der ihre Stimme, gedoppelt, gepitcht, gestreckt und elektronisch gefoltert zu einem surrealistischen Chor wird, der durch die Festung der Einsamkeit führt. Im Hintergrund erzeug analoges Synth-Vogelzirpen, unwirkliche Percussion und Harmoniefolgen, die auf jedem Goth-Sampler aus den Mid-80s daheim wären eine Art Post-Trip-Hop-Melancholie, gegen die Portishead geradezu fröhlich wirkt. In der Suppe von New-Wave-inspirierten neuen Bands (ob nun Gitarre oder Synth-basiert) schafft Dreijer Andersson es, den Nebelsound der Vergangenheit nicht einfach abzuschöpfen oder schlimmer noch rein nostalgisch zu imitieren, sondern ihn sich ganz und gar zu eigen zu machen und zu mutieren, gekreuzt mit dem modernen Sound von The Knife und vielen ganz eigenen, unverortbaren Versatzstücken zu koppeln. So liefert ihr Debut melodisch sehr einfache Songs, oft ein absolutes Minimum an Musik, zusammengehalten von schlicht-vertrackten Beats, die wie die Musik eigentlich nur die staubige Bühne für den unwirklichen Gesang liefern, der auch melodisch oft kaum wie das Singen einer einzelnen Persn erinnert, sondern eher an surrealer Chormelodien oder eigene Instrumentenstimmen, breiter und zugespitzter, deutlich weniger individuell als Gesang normalerweise wäre. Dreijer Andersson ist damit weit weg vom ansonsten ja stets so niedlichen skandinavischen Sound, vom frickeligen und irgendwie natürlich klingenden Klang à la Múm, der immer etwas nach Wald und Weite klingt, sondern vielmehr in einem zu engen und verdunkelten Raum, einem Krankenzimmer, wo nur Halblicht durch die Vorhänge dringt und wo sie morphiumvernebelt und isolationsdepressiv ihre schleppenden Walzermelodien und fragilen Balladen spinnt. Fever Ray ist – vielleicht unerwartet beim Solodebut einer im Pop so erfolgreichen Gastvokalistin, die Royksopp immerhin den großen Durchbruch beschert hat – alles andere als eingängige, leichte Kost, sondern ein anstrengendes, ein irgendwie immer etwas unangenehmes Album, das sich hier zu eng und dort zu weit anfühlt, scharfkantig und amorph zugleich, immer irgendwie verkehrt und deplaciert. Ein dunkel schillerndes Konzeptalbum also, das perfekt zu Karin Dreijers Anderssons Selbstinszenierungen auf der Bühne passt und weniger den nächsten großen Hit produzieren soll/wird, als vielmehr ganz definitiv die Sängerin als ernstzunehmende Künstlerin etablieren dürfte, die ähnlich exaltierte und fesselnde Musik produziert wie Björk, ohne dabei auch nur für eine Sekunde nach der Isländerin selbst zu klingen, die nie so dystopisch, so zeitlupig war. Fever Ray ist der perfekte Soundtrack zu einem nie gedrehten Horrorfilm mit zu schwarzen, zu langen Schatten und flackernden Taschenlampen, in denen das Grauen nie gezeigt wird, aber jede Sekunde greifbar ist.

27. April 2009 08:15 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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