Im aktuellen KulturSpiegel ist ein Interview mit dem US-Medienwissenschaftler Lev Manovich, der wunderbar zu meinem alten Mashup-Eintrag paßt. Manovichs These ist, vereinfacht, daß der Computer als medienhomogenisierendes Werkzeug den in den 70ern und 80ern in der Musik begonnen Trend von Rexmixing und Sampling auf alle Arten kreativen Schaffens überträgt. Da bei Musik, Film-Postproduktion, Design und Architektur gleichermaßen mit Software gearbeitet wird, verschwimmen die Grenzen zwischen den einzelnen Disziplinen, der postmoderne Stilmix, die Zitatästhetik, wird zur gesamtkulturellen Arbeitsmethode, der Computer zur «Petrischale», in der bestimmte Techniken nahtlos für die verschiedensten kpnstlerischen Anwendungen eingesetzt werden können. Das Ergebnis ist ein schnelleres Überspringen der DNA (bzw der Meme) von einem Bereich zum anderen, eine tiefgreifende, fast genetische Veränderung von Medienarbeit und unserer gesamtgesellschaftlichen Ästhetik. Manovich reißt außerdem kurze Ideen über Blogs und die Demarkationslinie zwischen Amateuren und Profis. Hochspannender Artikel!
3. August 2006 11:26 Uhr. Kategorie Design. 6 Antworten.
“…die Demarkationslinie zwischen Amateuren und Profis.”
Das würde mich interessieren.
Zum Rest, den Du beschreibst muss ich ehrlich sagen: Das Menschen immer Vergleiche ziehen müssen und in der Vergangenheit gemacht Dinge oder Objekt aus anderen Jahrzehnten herbei zitieren nervt mich ein wenig.
Ein Computer ist ein Computer und keine Petrischale. Jedes hat für sich seine Daseinsberechtigung, Definition und vor allem seine Zweck. Eine Petrischale kann ganz andere Dinge als ein Computer und umgekehrt. Und Evolution ist doch etwas Wichtiges.
Manchmal denke ich es gibt Menschen, die möchten Beweisen (evtl. auch weil sie einer älteren Generation angehören), dass alles schon mal da war… da steckt so ein bisschen Missgunst drin finde ich.
Ich glaube, die Petrischale ist als Metapher gedacht gewesen ;-) Soll heißen, hier gedeihen Kreuzungen von zB Arhcitektur und Dsign oder Avantgarde-Kunst und Film, weil solche Ausdrucksformen mit dem gleichen Tool entstehen. Manovich führt zB als Beispiel an, da inzwischen Tiefenschärfeeffekte aus der Photographie auch im Animationsbereich oder im Film auftauchen, einfach weil es vom Werkzeug Computer her machbar ist.
Die Demarkation zwischen Profi und Amateur sieht Lev sehr deutlich, zum einen weil im profibereich, etwa in Film und Musik, immer neue ästhetzische Grenzen gezogen werden, die man mal eben am Laptop oder mit einfachem DV nicht nachziehen kann. Auf der anderen Seite findet er es hochspannend, daß mit Garageband und Youtube, mit der verwackelten Ästhetik von Laienphotos ein Art ganz neuer Spielplatz emergiert, der den Profis Konkurrenz macht. So sieht er zB in der Photographie die Tendenz zu immer perfekteren, makelloseren Photos im Probereich, denen die Handy-Ästhetik der Amateure entgegensteht.
Lev Manovich kannte ich bisher nicht. Danke! Bin grade auf einen anderen seiner Texte gestossen, in dem er eine wunderschöne, treffende Metapher verwendet:
»The dramatic increase in quantity of information greatly speeded up by Internet has been accompanied by another fundamental development. Imagine water running down a mountain. If the quantity of water keeps continuously increasing, it will find numerous new paths and these paths will keep getting wider. Something similar is happening as the amount of information keeps growing – except these paths are also all connected to each other and they go in all directions; up, down, sideways…«
»… den in den 70ern und 80ern in der Musik begonnen Trend von Rexmixing und Sampling auf alle Arten kreativen Schaffens überträgt…«
Den Aspekt finde ich furchtbar spannend. Ich beschäftige mich zur Zeit etwas mit dem Thema Remix/Mashup im Zusammenhang mit Grafik Design und hab mich deshalb einfach gefreut, auf Deinen Beitrag hier zu stossen. Da ich jetzt weiss, dass Dich das Thema auch interessiert, lass ich es Dich wissen, wenn meine Geschichte spruchreif ist, ja?
Gern. Ich nerve meine Studenten ja gern mit diesme öden Vortrag über dne Zusammenhang von Musik und Design ab den 60s. Und der Remix ist heute sowohl in Musik wie auch im Design einfach Standard. Manchmal irgendwie auch schade.
Wenn dir Manovich gefällt.. check Douglas Rushkoff ab und natürlich Rick Poynor.
Aight :)
Isses auch hier: http://www.spiegel.de/kultur/kulturspiegel/0,1518,429390,00.html