wir hatten die pest
der regen erfrischend und die insel einsam
ich lächele durch die zähne
aber meine finger quellen auf
sie riechen es aber sie sagen nichts
der tag bleibt also normal
sieht man von dem blutigen speichel ab
der sich im waschbecken sammelt
abends beugt sie sich übers klo und kotzt
daß es ihr fast die gedärme rausreißt
und die schüssel ist burgunderfarben vom blut
die piraten drüben winken uns fröhlich zu
wir haben die pest
wir streichen die tage grün an die hoffnung
gestern habe ich sie wieder kniend
vor der toilettenschüssel gefunden
wie sie heult und betet
und ich wollte sie windelweich prügeln
aber sie ist alles was ich habe
so etwas vergißt man leicht
am strand suchen die piraten nach gold
aber die schwarzen punkte an meinen händen
zeigen wohl keine schätze
und sie heult schon wieder
ich schreie ich liebe sie – aber sie heult nur
also gehe ich raus bevor ich sie schlage
wie kann ich sie lieben wenn sie heult?
wir verlieren wir haben die pest
dann wieder spiele ich klavier
aber meine hände sind fleckig
die spiegel haben wir verhängt
eitelkeit im angesicht des todes
ist menschliche tugend
nachts wenn sie schläft
betrachte ich den gelben mond
er weiß wir haben die pest
dann heule ich und bete so leise
daß sie es nicht hört
sie steht morgens nicht mehr auf
und ihre wangen sind kalt wie wachs im dunkeln
ich bin jetzt allein mit den stunden
und gehe nackt durch die wohnung
die sie hinterließ
dann spucke ich blut auf die morschen teppiche
und winke selbstvergessen den piraten zu
ich versuche den mund wieder
über einmal gesagte lügen zu stülpen
aber es ist schwer
ich bin schwach und es ist kalt und dunkel
die piraten rufen mir aus der ferne zu
du hast die pest bursche du hast die pest
mit einem eleganten bogen
verschwindet die sonne jetzt
ich habe die pest
dann lege ich mich neben ihren kalten körper
und küsse sie
berühre ihre rauhe haut streiche über die flecken
zeit zu schlafen
und wenn es nur nicht so kalt wäre
22. April 2006 08:17 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.