Das von Patric Marc Sommer und Nadine Roßa produzierte Design Made in Germany Magazin ist in der ersten Ausgabe als PDF erschienen. DMIG stellt eine Reihe spannender Projekte und Agenturen vor, wobei der Clou ist,dass jeder Artikel nicht von der DMIG-Crew und nicht von dem Interviewpartner, sondern von einem anderen Designer/Grafiker gestaltet wird. So hat Katharina aus unserem Team etwa den Erik-Spiekermann-Artikel gestaltet (wofür Erik uns wahrscheinlich die Ohren langziehen wird) und das eMail-Interview mit mir zum letzten Saisonheft des Theater Bielefeld hat Kai Scholz gestaltet. Highlight des Heftes ist das Intro, in dem Patrick sein Heft mit 25 Statements namhafter Kollegen zum Thema «Was ist typisch deutsches Design?»einleitet, begleitet von schön sparsamen Illustrationen von Martina Wember.
25. Juni 2009 08:14 Uhr. Kategorie Design. Tag Magazine. 36 Antworten.

Tolles Foto von dir :-D
Das Magazin sieht sehr lieblos gestaltet aus, ob das nun Design made in Germany ist? Für mich nicht! Bei mir kann das Mag nicht punkten. Man hätte wenigstens ein einheitliches Seitenraster, Paginierungen etc. bauen können.
Philipp, das ist doch gewollt so.
Jeden Artikel hat jemand anderes gemacht.
Ich finds toll! Jedes Magazin hat ein einheitliches Raster.
ich finde HD hat tolle sachen gesagt. nicht alles würde ich so unterschreiben wollen für mich, aber das allermeiste schon.
ich habs online gelesen und das tuts super. das hat spass gemacht. :)
>Das Magazin sieht sehr lieblos gestaltet aus
Phillip, das Magazin ist ja von verschiedenen Designern gemacht worden. Ist da alles golden? Denke ich auch nicht – ich bin mit der Feintypographie in dem Interview mit mir nicht sehr glücklich. Und ich denke, Erik stehen die Haare zu Berge, wenn er sieht, wie klein wir seine Photos zugunsten einer Strecke von historischen Illustrationen gemacht haben, nur weil wir die Photos etwas nichtssagend fanden und das echte Manual von EdenSpiekermann leider nicht mehr termingerecht kam – obwohl das sicher auch spannend gewesen wäre. Das Intro gefällt mir z.B. recht gut, andere Artikel nicht so, aber das ist scheinbar eben Teil des Konzeptes und sicher auch eine mutige Fallhöre für Patrick und Nadine.
Und nicht vergessen: Es ist im Grunde eine Nullnummer. Ein Experiment, das ich AN SICH ja schon toll finde.Für eine erste Sache sind da schon eine Menge nette Artikel drin – man muß das als Leistung von nur zwei Leuten schon sehr anerkennen und ich denke, die zweite Ausgabe wird dann auch wagemutiger und liebevoller gestaltet sein. Das ist ein Prozess. Die erste Raygun war wahrscheinlich auch nicht wie die zehnte ;D. Ich finde erst einmal toll. was Patrick und Nadine auf die Beine gestellt haben, alles weitere bringt dir Zukunft – und du selbst kannst dann ja vielleicht einen Artikel gestalten und mit dabei sein ;)
Danke HD!
Ich bin auch gespannt wie sich das Ganze entwickelt und wartet einfach mal Ausgabe 2 ab :-)
[...] zulu.heuserkampf.com http://www.diskursdisko.de http://www.fontblog.de http://www.dackworld.de a-better-tomorrow.com http://www.hdschellnack.de Außerdem vielen Dank an alle Autoren und Gestalter, die uns bei unserem Projekt unterstützt [...]
was hat eigentlich dieses studentinnenhafte mädchen in tusche & aquarell mit dem mobile office auf dem schoss (i can work überall…) mit “design made in germany” zu tun??? hae?
“»Wenn wir also möchten, dass man bewundernd sagt ›typisch deutsch‹, dann müssen wir uns auch als Designer mit dem messen, was Deutschland tatsächlich Weltgeltung verschafft hat. … Ob Design made in Germany nur eine Herkunftsbezeichnung ist oder ein Gütesiegel sein kann, wird die Zukunft zeigen.«
wer solche bedürfnisse hat tut mir wirklich sehr leid!
(der artikel von K.P. Staudinger ist eine gutes trauriges beispiel für dieses (vermeintlich) “neue deutsche lockere nationalbewustsein” … und das schwarzrotgelb-layout ist peinlich – die illustration in kindisch naiv.)
wer die falschen fragen stellt, sollte sich nicht wundern wenn dabei nur falsche antworten rauskommen. diese nationale folie, die anscheinend der ausgangspunkt dieses magazins ist, ist solch eine dumme frage.
das ist der horizont von kleinbürgern die sich nach identität und vergewisserung ihres nationalen seins sehnen, – die in der konstruktion des “eigenen” auch gerne die konstruktion des “anderen” billigend in kauf nehmen(..)
oder anders – wie kommen designer dazu in einer welt die glücklicher weise kleiner geworden ist, in einer welt die transnationale, interkulturelle perspektiven in designdiskursen ermöglicht bzw vereinfacht, solch ein standortkonkurrenzprojekt auf die beine zu stellen??
ich weiss es nicht.
jedoch in zeiten von krise (wirtschafts- und daraus resultierend sinnkrise) kann man sich auf 3 dinge immer verlassen:
a) ein erstarkten spiritueller / religiöser strömungen
b) ein erstarkten des nationalismus
c) die sehnsucht nach kollektiven identitäten
und natuerlich ist das nationale distiktionsbedürfnis auch im land der “richter & henker” ausgeprägt. und natürlich gibt es auch designer die gerne sagen “ich bin stolz sein deutscher designer zu sein”.
…
ich denke > design ist sozial und nicht national zu denken.
alles andere ist stantortmarketing und und modernisierng nationaler identität.
in diesem sinne
sandy kaltenborn
ps. – warum nun der NS in der tollen deutschen design tradition (siehe aufzaehlung) hier nun keine erwaehnung erfaehrt – in der aufzaehlung. warum also bei “der stunde null” begonnen wird bleibt offen.
aber das kann man sicher mit einem artikel von s.heller dazu nachholen ; ) lol … die integration des NS in das nationale selbstverständnis welches wir unter rotgrün haben erleben dürfen wird sich sicher in den ein oder anderen design publikation auch weiter vollziehen. dieses magazin wäre sicher dazu geeignet.
Sandy, du hast die Sache glaub ich in JEDEM Blog gepostet, dass über DMIG berichtet hat.
Ich glaube, dir unterläuft ein kleiner Verständnisirrtum – ohne für Patrick sprechen zu wollen: Das Magazin ist Ableger einer Webseite/eines Blogs mit dem Titel DesignMadeInGermany. Ich hab dem Inhalt, abgesehen vom Vorwort nicht viel entnehmen können, das jetzt aufs Typisch Deutsche abhebt. Ich glaube gar nicht, dass es Patrick und Nadine um eine Standortbestimmung geht, das wäre für zwei Personen auch nicht zu leisten.
Es gibt sicherlich Unterschiede in nationalen Designansätzen, auch wenn diese – unweigerlich, wenn man sie vereinfachen, greifen, kartographisch machen will – immer wieder auf Klischees zurückfallen. Viele davon stimmen vielleicht sogar, andere zerplatzen an der realen Arbeit, kein Punkt ist ohne Kontrapunkt denkbar. Es sprengt den Rahmen eines Magazines – und auch jedes Blogkommentars – über die Nuancen deutschen Designs sprechen zu wollen. Mir fallen da aber eben trotzdem Rahms, Aicher und Fleckhaus ein, Tschichold natürlich, vor allem der späte. Die Schweiz wird oft, wenn man über deutsches Design denkt, ebenso mit subsumiert, wie der Bauhaus, der so gar nicht typisch Deutsch sein wollte :-D. Über die nationale Identität – und deren Verschwinden und darüber ob dieses Verschwinden nun gut oder schlecht sein kann – von Design kann man trefflich sprechen. Aber ich glaube, das war hier gar nicht die Absicht. Kein Artikel eruiert das Thema DeutschDesign, finde ich.
****
Deine 3 Dinge auf die man sich verlassen kann, sind eigentlich die gleichen:
Nationalerstarken, Religion und Kollektividentität ist natürlich einfach die suche nach HALT in unsicheren Zeiten, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch massenpsychologisch. Der Einzelne hat längst den Glauben verloren, sein Schicksal effektiv bestimmen zu können – das übrigens durchaus eine eher deutsche/westeuropäische Mentalität, das Fehlen einer Chancenorientierung, weil wir nicht gelernt haben, Chancen zu erkennen, sondern auf paternalistische Staatsversorgung getrimmt sind, Institutionen vertrauen und nicht uns selbst – und sucht nach Rettungsringen im Ozean. Das Gott, Blut und Boden und der Mob sind da immer die naheliegendsten (und deshalb grundfalschen) scheinbaren Retter, aber sie sind natürlich eher ANKER als Rettungsringen, sprich: Sie ziehen dich in den Abgrund. Denn die Orientierung sollte natürlich offener sein, nicht enger: Europa und die Welt, nicht Deutschland, Wir statt Ich, Gemeinsamkeit statt trennenden (und andere Sonntagspredigt-kompatible Dinge).
***
Das Interessante an der NS-Zeit ist freilich, das hier – nicht zum ersten Mal, aber so ausgeprägt im Stile der industriellen Moderne – ein Staat sich ein Corporate Design verpasst hat und auch wie eine Unternehmung geführt wurde, mit den von Cracauer und auch Weber so gespenstisch beschriebenen Bürokratiemechanismen.
Ich versuche bis heute, wenn Kunden ein von oben aufgepropftes CD als Lösung ihrer firmeninternen Kommunikationsprobleme sehen – also Gleichschaltung wollen – darauf hinzuweisen, dass die Saat dieser Gedanken faschistoider Natur ist, da kommt diese Ordnungswut, dieses nicht Zulassen-Können von Chaos, ja durchaus her.
Für uns Designer, die Corporate machen, bedeutet das zwangsläufigg, sich die Arbeit zu machen, Design zu demokratisieren, zu öffnen und zum Diskussionsobjekt zu machen. CD funktioniert nur, wenn es gemeinsam entsteht, wenn also der Designer nicht mehr so sehr der Ingenieur oder Architekt/Dirigent ist, sondern der Mediator, der fluide (weil klein) als eine Art ganz anders denkender Berater durch das Unternehmen geht und Prozesse auslöst, bewertet, und die Denke ändert, indem er auch Kritik von unten nach oben weiterreichen kann und so weiter. Sprengt auch den Rahmen hier, aber du weißt ja, was ich meine. Wir Designer haben – idealerweise – aus dem Dritten Reich gelernt, wie schrecklich Design missbraucht werden kann und sind uns der Verantwortung bewusst, die die professionelle Steuerung von Kommunikationsprozessen (wobei auch das ja meist eher scheitet, man kann das nie 100% kontrollieren, gottseidank) bedeutet.
***
Last not least kommst du natürlich aus einer politisch sehr geschärften Diskurskultur, wie es sie vor allem in Berlin partiell geht – und bei der ich, bei allem (wie du ja weißt) ENORMEN persönlichen Respekt vor dir und deiner Arbeit sagen muss, dass diese sehr engagierte politische Haltung nicht nahtlos auf jeden anderen Menschen übertragbar ist. Nicht jeder – und gottseidank – hat bei jeder Auseinandersetzung mit dem eigenen Land immer gleich NS und Hitler im Kopf. Das ist auch gut so – solche reflexartigen Rückbezüge und das ständige Nachhintenabsichern sind lähmend. Nicht nur, wenn es darum geht, eine positive Haltung zum eigenen Land zu entwickeln (und die deutsche Nationalhaltung resultiert ja fast daraus, etwas NICHT sein zu wollen, ist in sich also ANTI, das kann nicht lange funktionieren), sondern auch weil auch das negative ständige Anschleppen von Auschwitz und Co diesen Cluster lebendig hält. manchmal frage ich mich, ob die extreme Linke von Hitler nicht ebenso fasziniert ist wie die extreme Rechte – beide tun ihren Teil dazu, neben Hollywood (seufz) dieses Phantom unmäßig lang dummerweise am Leben zu halten und zu fetischisieren. Einfach gesagt: Wenn man die Nazikeule aus der Kiste holen muss, um etwas zu diskreditieren, hat man vielleicht nicht gut genug nach besseren Argumenten gesucht. Auschwitz ist einfach – ZU einfach und ZU oft missbraucht. Nicht zuletzt verliert man auch den Blick für die AKUTE rechtsradikale Bedrohung, die durch den Rückverweis auf das Dritte Reich immer aus meiner Sicht etwas verharmlost wird, in die Vergangenheit geschoben, als Neo-Judenhasser simplifiziert, als Dummhansel, die fast 100 Jahre in der Vergangenheit leben. Und so einfach sind die Gründe für Jugendliche nicht, Neofaschisten zu werden. Erst wenn wir uns der deutschen GEGENWART zu wenden, und uns nicht über die Phantome des letzten Jahrhunderts definieren – und das tun derzeit nahezu alle politischen Strömungen, ausnahmslos,die CDU klebt an Erhard und Kohl, am Kapitalismus der Nachkriegszeit, die SPD steckt in den Siebzigern fest, die PDS faktisch noch an der Dialektik des VORletzten Jahrhunderts und partiell natürlich in der DDR-Zeit, die Grünen in den 80ern, ihrer großen Zeit, die FDP in der gleichen Zeitschiene wie die PDS, nur aus anderer Richtung kommend :-D – kommen wir in Europa langsam aus dem Quark.
Reflexartig die Hitlerpuppe aus dem Halfter zu ziehen, nur weil zwei Leute ein Magazin Design made in Germany genannt haben – ein denkbar harmloser Begriff, wenn man ihn nicht überinterpretieren WILL – definiert sich über die Vergangenheit, nicht die Zukunft. Und das wäre gerade bei einem extrem smarten Kopf wie dir zu kurz gegriffen. Ich verstehe deine Sorge um die Osmose nationalsozialistischer Denkstrukturen in den Alltag – aber ehrlich gesagt, der Zug ist abgefahren und die echten Probleme haben weniger mit NS zu tun als vielmehr hinter dem, was immer schon hinter Hitler stand und diesen überhaupt auch ermöglicht hat – diese grenzenlose GIER, die ganz unabhängig von Politikmodell, von Land, von Personen, von Epochen die Geschicke leitet. Die für Hitler ebenso wie für das UDSSR-Regime, ebenso wie für Iran und China heute, ebenso wie für die Exzesse des Friedmanismus ebenso wie für das Römische Reich verantwortlich ist.
Und, hoffe ich, wenn zwei Leute freiwillig und gratis ein Magazin gestalten und herausbringen, ist das doch das genaue Gegenteil von GIER. Die geben ja etwas, wollen was von sich selbst mitgeben. Diese Großzügigkeit mit der NS-Keule und einer grundsätzlich richtigen, aber hier vielleicht an der falschen Stelle zuschlagenden Generalkritik an Heimatgefühlen zu quittieren, wäre doch schade,oder?
sandy, du sagst es selbst: standortmarketing.
Äh… HD?! In Rage geschrieben und etwas vergaloppiert, vielleicht?!
»… sondern auch weil auch das negative ständige Anschleppen von Auschwitz und Co diesen Cluster lebendig hält« – diese Formulierung kannst Du doch wohl nicht so stehen lassen wollen, oder? Logger-floggiges Bloggen in allen Ehren, aber was bitte meint ›Auschwitz und Co‹, das ›Anschleppen‹ des selben und vor allem wie sieht das ›positive ständige Anschleppen von Auschwitz und Co‹ aus? Kannst Du diesen Satz bitte noch mal für meine Namensvettern die nach Auschwitz und Co geschleppt wurden, verständlich wiederholen? [Entschuldige bitte diesen Stups mit der ›Nazikeule‹]
Abgesehen von ›solchen reflexartigen Rückbezügen‹ meinerseits [sorry: bin leider auch Berlin-geschärft], klappte mir u.a. auch die Kinnlade runter als Du so selbstverständlich
»Unterschiede in nationalen Designansätzen« vorausgesetzt hast. Wo lebst/liest Du denn, möchte man sich eigentlich fragen, wüsste man es nicht besser. Arbeiten/Produzieren, auf unterschiedlichsten Hintergründen und Einflüssen aufbauend (und ausbauend), wie es gerade einen Bereich wie Visuelle Gestaltung ausmacht, führt doch wunderbar vor Augen wie lächerlich und sinn-los Konstrukte wie ›Nationalstaaten‹ und Gedanken um ›nationale Ansätze‹ sind. National = Unfug! Herzliche Grüße aus Norwegen. Ich bin froh dass ›Design made in Germany‹ nicht viel mehr als ein Schwurbel ist, ansonsten wäre ich hier arbeitslos.
Oder verstehe ich Dich falsch? Dein Hinterfragen/Beleuchten des ›national bestimmten oder bestimmenden Designs‹ schwankt doch in Richtung Zustimmung dieser Konstruktion (hier allerdings die Schweiz, ›Bauhaus‹, und Tschichold als Ikonen oder Definitonen ›deutschen Designs‹ anzudeuten erinnert mich an den Bücherklumpen auf dem Bebelplatz Unter den Linden zur Fußball-WM, der just an diesem ›Standort‹ die Einzigartigkeit des Ideenreichtums der Deutschen [kollektiv, jawohl!], besipielhaft in der Buchdruck-Erfindung, verdenkmalen sollte: Mit Marx, Seghers, Brecht ›und Co‹ am zentralen Bücherverbrennungs-Standort).
Wie kann man ein Magazin ›Design made in Germany‹ nennen, wenn man dann nicht über ›nationale Identität des Designs‹ reden will? Anders gefragt: wieso sollte man es so nennen? Oder: Worüber, wenn nicht davon, sollte man reden? Und wenn das schon einmal gesagt ist, kann ich Sandy nur zustimmen – wer von Deutschland redet, kann von Auschwitz nicht schweigen, ums mal mit der ›Nazikeule‹ auszudrücken, bzw. wie Klaus-Peter Staudinger formuliert, »was Deutschland tatsächlich Weltgeltung verschafft hat«, das vielfach erwähnte Staats-Erscheinungsbild. Und wie alle Statements in der Einleitung das Thema ›NS CI‹ (gemäß dem Schmidt-Titel) aussparen [ebenso das Thema deutsch-deutsch bzw. DDR-Entwicklungen, so als würde das auch keine Rolle mehr spielen], ist ganz schön unheimlich. Vielleicht sollte sich das Magazin tatsächlich erstmal fragen/beantworten, was es denn selber mit ›deutsch‹ meint – den Titel wie Patrick Marc Sommer es nennt ›Standortmarketing‹ zu deuten, macht m.E. wiederum Hilflosigkeit und Ohnmacht deutlich, bei gleichzeitiger Sinn-Entziehung: Wie wird denn zB. bitte EdenSpiekermann einsortiert unter ›in Deutschland hergestellt‹, aha, Erik S. ist in Deutschland hergestellt. D.h. Designer made in Germany.
Ehrlich gesagt, nach der genaueren Lektüre von Staudingers Text wird mir richtig gehend schlecht. Wie kann man davon schreiben, »Es heißt, nur wer seine Vergangenheit kennt, hat auch eine Zukunft«, und »aber sie [die Deutschen] haben unseren Planeten ganz schön geprägt«, dann aber im gesamten Artikel, der sehr wohl bis zu Marx und Gutenberg in die Vergangenheit taucht, die deutscheste aller Designleistungen, nämlich das allumfassende Designprogramm (das NS-Kommunikationsdesign ist ja nur ein Bruchteil davon, ganz zu schweigen von der Umgestaltung ganz Europas, bevölkerungs-technisch (sic!), topographisch, kulturell, politisch etc) in den dreißiger und vierziger Jahren, nicht einmal mit einem Wort erwähnen?! Jawohl, mein Herr, die Deutschen haben den Planeten ganz schön geprägt – wobei ›schön‹ hier genau so nach Definition schreit.
Jedoch: Ohne Zweifel Respekt und Kompliment für die Herausgeber dieses Magazins, die sich so viel Arbeit gemacht haben. Trotz aller hier geäußerten Kritik, zu Ansatz und zur durch den Titel bestimmten Marschrichtung, finde ich vieles gut und einiges sehr gut, viele interessante Ideen und Themen. Aber, lieber Patrick Marc und liebe Nadine, warum um Himmels willen ›Made in Germany‹? Ist Euch wirklich nichts besseres eingefallen, oder ging es darum, solche Fragestellungen wie hier zu evo- oder zu provozieren?
Ich wünsche Euch für Eure Arbeit alles Gute, aber es ist, mit Verlaub, ein dämlicher Name. Wer denkt, seine Qualität als Designer definiert sich über seinen Pass oder seinen Geburts-/Wohnort, hat, gelinde gesagt, ein Problem. Das müßte doch nachvollziehbar sein, oder etwa nicht?
{Äh… ? In Rage geschrieben…?!}
Also den Namen gibt es seit bereits 10 Jahren und hat eine sehr einfache Geschichte:
Ich hatte in meinen ersten Jahren als Designer nur internationale Kontakte zu anderen Designern und irgendwann einfach das Bedürfnis mich auch mal in meiner Muttersprache austauschen zu können. So entstand unter diesem Namen ein Forum, welches schnell zur größten deutschsprachigen Community für Designer wurde.
Also nur ein Name den viele Leute kennen und ein Schwerpunktthema, welches sich für die erste Ausgabe einfach angeboten hat und nun auch abgehackt ist.
So, erst einmal zwei Schritt zurück.
1) den Text oben noch einmal lesend kann der Eindruck entstehen, ich verorte Sandy in einer Art Linksextremismus. Laßt mich deutlich sagen, dass ich das nicht tue. Sandy ist zu smart, zu agil, zu vielseitig, um sich so eindimensional verorten zu lassen. Ich bin vom speziellen zum allgemeinen gegangen und die Transition ist vielleicht unscharf – vor allem weil man meine (zu) langen Texte ja immer nur überfliegt.
2) Ich bin absolut strikter Antifaschist, bevor hier Mißverständnisse hängenbleiben.
3) Was immer ich schreibe, ist ein Suchen. Ich habe keine festen Meinungen, sondern suche- wie alle – in diesem postmodernen, widersprüchlichen Nebel, in dem nichts mehr ohne sein Gegenteil ist, nach Meinungen und wechsele diese auch öfter mal. Ich halte das auch durchaus für sehr gesund.
In diesem Fall frage ich mich seit einiger Zeit, nicht im Sinne von Vergessen oder Normalität, ob die NS-Zeit argumentativ von sehr vielen verschiedensten Gruppierungen immer wieder aus einer Art Bequemlichkeit genutzt wird. Während viele wirkliche Restprobleme dieser Zeit (wie auch der DDR) politisch brachliegen und ungeklärt sind, kommt die Hitlerzeit als Argumentationskrücke immer wieder ins Spiel, bis es fast eine Art Running Gag ist. Und verhindert zugleich tatsächlichen Diskurs. Ich bin der Meinung, wenn man ein Argument nur noch dadurch gewinnen kann, eine Haltung nur dadurch begründen, dass man das Dritte Reich herbeizitieren muss, sollte man sein Argument/seine Haltung überdenken, so wie man einen Krieg vielleicht nicht führen sollte, wenn er nur mit Nuklearwaffeneinsatz zu gewinnen wäre. Ich fände es schade, wenn die Shoa zum bloßen rhetorischen Mittel verkommt, mit dem sich inzwischen nahezu alles von jedem rechtfertigen lässt – und so zugleich als Verschleierungstaktik missbrauchbar wird. Das entwertet zugleich die Sache an sich, die man so respektvoll behandeln sollte, dass man sie nicht bei jeder Gelegenheit gleich als Werkzeug missbraucht.
Zugleich überlege ich, ob so nicht dieses «Faszinosum» (erinnert sich noch jemand?) Hitler künstlich aufrechterhalten wird. Die Sache mutiert – auch dank Hollywood – zu einem DarthVader/Dr.No-artigen Klischee von Bösewicht, kippt wie ein Vexierbild zu etwas, was wie Hannibal Lector oder Dr. Doom eben auch einen medialen Anflug von Coolness für die falschen Leute haben kann.
Insofern bin ich sehr dafür, am richtigen Orte – in der Politik, in Fragen von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie und vor allem im Umgang mit Neofaschismus – sehr klare und sehr deutliche Lehren aus den Jahren 33-45 zieht, sehr pragmatische Folgen zieht – aber ich frage mich, ob das Verkümmern dieser Periode zum rhetorischen Kampfmittel aller möglichen Gruppierungen nicht irgendwie schrecklich ist. Und, nebenbei, langweilig.
Ich denke, es ist möglich, eine kritische Haltung zum Deutschland HEUTE zu haben – was immer dieses polymorphe Gebilde sein mag -, oder zur Idee von Nationaliismus generell, ohne so weit in die Vergangenheit zu greifen.
Wobei noch einmal klar zu sagen ist, das Sandy hier nur zu 1/4 dieses Thema streift und ich auch nur kurz drauf eingehen wollte, man sollte diesen Diskurs – der in einem Blog kaum logisch führbar ist – nicht zu hoch aufhängen. Zumal zumindest meine eigene Meinung hier so vielschichtig – und durchaus eben auch unsicher – ist, dass es immer gefährlich ist, es in geschriebene Wort zu fassen, die so seltsam stabiler wirken und lauter wirken, als verbales Nachdenken.
Ich glaube,die Frage, inwieweit Design national und historisch geprägt ist, kann ein Selfmade-Magazin kaum wirklich beantworten. Hierzu ist ein Buch nötig, Zeit, Budget, ein tieferes Eingraben in die Thematik. Ganz oberflächlich kann man sicher sagen, dass es – so wie es eine «chronologische Kartographie» von Design gibt, ein Auf und Ab von Trends, Synchronizitäten, Evolutionen, ganz sicher auch etwas gibt wie nationale Ansätze. Die immer vereinfacht sind, weil auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht, und die heutezutage im digitalen Zeitalter und seiner gleichmachenden Tendenz sicher in Auflösung sind. Aber wenn man von Schwedischem Design spricht, oder Schweizer Design, von US-Design, dann emergieren ja spefizische visuelle Kürzel vorm inneren Auge. Diese sind immer trügerisch – und deshalb ist es gut, wenn Sandy auf diesen Trugschluss eines national determinierten Designanspruches hinweist -, aber sie sind vorhanden. Und genauso vorsichtig zu behandeln wie Touristen-Klischees von «dem» Engländer, «dem» Deutschen, «dem» Franzosen…
Wobei man zugleich argumentieren kann, ob die Auflösung nationaler Identitäten im Zuge eines globalisierten Marktes, in dem Megabrands in jeder größeren Stadt jedes Landes wie aus einem Guß auftreten und Unterschiede weggespült werden, immer unter einem positiven Vorzeichen steht – oder ob man nur multikulturell verbrämt, was in Wirklichkeit die Gleichschaltung globaler transnationaler Zielgruppen ist. Verschwinden nationale Unterschiede nur, weil wir alle bei Starbucks unseren Kaffee trinken sollen und mit dem iPhone telefonieren, weil es am Ende auch Geld spat, wenn in Texas, Tokio, Stockholm und München die gleichen Bilder und Emotionen beim Kunden funktionieren? Ist es nicht schade, wenn Prag aussieht wie London und London wie Berlin? Ist insofern nationale Rückbesinnung IMMER nur negativ? Keine Ahnung. Ich selbst finde solche nationalistischen Anklänge schaurig und krieg schon bei einer Fußball-WM angesichts von lauter deutschen Flaggen eher Bauchweh, oder in Sachen USA beispielsweise Post-9/11 in der Flut von Stars and Stripes Flaggen.
Zugleich IST es so, dass man sich als Designer unweigerlich – alles andere wäre naiv – biographisch definiert, also ist die Frage, ob du etwa in Deutschland geboren bist, oder in dieses Land eingewandert, eine Sache, die subkutan deine Gestaltung beeinflusst. Ebenso wie wahrscheinlich sexuelle Vorlieben, Lieblingsplatten, Kinofilme, Bücher und zig andere kulturelle Indikatoren. Du kannst das nicht ablegen – und selbst WENN du es tust, ist dieses Abstreifen, diese Emanzipation ja auch ein Akt der Auseinandersetzung damit, wer du bist, woher du kommst. Man kann nicht nicht kommunzieren.
Mit der Erklärung «Standortmarketing» bin ich natürlich auch nicht so glücklich. Design als Branche kann sicher eine MENGE Marketing gebrauchen, aber es muss nicht im Kontext nationaler Konkurrenz stehen – zumal das eher selten der Fall ist. Ich glaube kaum – hoffe zumindest nicht – dass ein Kunde sich für oder wider einen Designer bzw ein Büro entscheidet, weil er deutsch oder italienisch ist. Abgesehen von den Sprachbarrieren vielleicht und abgesehen von dem guten alten Ding, dass der Prophet im eigenen Land nichts wert ist. Aber im Grunde ist der Standort doch relativ egal – da ist es fast eher in Deutschland AN sich spannender, warum manche Kunden meinen, Hamburg München und (natürlich) Berlin machen als Standort ein Büro automatisch besser :-D.
oh mann leute – woher nehmt ihr die zeit all das zu schreiben? – waerend ich noch in meiner kleinen textedit datei tippe habt ihr schon wieder seiten gefuellt. – wow!
ok
dann mein kleiner nachtrag zur diskussion:
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
hallo HD,
danke fuer den input HD – wenn auch ich als nichtblogger etwas geschockt war, was da nun an zeilenwellen auf mich zurollten sah ; )
und sicher – klar wird hier etwas mit kanonen auf spatzen geschossen… die ganze geschichte ist kein grosses ding. (…)
dennoch hat mich diese naivitaet mit der hier ueber standortbestimmung, “deutschsein” und design gesprochen wurde genervt.
also nochmal ein paar punkte von mir dazu – vielleicht wird meine kritik dann etwas klarer. auch wenn man sie vielleicht nicht teilen mag oder gar kann:
sicher geht es in dem magazin (oder dem blog) nicht primär (!) um eine standortbestimmung. ich habe in erste linie auf den titel “desigmadeingermany” und den kurzinfo zum anliegen reagiert. in diesem sinne finde ich es richtig die dinge ernst zu nehmen die dort zum besten gegeben werden. und auch den titel ernst zu nehmen. und dieser ist nunmal unterm strich nix anderes als standortmarkierung und die konstruktion eines sog. nationalen kulturgutes.
der artikel von staudinger ist nix anderes als ein “deutschland ist toll” song – der nur funktioniert wenn man sich in dieses nationale “wir” einschreiben mag – oder wenn dieses einem gar nicht weiter auffaellt wie nationalperspektivisch dieser geschreiben ist – wenn man diese perspektive einfach fuer normal – weil mehrheitsfaehig ansieht.
wer in kathegorieren von deutscher wirtschaft denkt, bleibt eben in diesem kulturellen horizont. ich teile diesen begriff von kultur nicht . mir sind landarbeiter aus land xy ggf. naeher sind als die probleme irgendwelcher deutscher firmen die sie mit plagiaten aus china haben. oder mir sind designstudenten aus montenegro mit ihren fragen und problemen in zeiten des gesellschaftlichen umbruches auch naeher als irgend son bloedes “typisch deutsch” geschwafel.
diese kollektive fiktive “ethnizitaet” (“wir deutsche”) halte ich fuer problematisch – sie beschreibt immer ein innen und ein aussen. (generiert ausschluesse) sein es IN deutschland – oder international. ich halte nationalstolz oder auch nur nationalbewusstsein fuer ein uebel. das es ein kollektives beduerfnis dafuer gibt sehen wir in den letzten 20 jahren ja nicht nur am rechten rand dieser gesellschaft.
die normalisierung die deutschland seit 89 vollzogen hat muss man ja nicht gut finden. und der relativierende vergleich mit anderen laendern “die ja auch so denken” ist kein argument.
also – die teile auf die ich abgehoben habe sind sehr wohl “standortbestimmungen” und reihen sich ein eine ganze anzahl von naiven lockeren “wir reden mal uebers deutsche kultutgut” beitraegen ein.
ich denke uns trennt, das ich diese nationale folie, die nationale perspektive, dieses “wir” nicht teile, dem nichts positives entnehmen kann. ich halte es fuer eine konstruktion. das dieses fuer den grossteil der hier lebenden “normal” ist ist mir schon klar. und auch du teilst diese perspektive ganz locker und sozusagen “normal” – ergaenzt zwar noch um tschichold, aicher und co – bleibst aber auch in dieser nationalen perspektive stehen bzw bedienst sie so somit latent. (“das gute deutschland” eben)
ich habe diese grossartigen designer immer als gestalter und nie als “deutsche gestalter” gesehen. die unterschiede die es zwischen ihnen gibt sind nicht minder als die zu anderen mit anderen paessen. wieso werden manche unterschiede nationalisiert – und manche nicht?
das was du HD zu dem “beduerfnis nach halt” schreibst ist sicher richtig. das teile ich auch. ich weise nur darauf hin das man das nicht gut finden muss und das es alternativen gibt. und vor allem wollte ich einfach mal sagen “deutsch mich nicht voll mit eurem madeingermany gerede” ; ) – denke das ist klar geworden.
wie du HD nun zum NS kommst ist mir jedoch nicht ganz klar geworden. vielleicht war es mein etwas polemische ps. unter meinem beitrag?
well – wie auch immer – mir lag es fern die nazikeule zu schwingen. das denke ich einfach nicht so. der nationalismus in diesem land ist bei weitem ein anderen als im NS – und den prozess der modernisierungm der integration des NS in die deutsche geschichte usw ist ein grosses kapitel was den rahmen hier sprengen wuerde. – mein ps. war eine spitze im sinne von “wenn ihr schon deutschland redet dann doch bitte richtig – da ist ja der staat schon weiter” – und es war ein tick zum vortrag von heller auf der typo 08 den ich zwar gut (eher ok) – aber in seinem latenten totlitarismus vergeleich (UDSSR/NS) fuer sehr problematisch gehalten habe….(weil er sich so nahtlos in den normalisierungsprozess eingliedert – in dem der totaliarismusstreit ein nicht unwichtiger war – also der vergleich von NS und der sovietunion – oder auch stasi und ss usw usf…)
noch eins zum CD desgin und zum NS – das totalitaere was du darin beschreibst findet sich ja auch – wie schon in vielen diskussionen und publikationen eroiert – auch in der “guten form” nach dem NS wieder. (wobei wiederfinden hier nicht das richtige wort ist) – dh. diese fragen ziehen sich auch jenseits von CD / NS und der guten form durch den designdiskurs. das ist eine grundproblem der gestaltung. also das beschreiben (gestalten) auch immer moeglicherweise ein festscheiben ist – und das ist wiederum nicht immer demokratisch.
aber in diesem wiederspruch vollrichten wir unser handwerk wie du ja schoen bildhaft skizzierst… : )
nochmal 2 anmerkungen dazu > du schreibst: “nur weil zwei Leute ein Magazin Design made in Germany genannt haben – ein denkbar harmloser Begriff, wenn man ihn nicht überinterpretieren WILL – definiert sich über die Vergangenheit, nicht die Zukunft”
a) ich glaube es geht um die gegenwart ; ) – nicht um die vergangenheit oder die zukunft. es geht darum das so vieles “harmloses” naives teil des problems ist. es geht darum das man sich eben keine gedanken mehr machen muss was es bedeutet sich national zu konstruieren. es geht darum das die deutsche mehrheitsgesellschaft nicht sieht das darueber ausschluesse produziert werden, das diese denkte aus meiner sicht der vergangenheit angehoert (also nationaldenken) und das dieses soft-nationale eben auch schnell in anderes umschlagen kann. wer teil der “deutschland AG” sein will – dem kann ich auch nicht helfen. ich finde es einfach traurig bis gefaehrlich…
b) wie oben schon gesagt – klar – das war ein schiessen auf spatzen mit kanonen. und damit soll dann nun auch mal gut sein. doch wenn man ernst genommen werden will – dann muss man mit kritik auch leben koennen. und seit es nur ein name & titel der schon seit 10 jahren besteht…
soweit
liebe gruesse
sandy
ps. wie oft ich schon auf vortraegen im ausland als deutscher grafiker vorgestellt wurde mag ich nicht zaehlen. mir war es in diese situation aber aber immer wichtig anzumerken das ich leider aicher, tschichold und co nicht mehr persoenlich kennengelernt habe ; )
wenn kollegen das beduerfniss haben die positiven projektionen abzufruehstuecken die ihnen in solchen situationen angetragen werden, dann sollen sie es tun. ich finde es peinlich.
ps. 2 – also det mit der hiltlerpuppe hd die ich vermeintlich aus dem sack gezogen haben – das versteh ich wirklich nicht wie du darauf bei meinen zeilen kommt? – ich habe da eher das gefuehl das bei dir da der autopilot angesprungen ist?
ps 3. as usual > kritik ist immer eine form der zuwendung – in diesem sinne – merci HD!
Sandy, der NS-Bezug ist unter anderem in deinem PS ;-D.
Ich hoffe, es kurz hinzukriegen… aber wie ich mich kenne wird das nichts :-D
> beschreibt immer ein innen und ein aussen. (generiert ausschluesse)
Das ist richtig, aber natürlich immer unvermeidbar. Egal, wie offen du Kategorien fasst, du ziehst Grenzen in den Sand. Selbst wenn man «Wir Menschen» sagen würde, wäre es anthropozentrisch :-D. Ich finde es okay, zu differenzieren (Ich bin Mann, du bist Frau, ich bin Deutsch, du bist Japanisch, ich bin Linkshänder, du bist Rechtshänder), wenn daraus Verständnis für die jeweiligen Unterschiede entstehen und Toleranz. Jeder ist immer anders. Ich bin aber auch kein Freund von Gleichmacherei, diesem seltsamen Glücksversprechen, alle Menschen hätten die gleichen Chancen. Die (An-)Erkenntnis von Unterschieden, und eben auch Ausschlüssen eröffnet ja erst die Chance, Fairness zu schaffen. Zumal Ausschlüsse ja nicht immer einseitig sind. Und man – aber vielleicht nicht hier, zu lang – sicher diskutieren kann, ob man sich nicht genau über solche Abgrenzungen/Auschließungen ebenso definiert wie über Identifikationen/Andockungen. In der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit (und die ist ja in sich immer etwas weiche Masse) gehört das «So wie du bin ICH nicht.» eben ebenso dazu wie das «So wie du will ICH sein.» Dazu gehört auch, dass auch du – der Ausschließungen nicht gut findet – auf der Typo vor ein paar Jahren sehr harsch über jugendliche Faschisten urteiltest, dich scharf von Neonazis differenzierst. Das finde ich zwar rundweg nachvollziehbar, ist aber im KERN der gleiche psychestiftende Prozess, den du hier selbst beschreibst. Man definiert sich eben immer auch über das, was man nicht sein will. Die Sache wird immer dann schwierig, wenn aus solchen Abgrenzungen Intoleranz und Gewalt erwächst bzw wenn die Grenzen so verhärten, dass sie pathologisch werden.
>sozusagen “normal”
Du hast natürlich recht. Was ist schon normal? Vielleicht der schwammigste Begriff aller Zeiten.
>ich habe diese grossartigen designer immer als gestalter und nie als “deutsche >gestalter” gesehen
Das ist sicher möglich. So wie man auch Jimi Hendrix werkimmanent hören kann, ohne über seine Biographie nachzudenken. Aber Tschichold und Aicher habe ich nicht ohne Grund zitiert – ihre Biographie, die eben eng mit deutscher Geschichte verknüpft ist und auf diese reagiert, diese verarbeitet, ist wichtig. So wie man klassische Musik besser versteht, wenn man das Leben des Komponisten kennt, aber auch ohne dieses Wissen phantastisch genießen kann, gewinnt, um nur das offenbarste Beispiel zu nennen, Aichers Design der Olympiade 72 eine ganz andere Dimension vor der Folie seiner Herkunft, oder?
>also der vergleich von NS und der sovietunion
Ich finde diesen Vergleich angemessen. Es ist anzunehmen, dass den meisten Opfern wahrscheinlich die Ideologie ihrer Mörder ganz egal sein dürfte. Die meisten Diktaturen sind durch einfache Parameter miteinander verbunden, egal ob sie nun kommunistisch oder faschistisch sind (oder neoliberal). Zumal es Heller ja um die Frage der Mechanismen geht – und die sind seit dem Römischen Reich relativ gleich, nur eskalierend den technischen Möglichkeiten angepasst, also «smarter» werdend.
>ich finde es peinlich.
DAS ist aber nun eigentlich «typisch deutsch», Sandy. Es hat sich generell etwas geändert, aber in den 80ern war es eigentlich ganz ganz und gäbe, sich für Deutschland zu schämen. Ob dieser Massenmasochismus nun so gesund ist, sei mal dahingestellt, aber ich weiß, dass ich im Ausland immer froh bin, nicht gleich mit den fiesesten Deutschen Klischees konfrontiert zu werden (die ja leider genug Touristen auch noch festzimmern mit ihrem Verhalten). Die Deutschen sind mit diesem Komplex relativ allein auf der Welt – keine andere Nation hat so ein gespaltenes Verhältnis zu sich selbst (und die meisten anderen Länder haben, wenn man nur weit genug in die Geschichte zurückblickt, reichlich Grund, sich für irgendwas zu schämen). Und das hat auch durchaus pathologische Folgen. Das nach 1945 sozusagen zu recht verschwundene Nationalgefühl der Deutschen – das recht schnell mit amerikanischen Vorbildern überschrieben wurde – hat aus meiner Sicht etwas zur Folge, dass die Deutschen, wenn sie sich schon definieren, dann immer a) über Negatives (was sie NICHT sind), b) über ganz ganz Altes (Goethe, Schiller, alles was harmlos weit in der Vergangenheit liegt) und c) über GELD/Leistung. Ich fände eigentlich, es wäre – bei aller Vorsicht vor «Nationalismus» gar nicht so verkehrt, ein positiv aufgeladenes Selbstbild zu haben, das von modernen Werten (JETZT!) ausgeht und uns eine Plattform gibt, diese in die Zukunft fortzuschreiben.
Das wäre – aus meiner Sicht – eine gute Basis, um nicht am deutschen Wesen die Welt genesen zu lassen (gruselig), sondern für sich selbst die Zukunft zu entdecken. Ich glaube Werte wie Pazifismus, Umweltschutz, Demokratie (die bitte offener und aktiver werden muss, sonst geht das nicht mehr lange gut), Europa, Saturations- statt Wachstumsorientierung, Kultur, Kreativität, Dritter Weg, Bedachtsamkeit, Ausgleich, Offenheit, Menschlichkeit und und und bieten sich an – und zumindest partiell leben wir die ja tatsächlich auch. Eine nationale Identität – zugleich aufgehend im europäischen und globalen Kontext, denn viele fühlen sich doch durch die Echtzeitigkeit des Internets mehr und mehr als Weltbürger (m guten wie im schlechten – weltumspannende Empathie hat nicht nur Vorteile) und sind eher verwirrt, wenn nationale Grenzen plötzlich greifbar werden, und sei es nur in Form von Zoll, und zugleich sind die oben genannten Werte ja beileibe keine «nationalen» Grenzziehungen – die sich aus solchen konkreten Zukunftsprojekten speist und zugleich in einen positiven Elitebegriff münden kann, wäre revolutionär (und natürlich utopisch) – aber gerade weil wir historisch eigentlich keinen Anlass zu Nationalstolz haben, wäre es doch schön, ihn sich neu aufzubauen, mit Dingen, auf die es sich lohnt stolz zu sein – als Mensch, nicht als Deutscher ;-).
Ich muss dazu eigentlich mal sagen, dass ich mit DMIG nichts zu tun hab. Ich glaube, alles ist klar, dass es hier kaum noch um den eigentlich Anlass geht. Aber Diskurs for fun ist ja auch mal was feines.
Hai – ai – ai, so lang wie wir hier Rumsummsen schreibt jetzt sowieso kein anderer mehr was… sorry!
*hust*
Ähm – na, fandet ihr die Schriftwahl bei Katharinas Spiekermann-Interview gelungen? Hätten wir die Bilder doch größer zeigen sollen? Und wieso sind da eigentlich diese komischen Abbildungen?
So, wieder in sicheren Gewässern :-D
»aber gerade weil wir historisch eigentlich keinen Anlass zu Nationalstolz haben, wäre es doch schön, ihn sich neu aufzubauen, mit Dingen, auf die es sich lohnt stolz zu sein – als Mensch, nicht als Deutscher ;-)«
HD, entschuldige erneut, vielleicht ist es meine fehlende ›Smartheit‹, aber kann es sein, dass dieser Satz sich, was den Sinn betrifft, schon wieder selbst zerlegt? Eventuell kanzelst Du das als Philosophie-Proseminar-Haltung ab, wenn ich mich frage, wie Du Nationalstolz mit »Mensch, nicht Deutscher«, verbindest?
Bitte erklär mir doch noch mal (kann auch ne email sein, muss nicht im Blog sein), was der Vorteil von Nationalstolz ist bzw warum ›wir‹ den haben sollten oder warum das schön wäre. Und wenn ich Nationalstolz auf Dinge aufbauen soll, auf die es sich lohnt, stolz zu sein (so wie zum Beispiel ein grauweißes Schimmel-Pferd), wieso dann nicht als ›Deutscher‹? Sondern als Mensch?
{kann es sein dass ›national‹ nicht ausreichend geklärt ist? HD Schellnack, ein nationalstolzer Mensch?}
Grundsätzlich geht es doch immer noch um die Frage, und die ist immer noch unbeantwortet, welchen Sinn es macht bzw wie hilflos es ist, sich (nicht nur) in diesen Zeiten, in dieser Branche, über seine Herkunft zu definieren oder gar profilieren zu wollen.
Und, Martin, ganz konkret: ›deutschsprachige Community‹ = ist doch ebenfalls ein Gegensatz zu ›made in Germany‹, weil ›Germany‹ eben impliziert ausschließt. Und persönlich kann ich nicht nachvollziehen wie ein Bedürfnis nach Rückschritt (= von Vielheit zu Begrenztheit) entsteht, aber das mag mein persönliches ›Problem‹ sein…
~
In der Gestaltung des Erik-Interviews wundere ich mich eher über die Farbwahl als über die Schriftwahl, zugegeben. Die Bilder dagegen finde ich alles andere als komisch, sondern eher passend bis ›Pferd–Pferd‹.
Versteh ich Dich richtig, HD, dass Du bei einer Design-Konferenz auf z.B. Maui, voll schönem Nationalstolz die Bühne betreten möchtest, mit Bauhaus und Ballermann im Hinterkopf, mit Podolski und Tschichold, mit BMW und FF DIN, mit Gutenberg und zu Guttenberg, mit brand eins, German brands, Branczyk und Rainald Grebes Brandenburg, mit Mölln und Moholy-Nagy {äh, deutsch-bauhausend oder undeutsch?}, mit MetaDesign und DeutschMetal, mit Boris Becker und Lucian Bernhard, mit Aicher und Eiche? Natürlich nicht, oder?! Ich kann gerade bei Dir nicht verstehen warum Du so sehr auf den ›deutschen Ansätzen‹ Deines Design-Schaffens pochst.
nun gut … das ist nun eine 3er diskussion hier geworden. vieles von dem was wir hier anreissen bekommen wir nicht produktiv zusammen, da wir wirklich von sehr unterschiedlichen grundlagen ausgehen. zumindest fuehle ich mcih nicht in der lage all die angerissenen dinge nun nochmal einzeln aufzunhemen und durchzudeklinieren.
daher wird dieses mein letzter beitrag zu der diskussion hier sein.
(vorab – HD – hast du meinen beitrag gelesen? – denn zu dem NS – ps. schreibe ich doch schon was – also der frage nachgehend woher du das genommen hast!?)
ein paar generelle punkte nochmal:
a) HD du schreibst das du es richtig findest von den differenzen / kathegorien auszugehen – also zb mann / frau / deutsch zu sein usw.
dem wuerde ich wiedersprechen. diese kathegorien sind kulturell determiniert und historisch gewachsen. sie sind kulturell vermittelt und nicht einfach gegeben. dh. sie sind erstens unscharf und zweitens sagen sie nicht viel aus. sie funktionieren nur fuer die mehrheit und den mainstream. darueber hinaus werfen diese kathegorien die subjekte immer auf vermeintlich essentialistische eigenschaften zurueck – anstatt diese in frage zu stellen. kurz > ich wuerde einen dekonstruktivistischen ansatz vorziehen anstatt dies vermeintlichen differenzen ueber die kathegorien zu reproduzieren und festzuschreiben.
in bezug auf das “deutschsein” habe ich ja schon geschrieben was ich von dieser fiktiven ethnizitaet halte.
ist denn nicht klar das wenn du auf diesem verstaendnis von “deutschsein” beharrst, das du eine sehr exklusive definition betreibst??? – es gibt viele deutsche die diese geschichte/n nicht ihre “eigene” nennen. du reproduzierst hier diese fiktive gemeinschaft ueber eine historische folie.
um nochmal anzuschliessen an deine zeilen > ich glaube nciht das es richtig ist “unterschiede anzuerkennen” – sondern eher diese in frage zu stellen. das ist keine gleichmacherei – sondern der versuch die lesarten der kulturell determinierten zuschreibungen zu relativieren – und um nachzuzeichnen wie die strukturellen unterschiede eben hergestellt werden.
es gehlt also ueberhaupt nicht um ein “sich fuer deutschland schaemen”! absolut nicht. da hast du was nicht verstanden.es geht darum die konstruktion dessen zu hinterfragen. (d-land gut vs. d-land scheisse finden ist nicht die frage – das bleibt immer im gleichen verstaendniss haften)
ich kann mich benjamin nur anschliessen: die frage bleibt offen warum du da so drauf beharrst.
ich denke du bleibst in der kathegorie von deutschsein. du arbeitest an einem “besseren deutschland”.
das ist normal (also mehrheitsfaehig / mainstream). das ist der ist-zustand des deutschlanddiskurses. das ist genau die modernisierung der deutschen identitaet die wir seit den 90igern erleben. ich kann dem aus gesagten gruenden nicht viel gutes abgewinnen, da die grundprobleme bleiben.
b) hier spielen offensichtlich mehrere sachen in die diskussion rein. zum einen trifft hier eine auessert liberale grundhaltung auf eine eher konfrontativere (von mir aus auch radikalere – als an die wurzel gehende ; ). hier treffen also auch unterschiedliche denkschulen aufeinander die erstmal nicht so leicht zusammengehen. diese sind nicht jenseits unserer subjektiven verfasstheit zu begreifen. so ist zb dein beduerfnis (HD) einspruch zu erheben bei der typo 08 als ich “nazis aufs maul” sagte nur im zusammenhang mit deiner biografie und was du daraus als falsch betrachtest zu begreifen. denn das ich dieses sicher nicht so 1:1 und reduziert meine sollte nach meinen 1,5 stunden langen vortrag klar geworden sein. meine praxis spricht auch eine andere sprache. interessant ist also warum du an dieser stelle ein problem gehabt hast – was dieses bei dir getriggert hatte und wie sich dieses nun in der diskussion hier etwas wiederholt. (also warum ich teilweise zur projektionsflaeche deiner “jugendsuenden” werde und du gegen diese anrennen musst?)
c) nochmal zu heller: der vergleich totalitaerer systeme ist in deutschland nicht jenseits einer relativierung des NS zu begreifen. das war die funktion, das anliegen rechter historiker in der totaliarismusdebatte der 90iger jahre. und ich erwarte von einem steven heller das er ganau hinschaut wo er seinen vortrag haelt. genau so wie ich es aeusserst problematisch finde wenn ein michael moore sich in deutschland mit seinen “amis sind fett und dumm” feiern laesst und nicht begreift welchen antiamerikanismus er damit hierzulande bedient.
so einfach ist das.
d) abschliessend noch ein kommentar: ich denke – ganz nach alex jordan / NTE gesprochen “design setzt standortbestimung vorraus” – dieses jedoch meint nicht den geographischen, sondern natuerlich den politschen standort. es ist also die frage wo man sich politisch positioniert, – welche perspektive man einnehmen will und kann. die des “deutschen mainstreams” oder vielelciht eben die die der kritik daran. es wuerde sich also aus meiner sicht lohnen auf die kritischen diskurse um nation, rassismus und differenz zu schauen. dieses gibt es nicht nur in den sozialen bewegungen sondern auch in der wissenschaft und im feld der kunst….
soweit / i am out of here …
liebe gruesse
sandy
ps. – was die gestaltung des interviews angeht schliesse ich mich benjamins pferdkritik an.
ps. 2. linktipp: http://blog.derbraunemob.info/
oder : http://andersdeutsch.blogger.de/topics/anders+deutsch/
buchtipp: Mark Terkessidis / Die Banalität des Rassismus
oder auch unterhaltsamer: http://kanak-attak.de/ka/kanaktv/volume1.html
usw…
ps.3 etwas anderes in “eigener sache”: http://plus7.arte.tv/de/detailPage/1697660,CmC=2710852,scheduleId=2697092.html
ist noch nen paar tage abrufbar auf arte…es geht um prekäre kulturarbeiterInnen
und hier gehts auch um “deutschsein”
http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/kommentarseite/1/grundlos-von-der-polizei-kontrolliert/kommentare/1/1/
Benjamin, zum einen muß ich den Spieß mal umdrehen und fragen, wie du mit deiner Herkunft umgehst?Stolz? Haßerfüllt (warum dann noch hier?) Geht so? Und vor allem – warum.
Ich bin Deutschland gegenüber, und so wird es den meisten gehen, irgendwie neutral. Wie ich oben schrieb – es hilft eben doch, auch die langen Texte zu lesen – ist mir schon das Flaggenschwingen der WM widerlich gewesen, ich mag sowas nicht, aber gut, ich mag auch kein Karneval, vielleicht fehlt mir da die Lockerheit.
Zwischen Mensch und «Deutsch» scheinst du einen Unterschied zu sehen. Deutsche sind keine Menschen?
Was ich meine, und ich hatte gehofft, das sei klar geworden, ist, dass ich mir das oben genannte Set von Werten und Zukunftswegen durchaus als etwas vorstellen würde, worauf ich stolz wäre. Ein Land, dass in grüner Technologie, fairer Wirtschaft, sozialer Integration, Chancengleichheit, Bildung und und und Vorreiterrolle hat und zugleich im internationalen Kontext Verantwortung übernimmt, wäre eine Sache, auf die ich stolz wäre. Und zwar weniger als eben «Deutscher» (sprich ganz einfach als jemand, der hier geboren ist, so banal ist das ja mit der Herkunft), sondern als Europäer, als «Mensch» (sprich als Homo Sapiens, so einfach ist das ja mit der Biologie, ich kann wahnsinnig schlecht als Pferd stolz auf irgendetwas sein).
Du ziehst Demarkationslinien, die ich nicht sehe. Ich bin Deutsch, weil ich hier geboren bin. Ich bin Mensch, weil ich nun mal als Mensch auf die Welt gekommen bin, nicht als Katze oder Baum. Das sind Sachen, die ich BIN, unveränderbar. Der Rest ist Verhandlungssache.
Ich frage mich gerade, ob Österreicher oder Niederländer so selbstzerfleischend mit ihrer Herkunft umgehen, ist doch irgendwie Banane.
*******
Würde ich auf Maui als «Deutscher» Designer eingeladen werden – der ich qua Location unweigerlich bin, ich kann machen, was ich will, ich bin kein Indischer Designer und werde es nie sein, damit muss man sich ja mal abfinden, ja? – dann würde ich nicht mit Nationalstolz die Bühne betreten, weil ich dieses Gefühl nicht so habe. Ich habe meinem eigenen Land gegenüber – das geht den meisten Leuten so, die halbwegs kritisch denken – sehr gemischte Gefühle. Sollte ich über «Deutsches» Design referieren MÜSSEN (d.h. nicht über unsere Arbeit, sondern über Design Made In Germany ;-)), dann würde ich sicher einen Bogen aufspannen, der einige der von dir genannten Namen umfasst. Warum nicht? Was bei dir immer untergeht, in all dem schwarz und weiß der Gegensätze, ist die Möglichkeit eines differenzierten, realistischen Ansatzes.
Ich verstehe zum Beispiel so gar nicht, wie du Laslo Moholy-Nagy, wobei ich ja spannend finde, dass du eine so internationale Figur in deinem Kopf als Deutsch einordnest, und Mölln (womit du wahrscheinlich die Brandattacken von 1992 meinst) in einen Satz kriegst.
Es ist eine beliebte rhetorische Taktik, alles in einen Topf zu packen, good and bad, und dann draufzuhauen, weil bad ja auch im Topf ist. Aber das funktioniert im echten Leben nicht. Erik Spiekermann hat keine Verantwortung zu tragen und keine Verbindung zu Neonazis in Sachsen-Anhalt. Das sind einfach verschiedene Dinge. Freunde von mir in den USA sind nicht schuld am Irak-Krieg. Ich hab so gar keine Lust, mich verantwortlich zu fühlen für Neonazis, dazu ist auch mein Einfluss in das Bildungs- und Sozialsystem zu gering. Man kann immer individuell begrenzt etwas tun, aber ich bin nun wirklich zu alt, um mich für den Zustand der Welt allein verantwortlich zu fühlen.
Die Wirklichkeit ist groß und kann Vielfalt enthalten. Deutschland kann ergo scheiße und toll sein, je nachdem, wo du bist, mit wem du es zu tun hast. Kein Grund für Stolz, aber auch kein Grund, sein Herkunftsland gleich zu verachten. Ich bin da – wie wahrscheinlich die meisten Leute – irgendwie so mittenmang. «Stolz» ist eh ein Wort, mit dem ich extrem vorsichtig wäre.
Am Ende kommt es nicht auf Nationalitäten an, oder Nationen, sondern auf die Menschen. Und die sind prima oder scheiße.
Von Aicher auf (bei dir wahrscheinlich mit Blut und Boden assoziierter) Eiche zu kommen, wäre Otl Aicher gegenüber übrigens eine Frechheit, Benjamin. Man kann aber recht glaubhaft einen Bogen spannen von Jugendstil und Dada zur reaktionären Phase des NS-Designs und der «Wir haben doch gar nichts gemacht, lalala»-Designphase der 50er bis hin zur Rückkehr der gereiften Bauhaus-Epigonen aus der Schweiz, Aicher und Fleckhaus, Czyk wäre ja tatsächlich ein Name, der im Kontext Techno-Design fallen könnte, Meta und Fontshop eher als Beispiele für sehr paneuropäisches Design. Das lässt sich doch machen. Wobei ich schrecklicherweiser einer dieser naiven jungen Menschen bin, mit 40, der auch mal von Deutschland sprechen kann, OHNE im dritten Satz von Hitler reden zu müssen. Es gibt nämlich wirklich spannendere Themen. Die Gegenwart und die Zukunft zum Beispiel.
Die Sache, auf die Sandy verlinkt, ist leider nach wie vor Alltag – übrigens nicht «typisch deutsch», sondern «typisch sicherheitsorientiertes Land», man schaue sich mal die Südgrenze der USA an, oder den Stil von Polizisten in Italien, es ist nur so, dass man hier zu Recht mitunter etwas sensibilisierter für dieses Thema ist – und leider nach 9/11 und dank der Sehnsucht des Starken Staates nach einem undurchdringlichen Sicherheitsnetz nur noch schlimmer geworden. Das Gefühl, im Zweifelsfall der Obrigkeit fast kafkaesk ausgeliefert zu sein, haben übrigens auch viele Leute, deren Nachname Müller oder Schulze ist, wenn die Situation es hergibt. Ich habe in den 80ern auf manchen Demos auch als Deutscher von Polizisten eins draufgekriegt, die haben da gar nicht nach meinem Nachnamen gefragt.
Eine Untersuchung von Jo Reichertz über Verhöre mit zB türkischstämmigen Verdächtigen durch deutsche Polizisten hat übrigens – stark vereinfacht – ergeben, dass die kommunikative Situation BEIDER Seiten, nicht nur der Exekutive, zwangsläufig zu Missverständnissen und Eskalationen führt. Ich fand das immer sehr stellvertretend für die Einwanderungssituation generell, die von beiden Seiten sehr verfahren ist und wo einfach dekadenlang Chancen verpennt wurden und man jetzt eigentlich sehr dringend sehen muss, wie man den Karren aus dem Dreck kriegt und ein ganz klares Ja zu Deutschland als Einwanderungsland kommt.
Aber auch hier – sind solche Polizisten jetzt «typisch» deutsch? Oder pickt man hier nur dumpf in Bullen-sind-Nazis-Klischees rum? Ich bin todsicher, Gegenbeispiele lassen sich finden – und ich bin todsicher, es lassen sich auch spiegelbildlich Klischees über Einwanderer und Asylsuchende finden, die Tante Lieses Vorurteile bestätigen würden.
HD – irgendwie nervt mich dein autopilot das man immer auch das gegenteil sehen kann.
das kann man immer – die frage ist warum du das immer so betonst. warum du so ein problem damit hast das kind beim namen zu nennen und problem nicht mit dem gegenbeispiel aus anderen laendern immer wieder zu realativieren?
keiner hat gesagt das nicht-deutsche die besseren menschen sind. keiner hat gesagt das alle alle alle polizisten so sind. keiner hat gesagt das alle alle alle deutsche so oder so sind. (das was du zu dem dekadenlangen verpassen sagt sehe ich auch so – nur das jetzt auch wieder die sog. auslaender dafuer verantwortlich gemacht werden…)
aber bitte – wenn du hören willst was typisch deutsch ist – hier die aktuelle EU studie dazu – zusammenfassung hier – link unten:
- Brutale und gewalttätige Angriffe gegen Schwarze
-“NO GO Areas” in einigen Bundesländern
- Bürger 2. Wahl bei der Behandlung durch die Polizei
- Fehlende Sichtbarkeit von Schwarzen Menschen in der Zivilgesellschaft
- Diskriminierung im Arbeitsleben / Wenige schwarze Role Models im Berufsleben (Lehrer, Bankangestellte, Beamte)
- Diskriminierung durch das Auswahlsystem im Bildungswesen
- Mangel an Diversity in Medien, Film, Werbungen
- Reproduktion von rassistischen Stereotypen in den Medien
- Fehlendes Forschungsmaterial zu Situation der Black Community in Deutschland
—————————
komissionswebseite: http://www.coe.int/t/dghl/monitoring/ecri/default_en.asp
bericht zu deutschland:http://www.coe.int/t/dghl/monitoring/ecri/Country-by-country/Germany/DEU-CbC-IV-2009-019-ENG.pdf
: )
tschuess
sandy
>irgendwie nervt mich dein
Schon am Ende der Toleranz? DAS ging aber schnell.
>das man immer auch das gegenteil sehen kann
So ist das nun mal. So denke ich. Sorry.
> das kind beim namen zu nennen
Welches Kind?
>wieder die sog. auslaender dafuer verantwortlich
Hab ich nicht. Aber den Diaspora-Effekt kriegt auch das schönste multikulturelle Denken leider nicht weggezaubert. Integration findet beidseitig NICHT statt, als dynamischer Prozess von Stillstand. Ich hab keine Lust, dafür Schuldige zu suchen und schon gar nicht «bösen» Deutschen (ich verweise kurz auf die Asylpolitik anderer europäischer Länder, ja?). Wichtg ist, dass hier lange Zeit nichts passiert ist – muss aber was passieren. Wird aber nicht. Zu viele Leute, die mit dem jetzigen Status Quo zu glücklich sind.
Zu der Studie kann ich in der Kürze keine Position beziehen. Aber wir sind uns doch einig, dass die Sachen scheiße sind. Gibt’s darüber Dissens? Glaubste ich find gut, wenn Gefangene plötzlich «zufällig» in ihren Zellen irgendwie Feuer fangen? Da sind wir nicht auseinander – nur ist DAS nicht 100% Deutschland. Mal ganz davon abgesehen, dass es in anderen europäischen Ländern, offen oder verdeckt, die gleichen Probleme gibt, right? Und auch mal davon abgesehen, dass ich es AUCH pissy finde, wenn ich in Neukölln ganz Bonfire-Klischee-artig von einem Wagen voller vierschrötiger glatzköpfiger Türken angesaugt werde oder wenn Türsteher in Dortmund in einem Laden nach und nach die Kundschaft rausprügeln oder wegekeln, und das Spiel einfach umdrehen. Das ist alles eben keine Schwarz-Weiß-Sache. Weil es am Ende um eine Sache geht: Gewalt und Machtmissbrauch sind SCHEISSE. DAS ist das Ding. Und darauf laufen deine Sachen in der Kommissionsliste hinaus: Die Macht des Mobs, die Macht von einigen Polizisten, die sich mit mehr oder weniger subtiler Gewalt, latenten Rassismus und Machallüren profilieren wollen. Wobei die Frage bei den Cops immer auch ist: Wo kommt das her? Und was muss ein demokratischer Staat effektiv dagegen tun?
Die Diskriminierung im Bildungssystem, nebenbei, geht nicht nur nach Hautfarbe, sondern primär nach Geld, das betrifft auch uns Weißbrote, Dude.
>irgendwie nervt mich dein
Schon am Ende der Toleranz? DAS ging aber schnell.
>das man immer auch das gegenteil sehen kann
So ist das nun mal. So denke ich. Sorry.
> das kind beim namen zu nennen
Welches Kind?
>wieder die sog. auslaender dafuer verantwortlich
Hab ich nicht. Aber den Diaspora-Effekt kriegt auch das schönste multikulturelle Denken leider nicht weggezaubert. Integration findet beidseitig NICHT statt, als dynamischer Prozess von Stillstand. Ich hab keine Lust, dafür Schuldige zu suchen und schon gar nicht «bösen» Deutschen (ich verweise kurz auf die Asylpolitik anderer europäischer Länder, ja?). Wichtg ist, dass hier lange Zeit nichts passiert ist – muss aber was passieren. Wird aber nicht. Zu viele Leute, die mit dem jetzigen Status Quo zu glücklich sind.
Zu der Studie kann ich in der Kürze keine Position beziehen. Aber wir sind uns doch einig, dass die Sachen scheiße sind. Gibt’s darüber Dissens? Glaubste ich find gut, wenn Gefangene plötzlich «zufällig» in ihren Zellen irgendwie Feuer fangen? Da sind wir nicht auseinander – nur ist DAS nicht 100% Deutschland. Mal ganz davon abgesehen, dass es in anderen europäischen Ländern, offen oder verdeckt, die gleichen Probleme gibt, right? Und auch mal davon abgesehen, dass ich es AUCH pissy finde, wenn ich in Neukölln ganz Bonfire-Klischee-artig von einem Wagen voller vierschrötiger glatzköpfiger Türken angesaugt werde oder wenn Türsteher in Dortmund in einem Laden nach und nach die Kundschaft rausprügeln oder wegekeln, und das Spiel einfach umdrehen. Das ist alles eben keine Schwarz-Weiß-Sache. Weil es am Ende um eine Sache geht: Gewalt und Machtmissbrauch sind SCHEISSE. DAS ist das Ding. Und darauf laufen deine Sachen in der Kommissionsliste hinaus: Die Macht des Mobs, die Macht von einigen Polizisten, die sich mit mehr oder weniger subtiler Gewalt, latenten Rassismus und Machallüren profilieren wollen. Wobei die Frage bei den Cops immer auch ist: Wo kommt das her? Und was muss ein demokratischer Staat effektiv dagegen tun?
Die Diskriminierung im Bildungssystem, nebenbei, geht nicht nur nach Hautfarbe, sondern primär nach Geld, das betrifft auch uns Weißbrote, Dude.
Oh, ein Post von Sandy ist im Kommentarfilter hängen geblieben.
> diese kathegorien sind kulturell determiniert
Nein. Ich kenne diese Denkschule, aber aus der Praxis… nein. Weder Nature noch Nature geben her, dass alle Menschen am Ende gleich sind. Und das ist auch gut so. Unterschiede sind nichts, was man ausbügeln und wegkriegen sollte, sondern feiern und mögen. Menschen sind unterschiedlich – und GOTTSEIDANK!!!! Ich will keine Welt, in der alle Geschlechter, alle Rassen, alle Religionen, alle Nuancen weggebügelt sind bis alles ein Strom ist. Ich finde dieses Denken ahistorisch und wundere mich immer, das ausgerechnet auch Linke so denken – sie müssten wissen, dass die Geschichte stillstehen würde, weil das Prinzip der Dialektik ausgehebelt würde. Wir brauchen These UND Antithese, gell? Ich verstehe diesen Ansatz, aber zumindest aus meiner persönlichen Erfahrung sind Menschen gottseidank unterschiedlich, schreiben unterschiedliche Bücher, leben unterschiedliche Leben, mögen unterschiedliche Musik, sind reich, arm, glücklich, depressiv. Life would be a fucking bore, wenn es nicht so wäre. Wobei ich ja nicht gegen eine soziale Nivellierung des Lebensstandards und weniger Zentrum-vs-Rand bin. Aber das Frauen und Männer eigentlich gleich sind, hab ich Engels schon nicht geglaubt und fände es auch todöde.
>die frage bleibt offen warum du da so drauf beharrst.
Wie kann ich gleichzeitig auf etwas beharren und immer nervigerweise zugleich Gegenteile zulassen? Ich beharre auf recht wenig.
>jugendsuenden
Welche Jugendsünden? Weil ich mich mit Nazis geprügelt hab? Schon okay. Aber wenn einer Toleranz predigt und dann sagt, Nazis gehören MIT GEWALT ausgebremst, dann hab ich da irgendwie eine kognitive Dissonanz, ja? Nur weil du etwas SUBJEKTIV scheiße findest, rechtfertigt das zu keiner Sekunde Gewalt – das ist antidemokratisch und bringt dich in die gleiche Schublade, denn die Neofaschisten greifen auch zu Gewalt, die sie SUBJEKTIV gerechtfertigt finden. Unrecht haben beide Seiten. Gewalt ist nicht zu rechtfertigen. Mein Problem mit Faschisten ist nicht, was sie denken (naja, schon, aber jeder soll denken, was er meint), sondern was sie TUN. Gewalt wird unter roter Fahne nicht besser als unter brauner.
>der vergleich totalitaerer systeme ist in deutschland nicht jenseits einer relativierung >des NS zu begreifen
Was macht Deutschland für dich so zur Sondersache? Was unterscheidet Hitler von Stalin? Wo ist das die Relativierung? Ist es dem ermordeten jüdischen Kaufmann nicht egal, ob der für eine fiktive Idee namens Kommunismus oder eine andere Idee namens Faschismus umgebracht wurde, wenn es am Ende doch nur darum ging, seinen Laden zu enteignen, sich zu bereichern, und primitiver Gewalt nachzugeben? Das ist scheißegal. Es ist kein Relativismus, anzuerkennen, dass Hitler unter den Diktatoren ein ganz kleines Licht war – ein GANZ kleines. Es ist kein Relativismus nach Südamerika zu schauen oder nach Afrika. Bestenfalls in dem Sinne zu erkennen, dass es IMMER das gleiche Spiel ist, nur unter anderen Ausreden. Das die NS da immer die dämonische Sonderkarte kriegt, ist einfach albern und verschleiert den Blick auf viel aktuellere Gemetzel. Vielleicht liegt es daran, dass dieses System sich besser inszeniert hat – und damit bis heute medial besser funktioniert? Sich besser wieder ins Bild rücken lässt als Pinochet oder Mao? Die Massenpsychologie solcher Systeme (sorry, Herr Reich) ähnelt sich frappierend – und es ist durchaus korrekt, wenn Heller af diese Parallelen hinweist.
Ist übrigens etwas weird, Steve Heller, also einem jüdischen Autor, in Iron Fists eine Verharmlosung des NS-Regime vorzuwerfen. Steven hat mir auf der vorvor(??)letzten Typo erzählt, wie seltsam es gewesen sei, die Memorabilia und Sammlungen von NS-Sammlern zu kaufen/sichten, und deren Reaktion zu erleben, als sie erfuhren, dass er selbst semitischer Abstammung ist. Spooky. Das Heller das Dritte Reich verniedlichen will, ist ein – verzeihung – mir wirklich extrem seltsam erscheinender Gedanke, oder?
>natuerlich den politschen standort
Womit du Designern das Recht absprichst, apolitisch zu sein? Darf man das nicht, ist das pfui? Ich kenne zig apolitische und dabei durchaus nicht dumme Menschen. Anders: Ist dein Denken über Politik nicht immer sozial und damit historisch, und damit unweigerlich durch die Orte, die du in deiner Biographie erfahren hast, geprägt? Mein Denken kann zB nicht durch eine, sagen wir, indische politische Prägung prädestiniert sein, weil ich nie Indische Poltik erlebt habe. Biographisch ist meine Vorstellung von Politik begrenzt durch den Horizont meiner Erfahrungen in… *gasp*… Deutschland. Wäre ich in den USA aufgewachsen, würde ich andere politische Erfahrungen, ergo wahrscheinlich Ansichten haben. Einfacher: Hätte ich selbst im gleichen Land andere Lehrer/Eltern/Peers gehabt, wäre mein politischer Standort anders.
Und selbst so ist es kein Standort, sondern eine Eisbahn. Wenn du wirklich einen FESTEN politischen Standpunkt hast, eine unverrückbare Wahrheit, eine Religion, ja Mann – da weiß ich gar nicht, ob ich das bewundern oder bedauern soll, oder? Ein Standpunkt klingt immer so unverrückbar und sicher und selbst-sicher. Keine flexible Position. Wer einen Standpunkt hat, kann sich nicht mehr bewegen.
Ich hab in so vielen Positionen meine Meinung geändert und tue das immer noch. Weil man lernt, weil man sich in Frage stellt, weil man umdenkt, weil man… älter wird. Ich persönlich hab irgendwie weniger einen politischen Standpunkt als mehr ein Road Movie. Und Leute, die über lange Zeit die Fähigkeit haben, ihre Meinungen nicht zu ändern, machen mir ehrlich gesagt irgendwie Angst.
Das führt bei mir – in toto – sicher zu diesem scheiß «liberalen» «Relativismus», der alles verstehen kann und der nicht nur Sandy schrecklich nervt. Aber meine eigene Erfahrung ist, dass dies – für mich – die einzige Haltung ist, die der Vielseitigkeit des echten Lebens überhaupt gerecht wird.
PS
Und genau dieser Relativismus… ich hab das von einem alten Psychologie-Prof. Nach einer lebhaften Debatte im Kurs, mit den wildes unterschiedlichen Meinungen, sagte er nur:
«Sie haben ja alle Recht.»
Was für ein tolles Statement. Und so wahr, auch wenn wir es damals nicht verstanden haben.
Sie haben ja alle Recht.
Deine Sicht auf Deutschland ist geprägt von deinen biographischen Erlebnissen, deiner Literatur, deinen Peers. Zu denken, dass diese Sicht ein Vista ist, alles umfasst, wäre vermessen – es ist nicht holographisch, es ist nur ein Schnipsel.
Ich teile deine Sicht zu 100% – aber ich teile eben auch die Sicht von Leuten, die bei aller sonstigen Kritik an Rotgrün für einen Moment stolz waren, als Schröder Bush den Mittelfinger in Sachen Irak gezeigt hat. Ich teile deine Meinung zu Polizeigewalt – aber ich teile auch die Meinung von Leuten, deren Alltag umgekehrt von Gewalt, die von Migranten ausgeht geprägt ist (die ja nun mal auch stattfindet). Generell ist die Frage spannend: Warum, woher und was kann man dagegen tun? Die Antworten sind ja immer überraschend gleich und einfach. Solange man systemische Kritik aber in simplifizierende antinationale (oder, von anders gesehen, eben nationale) Exoskelette rücken muss, weil das eigene Glaubenssystem halt so aussieht und weil man immer einen Buhmann braucht, wird man nicht wirklich an die Wurzel des Problems kommen.
Am Ende gilt: Sie haben alle Recht. Erst dann kommt man weiter.
PPS
Atheisten sind, das kennt man ja, im Kern die religiösesten Menschen. Sie glauben verbissen daran, an nichts zu glauben. Das ist natürlich auch ein Glauben.
Das gleiche gilt hier. Sich in ein negatives Nationalbild zu verbeissen, ist analog auch eine Form von Nationalismus, nur unter anderem Vorzeichen.
So, und jetzt bin ich zwei Tage weg und kann nicht mehr nerven :-D
Meinen nächsten – und ebenfalls letzten – Kommentar poste ich (nach Durchlesen der inzwischen eingegangenen bzw freigeschalteten) Kommentare nur noch, weil ich nun schon so viel Zeit dafür verbraucht habe: Denk ich an Deutschland in der Mittsommernacht, …
Eigentlich scheint es mir inzwischen sinnlos, HD, Du hast Dich mit Deiner ›alles gleich, alles egal, alles postmodern‹-Haltung und Deinen erneuten gedankenlosen Formulierungen (wie zB. »Das die NS da immer die dämonische Sonderkarte kriegt, ist einfach albern«) für mich für einen ernsthaften Diskurs disqualifiziert, (schade, hab lange genug an dem nun folgenden Kommentar geschrieben um auf das einzugehen was Du vorher geschrieben hattest und mich noch mal um Klarheit und konstruktiven Austausch zu bemühen) und deutlich gemacht (bzw. unterstrichen) dass der Unterschied zwischen dem deutschen Nationalsozialismus und ›anderen Diktaturen‹ (Dein Wortlaut! »dass Hitler unter den Diktatoren ein ganz kleines Licht war« – what?!) für Dich in der Schriftwahl und der Corporate Colour liegt.
Einzigartigkeit?!
Gründlichkeit, Organisation, Pünktlichkeit, Ordentlichkeit, Größe, Masse, Modernität, Fortschrittlichkeit – deutsche Tugenden und Qualitäten. Bestimmt Gründe, stolz zu sein. Gratuliere!
Okidoki, vermutlich liest niemand mehr mit, weil der thread zu persönlich geworden ist. Und ich übernehme hiermit meinen Teil der Verantwortung dafür.
Ich versuche mich kurz zu fassen mit personenbezogenen Richtigstellungen und abschließend (für meinen Teil) nur noch mal klar zu stellen, worum’s mir ging (und falls jemand anderes davon irgendetwas hat, würd’s mich freuen – wenn nicht, sorry).
{shit – und den inzwischen geposteten Kommentaren trage ich keine Rechnung, ich hab auch noch was anderes zu tun als mich an Deutschland abzuarbeiten —!}
Der Reihe nach: Wie ich mit meiner Herkunft umgehe? Falls es jemanden interessiert
– meine Herkunft: zum Zeitpunkt meiner Geburt war Westberlin (in DDR-deutsch) eine ›selbständige politische Einheit‹, ohne Zweifel war es das kulturell. Natürlich ›deutsch‹, aber mir hat dieser Hintergrund, wenn man so will, zumindest die Distanz zu ›Westdeutschland‹ bestätigt. Trotzdem sehe ich keinen Grund dazu, ›stolz‹ darauf zu sein, aus Westberlin zu kommen {allein schon weil ›Westberlin‹ hier eine ähnlich hilflose Konstruktion/Variable ist wie ›Deutschland‹}, genau so wenig wie ich stolz darauf bin EU-ropäer zu sein. Für weder das eine noch das andere, noch dafür, dass in meinem Pass ›deutsch‹ steht, kann ich etwas. Also habe ich keinen Grund, stolz darauf sein zu können.
Bei allen Zweifeln an wikipedia, aufschlußreich ist dieser Artikel für alle denen so viel daran gelegen ist, stolz auf ihre nationale Abstammung zu sein: http://de.wikipedia.org/wiki/Stolz
In Deiner letzten Antwort an mich, HD, hast Du es ja selber auf den Punkt gebracht: »›Stolz‹ ist eh ein Wort, mit dem ich extrem vorsichtig wäre.«
Leider warst Du es zwei Tage früher nicht: »gerade weil wir historisch eigentlich keinen Anlass zu Nationalstolz haben, wäre es doch schön, ihn sich neu aufzubauen, mit Dingen, auf die es sich lohnt stolz zu sein – als Mensch, nicht als Deutscher«. Nur noch mal zur Klarstellung:
Du hast damit angefangen, über Nationalstolz zu reden, wo es vorher um nationale Identität bzw Herkunft ging.
Sorry, falsch erinnert: auch Sandy hat in seinem ersten Kommentar schon von »Designern, die gerne sagen “ich bin stolz sein deutscher designer zu sein”« geredet.
Wie dem auch sei, mir ist es im Grunde piepegal, wenn sich jemand was draus macht, stolz darauf zu sein, wo er/sie geboren ist und evtl. das auch noch ausweitet und überhöht und meint, stolz auf die deutsche […] (bitte ausfüllen) sein zu müssen/können. Für mich macht das logisch einfach keinen Sinn, aber bitte! – wenn sich jemand dadurch besser fühlt oder wenn er/sie nix anderes hat…
Und, HD, das gilt jetzt nicht Dir, also bitte nicht zum Gegenangriff blasen in Deinem post {Deutschland hat mich genug um den Schlaf/die Arbeit gebracht mit dieser etwas müßigen Debatte hier, ich wär froh wenn ich es schaffe alle Mißverständnisse auszuräumen und keine persönlichen Fehden stehen zu lassen}.
Leider gelingt es mir, wie ich sehe, doch nicht, mich kurz zu fassen – muss am Thema liegen: aber weiter im Text, Du fragst, HD, wie ich mit meiner Herkunft umgehe: »Haßerfüllt (warum dann noch hier?) Geht so? Und vor allem – warum.«
Erstens: bin gar nicht mehr ›hier‹, vgl. meinen ersten Kommentar in diesem thread {oder hier: http://www.fontblog.de/kalendsadventer-22-hubschraubereinsatz}. Für mich war und ist ›Herkunft‹ ebenso wie ›Heimat‹ immer ein ambivalenter Begriffskomplex, weil meistens in dem Zusammenhang unterschiedliche Definitionen aneinander vorbeireden, so wie hier (par excellence).
Nochmal, deutlich: Ich bin aus Deutschland, genauer: Berlin, weggezogen, aber weniger wegen ›I can’t relax in Deutschland‹ oder ›Aber hier leben, nein danke‹, sondern ganz positiv: weil’s hier, in Norwegen, schöner, besser, lebenswerter ist.
Ich bin zufrieden oder froh über meinen Hintergrund, der aber ausser in Westberlin/Berlin aufgewachsen zu sein und geprägt zu sein, auch leben in Holland, England und Norwegen beinhaltet (und das sehe ich auch als die ›Herkunft‹ dessen, was, wie und wo ich jetzt bin ~ also: no way ›made in Germany‹); nebenbei auch noch Migrationshintergrund mit Eltern mit DDR- und Schlesienhintergrund. Froh in dem Sinne, dass ich über das Privileg bewusst bin, das mir ganz andere Möglichkeiten erschließt als meinen Freunden aus Rumänien oder jemandem aus Maui zB.
Deutschland? Eher ›geht so‹, natürlich hab ich phasenweise ›Deutschland‹ ›gehasst‹, überkritisch reflektiert, letztendlich finde ich es gibt ungefähr so viele Gründe für jemanden, eine Argumentation ›stolz auf Deutschland‹ zu führen, wie eine ›Haß auf Deutschland‹, beides ist eher irrelevant bis irrational weil es mit tatsächlichen Problemstellungen wenig zu tun hat.
- – -
Jeez, allerdings bin ich jetzt genug um den Schlaf und die Zeit gebracht von Deutschland, ab hier ein letzter Versuch, mich kurz zu fassen! HD, steinige mich, whatever, ich glaube wir meinen so wie so nicht so verschiedene Sachen wie es scheint, versuchen nur jeweils ein paar Positionen unterzubringen, evtl Traumata oder ähnliches abzuarbeiten, […]
Zu dem ›in einen Topf werfen‹ – ich finde ja interessanterweise genau das das Problem an einem ›Made in Germany‹-Topf und einem Nationalstolz-Topf, und habe das versucht mit meiner Frage auf Problematiken hinzuweisen.
Fragen stellen war mein Anliegen in der Polemik darüber was denn ›Nationalstolz‹ sein sollte. Lustig dass Du es so auslegst als wären das meine Vorstellungen, wenn ich das zugespitzt habe was Du vorher gebloggt hattest.
Du hast das Bauhaus ›deutsch‹ verortet, eine Vorstellung, mit der ich immer große Probleme hab; weil ›das Bauhaus‹ (bzw ›die vielen Bauhaus-Ideen fälschlicherweise summiert‹), oder was ich davon verstehe, alles andere als ›deutsch‹ war bzw die meisten von denen die das Bauhaus geprägt haben (oder unsere retrospektive Vorstellung davon), eher Probleme mit ›Deutschland‹ hatten oder früher oder später bekamen; trotz Herbert Bayer und trotz der ›neuen linie‹.
Klar, man kann das Thema ›Bauhaus/Deutschland‹ nicht so kurz und hier behandeln, aber stolz auf Deutschland zu sein wegen dem Bauhaus – da hat jemand einen schlechten Kunstgeschichte-Prof gehabt.
Deswegen hab ich mal (im postmodernen Nebel dieses blogs) Moholy-Nagy erwähnt, um diesen Konflikt in Deiner Überlegung zuzuspitzen. Hat anscheinend auch geklappt, wenn auch missverstanden von Dir.
Aicher – Eiche, hier hast Du auch nicht die Anspielung auf Deine (m.E.) fehlerhafte Argumentation verstanden, ich finde es höchst problematisch ausgerechnet Otl Aicher als guten Deutschen heranzuziehen der es einem dann doch ermöglichen soll Frieden zu schließen oder gar stolz zu sein auf ›Deutschland‹, oder ›Germany‹, oder ›die Deutschen‹ (Staudinger). Noch mal: Den Deutschlandtopf aufgemacht haben doch die MacherInnen des DMIG! Und Du hast in Deinen Kommentaren kräftig mitgerührt, und eben Begriffe wie Bauhaus oder Namen wie Otl Aicher aufgebracht, als Grund dafür sich ›positiv‹ zu Deutschland zu bekennen.
Des Pudels Kern ist: »Erik Spiekermann hat keine Verantwortung zu tragen und keine Verbindung zu Neonazis in Sachsen-Anhalt. Das sind einfach verschiedene Dinge. Freunde von mir in den USA sind nicht schuld am Irak-Krieg.« Nee, Erik hat keine Verantwortung zu tragen, aber wenn Deutschland, dann Deutschland. Und wenn jemand meint, sich mit Deutschland oder sogar über Deutschland identitfizieren zu müssen, dann hilft es weder, ›Deutschland‹ zwischen Weimarer Republik und ›Stunde Null‹ unter den Tisch fallen zu lassen, so wie Staudinger in seiner programmatischen Schrift, oder aus der ›Gegenwart‹ nur die Rosinen rauspicken zu wollen.
Sei doch stolz darauf, ein unheimlich wichtiger Teil der deutschen Grafik-Blogosphäre zu sein! Ohne Zweifel Deine Leistung! Unbestritten.
- – -
An dieser Stelle – wiederholt – ganz deutlich: Auch wenn Du ein junger Deutscher um die 40 bist der nicht Hitler in jedem dritten Satz sagst, hast DU ›Auschwitz‹ (als Metapher*) und den historisch-diskursiv bedeutungsschwangeren Begriff ›Nazikeule‹ (http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/WegeInDieGegenwart_redeWalserZumFriedenspreis/) ins Spiel gebracht.
Und Du hast es nicht für nötig befunden auch nur darauf einzugehen dass ich Dich um Distanzierung gebeten habe.
Warum, for Christ’s sake, gibt es Leute, die in dem Reden über Auschwitz ein größeres Problem sehen als in Auschwitz selbst?!
Kurz noch: Du schreibst: »Zwischen Mensch und ›Deutsch‹ scheinst du einen Unterschied zu sehen.« – o je, versteh doch, ich habe Deine Argumentation weitergedacht! Am 27. Juni 2009 // 20:24 Uhr hast Du geschrieben Du meinst es wäre schön, als Mensch, nicht als Deutscher, (National-)stolz aufzubauen, mit Dingen auf die es sich lohnt stolz zu sein.
Ja, ich, Mensch, bin stolz darauf dass ich endlich heute abend mit Hilfe von Sam die letzten Umzugskartons hochgetragen habe!
D’accord, yes, wir sind einer Meinung!
- –
Leider nicht so lustig ist Deine Argumentation: ›Ich bin Deutsch, weil ich hier geboren bin.‹ Schön wär’s! Warum werden dann Leute abgeschoben die hier geboren sind?! Weil sie nicht fucking made in Germany sind!
- -
›Deutsch› ist immer auch ausschließend, selbst wenn die Intention vom ›Made in Germany‹-Magazin Integration der deutschsprachigen Design-Community war/ist. Jemand wie Dan Reynolds kann sich noch so sehr bemühen um das deutsche Designwesen, er ist und bleibt nicht-›made in‹. So müßte doch die Schlußfolgerung sein, oder?
. . .
Neonational auf Deutschland Bezug nehmen kapier ich einfach nicht, aber well, lass das hier mein Problem sein.
Warum ich mich so echauffiere + exponiere hat vielleicht auch schlicht damit zu tun, dass ich gerade hier, im ›Ausland‹ oftmals über ein ›Deutschsein‹ definiert werde, das mich nervt. Ich hab weder mit BMW, worauf mein Chef abfährt, oder mit den deutschen Wohnmobilurlaubern in Norwegen, die hier ihre Wohnmobilklos leeren un deutsches Essen in Konserven mitbringen um nicht norwegische Preise bezahlen zu müssen, nichts am Hut, ausser vielleicht die Sprache! Ich will es nicht! OK? Forstått?!
Gute Nacht, Deutschland! [in Deutschland ist es jetzt schon lange dunkel, oder? Wir haben hier noch ca. 3-4 Stunden hell - - - ]
Was ich ja genial finde, ist, wenn Leute, die so offen «tolerant» und «antideutsch» sind, dann ganz schnell persönlich angreifend werden und selbst einen Stil fahren, der aus einer für mich ganz schlimmen Ecke kommt. Ist wahrscheinlich keine Absicht, aber mir Gedankenlosigkeit zu unterstellen ist beispielsweise entweder gut gemeint (da hat er aber nicht nachgedacht, der kleine HD), oder aber herabsetzend (hat der Typ kein Hirn?)- beides wäre deplaciert.
>alles postmodern‹-Haltung
Ich hab keine postmoderne Haltung. Was immer du unter postmodern verstehen magst – ich glaube, du vereinfachst hier eine komplexe Stilepoche zu einem mirnixdirnix-Gewurstel. Mir sind nur einfache Rezepte abhold. Egal, aus welcher Richtung sie kommen. Die Banalität solcher einfachen Rezepte langweilt mich enorm. Deutschland zu hassen – aus welchen Gründen auch immer – ist doch auch nur eine gebrochene Form von Nationalismus, weil sie den Nationalstaat subjektiv auch in einer Form aufwertet (ob nun als Liebes- oder Hassobjekt… Fetisch ist Fetisch), die ich so nicht nachvollziehen kann. Die härtesten Kritiker der Elche, und so weiter.
>ernsthaften Diskurs disqualifiziert
Das ist mir, bei allem Respekt, so was von egal, ob ich mich für irgendwas in deinen Augen qualifiziere oder nicht. Solche Fragen stellen sich doch gar nicht. Schau, auch hier blitzt dein latenter Hang zur Intoleranz durch – muss ich mich «qualifizieren» um mit dir reden zu dürfen? Einen IQ-Test machen? Einen Reinheitstest ablegen? Redest nicht so gern mit Leuten, die unter dir stehen? Ob bewusst oder unbewusst – das ist genau die faschistoide, ausgrenzende Denke, die du anprangerst. Ist ein Pattern, ich meine das gar nicht böse, dass du ruhig mal im Blick haben kannst. Sandy ist «genervt», du siehst keinen «ernsthaften» Diskurs. Aber mal abgesehen von der niedrigen Toleranzgrenze von Leuten, die der Toleranz das Wort führen (wie tolerant bist du eigentlich mit Pädophilen oder… hm.. Nekrophilen?), ist ein ernsthafter Diskurs in einem Blog – in JEDEM Blog – gar nicht denkbar, das gibt die Form kaum her. Wir schwafelmasturbieren hier nur. Vor allem ich. Was aber okay ist – da oben steht mein Name. Den Vorwurf, dass ich in der Zeit a) schlafen und mich an Steffi knuddeln und b) endlich mal die Photos zu den Giveaways posten könnte, ist allerdings ab-so-lut gerechtfertigt. Mea culpa! :-D
>dass der Unterschied zwischen dem deutschen Nationalsozialismus und ›anderen >Diktaturen‹ (Dein Wortlaut! »dass Hitler unter den Diktatoren ein ganz kleines Licht >war« – what?!) für Dich in der Schriftwahl und der Corporate Colour liegt.
Jetzt frage ich mich, wo das herkommt. Ist das gewollte Provokation, indem du dich dummstellst? Ich habe das nirgendwo gesagt. Sorry, das ist einfach Bullshit. Du kannst nicht einerseits von qualifiziertem Diskurs reden, andererseits einfach wild aus der Luft Vorwürfe konstruieren. Kommt das nochmal, unterselle ich, dass dich kleine nackte Buben anmachen, Benjamin. In Uniformen. Lesen, dann antworten. Nicht erfinden. Das ist BILD-Methodik. Und worauf die basiert, historisch, muss ich nicht ausführen.
Oh, und Hitler ist vor einigen Jahren in der Diktatoren-Runde in der Viertelrunde rausgeflogen. Kleine Leuchte. Mach dich einfach mal schlau, was andere Diktatoren – gern auch mit Hilfe der extrem undeutschen Vereinigten Staaten – so nach dem Zweiten Weltkrieg trieben und auch heute noch treiben. Wenn ich sag, dass unter dem Deckmantel dieses einen hollywoodreifen Diktators alle anderen im Schatten bleiben, und das man da vielleicht so etwas wie Absicht sehen kann, dann ist das nicht mit einem «what» wegzuwischen.
Die Site ist nur mit einer Menge zynischem Humor zu genießen, an den traurigen Fakten ändert das wenig: Hitler ist in der ERSTEN RUNDE rausgeflogen, gegen Mobuto: http://www.giles.34sp.com/firstcontest/first.htm
Sieger übrigens Kim Il Sung. Du siehst, es ist vielleicht auch eurozentristisch, vielleicht eben auch Deutsch, sich auf das NS-Regime zu konzentrieren, weil wir so wenig über den Rest der Welt wissen, si?
Auch zynisch, aber informativ: http://www.dictatorofthemonth.com/English/English_welcome.htm
>Bestimmt Gründe, stolz zu sein. Gratuliere!
Sarkasmus ist auch ein Ding, das man abschalten sollte, wenn man selbst «qualifizierten Diskurs» einfordert, denn das ist auch nur rhetorisches Abwatschen, kein Diskurs. Zumal keiner der Werte, die du da nennst von mir genannt wurde. Im Gegenteil, ich glaube, wer mich kennt, wird lachen, wenn man mir Pünktlichkeit und Ordnung als Sekundärtugend unterschieben will. Redest du eigentlich überhaupt mit mir? Du scheinst mich nicht näherungsweise zu kennen, noch meine Beiträge zu lesen, sondern antwortest rein fiktional. Das ist so dicht am Troll-Verhalten, also mal langsam.
>In Deiner letzten Antwort an mich, HD, hast Du es ja selber auf den Punkt gebracht: >»›Stolz‹ ist eh ein Wort, mit dem ich extrem vorsichtig wäre.«
Richtig. Vorsichtig. Was nicht heißt, das ich Stolz grundlegend falsch finde. Wieso auch? Wenn auch sicher eine der sieben Todsünden, finde ich es absolut richtig, wenn man sich über bestimmte Leistungen oder Errungenschaften zu freuen vermag. Wer das nicht kann, ist zu bedauern, weil er ein Leben ohne Freude über seine eigenen Erfolge zu führen scheint,oder? Ich glaube, ich habe auch unmißverständlich klar gemacht, worauf ich – ganz unabhängig davon, in WELCHEM Land ich lebe – stolz wäre, wenn mein Land diese zivilisatorischen Errungenschaften leisten würde. In mancher Hinsicht steht Deutschland da im weltweiten Vergleich gar nicht so schlecht da, wie es immer geredet wird, in mancher Hinsicht haben wir – Deutschland, Europa, die Welt, egal – natürlich noch einen weiten Weg vor uns. Aber ich bin da eigentlich ganz optimistisch, auch wenn keiner von uns ein historisches Happy End miterleben wird. Es ist immer Prozess und egal wie austariert und fair eine Gesellschaft sein mag (und wir sind’s sicher noch nicht), es wird IMMER Disparitäten geben. Utopia wird es nie geben. Aber ich wäre schon froh,wenn auch die Dystopien nicht wahr werden. Wenn Stolz für dich ein emotional zu aufgeladenes Wort ist und du aus Gründen, für die ich ja nichts kann, gleich vor deinem Inneren Auge Soldatenmärsche siehst, können wir auch Freude sagen. Freude darüber, wenn richtige Entscheidungen getroffen oder Dinge besser gemacht werden. Das hat SO unendlich wenig mit Gründlichkeit oder Ordnung zu tun. Und wenn du dir die Mühe machst, meine Textkonvolute zu lesen, würdest du das wissen und dir selbst – mir und auch allen anderen – WEITERE Konvolute ersparen. :-D (Die Leute würden dir Denkmäler errichten!!!!)
Nebengedanke: Kann man stolz auf ein Land sein? Das ist ja einfach da? Stolz kann man – muss man nicht, aber kann man – wenn man 100 m in Bestzeit gelaufen ist oder besonders lieb zu den Eltern war oder sonst etwas schönes gemacht hat. Aber auf ein Land? Ich bin ja auch nicht stolz auf die Sonne.
>›Herkunft‹ ebenso wie ›Heimat‹ immer ein ambivalenter Begriffskomplex
Und weil das so ist und weil du so tolerant bist, musst du natürlich auf Leute schimpfen, die vielleicht nicht so ambivalent sind (und wichtig hierbei: Ich meine gar nicht mich, ich bin ja sogar – du nennst das dann postmodernen Nebel – NOCH ambivalenter im Sinne der Tatsache das ich mit Ambivalenz nicht Abneigung ummantele sondern tatsächlich sowohl positive als auch negative Konnotationen meine). Wobei ich persönlich ja auch kein Hurra-Patriot bin, im Gegenteil. Aber es ist so ermüdend, wenn im Mantel linker Gesinnung (die ich mir faktisch tolerant wünschen würde, die es aber viel zu selten ist) ein solcher, sicherlich unbewusster, Wind von Intoleranz aufkommt. GERADE als eher Linksliberalen erschreckt mich das immer. Es ist sicher nicht deine Absicht, aber vielleicht wird dir einmal bewusst, wie einseitig dein Denken sich hier abbildet. Es ist nicht postmodernes Gewäsch, wenn man andere genau so akzeptiert – oder zumindest toleriert – wie sie sind. Ich verstehe flaggenschwenkende Fussball-WM-Fans nun wirklich nicht. Aber ich muss sie doch nicht auch sofort scheiße finden, kollektiv. Das ist nämlich auch eine Form von Ausschluß-Denken und Intoleranz. Denn Toleranz heißt ja nun mal NICHT Leute zu tolerieren die denken wie du selbst, sondern… eben… DIE ANDEREN verstehen zu können, die du eigentlich NICHT verstehst.
Man nennt das auch gerne Empathie. Die Fähigkeit, sich in die Gedanken- und Gefühlswelt anderer hineinzuversetzen.
Am einfachen Beispiel, um meine Frau Mama auch noch hiereinzuziehen. Meine Mum sammelt Hummelfiguren, neben allerlei anderen Figuren und Objekten. Nicht wirklich etwas, was ich sammeln würde und eher Objekte, die ich unter naiven Kitsch einsortieren würde. Aber, egal, was ich denke – dass es IHR Spaß macht, ist doch großartig. Wieso schlecht machen, was andere bereichert? Zumindest solange sie nicht hingeht und Nachbarn totschlagen will, weil die keine Hummelfiguren sammeln. (Wenn aber das einträte, müsste man mit aller Kraft gegen dieses unsoziale Verhalten eintreten). Anders gesagt: Ob jemand in seinem Wohnzimmer stolz auf Deutschland ist und wieso, geht mich nichts an. Darf und muss mir egal sein. Aber sobald jemand anfängt, aus diesem «Stolz» heraus rassistisch zu handeln oder gewalttätig zu werden, egal aus welchen Gründen (bad childhood, no job, oh damn, i was so drunk), dann muss staatlich ohne Ausreden und mit aller Kraft durchgegriffen werden. Was, gar keine Frage, absolut nicht ausreichend stattfindet.
>weil’s hier, in Norwegen, schöner, besser, lebenswerter ist
Nur, dass es in Norwegen – und Skandinavien generell – eben doch auch Rassismus gibt. Und Zwangssterilisierungen. Und Euthanasie-Gedanken bis lange nach dem Krieg. Aber nix für ungut. Ich mag Norwegen und Schweden ja auch.
>›das Bauhaus‹ (bzw ›die vielen Bauhaus-Ideen fälschlicherweise summiert‹),
>oder was ich davon verstehe, alles andere als ›deutsch‹
Wie kann das sein? Waren Weimar und Dessau seinerzeit in Irland? Es hieß ja sogar «staatliche» Bauhaus. :-D Nur weil es nicht in ein Negativbild von «deutsch» passt – und die Tatsache, dass eine internationale Strömungen aufnehmende, verarbeitende und dann wieder international relevante Bewegung eben Deutsch war… wo ist da das Problem? Zerstört das zu viele Negativklischees? Wenn es ein Trost ist, es ist ja nicht lange gutgegangen, bevor der Pöbel es kaputtgemacht hat. Aber Bauhaus, wie Kästner, wie Kracauer, wie Benjamin, wie Aicher… Mensch, alles Deutsche. Alles Gute Sachen, auf die ich nicht stolz bin (nicht mein Verdienst), aber wo ich mich freue, dass es sie gab und dass sie mir/dir/uns was mit auf den Weg gegeben haben. Ist so ein bisschen eine Sache von Glas halb voll // Glas halb leer, richtig? Wenn man vor lauter negativen Assoziationen und Angst vor scheinbar lebensbedrohenden Sekundärtugenden wie Ordnung vergisst, dass hier auch viel Kreativität, viel kritisches Denken, viel Gutes gewesen ist und IST.
Oder glaubst du, wir würden dass hier in China schreiben können? Nope.
Es ist ein bisschen wie mit dem Iran – es wäre fatal, dieses Land und seine Menschen zu verurteilen, weil ein paar Leute an der Macht nicht ganz in Koordinaten denken, die wir mit Begriffen wie «vernünftig» oder «menschenwürdig» verbinden würden. Es gibt natürlich – keine Frage – trotzdem tolle, kreative, aufregende, vorwärtsgehende Menschen und Kräfte im Iran. Alles andere wäre naiv. Länder sind niemals eindimensional, ebenso wenig wie die Menschen darin. Auch Deutschland ist weder «gut» noch «böse» sondern nur eine regionale Fiktion, eine Kumulation von Menschen, ein Fraktal. Was es dir zu sein erscheint – ganz wie bei einem Samuel Beckett Stück – ist lediglich, was es von dir widerspiegelt, was du hineininterpretierst.
Faktisch glaube ich, sind die meisten Menschen eher gleich – und wollen recht ähnliche Dinge. Maslow winkt uns zu. Aber es ist auch banal und zu einfach und intolerant, unsere Standards – säkularisiert, nach Jahrhunderten von Kriegen, eher in der kalten Phase einer Entwicklung angekommen – besserwisserisch zu anderen Ländern zu sehen und auf die Uhr zu klopfen, als sei unser Zustand der einzig richtige, unsere Wahrheit einzig wahr. Hey, wer weiß – vielleicht haben die Taliban ja auch recht? Who knows? Insofern sind solche Prozesse immer mit Geduld und langsam anzusehen, leider (denn das langsame kostet unweigerlich Menschenleben), aber man kann Geschichte nicht herbeiprügeln. Der mittlere Osten wird seinen eigenen Weg finden, hoffentlich mit dem Rest der Welt als Partner, nicht als Gegner.
>stolz auf Deutschland zu sein wegen dem Bauhaus – da hat jemand einen >schlechten Kunstgeschichte-Prof gehabt.
So,und DAS hätte ich jetzt gern mal raumgreifend erklärt. WTF?
Weil Moholy-Nagy aus Ungarn kam? Oder weil er in den USA starb? LMN war, aus Wien/Berlin kommend, Lehrer am Bauhaus in Dessau und Weimar. Wo ist dein Problem? Dass das Bauhaus International war? Ja Gott, durfte es das nicht? Pfui? Darf es nur Deutsch sein, wenn da nur Deutsche unterrichten? Ist das jetzt deine Logik? Wäre das nicht ein wenig surreal und vor allem faschistoid? Das coole am Bauhaus, unter anderem, war doch die Internationale Offenheit, die Einflüsse aus Russland, den Niederlanden und und und… wo ist da das Problem bitte?
Und dennoch, so sorry, ist das Bauhaus nun mal eine deutsche Institution geworden. Es sei denn, siehe oben … Weimar in Irland. Oder redest du vom Baumhaus? Auch typisch deutsch… oder? Andererseits hat Bart Simpson auch ein Treehouse.You say Bauhaus, I say Baumhaus, Bauhaus, Baumhaus, Bauhaus, Baumhaus.. Uma, Oprah… *ahem*
>im postmodernen Nebel
Schon wieder. a) Schreibe ich nicht postmodern, ich bin kein Philosoph, der einer Schule angehört, kein Diskursautomat, sondern ein Mensch mit atmenden und insofern nicht klar in eine Ringecke einzugrenzen Möglichkeiten. Tut mir leid, wenn ich nicht in fertige Schubladen von dir passe, vielleicht ist der Schrank einfach zu klein. Nicht alles, was nicht einseitig gedacht ist, muss gleich postmodern (bzw relativistisch) sein.
b) Ist die Postmoderne beileibe nicht nebulös, das ist ein Klischee das bestenfalls noch im Vormittagsfernsehen so kommen kann, aber nach Lektüre auch nur EINES BUCHES doch verfliegen sollte. Postmodern heißt doch nicht relativistisch um jeden Preis, Jesus, hat es nie gehießen. DAS ist doch der Nebel, dieser verfälschende Umgang mit Epochebegriffen. Einfach mal kurz googlen, was die Moderne war und inwiefern die Postmoderne eine Reaktion darauf darstellt und was die Postmoderne in Kunst und Architektur, Musik und Literatur bedeutet. Das ist doch beileibe alles kein NEBEL. Ich finde es auch ermüdend, diese Periode als negativ darzustellen – dafür haben hier viel zu gute Musiker, Maler, Autoren und Denker mitgewirkt. Lies doch zumindest eben den Wikipedia-Eintrag :-D (mach ich mal selbst eben….so…). Und dann sag mir doch mal, was du gegen John Zorn hast. Ich find den nämlich gut. Und so gar nicht nebelig.
>ich habe Deine Argumentation weitergedacht
Ja schön wärs ja. Sophisterei ist aber nicht Weiterdenken, sondern Kürzertreten-Wollen.
>Warum, for Christ’s sake, gibt es Leute, die in dem Reden über Auschwitz ein >größeres Problem sehen als in Auschwitz selbst?!
Nicht, dass ich das tue. Was ich sage ist: Wenn dir kein besseres Argument mehr einfällt als Hitler – dann hast du ein echtes Argumentationsproblem, weil es total jenseits von gut und böse ausgereizt und overused ist. Und zwar von allen Seiten. Wenn du, egal, was du rechtfertigen willst, nur noch dein Argument durchbringst, wenn du irgendwas aus 33-45 aus dem Sack holen musst, wenn dir nichts davor oder vor allem danach einfällt, dann hast du entweder kein Argument oder nicht lange genug nach einem guten gesucht. Es gibt akutere Gründe, Deutschland nicht zu mögen, man kommt auch ohne Adi aus. Ich bin langsam wirklich für ein NS-Moratorium. Man sollte die Sache wieder bei den Historikern lassen – und über heute reden. Was, nebenbei, Sandy ja oben tut. Nur auch eigentlich unter dem Vorzeichen «rechte Gewalt», which is the same thing in different shoes. Das ist ja das Witzige am Neofaschismus (ebenso wie an der neuen Linken:) It’s all fucking history, es sind Rezepte von 1920. Die lösen heute doch nichts. Unter dem Aspekt – und nicht nur diesem – nehmen sich beide Außen-Positionen nicht viel. Nicht, dass die politische Mitte soviel akuter wäre (Friedman und Keynes sind auch oldschool).
Es gibt nebenbei auch einen Unterschied zwischen verharmlosendem Vergessen und der Wahrnehmung, dass hier langsam aber sicher ein medialer Fetisch emergiert, und manchmal frage ich mich, ob nicht die Linke ebenso wenig von dieser Zeit loskommt wie die Rechte. Es gibt einfach akutere Probleme.
>›Ich bin Deutsch, weil ich hier geboren bin.‹ Schön wär’s! Warum werden dann Leute >abgeschoben die hier geboren sind?!
Apple, meet Oranges. Ich kann nur für mich sprechen, sonst für niemanden. Das steht da ja auch: «Ich…» Und «Ich» bin nun mal nicht Spanisch. Ich kann das nicht ändern, ob ich will oder nicht. Ich kann es ignorieren, akzeptieren, dagegen ankämpfen oder es toll finden… aber eben nicht ändern. Ich hab mir das auch gar nicht ausgesucht, also kein Grund, es dufte zu finden oder nicht. It just is. Okay? Und Abschiebung ist ein Ding, das hier an diesem Punkt völlig jeden Rahmen sprengt – weil hier in so eklatanter Weise Rechtsprechung in Form von Bürokratie und Einzelschicksale aufeinanderprallen, dass man weinen möchte. Ändert nur wenig daran, dass weder »Ich« noch Weimar plötzlich irisch sind.Hat also so gar nichts mit der Sache zu tun, sondern ist wieder nur ein rhetorischer Seitensprung. Der auch gar nichts bringt, denn weißt du… ich kann Bauhaus GUT und Abschiebung BÖSE finden. Beides. Auf einmal. Das eine mögen, das andere verändern wollen. Ich lebe nicht in einer Phantasiewelt, wo mein Heimatland 120% perfekt sein muss. Das gibt es nämlich nicht – Ungerechtigkeit, Dummheit, Gewalt und Hass gibt es überall. Sogar in Irland. Und das eine zu mögen und das andere nicht ist gar nicht «postmodern», sondern einfach das echte Leben. Nichts ist perfekt, alles ist Prozess.
>Deutsch› ist immer auch ausschließend
Ja. Rot auch. Ähm… Irland auch. «Kinderteller» auch. Und so weiter. Alles, was etwas, wie auch immer, definiert, schließt zwangsläufig etwas anderes aus. Ist so. Ich bin blauäugig, also ist ausgeschlossen, dass ich grünäugig bin. Ich bin Rechtshänder, also kein Linkshänder. Ich wohne in Nordrheinwestfalen nicht in Hessen. Ich habe Hoden, keine Eierstöcke. Das ist doch banal. 2 ist nicht 3. grün ist nicht rot. Nur… wo ist das negativ? Ist rot besser als grün? Ist links besser als rechts? Ist deutsch besser als irisch??? Ich bin Deutsch, also bin ich nicht Irisch. Ist so, zwangsläufig…. Aber in deiner Argumentation entpellt sich ein Giftkern. DU definierst Deutsch als etwas besseres, aus dem etwas schlechteres, Nicht-Deutsches auszuschließen ist. Das ist DEIN Argument bzw deine unbewusste Unterstellung. Aber nicht meine. Nur, wenn DU selbst Nicht-Deutsch als NEGATIV betrachtest, macht dein Satz Sinn. Deine Logik wäre Deutsch=Gut. Irisch=Schlecht. Der These kann ich mich aber gar nicht anschließen. Du scheinst hier zu unterstellen, dass ein Nicht-Deutscher (also jemand, der in Irland geboren ist beispielsweise) ein Mensch zweiten Ranges ist, der – aus welchen Gründen auch immer – auszuschließen ist. Würde ich nicht sagen. Wieso auch? Das ist so eine Krux bei den Atheisten, sie sind halt selbst religiös. Du hast viel mehr Nationalgedöhns im Kopf als ich, scheint mir. Deutsch kann nur dann ausschließend sein, wenn du es so definierst. Ich selbst sehe das NICHT so. Du ziehst eine Demarkationslinie im Sand, die ich nicht mal sehe. Du willst immer unterscheiden zwischen Deutsch-Sein und Europäer-Sein und Mensch-Sein, als wäre das alles gegenseitig exklusiv ausschließend. Ist es aber nicht. Es ist alles Teil einer ganzen Sache, Elemente eines Lebens, Gewürze in der Suppe. Die These des Ausschließens weise ich vehement zurück. Wenn ich sage, dass ich Deutsch bin und ein Freund ist Ire, ist das eine sachliche Anerkennung geographischer oder biographischer Fakten, kein Werturteil. Wie auch?
>Jemand wie Dan Reynolds kann sich noch so sehr bemühen um das deutsche >Designwesen
a) bemüht sich Dan um das DEUTSCHE Designwesen? Wie sieht das aus, das Wesen? Oder bemüht er sich, weil er einfach Spaß dran hat, um Design AN SICH,um Typographie, ums Machen, jenseits von Nationalgrenzen. War die These oben nicht, dass Design eben nicht national, sondern sozial ist? Aber selbst wenn es tatsächlich ein «deutsches» Design gibt, noch gibt, und wenn Dan Reynolds bei Lino und sonstwo einen historisch wichtigen teil dazutut (die nächste Helvetica etwa), glaubst du, dann fragt einer nach seiner Herkunft??? Siehe Moholy-Nagy. Der IST Teil des Bauhauses. :-D.Luc(as) de Groot hat – aus meiner Sicht -einen großen Teil zum Deutschen (europäischen, globalen) Design dazugetan, sagen wir mal vereinfacht nur mit der Thesis. Und das, obwohl er Niederländer ist :-D. Und die Thesis auch klar in dieser typographischen «dutch» Tradition steht. Dennoch hat diese Megasippe doch klar das Schriftschaffen hierzulande aber auch in ganz Europa verändert. Was nebenbei zeigt, wie sehr das inzwischen nahtlos eins wird.
b) Jesus, ich weiß nicht mal, welcher Nationalität Dan ist, außer dass er einen sehr funky Akzent hat ist mir das auch total egal. Hauptsache er ist ein nice guy, oder? Forderst du jetzt, das er eingedeutscht wird? Zwangsverdeutscht? Will er das? Ist das nicht im Widerspruch zu dem Deutsch=Scheiße von dir oben? ist es nicht deiner Logik nach gerade cool, dass Dan als – kurz gegoogelt – geborener Amerikaner eben NICHT Deutsch ist? Erweitert das nicht vielleicht seinen Horizont? Und jetzt weitergedacht: Würde nicht auch ein persischer Designer/In unseren Horizont erweitern, weil sie eben NICHT deutscher Herkunft ist, sondern vielleicht aus dem Iran kommt? Jetzt kommt das Ding: vielleicht ist Biographie eben eine Bereicherung. Vereinfacht gesagt finde ich Unterschiede bereichernd und spannend – und finde die These, dass alle Menschen gleich sind, irritierend langweilig … und Orwellian, im höchsten Maße diktatorisch. Wer alle Menschen gleich machen, gleich denken will, ist (für mich) nicht demokratisch, denn die Demokratie umarmt ja gerade die Vielfalt der Menschen, nicht ihre Gleichförmigkeit. Vereinfacht: Wichtig ist erst einmal, wie ein Mensch ist. ist seine Herkunft aus einem anderen Land als ich – und ich kann da nur für mich sprechen – ist das meist eher spannend, weil sein Background ein anderer ist und ich lernen kann, aus seiner Sicht auf die Welt. Nichts würde ich mir weniger wünschen als eine Welt, in der alle gleichgeschaltet sind. Was GANZ was anderes ist als die Tatsache, dass alle Menschen gleiche Rechte und Chancen genießen sollten. Riesenunterschied. Verstehst du? Ich würde nicht wollen, dass alle Menschen bisexuell sein müssen, weil ich den Unterschied zwischen Hetero und Homosexuellen bereichernd finde (und jaaaa, es gibt welche). Aber rein rechtlich finde ich die Frage, ob schwule oder lesbische Paare heiraten dürfen, geradezu albern. NATÜRLICH. Wieso sollten sie das nicht dürfen? Evangelische und Vegetarier dürfen doch auch heiraten, Homosexuelle dürfen doch auch Auto fahren und Blut spenden? Was macht die Ehe zur Ausnahme? (Hey, jetzt mach ich mich auch noch bei der Kirche unbeliebt, am Ende gelte ich als nationalistischer ähm… Schwulenfreund). Sollen wir auch gleich das Thema Abtreibung und Vergewaltigung mit abhandeln? Dann ist hier endgültig free for all.
Also: Gleiches Recht/gleiche Chancen für alle, soweit das legal in einem System erreichbar ist. DAS ist das Ziel. Nicht das alte französische Ideal der gleichgeschalteten Gesellschaft.
Aber auch das ist so: Die meisten Leute verstehen Elite negativ, ich finde die Idee an sich nicht so übel. Die Frage ist nur, was Elite ist. :-D.
>Ich hab weder mit BMW
Wieder so ein Ding. Schau – ist Frankreich für dich Peugeot? Sind die USA Ford? Aber Deutschland = BMW.
Du hantierst, sicher nicht mit böser Absicht, auch hier mit Klischees. BMW = reicheleuteauto, du zitierst ja sogar noch deinen Chef, dem du indirekt – hochtolerant – indirekt dafür mokierst, das er einen BMW fährt, ein Auto, dass du anscheinend nicht tolerieren kannst. Was darf er deiner Meinung nach fahren? Solche offenbaren Neidaffekte, bestätigen mir zumindest Bekannte aus den USA gern,- sind übrigens absolut typisch «deutsch».
Nur: BMW wäre dann auch Isetta, ein hochsympathisches und spritsparendes Auto (13 Liter insgesamt für 400 km). Und ADI oder AGA (oder wenn wir schon bei der Isetta sind, Glas) waren auch deutsche Automarken. Nie davon gehört? Der Daimler Smart, eines der vielleicht innovativsten Konzepte (wenn man es richtig umgesetzt hätte) und der VW-Drei-Liter-Lupo, auch ein rückblickend wegweisendes Konzept, sind beide in Deutschland umgesetzt worden. Wobei,keine Frage, die Automobilindustrie hier wie überall eher leider fortschrittsfeindlich und hinterher ist. Man kann hoffen, es ändert sich, siehe oben: Dinge, die einen freuen würden.
>deutschen Wohnmobilurlaubern in Norwegen, die hier ihre Wohnmobilklos leeren un >deutsches Essen in Konserven mitbringen um nicht norwegische Preise bezahlen zu >müssen
Naja, hallo – TOURISTEN!!!! Als ich vor langer langer Zeit in Prag war (hallo Björn!), im Abi, haben wir uns auch alle irgendwie kollektiv geschämt, Deutsche zu sein (leichte Übung in der Stadt und leichte Übung als betrunkene Teenager, die sich wie offene Hose benommen haben), bis wir uns angesehen haben, wie sich amerikanische Touristen aufführen (die einen noch heftigeren Wechselkurs hatten und denen der Zloty gar nichts wert war). Touristen sind so ein Ding – übrigens, wenn auch hier sicher Klischees greifen und Schwarmbildungen existieren – immer individuell ein Ding. ich kenne aber eben auch reichlich Leute – du scheinst ja dazugehören – die Wert darauf legen, sich genau so NICHT zu benehmen. Und die sind, Überraschung, eben auch Deutsch. Und ziehen – und das ist eben, wenn man Erhebungen glauben darf eben ein ganz typisch deutsches Merkmal – ein hohes Maß an persönlichem Stolz daraus, möglichst nicht deutschen Klischees zu entsprechen. Das man also stolz darauf ist, KEIN typischer Biertourist-Deutscher (den es, nebenbei so ja eigentlich auch gar nicht gibt), zu sein, ist etwas, worauf eine überwiegende Zahl der Deutschen stolz ist. Du auch. Ich ja manchmal auch. Ein nicht kleiner Teil der Deutschen DEFINIERT sich darüber, möglichst nicht wie Horst und Liese zu sein. Natürlich ist aber auch das typisch deutsch – und amerikanische Bekannte verstehen das kein bisschen, denen ist diese Attitude ein Rätsel :-D. German Angst eben.
Und ein ganz klein bisschen ist das: Alle Tiere sind gleich, nur die Schweine sind gleicher. Das Ding ist: Du kannst deiner Biographie nicht entkommen. Du kannst dich voll Nationalstolz aufblähen oder du kannst dich aus Wut auf dein Land sozusagen selbst expatriieren – es bleibt eine Auseinandersetzung mit dem, was du bist, wo du herkommst.
Um den Bogen zu schließen ist es eben das, was diese Debatte so spannend macht…
MADE IN GERMANY ist keine Wertung. Patrick und Nadine haben nie gesagt, dass Design aus Deutschland besser ist oder sauberer oder gründlicher. Sie haben verschiedene Texte zusammengestellt, auch sicher nicht mit dramaturgischer Sorgfalt, sondern einfach so, die mal kritisch sind, mal etwas naiv-anheimelnd, was beides okay ist. Made in Germany ist am Ende nur eine Absenderadresse, die ist neutral. Wie Made in China oder Made in U.S.A. Und da gibt es Unterschiede. Bentons Franklin Gothic sieht man an, dass sie eine amerikanische Schrift ist, und auch Schriften wie von House Industries würden in Deutschland so nicht entstehen, uns fehlt de Folie der vernacular culture. Fontdesign aus den Niederlanden ist anders als solches aus Italien, auch wenn Europa sich – olé Internet – immer mehr annähert. Es ist fast schade, aber zugleich eben auch spannend (uh, da sind sie wieder, die beiden Seiten, was du «postmodern» nennst), wenn nationale Nuancen aus dem Design verschwinden, Historie im Schmelztiegel von ffffound auftaut und plötzlich von überall her der International Style oder eben Retro daherkommt, ohne Wurzeln, wenn durchaus reiche gestalterische Historien einfach vergessen werden. Schade, und eben doch spannend, weil ein nie zuvor möglicher internationaler Austausch und eine gegenseitige Befruchtung und Inspiration, ein ungeahnter Zugriff auf stilistische Quellen, möglich geworden ist – ein dann in der Tat etwas postmodernes Mix-and-Match-Rekombinat verschiedenster (oft nicht ganz verdauter, so sind die Designer) Elemente, ein Appropriation ungeahnten Ausmaßes, gegen den sich jedes Urheberrecht albern ausnimmt. Gute Sache, immerhin hat Peter Saville schon fleißig bei… Jan Tschichold geklaut. Oder beim russischen Konstruktivismus. Wie Brody ja übrigens auch… es geht heute nur bequemer. Design hat schon immer geklaut, über alle Grenzen hinweg, fasziniert – und das ist eben der Reichtum der Sache – von den verschiedenen nationalen, künstlerischen Einflüssen. Denn es gibt, kein Zweifel Unterschiede zwischen Konstruktivismus, Bauhaus und De Stijl, bei allen Gemeinsamkeiten. Es gibt Vielfalt. Und ich zumindest finde es manchmal schade, dass man zu den auch positiven Sachen, die wir zu dieser Vielfalt beisteuern können, keinen Bezug hat.
Textkonvolut 3000. Wie gut, dass ich morgen off bin, oder?
Oh… and yes, Pop WILL Eat Itself.
Mal abgesehen von meiner spannenden Technik, durch reine brutale LÄNGE rhetorisch die «Gegenseite» (Ben und Sandy sind keine Gegner, ganz wichtig) zu ermüden, finde ich es eigentlich gut, wenn ein Mag ganz unschuldig durch den Titel solche Debatten entzündet. Allein das ist eine tolle Sache.
Und Ben, Sandy – ich glaube klar ist ja, dass wir uns in der Sache – Gewalt gegen Ausländer zum Beispiel – ganz klar auf einer Ebene befinden. Was wir hier betreiben ist, und das ist ja auch mal toll,einfach ein bisschen Debatte um der Debatte willen. Liest eh kein Mensch mehr mit. Wir können jetzt auch einfach anfangen, Maumau zu spielen :-D.
So, jetzt aber echt ins Bett, ich werd morgen in Frankfurt SO neben der Spur sein. Ihr seid alle Schuld!!!!
:-D
guten morgen, HD, ich hoffe du bist einigermaßen OK in frankfurt.
mir lag es fern dich persönlich anzugreifen, verstehe aber dass das trotzdem passiert ist, obwohl ich auch versucht hab drauf hinzuweisen dass es mir eher um denk- und sprechweisen generell ging. sorry für all die polemik, für unterstellungen oder das was du dafür verstanden hast und für ›gedankenlosigkeit‹ (damit meinte ich etwas schreiben/formulieren ohne die konsequenzen zu bedenken) meinerseits – das hat die debatte nicht leichter gemacht. dass du dich herabgesetzt fühlst tut mir leid und ist falsch, nicht meine intention gewesen aber ich verstehe dass einiges was ich geschrieben hab so aufzufassen war.
dass wir uns an den kragen gehen weil wir sachen missverstehen (wollen) obwohl wir uns im zweifelsfall tatsächlich in dem meisten einig sein dürften, könnte ja auch produktiv sein und vielleicht haben diese buchstabenmassen, neben allen persönlichen differenzen und konflikten, doch auch was konstruktives. wär ja vielleicht ganz ok.
und ja, lange texte schreiben die dann noch nicht mal gegenseitig (gründlich genug) gelesen werden, erweist sich wieder einmal als kommunikationskill.
hab nen guten tag in frankfurt.
noch mal ganz versöhnlich unpersönlich:
… http://www.youtube.com/watch?v=0JeeV9mOxrA
>mir lag es fern dich persönlich anzugreifen, verstehe aber dass das trotzdem passiert ist,
Alles gut. Ich hab mich nicht persönlich angegriffen gefühlt, aber ich reagiere immer etwas dünnhäutig, wenn Leute mich für rechts halten :-D.
Ich glaube, im Großen wie im Kleinen stehen wir ja total auf der gleichen Seite – und ich hab mich sehr gefreut über deinen engagierten, energetischen Ausbruch und die Leidenschaft darin, das ist doch TOLL. Ich bin nur älter und relativer, wahrscheinlich, das ist echt ein Ding der letzten zwei Dekaden. Und ich bin ja beileibe schon nicht ruhig oder relaxed :-D.
Erst mal doch toll, zu reden, sich auszutauschen, sich zu streiten (Streit ist TOLL, finde ich) und sich dann trotzdem gernzuhaben – was bei mir auf JEDEN Fall so ist!
Insofern keine Angst, ich bin nicht persönlich angegriffen oder hab jetzt von meiner Seite aus Differenzen. Alles gut – besser als!!!
Und Frankfurt war anstrengend, aber – wie immer – großer Spaß. Die Arbeit für Seckbach macht unglaublichen Spaß.