
Nachdem das britische Duo Jim und Alison Shaw, das in den Neunzigern mit einer ganzen Serie von EPs und Longplayern von sich hören machte, lange Zeit von der Bildfläche verschwunden schien, überrascht es jetzt mit einem neuen Album, das aber leider eben wenig überrascht. Während die Cranes vor allem auf den ersten EPs von fast experimenteller Vielfalt – stets zusammengehalten von Alisons kinderhafter Stimme – lebten, erinnert das neue Album im Grundtonus sehr an Future Songs, die lange Pause seit Particles and Waves ist fast unmerkbar. Die Stücke sind vielleicht noch einen Hauch introvertierter geworden, bereits der erste Track Diorama, der wie ein Überbleibsel aus der elektronischen E-Musik der sechziger Jahre anmutet, stimmt darauf ein, kontrapunktiert von dem dann fast bandartig eingespielten und von einer lauten Akustikgitarre dominierten Worlds. Es scheint, als wollten die Cranes eine Art Best of anbieten, mit Songs, die an Future Songs gemahnen und anderen Tracks, deren Arrangements weiter an die Anfänge der Band zurückreichen – aber der Versuch ändert wenig daran, dass die Songs auf Cranes eine gewisse Selbstähnlichkeit haben – Grooves, Harmonien, Gesang – die das Album zugleich hypnotisch fesselnd machen, aber eben auch keinen einzelnen Track wirklich herausragen lassen. Wo andere Alben der Cranes bei aller halluzinogenen Qualität immer auch Dynamik und Leben hatten, wirkt Cranes eher durchgehend meditativ, die perfekte Musik zum Einschlafen, keine Disharmonie, keine Kakophonie, die dich aus dem Schlummer reißen will.Ob mit Band arrangiert oder nach Laptronica klingend, die Tracks schweben im vertraut dumpfen klerikalen Hall, in pulsierenden Echowolken, hinter denen wie Sonnenstrahlen der stets leicht lispelnde Gesang von Alison, gerne auch im Dubover-Chor mit sich selbst, aufblitzt. Störend sind dabei eigentlich nur die oft wirklich Lagerfeuer-simplen Gitarren-Akkorde, die sich zu stumpf vorwärtsschrammeln und denen es an der Eleganz der Keyboards einfach mangelt.
Cranes ist ein verblüffend unambitioniertes Comeback, Essenz einer Band, die sich auf ihrem Weg gefunden hat und nicht mehr viel nach links oder rechts die Abhänge hinab zu schauen scheint, sondern entspannt nach vorne geht. Dass ein (vielleicht der beste ) Track des Albums Sleepwalking heißt, ist dabei fast programmatisch. Man mag die oft fast nach schnell hingeworfenen Songskizzen klingende Platte furchtbar langweilig finden oder bezaubernd meditativ, reduziert einfach oder uninspiriert – und vielleicht sogar je nach Laune beides zugleich. Die bezaubende Naivität der frühen Cranes und das düster-triphoppige Cinemascope von Future Songs kriegt die neue Scheibe nicht hin, klingt zugleich aber klarer, konzentrierter, im besten Sinne unmoderner als etwa Loved oder Forever, die stets versuchten, sich an Trendsounds der 90s anzudocken. Das neue Album ist eine Sammlung von Notturnos, monochromatische Reisen in die verregnete Welt der Shaw-Geschwister, die vielleicht nie so klar wußten, wohin ihre Reise geht, wie auf diesem Album.
15. Februar 2009 10:51 Uhr. Kategorie Musik. Tag Pop. 4 Antworten.
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fuck. nodesign hat zugeschlagen. ich bin weg. ohne thematischen zusammenhang, wollts nur sagen
toller blog!
Wem der Mischkonsum von Alkohol und Internet nicht bekommt, der sollte eins von beidem weglassen. Wie man persönlich mit seinen Blog-Feeds umgeht interessiert niemanden, genausowenig wie unkonkrete Missfallensäußerungen. Wer keine Lust auf Polarisierung hat, der guckt sich halt was Anderes an.
Wenighstens war ich so clever und hab mein neutrales Kürzel verwendet. Sorry :)