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CATWOMAN

Was bin ich vor dem Film gewarnt worden, wo doch eigentlich jeder weiß, wie sehr ich Trash mag. Und dann war’s halb so wild. Im Gegenteil, gemessen an The Stepford Wives, einem absoluten Verbrechen an Ira Levins Buch und dem Originalfilm… einem Remake, das so grundschlecht ist, daß man ja gar nicht weiß, wo man anfangen soll sich zu beschweren…, ist Catwoman sogar ein recht guter Film geworden.

Pitof, der mit Vidoq immerhin eine sehr individuelle Handschrift bewiesen hat, bleibt sich treu und bringt einen fast durch und durch virtuellen Film auf die Leinwand, der wirkt, als sei er zu 99% durch den Computer gewandelt. Alles ist überstrahlt, überbetont, surreal. Vielleicht war das aber auch nur nötig, um Sharon Stone ein paar Jahre jünger wirken zu lassen. Die Kamerafahrten sind atemberaubend, die Kampfszenen sauber choreographiert, die Trickeffekte (auch wenn Catwoman sich eher wie Spider-Man denn wie eine Katze bewegt), überzeugen fast mehr als eben beim vergleichsweise teureren Spider-Man-Film … naja, und der Plot ist zwar recht hanebüchen, damit aber 1:1 in der Tradition so ziemlich jeden Superheldenfilms. Eine Hautcreme, die abhängig macht und tödlich wirkt, ist nicht weniger albern als ein Superman, der auf seine Superkräfte verzichten muß, nur um mal mit Lois Lane ins Bett zu steigen. Und böse ist, wer dabei permanent an Uschi Glas denken muß.

Halle Berry schwankt zwischen nur eher uninspiriert wirkenden und schon richtig peinlichen Darstellungsleistungen, füllt das Catwoman-Kostüm aber solide aus, das muß vielleicht schon reichen. Mir fällt auf Anhieb kein comic-inspirierter Film ein, der phantastische Hauptdarsteller hätte. Pitof verzichtet auf die Selina-Kyle-Figur aus den Comics und erfindet derart deftig neu, daß man sich schon fragt, wofür die Produktion eigentlich die Lizenzgebühren für den Namen Catwoman bezahlt hat, wenn man dann doch einen Film über eine komplett neue Figur macht. Der Film hat nichts mit der Comicvorlage zu tun, außer eben dem Namen. Ich werde Hollywood nie verstehen.

Davon abgesehen gibt es medienselbstreflektive Remineszenzen an Superman (Riesenradszene = Eifelturmszene), an Batman Returns (Rettung von Priscilla/Selina durch die Katzen, «Miauuuuu», Gesichtablecken…), an die Batman-TV-Serie aus den 60ern (purrrfect… und die Fingernägel des Kostüms, überhaupt ist das Kostüm einfach nur die MTV-Generation-taugliche Evolution des TV-Kostüms. Außerdem wird fleißig an Alien, Die Hard und andere Actionfilme angelehnt. Daß mit Halle Berry die Catwoman von einer afroamerikanischen Darstellerin gespielt wird (während die Selina-Kyle-Figur eine Weiße ist), scheint vor dem Eartha-Kitt-Background gar nicht so wichtig, immerhin haben sehr sicher mehr Amerikaner die TV-Serie gesehen als das Comic gelesen.)

Alles in allem beileibe kein guter Film, aber solider als vieles andere in dem Genre und wie Daredevil immerhin stilistisch ein mutiger Versuch. Ein deutlich besseres Drehbuch (das sich etwas über das Niveau einer TV-Pilotfolge erhoben hätte) und mehr Budget hätten sicher nicht geschadet… und Berry wird die Rolle nach der nicht ganz unverdienten Goldenen Zitrone sicherlich kein zweites Mal geben. Aber Pitof ist an sich schon der richtige Mann für dieses Genre…, auch wenn er sich geradezu unverschämt bei dem frühen Jeunet bedient in den unglaublichen Kamerafahrten und dem Hang zur digitalen Überhöhung. Die Dramatik, das Surreale, das Atemberaubende des Spandex-Genres hat er drauf und auch ein Gespür für die Balance zwischen Dramatik und Lächerlichkeit. Aus diesem Drehbuch hätte ein geringerer Regisseur wohl einen kompletten Humbug gemacht. Hier ist das platte Konstrukt wenigstens durch eine liebevolle Bildästhetik und ein Feeling für den richtigen Groove gemindert. Das rettet den Film keineswegs, macht ihn aber deutlich erträglicher. Einen gut geschriebenen Batman-Film von Pitof könnte ich mir insofern als recht exzellent vorstellen.

2. Mai 2005 01:01 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

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