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EAT MAN DRINK WOMAN

Langweilig ist das Wort, daß ich in letzter Zeit oft sage. Nicht nur, weil so eine Trennung durch bestimmte Stufen läuft, die du ja theoretisch kennst und durch die du eben doch peu à peu durchmußt, wie durch einen dicken Eisberg, ohne Shortcut. Aber auch, weil ich die ganze Geschichte inzwischen so oft erzählt habe, daß ich merke, wie ich schon in bestimmte Floskelschubladen greife. Bestimmte Formulierungen, die immer und immer wieder kommen (weil sie auch gut sind :-D). Abwechslung bringt, daß ich streite mich mit meiner Mum, weil ich ausgerechnet Sandra in Schutz nehme, gegen neues Verliebtsein kann sie ja auch nichts machen und so. Und wenn du gerade denkst, du hast den Kopf über Wasser kommen dann von ihr pragmatisch-kühle Mails über Sachenabholen und so, die dir die Lust am Verteidigen irgendwie nehmen. Der Ton ist reduziert und knapp, effizient, und dein Kopf weiß ja, daß das gut und fair ist, daß man das gemeinsam auf diese Art eben auch sauber hinkriegt, aber Gott, dein Bauchgefühl geht voll in den Keller. Jede Mail sagt eigentlich ja: Das ist alles real. Das passiert echt. Paola und Kurt kommen immer noch nicht hinterm Vorhang hervor. Du wünscht dir dabei nur, vorspulen zu können, den ganzen Prozeß zu beschleunigen, einfach schon Oktober 2006 zu haben und zu sehen, ob du das alles intakt überstanden hast. Ich will das Aufteilen von in 20 Jahren gemeinsam gekauften Erinnerungsstücken, das seltsame finale Autotürschließen, das Mitleid, die Vorwürfe und die Selbstzweifel nicht haben. Aber keine andere Wahl, als sich mit einem kleinen Teelöffel durch den dicken Eisberg zu buddeln und zu hoffen, daß am anderen Ende alles wieder gut ist. Daß Sandra geht, hat ja auch etwas karmisches, reflektiert auch meine eigenen Attitudes des letzten Jahres wider, den eigenen Streß, die Fehler (aber macht euch nichts vor, mich so kalt und kalkulierend abzuservieren ist ja nun auch keine Steilvorlage für ihr Karma. Ich hoffe insofern aufrichtig, daß die Sache glücklich für sie endet.). Das letzte Jahr war eine Aufopferung, für das gemeinsame Projekt, die Arbeit, das Geld, das Haus. All die Sachen, die immer unwichtig waren und dann zu wichtig wurden. Zu viele Jobs jongliert, zu viel Rechnungen, die bezahlt werden mußten, zu tief im Hamsterrad, zu wenig Leben gehabt, zu wenig Kreativität. Die Stresssymptome. Übergewicht, Rückenschmerzen, immer müde, immer am Limit. Der Spaß an der Arbeit und eben auch an der Beziehung, um die es im Kern bei der ganzen Arbeit ja immer ging, kamen unter die Räder. Ich war im Büro gestresst, den Kunden gegenüber dünnhäutig, in der Ehe oft nicht liebevoll genug. Ob das ein Grund ist, ohne jede Diskussion binnen von drei Tagen zum neuen Lover zu ziehen, sei mal dahingestellt. Zumal ja ein Ende in Sicht war.

Wie dem auch sei, das gemeinsame Projekt – Haus/Kind/Happyness – ist weg und damit auch der Sinn des Sich-Kaputtmachens. Im Moment ist ein Faden durchgeschnitten, eine Lebensplanung seit dem
18. Lebensjahr bis ins hohe Alter, vom Abitur bis zum Alter am Strand
in Spanien. Ohne dieses Projekt – wenn ich nicht in Depression stürzen will – muß der Spaß wieder her. In die Arbeit, ins Leben. Im Idealfall ist in ein zwei Jahren mein Leben bunter, intensiver als in den letzten zwanzig Jahren. Im Idealfall verdiene ich dreimal soviel und hab achtmal soviel Spaß dabei. Da muß (und wird) es jetzt hingehen. Everything must be beautiful. Über die Alternative denken wir einfach mal gar nicht nach, ja? Ich will nicht wie mein Vater enden, bitter und einsam. Und mache man sich nichts vor, bei all diesem ganzen seltsamen Schmerz (der immer noch wie ein seltsamer Elefant mitten im Raum steht, zu groß, um ihn ganz zu fassen; du kannst immer nur einen Rüssel, einen Fuß, ein Ohr betasten) ist das ja jetzt schon so. Kein TV-auf-der-Couch-gucken seit über einer Woche, mehr Freunde gesehen, mehr erlebt als lange zuvor. (Und leider auch kaum geschlafen.) Sicher nicht so happyhappyhappy wie Sandra, die sicher auch intensiver lebt, aber dazu randvoll mit komplett frischer Liebe aufgetankt ist… aber immerhin. So eine Trennung schockt dich auch ins Leben zurück.

Vorgestern und heute also Essen und Cocktails bis nachts um 3:00, tolle und lange ICQ-Gespräche und Telefonate, die mich immer wieder aufpeppeln. Kaum Schlaf, aber hellwach, mit reiner blinder Willenskraft gegen das Loch angehen, Optimismus durch Autosuggestion. Lange frühstücken mit dem Team, schöne Sachen für Bielefeld und Schneider machen. Jeden Morgen das Mantra: This will not kill me.

Und 1000 Dank an B.S. für wunderbares, seltenes Verständnis und eine Terminverschiebung. Mein Highlight des Tages, erhofft aber bestimmt nicht erwartet. Arbeiten wir je zusammen, bin ich dein Samurai.

29. November 2005 05:00 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

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