HD Schellnack /// Kontakt iPhoto Twitter s90 Typographie Pop Alternative Aktionen nodesign Apple Licht Photographie Fail Denken Natur Dayshot Fragen Belletristik Software Winter Studium Medien Vernacular Fun Comics Werbung iOS Farbe Gesellschaft Print Web ScienceFiction Electronic Zukunft Magazine Frühling Jazz Hardware Kitsch Drama Retro Klassik Sommer Zitat Herbst Fantasy Sachbuch Kunst Emma Organisation Kultur

Deftones: Diamond Eyes

hd schellnack

Es ist natürlich ein Problem für jede Band, das eine perfekte Album schon längst herausgebracht zu haben. Oasis oder auch Bloc Party hätten nach dem Debut eigentlich schon aufhören dürfen, und die Deftones haben mit «White Pony» sicherlich ein im Grunde nicht mehr zu überbietendes Album herausgebracht. Auf ihrem sechsten Studioalbum zeigt sich die Band aber durchaus nach dem etwas mauerem letzten Album vor fast drei Jahren wieder gewillt, den eigenen Gipfel noch einmal erklimmen zu wollen. «Diamond Eyes». Nachdem die Band das im Grunde fertig eingespielte «Eros»-Material mit dem 2008 verstorbenen Bassmann Chi Cheng ins Regal stellte und ein ganz neues Album einspielte, scheint es einen Befreiungsschlag gegeben zu haben. Obwohl der Titeltrack sehr nach dem epischen Pop-Metal der Deftones klingt, entfaltet das Album eine Bandbreite, die der Vorgänger einfach nicht hatte und kann mit CMND/CTRL zumindest für die Strophe sogar wieder richtig Biss entwickeln. Aggressiv, wütend, traurig, episch, mit Blick für das ganz kleine Sounddetail ebenso wie für die bandtypische große Geste, schlagen die Deftones hier eine Brücke zwischen Melodie und Wucht, die im Metal seltener geworden ist. Das Problem der Band – die große Selbstähnlichkeit der meisten Songs, die immer wieder ein ähnliches Thema zu variieren scheinen – löst «Diamond Eyes» natürlich nicht, aber das Album klingt frischer und lebendiger als etwa «Saturday Night Wrist», und zeigt die Band absolut in Kontrolle des eigenen Klangs, dem immer wieder neue Nuancen abgetrotzt werden. Obwohl es immer wieder Momente gibt, die ein wenig vertraut klingen, ist andererseits auch immer wieder spürbar, wie neues Territorium erobert wird, wie Riffs und Sounds einen deutlichen Tick härter werden, wie die Band ihr Melodrama mit mehr Wut ausstattet. Chino Morenos Vocals fliegen wie immer über die Klippen und Abgründe der Metal-Landschaft unter ihm, die selten so zerklüftet und harsch war wie bei «Rocket Skates», dem zweifellos bestem Track des Albums, das insgesamt einen mitreissenden Trip durch eine ebenso unbewohnbare wie hinreissende Landschaft bildet. Man hört, dass dieses Album schneller entstanden ist als der Vorgänger, mehr gemacht als gedacht ist. «Diamond Eyes» ist kein experimentelles Album, sondern eher eine Definition des eigenen Sounds, eine Rückversicherung, ein Beweis der eigenen Lebensenergie, die Reaktion auf Chengs Koma, die Konsolidierung als Reaktion auf einen externen Schock. In einem Moment, in dem dem die Band sich gepflegt hätte auflösen können, findet sie in ihrer reinsten Form neu zusammen, ohne den eigenen Sound zu hinterfragen, ohne sich kaputtzudenken – und das Ergebnis ist ein Album, das «White Pony» nicht nur das Wasser reichen kann, sondern es zumindest streckenweise fraglos übertrumpft.

29. Dezember 2010 18:45 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Eine Antwort.

1 Antwort

Antworten

Schreibe eine Antwort, oder hinterlasse einen Trackback von deiner Site. Antworten abonnieren.


Creative Commons Licence