
Mittelmäßigkeit
Ein Diskussionsabend über Grau, den Durchschnitt
und die Mitte als das Gute.
Prof. Dr. Erik Schmid vom Fachbereich Design
der Hochschule Niederrhein, diskutiert mit
HD Schellnack
Donnerstag, 17.01.08, 20 Uhr
Krefeld, Fabrik Heeder
Virchowstraße 130 (Eingang C)
STUDIO BÜHNE II
Eintritt frei
… was ganz strange werden dürfte, weil ich dem Lob des Mittelmaßes und em Guten des Mainstreams wirklich nur völlig theoretisch und abstrakt etwas abgewinnen mag, ansonsten glaube ich eher, dass es immer dort spannend wird, wo etwas besonders häßlich/irritierend/provokant ist und dort, wo etwas wirklich schön, gelungen, perfekt ist. Ich mag die Mitte nicht so. Der kommerzielle Erfolg liegt natürlich für bestimmte Produkte und Dienstleister genau in diesem Segment, aber generell gilt nach wie vor – das Abgekupferte, das Vertraute, das Allzubekannte, das Nicht-Herausfordernde muss man ja nie erklären, und das TVProgramm, als Manifest des kleinesten gemeinsamen Nenners ist ja fast schon unter Mittelmäßigkeit – dass in der Mitte der Straße eben doch die meisten Tiere überfahren werden. Ich würde meinen Klienten zumindest nur ungern Mittelmaß verkaufen wollen und ich denke, wer mit uns arbeitet ist selten mittelmäßig. Ich mag Grau als Farbe, da bin ich Aicher-geschädigt, aber dem Durchschnitt kann ich wenig abgewinnen. Ich mag Steve Reich lieber als Tokio Hotel und worauf sich viele Menschen einigen können, das ist mir meist suspekt. Auch in der Arbeit versuchen wir immer, Kunden dadurch von ihrer Konkurrenz abzuheben, dass wir sie besonders machen, ermutigen, gegen den Strom zu schwimmen – macht man das strategisch richtig, kann man in kurzer Zeit enorme Austiegsgeschichten entwickeln. Profilierung kann nicht durch Mittelmäßigkeit stattfinden. Wie viel Bullshit in der Mitte der Gaußschen Glockenkurve produziert wird, die weder richtig mies noch richtig gelungen ist, sieht man immer wieder schon bei Crowdsourcing-Logowettbewerben, aber auch bei Pitches. Die größte, permanente, kreative Angst ist doch, genau in diesem nichtssagenden Mittelfeld zu landen – insofern werde ich da in Krefeld wohl nicht als Advokat des Mainstreams auftreten. Wird entsprechend trotz nur zwei Leuten auf der Bühne mit verdächtig ähnlicher Frisur hoffentlich ein spannender Abend…
10. Januar 2008 10:49 Uhr. Kategorie Leben. 16 Antworten.
> versuchen wir immer, Kunden dadurch von ihrer Konkurrenz abzuheben, dass wir sie besonders machen, ermutigen, gegen den Strom zu schwimmen …
*seufz* aber die wollen nicht. die wollen echt nicht – hier jedenfalls. neustes beispiel: logodesign für eine fahrschule.
er: “machen sie mir ein logo aber es soll nicht auffallen”. ich: “ok, aber ich habe dann angst das sie in der masse untergehen.” er: “hmm, da haben sie recht – machen sie mir trotzdem ein unaufälliges”.
ähm, ok. klar, eine fahrschule muss keine clipartautos, lustige ampeln oder bunte verkehrszeichen im logo haben aber ein design ala ‘mercedes benz’ sauber und mehr oder weniger mit mit dem charakter eines internationalen unternehmens, also etwas was keinem weh tut – ich weiss nicht. wenn ich ‘ne fahrschule bräuchte würde ich zu der gehen die ich mir optisch eingeprägt habe … egal ob durch quietschegrüne autos oder sonstwas.
das ist schon der zweite kunde in diesem jahr der nicht auf einen hören will – der erste war ein optiker dem wir ein pfiffiges logo verpasst haben, erst gefiel es, dann als er es mit nach hause genommen hat (gaaaanz großer fehler – nie entwürfe zum diskutieren mitgeben) kam er wieder mit ‘nem logo das seine nichte in corel gemacht hat. eine avantgarde und eine alter kneifer in orange grau. YES! dachte ich. wir haben den ca. noch 3x versucht davon zu überzeugen das die das nicht machen können, haben denen soage einen broschüre von uns über dinge die ein gutes CD haben muss mitgegeben … naja, was sagt erik immer – jeder bekommt das design das er verdient.
dabei versteh ich das echt nicht, ich meine ich höre doch auch auf den optiker wenn der mir was empfiehlt. aber die denken alle in anderen kategorien, da ist die farbe im neuen laden an der wand wichtiger als das eigene logo.
wenn das dieses jahr so weitergeht … na prost mahlzeit.
ich finde in der tat, ein Logo sollte dezent sein. Logos, die laut sind, nerven schnell. Bei Corporate Design muß man in Jahren, denken – leider nicht mehr wie früher in Dekanden, auch CD ist allzu schnelllebig geworden, leider.
Unsere Arbeiten sind grafisch ganz oft eher still, nicht alles, aber ich tendiere mehr und mehr in Richtung Cahan, Meiré meinethalben auch. Ich mag Design nicht, dass auffallen will um aufzufallen. Visuell dezent, aber irgendwie ordentlich gedacht, das mag ich. Damit meine ich nicht mal den auch nicht mehr so neuen Neominimalismus (à la »we do everything in helvetica»). Ich mag es, wenn man als Designer Kurator ist. Gute Photos, gute Texte, gute Illustrationen zusammenstellt und diese Wirken lässt, wie ein Innenarchitekt. Wirkung erzielt, ohne den Scheinwerfer auf das DESIGN zu richten, dass nach wie vor unsichtbar wirken kann. Das ist eine hohe Kunst, finde ich nach wie vor, an der ich selbst oft genug scheitere und mit der nahezu jeder Student Probleme hat, die machen alle sehr designzentriertes Design, nicht so sehr ideenzentrierte Gestaltung.
Insofern würde ich bei einer Fahrschule als erstes Fragen: Logo? Wieso? Wofür? Das sind alles so Selbstverständlichkeiten geworden, wie Grafik Design zu funktionieren hat. Erscheinungsbilder sehen alle gleich aus, weil keiner einen Schritt zurück geht und sagt: Joah, so machen das alle… wieso eigentlich? Dabei geht es nicht um gute oder schlechte Gestaltung, sondern um die Frage, WAS überhaupt. Eine Idee und ein strategisches Nachdenken über Ziele und Medien sollte der reinen Stilistik vorhergehen, denn machen wir uns nichts vor – die richtige Schrift, ne nette Bildmarke… das ist doch alles eigentlich recht einfach, wenn die Idee einmal da ist.
Das ist für mich selbst durchaus eine Falle. Ich grübele teilweise so lange über – dem Klienten kaum mehr kommunizierbare – Hintergründe der Gestaltung, dass ich mich an dieser Stelle oft auch festbeisse und Writers Block bekomme. Ich habe eine Broschüre für einen wirklich lieben Kunden monatelang schleifen lassen, weil mir die IDEE fehlte. Gestalterisch hätte ich die so oder so in zwei Tagen fertig, aber ich mochte es nicht, sie ohne IDEE zu machen. Als ich die Idee hatte, waren wir in 14 Tagen fertig, das finale Layout sogar in 12 Stunden. An der IDEE, die Text und Bild zusammenhält, habe ich mir nächtelang die Zähne ausgebissen. Da fehlt mir zunehmend auch die Entspanntheit eines jungen Mannes, der einfach postmodern Bilder und Texte zusammenknallt, Hauptsache es schaut gut aus, und fertig.
Insofern bin ich immer dankbar, wenn Kunden uns nicht als Grafikdienstleister mißverstehen, denn davon ist nodesign weit entfernt. Wir funktionieren zwar auch auf der Ebene spitze, aber den größten Erfolg hat ein Kunde mit uns, wenn er auf Augenhöhe spielt, uns als externe Berater – nicht umsonst habe ich ursprünglich auf Unternehmensberatung studiert – als Innovatoren, als Change-Agents begreift. In den Fällen, wo beide Seiten mutig sind, passieren in relativ kurzer Zeit enorme Erfolge. Das hat dann rückblickend gar nichts mit dem Design zu tun, sondern eher mit einem generellen Gefühl von Bewegung und Dynamik, von dem Gestaltung nur ein kleiner Teil ist. Man brennt gemeinsam – und wenn Richtung und Geist dann stimmen, stellt sich der Erfolg fast unweigerlich ein. Du kannst dann nicht rückblickend sagen: Joah, wegen dem und dem Plakat hat das damals geklappt, es ist viel mehr ein Gesamtsog, ein Flow. Ich habe dieses Erlebnis – dieses gegenseitige UrVertrauen – gottseidank mehrfach in meiner Laufbahn gehabt, und die dadurch entstehende Aufwärtsspirale, die weit jenseits von Auftraggeber/Dienstleister liegt, ist die lange Suche nach solchen Momenten immer wert – für beide Seiten.
Ein Kunde, der dir klar vorschreibt, wie ein Logo auszusehen hat, der keine Debatte über das WARUM eines Logos führt und dich behandelt wie ein Gutsherr seinen Dienstboten behandeln würde, hat dann leider nicht begriffen, welche Chancen die Zusammenarbeit mit einem guten Designer für ihn SELBST bedeutet. Jemand der hier qua «Wer zahlt hat Recht» einen Override fährt, der geschmäcklerisch entscheidet («Dunkelblau mag ich aber mehr»), kriegt sicher das Design – wie du sagst – dass er verdient, aber leider nicht das Design, das sein Unternehmen,seine Zukunft und sein Erfolg verdienen würden. Design ist kein Ziel, sondern ein Weg. Und wer Designer auch nur für eine Sekunde als etwas anderes als eine Mischung aus Futuristen, Schamanen, Unternehmensberater, Psychologen, Soziologen, Ökonomen und Motiviationsspezialisten hält – und denkt, unser Job besteht im Schieben von Pixeln und Beziers – der schießt sich am Ende nur in die Füße. Die wirkliche Designarbeit ist die, die am Ende gar nicht nach Design aussieht. Der Sound von Texten, das Feeling von Bildern. Schlicht und ergreifend das nervige, für beide Seiten anstrengende BESTEHEN auf Qualität. Das ist Design. Die Entscheidung zwischen AkzidenzGrotesk oder Knockout, zwischen gerippten oder ungerippten Papier, zwischen PMS 345 oder 347 ist doch völlige Nebensache, da liegt nicht die Magie des Erfolges.
Du bringst Erik als Beispiel.
Erik, Bruce Mau, Tibor Kalman, Peter Saville – die sind im Grunde alle keine GrafikDesigner. Kalman hat nie selbst etwas gestaltet, und auch Erik formuliert es eher so, dass er Leute zusammenbringt, Ideen (mit)entwickelt, katalytisch wirkt und Sachen ins Rollen bringt.
Denken können. Ideen haben. Visionen entwickeln.
Das ist Designerjob.
Alles andere, und das sage ich als jemand, der sich selbst manisch um Details wie Zeichenabstände kümmert bei Sachen, die hier rausgehen, ist ein Job für Mediengestalter.
Wir bei nodesign, wenn der Zeitdruck nicht zu derbe wird, biegen uns rückwärts für minimale Details in Bildretusche und Typographie. Aber was wirklich wichtig ist, immer sein wird, was wirklich über Erfolg und Mißerfolg entscheidet: Kommunikation von möglichst einzigartigen und ansteckenden Ideen. Bewusstseins-Design.
RM: zu dieser art klientel habe ich eine kleine »theorie«.
die eine sorte leute leben in einem sehr beschränkten erfahrungshorizont, sie fressen nur das, was sie kennen. neues ist unsicherheit.
die anderen haben zwar auch ihren erfahrungshorizont, sind aber bereit mindestens an die grenzen zu gehen. da macht die arbeit auch richtig spass.
d.h. im klartext der ottonormalminikunde, wie deine fahrschule gehört in den allermeisten fällen zur esten gruppe. die kannst du nur bedienen, alles andere reibt dich nur auf. oder um es noch drastischer zu sagen, diese leute gehen eigentlich auch nur zu designern, die entweder richtig billig sind, oder eben diese art von visuell-schrott produzieren, die dann aber ebenfalls in dieser einen gruppe sind. man ist da auf einem level und die bereich der maximalen sicherheit wird nicht verlassen.
die frage ist eigentlich nur, zu welcher gruppe gehören die leute. wenn man schafft das herauszubekommen ist das die halbe miete.
du kannst dich natürlich auch fragen, wie du an diesen kunden gekommen bist. das kann ja durchaus gründe haben. vielleicht kann man was ändern?
ich habe, wie wahrscheinlich alle hier, schon solche gespräche gehabt mit exakt diesem ausgang, sogar die avantgarde-corel -kombi war dabei für einen dachdecker. am ende war der sauer, weil der meines, wortwörtlich, »nicht verstanden« hat, das war ihm zu »intellektuell« und er hatte den die übliche »handwerker: alles, was ich anbiete muss ins logo« nummer. und dabei war der portfolio-technisch richtig gut. sanierung/restauration von alten dachstühlen etc.
ich habe für mich beschlossen diese sorte kunden nicht zu betreuen, den frust und die undankbarkeit für aufwand etc. erspar ich mir.
ich habe absolut nichts gegen dezente logos, aber man muss unterscheiden was du für wem machst.
versuch mal einem dachdecker davon zu überzeugen sein rotes dach aus dem logo zu entfernen, er wird dich nicht verstehen. wobei die fahrschule wirklich kein logo haben wollte, die wollten nur einen schriftzug (da habe ich mich schon gefreute) denn auch der kann ja etwas haben und zusammen mit den restlichen medien einen gewissen wiedererkennungwert aufbringen. naja, jetzt heben sie sich auch von dem rest ab, in dem sie garnicht auffallen – ich weiss nicht. fahrschulen sind ja jetzt ach nicht die kunden die massig anzeigen schalten oder so. die fahren halt den ganzen tag mit ihrem auto durch die gegend und da sollte man ansetzten. nein, wir wolltem dem kein quietschgrünes auto verkaufen.
das nächste ist, das hier auf dem ‘dorf’ die leute anscheind noch nicht bereit sind. das merke ich immer wieder. hier könntest du dich wirklich mit den kleinsten veränderungen riesen dinge bewegen, den wir sind nicht in dresden oder gar berlin wo du dich immer wieder gegen mitbewerber, bunte und laute dinge durchsetzten musst, (trotzdem haste hier 6 optiker und 10 fahrschulen) hier könnte man mit wenig viel erreichen – die leute raffen es aber (noch) nicht.
ich will dem kunden ja auch nichts aufdrücken was er dann nicht ist (nichts ist schlimmer) aber wenn sie etwas besser an sich arbeiten würden, sich mal selber fragen: “wo wollen wir hin, was wollen wir sein” etc. dann kann man darauf aufbauen – ist aber nicht so. genau das ‘dunkelblau mag ich aber nicht’ hast du dann. an dieser stelle habe ich schon gar keinen lust mehr weiter zu diskutieren weil ich schon weiss worauf es hinaus läuft und das ist das was mich nervt, weil ich den job einfach liebe und eigentlich der ansprechpartner dafür bin … meistens kämpfst du aber doch gegen windmühlen.
@ thomas. naja nicht zu bedienen macht das leben zwar leichter aber von irgendwas muss der designer ja leben. ;-)
aber ich gebe zu ich habe das schon öfters auf die spitze getrieben. auch schon soweit bis der kunde nicht mehr zurück gekommen ist, weil ich sein hässlischen 90er-jahre-swash so einfach nicht umsetzten wollte, ihm natürlich erklärt habe wieso und auch gute entwürfe dazu abgegeben habe … das war ihm dann zuviel. wie kann ich IHN den kritisieren und überhaupt. fazit: »wir melden uns« jetzt haben sie ihren swash und ich bin froh das ich nicht gemacht habe und er die rechnung für die entwürfe bezahlt hat.
> und auch Erik formuliert es eher so, dass er Leute zusammenbringt, Ideen (mit)entwickelt, katalytisch wirkt und Sachen ins Rollen bringt.
und genau das funktioniert halt nicht. egal ob du ihm nur denkansätze lieferst,
ihm konkrete vorschläge lieferst oder versucht mit ihm über sein/mein design zu
reden … wenn du einen kunden mit null ahnung und null ansprüchen hast (oder
diese von ihm falsch gesetzt sind) kann ich auch nichts mehr machen. wenn der
kunde null auf dich hört, dann fragst du dich schon – was läuft hier verkehrt? er oder ich?
>dann fragst du dich schon – was läuft hier verkehrt? er oder ich?
…dann fragst du dich schon – was läuft hier verkehrt? er oder ich?…
ich denke das, wenn es zu solchen “abstoßungsreaktionen” kommt, eigentlich nur die unverständlichkeit des kunden gegenüber dem angebotenen produkt ausgedrückt wird. dabei kommt für mich die frage auf, wurde das konzept auch wirklich einleuchtend erklärt? wurde der kunde vorher eingehend nach seinem wünschen befragt?
ich denke das man allzu oft dazu neigt, ein sehr verkopftes design zu kreieren, was eigentlich nur noch für uns designer zugänglich ist und dabei das funktionale zu vergessen. der ottonormalverbraucher versteht es dann natürlich nicht mehr und reagiert mit unverständnis oder abwehr darauf.
da er sich nur in seinem “designbereich” bewegt, der bereich zwischen word und corel und arial und times, welcher weit weniger visuell geprägt ist (unterbewusst natürlich von den designer, bewusst aber nicht), als der von uns designern, die ständig (ich gehe mal von mir aus und setze das für alle vorraus) und überall vergleichen und analysieren und somit ein visuelles konzept eher entschlüsseln können als ottonormalo.
ich denke das man öfter auf “schwächste glied” in der kette, den kunden achten und hören sollte und sich nicht (vielleicht auch mehr oder weniger unterbewusst) aus narzistisch geprägten motiven in die aufgabe zu stürzen – der red dot könnte ja winken (mal sehr überspitzt dargestellt).
ein einfaches konzept, was der kunde auch versteht und eine einfache, aber nicht billige oder gar mittelmäßige umsetzung des projekts schaden in solchen fällen, wie ihr sie angeführt hattet nie (ich kann natürlich nicht beurteilen wie eure sachen aussahen und das konzept war).
ich hatte noch nie so einen fall, würde aber, wenn es denn dazu kommen würde, entweder alles noch einmal überdnken und vielleicht noch einmal bearbeten oder bei völliger blockade des kunden “leb wohl” sagen und auf das weiterarbeiten notfalls verzichten (entwürfe natürlich zahlen lassen)…
Ich persönlich liebe ja Kunden wie Dachdecker und sowas, auch wenn die nie zu mir kommen :-D. Ich hatte mal eine Ballonzauberin, das war ziemlich spannend.
Ähm, es hat nichts mit dem Beruf oder so zu tun, sondern wirklich mit dem WOLLEN der Leute. Es hat auch NICHTS mit deren Kenntnis von Schriften zu tun, sondern mit dem WOLLEN im Hinblick auf die eigene Firma. Ein Kunde, der nicht nach vorne gehen will, der sich nicht weiterentwickeln will, der braucht im Kern auch keinen Designer, sondern einen Visitenkartendruckautomat. Das hat nichts mit Otto Normal oder dergleichen zu tun, nichts mit Branche, nichts mit irgendetwas außer mit dem Menschen, der dir direkt gegenübersteht, der Träume und Ziele hat, Ehrgeiz und Drive, Leidenschaft und Humor… oder eben nicht. Es gibt immer und überall Leute, die mehr wollen, die hungrig sind. Die nicht nur Theater machen, um ihr Haus voll zu kriegen, sondern was zu sagen haben, die nicht nur Zahnarzt sind, weil sie Geld verdienen wollen, sondern weil sie Leuten Mut zum Lächeln machen wollen, die nicht nur eine Fahrschule betreiben wollen, sondern junge Leute mobil und mutig machen wollen…
das gibts immer. Diesen Unterschied kannste als Designer nicht HERSTELLEN, aber er ist da, du merkst ihn sofort und du kannst das auch sofort spüren und hervorstreichen. Entrepreneure, Macher, Träumer, Überzeugungstäter. Egal woher die kommen, egal wieviel die von Design wissen — mit denen kannste IMMER was auf die Beine stellen.
HD. das wollte ich sagen. ;-) schön, das du es verständlich gemacht hast.
> mit denen kannste IMMER was auf die Beine stellen.
genau. und wenn ich die nicht hätte, hätte ich den job wahrscheinlich schon an
den nagel gehangen. aber man hat ja auch kunden die einem freude bereiten,
da merkst du die haben ehrgeiz, ideen und wollen was bewegen genau wie
du auch und mit denen kannst du auch ganz anders kommunizieren.
@ denis, ich galueb nicht das wir solche kopfdesigns abgeben, kann mich jedenfalls
nicht erinnern. nichts ist schlimmer als wenn du vor einem design sitzt, was du nicht
kapierst und erstmal überlegen musst was sich der designer dabei gedacht hat.
natürlich fragen wir den kunden nach seinen wünschen, die meisten wissen aber
selbst nicht was sie wollen, was ja nicht schlimm ist, allerdings sollte man dann
versuchen gemeinsam was zu erarbeiten.
>ich denke das man öfter auf “schwächste glied�? in der kette, den kunden achten und
>hören sollte und sich nicht (vielleicht auch mehr oder weniger unterbewusst) aus
>narzistisch geprägten motiven in die aufgabe zu stürzen – der red dot könnte ja winken
>(mal sehr überspitzt dargestellt).
Oh Jesus. Ich hab noch nie einen Job gemacht und dabei gedacht: So, jetzt muss mal n Award her. Und Jobs wie von Thomas beschrieben geben das schon gar nicht her. Ich kenne auch keinen Designer, der das ernsthaft als Ziel hat. Ich krieg schon Zahnweh, wenn ich den Spruch von Kunden höre, ein Designer der dieses Argument selbst ins Feld führt, tut echt allerdings mal echt weh.
Dahinter steckt der fehlerhafte Denkansatz, dass der Designer sich über den Kunden stellt. Was an sich genauso falsch ist – und so gut wie nie passiert – wie die Asymmetrie des Kunden, der sich in Gutsherrenmanier über den Designer stellt – was leider häufiger vorkommt, wer zahlt wähnt sich in der Hierarchie eher oben. Der einzig richtige Weg ist der Runde Tisch. Kommunikation, Diskurs, Argumente. Jeder bringt sn den Tisch, was er hat, denn beide haben ja etwas zu bringen. Als Designer bis du auf den Klienten angewiesen, denn nur er kennt sein Metier, außerdem ist einer der großen Benefits des Jobs, ganz viele verschiedene Menschen in verschiedenen Metiers kennenlernen zu dürfen und in diese einzutauchen. Ohne den Klienten keine Idee. Weswegen ich mit Pitches so Probleme habe – hier gibts ein paar Worte, vielleicht ein Briefing und dann sollst du machen. Ich brauche aber Gespräche, Kontakt, Sondierung, etwas Romanze vor dem ersten Sex. Als Designer bringst du Neugier und Enthusiasmus an den Tisch, eine Außenseiterperspektive und jede Menge ästhetisches und gestalterisches KnowHow, letzten Endes eine Vorstellung davon, welchen «Sound» man am Ende haben kann. Es geht auch in jeder anderen Konstellation von Hierarchie, aber wirklich den meisten Erfolg hat der Kunde selbst – und darum gehts – wenn er ohne vorgefertigte Meinung und ohne «So, Dienstleister, jetzt mach mal» an den Tisch kommt und Pingpong spielt. Die Ergebnisse solcher Ko-Autorenschaft sind immer tiefer und räsonierender, ergo erfolgreicher als alle anderen Methoden. Machst du als Designer blind herum, wird es vielleicht grafisch toll, aber es hat keinen Inhalt, keinen Bezug zum Klienten, kein Fundament., es kommt einfach Stangenware, die auch zu jedem anderen Klienten gleicher Branche passen würde. Schau dir mal Werbung an – die ist so austauschbar wie sie oft ist, weil die durch Pitches entsteht. Da kannste den Namen auswechseln und es passt auch zur Konkurrent. Es gibt keine Einzigartigkeit. Nutzt der Kunde den Designer nur als Grafikroboter, fehlt die Seele, die Energie, der Funke, der Kunde kriegt nichts neues, sondern nur matten Durchschnitt. Letzten Endes ist es dann eine Gestaltung OHNE Design. Das ist, als würdest du in ein Restaurant gehen und selbst in die Küche marschieren und kochen oder dem Koch präzise vorgeben, was er wie zubereiten möge. Was du dann essen wirst mag so gut oder schlecht sein wie deine eigenen Kochkünste (nicht mehr wirklich die des Kochs im Restaurant) – aber wirklich überraschen, deinen Horizont transzendieren, dich herausfordern, dich also auch weiterentwickeln und geschmacklich auf neues stoßen kann es nicht mehr. Du hättest genausogut zu Hause kochen können oder in jedem beliebigen anderen Restaurant.
… dass in der Mitte der Straße eben doch die meisten Tiere überfahren werden …
Wunderbar. Für diese Sätze liebe ich dich!
Ein sehr gelungener Abend.
Danke für den Diskurs.
Viele gute Ansätze, gesunde Ansichten und eine durchweg gelungene Diskussionrunde machen Spass auf mehr.
Diplom 2008.
Auf ins Abenteuer oder auf die Mitte der Straße.
da muss ich carsten in allen punkten recht geben.
prof. schmid ist auch ein sehr interessanter typ!