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Fenech Soler: Fenech Soler

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Nachdem man auf dem neunten Kitsuné-Sampler ja bereits einen Vorgeschmack auf die britischen Elektropopper von Fenech Soler bekam, ist diesen Monat ihr Debut erschienen (getrübt von der Krebsdiagnose des Leadsängers), das die Erwartungen, die das zittrig groovende «Stop and Stare» geweckt hat, mehr als erfüllt. Die Band um Ross und Ben Duffy fusioniert scheinbar mühelos den dancefloor-orientierten Sound von Bands à la Friendly Fire mit einer spiegelglatten, mit einer dicken 80s-Emailleschichte überzogenen Poplackierung. Das Album geht entspannt gegen den Trend der introspektiven Nabelschau und setzt – wenn man die etwas kaffige Herkunft der Jungs bedenkt vielleicht nicht überraschend – auf Party, fast jeder Track geht so weit nach vorn wie man es kann, ohne die Verzerrer aufzudrehen. Stampfende Drums, pumpende Funk-Elektrobässe und flirrende Synthpads machen aus «Lies» die Sorte Musik, die The Human League heute eigentlich machen sollten, und «Golden Sun» steht mit einem Bein unverschämt grinsenden sogar im Soundgerüst von 90s-Boybands. Ben Duffy kriegt einen androgynen Kopfgesang ebenso mühelos hin wie die von zahllosen 80s-Popacts bekannten soften Gesangs-Lines, um im nächsten Moment deutlich mehr nach Indie zu klingen – und genau so eindeutig und doch vielseitig springt die Musik, die ihn begleitet durch die Möglichkeiten der Popgeschichte, ohne jemals undefiniert zu wirken. Die Sounds sind durchgehend etwas retro, mitunter fast billig, die Programmierung ist straight, aber nicht primitiv, das Quartett setzt auf synkopische Bassgrooves, die die darüber flirrenden Synthgebilde erden – und am Ende steht eine Musik, die manchmal nur knapp davon entfernt ist, an alte Britney-Spears-Tracks zu erinnern oder an mittelfrühe Heaven 17, die durchaus auch in den Strukturen und vor allem den Sounds eine gewisse Selbstähnlichkeit haben mag – die aber eben auch verdammt in die Füße geht. Wenn ein Album nahezu durchgehend, Track für Track, auf meiner Running-Musikliste landet, wird klar, dass Fenech Soler sich auf ihrem Debut einfach nahezu keinen Durchhänger geleistet haben – und das alle Songs sich in einem Tempolimit bewegen, dass zum motivierten Laufen perfekt ist (und damit eigentlich auch für die Clubs). Jeder Track hat Anthem-Qualität, schraubt sich wie eine alte Doppeldecker-Maschine mit einem auf Ketamin gedopten Howard Hughes am Steuerknüppel nach oben, in die Wolken, in die Sonne, und nimmt dich mit – Fenech Soler mögen keinen Tiefgang produzieren, aber ihnen ist ein fast pervers optimistisches Album gelungen. Jeder Track – was daran liegt, dass sie sich auch nie sonderlich unterscheiden – ist auf «Hit» programmiert, ohne sich jemals anzubiedern, Fenech gelingt diese Pose, halb zu dir hingeneigt, halb lässig an der Bar lehnend, die nur britische Acts (oder sehr britisch wirkende Bands) in dieser Form liefern können, diese mühelose Coolness, die Pop ausmacht. In dieser Hinsicht ist das Albumcover nahezu perfekt – der Glitterkonfetti, die etwas Gaydisco-artige Partylaune, und darin dieses komisch komplex wirkende, leicht rätselhafte Artefakt – das bringt die Musik sauber auf den Punkt. Denn unter der perfekt produzierten Dancefloor-Power, unter den High-Energy-Stacks, unter den Cowbells und zuckenden Bassgewittern, steckt durchaus mehr, denn die Architektur der Songs hat eine irgendwie kristalline Qualität, ist klar und einfach, aber eben doch beim mehrfachen Durchhören smart und jenseits von einfachem Autotunes-Radio-Pop. Ob FS noch wirklich «Indie» sind – ohnehin seltsam, dass dieser Begriff heute nicht mehr für die Labelbindung steht, sondern eine Art Musikclusterbezeichnung geworden ist – darf man bezweifeln, aber es ist die Sorte smarte, elegante, nonchalante, charismatische und sexy Pop, von der es ruhig mehr geben dürfte.

Wer sich sich einen Vorgeschmack auf die Northamptonshirer anhören will, kann sich übrigens vorab vier Songs des Albums sind nun kostenlos als «White Versions EP» downloaden: http://www.fenechsoler.co.uk/downloads/whiteversions.htm

21. März 2011 09:13 Uhr. Kategorie Musik. Tag .
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