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DER EWIGE GÄRTNER

Endlich mal wieder Kino, wenn auch mit Der ewige Gärtner einen etwas älteren Film, aber dafür nice and smooth mit Nina und Bene und Kirsten im Lichtburg Open Air. (Kaltes) Popcorn, guter Kaffee, frische Luft, schöner Background, und nette Leute da. (Hallo Annika, ich werd mir deinen Namen zu merken versuchen und dich nicht mehr Anette nennen. Das ist nämlich wer anders und die seh ich heute.)

Wo war ich? Der Film. Gedreht von Fernando Mereilles, dem Meister hinter City of God, fängt der Film im Vergleich mit dem Mereilles’ Debutfilm seltsam langsam an, mit einer schön unerklärten Rückblende, die im weiteren Verlauf des Films hilft, die Grenze zwischen Realität und Surrealität immer weiter aufzuweichen, bis man kaum weiß, wann der britische Diplomat Justin Quayle (großartig von Ralph Fiennes gespielt) seine verstorbene Frau Tessa (Rachel Weisz) in retrospektiver Erinnerung sieht oder sie nurmehr herbeihalluziniert. Die politische Aktivistin Tessa, damit beginnt der Film, wird ermordet, weil sie Beweise in einem Pharmaskandal in Afrika hat und wir folgen Justin bei seinem Versuch, den Mord aufzuklären. Diesen recht nichtssagenden Plot – der sich nicht nur nach «John le Carré» anhört sondern auch tatsächlich von David Cornwell stammt und der zwar fiktiv, aber von tatsächlichen Geschehnissen inspiriert ist– verleiht Mereilles im Verlauf des Films mit der zunehmenden Eskalation der Handlung einen ästhetischen Feinschliff, der schnell aus dem 08/15-Thriller ein unerhörtes Juwel macht, das sich nicht vor moralischem Kitsch scheut, diesen aber aufrecht und mit straightem Gesicht verkaufen kann. Die beeindruckende, wirklich grandiose Kameraarbeit von César Chalone (erkennbar eben auch der Cinematographer von City of God), die nie vor Experimenten zurückscheut und ein unglaubliches Gespür für Bildaufbau und Design hat, sowie der wundervolle suggestive Schnitt von Claire Simpson, dem es mehrfach gelingt, wunderbare Anschlüße und Übergänge zu schaffen, sind für die Atmosphäre des Films vielleicht wichtiger als alle Darsteller zusammen und schaffen es die oft unlogische und durchhängende Geschichte zum Leben zu erwecken. Psychologisch dicht fängt die Kamera Quayes zunehmende Paranoia, seine Unruhe ein, mit schnelleren Schnitten, jedes Auto, jedes Gesicht eine Bedrohung. Mr Hitchcock, how did you do it? Um dann, zurück in Kenia und später im Sudan, mit ganz anderen Farben, ganz anderem Tempo die Zivilisation zu verabschieden. Man kann die Kameraarbeit dieses Films gar nicht genug loben. Die Handlung, sieht man davon ab, daß der Protagonist am Ende am Turkana-See aufs malerisch Wundervollste stirbt, gänzlich unheroisch und unnötig und unlogisch und gerade deshalb seltsam glaubhaft, würde normalerweise gerade für einen mittleren Tatort reichen, die Regie und die Cinematographie (gemeinsam mit der stets pulsierenden, stets emotionalen Musik, die dich immer an und in der Hand hat) macht den Film zum Geschenk. Beileibe nicht auf dem Niveau von City of God, das die stärkere und ambitioniertere Story aufweisen darf, aber für einen «großen» Film sicher herausragend. Es gibt ein paar Durchhänger, ja, Längen, ja, peinliche Momente, ohhh ja. Der Film hat zahlreiche Mängel. Aber wie Mereilles die Geschwindigkeit der Geschichte zu steuern vermag, langsam anfängt und dann gnadenlos, leidenschaftlich, aufs Gas geht, Komplexität erzeugt, wo viele andere Regisseure einen platten Thriller abgeliefert hätten, Emotionen nicht scheut, sondern schürt und kontrolliert, engagiert seine Botschaft auf den Punkt bringt, immer wieder in kurzen eingeschobenen Details über die reine Pflichtarbeit hinausgehend ein bitteres Portrait von Afrika zu liefern vermag, um dann am Ende die perfekte Coda zu liefern – beeindruckend.

6. August 2006 02:09 Uhr. Kategorie Film. 2 Antworten.

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