
Dave Matthews ist in den USA ein stadionfüllender Superstar, den ich wirklich gern mal mit großer Band in Deutschland sehen würde, weil seine Songs, seine Arrangements und vor allem die Interaktion seiner Co-Musiker für absolut mitreißende Konzerte sorgen. In Deutschland ist Matthews nicht so bekannt, was vielleicht erklärt, dass er hier nurquasi als PS zu der Europatour mit der Band mit einem kleinen Acoustic-Set tourt, dass er gemeinsam mit seinem langjährigen Partner, dem aus Deutschland stammenden Ausnahmegitarristen Tim Reynolds, bestreitet. Das Kölner E-Werk ist ein seltsamer Rahmen, zumal unbestuhlt und randvoll, für eine Bühne mit zwei älteren Herren und Akustikgitarren, aber das vergisst du schnell, wenn die erst einmal loslegen. Den Anfang des Gigs am 13. haben wir prompt verpasst, wie immer auf ein verspätet anfangendes Konzert setzend, weil Matthews und Reynolds hyperpünktlich wirklich um Acht anfangen. Rückblickend sinnvoll, da das Konzert fast zwei Stunden und 45 Minuten dauert. Die beiden arbeiten sich mit viel Spaß durch ein Best-of-Set von Matthews, lassen auch die Coverversion von Daniel Lanois’ The Maker nicht aus, die fast fest in Matthews Liveset gehört. An die Stelle der komplexen Arrangements der Song setzt Matthews hier auf viel Kontakt zum Publikum, die Barriere, die bei großen Livegigs solcher Megastars unausweichlich da ist, scheint weggewischt, Matthews albert mit dem Publikum, sucht den Dialog, scheint zu improvisieren und ne Menge Spaß zu haben, vor allem wenn er von George Bushs Plastic Asshole erzählt und versucht es ihm geräuschvoll zu klauen… vielleicht waren in seinem Tee aber einfach auch nur wirklich Magic Mushrooms. Reynolds erweist sich in diesem kleinen Rahmen als der Ausnahmegitarrist, der er nun mal ist. Mit Delay und anderen Effekten zieht er aus seiner Gitarre eine Vielzahl von Sounds, die zwischen Mandoline und Synthesizer wandern, und immer wieder legt er ausgedehnte Soli hin, die der Saal mit frenetischem Applaus feiert. Reynolds ist hier alles andere als der Begleitgitarrist, er steht als gleichwertiger Star auf der Bühne und sorgt für mitreissende Momente, in denen für einen Acoustic-Gig mächtig die Kuh fliegt. Nachdem in letzter Zeit ja irgendwie in den Gigs der Wurm drin war – Razorlight und Snow Patrol gar nicht gesehen, Killers nur halb – war es cool, mal wieder in ein ausgezeichnetes Konzert zu gehen. Nur doof, dass ausgerechnet März/April, also wenn man die Nächte durcharbeitet, so viele exzellente Konzerte anstehen, man müsste fast täglich nach Köln fahren derzeit….
Das Photo stammt übrigens aus dem besuchenswerten Flickr-Set von von Cranker.
16. März 2007 11:13 Uhr. Kategorie Live. 5 Antworten.
[...] Bei Dirk sah ich gerade dieses Bild des Konzerts von Dave Matthews und Tim Reynold und es hat mir ob seiner Schlichtheit wirklich sehr gefallen. Das Photo ist von Cranker. Sowohl ihm als auch dem Bühnendesigner muß ich zum Geschmack gratulieren. [...]
»Nachdem in letzter Zeit ja irgendwie in den Gigs der Wurm drin war – Razorlight und Snow Patrol gar nicht gesehen, Killers nur halb [...]«
Darf ich fragen, warum The Killers nur halb? Ich wäre gerne auf das Konzert gegangen, hatte aber leider keine Zeit. Hab ich etwa nichts verpasst?
Mal abgesehen davon, dass mir bei den Killers echt das Publikum einfach schon ZU derb Eins Live war, hätte ich so extrem nicht erwartet… ging es Steffi den ganzen Abend nicht gut. Kreislauf. So standen wir erst vorn am Rand, dann hinten, wo mehr Luft war, dann saßen wir noch vorm Konzertsaal, und sind finally endgültig so nach ner Stunde gefahren, weil sie nicht mehr konnte. Das Konzert an sich war ganz gut, die Band hatte ganz offensichtlich Spaß und rotzt ihre Songs live ganz druckvoll von der Bühne. Wie Steffi so nach 45 Minuten sagte: «Mein Gott, haben die NUR Hits?» Ich denke, wäre sie okay gewesen und man wäre deutlich weniger nüchtern und sehr viel tiefer in der Moshzone gewesen, hätte der Gig schon Spaß gemacht. Aber so wars auch toll, sie heile nach Hause zu bringen und etwas zu bemuttern ;-).
Danke für die Antwort :-) Also doch was verpasst – ich hab es geahnt.
Mal abgesehen davon, dass mir bei den Killers echt das Publikum einfach schon ZU derb Eins Live war
Ja, so was macht der Erfolg – manchmal schade das deswegen die Qualität solch einer Band nicht mehr wahrgenommen wird, weil in Indie-Kreisen einige behaupten das wäre schon Mainstream.
Aber so wars auch toll, sie heile nach Hause zu bringen und etwas zu bemuttern ;-).
Das ist auch wichtiger als irgend ein Konzert.
Mainstream oder nicht ist mir ja egal, aber ein Saal voller gröhlender und die Arme in die Luft reckender… ach egal.
Und klar ist das wichtiger. :-D