
David Fridlunds 2002 erschienene CD Until the Sadness is Gone bringt einen fröhlichen EthnoPop, mit leichten Klezmer-Anklängen, englischen Texten und einem relativ durchgehenden Mix aus Gute-Laune-Sommerfeeling und Songs mit mehr als einer guten Prise Melancholie. Trompete, Klarinette und seltsame Percussioninstrumente halten die an sich sehr bandorientierte Indie-Mixtur spannend und lebhaft. Vieles hört sich an wie Get Well Soon mit sehr viel mehr mehr Adrenalin (Graycoated Mornings) oder wie straightere Kaizers Orchestra (Long Days). Es ist fast seltsam, dass der Musik so wenig von ihrer schwedischen Heimat anhaftet, die Musik wirkt global, vermischt die verschiedensten Einflüsse und wird so unverortbar. Wie silbrige Fische durchgleiten die verschiedensten musikalischen Vorbilder und Einflüsse (Belle & Sebastian, Violent Femmes, Jam, Nick Cave und und und) den Soundmix von David & The Citiziens, werden aber nie so dominant, dass es störend wirkt und von dem unverschämten Gute-Laune-Effekt der Band ablenkt, der seinerseits nicht den Blick dafür verstellen sollte, das die Band mehr hergibt als nur fröhliche Power-Pop-Hooklines, sondern auch die eher dramatische Tonlagen bedienen kann (As You Fall). Obwohl die Songs sich in einem klaren konzeptionellen Gerüst bewegen – schrammelnde Akustikgitarren, treibende Schlagzeuge, tanzende Bässe und darüber jede Menge Ethno-Akzente, zusammengehalten von einem unglaublichen Gespür für glasklare Strophen und eingängige Refrains – wird das Album nie langweilig, jeder Song treibt in eine etwas andere Ecke des Folkpop-Spielfeldes und bereichert die Platte, ohne jemals aus dem Ruder zu laufen. Aus jedem Song perlt Lebensfreude – und das obwohl die exzellenten Texte durchaus ernst zur Sache kommen und mit ihrem Schwermut häufig fast kontrapunktisch zur Musik laufen. Keine neue, aber eine extrem feine Platte, die heute so aktuell und frisch klingt wie vor sechs Jahren, jenseits allen Hipstertums, und perfekt in die Jahreszeit passt.
3. August 2008 14:49 Uhr. Kategorie Musik. 2 Antworten.
EthnoPop? Wie gut, daß ich die schon vorher kannte, sonst wär ich jetzt abgeschreckt gewesen…
Nicht?
ich versteh schon: man kann sich auch eine jamaiikanische Dance-Band oder Ofrah Haza drunter vorstellen :-D. Aber Klezmer und andere Elemente sind eindeutig Ethno – und die Musik an sich ist halt so der typische Alternative, also dass, was ich Popmusik nennen würde.