
Die Comicbranche ist im Umbruch. Und nimmt, weil es ein schnell lesbares, «burst»-Medium ist, ein Zwitter zwischen Bild und Text, wie gemacht für eReading, die Entwicklung, die Büchern und Zeitschriften bevorstehen könnte, exemplarisch und hyperbeschleunigt vorweg…. Newsarama hat ein paar Stimmen dazu eingefangen – und zeichnet ein Bild, das so vielversprechend wie düster ist.
«I think they’re going to face the same sad fate of many small book stores, CD shops, and movie rental places». .. «Some will survive, that’s clear, but I think most won’t. I can’t see how trends of this size get reversed.» … «There is a market for this stuff, and it’s being served… “The real problem here is that it’s being served illegally and Marvel and DC (and many, many smaller publishers) are missing out on that money.»
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17. Mai 2010 14:14 Uhr. Kategorie Technik. Tag Apple, Comics, Medien, Zukunft. 19 Antworten.
Da passt vieles zusammen. Nicht nur das Format und die “Glossiness” des iPad passen zu den Comics, auch das Zielpublikum. Comic-Geeks lieben Gadgets, sind Early Adopters, die Verbreitung von iPads wird in dieser Gruppe überproportional hoch sein.
Viele Comicfreaks sind Sammler und nehmen ihre Hefte gar nicht gern in die Hand. Enter: the iPad.
Und wenn man sieht, wie gut Marvel sein App schon fürs kleine iPhone umgesetzt hat – das muss eigentlich erfolgreich sein.
Nein, Marvel macht es grundfalsch.
- Alte Hefte.
- DRM
- Anmeldung nötig
- Proprietäres, geschlossenes System
- zu hoher Preis
Richtig wäre:
- CBR/CBZ
- Abosystem mit automatischem Update
- Extras, direkt angegliederte Foren/Blogs/SocialMedia usw (analog zu alten Leserbriefen)
- übergreifendes System mit anderen Verlagen, evtl via Diamond/Previews/Longbox o.ä.
- Keine digitalen Mätzchen wie Animation.
- Kein DRM, komplett offenes Format, evtl. Mailwasserzeichen wie bei iTunes.
Marvel und Co müssen – wie TV-Anbieter – verstehen, dass sie mit allen Anwaltsscharen nie im Leben gegen den Strom der illegalen Anbieter ankommen, die am Tag nach dem Erscheinen ein Heft sofort online anbieten. Hier hilft ideal, den Usern, die zahlen wollen, um einen kreativen Inhalt auch am Leben zu halten, eine Möglichkeit ohne jedwede Hürden zu nehmen, die komfortabler ist als Torrents oder Rapidshare.
Christopher sagte am Samstag, es mache langsam Sinn, wenn ABC, Fox und Co auf ihrer Site einen PayPal-Donation-Button hätten, er würde gern überweisen, um manche Serien, die er nicht legal sehen könne, am Leben zu halten. Die echten Einschaltquoten haben nichts mit den tatsächlichen weltweiten «Grauschauern» zu tun. Wie TV muss sich Comic schnell und effektiv öffnen und sich nicht auf die Gefahren, sondern die Chancen konzentrieren. Die Verlage und Kreativen haben hier echte Möglichkeiten, der Zug ist noch nicht ganz aus dem Bahnhof.
Die Comics-Shops allerdings – ai ai ai. Da sehe ich leider schwarz.
http://www.wired.com/gadgetlab/2010/05/is-the-ipad-driving-e-book-piracy-and-does-it-matter
Ich denke, dass alles schnelllebige sich sein entsprechendes Medium suchen wird. Comics sind wie viele andere Kanäle auch, reine Unterhaltung, nichts von Bestand und Wichtigkeit. Höchstens für Sammler. Für diese wird es weiterhin gedruckte Ausgaben geben, da hier der physische und psychologische Bezug ein anderer ist, nämlich greifbarer Besitz. Natürlich ist es auch eine Frage der Gewohnheit. Wer mit einem iPad aufwächst, wird weder das Verlangen noch den Sinn dafür haben, sich eine Comicsammlung aus gedruckten Bänden zuzulegen.
Ähnlich ergeht es der CD oder DVD. Was hab ich mich am Anfang über MP3 aufgeregt. So seelenlos ohne Cover und Jewel Case. Mittlerweile höhre ich nur noch MP3s, besitze aber aus Gewohnheit, weil es für MICH dazu gehört, noch die reale CD. In der jüngeren Verwandschaft kippt bereits das Verhältnis und es werden deutlich mehr MP3s online bezogen, als CDs erworben.
Für den reinen Konsum, die schnelle Unterhaltung, ist der digitale Variante besser aufgestellt, da sie schneller auf den Markt reagiert und mehr Komfort bieten kann.
Beim Verlust realer Shops schreien sicherlich nur diejenigen mit Sammelleidenschaft. Ähnlich wie die Philatelisten als die selbstklebenden oder Online-Briefmarken eingeführt wurden.
Ich bin mal gespannt was am Ende übrig bleibt, ob die digitalie Abbildung der Realität nur ein Hype ist, oder ein logischer, technisch evolutionärer Schritt zu etwas ganz anderem. Auf der einen Seite sucht Homo sapiens befreit vom täglichen Überlebenskampf das Vergnügen, die Unterhaltung und auf der anderen Seite will er den Bestand, die Möglichkeit altes zu archivieren und zu konservieren. Bei letzterem ist Papier NOCH langlebiger als ein Dateiformat oder ein digitaler Datenträger und vor allem ohne Lesegerät lesbar.
>Höchstens für Sammler
Ist tatsächlich natürlich ein Faktor, wenn ich bedenke, was meine ToddMcFarlane-Spideys oder alten X-Men im Kern wert sein sollten – - – aber in Deutschland nicht sind mangels Nachfrage ;-).
Das Problem an MP3 ist das akustische Format. Ich vermisse sicherlich das Packaging – massiv sogar, bei iTunes sind die Informationen zu einem Album pervers gering, man weiß nichts, dass muss sich echt ändern, zumindest die PDF gehört einfach dazu – aber entscheidender ist, dass – wie Radio bis in die 70er/80er – das Format einen Sound prägt. Altes Radio hatte keinen Bass, MP3 hat keine Mitten und komprimiert wichtige Klanginformationen weg. Eigentlich bräuchte man ein Format, dass kleiner als FLAC aber effektiver als MP3 ist. Trotzdem: Bei über 1000 CDs kippt die Sache einfach und die Plastikdinger werden vom Spaß zur Last. Analog bei Comics – ein halber Keller voll Papier ist nicht lustig. Dann lieber 200 GB Daten auf einer Festplatte. Das ist einfach flexibler. Auch wenn man das eines Tages vielleicht bereut – was greifbar ist, vergeht auch nicht so schnell. Auf der anderen Seite – wenn die ewige Jagd gegen Online-Kopie mal aufhören würde, wären ja sozusagen ALLE Lieder und ALLE Filme und ALLE Comics permanent in einer Art Kulturpool, also immer da – im Netz wandernd. Ein derberes Archiv gibt es nicht. Du kriegst online zB alle Batman-Comics, von 1930 bis heute. Auf Papier nahezu undenkbar für den einzelnen Leser. Im Grunde ist die Chance da, das Netz zu dem Kulturspeicher schlechthin zu machen und einen ungeahnten globalen kreativen Reichtum zu teilen. Man muss nur ganz schnell Wege finden, wie die Erzeuger dieser Inhalte fair und gerecht an der Nutzungs Geld verdienen können. Bisher, so mein Eindruck, haben die Medienproduzenten, da die Realität nicht verstanden und produzieren Lösungen, die unweigerlich scheitern müssen, weil sie den Nutzer nicht verstehen oder sogar präkriminalisieren.
Bei den Shops – die haben sich doch schon längst vorher aufgelöst. Die kleinen, netten «High-Fidelity»-artigen Läden sind die totale Ausnahme geworden und durch Filiallisten ersetzt. Comic Shops sind hier tatsächlich die Ausnahme, die waren immer schon Long Tail, da gab es nie «die» Kette. Insofern gibt es da eine bessere Chance, zu reagieren. Wie immer das auch konkret aussehen mag. Denn wenn du deine Marvel-Comics via iTunes kaufst, kann sich der Händler auf den Kopf stellen. Aber hier kann man noch auf andere Sachen – Merchandise usw – umstellen und bei dem geringen Kostenpunkt, den solche Shops haben, trotzdem weiterleben.
Im Buchhandel hast du eine ähnliche Situation: Die kleinen Buchhändler werden durch große Ketten abgelöst, leider – und DIE machen lange vor dem eBook das «gute» Buch etwas kaputt, abgelöst durch Massenware. Über die Art, wie die Verlage selbst den Buchmarkt kaputtmachen, könnte ich drei Tage lang losmeckern. Es sind nicht digitale Medien. Aber das iPad, soviel ist klar, wird Raubkopien bei Büchern zu einem Thema machen – vorher gab es kein Lesegerät und niemand zieht sich Bücher, um sie am Laptop zu lesen. DAS wird sich ändern – und man kann nur hoffen, dass die Branche gegen den eigenen Ruf schnell und offen und einheitlich reagiert, bevor es andere tun.
—ZITAT—
Before we continue, let’s address a few myths:
1. DRM will eliminate piracy. This is completely false. Pirated content is always going to be available, whether we allow it or not.
2. Pirates are stealing our customers. Most likely, the person who is downloading pirated content wouldn’t consider buying it in the first place. Piracy is not an alternative to retail, it is a parallel eco-system.
3. Publishers will make more money by enforcing stricter DRM. I argue that this, too, is false. In fact, I think if we leverage the marketing possibilities of DRM-free content, we would end up making more money in the long run.
—ZITAT—
http://toc.oreilly.com/2010/05/is-drm-more-costly-than-piracy.html
>Most likely, the person who is downloading pirated content wouldn’t >consider buying it in the first place.
FALSCH! Das ist derzeit so nicht – es gibt derzeit Content, den du gar nicht digital kriegst, außer eben illegal. Weil die Anbieter sich scheuen, ihn digital anzubieten, die Raubkopie-Anbieter aber freilich nicht. So entsteht ein Schattenmarkt. Ganz klar gesagt: Ich zahle derzeit für LOST bei iTunes Geld. Weil hier endlich eine US-Serie in Echtzeit legal angeboten wird. Und weil ich will, dass ABC damit Geld macht und weiter mutige Formate unterstützt, geb ich gern 3 Euro – obwohl ich 1,99 angemessener fände :-D. Flashforward hat diesen Luxus aber beispielsweise nicht – und wird eingestellt, weil ABC keinen globalen Erfolgsmaßstab hat. Natürlich wird Lost auch jetzt weiter illegal heruntergeladen, zumal die iTunes-Lösung absolut schlecht gemacht ist von Apple, aber immerhin existiert hier erstmals eine legale Alternative (die leider auch DRM hat, totaler Unsinn!)
Die Anbieter werden erst dann Erfolg haben, wenn sie komplett auf DRM verzichten – abgesehen eventuell von Watermarking in der Datei, um den ursprünglichen Besitzer festzuhalten. Alles andere ist Bullshit. Aber ist ja seit jeher so: Als Besitzer legaler Spiele musst du zig Codes eingeben (Handbuch, Seite 13, Zeile 4 – oder erinnert sich noch jemand an diese genialen Farbcharts? Horror). Als Besitzer legaler Software musst du Dongles und CDs einlegen oder abstruse Aktivierungsdateien auf deinem Rechner akzeptieren, die dein RAID zerschießen (CS3).
Als Crack-User? Nichts von alledem. Cracks haben andere Nachteile (neben der reinen Illegalität), aber zumindest ersparen Sie dir die Paranoia der Hersteller.
DRM-freier Content, weit verfügbar, zu einem FAIREN Preis ist ein Erfolgsmodell. Je fairer der Anbieter mit seinem Kunden umgeht, umso mehr wird dieser das Angebot nutzen. Der App-Store von Apple (ja, ich weiß, auch hier gibt es Raubkopien) ist ein Beispiel wie das gehen kann.
Apropos Apple – hier wird sich zeigen, dass deren eigene Paranoia sich auch gegen den Anbieter wendet. Ich denke, mit dem iPad werden Jailbreaks zunehmen. Multitasking (echtes, wohlgemerkt), kabelloses iTunes-Syncing, Expose und andere Nettigkeiten sind einfach Argumente, wenn Apple nicht sehr schnell seine Politik ändert. Auch hier entsteht eine Parallelwirtschaft, weil der Anbieter an den Bedürfnissen seiner Kunden vorbei agiert – spätestens wenn ein Jailbroken ipad problemlos mit Flash kann ist eh alles vorbei -, und diese eine Alternative haben, die zwar in einer (dunkelgrauen) Grauzone liegt, aber einfach funktioniert.
Man sollte denken, dass ein Blick auf die Entstehung vom illegalen Drogengeschäft zeigt, wie man bestimmte Prozesse abfangen und verhindern kann, aber nein – zumindest die Musikbranche hat jahrelang den Zug verpasst. Wäre schade, wenn die Printleute es ebenso machen.
PS
Um ein vielleicht seltsames Beispiel zu bringen.
Zevrix schickt uns seit einiger Zeit BETA-Versionen von kommender Software. Neben der Tatsache, dass ich die tatsächlich recht aktiv kommentiere und teste, führt das zusammen – mit einem Rabatt, den ich als Tester bekomme – bei uns meist zu einem Kauf, selbst wenn sich langfristig herausstellt, dass etwa FileCourier nicht 100% in unseren Workflow passt. Ich käme nie auf die Idee, FC raubzukopieren, einfach weil man eine gefühlte Beziehung zur Marke Zevrix hat.
Markenidentität, Kundennähe, Service, Reaktivität, Transparenz, Updatepolitik (auch bei Nicht-Software – warum nicht eine Platte verkaufen und eventuelle Bonustracks oder Material nachreichen? via iTunes denkbar – oder ein Upgrade auf «Remastered»-Fassungen. Ich plädiere seit Jahren auch bei Fonts usw für solche partnerschaftlichen Modelle), Plausibilität und sehr faire Preise. Das ist die Herausforderung und die Chance für die Zukunft – durch alle Bereiche hindurch. Mal im Ernst – wer iWork raubkopiert, würde es nie kaufen, denn an den 99 Euro für die 5er Lizenz kann es doch echt nicht liegen. Zugleich wird iWork besser gepflegt und kriegt regelmäßigere Updates als Office, das verhältnismäßig teurer ist. Obwohl ich beides habe, entdecke ich, dass ich Texte inzwischen (trotz fehlendem Autosave, seufz) lieber in Pages schreibe.
Kurz: Marken müssen sympathisch werden und bleiben. Und das, mit Verlaub, wird eine anstrengende Reise für ganz ganz ganz viele Firmen. Aber wer das nicht tut, wird untergehen. Denn wir haben ja keinen Markt mehr, in dem nur – wie früher bereits – substituierbare Güter gegeneinander antreten. Wir haben einen Markt, in dem IN ECHTZEIT das IDENTISCHE GUT völlig KOSTENFREI verfügbar ist.
Kaufen wird also für fast alle nicht-materiellen Güter zu einer Art Spende-Akt, zu einem Contract, zu einem Commitment zwischen Erzeuger und Abnehmer. So absurd es klingt: Viele Firmen beschweren sich im Grunde darüber, dass die User die gleichen unfairen egoistischen Strategien fahren, die sie selbst seit Jahren unter dem Framework kapitalistischer Produktion anwenden. Umgekehrt: Der Kapitalismus kann langfristig nur überleben, wenn er entweder polizeistaatlichen Charakter annehmen (dahin tendieren wir derzeit) oder wenn er (quasi gegen die eigene Natur) zu einem System kommunizierender Röhren, zu Ausgleich, Tausch und Fairness führt.
Das Internet – als Ergebnis des globalen Kapitalismus und auch inzwischen als sein Hauptwerkzeug – legt also zugleich die Saat für Strukturen, die kapitalistische Denkweisen konsequent gegen das eigene System richten. «Eigentum» wird Verhandlungssache, «Diebstahl» wird ein Massenphänomen, die ausgebeuteten haben plötzlich einen Dreh, zurückauszubeuten und sich vom System abzuwenden. Die ideale Antwort hierauf ist, sich als System wieder attraktiver zu machen. Was bedeutet, das Firmen in Zukunft zumindest gefühlt auf Augenhöhe mit ihren Kunden spielen werden. Und zwar mit jedem einzelnen.
> FALSCH! Das ist derzeit so nicht – es gibt derzeit Content, den du gar nicht digital kriegst, außer eben illegal.
natürlich stimmt deine aussage, allerdings imho nur für einen teil des markts. das ist zumindest so lange so bis flächendeckend wirklich brauchbare legale alternativen vorhanden sind, und ich glaube auch dass das nur für einen teil der bevölkerung zutrifft.
persönlich verwende ich mittlerweile einen VPS in england als proxy (zusammen mit freunden, kostet ca. 3€ pro monat) um spotify und BBC iPlayer (die web-variante) benutzen zu können. ich könnte alle spotify-musik und bbc dokus auch herunterladen, aber halt ohne den komfort, den diesen lösungen bieten. für mich persönlich stimmt dein argument also durchaus.
ich wäre wohl auch nur unter bestimmten umständen bereit für alle serien die ich schauen wollte geld zu bezahlen – da stellt sich dann schnell mal die frage nach dem preis/leistungs-verhältnis. zumindest einzelne serien, die ich ab und zu, wenn ich grad mal zuviel freizeit habe, schaue, wären mir defintiv keine 3€ pro woche wert, vielleicht 1€ – oder nicht mal das.
und…
> Mal im Ernst – wer iWork raubkopiert, würde es nie kaufen, denn an den 99 Euro für die 5er Lizenz kann es doch echt nicht liegen.
da sagst du’s ja selber ;)
oh ja. ‘ne Freundin von mir verlor auf diese Weise digitale Fotos der letzten 6 Jahre, als ihre HDD sich fest gefressen hatte. Für sie vergleichbar mit dem Brand der Anna Amalia-Bibo in Weimar.
So gesehen wäre die Idee, das Netz als kulturellen Speicher, dezentral strukturiert deutlich sicherer vor Daten und Wissensverlust.
Ich denke hinsichtlich der Raubkopierdebatte werden es die Verlage mit ihren Einzellösungen nicht schaffen dem Problem Herr zu werden. Piraterie ist ein globales und vor allen Dingen virtuelles Problem. Und solange das Internet dezentral und offen bleibt sind die Bemühungen wie ein Furz im Tornado. Piraterie ist genauso eine Nachfrage und damit ein Marktfaktor. Ich denke da wird sich nach und nach die Spreu von Weizen unter den Verlagen trennen. Das ist evtl. sogar eine Chance für kleinere Verlage mit bisher unkonventionellen Geschäftsmodellen zu punkten, wärend sich die etablierten auf DRM versteifen.
>verlor auf diese Weise digitale Fotos
Uh – übel. Deshalb habe ich inzwischen ja einen Backup-Fimmel. Nur brennen darf es hier nie.
Bei den Verlagen, unter uns, ist doch jetzt schon klar, wo es hingeht: Amazon und iBooks. Wie bei Musik.
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Thierry, bei iWork trifft das zu – aber es gibt derzeit viel Content, den es legal nur gibt, wenn man ein Jahr auf die deutsche TV-Fassung oder nochmal länger auf DVD-Boxen wartet. Oder den es legal nur «analog» gibt – so als gäbe es Musik nur auf CD oder Vinyl. Macht nur niemand mehr.
Proxy, würde ich mal denken, ist genauso ein Umgehen des Copyrights wie Rapidshare. Der Inhaber der Rechte will nicht, dass du als Europäer eine Sendung siehst, weil er sie europäischen Lizenzpartnern verkauft hat, die die Sendung in 6 Monaten ja noch mit Werbung gewinnbringend zeigen wollen, was nicht geht, wenn du die Sache jetzt schon beim US-Sender im Stream schaust. So oder so – man verstößt gegen das Copyright, das in der hyperschnellen globalen Netzwelt eben plötzlich seltsam aussieht.
1 Euro ist viel zu wenig. Natürlich möchte man immer «preiswerter» haben, ich würde auch lieber 2 Euro als 9 für ein Album zahlen. Aber ich würde nur ungern einen Euro als Standard für ein Musikalbum oder einen Film sehen. Es gibt so etwas wie einen gefühlten richtigen Wert – die Radiohead-Downloads haben das ja damals durchaus auch gezeigt.
Ich denke, bei Musik liegt der zwischen 3,99 (Sonderangebot) bis 10 Euro, mein persönlicher Traumwert wäre 5,99 pro Album. Bei Leihfilmen bin ich mit 1,99 bis 2,99 dabei, 3,99 ist schon etwas viel.
Bei Lost fände ich 1,99 besser als 2,99. Alternativ fände ich ein Ausleih-Konzept wie bei Filmen prima, zu 59 bis 99 Cent pro Film.
Generell verstehe ich nicht, warum Apple nicht auf die Idee kommt, bei Ausleihfilmen eine Art «Upgrade» zu machen – zum einen Leihverlängerung (die Zeit sollte ohnehin länger als 48 Stunden sein, das ist grenzwertig, 72 wäre sinnvoller), zum anderen aber eben auch ein vollwertiger Kauf – auch nach dem Ansehen des Films. Einfach zu lösen, und wenn dir ein Film gefällt hast du ihn mit einem Klick ohne erneuten Download gekauft… ich denke, das wäre umsatzsteigernd.
Das sind all solche kleinen Details. Sich dem Markt zu nähern wird Raubkopie nicht verbannen, keine Frage. Aber attraktive Alternativen zu schaffen schadet nie. Anders gesagt: Wenn es Cannabis morgen in freundlichen Zigarrettenschachteln im Supermarkt gäbe, würden die Dealer alt aussehen, man würde einen ganzen Einsteigsmarkt trockenlegen…. Und Filme, Musik und Bücher sind ja sogar frei von Nebenwirkungen :-D.
Ist ja irgendwie auch nur ein altes Thema in neuem Schlauch:
http://www.hdschellnack.de/copy-kills-music/
>>Deshalb habe ich inzwischen ja einen Backup-Fimmel. Nur brennen darf es hier nie.
das is das Problem bei digitalen Inhalten. Sie sind zu leicht zerstörbar. Interessant fände ich eine Art Online Blackbox-RAID-System, wo ich meine Daten alle verschlüsselt liegen habe. Lokal wird einfach nix mehr gespeichert, da gibt nur noch Player. Die ganze Anwendungssoftware für Office und Unterhaltung verlagert sich ins Netz. Zusätzliche Backup-Dienste können bei den ganz ängstlichen sogar noch Geld verdienen.
Die Stores der Verlage könnten ähnliche Systeme aufbauen, wo ich direkt den Film per streaming zu Hause anschaue und nur nach gesehenen Minuten bezahle. Ich guck, höre oder lese so viel und so oft ich will ohne irgendetwas lokal zu speichern und damit copyright technisch zu vervielfältigen. Wozu noch raubkopieren, wenn ich einen Film für sagen wir mal die Ausleihgebühr einer Videothek pro Streaming ansehen kann.
Z.B. kann ich mir vorstellen in iTunes mir reine Wiedergabelisten zusammenzustellen und online in meiner Blackbox zu speichern. Und erst wenn ich diese Blackbox im lokalen Player aufrufe klingelt bei Appel die Kasse. Das wäre ja wie personalisiertes Sparten-Radio. Ob ich nun im Monat meine 50 Takken an die GEZ oder Appel zahlen würde wäre mir egal. Solange ich hören oder sehen kann was ich will und nicht was ein Sender mir vergekaut vor die Füße wirft.
Bin mal gespannt ob es in diese Richtung geht.
>Lokal wird einfach nix mehr gespeichert
Cloud! Kommt ja. Ich sag seit jahren, die Zukunft ist eine Armada mehr oder minder austauschbarer ThinClient-Endgeräte, die Zugriff auf online auf dem Server liegende Daten haben. Nötig dazu ist LTE und große Serverkapazitäten, die dir pauschal einige TB ermöglichen und den Traffic dazu. Aber vor 10 Jahren wäre so etwas wie MobileMe oder Dropbox undenkbar gewesen – man ging ja noch INS Web, anstatt eh permanent im Äther zu sein. Obwohl ich etwa die iDisk fast nicht nutze (20 GB ist viel zu klein, unter 500 GB macht der Service keinen echten Sinn) und der Server von Apple schneckt grässlich), und auch Me.coms Mail nicht nutze, ist allein der SYNC von MobileMe GOLD wert.
Umso verwunderlicher, dass iTunes immer noch per Kabel synct – völlig anachronistisch :-D.
Langfristig werden wir Konsum-Daten und eventuell auch Projekte mehr und mehr online haben – umso wichtiger, dass es zentrale und offene Systeme gibt, ich habe keine Lust, bei 10 Dienstleistern ein Abo machen zu müssen so wie jetzt bei Evernote, MobileMe oder Dropbox oder Acrobat.com… es muss einfach alles mehr oder minder aus einer Hand kommen (oder aus zweien – aber nicht zig singuläre Lösungen).
Zentral wird sein, dass man flexibel mit diversen Endgeräten und von verschiedenen Orten aus seine Daten verwalten kann. MobileMe – rrrrichtig ausgebaut – wäre für Apple eine Goldgrube, ich verstehe gar nicht, wieso die das so schleifen lassen. MobileMe, iTunes und das jetzige iWork zusammenrollen, in den TB-Bereich aufrüsten, superschnell machen, mehr Funktionen, nahtlos ans iPhone anbinden (statt wie jetzt mit mauen Einzelapps), lokale Kopien zulassen, Sync so effizient machen wie Dropbox, am besten Dropbox und Evernote aufkaufen und integrieren (Evernote ist so unendlich gut!), iTunes mit Genius noch mehr in Richtung Social Media/Pandora bringen, kleine Label und Bands unterstützen mit einem eigenen «Newcomer»-Bereich (bei Appstore und iBook geht das ja auch). Und ja, dann sind wir alle von Apple abhängig, also auch keine Lösung – aber von irgendwem werden wir mit unseren Medien in Zukunft mehr und mehr abhängen. Vielleicht von einem Anbieter, den wir heute noch gar nicht kennen, geht ja sehr schnell heute mit den Startups, die plötzlich nicht mehr wegzudenken sind :-D
>meine 50 Takken an die GEZ
Eh ein Witz. Die GEZ – the next best thing zur Kulturflatrate :-D – gehört abgeschafft oder, zusammen mit der GEMA, ganz grundlegend in eine andere Richtung überdacht.
Jörg Gudehus hat mich ja letztens in Richtung IMAP-statt-POP gebracht und trotz aller Umstellungsschmerzen hat er natürlich recht – ein zentraler Account, und absolute Synchronizität machen bei vier fünf Clients total Sinn (merci!!!). So wird es mit allen anderen Medien auch sein. Ist jetzt schon unschön, dass ich für den Urlaub Tracks physikalisch auf ein Laptop oder iPad kopieren muss. Ebenso, übrigens, dass ich nicht ohne weiteres mein iPhone an jedes beliebige iTunes anschließen und die Tracks dann darüber abspielen kann.
dieser 1€-betrag war ja auch auf serien bezogen, die ich eben nicht für wertvoll genug halte um dafür 3€ auszugeben. mir ist schon klar dass TV und verkauf und streaming unterschiedliche geschäftsmodelle sind, aber für mich als TV-zuschauer einer serie mit 3-4 werbeunterbrechnungen (LOST hat im original übrigens 6, läuft ja nicht auf einem der cable-sender) erhält der sender durch werbung ja auch nie 3€, und der rechteinhaber sowieso nicht. insofern sehe ich nicht ein dass ich für praktisch den gleichen dienst (mit dem unterschied dem frei wählbaren konsum-zeitpunkt) plötzlich den x-fachen preis dafür bezahlen muss. aber eben: wenn es das geben würde wärs wunderbar, egal ob für 1€ oder 3€.
bezüglich spotify: natürlich ist das immer noch illegal, aber die labels bekommen ja mein geld. dass das englische label der musiker mein geld erhält und nicht das schweizerische, das ist imho ihre eigene schuld.
wir sind uns ja einig: es gibt eine grosse gruppe, die durchaus bereit ist für inhalte geld zu bezahlen. aber es gibt meiner meinung nach eben durchaus auch leute die aus überzeugung file-sharing betreiben, die den inhalten (imho falscherweise) keinen wert mehr zuweisen* («sind ja eh alles riesen konzerne», «die brauchen das geld nicht», etc.). und ich glaube der springende punkt ist dass diese gruppe erst in den letzten 10 jahren riesig wurde – und das ist durchaus der fehler der verschiedenen media-industrien, die den wandel verschlafen haben und dann nochmals fünf jahre mit DRM und filesharer-anklagen verbraten haben.
*die fehlende wertschätzung für inhalte spüren wir ja alle: type foundries, gestalter, etc. – wobei ich aber denke dass gerade wir gestalter mit neuen ansätzen den wert unserer dienstleistungen besser sichtbar machen. und das geschieht ja nicht nur mit metrics und daten. ganz allgemein besser über unsere profession kommunizieren wäre ein anfang.
>«sind ja eh alles riesen konzerne»
Ist natürlich Quatsch. Auch wenn wir lange drüber diskutieren können, ob Autoren und Regisseure, Setdesigner und Kameraleute genug Geld kriegen oder ob die Industrie das meiste Geld absahnt und der große Rest an die bekannten Darsteller wandert – wichtig ist doch, dass die Leute, die eine kreative Leistung stemmen, dafür so bezahlt werden, dass es sich für alle Beteiligten lohnt, diese kreative Leistung auch in Zukunft weiter zu machen. Wenn du Band X gut findest und dann ihre Musik aber nicht bezahlen magst, darfst du dich nicht wundern, wenn es nie ein drittes Album geben wird. Das gleiche gilt für alle Medien – am Ende muss der Erzeuger davon (und bitte möglichst gut) leben können.
Man kann da an Details drehen – etwa wie lange Rechte geschützt bleiben, bevor Texte usw in die Public Domain übergeben – aber am Ende ist zentral, dass es einen Respekt vor den Leuten geben muss, die etwas produzieren, was ich mag.
Das ist der Kern – der Disrespekt des Kapitalismus vor demjenigen, der einen Wert schöpft wendet sich jetzt gegen ihn selbst. So respektlos wie der Kapitalinhaber gegen seine Arbeitnehmer und Konkurrenten, Staat und andere Systemmitbewohner vorging, so respektlos sind jetzt die Konsumenten gegen ihn. Die Plattenindustrie hat jahrelang die Musiker ausgebeutet – jetzt machen die Hörer das halt ganz allein, ohne die Industrie. Das ist zwar sweet irony, aber kein Zusammenhalt für eine funktionierende postindustrielle Gesellschaft. Wir müssen ein Modell finden, in dem vernünftigere Lösungen für alle Beteiligten gefunden werden. Und ich bin mal optimistisch genug anzunehmen, dass es genug Leute gäbe die – faire Bedingungen vorausgesetzt – für eine Leistung bezahlen würden, um die Trittbrettfahrer akzeptieren zu können. Über kurz oder lang ist der Begriff Fairness absolut essentiell, wenn wir darüber nachdenken, wie unser Wirtschaftssystem auch nur näherungsweise überleben soll :-D
Tatort “Applestore”
Heute in irgendeinem Kaufhaus in Deutschland 10.00 Uhr Tatort “Applestore” Eine gebannte Menschenmenge drängt sich um einen Holztisch wo die neueste Insigne von Apple aufgebart ist. Der oder Das „iPad“ ja was ist es den überhaupt was die Menschenmenge so begeistert in Ekstase versetzt und gleichermaßen anhimmelt. Keiner weiß so recht, was man denn nun mit diesem Ding so richtig anfangen soll, aber „Egal“ eines steht fest BOAH is das Cool….!! Ey guck ma’ ‘n iPad” Der Marktschreier anmutende Mitarbeiter von Apple erklärt hinter seinem Stand der Menschenmenge eifrig die Vorzuge des iPad’s. (…)und wenn Sie jetzt diese Schrift lesen möchten, dann machen Sie einfach mit dem Doppelklick auf dem Bildschirm die Schrift größer und wie von Geisterhand Vergrößert sich die Schrift. Und die Menge ist außer sich vor Begeisterung. Ich kann das Gefühl nicht unterdrücken alles schon mal irgendwie gesehen zu haben und es ist wie mit der Superduper Neuen Gemüsereibe: Blade-2010 jeder hat zwar eine seit Jahren in der Schublade, aber die hier, die muss man einfach haben. Sie ist selbstverständlich eine unverzichtbare Ergänzung zum Täglichen Leben. Warum lassen sich die Menschen nur so für dumm verkaufen? Nur weil ein abgebissener Apfel drauf klebt. Jedes billige Netbook bietet mehr Möglichkeiten als das iPad darüber hinaus neigt Apple zu Proprietären Systemen somit ist das iPad mit nichts außer Apple (Kabel/ Software) selbst kompatibel. Es lebe der Konsum, weiter so…..
Als jemand, der nicht allzu begeistert ist von den Möglichkeiten der ersten iPad-Generation (Sync, Multitasking, viele Details), man darf eins nicht außer acht lassen: Das iPad ist kein Laptop, kein Netbook und soll’s auch gar nicht sein. Es ist – im weitesten Sinne – ein multimediales Abspielgerät, also: Lesen, Musik (gar nicht so ideal dafür), Video, Spiele, Surfen. Und das, muss ich sagen, macht es bisher schon für einer 1.0er Version recht gut. Social Networking kann das iPhone fast besser (ist auch mobiler), Richtiges «Arbeiten» ist eher ein Witz bisher – hauptsächlich weil der Sync via iTunes oder eMail und die Möglichkeiten der Apps total beschränkt sind. Als reiner Reader lässt das iPad trotz unbefriedigendem Displays und einiger fehlender Features den Kindle alt aussehen und macht durchaus Spaß.
Aber man darf nicht sagen: Oho, mein Macbook (oder Dell oder Sony) kann mehr als das iPad – das ist so, als würde man sagen, ein iPod Nano könne nicht so viel wie ein iPhone :-D. Das Pad hat – bisher – eine relativ klar umrissene Funktion und ist recht bewusst irgendwo zwischen Phone und Laptop eingeordnet, ohne beide wirklich ersetzen zu können (zu unhandlich bzw zu eingeschränkt).
Ansonsten ist es alles andere als ein Wundergerät, eher ein iPodTouch mit mehr Bildschirm – und bisher ist allein dieses mehr an Bildschirm das große Plus. Der Spiegel ist digital auf dem iPhone zB eine Zumutung, macht aber auf dem Pad durchaus Spaß – auch wenn die Hamburger hier ganz sicher noch an dem Layout und zahlreichen Verbesserungen (Lesezeichen, Export usw) arbeiten müssten. Die Wired-Magazin-Sache ist schon fast overkill (und mit 500 MB auch etwas krank), zeigt aber drastisch, was derzeit rein technologisch drin ist und ist insofern schon klasse, auch weil sie derzeit als einzige Layout bewusst quer UND hoch denkt (mit unterschiedlichen Funktionen und exzellentem Umbruch), weil sie die Swipe-Logik exzellent nutzt, und wirklich gut designed ist. Sachen wie die 3D-Gimmicks, Filme usw sind da fast nur noch die Kirsche auf der Sahne. Und tatsächlich, muss ich sagen, mach es absolut Sinn, DIREKT bei einem Musikreview auch ein Sample der Musik hören zu können. Dito bei FIlm/Trailer – die Möglichkeiten sind nicht ohne. Und ich würde niemals auf einem Laptop ein Buch lesen wollen (too clumsy), oder auf dem iPhone (too small) – aber ich lese gerade auf dem Pad «Road Dogs» als Experiment, und obwohl das alles nicht ideal ist (Display ist einfach nicht so lichtschluckend und augenschmeichelnd wie Werkdruckpapier und das Pad ist gegenüber einem Softcover zu schwer), ist es durchaus so, dass man hier lesen kann und auch mag – erstmals auf einem Gerät dieser Art. Da muss aber noch viel passieren – iTunes ist auf ePub kaum vorbereitet, da ist so viel mit der heißen Nadel gestrickt, unfassbar eigentlich :-D
Ansonsten wird es so sein, dass Apple mit jeder OS-Generation ein Scheibchen Funktion mehr bietet und sozusagen vor unser aller Augen und gut bezahlt den Rechner neu erfindet, während die Technologie besser wird.