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ELMORE LEONARD: UP IN HONEY’S ROOM

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Up in Honeys Room knüpft an The Hot Kid an und damit an die Karriere des inzwischen verheirateten US Marshal Carl Webster, der hier allerdings fast eine Nebenfigur ist. Elmore lässt seine Handlung diesmal in den Wirren des späten Zweiten Weltkriegs stattfinden – Webster verfolgt zwei Nazis, die aus einem Kriegsgefangenenlager und landet im 1944er Detroit, eine Stadt, die an Sleaze kaum zu überbieten hat. Leonard lässt den stoischen Webster, der hier deutlich weniger Flair hat als in The Hot Kid, auf ein fast undenkbares Panoptikum absurder Charaktere treffen: Walter Schoen, ein langweiliger deutscher Metzger, der sich für Himmlers heimlichen Zwilling hält und plant, den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt zu ermorden, weil das seine Berufung ist, seine Ex-Frau Honey Deal, die gerne mal halbnackt vor Webster herumstolziert, die ukrainische Spionin Vera und ihr Diener Bohdan, der seinerseits eine transvestitische Ader hat, dazu jede Menge deutsche und amerikanische Nazis verschiedenster Bauart, darunter  Otto Penzler und Jürgen Schenk, der mit 26 noch relativ jung ist, unter Rommel Panzererfahrung gesammelt hat, eigentlich tief in seinem Herzen aber vor allem ein Cowboy sein möchte. Diese bizarre Grundkonstruktion füllt Leonard mit knackigen Dialogen, Alkohol, Sex und Crime und seinen Trademark-Charakteren, die nie ganz rein und nie ganz dreckig sind, sondern immer versuchen, durchzukommen. Honey’s Room folgt Leonards Trend zu fast bizarren Geschichten, die einen trockenen Humor mit Crime verbinden, wobei gerade hier eigentlich fast keinerlei echte Handlung mehr statt findet. Wir folgen den oft überzeichneten Charakteren durch das Buch, aber in Wirklichkeit findet denkbar wenig statt, manche Entwicklungen werden sogar nicht fortgeführt (vielleicht in einem nächsten Buch), und trotzdem führt Elmores Gespür für Dialog und Authentizität den Leser souverän durch die vond en verschiedenen Charakteren wechselnd erzählte Geschichte, obwohl die Nazis meist eher lachhaft als bedrohlich wirken, mit Ausnahme eben der zunächst am lächerlichsten wirkenden Figur, Bohdan Kravchenko. Wie so oft bei Leonard lachen wir über die Clownerien der verlorenen und verwirrten Charakter, bis sie in einer explosiven Gewaltentladung plötzlich immer noch unbeholfen und lächerlich wirken – aber dabei eben zugleich tödlich sind.

Up in Honey’s Room ist nach dem recht starken The Hot Kid eher ein durchschnittlicher Leonard, lesenswert, aber nothing to write home about. Mit Honey Deal hat Leonard einen Vorläufer des harten Mädels Jackie Brown geschaffen, die selbstbewusst und sexy und sensibel zum eigentlichen Kern des Buches wird und deren Amusement über Webster und die Nazi-Posse wir meist teilen. Sie stiehlt dem eigentlichen Protagonisten des Buches, Webster, mühelos die Show und es wäre nicht übel, wenn Leonard ihr noch einmal einen Besuch abstatten würde…

8. Oktober 2008 10:44 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

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