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EiN PAAR HALBWEGS ABSCHLIESSENDE MEHR ODER MINDER UNGEORDNETE GEDANKEN ZU VISTA

Nach einiger Testzeit – ich habe in den letzten Wochen zwei Rechner 64 und 32 bit mit Vista eingerichtet und gemoddet, zeitgleich zwei Rechner mit XP – kann ich sagen, dass man als XP-User eigentlich (noch) keinen sonderlichen Grund für ein Update hat. Mit Skins wie dem Brico-Vista-Inspirat-Pack, mit Object Dock Plus und Yahoo/Konfabulator Widgets und Exposer für XP und Switcher für Vista (den ich visuell sogar noch etwas besser finde als Exposé) und natürlich etwas Zeit lassen sich beide Systeme oberflächlich nahezu identisch machen, abgesehen von dem Glas-Effekt von Aero. Im grunde ist das Endergebnis – wie Vista an sich ja auch – nahe dran an einer Art sleeken, schwarzen Apple-Skin. Nach wie vor etwas schade, dass Apple stets die Interface-Sachen entweder erfindet oder genial von Freeware integriert und Windows dieser Entwicklung immer etwas hinterherhinkt (und das – im Falle der Sidebar – auch noch schlecht). Ich denke, mit der Zeit werden sich aber für die sehr flexible Aero-Oberfläche zahlreiche exzellente Mods finden. Wie immer ist Windows out of the box ein saumiserables System, das aber langfristig ein Hochmaß an Flexibilität bietet, einfach weil es binnen kurzer Zeit mit diversen Tools umstrickbar wird :-D.

Grandios ist für alle Vista-Installateure das Tool vLite, mit dem man schon von Start weg unwichtige Bestandteile des OS aus der Installation weglassen und zugleich eigene wichtige Treiber einbinden kann. Einfach zu handhaben und hochwirksam – allein das Entfernen fernöstlicher Sprachmodule spart auf der DVD 1,4 GB. Warum Microsoft dem User bei der Installation solche Entscheidungen nicht einfach selbst lässt, ist mir allerdings ein Rätsel. Ist aber im Trend. Bei Office 2003 konnte ich noch weitestgehend selbst konfigurieren, was installiert wird, bei Office 2007 sind meine Optionen spürbar eingeschränkter. Mehr und mehr Software installiert sich stillschweigend wie die Anbieter es wollen, CS3 ist auch so ein Beispiel. Das soll kundenfreundlich sein… ist es aber in Wirklichkeit nicht.

Vista lässt sich mit etwas Einsatz sehr gut zurückschrauben zu einem halbwegs soliden, halbwegs schlanken OS mit dem sich sehr gut arbeiten lässt. Einige Features sind ziemlich großartig, andere Sachen nerven eher und waren unter XP einfacher, cleaner gelöst. Vieles bedarf bei XP weniger Nerverei als bei Vista, weil Vista versucht, sicherer zu sein. Es mag ein Sicherheitsfeature sein, dass du auch als Admin einige Dateien und Ordner nicht manipulieren darfst… aber es ist im Vergleich zu XP eher ein Rückschritt im Alltag. Ich frage mich schon, wie ein unerfahrener User Office installiert, wenn er – selbst als Admin – die dazu nötigen Dateien nicht überschreiben kann. Es gibt natürlich einen Workaround, aber… solche Sicherheitsfeatures sollten sich global (wie ja zB das UAC und Defender auch) deaktivieren lassen und fertig. Windows ist immer noch zu sehr an IT-Menschen orientiert.

Würde ich heute einem Einsteiger ein System empfehlen müssen, so würde ich ihn zu Apple raten. Einfach, weil Apple keine Computer verkauft, sondern Videorekorder. Fertige Hardware, fertige Software, aus der Kiste, einschalten, fertig. Don’t think. Nicht ganz mein Ding, ich würde wahrscheinlich sofort auch beim Apple rumwerkeln (mich machen zig Sachen an OSX madig… alles an OSX out of the Box missfällt mir, auch die Hardware (Mighty Mouse zum Beispiel) ist ein Alptraum. Ich hab am WE zehn Minuten an der MM gearbeitet und kam mir vor wie behindert. Das Ding sieht stylish aus, aber liegt schlecht in der Hand, ist dysfunktional und kann de facto mal nichts im Vergleich mit selbst den einfachsten Logimäusen, gegen eine MX Revolution hat man so eine Art Steinzeit-Feeling an der MM. Wer arbeitet freiwillig mit sowas?), aber für nen Anfänger… perfekt. Das ist bei Microsoft einfach nicht mehr der Fall. Als blutiger Laie bekommst du ein überladenes OS, als Power-User musst du halt sozusagen gegen das System an sich arbeiten, um dann am Ende aber ein relativ schönes OS stehen zu haben. Die dazu nötige Zeit würde ich einem Anfänger aber sparen wollen. Apple ist anfängerfreundlicher, weil ein closed system. genau die Sachen, die mich nerven, sind hier für Anfänger solide durchdacht und gemacht und stringenter als bei Microsoft. Ich denke, die hermetische Ankoppelung von Hard/Software und ein stark in Richtung Computer-sind-Haushaltsgeräte driftendes Denken bei Macintosh dürften der Marke, neben dem überzeugenden Design und dem überragend schlauem Marketing, ein Wachstum eröffnen, das Microsoft sogar in einigen Segmenten alt aussehen lassen wird. Vista ist, muss man ganz klar sagen, Microsoft Eigentor schlecht hin – es GIBT keinen besseren Grund, zu Mac zu wechseln. Das OS fühlt sich fast bis ins Detail wie ein Apple-Nachbau an, ist aber ohne Feintuning deutlich klobiger und uneleganter und unintuitiver gemacht. Warum also nicht gleich zum Original greifen? Wenn bei MS irgendwer irgendwie halbwegs mitdenkt, sollte es sehr schnell einen Nachfolger geben, der eigene Akzente setzt, der sich deutlich einfacher für Laien anfühlt und deutlich modularer und offener auf Profis zugeht. 98 und XP waren sehr solide Betriebssysteme, Vista ist alles, aber eben NICHT der Wow-Effekt.

Dabei ist Vista derzeit weder stabiler noch schneller als XP, und – vorausgesetzt, man installiert auf beiden Systemen Norton 360 oder eine andere Sicherheitslösung – auch nicht sicherer… und auch nur einen Hauch schöner :-D. Ein großer Wurf, nach der langen Wartezeit, ist das alles nicht. Mir wäre deutlich lieber, es gäbe ein modulares, sehr leichtes OS, das sich mit offenen Modulen erweitern lässt und dem Pro-User ein Maximum an Spielraum gibt. Vista entfernt sich von dieser Denke eher, Microsoft und Apple werden sich hier immer ähnlicher, orientieren sich an Onkel Otto und Tante Agathe. Macht ja auch Sinn, der Markt wird dorthin gehen.

Vista ist insofern etwas wie Quark XPress, der letzte Schrott, wenn man es auspackt, aber mit zig Plug-Ins und Modulen ganz schön in den eigenen Workflow zu integrieren. Ein paar Bugs hab ich dem System IMMER noch nicht ausgetrieben, aber das sind Kinderkrankheiten, das wird schon noch. Man darf auch nie vergessen: Microsoft hat es sehr viel schwerer als Apple. OSX ist für ein relativ fixes Hardwaresystem gebaut. Windows muss in zigtausend möglichen offenen Konfigurationen, fast hardwareunabhängig, funktionieren. Das ist ein gigantischer Vorteil für den User, ein Geschenk an Freiheit, aber eben auch Balast für die Software, die viel flexibler sein muss und insofern schon vorn vorne herein mit viel mehr Treibern und anderem Ballast daherkommt. Dazu noch ist die Firma – wie viel zu viele Softwareanbieter, auch Apple und Adobe – inzwischen marketingorientiert, nicht mehr entwicklungsorientiert. Was in allen drei Fällen ein ziemlicher Rückschritt ist. Jede neue Version dieser drei Anbieter scheint etwas weniger neue brauchbare Features zu bieten, aber in anderer Hinsicht oft auch Rückschritte darzustellen. In CS3 sind im Detail solche Rückschritte greifbar, bei Vista ist nahezu kein FORTschritt zu verzeichnen. Die Firmen sind zu vorsichtig.

CS3 läuft übrigens allerdings unter Vista bereits – gerade unter MultiCPU – spürbar fixer als unter XP. Ich denke, neue Softwares werden einen Grund bringen, umzusteigen. Und in ein oder zwei Jahren wird es von Mods und Skins für Vista so wimmeln, dass man bedenkenlos switchen kann.

Einstweilen aber würde ich dazu raten, bei XP zu bleiben. Ist Vista bereits installiert – auf einem Laptop o.ä. – würde ich es MASSIV abspecken und rekonfigurieren. Mit einer Ausnahme: Ich selbst habe Aero – obwohl Speicherfresser – nicht abgeschaltet, ich mag den Glasslook einfach :-D. Aber auch hier wäre es schön. wenn der User mehr Einstellungsmöglichkeiten hätte… Aber abgesehen von der neuen Oberfläche und marginalen Verbesserungen, merkt man kaum eine Art von Quantensprung zwischen XP und Vista, im Gegenteil. Microsoft hat sich erschreckend streng an XP orientiert und keine wirkliche Weiterentwicklung der IDEE von Betriebssystem geliefert. Bei Apple gab es einen – schmerzhaften – Sprung von System 9 und der alten Denke hin zu UNix und OS X, der sich jetzt langsam wirklich auszahlt. Leopard liefert anscheinend noch KEINE Überarbeitung der unsagbar augenkrebsigen Aqua-Oberfläche, im Gegenteil, alles wird noch bunter. Aber wenn die Site und das iPhone einen Vorgeschmack geben, findet anscheinend ja in Cupertino langsam ein (zu vorsichtiges) Umdenken in Sachen GUI statt, hin zu cleaneren, ruhigeren Strukturen.

Ich denke, langfristig sind beide OS keine Lösung, aber die Open-Source-Angebote (meist Linuxbasiert) sind bisher auch bestenfalls halbgar und haben – eben anders als Windows – nicht den Vorteil des nahezu unerschöpflichen Softwareangebotes. Trotzdem. Ein schlankes OS, modbar, kompatibel, offen, schnell, leicht und mit einem schnellen, schicken Interface… vielleicht mit dem Flair von Native-Instruments-GUIs… man muss ja mal träumen dürfen. Ich verstehe bis heute nicht, warum niemand von MINI lernt, das offene, flexible User-Konfigurierbarkeit ein klarer Marktvorteil sein kann. So wie man bei MINI Dachfarbe und Spiegelfarbe und zig andere Module einzeln konfigurieren kann und so – für einen industriellen Anbieter – zu einem relativ individuellen fahrzeug kommt, so sollte man als Rechneruser auch in der Software möglichst viele Details personalisieren dürfen. Ohne Hacks, sondern als Standard.

Fakt ist aber, Apple UND Microsoft werden sich weniger und weniger für den Rechnermarkt interessieren und mehr und mehr in Nebenbereiche (Entertainment, Webangebote, Mobile) einsteigen, weil im Consumersegment einfach mehr Geld steckt. Was vielleicht aber bedeutet, über kurz oder lang, dass irgendwelche smarten Programmierer aus der Not eine Tugend machen. Wäre ja nicht das erste mal… oder arbeitet wirklich noch jemand mit Internet Explorer :-D?

Die wirklichen Verbesserungen bringen dementsprechend eher kleine Entwicklungen aus Free- oder Sharewaresegment, die sich unglaublich professionalisiert haben. Mit Hilfe von Widgets und anderen Tools lassen sich Betriebssysteme inzwischen – unabhängig vom Ausgangs-OS – völlig umstricken. Der Yahoo-Microplayer ist in den Background eingebettet, minimal, und tut genau so seinen Dienst wie der Mediaplayer, nur schöner, leichter, smarter. Und das, denke ich, ist ein Signal für die Zukunft: Minimales, schlankes, offenes OS. Und darauf aufbauend modulare Skins und Tools. Die hinter den Widgets steckende Idee von einem hochgradig individualisierbaren Patchwork-Betriebssystem ist die Zukunft, hoffe ich.

16. Juli 2007 08:03 Uhr. Kategorie Technik. 10 Antworten.

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