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Danny Goldberg: Bumping into Geniuses

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Wenn Danny Goldberg von der Musikbranche schreibt, schaut man einem Insider über die Schulter, der weiß, wovon er redet, immerhin hat Goldberg unter anderem für Led Zeppelin, Springsteen und Nirvana gearbeitet. Sei es als Talentmanager, PR-Profi, Plattenlabelchef, Journalist oder Filmemacher, Goldberg sollte aus dem Rocknroll-Geschäft einiges zu berichten haben. Das tut er in Bumping into Geniuses leider aber kaum. Bei Led Zep und Nirvana kann man einen schleierhaften Blick auf die Tragödien und Zickenkriege hinter der Rockfassade erhaschen, ansonsten bleibt Goldberg allzu oft in einer Art biographischer Selbstvermarktung haften, die das Buch seitenweise einfach langweilig macht. Dabei kommt Goldberg durchweg als ein nice guy rüber, der so bescheiden und sympathisch, wie er sich hier schreibt, angesichts seiner Karriere wohl kaum sein kann, und Bumping ist durchweg eine leichte, unterhaltsame Lesekost, in die der ehemalige Billboard-Autor gekonnt eigene Spannungsbögen einzubauen vermag. Fast unbemerkt bildet er über seine eigene Karriere die Entwicklung der Rockmusik zu einer stärker und stärker von PR und Marketing gesteuerten Finanzmaschine um, bei der es allen Beteiligten, Labels, Presse und eben vor allem auch den Künstlern selbst primär um Erfolg und Anerkennung geht und wie selbst große Acts sich verbiegen, um radiotauglich zu werden oder die Presse glücklich zu machen. Goldberg gelingt das Kunststück, die zynische Verwertungsstrategie der Branche irgendwie spielerisch und leicht aussehen zu lassen, selbst wenn er dabei etwas unbeholfen auf die Leichen am Straßenrand aufmerksam macht – die massiven internen Streitereien bei LedZep oder Cobains Selbstmord etwa, die auf die Schattenseite eines Business, das auf hohem Leistungsdruck und einer fast perfiden Mischung aus Selbstausbeutung, Individualität, Kreativitätsdruck und brutalen Anpassungsmechanismen basiert. Es ist wunderbar böse, wenn Goldberg ganz nett und locker darüber schreibt, dass sich selbst ein «integerer» Musiker wie Springsteen von einem Album zum anderen balladiger entwickelt, um mehr Airplay zu bekommen. Insofern mutiert Goldbergs Blick auf die Rockmusik-Industrie zu einem vielleicht unfreiwilligen Blick unter die Motorhaube einer Branche, die sich rebellisch und cool gibt, aber alles andere ist und die in weiten Bereichen nicht weniger als menschenverachtend tickt.

Wer eine «früher war alles besser»-Denke im Bezug auf die Rockmusik pflegt, wird hier brutal eines besseren belehrt, wenn Goldberg seinen an großen Namen reichen Zug durch die Rockgeschichte macht und von Dylan bis Warren Zevon die permanente Produkterneuerung, die ständige individuelle Suche nach einer Aussage, in einen trockenen Kontext von Public Relations, Presse und Geld rückt. Wer sich auch nur oberflächlich mit modernem Musikbusiness auskennt, weiß, dass hier von Glamour wenig die Rede sein kann und es ein durchaus verdammt trauriger Job sein kann, vor allem, wenn man nicht Stadien füllt, sondern irgendwo im Mittelmaß herumkrebst. Man kann hier sehr schnell sehr viel Geld machen, aber auch sehr schnell sehr hart untergehen. Goldberg berichtet von diesen Prozessen als Insider mit einer Art amerikanischer Fröhlichkeit, die oft im krassen, mitunter bizarren Gegensatz zu dem steht, worüber er da eigentlich schreibt, und diese Schere macht das Buch an sich interessant, der unsichtbare Subtext, das ungesagte, die Abgründe unter Goldbergs fröhlichen Berichten. Sichtbar wird eine Welt, wo sich selbst kleinste Acts dem Gesetz des kleinsten gemeinsamen Nenners unterordnen und selbst die großen Stars gehetzt und unglücklich wirken. In der sehr oberflächlichen und oft gehetzt wirkenden Selbsterzählung seiner Karriere, in der Goldberg die großen Stars wie Staffagen auftreten lässt, wird – sicher ungewollt – deutlich, wie sehr die Musikindustrie eben tatsächlich eine Industrie ist, die mit einer hochvolatilen Ware handelt, die die Egos der Stars übertrieben pflegen muss, und die zugleich aber auch absolut oberflächlich, gnadenlos brutal und zynisch werden kann, weil sie weiß, das in der Verwertungskette immer ein anderer Anwärter steht, der nur darauf wartet, die Maschine zu füttern. Es ist fast ein Wunder – und dieses Wunder bekommt das Buch nur ansatzweise zu greifen – das immer wieder trotzdem Produkte entstehen, die über Dekaden hinweg zahllose Musikfans berühren.

6. April 2010 12:20 Uhr. Kategorie Buch. Tag , . Keine Antwort.

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