… kommt post-Typo, wenn der erste Student dir via ICQ mitteilt, daß er ein Referat von den nur drei Wochen, die er hatte, nicht fertig gekriegt hat. Einen Beitrag über Peter Saville, wobei alle Designer-Profiles eben primär SPASS machen sollten, eine Chance für jeden Studenten, sich in «seinen» Designer zu stürzen und zu verlieben, um dieses Feeling dann hoffentlich allen beizubringen.
Nachdem man drei Tage mit ultramotivierten Menschen, ob Anfänger oder Profi, zusammen war… kommt einem das irgendwie unwirklich vor. Irgendwie hat Jürgen Huber ja recht, wenn er fragt, warum zur Hölle ICH denke, meine Studenten motivieren zu müssen. Die müssen MICH motivieren. Der Auftraggeber wirds ja später auch nicht tun, sondern sie müssen IHN begeistern. Kann man nicht früh genug lernen. Wer Design nur macht, wenn er in die Schule geht, und nicht von morgens bis abends in sein Leben einbindet, sollte lieber einen normaleren, weniger intensiven Job finden. Wenn du in einer Stadt wie Berlin nicht einen Stein werfen kannst ohne zehn «Mediendesigner» (was immer dieses Wort auch bedeutet) zu treffen, dann werden nur die überleben, die sich selbst immer wieder motivieren und aufstehen und ihr Bestes geben, ohne einen wirklichen exogenen «Anlaß» dafür zu haben, weil es eben in ihnen drin steckt und raus muß. Weil sie es, unterm Strich, für sich selbst tun und andere daran teilhaben lassen.
Vielleicht ist die Aufgabe als Dozent also weniger, die Unmotivierten motivieren zu müssen, wie ich immer denke, als vielmehr diejenigen, die Talent und mehr als genug Drive haben, eindeutig herauszufordern, sich weiterzuentwickeln und in die richtige Richtung zu schieben.
23. Mai 2006 08:36 Uhr. Kategorie Leben. 19 Antworten.
Saville. Der ist genial. Mann, Bücher angucken!!
Savilles Joy-Div-Cover und Arbeiten für NO sind einer der fünf sechs Influences, die mich ins Design geschubst haben.
Ich komm ja aus der Zeit, in der diese Arbeiten entstanden. Und war 2004 echt geknickt, Saville verpaßt zu haben, obwohl es durch das Geplauder mit Rainer Jeberien einen guten Grund gab, und ich wahrscheinlich mehr gelernt habe. Zumal ich, aus dem Transkrpit weiß ich ja, worums ging, nichts neues gelernt hätte, Peters Lebenslauf kenn ich ja nunmal. Vielleicht kann man bei Music echt versuchen, den Meister mal auf die Hall zu zerren. Ich fände Saville und Vaughan und Brody in einer Sitzung – vielleicht 90 Minuten als Session über Music Design in den 80ern, an der Schwelle zum Digitalen Zeitalter – spannend. Die Emigres würden auch sehr gut passen, ditto (mal wieder) Carson. Aber gut, den hattenmajagerade.
David Carson würde ich echt nicht mehr auf die nächste Typo einladen… allerdings wäre eine Kombination aus Peter Saville und Reid Miles (siehe BlueNote) nicht schlecht.
Und um die Motivation der Studenten: das höre ich auch immer wieder von mir bekannten Dozenten. Es gibt zu wenige Studenten, die echt drive haben.
Aber who the hell is Jürgen Huber?
Ich glaube, ich muss noch mal was zu Carson sagen. Wir machen des Programm zwar zum großen Teil aus Überzeugung und mit viel Selbstsicherheit, aber wir hören auch auf unsere Gäste. Carson wird seit 6 Jahren immer wieder gewünscht, auf dem berühmten Fragebogen, den wir gegen Ende der TYPO verteilen. Und dieses Jahr durfte er wieder mal kommen. Wie das dann ausgegangen ist … das haben wir alle erwartet. Nun hat er 300 Fans weniger, 400 bleiben ihm weiterhin treu.
HD … zum Thema Stärken fördern. Ich glaube, es war einer der großen Fehler sozialliberaler Bildungspolitik in diesem Land, Schwache übermäßig zu fördern und nichts für die Starken zu tun (die dann zum teil in den USA weiter studierten). Ich will nicht politisieren, bin auch ein Opfer dieser Politik: 7 Jahre an der Hochschule mit meinem Physikstudium verplempert. Vergessen wir die politische Komponente, wenden wir es ins Persönliche … In der Biografie von Hartmut Esslinger habe ich gelesen, wie es die Amis richtig machen: Nicht die Schwächen mit viel Mühe ausgleichen, sondern die Stärken fördern – so muss es laufen. Du hast es mit anderen Worten oben schon geschrieben.
ja! hd, ich arbeite für dich und hab dich dafür als privat-prof, ok? ;)
Zu Carson vs. Lasn schreibe ich vielleicht noch etwas, weil hier ein tieferes Design-Problem steckt. Dennoch: Carson ist einer der Leute, wegen denen ich diesen Job mag und erwählt habe. Erik, McKean, Carson, Rudolph sind vier Eckpfeiler. Es gibt noch mehr, aber hier sind Essentials schon drin. Carson hat einfach in den neunzigern gezeigt, daß Typographie keine trockene Materie ist, sondern lebendige und atmende Auseinandersetzung, daß der Designer ein Redakteur sein kann, ein Interpretator. Diese Botschaft, obwohl ich längst visuell anders arbeite, ist geblieben. Das Problem, das ich heute an David sehe, ist daß er sehr viel Oberflächendesign macht, aber wenig tatsächlichen Content, weswegen seine Arbeit so nahtlos von Counter-Culture (Raygun) zu Over-the-counter-Culture (Nike, Armani, Microsoft, Bank of America) wechseln konnte.
Jürgen, ich steh ja zu dem sozialdemokratischen Glücksversprechen für alle, als Kind aus nicht zu dollen Sozialverhältnissen. Und ich denke, meine Unilaufbahn habe ich selbst verzockt, weil ich zuviel arbeiten mußte, mangels Bafög. Aber für uns beide gilt ja: Wo man jetzt ist, ist es ja ganz gut. Obwohl ich manchmal schon schade finde, meinen Abschluß nicht zu haben, so ein Dr.-TItel würd mir sicher stehen :-D.
Thierry: Kauf ich :-D
ich hab von arbeit geredet HD, nicht von menschenhandel! ;)
ne ernsthaft: ich bin mir der gotteslästerung bewusst, die dieses statement bedeutet, aber: auf meine (sicherlich noch kurze) gestalterische geschichte hatte carson direkt relativ wenig einfluss. genau diese von dir genannte oberflächlichkeit hat mich immer gestört, nur konnte ich sie nie so genau bezeichnen.
irgendwie hatte ich immer das gefühl, dass da etwas aus rein stilistischen und nicht konzeptionellen gründen geschieht, und das finde ich einfach ziemlich langweilig.
irre ich mich? kenne ich carson einfach zu wenig?
- ums gesagt zu haben: ich bin 20 und habe sicherlich zu wenig geleistet, um mir diese “gotteslästerung” eigentlich anmassen zu dürfen. ich meine damit auch nicht, dass ich es besser könnte und so weiter. sowieso: das ist einfach mein gefühl bezüglich carson, und das wärs -
Was Carson kann, und das wie kein zweiter, ist intuitiv Schrift und Bild kombinieren und im zweidimensionalen Raum damit arbeiten. Da ist in seiner langen und outputreichen Karriere auch viel Maues dabei, aber ich finde, im gros hat er einen eigenen Stil, der schon noch von Cranbrook und Emigre, abhebt. Carson hat einfach das Design für die MTV-Generation gemacht. Sorry, aber ich hab mein Diplom FAST über Carson gemacht und sehe ihn zugleich kritisch (analog wie Poynor) und wichtig. arson ist ein Zeitsymptom.
Und auf der Typo, das muß man einfach sagen, war er an allen drei Tagen da, für Presse und Gäste präsent, gedudlig bis zu dem Punkt, wo er sich eventuell so verplaudert hat, daß alle Termine platzten :-D, er war sogarauf der Typonight, wo sich viele der Redne reben nicht haben blicken lassen. Das mag man negativ als pathetisch deuten, ich denk da lieber positiv und denke, daß David als Westcoastler einfach gern Kontakt mit Menschen hat. Ich kenn die ganzen Stories ja aus verschiedenen Quellen, aber ich finde, die Typo hat keinen Fehler gemacht, ihn einzuladen, das zeigt schon die Schjlange bei der Signierstunde. Der Mann hat seine Fans. Und zu Recht. Der Fehler von Carson war nur, alten Stuff zu zeigen, Bilderoverkill zu machen und nicht einfach nur ein Viertel zu zeigen und nur neuere Sachen, mehr zu erklären, innerlich ruhiger zu sein. Und BAM, er wäre ein Erfolg gewesen. Denn ich habs erlebt – er kann lebhaft und engagiert, faszinierend und humorvoll präsentieren. Das er ein wenig zu viel Flair eines gealterten Rockstars verbreitet, okay. Aber
Ist mit anderen Rednern doch auch so… mal sind die super, mal eher mau. Und so richtig vorher wissen kann man es nicht. Zum Thema PLAY hat Carson perfekt gepaßt. Ich finde also mal so gar nicht, daß Jürgen sich da rechtfertigen muß.
Spannender wird eher, ob FS es schafft, auf der MUSIC-Typo nicht die üblichen verdächtigen einzuladen. Das ist ein sehr spezifisches Thema, zu dem man sowas von genial ganz neue Leute einladen könnte. Und das wird sicher auch passieren, wenn die Gäste mitspielen.
Was Deine Designer angeht kann ich natürlich nicht mitreden, aber was Deine Studenten angeht, schon. Ich habe ganz sicher nur ein Bruchteil Deiner Dozentenerfahrung, aber völlig klar ist mal, daß ich Menschen über 20 nicht mehr motivieren muß. Entweder sie haben’s begriffen und dann müssen sie mir zeigen, daß sie gut sind. Oder sie sind fehl am Platz und dann brauche ich sie auch nicht zu motivieren.
Wer dies gerade in unserer Zeit nicht begriffen hat, der ist nicht überlebensfähig in der freien Wildbahn. Das klingt hart (und ich sehe mich selbst eher als Sozi denn als Konservativer), aber ich habe selbst zu viele Jahre ums Überleben gekämpft, als daß ich heute Luschen fördern möchte.
So siehts aus. Aber mir fehlt da die Klarheit, ich versuch immer, ein nice guy zu sein. Ist manchmal vielleicht auch ein Fehler, meist aber schon eine grundsätzlich richtige Sachen, auch die vermeintlich Schwachen zu fördern,. man weiß nie, welcher Diamant da plötzlich zum Vorschein kommt. Das habe ich im Laufe der Zeit zwei , dreimal gehabt und dabei jedesmal exzellente Freunde kennengelernt, die ganz nebenbei eines Tages auch hervorragende Designer sein werden.
ich war auch sehr enttäuscht von carsons vortrag. in wenigen momenten konnte man die genialität seines schaffens erahnen. er hatte wohl einfach keine lust selbst zu referieren. was mich absolut überrascht hat war seine ständige präsenz auf der typo. wirklich kein anderer redner war so oft zu sehen. schade nur, dass sich kaum jemand getraut hat, ihn direkt anzusprechen (mich eingeschlossen).
HD > Carson hat einfach das Design für die MTV-Generation gemacht. Sorry, aber ich hab mein Diplom FAST über Carson gemacht und sehe ihn zugleich kritisch (analog wie Poynor) und wichtig. Carson ist ein Zeitsymptom.
ja, das stimmt sicherlich, da kann ich wie gesagt auch aus mangel an wissen nicht mitreden. nur: viele seiner sachen finde ich trotzdem nicht allzu interessant :) naja, soll jetzt auch nicht der eindruck entstehen dass mir der respekt vor grossen leistungen fehlt, so ist das nicht. mich persönlich berührts einfach nicht so. aber als teil der post-grunge-generation (wenn wir schon dabei sind.. :)) bin ich evtl. wirklich 5 jahre zu spät geboren dafür.
noch zu euren professoren-leiden: ich finde euer verhalten richtig. ich würde killen für eine ausbildung mit guten profs und so weiter, und dann kommen irgendwelche luschen in die klassen, die vielleicht besser zeichnen können aber weder mit herz noch mit kopf dabei sind. und das finde ich (neben meinem persönlich leiden ;)) einfach schade.
Ist Carson Grunge?
da ziehst du vorschnelle schlüsse. ich bekam so langsam ein bewusstsein als meine beiden älteren brüder aufhörten, grunge zu hören. also nicht ganz ernst gemeint.
Ich frag ja nur: Ist Carson Grunge? So ganz allgemein?
Do you mean that, HD? http://de.wikipedia.org/wiki/Grunge
Sure. Aber ist Carson Grunge :-D?
»und dann kommen irgendwelche luschen in die klassen, die vielleicht besser zeichnen können aber weder mit herz noch mit kopf dabei sind. und das finde ich (neben meinem persönlich leiden ;)) einfach schade.«
Durch die Aufnahmeprüfung gefallen? Nicht ärgern lassen. Bei DIr bin ich mir ganz sicher, dass Du Deinen Weg gehst. Oder zieh ich grade voreilige Schlüsse?
Und nein: Carson ist Surf! Ist Thierry Post-Grunge :) ?