Ein Song, den ich nicht mehr klar mit einem bestimmten Moment verbinden kann, ist Heartbeat (Tainai Kaiki II) von David Sylvian und Ryuichi Sakamoto. Glasklar, dass mindestens ein Lied von Sylvian in die Topliste emotionaler Soundtrack-of-my-Life-Songs gehört. Sakamotos wundervoll reiche Komposition von 1992, gemeinsam eingesungen mit Sylvians späterer Ehefrau Ingrid Chavez, die er bei den Aufnahmen zu diesem Track kennenlernte. Mal ganz abgesehen, dass die Beziehung der beiden wie aus einem Carroll-Roman entsprungen ist, macht Chavez Stimme im Mittelteil des Songs (It speaks to ghosts…) eine Magie aus, die fast unübertreffbar ist. Sylvians Bariton und Chavez schwerelose, fast schwebende Stimme, Sakamotos perlendes Klavier, der pulsierende Herzschlag unter dem Song, das ganze grandiose meditative Arrangement… der makellose Popsong schlechthin.
Es gibt nicht DEN biographischen Moment für diesen Song, wie bei London Calling oder All is Full of Love, aber dieser Song ist an sich ein Moment. Immer wieder. Bewusst gehört ist da jedesmal diese traurige Leichtigkeit, diese Mischung aus Melancholie und Euphorie. Ich hab das Lied hundertemal gehört und kann es noch unzählige Male hören, von der ersten Bassdrum bis zum finalen Voice-Sample, dieser perfekte Loop, dieser für immer perfekt geschlossene Ring von einem Lied, und die emotionale Wucht lässt nie nach.
Du weißt nie, ob du bei diesem Lied losweinen möchtest oder von einer inneren diffusen Sehnsucht erfasst bist, die dein Herz fast zum Zerspringen bringt. Ich hab beides schon gehabt. Der Song ist wie ein Schlüssel zu einer ursprünglichen, primordialen Liebe, zu Trauer und Glück in einem seltsamen vereinten Urmoment. Es ist, als habe Sakamoto die gesamte sich anbahnende Liebe von Sylvian und Chavez in einen einzigen Song komprimiert, inklusive aller Euphorie und Trauer, aller Potentiale, die diese neue Beziehung schon im Moment ihrer Entstehung in sich trug. Ein Lied, das man nur relativ laut und ideal über Kopfhörer hören sollte, um in die Stimmen, die Klänge hineinzukriechen. Das mit jedem Hören wächst und wächst.
Jedesmal, wenn ich diesen Song höre, fühle ich mich frisch verliebt.
I see the lines in the palm of its hand now
I listen hard but no words spring to mind
And it sounds so sweet, listen to its heartbeat
And I’m drowning in its sea
Falling at its feet
Listen to my heartbeat baby
And the blood sail leaves tonight
Fated in its blindness
And it won’t be long before help is at hand
And the darkness sleeps
Cushioning the heartbeat
And I killed the captain, sank the fleet
To liberate the heartbeat baby
And it sounds so sweet
And it sounds so sweet
Listen to our hearts beat
And the darkness sleeps
Cushioning the heartbeat
And I’m drowning in its sea
Falling at its feet
Listen to my heartbeat baby
It speaks to ghosts and souls alike
Springs to life, and doesn’t think twice
Wrapped in the blood sail
Bathed in snow
Nailed to the source and it won’t let go
Fed on the bible, grown from trees
It opened the mind and the heart was free
A home in the silence, safe from sound
Where trouble sleeps and the light is found
7. Januar 2007 18:38 Uhr. Kategorie Musik. 6 Antworten.
na wenn hier schon die rede von den soundtrack-of-my-life-Songs ist, dann fange ich gleich mal mit einem album an, dass bei mir zur zeit hoch und runter, längs und qwertz aus den boxen in meine gehörgänge wandert: joanna newsom ist mit “y´s” zwar kein geheimtip mehr, aber das album “milk-eyed mender” fand ich damals auch schon wie etwas nie zuvor gehörtes. so ging es mir bisher nur bei björk und sigur ros. “walnut whales” fand ich aufgrund des miserablen masterings (zumindest auf vinyl) weniger stark, aber “Y´s” gibt genügend antworten. für mich zumindest.
Ys kommt noch als Review. Vorweg: Mir hat van Dyke Parks etwas leidgetan. Aber kann eine neue Platte schon ein Song für dein Leben sein?
was mich seit jahren immer wieder fertig macht, jedes mal aufs neue, ist »roads« von portishead. weit davon entfernt ein geheimtipp zu sein und allgemein bekannt als pure melancholie bringt mich das lied immer in eine ganz eigentümliche stimmung.
so voller leid und so zerbrechlich klingt beth gibbons’ stimme dass es einem fast das herz zerreißt. das wabernde rhodes am anfang, die schleppenden beats und dann noch on top die streicher – alles wahnsinnig simpel aber großartig arrangiert. »was muss die frau in ihrem leben schon gelitten haben…« frage ich mich jedes mal beim durchhören des – für mich – einzigartigen »dummy«-albums.
ich bin sehr darauf gespannt, was geoff barrow, beth gibbons und adrian utley uns dieses jahr mit dem langerwartetem, dritten portishead-album bringen werden. ein aufguß der 90er sachen wird es wohl garantiert nicht werden.
“aber kann eine neue platte schon ein song für dein leben sein?” ich würde sagen ja. beim hören der songs weiß ich, dass mich diese musik ein paar tage meines lebens begleiten wird …
ah, okay. Kann ich verstehen. Mir geht’s aber eher um so Classics. Deshalb auch eher wenig echte Klassik und Jazz, weil Pop durch die Mischung von Musik, Gesang und vor allem durch die Bedeutung in der Vergangenheit meist aufgeladener ist.
grad in diesem moment höre ich dieses lied und kann nur alles bestätigen was darüber von dir geschrieben wurde….