
Nach etlichem Hin und Her 2010 endlich auch offiziell veröffentlicht, nachdem mit Mark Linkous im März des letzten Jahres eine Hälfte von Sparklehorse verstarb, ist «Dark Night of the Soul» genau das, was der Titel verspricht: Ein nur von wenigen Lichtscheinen («Little Girl», «Angel’s Harp» und «Pain») durchbrochener Trip in die schwarzen Untiefen eines Musikers, dessen Freitod deutlich macht, dass grandios traurige Musik eben auch einen hohen, einen unter Umständen ultimativen Tribut fordert. Das mit zahlreichen namhaften Folk- Psychedelia- und Indiestars eingespielte Album liefert den Soundtrack zur Introspektion, verletzte und verletztende Musik, denen man die lange Produktionszeit anhört und die dennoch spontan und frisch wirken. Das sicher beeindruckendste Stück des Albums ist der letzte und zugleich namensgebende Track, gesungen von David Lynch, der klingt, als hätte man die Essenz aller Lynch-Filme (und aller Lynch-Soundtracks) auf einen einzigen, schleppenden Song konzentriert, der so dunkel und so schwer ist ein ein Schwarzes Loch. Schleppende Gitarren, elektronisches Ambient-Gekratze und die stellaren Gast-Vokalisten machen dieses Album zu einem absoluten Must-Have, und es überraschend, wie kohärent diese mitternächtliche Anthologie trotz der so unterschiedlichen Sänger klingt, wie homogen das Ganze zusammenkommt. «Dark Night» ist wie ein Sammlung von Kurzgeschichten verschiedener Autoren, die mal härter, mal weicher schreiben, aber sich doch so stilistisch auf ein Thema konzentrieren, dass man nie ganz sicher weiß, wo Einflüsse beginnen und enden, wo das Eine in das Andere fließt, wer Steuermann und wer Ruderer ist. Es ist etwas schade, dass ein so dunkles und doch so erhebendes Album nun nur Nachruf zweier großartiger Musiker sein kann und Mark Linkous der Trick nicht gelungen ist, sich an seiner eigenen Kreativität aus dem Sumpf der Depression zu ziehen…
28. Januar 2011 13:14 Uhr. Kategorie Musik. Tag Alternative. Keine Antwort.