«The day war was declared, a raiin of telephones fell clattering to the cobblestones from the skies above Novy Petrograd. Some of them had half melted in the head of re-entry, others pinged and ticked, cooling rapidly in the postdawn chill. An inquisitive pigeoin hopped close, head cocked to one side; it pecked at the shiny case of one such device, then fluttered away in alarm when it beeped. A tnny voice spoke: ‹Hello? Will you entertain us?› The Festival had come to Rochard’s World.».
Das ist ein Anfang wie aus dem Lehrbuch, der dich mit den ersten fünf Worten packt. Krieg wird erklärt, Telefone regnen vom Himmel, was sind Novy Petrograd und The Festival? Eine gute Dosis WTF-Feeling für einen ersten Absatz. Der britische Autor Charles Stross hält dieses Versprechen über weite Teile, auch wenn man dem Buch hier und da anmerkt, daß er zuvor eher Kurzgeschichten geschrieben hat, weil es gewisse Längen gibt (vor allem bei der Beschreibung von Schiffsmanövern oder beim Erklären von bestimmten Quantentheorien) und weil der Plot sich während des Buches schon etwas verlustiert. Wiedergutmachung erfolgt in Form eines recht bizarren Buches, daß ein gewisses Hardcore-50s-SF-Flair (Technologie-zentriert) mit dem eher soziopsychologischen Touch der 70s und fast halluzinogenen Konzepten verbindet, so daß im weiteren Verlauf eine gottähnliche Figur (Eschaton), ein surreale zurückgebliebenes zaristisch-kommunistisches «Rußland» , ein Infovore (d.h. ein Wesen, daß sich von Information ernährt), sprechende Hasen, Aliens mit Mundegeruch (the Critics) und allerlei andere Skurrilitäten auftauchen. Was nach einem Douglas-Adams-Ansatz klingt, erweist sich allerdings als weniger einfach-komödiantisch, sondern eher von deutlich zynischerem Humor geprägt, aber auch von einem spürbaren soziologischen Interesse an Was-wäre-wenn. Das Stross dabei seine Figuren oft nur skizzenhaft entwickelt (mit Ausnahme des Epilogs, der vieles wiedergutmacht) und der Plot mitunter etwas aus den Fugen gerät (und im Grunde herzlich wenig passiert und die meisten Ansätze nach viel Aufbau einfach etwas ausfizzeln), darf nicht davon ablenken, daß dieses Buch einige sehr solide Treffer über die Sinnlosigkeit des Konfliktes mit einer weit fortgeschrittenen Spezies landet, über das soziale Bewältigen von Culture/Future Shock, über soziale Evolution per se und über das Leben in einem Kosmos, in dem die Menschheit so etwas ähnliches wie Gott getroffen hat, der ihnen dann aber mächtig in den Hintern getreten und 2/3 der Menschheit im Raum und Zeit verstreut hat. Bizarre Satz- und Wortkonstruktionen (die mich um die Qualität einer eventuellen deutschen Übersetzung bangen lassen), irrlichternde Fieberkonzepte, die hier und da eine fast Lamsche Qualität erreichen und ein Mut zur Komplexität in einem zu oft auf Space Opera reduzierten Genre, lassen auf ein gutes Potential von Stross hoffen, ein Erbe von Leuten wie Asimov, Heinlein oder Clarke anzutreten und den eher klassischen sciene-orientierten hard SF für die Neuzeit aufzupolieren. Abwarten, wie Iron Sunrise und Accelerando sind. Next: Haunted von Chuck Palahniuk.
26. Juni 2005 19:45 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.