Dirk Rudolph ist einer der letzten seiner Art – im besten Sinne. Es gibt iauf meinem Weg zum Design eiige wichtige Meilensteine, persönliche ‹Götter› – Thorgerson, Saville, Oliver, Carson, Spiekermann, McKean und eben Dirk, auch wenn ich heute vielleicht eher von dem schlichterne Stil von Meiré oder Bill Cahan inspiriert bin oder gleich in die Vergangenheit schau, bei Aicher oder Fleckhaus oder Brodovitch. Ich hab Dirks Platten schon gesammelt, bevor ich wußte, daß es ihn gibt. Die Cover für Phillip Boa und andere Bands, die er gemacht hat, springen dich im Laden so an, daß ich (als jemand, der Musik bevorzugt nach dem Cover kauft) nicht umhin kam, zig Alben aus seiner Feder zu haben, bevor ich überhaupt wußte, daß sie alle von einem Designer stammen. Bei Dirk, wenn auch nur zu kurz, zu arbeiten,ist bis heute der Moment, in dem ich endlich wußte, was ich machen will, kleines Büro, nette Leute, gute Arbeiten. Dirk ist nicht nur ein brillanter Photograph (was man leider inzwischen zu selten sieht), sondern vor allem eben auch kein Designer, sondern ein Künstler, dessen Werke, wie bei Dave Mc Kean, nur eben kommerziell angestoßen sind und Verwendung finden. Fast autistisch, hochintuitiv und mit einem atemberaubenden Auge für Dynamik, Proportion und Ästhetik, zaubert er Cover, die wenn man ihm über die Schulter sah immer recht normal wirkten, bis man kurz raus geht, einen Kaffee holen, zurückkommt, die ganze Sache frisch sieht und völlig weggeblasen ist.
Der letzte seiner Art ist Dirk leider, weil das Medium stirbt. Vinyl vorneweg (ahhh… Hair von Boa…) und jetzt die CD. Ich denke, dals Ausnahmekreativer wird er immer Jobs und Künstler finden, denn je weniger die CD gegenüber MP3 das Massenmedium ist, umso wichtiger wird die Package werden. Aber nach Rudolph und Sagmeister bin ich nicht sicher, ob genialistische CD-Plattenmacher noch nachkommen werden, ob die zet nicht einfach vorbei ist, ob nicht einerseits nur noch Bravo-Starschnitt-Band mit entsprechend bonbonfarbenen Covern kommen werden und andererseits mehr und mehr das Web als Medium wichtig sein wird.
Hier ein Interview mit Dirk für die Toten Hosen, deren Design er seit einiger Zeit betreut.
Hier eine kleine Diashow zur Entstehung des Covers.
20. Februar 2005 17:19 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
