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Erland and the Carnival

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Der Ex-Verve-Gitarrist Simon Tong hat eine bunte Karriere hinter sich und sein Handwerk unter anderem bei Damon-Albarn-Projekten wie Blur, Gorillaz und The Good, The Bad & The Queen gelernt. Da darf nicht verwundern, dass sein eigenes Projekt Erland & The Carnival ähnlich konzeptionell seltsam ist wie die von Albarn. Die Musik, die Tock zusammen mit dem Ex-The-Fireman-Drummer Nick Tong produziert, lässt sich am ehesten noch als ein Mix aus Mogwai-Psychedelia mit Folkelementen, 60s Einflüssen und schweren Drogenexzessen beschreiben. Der Ansatz, alte britische Folksongs, Gedichtfragmente und andere Einflüsse neu zu interpretieren, zu remixen, zu verschmelzen und auseinanderzunehmen ist in der fast schon nicht mehr ganz gegenwärtigen Neo-Folk-Welle schon fast mit einem ironischen Unterton zu sehen, die tatsächlich an reisende Kirmesmusiker erinnert – im Grunde der perfekte Soundtrack zu einem Film wie Das Kabinett des Dr. Parnassus . Prächtig produziert, sind die Songs abwechslungsreich, trocken-humorig, und auch jenseits des wahrscheinlich nur für Briten voll verständlichen bizarren Experiments einfach wunderbar anzuhören, torkelnde, hypnotische Kompositionen und Arrangements, die mal sparsam, mal hyperpsychedelisch daherkommen und dabei deutlich weniger bierernst in den Folktopf gucken als etwa Bands wie The Decemberists. Wenn etwa Disturbed this Morning gegen Ende in einen grandiosen leisen Noise untergeht, oder Love is a Killing Thing sich zu postrock-artigen Soundtürmen hocharbeitet, schafft das ein grandioses Gegengewicht zu den etwas geradlinigeren Songs des Albums, die zum Teil eine mehr als kuriose Mischung aus 80s/90s Alternative und 60s-The-Doors-on-Stereoids-Flair haben, manchmal gar White-Stripes-Momente oder Einflüsse von den Kinks bis zu Clash aufblitzen, stets mit wechselnden Gefühlen, Beats, Instrumenten, Gesangsflairs, musikalischen Einflüssen – man hat selten eine Platte gehört, die so postmodern einen Hexenkessel von Einflüssen und Ideen zu einem Zaubertrank verrührt, in den jeder kleine Gallier nur zu gerne reinhopsen würde. Langweilig, wie so viele neuere Indiefolk-Sachen, ist diese Zirkustruppe jedenfalls keine Sekunde.

4. Mai 2010 09:46 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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