„The one thing to say about Art is that it is one thing. Art is art-as-art and everything else is everything else. Art-as-art is nothing but at. Art is not what is not art.“
Ad Reinhardt
Eine der seltsamsten Sachen bei der ansonsten eher höflichen Entry-Podiumsdiskussion um Innovation und Design gestern abend war das kurze Aufbranden der Frage, ob Design Kunst ist. Diese Debatte kommt immer wieder auf, unter Kollegen wie mit Studenten und ehrlich gesagt, verstehe ich nicht ansatzweise, wo sie herkommt. Weil ich mich zunehmend frage, ob auch Köche, Schreiner und Bäcker auf irgendwelchen Symposien zusammenkommen, an ihrem Wein nippen, die Bügelfalten gerade streichen und dann von sich behaupten, «Künstler» zu sein. Die Absurdität dieser Behauptung, die Eitelkeit, die Naivität und der greifbare Wunsch, etwas anderes zu sein, als man de facto ist, wirkt dabei so atemberaubend, daß man nur schwer dagegen andiskutieren kann… es ist in etwa so, als würde man einem quengelnden Kind erklären wollen, warum der Mond nun mal nicht aus Käse sei, wenn das Kind permanent «Wohl. Wohl. Wohl. Wohl.» kreischt.
Sicher. Kunst ist vielleicht relativ. Es gibt einen relativistischen, einen «offenen» Kunstbegriff, der schier alles zur Kunst deklarieren kann. Dagegen ist auch zunächst wenig einzuwenden. Dieser Begriff ermöglicht uns im Alltag ja, daß wir auch den röhrenden Hirschen an der Wand als Kunst bezeichnen dürfen. Wir reden also in Wirklichkeit nicht über KUNST, sondern über Geschmack. I don’t know about art, but I know what I like. Es ist dieser Geschmack-ist-Privatsache-Ansatz, der jede kreative Anstrengung, die dir persönlich «schmeckt» zur Kunst diffamieren darf. Danach kann sicherlich ein Schweinebraten Kunst sein («Ein Gedicht!»), ein Stuhl, meinethalben ein Brötchen. Danach kann jede menschliche Leistung ein Kunstwerk sein – auch das Attentat auf das World Trade Center vom 11.9.2001. Ich habe im Kern keine Probleme mit diesem offenen Kunstbegriff, außer das er so schwammig, so zuckrig demokratisch ist, daß er wirklich alles, aber auch alles, vom Bild eines Vierjährigen bis zur Rolltreppe als object d’art klassifizierbar macht. Er ist unanfechtbar – und insofern auch nicht zu verteidigen. Das ist alles so sympathisch und warm und so waldorfweich, so subjektiv-geschmäcklerisch, so wohlwollend und ohne Ecken und Kanten, daß es einfach, Verzeihung, Bullshit ist. Wer sich auf dieser Basis als Designer zum Künstler deklariert…. oh, meinethalben. Aber denkt dran: Auch das Bild eines Vierjährigen ist nach diesem Approach «Kunst». Dieser Ansatz Everything-as-Art macht alles gleich, ist Wischiwaschi, eben Everything-as-Everything. Man kann mit diesem Zustand des grenzenlosen Gleichmachens glücklich sein und von einem Aufweichen der Trennlinien sprechen, aber bitte… die Trennlinien waren nie deutlicher, nie wichiger als heute. Ohne solche Kategorien darf man getrost jeden Diskurs über Kunst – und eben über Nicht-Kunst – abbrechen, weil man sich völig im Nebel des Gefühlten und Gefühligen bewegt, in dieser schwitzig-schwülen Sauna des klebrigen Geschmacks. In dieser emotiven Arena des Kitsches kann dann auch eine Rose mirnixdirnix zur Kunst werden, weil sie ja «irgendwie so schön» ist. Obwohl es bei einer natürlich wachsenden Rose nicht einmal einen Künstler, einen Urheber gibt. Und als ob «Schönheit» und «Ästhetik» auch nur im Geringsten Kriterium von Kunst wären. In diesem Everything-as-Art-Paradigma entsteht Kunst also wahrhaftig im Auge des Betrachters, braucht keinen Schöpfer mehr, keine Intention. Alles läßt sich qua «Oh, I love it» zur Kunst deklarieren bzw. diffamieren. Dahinter steckt die seltsame Eitelkeit des Betrachters: Wenn es mir gefällt, muß es doch Kunst sein. Look at all the beautiful colors.
Und daran glaube ich eben nicht. Ein Schweinebraten ist keine Kunst, sondern ein Hauptgang auf einer Speisekarte, egal wie lecker er ist. Ein Stuhl ist kein Kunstobjekt, sondern ein Stuhl. Ein Brötchen ist ein Frühstücksprodukt, keine Kunst. Und wenn es noch so liebevoll handgeformt ist :-D.
Im engeren Kunstbegriff «Art-as-Art» bewegen wir uns in einem winzigen Splitter dessen, was die Allgemeinheit als Kunst an die Wand hängen würde, vor allem aber weit abseits des eigenen oder allgemeinen Geschmacks. Kunst will hier nicht schön sein, Kunst will keinem Zweck dienen, nichts verkaufen, keine Antworten liefern, vielleicht nicht einmal mehr Fragen stellen. Sie will nur SEIN. Sie muß nur raus. Der Künstler stellt seine Arbeit in den Raum, wobei es meist nicht Auftragsarbeit ist (und wenn dann meist staatlich bzw. privat mäzenenhaft gefördert), er holt etwas aus sich heraus– sicher auch in Reaktion auf seine Umwelt – was als finales Werk völlig zweck- und sinnfrei sein kann und darf, vielleicht sogar muß. Kunst ist das, was nicht funktionieren muß. Und genau deshalb funktioniert. Es ist das, was im höchsten Maße als Ergebnis wie in der Entstehung asozial gedacht sein darf, also losgelöst von den Lebensprozessen einer Gesellschaft. Die kein anderes Ziel hat als einen ästhetischen, intellektuellen oder emotionalen Stimulus – eine Reaktion, gleichwohl in welche Richtung.
Art-as-Art ist dabei natürlich ein sehr moderner Kunstbegriff, der des 20. Jahrhunderts, der Kunst von heute, der postphotographischen, konzeptionellen Kunst. Kunst wird hier oft durch den reinen Taufakt zur Kunst. Duchamp. Warhol. Es geht nicht um Mittel, um handwerkliches Können, es geht um Zeichensetzungsakte. Um Intention. Warhol war kein Designer, auch wenn seine Tools aus dem Bereich der Werbegrafik kommen. Er war ein Pop-Artist. Seine Kunst war Kunst qua Definition. Ansonsten wäre sie gar nichts mehr gewesen als nur ein Siebdruck etwa eines Curt-Swan-Superman. Eine Kopie. Lichtenstein dito. Die Kunst bei Pop-Art war mehr oder minder die schiere dreiste Deklaration des Alltags als Objekt der Kunst, die Rahmenänderung. Spätestens hier löst sich auch der Akt der Kunst – der jetzt als intellektueller oder emotionaler stattfindet – von dem des Handwerkens. Damien Hirst braucht seine Kühe nicht selbst zu zersägen, die Kunst ist, die Idee zu haben, präzise zerteilte Kuhkadaver in Glaskuben in einem Museum auszustellen. Kunst wird hier zur asozialen Idee, zur Perversion des Kreativen, das sich von Zweck und Form befreit hat, um völlig freiflottierend, bar von Verantwortung und Vernunft existieren zu können. Kunst ist, was Kunst ist.
Und Design ist etwas völlig anderes. Design ist tatsächlich ein Schweinebraten, nur: Design ist der Prozeß darüber nachzudenken, wie ein Schweinebraten besser funktionieren kann… schneller zuzubereiten, ästhetischer aufbereitet, besser schmeckend. Design ist ein zutiefst sozialer, positiv aufgeladener Vorgang, der insofern auch eher als die Kunst in Teamstrukturen stattfinden kann (Designer-Klient oder auch Designteams). Sogar idealerweise in Teamstrukturen stattfinden sollte, der runde Tisch ist und bleibt das Idealmodell des Designs– jeder bringt seine Ideen und Lösungen an den Tisch und die beste Idee, die man gemeinsam mit dem Know-How verschiedenster Bereiche erarbeitet, wird realisiert. Design ist also kommunikativ und interdisziplinär, wo Kunst meist monoman ist. Design ist zutiefst uneitel, wo Kunst ja legendär von Eitelkeit geprägt ist. Design ist Evolution. Design gebraucht Technik, Kunst stellt sie eher in Frage, oder pervertiert sie klug und richtigerweise, wendet sie kritisch und oft mit einem Grundpessimismus gegen sich selbst. Design will etwas, meist etwas Solides, Greifbares. Ein Ergebnis. Der Prozeß hat ein Ziel. Kunst ist der Prozeß, nicht primär das Endergebnis. Ein Staubsauger, egal wie kreativ sein Industrial Design sein mag, ist ein Staubsauger und für die Frage, ob er gut «gestaltet» ist, wird seine Funktionalität eben immer ein Kriterium sein, ebenso wie die ästhetische Ebene von Gestaltung ihrerseits der Funktion beizutragen hat… d.h. Audio- und Produktdesign ebenso wie Packaging und Benutzerhandbuch haben die Funktion genießbarer zu machen, zu erleichtern usw… dazu gehört sicher auch durchaus die Funktion, zu repräsentieren, Status zu kommunizieren, eben qua Produktdesign und damit meist qua Markenprodukt. Aber am Ende des Tages geht es doch immer erst einmal darum, Krümel vom Teppich zu kriegen. Kunst hingegen würde ein Staubsauger erst durch eine Ent-Funktionalisierung, durch einen Verneinung der Krümelbeseitigung. Anders gesagt: Erst wenn ein Schweinebraten kein Schweinebraten mehr sein will, hat er eine Chance, Kunst zu sein. Die Negation der Funktion ist doch die Funktion der Kunst, ihr eigentlicher Wert. Kunst darf sinnlos sein. Noch anders gesagt: Philippe Starcks berühmte Saftpresse Juicy Salif, die Anfang der 90er bei Alessi erschien, ist ein Kunstobjekt. Obwohl als «Design» bezeichnet ist die Saftpresse, ob sie es will oder nicht, sinnlos. Einfach deshalb, weil sie sich ihrer Funktion erledigt hat… denn Saft mit der Salif aus einer Zitrone zu bekommen ist ein höchst frustrierendes Erlebnis, weswegen die Juicy Salif auch meist eher als Dekorationsobjekt dient. Sie ist eine formelle Meditation, ein formales, abstraktes und skulpturales Objekt, das Starck nur qua Mimikry in die Designküchen – oft sogar eher in die Wohnzimmerschränke – gezaubert hat. Ob die Salif nun wirklich Kunst ist, sei einmal dahingestellt. DESIGN aber ist sie sicherlich nicht mehr.
Auch Architektur ist (meist) keine Kunst, sondern Design, die Dienstleistung, ein Haus zu bauen. Architektur löst ein sachliches Problem – und die Ästhetik, das Kunsthandwerk, das Ornamentale (oder der Verzicht darauf) springt als Lösungsmechanismus zur Seite. Es ist integral eingebettet, aber sinngerichtet, nicht freiflottierend, fokussiert, nicht Selbstzweck. Anders gesagt: Bei Design ist die Konnotation funktional und Denotation künstlerisch. Dieser künstlerische Ausdrucksaspekt ist eher die nonverbale Kommunikationsebene der Architektur, sie läuft unterschwellig mit, ist wichtig, aber nicht das Zentrum des Handelns. Und auch hier gibt es potentielle Grenzgänger, Gehry und Libeskind vielleicht, bei denen die Ästhetik von der denotativen Ebene auf die konnotative springt… aber doch das auch auf den zweiten Blick stets als Funktion. Wer Gehry kauft, will ja – meist um des Auffallens, der PR, der Besucherzahlen willen –, daß es nach Gehry ausschaut. Und das ist doch die pure Funktion.
Die Grenzen erscheinen sicher etwas schwimmend, aber dabei doch glasklar. Ein Bürogebäude ist ein Bürogebäude, egal wie tough die Fassade daherkommt. Es wird immer ein Bürogebäude bleiben, eine Immobilie, eine Nutz- oder Mietfläche. Kunst aber wird niemals ein Bürogebäude sein. Der Entwurf von Frei Otto und Christoph Ingenhoven für den bisher unrealisierten Stuttgarter Bahnhof mag ungemein ästhetisch aussehen und sicherlich eine klare Spur kreativen Querdenkens bergen… aber diese Kreativität ist doch zweckgerichtet. Und dieser Zweck ist ein besserer Bahnhof. Der sanfter ins Stadtumfeld paßt, der in seiner Inszenierung Besuchern mehr Spaß macht und die Stadt bzw. die DB imagebildend aufwertet, ökologisch funktionaler als ältere Bauten. Der durchdacht und abgeklopft und – in jeder Hinsicht – ganz pragmatisch ist. Anwendungsbezogen, lösungsorientiert. Er ist ergo ein Stück sauberes Produktdesign. Wertarbeit im Sinne Dieter Rams. Das Formale, der künstlerisch-gestaltende Gestus, ist funktional eingebettet in diese Lösung, nahtloser und ehrlicher Teil von ihr. Dieser Bahnhof will ein Bahnhof sein. Kunst aber will kein Bahnhof sein, sondern Kunst. Erst wenn sich der gestaltende intellektuelle Aspekt so sehr von der pragmatischen Nutzbarkeit entfernt, daß der Bahnhof nahezu unbrauchbar wird, ist es kein Design mehr. Dann ist es entweder einfach nur Mist… oder vielleicht Kunst. Aber kein Bahnhof mehr.
Damit ist also keineswegs Art-as-Art definiert. Diese Aufgabe ist auch nicht zu bewältigen. Was Kunst ist, ist schwimmend, schwierig zu greifen. Aber was Design ist, ist viel einfacher. Design ist das, was für morgen funktioniert.
Jan Hoet hat das gestern schön gesagt: Design ist Heute. Nicht im Sinne von modern, sondern im Sinne von Auf-der-Höhe-der-Zeit. Ein Objekt, ein Bauwerk, eine Drucksache, die den Geist ihrer Zeit in sich trägt, die eigene Geschichte nachvollziehbar macht, moderne Materialien und Möglichkeiten sinnvoll nutzt und eine fühlbare Neugierde auf das MACHBARE in sich trägt, die im Jetzt unruhig vibriert und auf die Zukunft sinnt.
Das aber ist nicht Kunst, sondern angewandter Futurismus. Design ist Über-Morgen-nachdenken. Wo Kunst das Heute in Frage stellt, sinniert Design (meist fast perfide unbeirrbar optimistisch) über die Antworten auf Morgen nach. Design ist insofern die Antwort auf die Kunst, der pragmatische Zwillingsbruder. Wie kriegt man Mobiltelefon kleiner und smarter und die Akkus weniger umweltschädlich? Wie kriegt man verrottbare Joghurtverpackungen auf den Markt? Wie kriegt man – eine Nummer bescheidener – einen Onlineshop für Photos interaktiver und smarter und funktionaler und spaßiger und anregender und produktiver? Design reichert sozusagen die Gegenwart mit Antworten auf die Zukunft an. So wie Ingenieure über die Maschinen von morgen nachdenken, denken wir über die Kommunikation und die Haptik und die Töne und die Bilder und die Formen und die Farben von Morgen nach.
Design ist also, darüber nachzudenken, wie der Schweinebraten von morgen sein könnte. Die Hoffnung darauf, ihn schneller produzieren zu können, gesünder zu machen, leckerer zu machen und zugleich
Wobei, um die Sache noch einmal zu komplizieren, Design keine Werbung ist. Werbung will NIX. Die will eben nur funktionieren. Loslos, kauf mein Hundefutter/meine Pickelcreme/meine Nudelsuppe. Die will nur das nackte Primat des Marketing und des Umsatzes. Was völlig okay ist, aber zunehmend nicht so richtig funktioniert. Die kreative Konnotation wird hier bei der Lösungsfindung soweit zurückgefahren, das sie fast nur noch unfreiwillig durchblitzt. Werbung kann, muß aber kein Design beinhalten. So wie das Design Stilmittel der Kunst einsetzt, kann die Werbung Stilmittel des Designs (und somit nochmals gefiltert der Kunst) verwenden. Schweinebratenwerbung will also einzig und allein die bestehenden Braten verkaufen und Design findet dabei mal eher durch Zu- beziehungsweise Unfall statt. Werbung ist nicht im Heute, sondern immer im Gestern. Sie befriedigt, was die Leute wollen (oder was sie wollen sollen), nicht was sie brauchen. Weil sie nicht über morgen nachdenkt. Sie ist nachgeschaltet. Reine Verkaufe, wenig integral. Sie ist eben kein Futurismus (auch wenn sie durchaus Trends miterschaffen kann).
Werbung verändert nichts. Design verändert.
Wir haben also die Dreifaltigkeit von Werbung | Design | Kunst. Mit diesen drei Schubladen, wobei einzelne Arbeiten sicher auch immer mal wieder die Genregrenzen sprengen, müssen wir zumindest im Groben leben. Und damit lebt es sich auch okay. Ein Krimi-Autor will schließlich nicht unbedingt mit einem Historienschinken-Romancier verwechselt werden. Oder mit Samuel Beckett. Es gibt einen sinnvollen Unterschied zwischen einem Porno-Streifen, einem Tarantino-Film und einem Greenaway-Film.
Als Designer würden wir darüber lachen, wenn sich z.B. die Agentur, die Werbung für Iglo oder Ferrero-Küßchen macht, als «Künstler» bezeichnen wollte, oder? Zumal sie sich auch noch dabei SELBST als Künstler definieren will.
Und doch machen wir immer wieder genau das selbe. Immer wieder sehe ich Kollegen, die sich hinsetzen mit ihren Imagebroschüren, ihren Websites, ihren Visitenkarten, ihren Büchern und Zeitschriften – ergo ihren Verkaufshilfen, die sie in Auftragsarbeit produzieren – und sich selbst als Künstler sehen. Oder Architekten, mit ihren Bahnhöfen und Hochhäusern, Brücken und Kaufpalästen – ero mit ihren Nutzgebäuden, die sie in Auftragsarbeit produzieren–, die sich selbst als Künstler sehen. Was treibt uns dazu? Ist «Künstler»-sein denn soviel besser? Ist Designer oder Architekt zu sein nichts wert, wenn man nicht in den vermeintlich höheren Sphären der Kunst sein Unwesen zu treiben meint? Ist das eine Art Minderwertigkeitskomplex? Oder doch kollektive Hybris?
Die Folgen sind drastisch. Abgesehen davon, daß Studenten den Spagat zwischen kreativer Neugier/Futurismus und Eben-Nicht-einfach-Künstler-sein-sondern-stringent-etwas-kommunizieren-können nur schwer verstehen (kreativ sein UND funktional denken) und an dieser extremen Herausforderung handwerklich wie persönlich sehr oft scheitern, ist es auch in der Praxis immer wieder anstrengend, auf dieser diffusen Kunst-Ebene diskutieren zu müssen. Denn Künstler sind ja brotlos, machen doch sowieso, was sie machen müssen, toben sich aus. Da geht es nicht um eine erlernte Profession, um ein hochspezielles Know-How, um eine ausgebildete und seltene Fähigkeit (oder eher – in Anlehnung an Bruce Sterling – eine Allergie), sondern ja «nur» um die Kunst. Und die Reaktion – wie eben so oft bei moderner Kunst – ist dann ein: Ach, das kann ich auch selbst. Das ist Schattenseite des offenen Kunstbegriffes… man macht sich gemein. Neben dieser pragmatischen Ebene ist es aber etwas darüber gelagert auch einfach nervend und im Hinblick auf das zu erreichende irreführend bis gefährlich, über Design mit den Kriterien des Kunst reden zu wollen, also mit dem Werkzeugkasten des Geschmacks.
Individueller Geschmack hat im Design keinen Platz. Stil des Designers, Handschrift, eine gewachsene Ästhetik sicher. Markenziele, mögliche Träume und Wünsche des finalen Konsumenten von Design, oh sicher. (Nicht zu verwechseln mit der Chimäre der Zielgruppe, bitte.)
Aber Geschmack? Keine Spur. Mit «Geschmack» entsteht bestenfalls Werbung. Da mag Marketingchef X ein Grün so sehr, weil er es frisch findet. Und man bemüht vielleicht die Werbepsychologie, die grün dann faktisch auch als frisch und lebendig analysiert… und vergißt, das solche Klischees ein Hamsterrad der Ästhetik sind, ein träge dahinschepperndes Perpetuum Mobile. Grün ist frisch weil Grün frisch ist. Wird klar, warum Werbung insofern selten «Morgen» ist?
Designer neigen dazu, das Geschmacksargument auch noch tatsächlich durchzulassen, weil sie von ihrem EIGENEN Geschmackssinn ausgehen. Der aber ist wie gesagt allergisch, infiziert, geschult und trainiert und ebensowenig «nur» individueller Geschmack wie die Geschmacksnerven eines Meistersommeliers mit denen eines Ladenmädchens zu vergleichen wären.
Petr van Blokland stellt in seinem Design-the-Designprozess den Vergleich auf zwischen TicTacToe, Schach, Go eben Design. Bei TicTacToe bringt jeder Zug 4 neue potentielle Züge mit sich, im Schach sind es etwa 35, bei dem an Komplexität fast nicht zu meisternden Spiel Go sind es rund 100 solcher Entscheidungsverzweigungen… und bei Design über 1000. Jede Entscheidung im Designprozeß zieht also 1000 potentielle NEUE Entscheidungen nach sich.
Redet ein Designer also über «Geschmack», so redet er von etwas ganz anderem als den Alltags-Geschmack.
Er hat mit einer eigenen Geschmacksentscheidung – meist unbewußt und in Echtzeit – eine supra-individuelle Kette von Einordnungen und Kategorisierungen vollzogen, die seinen Geschmack über Jahre der Beschäftigung mit Ästhetik ausgebildet haben. So wie ein Linguist ein Gedicht ganz anders sieht, ein Kunsthistoriker ein Gemälde intuitiv «geschmacklich» ganz anders wahrnimmt. Unsere Geschmacksnerven sind trainiert. Unser «Geschmack» ist professionalisiert, kontextualisiert, reaktiv, intuitiv und geschult, geschult, geschult. Und insofern nicht wirklich mit der Alltagsästhetik vergleichbar. Ein guter Innenarchitekt wird Materialien und Konstellationen nicht aufgrund von «Mag ich / Mag ich nicht» wählen, sondern in Einklang mit der Aufgabe, mit dem Raum, mit der Persönlichkeit der Nutzer, mit psychologischen Aspekten, mit aktuellen oder kommenden modischen Trends, mit einem Gespür für Aktualität vs. Zeitlosigkeit. Aber nicht nur, weil er pink gerade todschick findet. Sondern, weil er in der Lage ist, in Echtzeit aus einem großen angesammelten Wissensarray Entscheidungsprozesse abzurufen und sicher an ein mögliches (und eben im Hinblick auf die Lösung wahrscheinliches) von mehreren denkbaren Zielen zu gelangen – so wie ein Londoner Taxifahrer tausende von kleinen Straßen auswendig kennen muß, um an sein Ziel zu kommen. Der schaut nicht in den Stadtplan und der reagiert eben auch seltsam muffig, wenn der Fahrgast ihm den Weg erklären will… denn er weiß ja, was er tut. Aber der würde sich dennoch nie als Künstler betrachten. Sondern nur als Profi.
Bezeichnen sich Designer aber als Künstler, laufen sie immer wieder in die Falle, sich unter Wert zu verkaufen. Kunst ist relativ. Design ist absolut. Oder umgekehrt :-D. Anders gesagt: Design ist ein sozialer Akt. Die Qualität hängt von der Zusammenarbeit ab, ist ein diskursiver Akt. Ich habe immer wieder Kunden, die mir acht Zeilen Briefing zum Fraß vorwerfen und dennoch ein Ergebnis wollen, ein gutes zudem, und einfach nicht verstehen, daß meine Leistung weniger ist, ein lustiges Logo aus dem Nichts heraus zu malen, als vielmehr, MIT IHNEN ZU REDEN. Sie auszufragen, sie auszupressen, sie zu foltern und zu nerven und zu löchern und zu hinterfragen. Das macht die Arbeit mit guten Designern zu einem höchst anstrengenden Akt, zu einem Round-Table, zu einer permanenten Debatte. Das finden die einen Kunden wahrhaft schrecklich, die wollen dann meist eben nur Werbung, kein Design… und die anderen finden das anregend und wachsen mit, ertragen die Anstrengung und wissen, daß dieser Sport fit macht und fit hält und die Verkalkung vermeidet. Designer verkaufen ungebremsten Enthusiasmus, Glaube an den Kunden und Optimismus… und sind zugleich das permanente Säurebad der Ideen, sowohl der eigenen als auch der des Kunden. Designer sind ungeduldig, unruhig und sagen verdächtig oft Sachen wie «In fünf Jahren machen wir…». Denn da sitzen sie mental schon. Und von Kunden, die das begeistert mittragen, von denen kriegst du selbst dann auch in gleicher Münze aus ihrem Sujet zurückgegeben, da beginnen gegenseitige Lern- und Befruchtungsprozesse, da beginnt Evolution, da beginnt an allen Fronten Designdenken. Mit solchen Menschen machst du dann Design. Echtes Design, umfassendes Design, von der ersten Produktidee bis zur finalen Printkommunikation. Diesen kleinen unsicheren Schritt in die Zukunft in allem, was du tust. Mit solchen Kunden hast du dann auch den Mut, ausgetretenen Wege zu verlassen und etwas Neues zu versuchen. Weil man auch mal danebengreifen darf, weil Trial & Error funktioniert. Wer immer nur Erfolge will, braucht Werbung, braucht das Gestern. Im Heute (und noch mehr im Morgen) muß man auch mal auf den Hintern fallen dürfen. Mit den anderen Kunden machst du eben Werbung. Und Kunst… oh Gott, für die Kunst bräuchtest du doch gar keine Klienten.
Anders gesagt: Als Designer wird man immer wieder auch Werbung machen (und dabei versuchen, Design herauszumelken). Aber als Designer macht man nur dann Kunst, wenn man den Kern des Designs hinter sich läßt: Den Diskurs, die Klienten, die Funktionalität. Es sieht dann vielleicht noch aus wie Design – Mimikry olé –, aber das ist in Zeiten allgemeiner Medienkonvergenz ja unvermeidlich, die Tools werden immer identischer.
Insofern ist es durchaus nicht so, daß die Grenzen verschwimmen. Gerade, weil sie technologisch verschwimmen. Um zu wissen, wo du hingehst, mußt du wissen, wo du herkommst. Als Designer kommen wir in direkter Linie von Leonardo da Vinci. Nichts täte dem polylateralen Futuristen da Vinci mehr Unrecht, als ihn als «Künstler» zu bezeichnen. Und nichts führt uns Designer im Mikro- wie im Makrobereich mehr auf den falschen Weg als das Selbstverständnis «Kunst» produzieren zu wollen oder müssen (wiewohl ich das jedem wirklich gönne und selbst Spaß an Design-as-Art habe). Was wir sind ist dies: Architekten und Ingenieure der Kommunikation, von Heute und von Morgen. Das ist die Verantwortung, in ihrer ganzen technologischen und ästhetischen Bandbreite. Große Verantwortung und große Macht.
Und das ist nicht mehr oder weniger, aber auf jeden Fall etwas komplett anderes als Kunst.
16. August 2006 09:26 Uhr. Kategorie Design. 47 Antworten.
Und ihr dachtet, ich schreibe keine langen Texte mehr, hm?
Öh, da bin ich platt. Das ist definitiv einer der längsten Blog-Einträge, der mir je untergekommen ist. Mein Frühstück hat gerade so für die erste Hälfte gereicht. Respekt.
angesichts der frühen stunde und meiner müden augen habe ich 90% des textes einfach mal übersprungen (du hast doch echt’n knall HD :-D) und gebe ganz unqualifiziert meinen senf dazu »
ich finde die diskussion „ist design kunst“ schnell lösbar. die arbeit des bäckers, des schreiners und des maurers ist meist nicht interpretierbar, sie verlangt nicht nach gehör oder drängt sich uns unangenehm auf.
der gestalter aber kann seine arbeit mit solchen wirkungen versehen. ich sehe da nicht die klare trennung, dass design nur dann kunst ist, wenn man die eigentliche problemlösung hinter sich lässt. ich denke eher, dass beides miteinander harmonieren kann und der künstlerische teil positiv zur problemlösung beitragen kann.
wenn der schreiner gut drauf ist und seinen kleiderschrank mit ornamenten verziert, die seine persönlichkeit wiederspiegeln, widerspricht das doch nicht der eigentlichen idee eines funktionierenden möbelstückes, denn anzüge reinhängen kann man immer noch. hat man dann nicht kunst und gleichzeitig design?
und sag mir um gottes willen nicht, dave mckean sei keine kunst in form von design
>künstlerische teil positiv zur problemlösung
Nicht überspringen, Text lesen. Kunst ist Ingredienz des Designs. Design ist Ingredienz der Werbung. Kultur, zumal Popkultur des 20. Jahrhunderts, ist Substrat aller drei Genre.
Gibt es aber eine Problemlösung, ist es keine Kunst, Kunst existiert jenseits von Lösung. Ein Krimi ist kein Krimi, wenn erim 16. Jahrhundert auf hoher See spielt, ein Mann mit Enterhaken und Augenklappe auftaucht, Botte shanghait, Männer kielgeholt und Schätze geplündert werden. Die Chancen stehen gut, daß es dann eine Piratengeschichte ist. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ornamente am Kleiderschranksind keine Kunst, sondern Ornamentik.
Dein Kunstbegriff mag von meinem Abweichen und eher dem offenen Kunstbegriff – everything can be art – entsprechen. Ein Kleiderschrank ist keine Kunst.
McKean ist Illustration. Macht er freie Arbeiten, hat es eine Chance, als Kunst zu gelten. Macht er kommerzielle Arbeiten, ist es Design oder Werbung. McKean ist, wie manch andere, ein Oszillator.
Wirklich: Lesen.
Und frag dich mal, was in dir so laut danach schreit, daß irgendwas unbedingt «Kunst» sein muß. MUß es doch gar nicht. Im Gegenteil. Ein Pferd muß auch kein Löwe sein. Ein Löwe kein Zebra. Ein Zebra kein Hai. Designmuß nicht KUnst, Werbung nicht Design, Kunst nicht Werbung sein. Things are what they are.
in mir schreit da gar nichts und müssen tun wir zum glück auch so gut wie gar nichts ;-). das ganze ist doch letztendlich ein krieg der begrifflichkeiten und ihrer definitionen. kunst und design sind zwei leere worthülsen, die wir nach bedarf mit vagen inhalten füllen um etwas zum ausdruck zu bringen, was zu komplex ist, als dass wir es vernünftig erklären könnten.
“Als Designer kommen wir in direkter Linie von Leonardo da Vinci. Nichts täte dem polylateralen Futuristen da Vinci mehr Unrecht, als ihn als «Künstler» zu bezeichnen.”
‘Mona Lisa’ und ‘Das letzte Abendmahl’ sind als Design-Objekte (vielleicht mittelalterliche Poster, nach Deiner Definition) und keine Malerei?
Marian.. es geht nicht um Begrifflichkeiten. Hinter den Worthülsen steht Denke und die prägt – über die Selbstverständnisse, die Medien, die Institutionen – das denken. Die ganze Debatte von Juli um den Deutschen Designpreis stammt daher, daß Juli sich als Designerin mißversteht, aber im Grunde Künstlerin sein möchte. Es geht um das, was man macht und wie man sich dabei wahrnimmt. Ein Designer, der denkt, er sei ein Künstler, arbeitet falsch. Wie ein Callgirl, daß denkt, sie sei Flugbegleiterin. Das Bewußtsein bestimmt das Sein. Designer sind Testpiloten der Zukunft, ganz pragmatisch. Die Ansätze sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht, so daß mich die tatsache, daß so viele Leuzte denken; Design udn Kunst hätten enge Verwandtschaft, zutiefst irritiert. Kunst ist Kunst. Alles andere ist etwas anderes :-D. Wenn du den Text liest, wirst du sehen, daß es um die Basis von Denken und Arbeit geht, nicht um die Bezeichnung.
Und das ist nix neues, schon Otl hat sich über diesen Habitus von Designern als Künstler tierisch aufregen können… und dabei kürzer und besser formuliert als ich es je kann.
Simone… auch hier im Text der Verweis, daß ich Kunst immer aktuell deute. Ich hab keine Ahnung, was da Vinci zu seiner Zeit war und wie er sich selbst sehen würde. In der Renaissance war die Trennung zwischen Naturwissenschaft und Kunst sehr sehr permeabel. Zudem arbeitet er im photomalerischen Zeitalter… Kunst definiert sich aus meiner Sicht nach der Erfindung der Photographie zwangsläufig ganz anders als davor, befreit von der Notwendigkeit der Reproduktion von Realität. Insofern ist daVinci sicherlich keine Moderne Kunst. Er ist ein begnadeter, ausnahmslos bewundernswerter MALER, aber ist es Kunst im Sinne von Beuyss und Trockel, Picasso und Mondiran? I don’t think so. Zugleich hat Leonardo in seinen Arbeiten neue Malrechniken entwickelt, neue Sichtweisen/Perspektiven, hat detailversessen gehandwerkert und war Innovator. Wenn er nicht gerade Fallschirme, Helicopter, Brücken oder so etwas erfand. Der Mann war Innovator und Designer, durch und durch.
Und um vorzubeugen: Ja, auch Mozart ist kein Künstler in diesem Sinne. Beethoven. Beides Komponisten. Ein Zebra ist kein Hai ist kein Löwe.
muss ich jetzt wirklich den ganzen text lesen um nicht immer wieder drauf verwiesen zu werden? uff. bin dann mal’ne kanne kaffee kochen :-D
Ne, mußte gar nicht. Es sind ja auch rund 5 A4-Seiten Text… Unverschämtheit.
Aber es ist sicher besser, als zu überfliegen und dann im Text klar angesprochene Punkte wie etwa die Trennung zwischen Everything-as-Art und Art-as-Art nicht im Hinterkopf zu haben. Ich rede hier von einem relativ engen Kunstbegriff, der wirklich reale Kunst meint, du eher von einem «künstlerischen» offenen Begriff, der eher alles zur Kunst macht, was irgendwie mit kreativem Ausdruck zu tun hat. Wie etwa Kleiderschränke.
soo, nun hab ich denk text ganz gelesen (nicht nur überflogen :-D) und komme eigentlich zu den gleichen schlüssen wie zuvor » hier geht es ganz einfach um die definition des kunstbegriffes. derart offen, dass ein schweinebraten zur kunst wird, sehe ich den kunstbegriff nicht. ich sehe ihn aber auch nicht in der von dir propagierten form.
für mich ist kunst eher wie ein elektron, ein teilchen, dass eigentlich eine energiewolke ist, zu keinem zeitpunkt an einem festen ort, in seinen eigenschaften extrem abhängig von seinem betrachter. etwas kann in meinen augen zur kunst werden, weil ich es für mich ganz persönlich jedem zweck enthoben habe. genauso kann sich jemand mit viel zeit und geduld seinen orangensaft mit starcks presse zubereiten und das jeden tag – womit es für ihn kein kunstobjekt mehr ist.
für mich ist kunst permanente grauzone, das macht sie so spannend. etwas zu sehen, sich nach dem sinn und zweck fragen zu müssen und frei entscheiden zu können „ja, das ist kunst“, oder „nein, das ist einfach nur mist. mit einem fettfleck auf einem leinentuch kriegste mich nicht“
ich selbst käm allerdings selten auf den gedanken mich als künstler zu bezeichnen, nicht mal, wenn ich musiziere um des musizierens willen. nicht wenn ich male um des malens willen. ich mache eben musik und ich male.
und kunst nur um des kunst seins willen ohne sinn und zweck gibt es nicht. der mensch tut nichts grundlos, da hat alles seine funktion.
können wir nicht hier weiter ‘diskutieren’?
http://www.slanted.de/736
fetter beitrag, hd. das ist kunst :D
ich zitiere mich mal selber:
soviel zu mir:
ich sehe mich nicht als künstler.
ich gestalte einfach gern und versuche bei 90 % meiner aufträge das optimalste herauszuholen (ok: 88 %). danach gehe ich nach hause und male ab und zu etwas auf leinwand (an staffelei und mit vielen bunten farben). ich finde meine bilder weder schön noch hässlich, ich mag es einfach nur mit dem pinsel rumzuspielen und dinge auszuprobieren. ich würde mich deshalb nie als künstler bezeichnen. meine freunde tun das manchmal. das wirkt komisch auf einen. (nachtrag: weil man es selber nicht sein will)
neulich telefonierte ich mit einer kundin und sie sagte sie finde es super was ich immer für ideen (bezüglich layout und gestaltung) habe, ich wäre ein richtiger künstler. da habe ich nur gesagt das dies mein job ist und ich dafür bezahlt werde gute layouts zu entwerfen. sie sagte es wäre nicht normal und nicht bei jedem so, da habe ich innerlich gelacht, weil ich weiss das ihr freund auch grafiker ist – aber der zählt nicht, der kennt nicht mal die »FF DIN«.
nachtrag:
werbung darf schon deshalb keine kunst sein weil sie einem anderen zweck erfüllen soll. sie soll informationen vermitteln, diverse inhalte rüberbringen etc. kunst kann einfach da sein. werbung muss funktionieren.
ha, da hätten wir wieder die sache mit den begriffen, denn laut HD ist werbung != design != kunst :-D und primär ging es ja um design und kunst und nicht um werbung und kunst
Robert: Der Gag ist– Werbung funktioniert meist nicht, weil sie zu kurz greift. Sie arbeitet mit den Mitteln von gestern an den Problemen von heute. Das trifft aber auf 90% allen Designs, inklusive dessenw, as ich so mache, auch zu.
Marian: zwischen einem ganz offenen und dem tatsächlichen Kunstbegriff sehe ich nichts. Alles ist Kunst, was du als solche siehst (und das IST der offene Kunstbegriff… du definierst es halt fröhlich selbst. Phototapete können Kunst sein, so du nur willst… )oder man setzt einen engen, klaren, harten Standard.
Du sagst «für mich kann etwas zur Kunst werden.. persönlich.. ich selbst»..Das ist alles der geschmäckklerische Kunstbegriff. Kunst ist, was du als Kunst haben willst.
Beuyss ist Kunst, ob du ihn magst oder nicht. Dein eigener Geschmack spielt im engeren Kunstbegriff null Rolle. Kunst ist Kunst.
Und Kunst ist nur um der Kunst willen, nicht für etwas anderes. So ist das nunmal. Sie ist einfach. Der Mensch tut das nicht sinnlos, er produziert Kunst. Aber keine Schränke.
Ein Schrank wird keine Kunst, Kunst wird nie ein Schrank.
ein schrank wird keine kunst? warum wird eine saftpresse kunst? ist sie immer noch kunst, wenn ich sie tag-täglich benutze?
Ganz nebenbei: Wir reden hier schon wieder über «Was ist Kunst». Was ich niemals definiert habe. Die Frage ist gewesen: Was unterscheidet DESIGN von Kunst. Und die Unterschiede finde ich gewaltig. Die beiden Sachen zu verwechseln ist schon ziemlich schwierig.
Du kannst auch mit einem Gemälde Zitronen auspressen oder mit einem Auto. Wird es dadurch vom DESIGN her eine Zitronenpresse? I don’t think so.
Die Juicy ist eine abstrakte Skulptur, die sich als Zitronenpresse verkleidet… nicht umgekehrt :-D
es kommt da auf die bereiche an. für mich jedenfalls.
ein stuhl ist design wenn er im raum steht und ich nicht drauf sitze, wenn ich drauf sitze ist es ein stuhl. eine verpackung für eine tütensuppe ist design und werbung. den sie soll gut aussehen und somit sich selbst verkaufen. eine autobeschriftung ist werbung, pure information. hundertwasser ist kunst. hunderwasser zu mögen ist geschmack. ein bildband über hunderwasser ist werbung. ein erscheinungsbild für ein museum welches hundertwasser ausstellt ist design.
generell ist design nicht design. es gibt design welches werbung ist und design welches für produkte ist, das sind zwei paar verschiedene schuhe.
Ein stuhl ist in der Regel immer Produkt-Design. Ob gut oder schlecht sei dahingestellt, es ist KEINE FRAGE des Geschmacks. Irgendjemand hat ihn entworfen. Ist kippelig. Ich denke selbst, es gibt bei Design eine Art Grenze, unter der etwas einfach gar nichts ist, auch kein Design. Aber darüber läßt sich trefflich streiten.
Verpackung für eine Tütensuppe ist meist Werbung, die Design als Tool nutzt.
Beim Hundertwasser hast dus. Seine Arbeit ist Kunst, sie zu mögen ist Geschmack.
Der Bildband kann durchaus auch Design sein, eher als Werbung. Hängt von der konkreten Ausformung und dem Ansatz der Gestaltung ab.
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Design, das Werbung ist… ist Werbung, die Design benutzt.
Und Produktdesign ist natürlich eine der Grundformen von Design. Ich denke, man kann grobst zwischen Medien- und Produktdesign differenzieren.
lass uns mal eine buch darüber schreiben ;)
titel: die kunst des design
Ich glaub, da gibts schon Bücher drüber, ohne Ende.
Die Frage heute ist aber etwa, ob es noch Design ist, in Indesign eine Broschüre zu layoute… oooooder ob es nicht vielmehr längst Design ist, INDESIGN zu gestalten und programmieren, also die Tools der Designer zweiten Grades ;-).
> Ich denke selbst, es gibt bei Design eine Art Grenze, unter der etwas einfach gar nichts ist, auch kein Design.
klar. pure stühle die z. b. ‘nur’ zum sitzen gemacht wurden. schulstühle. darauf fühlst du dich nicht wohl, die sehen weder gut aus, noch sind sie bequem. wobei es da heute sicherlich schon wieder leute gibt, die sich damit auseinandersetzten. aber schau dir mal die stühle in den schulen zu deiner zeit an … da kannst du nicht von produktdesign reden. irgendeiner hat gesagt: den machen wir so. lehne, sitz, beine – fertig.
vielleicht kommt es an wer die broschüre macht.
der künstler, dannist es kunst.
der designer, dann ist es design.
oder einer der denkt er hat ahnung und ist ein künstler, dann ist … DESIGN.
muahahah! scheisse. hör auf jetzt.
ui, ich muss mir heute abend, wenn ich mehr zeit habe, mal eine grosse kanne tee machen und das in ruhe lesen – ich hab’s erst kurz überflogen.
deshalb nur mal kurz: für mich ist design eine dienstleistung, so wie brötchen backen. es dient einem zweck. ein problem soll damit gelöst werden oder eine aufgabe erfüllt werden.
diese aufgabe kann besser oder schlechter erfüllt werden. wenn sie besonders gut erfüllt wird, wird aber aus design noch keine kunst – so wie aus einem perfekt gebackenen brötchen keine kunst wird.
es ist und bleibt eine dienstleistung, weil es einen vorgegebenen zweck erfüllt. ich finde das nichts negatives, ich mag gerade das an diesem beruf besonders, dass man sich mit andern austauscht und gemeinsam versucht, ein produkt möglichst seinem zweck gerecht zu gestalten.
was bei einem stuhl auch miteinschliesst, dass er gut aussieht und bequem ist.
design bedeutet für mich dialog, bedürfnisse aufnehmen und umsetzen.
kunst macht keine zielgruppenanalyse. (oder doch? heutzutage evtl. schon – aber ist es dann noch kunst? oder schon wieder design?)
meine kleine antwort auf die frage zwischen den unterschieden von design und kunst:
kunst ist persönlicher ausdruck, seele ausdrücken und ab auf die leinwand/ins museum/ins buch/etc damit.
design ist ausdruck des produktes, der dienstleistung, des kundens – mit hilfe der kreativität und rationalität des gestalters und der werkzeuge, die ihm dabei zur verfügung stehen. er kann seine aufgabe mit hilfe künstlerischer zitate, ideen oder werkzeugen erfüllen – aber er erfüllt eine aufgabe.
ps: willst du nicht mal einen teil des beitrags auf die detailseite packen (also nach “mehr”), die startseite des blogs ist momentan echt ne reine scrollorgie.
Ohhh, ich mag Scroll-Orgien. WEITER mach ich nur bei Bildern und auch das nur den GPRS-Usern zuliebe :-D
« kunst macht keine zielgruppenanalyse. (oder doch? heutzutage evtl. schon – aber ist es dann noch kunst? oder schon wieder design?) » was ist mit aktionskunst? der künstler wird sich wahrscheinlich schon seine gedanken darüber machen, wenn er damit ansprechen, oder vielleicht angreifen will. der künstler braucht seine „zielgruppe“ alleine schon zur identitätsfindung.
kunst kann auch durchaus politische motive verfolgen. fragen stellen, meinungen propagieren, tabus brechen … ist das dann nicht design, ein an der problemstellung orientierter lösungsansatz? ich sehe die trennung da schon in vielen bereichen, aber ich sehe da auch eine grauzone. das verlangen nach klar abgegrenzten begriffen erscheint mir eher nach dem wunsch nach einer identifikationsmöglichkeit, was man ist. aber ein wort ändert da nicht viel für mich. das, was ich mache ist sehr problemorientiert, immer an der optimalen funktion einer sache ausgerichtet. kann kunst das nicht auch sein?
ich würde mich weder als designer (das ist mir so „cool“), noch als künstler bezeichnen. ich sehe mich eher als problemlöser. aber wenn man sich schon mit diesem no-word „designer“ bezeichnet, dann doch auch als künstler. alles und jeder schimpft sich designer, alles hat irgendwie ein cooles design … gut, diplom-problemlöser ist eher noch unseriöser.
Marian,
eine klare abtrennung ist sicher schwierig. für mich ist es so, dass kunst eher fragen stellt, etwas IN frage stellt, etwas eigenes, persönliches hinzufügt – aber eher weniger “lösungsorientiert” funktioniert.
die bezeichnung «designer» mag ich auch nicht so. als ich studiert hab, hiess mein studiengang «visuelle gestaltung» – heute heisst er «visuelle kommunikation» – ich mag «Grafiker» eigentlich immer noch am liebsten. das hat so was handwerkliches.
Marian… politische Ziele usw in der Kunst sind PERSÖNLICHE. Kunst kommt aus dem Individuum und aus seiner Reaktion auf die Umwelt. Sie ist a-sozial. Design ist sozial.
Mir ist pretty much egal, was Kunst nu ist. Für mich selbst hänge ich ja auch eher an einem offenen Kunstbegriff à la Beavis & Butthead (It sucks/It’s cool), der aber natürlich, I know, schnell empfindlich gleichmacherisch und allzu postmodern und vor allem proletarisch-ungebildet ist. «Kunst ist, was ich mag» ist ein schrecklich abschüssiger Hügel, bei dem jede Differenrzierung mittelfristig auf der Strecke bleibt. Was sympathisch ist, aber der Definition von Kunst nicht hilft.
Nur randscharfe Definitionen sind brauchbar. Ich mag das nächstes jahr ganz anders propagieren, aber momentan geht mir das warme Wischiwaschi etwas gegen den Strich. Designer sind Künstler. Müllmänner sind Künstler. Weil wir alle keine Lust mehr haben, ehrlich zu arbeiten, sind wir alle «Artisten». Keiner will mehr Bäcker oder Schreiner werden, die Betriebe klagen über mangelnde Lehrlinge. Und im Designbereich zahlen die Kids drei vier Jahre 600 Euro im Monat, um dann ein Praktikum zu machen, um dann vielleicht eine Anstellung zu kriegen.
Design hat mit Kunst gar nichts zu tun. Es ist ein im höchsten Maße ausgefeilter Beruf, wie Chirurg oder Architekt, der ein ganz ganz spezifisches Set von Fähigkeiten braucht und bedingt und der – ob als Produktdesigner bei BMW oder als freiberuflicher Kommunikationsdesigner – einen täglichen Kampf gegen das Grau bedeutet. gegen das schlecht gestaltete, gegen die 80%-Mentalität, gegen die eigene Stagnation und die der Auftraggeber. Er erfordert Fingerspitzengefühl in einer hypersensiblen Art, weswegen viele Designer– wie Schauspielr, die beruflich Gefühle auf Knopfdruck gluabhaft generieren können müssen oder Identität als formbar erleben müssen – etwas verstrahlt wirken, durchaus etwas Künstlerhaftes auszustrahlen scheinen. Aber die berufliche Deformation ist eine ganz andere.
Und natürlich gibt es weiche Grenzen. Stankowski. Vasarely. Die waren in den 60ern vielleicht schwimmender als heute, weil Design damals noch das handwerkliche des Zeichnen-Könnens stärker in sich trug. Aber Fleckhaus, Brodovitch… die beiden waren keine Künstler. Saville ist schwierig.Hat er New Order nicht doch manchmal mißbraucht, um Kunst zu machen? Oder war es nur perfektes Produktdesign? Die Grenzen sind nicht immer klar.
Wichtig aber ist, daß wir in der Selbstdarstellung von dieser Künstlerpose wegkommen. Und auch nicht in der platten Anzug-und-Kravatte-Dienstleisterpose enden, bei den gegelten Haaren, die ich inzwischen so oft bei Pitches sehe, den glatten Werbegesichtern, denen das Nicken schon angeboren scheint. Deshalb sind große Designbüros und Agenturen oft gefährlich, manche von denen (nicht alle) verlieren die Kraft zum Neinsagen, weil sie ihre Infrastruktur finanzieren müssen und es nur noch um den Etat geht.
Wir sind keine Dienstleister zweiten Grades, die nur einen Job erledigen. D.h. wir erledigen oft nicht den Job, für den wir angeheuert sind, sondern einen darüber liegenden. Designer gehören in Entscheidungsprozesse der von ihnen betreuten Firmen eingebunden. Michael Siegers Forderung, daß man Designer auf Vorstandsebene bei großen Firmen bräucht, halte ich für angemessen, fast selbstverständlich. Design ist keine Dienstleistung mit gebeugtem Haupt.
Aber wir sind auch keine Künstler. Und dieses Klischee beim Kunden erschwert die Kommunikation. Ich treffe keine Entscheidungen auf Basis persönlichen Geschmacks, sondern ich treffe sie – im Rahmen meiner Möglichkeiten, meines Stils, der ja Folge meines spezifischen Nicht-Könnens ist – für den Kunden. Ich treffe sie auf keinen Fall so, wie er sie treffen würde, sondern so wie ich denke, daß er sie treffen sollte. Ich will immer schon ein Stück wieter, als der Kunde sich es selbst gerade zutraut, meist, weil ich denke, daß er es sich locker zutrauen kann… man sieht die Dinge von außen ja oft klarer.
Und dann ists in der Debatte oft so ein Punkt à la «Ja sie und ihre Künstler-Ideen…» und das ist anstregend, weil keine der Ideen aus der Kunst kommt, sondern aus der RICHTIGEN Lösung (mit meinen Mitteln und meinem Stil) für das gegebene Problem.
Beim WAZ-Pitch ist dann also nicht die Frage, wie ich mir «als Künstler» eine Zeitung vorstelle (gar nicht mehr.. als Künstler würde ich etwas online machen wollen) oder auch nur wie ich mir als Designer ganz frei eine Zeitung machen würde (Das ginge in eine magazinigere Richtung), sondern wie ich mir zwei ganz alteingesessene traditionelle Stadtteilblätter so vornehme, daß sie strukturell besser navigierbar sind, daß die alte Leserschaft mitgenommen und eventuell peu a peu neue gewonnen wird, daß die redaktionen – so sie wollen – freier und essayistischer arbeiten dürfen, die Inhalte besser steuern und schöner verpacken, und das, ganz konkret, die Anzeigenabteilung mit einem frischen Layout einen Aufhänger hat, sich von der (lustigerweise hauseigenen) Konkurrenz abzuheben und sich an den Mann zu bringen. Denn das war der Job.
Und dazu gehört eben nicht nur, ein bißchen Typo auszuwählen und Layout zu machen, sondern auch ein Nachdenken über Möglichkeiten in der Photographie, der Hinweis auf ein Redaktionssystem à la Indesign (auf das die WAZ ja ohnehin umstellt, warum also nicht auch hier) und, wenn man den Job kriegt, intensive Zusammenarbeit mit den beiden Chefredakteuren und hoffentlich den Anzeigenleuten.
Als Designer ist man ja professionell neugierig, hungrig auf neuen Input, hungrig auf MORGEN. D.h. der Clou hier wäre, mal hinter die Kulissen einer Zeitungsproduktion zu schauen, zu lernen, zu überdenken, wie man es optimiert (eben designed) und dann eine Lösung im Team zu erarbeiten, die die Ansätze der anderen Parteen ästhetisch möglichst befriedigend verpackt.
Es ist ein Job, den zu viele Leute machen wollen und nur wenige machen können und bei dem ich ganz ganz oft nicht weiß, ob ich ihn machen kann und an dem ich gern auch mal verzweifele. Aber unterm Strich ist es ein Job. Und in dem gibt es die Bandbreite von soliden Handwerkern, die brav machen,w as der KUnde will zu durchgeknallten Vögeln, die nur machen, was sie selbst wollen. Ich denke, die gibts im Garten- und Landschaftsbau sicher auch :-D.
Design ist Design ist Design. Keine Kunst.
Ein Löwe, der ein Hai sein will, kriegt einfach nur nasse Füße.
danke, ganz meine meinung.
gehts du zur eröffnung am 25ten?
Wahrscheinlich, ist ein bißchen arg genau in der Kaupp-Hardcorephase. Und so umwerfend fand ich den Preview noch nicht. Vor allem die Typo der großen Banner ist, höflich gesagt, ausbaufähig :-D. Gab aber schon sehr spannende und schöne Exponante und generell finde ich die Leistung, die Zollverein dort stemmt, beachtenswert und förderungswürdig. Wenn ich meinen müden Körper also irgendwie dorthin bekomme, würde ich gern hin.
Zufällig bin ich gerade über diesen Blog gestolpert und finde interessant, wie Designer offensichtlich unter dem Phantomschmerz des »Kunst-Komplexes« leiden.
Die allzu inklusiven Definitionen im Bezug auf Kunst halte ich für problematisch, weil eben alle Randdiszplinen auch mit erfaßt werden wollen. Stattdessen ist die Definition von Deleuze, Kunst sei – verkürzt – eine Maschine zur Produktion von Interpretation ein guter Ansatz, weil der Anspruch zu einem wichtigen Kriterium wird.
In diesem Sinne sind beispielsweise Beuys offene oder erweiterte Kunstwerke wichtige Beiträge zur Kunst, aber seine Aktionen sind einmalig und nicht wiederholbar, nicht jeder Straßenfeger ist ein Künstler.
Auch der zeitgeschichtliche Hintergrund spielt eine wichtige Rolle, spätere »Kopien« sind nicht mehr besonders relevant, spät-impressionistische Malerei heute oder Filmmusik beispielsweise.
Man kann sich letztlich nur an die soziale Konvention halten, ob man Design oder Gestaltung für bedeutende Kunst hält oder nicht. In meinen Augen sind beispielsweise die Proun-Bilder von El Lissitzky große Kunst, viel spätere Gestaltung, die darauf aufbaut, nicht. Analog, ob Architektur, Möbel o.ä. Kunst ist oder nicht. Das Medium ist nicht entscheidend, siehe Damian Hirst.
Die Zweckhaftigkeit ist – finde ich – kein Kriterium, die meiste Kunst bis zum 20. Jahrhundert war Auftragskunst, die in bestimmten Genres »abgewickelt« wurde (in der Malerei Stilleben, Portrait, Vedute usw., in der Musik ebenso). Auch die Architektur leidet immer unter ihrer Funktion, aber Funktion, Typologie, Konstruktion usw. sind halt die grundlegenden Mittel dieser Kunstdisziplin und entwerten sie nicht. Gerade Frei Otto ist für mich ein Jahrhundert-Architekt, weil er durch völlig neue Konstruktionen (Zelte, Schalen usw.) eine nicht dagewesene Architektur für eine befreite, ökolgische und anti-autoritäre Gesellschaft entwirft, obwohl seine Bauten »nur« Bahnhöfe, Olympia-Stadien u.ä. sind.
Das Zitat von Deleuze greift es sehr schön. Wobei Interpretation natürlich ein weites Feld ist – auch ein Vitra-Stuhl mag nach hermeneutischer Zerpflückung rufen :-D, ist aber trotzdem meist doch Design (es sei denn, er ist Kunst, muahahah)
Die Zewckhaftigkeit halte ich für ein entscheidendes Kriterium. Und wie gesagt – ich nehme einen modernen Kunstbegriff, finde wie du, daß vor dem 20.Jh ein überwiegender teil der Kunst Auftragsarbeit und präphotographisch war, also un-entfesselt. Moderne Kunst, und nur um die kann es uns gehen, es sei denn, wir wollen auch über Design im 16. Jahrhundert reden, ist postphotographisch und wird oft vorproduziert und findet dann ihre Käufer/Sammler.
Frei Otto ist aber kein Künstler, sondern Architekt. Ein umwerfend guter, kreativer, warmer Architekt, wie man ihn selten genug hat… aber eben ein Architekt. Was im Zweifelsfalls so gut, vielleicht besser ist, als ein Künstler zu sein. Nur ist er eben kein «Künstler» im Sinne einer modernen Kunst des 20/21. Jahrhunderts, sondern jemand, der Gebäude, Städte usw. plant.
Analog Otl Aicher, dessen frühe Plakate für Ulm für mich persönlich schon deutlich künstlerischen Ausdruck haben, diese Reduktion, die Formensprache.. großartig. Aber der Mann hätte dich verprügelt, wenn du ihn als Künstler diffamiert hättest :-D. Denn jedes der Plakate schaut nicht einfach gut aus oder ist künstlerisch anregend, es erfüllt auch auf fast gespenstisch zutreffende Weise seinen Zweck. Die schaut man sich an und denkt, man will den Job an den Nagel hängen, weil Otl eben den schon lange jahre vorher so auf den Kopf getroffen hat, daß man eh nicht mehr hinankommt.
Danke für die Antwort. Die hier immer wieder angeführten Randbereiche sind sicher problematisch, aber ich habe einige Einwände:
Entscheidend ist nicht die Disziplin der Kunst, sondern der Anspruch, der in ihr steckt – ob sie will oder nicht.
So muß man Künstler vor ihrem zeitgeschichtlichen Hintergrund betrachten und darf ihnen und ihrer Propaganda nicht allzu sehr auf dem Leim gehen. Den naiven handwerklichen Aspekt in Otl Aichers Äußerungen halte ich für – flapsig gesagt – verspätete Bauhaus-Propaganda — auch die von ihm angedrohten Prügel passen wohl eher in Zeit der Straßenkämpfer der Weimarer Republik als in die frühe BRD. Aber Spaß beiseite, ich würde es Otl Aicher nicht absprechen wollen, daß er durchaus einen wichtigen Beitrag zur Kunst geleistet hat, obwohl sicher vieles von seiner Produktion wohl eher Gebrauchskunst ist.
(Diese zeitgeschichtliche Betrachtung erledigt auch die Frage, ob man den Begriff Design auf ein Objekt aus dem 16. Jahrhundert anwenden darf. Der Sache wird übrigens interessant, stellt man die Frage, als was sich beispielsweise Dürer, Rembrandt oder Rubens bezeichnet haben. Ihr Selbstverständnis war sehr unterschiedlich und dennoch betrachten wir sie heute als »Künstler« und vegleichen ihre Werke — eben weil sie über ihr eigenes Selbstverständnis hinaus relevante Kunst produziert haben.)
Bei dem Begriff der Zweckhaftigkeit reden wir aneinander vorbei. Die Zweckhaftigkeit der Kunst verhindert ja nicht den Anspruch. Es ist naiv zu glauben, die heutige »freie Kunst« sei durch den Markt völlig frei, so viel freier als sie in früheren Jahrhunderten durch die Bindung an Auftraggeber, Genres, Konventionen u.ä. gebunden ist.
Auch das Originalgenie, der an keine Auftraggeber, Vorbilder, Diskurse u.ä. gebunden ist, ist eine romantische Fiktion. Ähnliche, wenn auch subtilere Beschränkungen sind heute durchaus noch vorhanden und sei es in Form des Marktes oder der Erwartungen der Sammler. Gerade die letzten großen Kunstmessen und -ausstellungen, auf denen ich war, habe ich als – höflich formuliert – ziemlich pragmatische Veranstaltungen erlebt.
Aber ich stimme dem zu, daß es durch photographische oder elektronische Medien eine Grenze im Bezug auf Reproduzierbarkeit und Ikonografie zwischen vormoderner und moderner Kunst gibt, aber ich zum einen würde ich das – weiter gefaßt – als Ergebnis von Abstraktion und Industrialisierung ansehen, nicht als Entfesselung der Kunst. Es gibt ja auch ein Reihe zeitgenössischer Künstler, die nicht auf diesen Fortschritt zurückgreifen, beispielsweise Michael Heizer, Donald Judd oder Ólafur Elíasson.
Apropos Architektur, die ich altmodischerweise immer noch zu den Künsten zähle, obowhl man wohl zwischen schnödem Bauen und Architektur unterscheiden muß. Gerade Frei Otto wird unterschätzt, denn seine gesellschaftlicher, teilweise utopisch-visionärer Gesellschaftsanspruch weisen weit über das einfache Planen und Bauen hinaus. (Und ja, die Hermeneutik von Stühlen, wie Marcel Breuers Freischwinger ist sicher untersuchungswürdig — ist auch untersucht worden. Aber bei den meisten Sitzgelegenheiten kann man sich das wohl sparen.)
Atli, für mich ist aber nicht so sehr die Kunst entscheidend in der Debatte, die kommt gut alleine klar, sondern das Design und der hier ständig laufende Fehler, sich selbst als Künstler mißzuverstehen.
Wirklich.. Otl ist KEIN Künstler. Sein Anspruch ist eben ein ganz anderer. Die Sachen haben ihren durchdachten Zweck und Sinn und Funktion und sind eben nicht um irher Selbst willen entstanden. Es ist Design. Kunstvolles, kreatives, ästhetisches Design, aber eben Design. Aicher hat das selbst stets betont und auch schön begründet. Es fängt ja bereits damit an, daß ein Plakat kein UNIKAT oder keine Limitierte Serie ist, sondenr ein Massenprodukt, mithin der ontrapunkt zur Kunst, bei der die einzigartigkeit oder Begrenzung zeitlich, räumlich oder eben in der reinen Menge ein zentraler und ganz pragmatischer Aspekt ist.
Rubens et al sind für mich aus dem Verständnis moderner Kunst keine «Künstler» wie Trockel oder Richter oder Rauch usw es sind. Es sind andere Welten, wie ich finde. Erst ab 20. Jh ist Kunst eher konzeptionell-intellektuell denn handwerklich, mithin entkörpert. Ich finde, der Kunstbegriff bis ins 19. Jh und der von heute sind völlig unterschiedlich. Und da es Design – wie du so schön sagst als Sündenfall – als eigene Disziplin erst ab Ende des 19, Anfang des 20. Jh gibt (und erst nach WW II als etablierte, relevante kommerzielle Massenerscheinung)… sollte man es am Kunstbegriff der entsprechenden aktuellen zeit messen, nicht am Kunstbegriff des 19. Jahrhunderts. Alles andere führt in die Irre. Und ist auch irrelevant, ich kenne keinen Designer, der sich mit Rubens verwechselt.
Mit Zweckhaftigkeit meine ich, daß primär ein Nuztzen generiert wird. Ein Dosenöffner, so genial er auch designed ist, ist ein Dosenöffner. Keine Kunst. Eine Marketingbroschüre bleibt eine Marketingbroschüre, auch wenn du noch so sehr darin herumkreativst. Ein Bahnhof bleibt ein Bahnhof. Erst wenn er so gestalterisch wirr geworden ist, daß er die Nutzung als Bahnhof fast verliert – und so was würde ich einem gehry eben nahtlos zutrauen –, wenn also der Nutzungsaspekt in den Background tritt, kann es sicher auch Kunst werden. Aber solange etwas seine eigene Zweckhaftigkeit (und damit meine ich nicht den Verkauf von Kunstwerken zwecks Überlegen, das ist ein ganz anderer Pragmatismus des Kunst-Marktes), in sich trägt, ein Radio also immer noch Radiostationen abspielen kann, auch wenn es in einer biomophen Masse von Selbst an der Wand hängt und in LED-Blau pulsiert oder so etwas, wird es immer Design bleiben. Es löst eine Art von Problem, verbessert ein Produkt oder seine Nutzung/wahrnehmung und so weiter. Es bleibt Produkt- oder Kom-Design.
Kunst, nebenbei, ist eben reproduzierbar (Benjamin), Desiugn aber ist auf Reproduzierbarkeit ANGELEGT. Es ist eine Reaktion auf die Massengesellschaft, ein ästhetischer Überbau der Massenproduktion, eine kreative-qualitative Aufladung und im Bauhaus ja sogar bewußte Forcierung/Nutzung dieses Prozesses. Insofenr bezeichne ich Ikea ja immer halblaut als DEN offiziellen Bauhaus-Erben. Das Bauhaus-Entwürfe heute als seltene Sammlerobjekte und Kunstwerke durchgehen, widerspricht dem Geist der Sache, die auf Multiplikation und soziale Massenfertigung aus war
Und natürlich gibt es (gottseidank) immer noch Künstler, die prämodern arbeiten. Und ich selbst mag es ja auch. Mir geht es hier eben eher um die Frage, was Design und Kunst unterscheidet, nicht um die zahlreichen Nuancen in der Kunst selbst.Aber ein Gemälde, wie auch immer gemalt, ist ein Gemälde (außer es sollte eine Photographie sein), weswegen heute auch ein naturalistisches Ölgemälde eben ein Gemälde ist (weil es ja sonst eine Photographie sein könnte), was 1416 etwas anderes war… die Chance, daß ein Gemälde einfach nur ein Photo sein sollte, ist hier eben recht hoch, heute bei Null. Ein Gemälde SOLL heute mehr als ein Photo sein. Donald Judd arbeitet doch aber hypermodern, finde ich? Ganz abstrakt und very minimal art. Großartiger Mann.
Architektur ist keine Kunst. Architektur ist Architektur. Ist auch gut so. Man baut halt Häuser. Und plant Städte. Das ist was ganz anderes als Kühe zersägen. Was du als Architekt tust, und das weißt du aus der Praxis ja selbst, ist eine Mischung aus Ingenieurstätigkeit, lateraler Kreativität… beides fusioniert mit dem Blick auf «Wird das funktionieren?». Ob ein Gebäude schön ist und ästhetisch neue Wege beschreitet ist Teil dieses Denkens. Man baut ein Haus nicht einfach nur so, sonder hat immer die Nutzung, die Funktion im Blick. Die Utopie ist Teil davon. Auch der Braun Schneewittchensarg oder der Smart, beides hervorragende Produktdesigns, wie ich finde, sind keine Kunst, obwohl beide auch eine gesellschaftliche und visionäre Ebene in sich tragen. Ich persönlich bin der Meinung, daß dies eine ganz andere Augabenstellung, andere Denke ist als «Kunst» zu produzieren, die im Vakuum stehen darf und kann und eher mit sich selbst und dem Künstler beschäftigt ist, eben «a-sozial» ist. Während du als Architekt immer sozial denkst, immer an die Menschen, die in deinem Haus sind, die du mit deinen Entwürfen bereichern willst. Du machst das nich für dich, sondern du hast einen Idealuser vor Augen, du entwickelst nicht völlig frei und spontan, sondern auf ein harmonisches Ganzes, eine GESTALT hin. Völlig andere Sachen. Es ist so, als würde sich ein Boxer als Fahradfahrer bezeichnen, nur weil er auch seine Beine benutzt :-D. Und darin ist auch Impliziert, daß ich Design und Kunst gleichwertig sehe, das Design sogar einen Hauch schwieriger udn wichtiger finde, weil es nicht so impulsiv sein kann, sondern nicht nur kreativ und neugierig und spannend und ästhetisch und und und sein soll und oft muß, sondern auch Kostenkriterien erfüllen muß, marktkrierteien bedenken muß, pragmatische Lösungen suchen muß und unterm Strich für eine Vielzahl von Parametern FUNKTIONIEREN muß (Und Kunst eben den Luxus hat, nicht nurnicht funktionieren zu müssen, sondern eben sogar nicht funktionieren zu DÜRFEN, außer eben als Kunstwerk. Niemand würde Ueckers Nagelskuplturen als Garderobe verstehen und seinen Mantel daran aufhängen. Umgekehrt wäre eine Garderobe, die seinen Stil aufgreift und mit Nägeln arbeitet, keine Kunst, sondern eben ein Designobjekt, das Kunst zitiert.. denn im Vordergrund steht der Nutzen als schicke Garderobe, nicht der Wert als Kunstunikat und persönliche Verwirklichung, wie bei Uecker. Und so weiter.
Es gibt auch im Design oder in der Architektur einen autonomen Aspekt, der die reine Zweckhaftigkeit transzendiert und diese künstlerisch relevant macht.
Sei es bei Otl Aicher, dessen Texte wie »Die Welt als Entwurf« oder »Analog und digital« – überspitzt gesagt – einen höheren Anspruch als den eines Kunstgewerblers formulieren. Mit dem Vergleich von Bauhaus und Ikea kann ich mich nicht so recht anfreunden. Wie beispielsweise Reyner Banham (»Theorie und Gestaltung im Ersten Maschinenzeitalter«) entlarvt hat, war das trotz aller Propaganda nicht wirklich an der proletarischen Massenproduktion interessiert (nicht einmal in der Ära Hannes Meyer), sonder nur an der Rhetorik der Maschinenästhetik und der Massenproduktion. Die Bauhaus Produkte sollten das nur ausdrücken, nicht wirklich Massenprodukte sein. Aber das schmälert ihre Bedeutung nicht.
Bei Ikea gab es zumindest in der Frühphase noch Ahnung des romantischen schwedischen Landlebens a la Carl Larsson.
Aber um den Bogen zurück zu dem Ausgangsproblem zu spannen, Design sei keine Kunst und sollte deshalb gesellschaftlich und ökonomisch relevanter, so hängt das denke ich wohl auch von der Einstellung und den Arbeitsstrukturen der Designer ab. Seltsamerweise knüpfen diese ja selber nicht an Institutionen wie den Deutschen Werkbund an, vielleicht spukt in manchen Köpfen auch noch das schöne altmodische Wort des Kunstgewerbes herum …
Im übrigen fühle ich mich etwas unfreiwillig als Architekt geoutet …
Ich glaube, das hat nicht viel mit der Arbeitsweise und den Denkstrukturen zu tun. Du bist Designer und machst Design oder du bist Künstler. Selbst ein noch so künstlerisches Plakat bleibt ein Plakat, es sei denn es verläßt den funktionalen Bereich.
Kunstgewerbe ist ein Begriff, den ich für Design hochtreffend finde. Kunsthandwerk analog, halte ich – obwohl es ja meist abwertend gemeint ist – für ein ungeheures Kompliment.
Worum es geht, ist aber, daß Kunst per se kein WERT ist. Kunst ist nicht gleich «gut» oder «besser» oder «kreativ». Kunst ist einfach Kunst. Und kann insofern auch Scheiße sein, you know? Meisterschaft ist ein ganz anderes Kriterium. Es ist eben nicht so, daß Gutes Deisgn oder gute Architektur dann künstlerisch wird. Oft im Gegenteil, weil die Aufgaben so konträr sind.
Deshalb Gehry (partiell) als Beipsiel für jemanden, der vom Architekten zum Künstler wird… weil seine Häuser immer weniger als Häuser funktionieren, sondern als Symbole, als Semiotik. Und dabei – anders als bei anderen Architekten – der Nutzwert nahezu vernachlässigt wird. Andere Baumeister können beide Aspekte verbinden, subsumieren somit die Ästhetik in den Nutzwert, bauen ein Haus für Menschen… Gehry tut das nicht mehr. Er macht Skulpturen, die zufällig auch Häuser sein könnten. Weswegen man ihn zugleich bewundern und verabscheuen darf ;-D.
DESIGN vs ART? Da stößt man sehr schnell an die Ausdrucksfähigkeit der Sprache und man müsste erstmals exakt die impliziten Definitionen, kulturelle Kontexte und dergleichen exakt definieren…
… mein Beiträg zu dieser Diskussion soll ein konkretes Fallbeispiel sein. Vor kurzem habe ich das Kunstprojekt http://www.conditiohumana.org gestartet. Was meint ihr:
Design? Kunst? Designkunst? Kunstdesign? Oder Schrott?
Vor allem ist es nicht neu:
http://www.milliondollarhomepage.com/
Flämische Landschaftsmaler gibt es wie Sand am Meer; haben sich diese von dieser Tatsache vom Malen abhalten lassen? Und vor allem wieviel Designer haben schon das Rad oder den Stuhl neu erfinden können? Kaum einer.
Herr Schellnack Sie haben vollkommen recht, ich habe das Motiv/Suject von der zitierten Internetseite aufgegriffen und weiterentwickelt. Das Design und die expressionistische Farbgebung ist neu. Der Grundgedanke durch eine Sammlung von Graphiken den Menschen zu zeigen ist neu. Die Möglichkeit, dass jeder Mitmachen kann ist neu… das Motiv der Vorlage ist schön, doch deren Umsetzung ist meines Erachtens kraussig.
Bei meinem Projekt trägt das Design dazu bei den künstlerischen Inhalt sichtbar zu machen.
Unterschiedliche Stühle mögen sich auf den ersten Blick sehr ähnlich, doch nachdem Sie mehrere Stunden in diesen gesessen haben, spüren Sie die Unterschiede.
Ich verstehe nicht ganz, was an einem Portal mit hauptsächlich kommerziellen Links Kunst ist? Wo entpuppt sich da die im Titel zitierte Conditio Humana? Über das Flash-Design müßte sich Marian komptetenter äußern können als ich.
OneMillionDollar wollte ja nie Kunst sein… der Name ist Programm :-D. Das es gerade deswegen möglichweise, zumal erster seiner Art, ganz unfreiwillig als Kunst zu betrachten sein könnte, ist ein anderes Thema, und nicht meins.
Ganz abgesehen davon finde ich aber toll, daß du so etwas auf die Beine stellst.
Ja, dieses Projekt auf die Beine stellen ist viel Arbeit und vorallem ist dieses Projekt nicht leicht kommunizierbar. Deshalb habe ich die knalligen Farben (Design) verwendet um den Besucher aufzuschrecken und zu signalisieren, STOPP hier gelten andere Regeln.
Können Blinde im Internet recherchieren? Woher findet eine kreative Jungunternehmerin die Kraft in Ihrem Hinterhofatelie Taschen zu designen und zu vermarkten? Ein Chat mit Frauen aus Brasilien, moralisch korrekt? Richard Branson, der reichste Mann von UK, hatte er Glück oder war es Strategie? Alfred Nobel ehemals ein reicher Mann, Herrscher über ein Weltimiperium, starb als einsamer Mann. Frischer Wind, ein Arzt versucht ein eigenes Konzept einer finanzierbaren Krankenkasse zu forcieren… überall sehe ich Menschen… die conditio humana.
Ein verschwindend kleiner Anteil der Links sind kommerziell, aber Strom wird halt nicht im Hinterhof und Viagra nicht in der Suppenküche entwickelt. Ein Leben ohne Strom? Das Aufatmen durch die Erleichterung durch Viagra? … der Mensch… Ich habe meine Seite heute früh in google eingetragen und hoffe, dass viele brotlose Künstler und kreative Jungunternehmer mitmachen (gratis) und ihren Beitrag,… zeigen.
Das peppige Design und “what’s that” reichen anscheinend nicht aus, um die Bedeutung der einzelnen Beiträg für die conditio humana zum Ausdruck zu bringen. Ich werde die block-Seite im Laufe der nächsten Woche erweitern, sodass die einzelne Beiträge kommentiert werden.
Die conditio humana schillert schon in meiner Vorstellung, jedoch habe ich anscheinend noch keine hinreichend ausdruckstarke Darstellung gefunden, um dieses Bild zu vermitteln, diese erfordert mehr als Design und ist Kunst.
Dazu der Herr Herzog: http://zeus.zeit.de/text/2004/21/Interview_2fHerzog
Esist übrigens aus meiner Sicht auch so, daß man zwischen pre-industrieller und post-industrieller Kunst als Kunst unterscheiden sollte. Und man kann Design/Kunst der Gegenwart auch recht solide am sozialen Begriff der Schönheit ausdifferenzieren. Design will meist ästhetisch pleasantly daherkommen, Kunst will alles andere als.
Um die conditio humana aus einer Sammlung von Graphiken leichter zugänglich zu machen, habe ich einige erklärendende Worte für die ersten Beiträge hinzugefügt. Ich hoffe, dass durch diese Worte der Inhalt und die Bedeutung hinter den Graphiken sichtbar werden:
blog for blocks