
Die meiste Goth-inspirierte Photographie ist längst in und an sich zum Klischee geworden, ein bißchen Erotik, ein bißchen Schock, ein bißchen Marylin-Manson-Video-Ästhetik. Chad Michael Ward ist dabei keine allzu große Ausnahme, und ist nicht umsonst im Dunstkreis von Manson und Rasmus tätig, also zwei Bands, die Goth auf Kindergartenniveau und somit MTV-Kompatibilität gebracht haben. Immerhin ist auf den Arbeiten von Ward eine gewisse Entwicklung zu entdecken, die aus den schlimmsten Genreklischees herausführt, wenn auch die neue Arbeit, the PAIN BOX, ebenfalls visuell an Horrorfilmklischee-Ästhetik anknüpft und auch der Schriftzug sicher nicht ganz unfreiwillig an Kino-Horror erinnert. Ich persönlich bin zunehmend enttäuscht, daß ein Musikgenre, in dessen Gestationsphase einmal wegweisende Arbeiten entstanden und in dem mit Peter Saville, Neville Brody und Oliver Vaughan zumindest drei der wichtigsten Designer der 80er die Finger hatten, so stagnant, langweilig und hervorsehbar geworden ist. Was Helnweis vor zwanzig Jahren gezeigt hat, wird hier durch ein Sieb aus halbverdauten Horrorfilmen und SplatterDVDs gejagt, mit ein bißchen Kleinmädchensex aufgepeppt und fertig – schockieren will hier in Wirklichkeit nichts mehr, die visuelle Sprache ist so schockgefrostet wie die Musik, käut nur wider, was wir längst aus Hollywood-Blockbustern kennen, Recycling von Kulturresten. Das paßt freilich zu einer Szene (und Musik), deren Zeit gekommen und gegangen ist. Wie Punk, wie Mod… ist auch New Wave / Goth eine reine Zeiterscheinung, eine Mode letztlich. Und Moden sollten kurzlebig bleiben dürfen, Platz für die nächste Zeitgeistwelle (Und Anti-Zeitgeistwelle) machen. Aber wer es mag, wird hier fündig und kann sich an Wards ansonsten doch absolut einwandfreiem Genre-Handwerk erfreuen.
19. März 2005 00:09 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.