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DEATH CAB FOR CUTIE: NARROW STAIRS

Death Cab for Cutie haben sich über die Jahre von der Indie-Band zum Mainstream-Act in erschreckender Coldplay-Nähe gespielt. Solche Vereinnahmungen lösen in jeder besseren Band unweigerlich den Wunsch nach Ausbruch aus. Die den Vocals von Ben Gibbard harmonierende eher elegisch-melancholische Musik, die Plans komplett dominierte, ist auf Narrow Stairs entsprechend eher rockigen Live-Sounds gewichen. Der Opener Bixby Canyon Bridge macht klar wo es hingeht: Auf den gewohnt ruhigen Einstieg folgen verzerrte Bässen, cymballastige Drums und ein Gitarrencrescendo, das die Softie-Dans von Death Cab deutlich verstören dürfte. Von der sonnenuntergangsleuchtenden Trauer der Band ist hier wenig geblieben, man fühlt sich eher an Radiohead erinnert, auch wenn der zweite Track – die Auskopplung I will possess your heart – dann doch im soliden Fahrwasser dessen bleibt, was im Radio laufen kann und der vielleicht schwächste Track des Albums ist. Aber insgesamt ist Gitarrist und Producer Chris Walla eine seltsam erdige Platte, eine sehr amerikanische Platte, gelungen, die ungewohnt unproduziert klingt, sehr direkt, oft etwas düster oder seltsam und insofern sehr gelungen. Gibbard und seine Band klingen sehr relaxt und springen fast durch sämtliche Indie-Guitar-Sounds der letzten Dekaden, auf eine verspielte Art, in der fröhliche Pixies-Artige Gitarren mit eher düsteren Texten kombiniert werden oder ausgedehnte experimentelle Soundstrecken die Möglichkeiten der Band ausreizen. Waren Death Cab auf Plans in Gefahr, in der Falle ihres eigenen Sounds höängen zu bleiben, scheinen sie sich auf Narrow Stairs sehr bewusst austesten zu wollen, ein Experiment, das gelingt, weil die Vocals und die sehr prägnanten Harmonien, die alle Songs von Death Cab seit den ersten Tagen durchziehen, einfach noch da sind und die usik bei allem Experiment eben doch ganz eindeutig immer noch Death Cab ist. Ich liebe es, wenn eine Band ihre Flügel spreizt, und wegfliegt vom kommerziellen Erfolg (ein Klassiker in der Popbranche seit den Beatles), und obwohl die Platte nicht der harte Bruch ist, den man sich vielleicht erhofft haben mag nach den ersten Interviews und Andeutungen aus dem Studio, ist sie unbedingt eine gelungene Erweiterung des Weidegebiets von Death Cab for Cutie, das eigentlich ab dem zweiten Album abgegrast zu sein schien. Es ist beachtlich, wenn eine Band sich auf ihrem sechsten Album nicht auflöst, sondern neu erfindet, nicht in REM-artiger Selbstwiederholung verharrt, sondern zumindest versucht. zu neuen Ufern zu paddeln. Narrow Stairs wirkt folk-rockiger, eben amerikanischer, und wirft der fröhlichen Besinnlichkeit der Death-Cab-Songs eine Schaufel Dreck zu, die den Songs eine neue Ehrlichkeit verleiht. Einerseits seit 1999 unverändert in der Grundmischung von Fröhlichkeit und Pessimismus, wirken Death Cab selbstbewusster, breitschultriger. Der überwiegende Teil des Albums bleibt dann doch allzu soft weghörbare Musik für die Neon-Generation, von der sehr wenig hängenbleibt, so dass der Versuch, vom eigenen Sound wegzukommen, am Ende eben vielleicht doch scheitert, Narrow Stairs der Versuch eines Ausbruchs ist, den die Band aber selbst vereitelt, weil sie zu sehr in ihren eigenen Möglichkeiten gefangen ist, eben nicht mehr kann als immer schon konnte. Aus meiner Sicht hat die Band ihre besten Songs in der Unschuld der ersten beiden Alben gemacht – und den allerbesten als B-Side versteckt-, und auch der etwas etwas härtere Sound von Narow Stairs wird natürlich nichts mehr daran ändern, das Gibbard, Walla und Co längst zu Konsensband geworden sind, aber es ist gut zu hören, dass die Band den Weg zur Stadionband nicht geht, ohne sich zumindest etwas gegen den eigenen Erfolg und die Beliebigkeit zu sträuben.

18. Juni 2008 09:27 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

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