
Was ist mit der Phillipshalle los? Erst Freitag Daft Punkt, wo wir nicht waren, wo es laut Chris, Seán und Freddy aber grandios gewesen sein soll, und heute die Herren Rowlands und Simons, die quasi das britische Pendant zu Daft Punk sind… inzwischen fast Pioniere der neueren elektronischen Musik, immerhin seit 1995 dabei, ohne wirklich Staub angesetzt zu haben. Die Big-Beat-Brüder spielen vor einer überraschend leeren Halle, die zudem noch teilweise abgehängt ist. Das Publikum hätte man gemütlich auch ins Palladium oder sogar E-Werk gekriegt. Vorteil: Auch als notorischer Zuspätkommer landet man butterweich in der allerersten Reihe. Nachteil: So richtig richtig Rave-Stimmung kommt nicht auf. Es ist zu luftig, zu leer, und obwohl das Publikum exzellent gelaunt ist, fehlt es in den Kategorien, Eng, Heiß, Verschwitzt. Rein von der Location her hat man mehr das Gefühl, man ist in einer Großraumdisco um 5 Uhr morgens. Die Phililipshalle ist einfach keine gute Konzerthalle, basta.
Und diesem Flair wird der Sound – im besten Sinne allerdings – auch wahrhaft gerecht. Die Chemical Brothers rollen mit einer simplen aber umwerfenden Lichtidee an, die zwar dreist bei Massive Attack geklaut ist, aber immer wieder schön. Hinter der Bühne steht ein gigantisches vierfarbiges Display, auf dem überlebensgroße Animationen und Videos laufen. Die Wand an sich reicht fast als gesamte Lightshow, abgerundet von Laser, weiteren LED-Strahlern und einigen wenigen normalen Varilights. So bombastisch wie die Optik ist auch der Sound: Ich habe selten bei all den Konzerten der letzten Zeit einen derart extremen Bass gehört, die Bassdrum und vor allem tiefe Subbass-Sounds drohen jederzeit, die Eingeweide zu zerquetschen. Überhaupt drehen die Brothers während des Konzerts mehr und mehr an der Lautstärke, bis eine fast ohrenbetäubende Druckwelle aus den Boxen kommt, die dem Live-Maximal-House der beiden den richtigen Rahmen gibt. Die Musik der Chemical Brothers lebt von endlos langstreckten Teaser-Beats, nervmarternd lang hingezogenen Crescendi, die immer und immer wieder in noch größere Drumorgien führen. Live halten sich die beiden unscheinbar wirkenden Briten, die hinter ihren Mischpulten, Synths und Expanders fast unsichtbar werden, nicht lange mit dem etwas weichgespülten Sound der letzten Alben auf und treten eine zweistündige DJ-Session an, die die eigenen Songs dekonstruiert, neu zusammensetzt und in ein hartes, modernes Techno-Feuerwerk verwandelt. Es gibt grandiose Breakdowns, in denen nur noch zwitschernde Sequencer und firpende Analogsounds zu hören sind, aber im großen und ganzen dominiert der Beat, ein von gnadenlosen, atemberaubenden Übergängen geprägtes perfektes Soundgefüge, das dich binnen weniger Minuten auch in der wenig vollen Halle schweissgebadet dastehen lässt. Die surreal unruhige Bildershow, die an Härte kaum zu toppenden Bässe, die unermüdliche Drummachine, die immer wieder sanfte Beats anbietet, um rasch wieder bei gnadenlosen 4/4 anzukommen… das ist richtig altmodischer Dancefloor irgendwo zwischen Techno und House. Und es ist eine großartige, fast in Trance hineinreichende Klangerfahrung, die die beiden im Laufe des Konzertes wie Meisterpianisten steuern, von Buildup zu Breakdown, von Climax zu Anticlimax, durch die verschiedensten Stilrichtungen des Dancefloors, um am Ende mit furiosen bösartigen Analog-Knöpfchendreh-Sounds zu enden. Ein fast verstörend brutaler, wunderbar tanzbarer, hypnotischer Auftritt, der in Sachen Ekstase nicht ganz an ChkChkChk herankommt, aber in einer kleineren, volleren, heißeren Halle sicherlich bei vielen zum Kreislaufkollaps geführt hätte. Exzellent.
Nach dem Break einige Bilder von Stef, die die Vielfalt der Videoscreens einfangen…



































































3. Juli 2007 03:10 Uhr. Kategorie Live. 11 Antworten.
cool, obwohl ich mit den auftritt ungefähr fast genauso unspektakulär vorstelle wie underworld. aber der technik park und so ist schon krass und die haben da schon alle hände voll zu tun. es ist einfach ne sache die man mit ner band nicht wirklich spielen kann (naja underworld tracks schon, aber mit ein par leuten mehr und nicht von den jungs selber =D )
was mich aber noch mehr interessiert ist daft punk. wer die originalen tracks von daft punk kennt, weiß das daft punkt so gut wie keine eigenen songs hat sondern nur von alten tracks abgesampled und dann halt mit den loops weiter geschnibbelt hat. das ganze mit ner band zu spielen ist daher schonmal nicht möglcih weils einfach den charakter verliert, aber wenn man die originalen tracks im verlgleich hört ist auch einfach nicht viel gemacht worden, außer ne neue drum drüber gelegt , neue vocals und hier und da effekte. kann ich mir live nicht wirklich vorstellen, aber die party wird bestimmt geil gewesen sein.
Zu Daft müssten Chris/Sean/Freddy was sagen können, ich war nicht da und hab angeblöich was verpasst.
Und ja, die Chemicals waren an sich wenig spannend, einfach zwei Typen in Jeans und T-Shirt, die an Knöpfen drehen und ab und zu mal die Hände heben. Eben DJs ohne Turntables aber mit Midi. Echte Musiker hätten bei deren Sound nichts verloren… dafür lebt er zu sehr vom Tribalismus der elektronischen Stampfbeats. Bei Underworld könmnte ich mir das auch anders vorstellen, obwohl die ja auch bei rein elektronischer Mucke live bleiben und sich nur quasi selbst etwas remixen.
»Erst Freitag Daft Punkt, wo wir nicht waren, wo es laut Chris, Seán und Freddy aber grandios gewesen sein soll« remember, ich hatte dich gefragt, ob du bock hast …
Ich geb ja niemand die Schuld :-D
lol. so siehts wohl aus. aber ich denke, die haben noch weiter spass an schlechter luft unter masken/helmen.
ja, die helme müssen aber auch sein, ich finds auch gnadenlos kitschig, aber ohne wärs nicht daft punk. das wär wie kiss ohne schminke oder alice cooper ohne augenringe.
Ich war zwar leider nicht bei Daft Punk, aber wenn ich mir nochmal die »Alive 1997« anhöre (perfekt fürs Auto!) dann kann ich mir schon gut vorstellen, wie das abgeht und wie mitreißend die Tracks auch trotz relativ unaufwändiger Produktion sind, denen mann aber zweifellos anerkennen muss, dass sie absolut auf den Punkt gebracht sind.
Davon abgesehen find ich gerade die »Homework«, welches meiner Meinung immer noch das Beste Album der beiden Herren ist, erstaunlich frisch und zeitgemäß, und die Tracks mit stampfenden 808/909-Beat und blubbernder 303 sind sowas von aktuell, wenn man mal auf die Indietronix/NuRave/Elektrogeschranze-Parties geht und dort hinhört.
Bei den Chemical Brothers bekomm ich beim Lesen und Anschauen der Bilder schon ne Gänsehaut. Hab sie vor ein paar Jahren mal live gesehen und das war neben Kraftwerk und Lamb eins der prägendsten Konzerte :-) Dieses Jahr das gleiche nochmal. :-)
SonneMondSterne, anyone?
stimmt! das homework-album ist echt gut… und auch noch selbst gemacht glaub ich… die neuen sachen sind (mein ich) auch wieder eigene, abe rdazwischen war ja wie gesagt nur cover bei denen die tracks durch max 2-3 spuren ergänzt wurden. harder better faster stronger war ja auch nur der sample von “cola bottle” mit ner drum und dem vocoder-vocal. gleiche bei crechendolls was eigentlich auch nur von den imperials übernommen wurde und ne neue bassdrum bekommen hat. also das kann ich mir live weni vorstellen genau wie das cover von “release the beast” – robot rock. wirklich machen kan man da nichts live. aber party ist definitiv!!!
[...] Nach der sound- und bildgewaltigen Show der Chemical Brothers wirken Modest Mouse am Dienstagabend in Köln seltsam normal. Einfach sechs Jungs, die nach etlicher Wartezeit auf die Bühne kommen, ihre Instrumente umschnallen und loslegen, mit recht langen Pausen zwischen den Songs, mit etwas verpeilten Ansagen und mit einem eher gewöhnlichen Rock’n’Roll-Lichtset, ohne besondere Features. Pure Musik also, nach vorne getrieben von Joe Plummer und Jeremiah Green, die mit zwei Percussion/Drumkits für Druck sorgen. Bei manchen Stücken sind die beiden nicht 100% synchron, was den Sound oft etwas matschig wirken lässt, aber der schiere Druck, den die Band bei manchen der härteren Songs entfalten kann, lebt spürbar von der Mischung aus Drums, Percussion und live gespielten elektronischen Sounds. Auf dieser Druckwelle surfen entspannt die anderen Bandmitglieder, allen vorweg Multiinstrumentalist Tom Peloso, Ex-Smiths-Gitarrenwunderkind Johnny Marr und natürlich Sänger Isaac Brock, der mit dem natürlichen Charme eines Serienmörders durch den Abend führt. Die Mods spielen natürlich Tracks vom neuen Album und haben mit dem Oberhit Dashbord sofort die vollgepackte Halle im Griff, aber auch Klasisker wie Doin’ the Cockroach oder Spitting Venom. Obwohl die meisten Tracks ja eher in der Americana-Mid-Tempozone liegen, also gar nicht sonderlich schnell daherkommen, wird in der Moshpit getobt als gäb es kein Morgen mehr. Mag sein, dass ich von einigen Nachtschichten, den ChemBros und acht Studen Dozententum noch etwas ausgelaugt war, aber kürzer hab ich es selten an der Bühnenfront ausgehalten, das war Terror. Tatsächlich steht die extreme Fanreaktion etwas im Widerspruch zur Band selbst, die eher relaxt, fast gelangweilt-professionell durch die Songs spielt. Den meisten (sichtbaren) Spass strahlt Johnny Marr aus, der fast unsichtbar im Klangkorsett der Band verschwindet, und für einen Mittvierziger enorm lässig aussieht. Es ist einfach prima zu sehen, dass so ein großer und wichtiger Musiker nicht wie so viele einfach versackt ist, sondern mit Modest Mouse einen neuen Hafen für seine Ideen gefunden hat. Isaac Brock singt, schreit und wimmert sich durch die Songs, die – je weiter der Abend fortschreitet – immer besser und druckvoller werden, zumal die Band die ruhigeren Songs eher in der Mitte des Sets spielt und sich am Ende auf orgiastisch ausgestreckte Classics beschränkt. Gemessen an anderen Live-Acts – etwa den musikalisch ähnlich gelagerten Kaizers Orchestra – wirken Modest Mouse etwas wenig show-orientiert, vielleicht brav, aber die Musik, die Stimmung im Publikum und die reine Energie, die sich während des Konzertes aufbaut, ist den Eintritt mehr als wert. [...]
Hier nochmal in Ergänzung zur Daft-Punk-Diskussion zwei Links:
Awesomeness of Daft Punk: A Meta-Roundup @ createdigitalmusic.com
Und woran die beiden während des Auftrittes so schrauben, sieht man hier: Daft Punk – inside the pyramid @ Erol Alkan’s Forum
(hmm, moog… :-) hmm, behringer :-/ )
ja wenn die nicht gerade die coversachen spielen kommen die moogs ja auch zum einsatz. trotzdem erstaunlich wenig equipment. rest kommt bestimmt aus ableton oder irgendwas in der art.
die bcr’s sind mir auch sofort ins auge gesprungen =D aber ich hab auch nen bcr und muss sagen das der richtig gut ist für den preis. ich meine das ändert ja nichts an der soundqualität ist ja nur ein controller. den bcf hab ich allerdings wieder verkauft… totaler müll!!!!
bcd ist aufm weg zu mir, was heißt das ich demnächst mal meinen ersten mp3mix aufnehme weil mir platten im mom zu teuer sind. das teil hat auch probleme mit traktor aber lassen sich mit kleinen umwegen fixen.