
Gutes Design ist oft die Kunst des Weglassens. Das Simple erfordert jedoch oft einen kreativen Sprung, eine Art laszive Bösartigkeit, die die Arbeit dann besonders macht. Dieses von JWT stammende Plakat in Melbourne ist ein Paradebeispiel: Böse gedacht, minimalistisch gemacht, anstelle der sonstigen Gutmenschen-Langatmigkeitsslogans ein klarer Faustschlag von einer Botschaft, so simpel wie die Gestaltung. Wie effektiv das ist – nicht nur als gelungene Ambient-Media-Arbeit, sondern auch als Design – zeigt das Umfeld, das gegen die große weiße Fläche und die klare Typographie auf einmal überladen und langweilig wirkt, der urbane visuelle Müll-Flickenteppich, dessen Unruhe die Wirkung des Weißraumes erst ermöglicht. Die Wirkung von Großzügigkeit im wimmeligen Umfeld hat Tschichold ja in Erfreuliche Drucksachen… dokumentiert, aber hier wird deutlich, wie frisch simple Typographie wirkt, die fast nichts mehr will, wenn sie mit einer gewissen Brutalität gekoppelt wird. Wie beim Kochen: Statt einen Tisch voller Trashfood lieber wenige, aber feine Zutaten. Das JWTs Anxiety Index eher ein schlimmes Beispiel für Werberzynismus ist (und bitte hoffentlich ironisch gemeint?), ist eine andere Sache….
12. Mai 2009 07:09 Uhr. Kategorie Design. Tag Werbung. Eine Antwort.
Großartig!!!