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Nifty Drive

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Es ist immer eine gute Idee, etwas mehr schnellen Speicherplatz auf einem Laptop zu haben, gerade bei der Air-Serie von Apple, die derzeit nur 512 MB Flash-Speicher liefert. Eine elegante Lösung des Problems ist das erfolgreiche Kickstarter-Projekt «Nifty Drive», das eine Art Halterung für Micro-SD-Karten darstellt, die nahtlos mit dem Body eines MacBook Air oder Pro abschließt. In verschiedenen Farben verfügbar wird so der SD-Slot des Laptops genutzt, um ein zusätzliches internes Volume zur Verfügung zu stellen. Selbst mit den schnellsten SD-Karten erreicht man hier zwar nicht die Geschwindigkeit des internen SSD-Speichers, aber für eine mobile Reserve reicht es allemal. Den Nifty-Halter kann man mit einer Büroklammer oder dem beigefügten kleinen Werkzeug problemlos aus dem Laptop ziehen, wenn man etwa tatsächlich Bilder von einer herkömmlichen SD-Karte importieren will. Ob man die Micro-SD, die so nahezu fester Bestandteil des Systems wird, als Medium für Musik, Videos oder Dokumente nutzt, oder auch als eine Time-Machine oder Backup-Lösung für Teile der Laptop-Installation (für das System inklusive aller Daten sind 64 GB allerdings noch zu wenig) ist weitgehend egal – die Möglichkeit, elegant mehr virtuelle Festplatte zu haben, ist die 25 $, die der Nifty Drive derzeit (ohne SD-Karte) kostet, sicher wert.

Easy Switch Keyboard

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Jeder Mac-Nutzer mit mehreren Geräten kennt das Problem: So schön die Wireless-Tastatur von Apple auch sein mag, die Verwendung an mehreren Devices ist ein Alptraum, weil man die Tastatur jedesmal trennen und wieder neu «pairen» muß, um sie verwenden zu können. Zweites großes Manko ist und bleibt Apples Entscheidung, die Tastatur nicht – wie am MacBook – mit leuchtenden Buchstaben zu versehen, die gerade beim Schreiben im Halbdunkeln eine wirkliche Hilfe sind.
Beide Probleme löst elegant eine neue Tastatur von Logitech, die sich via Bluetooth problemlos mit bis zu drei Geräten verbinden lässt – und beleuchtet ist.

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Auf Knopfdruck kann man mit dem Easy Switch Keyboard so etwa Laptop, iPhone und iPad mit einer externen Tastatur nutzen. Formfaktor und Chicklet-Layout der Tastatur gleichen weitgehend dem Apple-Standard, die Verarbeitung ist wie bei Logitech üblich, hochsolide und das Design gleicht weitestgehend dem MacBook-Stil.

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Die Tastatur benötigt keinen zusätzlichen Dongle, sondern verbindet sich einfach mit dem vorhandenen Bluetooth, das Pairing ist ein Kinderspiel. Betrieben wird das Keyboard nicht wie bei Apple von einzelnen Batterien, sondern wie bei Logitech inzwischen Standard mit einer fest verbauten Akku-Lösung. Nachteil ist, dass man nicht mit einem Batteriewechsel wieder frische Energie hat, Vorteil ist die längere Laufzeit und das Aufladen via USB. Unbeleuchtet läuft die Tastatur über Wochen, mit der beleuchteten Tastatur (die man manuell dimmen und abschalten kann) auch tagelang. Die Beleuchtung merkt, wenn man die Hand vom Keyboard nimmt bzw. sich annähert und nimmt entsprechend an Intensität zu oder schaltet sich ab.

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Das Easy Switch Keyboard ist eine elegante Ergänzung für alle, die auf mehreren Geräten längere Texte verfassen und dabei dauerhaft eine mobile, handliche Tastatur bevorzugen. In der Praxis fällt die Tastatur vor allem dadurch auf, dass sie nicht auffällt, sondern sich nahezu unsichtbar in bestehende Arbeitsabläufe einpasst, aufgrund ihrer geringen Größe immer dabei sein kann und eine Lücke schließt, die Apples eigene Keyboard-Lösung bislang offen gelassen hat.

Philips Hue

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Bereits letztes Jahr bestellt und jetzt – allerdings früher als im angekündigten März – angekommen: Das Philips Hue Lichtsystem, mit dem Philips sich erneut als Trendsetter in Sachen iOS-Zubehör und Licht etabliert. Die 8,5 Watt-LED-Birnen entsprechen etwa herkömmlichen 50-Watt-Birnen, haben ein sehr akzeptables Starttempo und sind absolut flackerfrei und ruhig im Licht, verbrauchen aber rund 80 % weniger Strom als herkömmliche Birnen, die Lebensdauer ist auf 15.000 Stunden angekündigt (da darf man gespannt sein).

Der Clou an dem hue-System, das derzeit exklusiv über den Apple Store verkauft wird, ist, dass es eben auch exklusiv mit Apple-Produkten funktioniert. Die Lampen werden über eine iOS-App gesteuert, entweder direkt via WLAN oder – sofern man sich im huePortal angemeldet hat – auch über Funknetz. Das Portal dient zugleich der Synchronisation von Einstellungen und Lichtstimmungen. Die App kann her eine zentrale «Bridge», die per (beigelegten) LAN-Kabel am Router angeschlossen ist mit allen Lampen (laut Philips bis zu 50) kommunizieren kann und in Echtzeit die Befehle der App-Steuereinheit weitergibt. Die smarte Nutzung von App und dem etablierten ZigBeeLightLink ergibt eine in der Praxis absolut überzeugende Lichtlösung.

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Natürlich kann man mit den Hues ordentlich Disco machen (es gibt sogar eine entsprechende, klanggesteuerte App), der wahre Nutzen ist aber einfacher. Man kann im Büro über den Tag entweder manuell oder per Zeitsteuerung die globale sowie individuelle Lichtleistung komplett steuern, jeder Mitarbeiter kann via App «sein» Licht beeinflussen. Philips liefert fertige Lichtrezepte wie «Mehr Energie» oder «Konzentration» mit, die mal mehr mal weniger zu Tageslicht oder Warmlicht neigen, man kann aber auch komplexere Lichtstimmungen erzeugen, indem man etwa mit der einfach zu bedienenden Farbwerte aus einem Photo ausliest, wobei jede Lampe ihren eigenen Farbpicker hat. Das Anmelden des iPhone ist denkbar einfach, App starten, Bridge-Knopf zur Anmeldung drücken – und neue Birnen werden mit Hilfe der App einfach hinzugefügt und können individuell benannt werden. Dass die Birnen bei der Identifizierung blinken, hilft in komplexeren Situationen, die richtige LED zu finden.

Für ein Designbüro ist diese Sache deutlich mehr als ein Spielzeug. Wir können von Tageslicht zur normalen Farbbestimmung bis hin zu einer präsentationstaugichen Dämmerung das Licht sekundenschnell den Arbeitsbedürfnissen anpassen, ohne Lichtschalter bedienen zu müssen. Bei längeren Schichten kann man sich abends eine etwas kuscheligere Stimmung machen, wenn man konzentrierte Lichtpower braucht, ist aber auch ein helles, weißes Licht problemlos gegeben. Bürolampen werden auf einmal zu dimmbaren, weitgehend farbanpassbaren Umgebungsfaktoren – die ergonomische Wirkung ist enorm. Dazu kommt, dass das Licht durchaus angenehm ist, vor allem auch ein glaubhaftes «warmes» Licht möglich ist und die Lampen keinerlei Wärme abgeben.

Es ist zunächst ungewohnt, die Lampen nicht mehr durch die Lichtschalter zu bedienen (was jederzeit geht, natürlich), sondern per Smartphone, Web oder iPad zu steuern. Aber die Vorteile liegen auf der Hand: Die Lampen schalten sich automatisch vor Arbeitsbeginn an, man muss nie wieder ins Büro, weil man das Licht vergessen hat – und im Urlaub kann man eventuellen Einbrechern vom Strand aus eine belebte Wohnung vorgaukeln, wenn man will ;-).

Es ist etwas aufwendig, vor allem bei mehreren Birnen, das System sinnvoll einzurichten, da neue Birnen immer manuell konfiguriert werden müssen, also in einer Farbszene aktiviert sein wollen. Aber natürlich ist dies die Basis für Lichtnutzung in verschiedenen Räumen, da nur so jede Birne in einzelnen Szenen gezielt an/aus und auch hell/dunkel und nicht nur in der Farbe kontrollierbar ist.

Hue ist eine der ersten Anwendungen, die so effektiv Vernetzung/Smart Home und einen Alltagsgegenstand so nahtlos neu erfindet – man darf gespannt sein, wie diese Idee sich auch kommerziell und in interaktiven Experimenten und später zusammen mit «autolucenten» Wänden usw. einsetzen lassen wird. Mit Ideen wie dieser könnte der Abschied von der Glühbirne zumindest teilweise leichter fallen.

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Langly Camera Bag

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Eines der erfolgreicheren Projekte – neben der Pebble Watch – der Crowdfunding-Plattform Kickstarter ist die Photo-Rucksack-Lösung Langly CameraBag. Von dem Photographen Evan Lane erfunden, ist der Rucksack Beweis für die Energie von Kickstarter – früher hätte Lane wahrscheinlich nie das Geld beisammen gekriegt, um sich in dieser Form seine eigene Ausrüstung entwickeln zu können, und selbst dann hätte er noch die ersten Kunden und Multiplikatoren suchen müssen. Bei Kickstarter hat er beides in einem, Mini-Kreditgeber und bereits die ersten Abnehmer.

Tatsächlich ist der Rucksack, wenn man die Qualität mancher Kickstarter-Erstgeburten kennt, überraschend solide und durchdacht, kein Hauch von «Beta-Feeling». Die gewachste Baumwolle, die Lederapplikationen, die Nähte – in jedem Detail steckt genug Liebe, um einen deutlich höheren Preis zu rechtfertigen (wenn ich bedenke, was ein guter Weekender ähnlicher Machart so kostet) und den Rucksack wirklich als Objekt, das mit den Jahren und Belastung nur schöner werden kann, zu schätzen. Aber auch der Aufbau ist absolut durchdacht, tatsächlich die beste Kameratasche, die ich je in den Händen hatte. Die Nahaufnahmen zeigen die Qualität:

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Haltbar vernäht, Leder, Baumwolle – ein Rucksack für die Ewigkeit (oder zumindest für eine ganze Reihe harter Außenaufnahmen)

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Erinnert nicht von ungefähr an Vintage-Parkas: Die LanglyCameraBag ist durch und durch vom Military-Style inspiriert.

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Dezentes und schickes Branding – der Schutzschild ist tatsächlich ein passendes Logo für die Belastbarkeit des Rucksacks.

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Was für ein Unterschied zu herkömmlichen Nylon-Rucksäcken! Beausage-Materialien, wo das Auge hinreicht, nichts, was schlecht altern würde, man darf hoffen, dass dieser Rucksack mit der Nutzung einfach nur verrockter und schöner werden kann. Man will förmlich sofort in den Regen und den Schlamm damit.

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Passend zum Bundeswehr-Look hat der US-Hersteller das schöne deutsche «Rucksack» in das innere Label gedruckt, das den Militärstil endgültig auf die Spitze treibt.

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Keine Angst vor den Verschlüssen, sie tun nur so kompliziert: Die oberen Verschlüsse sind in Wirklichkeit durch Magnete sicher, aber leicht zu öffnen gehalten, die Schnallen sind nur Dekoration. Einerseits etwas schade, weil so natürlich etwas unsicherer als bei echten Schnallenverschlüssen, auf der anderen Seite großartig, weil man in der oberen Tasche beim Shooting die Kamera ablegen kann und durch die Magnetverschluss-Lösung blitzschnell zu Hand hat. Ein optionaler «echter» Verschluss wäre schön gewesen, aber da die Objektive und Kamera auf Reisen im unteren Teil des Rucksacks verstaut werden können, ist der Rucksack kein echtes Sicherheitsrisiko. Man beachte die Vielzahl an zusätzlichen Taschen rund um den Sack – Platz für jede Menge Kleinkram.

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Liebe zum Detail: Die Rückseite des Rucksacks ist ergonomisch gepolstert, selbst absolut gefüllt trägt er sich absolut angenehm

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Die größere Fronttasche ist zusätzlich durch einen Reißverschluss gesichert. Die seitlichen nicht.

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Die obere Tasche lässt sich durch Druckknöpfe erweitern und verengen/verschließen – zusätzlicher Schutz vor Wasser und Langfingern.

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Von Innen ist der obere Teil mehr als Geräumig. Ob man hier bei der Arbeit kurz die Kamera parkt oder auf der Reise ein paar Kleidungsstücke o.ä. verstaut – Platz ist genug.

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Dahinter hat ein komplettes Laptop sicher Platz. Mein 13″ Air hat mehr als genug Platz und kann selbst bei absolut vollgestopftem Rucksack noch problemlos untergebracht werden.

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Im unteren Teil des Rucksacks, dessen Reißverschluss durch eine dicke Wulst vor eindringendem Wasser geschützt ist, finden die Objektive (und auf Reisen der Kamera-Body) Platz. Ich habe hier alle sieben Objektive, die ich sonst in einem Crumpler-Bag und einem Alu-Koffer hatte, unterbringen können, indem ich die kleineren Festbrennweiten etwas gestapelt habe. Ähnlich wie bei Crumpler und anderen Anbietern kann man sich den Stauraum mit gepolsterten Trennern, die mit Klettverschluss fixiert werden (stabiler als bei meinem Crumpler), aufteilen.

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Mit allen Objektiven untergebracht habe ich noch zwei längere Trenner über, es sollte also für alle Anforderungen reichen (die beiden eignen sich übrigens auch perfekt, um komplette Objektive «einzurollen»).

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In die obere Tasche passt tatsächlich die komplette 5DIII, mit Batteriegriff und einem 70-200 aufgesteckt. Griffbereit im oberen Rucksackteil ist das die bisher schönste Lösung für unterwegs, die ich kenne. Unten die Objektive, oben die Kamera sicher untergebracht – alles in einer Tasche und im Zweifelsfall trotzdem die Hände frei. Respekt, Mr. Lang!

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So sieht der Bag randvoll aus – hier ist vom ersten Kabel bis zum letzten Fisheye wirklich jedes Kamera-Zubehör drin, das ich besitze. Stoßfest, so wassersicher wie es ohne Koffer-Monster-Lösungen geht, mobil und tatsächlich phantastisch leicht… und vor allem: Mit Materialien, die einfach Spaß machen und keinen Kompromiss kennen (wie etwa die blöden Plastik-Clips bei Crumpler). Dabei kostet der Bag nicht so viel, dass man ihn nicht anstelle anderer Anbieter bedenkenfrei nehmen könnte. Die Tasche gibt es bei Langly in zwei Varianten (hier ist die Alpha-Version gezeigt) und zwei Farben (Khaki und Grün) zu jeweils 199 Dollar, plus etwa 40 € für den Zoll, die man einplanen sollte.

Die LanglyCameraBag gehört, wie Pebble oder der NittyDrive, zu den Projekten, die ich bei Kickstarter gefördert habe, weil die Idee dieser Plattform an sich so spannend ist – das Venture Capital von Morgen. Dass die Tasche dabei noch so überzeugend ist, ist fast ein Bonus. Sie ist funktional die beste Kameratasche, die ich bisher gesehen habe und ästhetisch eine reine Freude. Ich hoffe, dass es in Zukunft noch viele kleine Alltags-Entrepreneure gibt, denen durch Kickstarter ähnlich phantastische Produkte ermöglicht werden.

2Do Review

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2Do – das bessere Things? Das ist mein erster Eindruck nach ein wenig Testen mit dem neuen Taskmanager von GuidedWays, die neben vor allem islamischer Software bisher durch die exzellente 2Do-Software für iOS und Android bekannt waren. 2Do für OSX ist das Dektop-Gegenstück der mobilen Software und setzt wie diese auf einen einfachen iCloud-Sync, um die Daten abzugleichen. Das bedeutet zugleich auch, dass ToDos automatisch mit der Apple-eigenen Software «Erinnerungen» abgeglichen werden, was einen enormen Vorteil bietet, da über diese Schnittstelle wieder andere Dienste mit den Aufgaben gefüttert werden können.

Sauberes Interface

2Do bietet eine überraschend klare und vertraute Oberfläche – wer einmal mit dem einstmals so erfolgreichen, inzwischen aber fast eingeschlafenen Things gearbeitet hat, wird sich ziemlich sofort zurechtfinden. Zahlreiche Tastaturkürzel machen die effektive Eingabe von Aufgaben effizient, wenn auch das Eingeben von Datum und Uhrzeit nicht so federleicht geht, wie man es etwa von Omnifocus gewöhnt war – die Software erkennt zwar, dass mit 14 der 14. Tag des Monats gemeint ist, aber mit vageren Dingen wie «+1», «tomorrow» oder «next week» ist sie überfordert. Dafür ist der Tabulator bei der Schnelleingabe – die man überall im System sofort hervorrufen kann – in der Reihenfolge fast perfekt gedacht, besser wäre jedoch, wenn nach New Task sofort das DueDate käme und nicht die Notizen und die Tags vorweg.

Organisationswerkzeuge

Neben einfachen Aufgaben lassen sich auch verschachtelte Projekte und Checklisten erstellen, die auch Audio- und Bilddaten sowie Notizen enthalten können. Personen sind diese Aufgaben aber nicht zuweisbar, 2Do ist nicht wirklich gruppentauglich angelegt bisher. Prioritäten und als zusätzliche Auszeichnung ein Stern machen es relativ leicht, die Dringlichkeit zu organisieren und zusätzliche Listen, die man jederzeit einfach anlegen kann und die sich ebenfalls mit «Erinnerungen» synchronisieren, sind eine weitere Organisationshilfe. Leider lassen sich Tasks nicht manuell am Tag in der Reihenfolge verschieben

2Do ist eine vom ersten Moment an grundsolide Aufgabenverwaltung, die leider nicht so durch Details begeistert wie das iOS-Gegenstück, das fast konkurrenzlos auf dem iPad ist.

Es fehlt mir an einer Eingabe über die Menüleiste von OSX, wie es andere Softwares anbieten, es fehlt ein einfaches Drag-und-Drop von Mails oder Links oder Daten, die sofort zu ToDos werden (wie bei Alarms), der iCloud-Sync ist nicht vollautomatisch (oder zumindest dabei nicht so gefühlt sofort wie der von Alarms oder Erinnerungen).

Viele Features

Mit einer 1.0er Version mit Marktführern wir Things oder Omnifocus gleichzuziehen und den mobilen 2Do-Versionen eine souveräne Desktop-Version gegenüberzustellen, ist beileibe keine zu unterschätzende Leistung, und entsprechend ist 2Do eine wirklich sinnvolle Software, die vom Stand weg ein Design anbietet, das den Spaßfaktor von Things mit der Effektivität von Omnifocus verbindet. Anders als Things von CulturedCode ist 2Do allerdings besser mit dem Apple-eigenem Taskmanagement, und damit mit der Siri-Texteingabe und iCloud als Web-Frontend, verzahnt. Wo man bei Things umständlich importieren muss, ist bei 2Do der Workflow nahtlos. Wie bei Things kann man tags verwenden und nach diesen filtern, auch wenn diese Funktion etwas versteckter ist als vielleicht bei Things, dafür aber durchaus mächtiger, man kann zum Beispiel Tag-Gruppen bilden und dadurch recht wirksam die fehlende Ressourcen/Personen-Zuordnung zumindest ansatzweise umgehen, indem man in Task-Ordnern und Projekten eine Gliederung zweiter Art erstellen kann. Die Suchfunktionen von 2Do sind zudem überragend – die Kombination aus Ordnern, Tags, Priorität, Sternchen und Suche lässt kaum noch Sortierungswünsche offen. Ein Fokus-Modus hilft zudem, die gerade wichtigen Aufgaben nicht aus dem Blick zu verlieren und sogenannte «Smart Lists» lassen Aufgaben lassen sich relativ leicht mit den verschiedensten Parametern als Wiederholungen anlegen, einzelne Ordner vom iCloud-Sync gezielt aussperren, die gesamte App hat einen Passwort-Schutz integriert – es gibt einen Grund, angesichts der Vielzahl an Features, warum GuidedWays dem Produkt eine Anleitung als bebilderte PDF beifügen, zumal manche Tastaturkürzel nicht zu intuitiv sind.

Keine Frage – 30 € für einen Taskmanager sind happig, selbst wenn Things und Omnifocus noch teurer sind, wenn man bedenkt, dass Apple mit Erinnerungen einen für den Hausgebrauch wirklich leistungsfähigen und intuitiven Gratis-Aufgabenverwalter anbietet, der wirklich ausgezeichnet funktioniert. 2Do ist nicht so leicht zu begreifen wie Things und nicht so Poweruser-freundlich wie Omnifocus (das durch AppleScripts eigentlich fast alles mit allem kann), sondern liegt sinnvoll zwischen beiden Applikationen, bietet von beiden das beste, wenn auch nicht die letzten Features – aber die Software ist ja auch noch jung. Im Grunde erinnert 2Do deutlicher an Things UI, weniger an die sehr spartanisch-zweidimensionale Optik von Omnifocus (die dafür aber en detail personalisierbar ist). Und es ist zwar nicht so leichtfüßig wie Apples Erinnerungen (wo das Eingeben neuer Aufgaben unfassbar leicht ist), aber dafür in der Tiefe sehr viel leistungsstärker. Allein die Tatsache, dass man mehrere Tasks umfangreich gleichzeitig editieren kann, ist Gold wert.

Raum für mehr…

Die einzige Taskmanegement-Software, die einen ganz eigenen Weg geht, ist wie gesagt Alarms mit ihrem eher auf kurzfristigkeit angelegtem Menubar-Konzept. Ob Mails oder URLs, Dateien oder eine schnelle Notiz, mit Alarms hat man unfassbar schnell Todos eingegeben und kann Aufgaben flexibel im Micro-Management über den Tag verteilen und prioritisieren, ein einem mehr als ansprechenden Interface. Alarms ist nur leider für das komplexere Verwalten über längere Zeiträume nicht wirklich ideal, weil man stets (und genialerweise) nur die nächsten 24 Stunden im Blick hat. 2Do ist insofern eine ideale Ergänzung, weniger eine Konkurrenz, da beide Softwares über iCloud perfekt miteinander abgeglichen werden. 2Do für den großen Überblick, Alarms für die Tagesplanung. Dennoch hat 2Do eine Menge «room fr improvement». Ein Menubar-Icon mit einer sinnvollen Belegung à la Fantastical (wofür die App dann an sich unsichtbar sein sollte), ein eingebauter Pomodoro-Timer, Schnittstellen zu Omniplan/Merlin, sinnvolle Detailverbesserungen sind sicher denkbar. Man darf also gespannt sein, ob nach dem langen Warten auf die 1.0er Version die zukünftige Entwicklung schneller voran geht, oder ob sich, wie bei vielen anderen kleinen Softwareschmieden auch, die Vielzahl von zu bespielenden Plattformen und die Mühe, die Programme überall up-to-date zu halten und dabei auch noch ein Profitmodell zu finden, eher negativ auf die Entwicklung von 2Do auswirken werden.

Gemammamia

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Wer noch Zweifel daran hat, dass die GEMA und die Interessen von Musik-Marketing nicht immer unbedingt eine kongruente Fläche ergeben müssen, obwohl das eigentlich irgendwie doch einleuchtend wäre: Diesen Bildschirm sieht man zu 99%, wenn man hier versucht, sich die Videos zu den Musikempfehlungen anzusehen – die natürliche aktives Musik-Verkaufen sein könnten. Wenn nicht zum einen die Videos nicht ausgecopyrightet wären und zum anderen viele Tracks in iTunes Deutschland noch gar nicht verfügbar sind (bei Esquire-Musiktipps nahezu der Standard, der iTunes-US-Store ist dem deutschen einfach voraus, der deutsche sendet bei den meisten Links aus dem iPad-Magazin eine Fehlermeldung). Wir kommen mehr und mehr zu dem Standard, dass Raubkopieren einfach und schnell ist, legaler Medienkonsum aber kompliziert und langwierig – sinnvoll ist das nicht. Man kann nicht oft genug wiederholen, dass es beim Thema Vermeidung von illegalen Kopien genau um diese Dinge geht, um die Frage des Vertriebs. Schaffen es die Medienvermarkter, eine gekonnte und angenehme Erfahrung von Information über einen Track zu problemlosem Kauf zu langfristigem sicheren Besitz auch bei wandelnden Formaten sicherzustellen? Oder leben wir in einer Welt, in der schon das reine Probehören zu einem Akt wird, bei dem ich mir entweder eine falsche IP zulegen oder die Tracks sozusagen simultan noch per Google ganz woanders suchen muss? Mir selbst wäre ersteres irgendwie einleuchtender.

Track your life

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Einer der spannendsten Aspekte an der Äther-Revolution ist die von (ich glaube) Bruce Sterling vor langer Zeit vorausgesagte Ära der miteinander «plaudernden» Geräte. Der Parasitenmarkt rund um (derzeit vor allem) Apple und Android, die via WLAN, Bluetooth oder noch ganz altbacken per Kabel mit dem zentralen Gerät verbunden sind und Daten austauschen, wächst rapide. Dieser Trend unterstreicht, wie sehr sich Smartdevices als die von Apple vor fast zwei Dekaden mit dem Newton noch als peinlicher praecox angekündigter «personal assistant» etablieren. Unsere Musik, unsere Photos, unsere Lieblingslokale, unser Tagebuch, unsere Kommunikation mit Freunden – auf mitunter erschreckende Art und Weise zeichnen wir unser gesamtes Leben mit einem Verbund von kleinen technischen Geräten ab. Wir sind dabei naiv genug, uns nicht all zu sehr zu fragen, was all die Firmen machen, die unsere Daten freundlicherweise in der Datenwolke für uns aufbewahren und wie sicher die ganze Sache ist – obwohl genau diese Frage in Zukunft wahrscheinlich so wichtig sein wird wie in den 80ern die friedliche und militärische Nutzung von Nuklearmaterial. Es ist heute nicht mehr ganz unsinnig, dass wir in ein oder zwei Generationen nach dem Tod einen «Cutter» brauchen, wie in Omar Naims Film »The Final Cut« von 2004, bei dem zur Trauerfeier als Rememory eine vom Cutter gezielt editierte Fassung des von einem eingepflanzten Mikrochips aufgezeichneten Lebens des Verstorbenen gezeigt wird. Und machen wir uns nichts vor – von hässlichen Google Glasses zu einem Implantat ist wahrscheinlich nur noch ein kleiner Schritt, den vielleicht zuerst diejenigen tun werden, für die das Body-Morphing heute schon durch Piercing oder Tattoos zur Alltagskultur gehört.

Ein kleiner, aber signifikanter Trend hierbei ist das Body-Monitoring. Nach elektrischen Waagen, Blutdruck- oder Blutzuckermessgeräten und Apps, die den Schlaf «messen» sollen, kommt jetzt eine erste, noch eher belustigende erste Welle von Fitness-Trackern. Neben dem bereits wieder aufgrund baulicher Mängel eingestellten »Up« von Jawbone und dem im August erscheinenden, aber in der US-Kritik bereits sehr schlecht angekommenen »Fuelband« von Nike überzeugt hier vor allem das »Fitbit Ultra«.

Das etwa USB-große Gerät wird an Gürtel oder Hosenbund befestigt und fällt damit deutlich weniger auf als bisherige Armband-Lösungen. Der Sensor funktioniert im Grunde wie die damit scheinbar wieder en vogue seienden Pedometer aus den 80ern, er misst einfach die Schrittzahl und die relative Höhe, so dass auch (sehr vage) erklommene Stockwerke angegeben werden. Mit dem dünnen Klettband kann der Clip auch nachts am passiveren Arm getragen werden und trackt dann Bewegungen im Schlaf und tut dies zumindest verlässlicher als vergleichbare Apps, die mit dem iPhone-eigeneren, weniger empfindlichen Sensor arbeiten. Via USB an den Rechner angeschlossen ist die Basisstation des Sticks, die nicht nur zum Laden des mehrere Tage ohne Laden funktionierenden Akkus dient, sondern auch wireless alle 15 Minuten Daten über das im Fitness-Geräte Bereich oft übliche ANT empfängt, sobald der Stick sich einige Meter in Nähe der Station befindet. Die Daten werden auf einer an nike+ erinnernden Site und auf einer enorm unbefriedigenden App dargestellt, außerdem kann sie – wie bei Withings und anderen Anbietern – von manchen Apps von der Site importiert werden. Aber auch direkt am Gerät wird die Aktivität angezeigt – der Stick zeigt mit einem dezenten OLED nicht nur aktuelle Uhrzeit, sondern auch Schritte, zurückgelegte Kilometer, verbrannte Kalorien, Stockwerke und eine Art motivierende »Blume«, die je nach aktueller Aktivität mal kürzer und mal höher wächst. Was er seltsamerweise nicht zeigt, ist der Akkustand. Das Gerät meldet sich zwar, wenn der Akku bedrohlich leer ist, aber dennoch erscheint diese Info sollte eigentlich zumindest so wichtig sein wie eine diffuse Fitness-Blume (die man in den Optionen übrigens deaktivieren kann). Das samtmatte Finish des Gerätes ist angenehm und die Außenhülle wirkt robust genug für sportliche Aktivitäten. Etwas besorgniserregend ist, dass ausgerechnet ein als Clip angelegtes Gerät die Naht exakt in der Mitte hat, die man ja permanent aufbiegt – das sieht etwas nach Sollbruchstelle aus.

Was sich mit dem Fitbit Ultra und vor allem bei Nike mit dem fuelband abzeichnet, ist die Transformation von Sport in den digitalen Lifestyle. Bereits diese oft noch prototypenhaft naiven Geräte sind schon so ausgelegt, dass man über soziale Netzwerke seine Leistungen austauschen und vergleichen kann – das Leben als permanenter Wettbewerb. Diese »Gamification of Life« ist ein sich seit etwa zwei Jahren sehr stark abzeichnender Trend, bei dem foursquare es beispielsweise geschafft hat, das Menschen sogar schon beim Betreten des Supermarkt meinen, diesen »besitzen« zu müssen, um dort nach Möglichkeit Bürgermeister zu werden. Was noch etwas in den Kinderschuhen steckt, hat weitreichende Folgen: Die mit digitalen Spielen groß gewordene Generation ist bereit, das gesamte Leben als Spiel-Metapher zu begreifen, sofern eine begleitende Software ihr das nahelegt. Restaurantsuche, Jogging, Schlaf – alles Elemente eines Spiels namens Leben. Die aufkommende Welle von »augmented reality»-Apps und die zunehmende Verletzbarkeit solcher Datenströme dürfte diesem Trend weiteren Aufschub geben, zumal wir sicher sein dürften, dass die Industrie sich darauf stürzen wird. Ich wundere mich heute schon, warum Supermarktketten nicht Gowalla und foursquare aktiv für Kundenbindungsaktionen nutzen, warum Arbeitgeber nicht Apps gezielt für die Mitarbeiter entwickeln, um Unternehmensziele spielerisch und im Wettbewerb der Angestellten untereinander zu erreichen – der Angestellte des Monats kriegt so eine ganz andere Dimension. Oder warum Krankenkassen fitbit und fuelband nicht an ihre Mitglieder verteilen, um diese dann online «tranken» zu können. Oder warum der Hersteller eines Smartdrinks nicht eine Social App entwickelt, in der man Gewinner ist, wenn man möglichst viel konsumiert und man Videos hochladen kann, wie man Produkt X isst oder trinkt. Man muss nicht allzu zynisch veranlagt sein, um zu sehen, dass in der schönen neuen Welt der Smartphones Entwicklungen auf uns warten, die aus heutiger Sicht vielleicht noch so bizarr klingen wie vor vielleicht 10 Jahren die Vorstellung, dass ein Talkshowgast permanent auf seinem Handy herumtippt.

Es ist aber so, dass die Idee des »Wettbewerbs« aus der neoliberalen Ökonomie Einzug in den Alltag gefunden hat. Hochgezüchtete Sport-Events und Casting-Shows haben die Idee, dass es nur einen Sieger und viele Verlierer gibt, in den Alltag transportiert, selbst Grundschülerinnen haben heute schon die Mentalität hinter «Germany’s Next Topmodel» inhaliert und sind auf lebenslangen Wettbewerb um die knappe Ressource Aufmerksamkeit programmiert. In den Schulen wird ohnehin bereits die Performance, die (Selbst-)Präsentation zunehmend wichtiger, auch weil diese Fähigkeit im Berufsleben immer entscheidender wird, die Kunst des Eigenmarketings. Als Teenager hast du das heute schon früh verstanden, wenn Wohl und Wehe nicht mehr von der Schuhmarke abhängt wie früher, sondern von der Anzahl deiner Follower bei Facebook oder Twitter oder dein Klout-Index. Die Idee von Big Brother, dass ein maximaler öffentlicher Striptease zu einer Art von Proto-Prominenz führen kann, ist heute im Feuilleton angekommen und hat etwa Charlotte Roche zur Bestseller-Autorin gemacht. In diese Wirklichkeit passt es seltsam hinein, dass jeder Aspekt des Lebens dokumentiert und geteilt wird, als Teilnahme an einer Art digitaler Teilhabe an einer zweiten Wirklichkeit, die das Leben als Statistik aus Bildern, Tönen, Werten gefiltert aufbereitet. Wie oft warst du ausgehen? Wie viele Bücher, Filme, Platten hast du konsumiert? Bist du ein Sesselhocker oder aktiv? Ernährst du dich gesund oder eher nicht?

Dahinter steckt zweierlei – zum einen eine fast dystopisch anmutende Idee einer Wirklichkeit, in der nicht mehr der Big Brother uns aushorcht, sondern wir mit größter Freiwilligkeit die letzten Details unseres Lebens veröffentlichen und damit der Industrie zur Profilierung abtreten, eine Realität von Selbstdarstellern, die (wie ich) vielleicht (wahrscheinlich) irrigerweise annehmen, jeder ihrer Gedanken und Handlungen sei es nun unbedingt wert, geteilt zu werden. Wir sind ohne Zweifel nicht auf dem Weg in diese Wirklichkeit, sondern längst dort angekommen und das binnen nur einer Dekade. Auf der anderen Seite entstehen hier Schnittstellen zwischen analoger Wirklichkeit und digitaler Welt, die eine Entgrenzung bedingen. Der Computer wird durch diese Entwicklung ein fast biologischer Teil unseres Seins und unserer Wahrnehmung von Wirklichkeit, so nahtlos und schnell, dass die Osmose in unseren psychosozialen Alltag fast unwahrnehmbar ist. Auch wenn in der Diskussion die Beschleunigung des Lebens durch Smartphones und Social Media kontrovers diskutiert wird, in Wirklichkeit greifen sowohl Schwarzmaler als auch Technophile zu kurz.

Und genau deshalb sind kleine unscheinbar-freundlich-bunte Blobjects wie der fitbit-Stick so phantastisch. In ihnen schleicht sich eine Revolution mit aufreizendem Augenaufschlag und wunderbarer Selbstverständlichkeit in unser Dasein. Mit der WLAN-Waage, dem iPhone-Blutdruckmessgerät, der Video-Cam in der Brille zeichnen wir unser gesamtes Leben lückenlos auf und die Datenmenge wird schon bald jeder bessere Cloudserver auch wirklich hosten können. Photo und Video werden nicht mehr dem Festhalten des vermeintlich Besonderen dienen, sondern dokumentarischen Charakter haben. Wir alle werden Dokumentarfilme, Regisseure, Darsteller in der Soap des eigenen Lebens. Wir alle, auch das, inszenieren uns, stellen uns zur Schau. Dazu passt vielleicht, dass immer mehr Menschen gleichzeitig zunehmend leiden an der Differenz zwischen dem, was man nach außen präsentieren zu müssen meint und dem, was innerlich gefühlt wird. Die Frage ist also, ob die technologische Form von Gedankenübertragung in Echtzeit, die uns digitale Medien erlauben, zu einer verlogeneren Gesellschaft führt, in der jeder meint, eine Fiktion leben zu müssen, also einer Form von Gegeneinander, in der jeder jeden im Wettbewerb toppen muss… oder sie zu einer wirklich transparenteren, offeneren Diskurschance führt, einem Miteinander. Anders gefragt: Benutzt man den fitbit, um mit gegangenen Kilometern anzugeben oder will man nur die Wirklichkeit messen und teilen?

Kleines Update 08/12: Nach knapp zwei Monaten ist das Display des Fitbit Ultra defekt, erst zur Hälfte, dann komplett dunkel. Momente, in denen man froh ist, bei Amazon gekauft und unkompliziert gegen ein Neugerät umtauschen zu können. Ansonsten übrigens bisher eine sehr angenehme Erfahrung, den fitbit zu benutzen. Auch wenn er nicht wirklich supergenau ist, ist es nicht uninteressant zu sehen, wie sich Aktivitäten am Tag verteilen usw.

ColorKit Suite von CrumplePop

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Wer mich kennt, weiß, dass ich ein ausgesprochener Fan von kreativen Plug-Ins bin, die mal nur zeitsparend sind, mal die Möglichkeiten der Bildbearbeitung in einem gegebenen Budgetrahmen erweitern und oft genug eine schwierige Produktion auch einfach retten können. Was für den Photoshop gilt, gilt für FinalCut natürlich genauso: Das an sich etwas fade Programm wird schnell spannender, wenn smarte Drittanbieter die Möglichkeit geben, mit besseren Filtern zu arbeiten als Apple selbst sie anbietet. Crumplepop zählt zu diesen Firmen. Die FCPX-Filter sind meist preiswert und schwanken zwischen Gimmick und tatsächlich professionellen Tools. Zwei neue, etwas hochpreisigere Plug-ins, der 16- und 35-mm-Korngenerator Grain 35 und ColorKit, mit dem sich sehr einfach professionelle Film-Farbstimmungen erzeugen lassen, gibt es jetzt mit zwei Licht-Effekten zum Setpreis von 299 € als ColorKit-Suite. Da die beiden «großen» Plug-Ins in der Suite allein jeweils 199 € kosten, ist das ein echtes Angebot und dürfte weiter dazu beitragen, dass Video-Editing das neue Desktop-Publishing wird..

Paper

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Was von Null zur App der Woche wird, muss schon etwas besonderes sein. »Paper by FiftyThree« ist das zumindest ansatzweise. Es fällt irgendwo zwischen die Notizbuch- und Zeichenapps, die es für das iPad gibt, kommt aber an die besten Vertreter beider Gattungen nicht wirklich hundertprozentig heran. Notebook-Apps wie Bamboo Paper, Noteshelf oder Penultimate können längst Photos importieren, haben variable Stiftgrößen, können zum Teil direkt Texteingabe und sind mitunter an Evernote und Dropbox angebunden und erlauben so einen sehr flüssigen Workflow mit handschriftlichen Notizen. Auf das reine Zeichnen am iPad kaprizierte Apps hingegen bieten volle RGB-Farben, multiple Brushes, Pan und Zoom, Ebenen und höhere Auflösungen. In beiden Bereichen kann »Paper« nicht wirklich mithalten, im Gegenteil. Ist die App dennoch die rund 8€ wert, die sie am Ende kostet, wenn man per In-App-Kauf die kompletten Stifte aktiviert hat?

Jein. »Paper« hat ein herausragendes Interface, mit dem eine Art Moleskine-Skizzenbuch mit einem Bamboo-Stift erstmals wirklich aufkommt. Wie man die Bücher mit einem Pinch öffnet, darin blättern kann, mit einem weiteren Pinch auf der Seite ist – hervorragend gelöst und phantastisch animiert. Der Flow der simulierten Tinten, Bleistifte und Wasserfarben lässt alle anderen Notizbuch-Applikationen (wenn auch nicht SketchBookPro) alt aussehen. Es macht Spaß, in »Paper« zu arbeiten, selbst wenn ich die skeomorphe Werkzeugpalette zu aufdringlich finde. Die Ergebnisse, selbst schnellste Skizzen, können sich sehen lassen und die verschiedenen Werkzeuge und Farben reichen allemal, um Ideen festzuhalten ohne (wie bei reinen Malprogrammen) den User gleich im Overkill der Optionen zu frustrieren oder in der Arbeit zu bremsen. Unter dem Aspekt finde ich die eingeschränkte Farbpalette des Programms fast positiv. Die Rewind-Geste zum Rückgängigmachen bzw. Wiederherstellen ist gegenüber den sonst üblichen Undo/Redo-Buttons ein Geniestreich, so wie Gestensteuerung von »Clear« ja auch ein Gamechanger ist.

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Auf der anderen Seite fehlt es »Paper« an vielem. Der Output ist – obwohl das Programm sich »retina«kompatibel nennt, nur 1048×768 Pixel, also nur halbe Retina-Auflösung, das ist einfach zu wenig. Auch ist es kompliziert, Bilder zu exportieren – ich würde dankbarst auf Twitter und Facebook verzichten, wenn die App wenigstens direkt in die Camera Roll speichern könnte. Aber bisher ist der einzige Weg, Bilder zu exportieren, sich selbst eine PDF zuzuschicken. Von Dropbox oder Evernote keine Spur, obwohl beides gerade für Skizzenbücher enorm Sinn machen würde. Dazu passt leider nur zu gut, dass man nur Einzelseiten als JPG, kein gesamtes Buch als PDF exportieren kann – eigentlich ein Standardfeature in anderen Notizbuchprogrammen. Auch die Fähigkeit, in das »Blatt« zu zoomen und somit etwas feiner arbeiten zu können, sollte eigentlich gegeben sein, und wäre ideal im Kontext mit höherer Bildauflösung. Dagegen ist schon fast ein Detail, dass man beim Umblättern – obwohl das insgesamt schön intuitiv gelöst ist – andauernd unfreiwillig Striche in die Zeichnungen »malt« oder das beim Schreiben am unteren Seitenbereich immer wieder die riesige Werkzeugpalette hochfährt, wodurch dieser Bereich etwas unbrauchbar wird. Zu diesem etwas unfertigen Feeling passt auch, dass es keinen hochformatigen »Portrait«-Modus gibt (wobei man aber, da es ohnehin keine mittlere Trennung der »Doppelseite« gibt, auch im Hochformat malen kann), sondern die App nur quer funktioniert. Schade ist auch die Tatsache, dass es bislang nur unliniertes und unkariertes Papier gibt – wobei ich denke, dass ein Anbieter, der sich jeden Pinsel bezahlen läßt, auch bald auf die Idee kommen wird, zusätzliche Papiere zum Kauf anzubieten.

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Insgesamt hat »Paper« soviel Potential wie Probleme. Interface und Inkflow sind grandios, der Spaßfaktor Ist zweifellos hoch, die einzelnen Notebooks und ihre Cover sehen phantastisch aus, dagegen wirken Bamboo und Noteshelf spontan unattraktiv. Dennoch bringt der schönste Spaß nichts, wenn der Output nicht stimmt. »Paper« braucht vor allem höhere Auflösung, bessere Exportoptionen und dann mehr Werkzeuge und Optionen, um vom Spiel- zum Werkzeug zu werden. Wenn FiftyThree in den nächsten Versionen soviel Detailliebe und Perfektion an den Tag legt wie mit dem Debüt, darf man gespannt sein und auf eine funktionale Einlösung des Versprechens hoffen, dass »Paper« hier abliefert.

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Wacom Bamboo Pen & Touch

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Auch von Wacoms Einsteiger-Tablett Bamboo ist eine neue Generation erschienen, die vor allem optisch deutlich erwachsener wirkt als die Vorgängerserie. Wenn auch längst nicht so reduziert und professionell wie die Intuos-Serie, wirkt die aktuelle Baureihe der Bamboo-Geräte nicht mehr wie Spielzeuge, auch wenn Namen wie Pen & Touch Fun dies nahelegen (Fun bezieht sich eigentlich nur auf das Softwarepaket).

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Es gibt von der Bamboo-Serie mehrere Varianten, darunter Pads, die nur Stifteingabe oder Stift und Touch-Bedienung unterstützen, zwei Größen beim Fun (small und das etwas größere medium) und verschiedene Softwareausstattungen. Da ich die Software nicht brauche und für die mobile Arbeit am Air als Gegenstück zum Büro-Intuos eher die handlichere Größe bevorzuge, ist das knapp 90 € teure Pen & Touch, dessen dezentes Schwarz mir eher liegt als das Pseudo-Apple-Alu-Plastik, die ideale Wahl gewesen. Das Gerät kommt mit einer neongrünen Kontrastfarbe für die Stiftlasche und die Rückseite, für meinen Geschmack etwas zu poppig, aber der Look unterstreicht den Freizeitcharakter und soll das preiswerte Gerät wohl deutlich von der Profi-Hardware unterscheiden.

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Wobei das kaum nötig wäre. Verarbeitung des Tabletts und vor allem das Feeling und die Responsivität des Stiftes sind mit dem Intuos kaum zu vergleichen. Wer die Arbeit mit einem Eingabetablett am Bamboo kennenlernt, wird sich vielleicht nie wirklich für ein Intuos entscheiden, denn der Unterschied ist so dezent wie entscheidend. Beide Geräte liefern Stifteingabe, aber wo das Intuos instinktiv, nahtlos und völlig natürlich reagiert, fühlt sich das Bamboo steifer und künstlicher an, ausreichend für »on the road«, aber beileibe kein Vergleich. Ich bin nicht mal sicher, ob es nicht vielleicht ein Marketingfehler ist, so eine Einsteigerklasse anzubieten… es verdirbt den Spaß am Tablett. Was nicht heißt, dass das Bamboo seinen Preis nicht wert wäre – es ist vielmehr so, dass der fast fünffache Preis für das Intuos eben absolut gerechtfertigt ist.

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Das Bamboo verfügt über weniger Programmiertasten als das Intuos und hat bei Toucheingabe im Groben die gleichen Probleme wie der große Bruder – die Oberfläche des Pads ist zwar größer als die des MacBooks, (allerdings deutlich kleiner als das Bamboo insgesamt vortäuscht und dabei drastisch reduziert im Vergleich zum Verhältnis passive/aktive Flächen beim Intuos – beim Bamboo ist die aktive Fläche irgendwo zwischen A5 und A6), aber auch weniger geschmeidig und »natürlich« und dabei anfälliger für Staubablagerungen. Dennoch ist das Bamboo für den kleinen Preis ein absolut überzeugendes Gerät – ideal für Retuschen unterwegs und durch die Toucheingabe etwas flexibler. Zahlreiche schöne Designdetails wie die eisschollenartige Struktur der Express Keys, die Stiftlasche (die ich mit am Intuos auch wünschen würde), der besser ins Gerät versteckte USB-Anschluss und vor allem die totale Mobilität des kleinen Pads überzeugen durchweg. Es ist der perfekte Kompagnon, wenn man auch unterwegs zumindest ein »Intuos Light« dabei haben will oder muss.

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Ein gerade mobil überzeugendes Feature ist die Wireless-Option von Wacom. Während mit das zumindest für meine Zwecke beim Intuos, das relativ fest am Schreibtisch seinen Platz hat, nicht sinnvoll erscheint, kann es beim mobile Arbeiten schon Sinn machen, wenn man kein störendes Kabel zwischen Notebook und Pad hat oder wenn man mit dem aufgeladenen Pad-Akku die Laufzeit des MacBooks etwas schonen kann, indem kein Strom via USB abgezogen wird. Das Wireless-Kit kann für verhältnismäßig moderate 40 € nachgerüstet werden – happig in Relation zum Bamboo, preiswert relativ zum Intuos (wo es aber eben weniger Sinn macht) – und ist mit zwei Handgriffen eingebaut, indem man den Akku und den Sender in die dafür vorgesehenen Slots schiebt. Über die Akkulaufzeit kann ich aus Erfahrung noch wenig sagen, laut ersten Tests kann sie bei wohl bis zu sechs bis acht Stunden liegen, was absolut ausreichend erscheint – aber eben nur für ein Bamboo.

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Ein Intuos bräuchte nämlich eigentlich eher eine Art Schreibtisch-Ladestation und Sender à la Logitech, um im Büro wireless Sinn zu machen. Denn ein großer Schönheitsfehler der kabellosen Freiheit ist, dass an einen dezidierten Empfänger an einen USB-Port anschließen muss. Heißt eigentlich also: Man braucht einen USB-Port für das Laden des Pads und einen als Empfänger, wenn man sozusagen frei zwischen Kabel und Wireless wechseln will. Aber selbst beim Bamboo ist es keine gute Entscheidung, am Air einen der zwei USB-Slots für einen Empfänger draufgeben zu müssen, wenn WLAN und Bluetooth eigentlich vorhanden sind und als Standards genutzt werden könnten. Ich kann mir nicht denken, dass die Daten so komplex sind, dass man sie nicht via 2.1er BT oder eben WLAN senden könnte – und sei es nur als Option (die aber im Handbuch nicht erwähnt ist, leider, und das Pad wird nicht vom System-Bluetooth erkannt). Das ist ein großes Manko, weil man dann eigentlich nicht von Einschalten-und-Loslegen sprechen kann, sondern eher wie früher bei Logitech Tastaturen und Mäusen immer wieder diese Dongle-Steckerei vorher machen muss. Es sollte eher so »gedankenlos« gehen wie das nutzen eines normalen Trackpads, das – einmal verbunden – nach dem Einschalten sofort verfügbar ist, ohne dass ich noch etwas an der Hardware machen müsste. Da hilft es leider auch nichts, dass im Gehäuse ein Platz für den Empfänger vorgesehen ist, so dass das kleine Gerät nicht verloren geht. Ich habe zumindest in der Kürze der Zeit noch keinen Workaround gefunden, Tablett und Air über das normale Bluetooth zusammenzubringen, obwohl der Empfänger-Dongle sehr deutlich macht, dass hier eine BT-Technologie verwendet wird. Was schade ist, denn beim Intuos 4 ging es mit dem «Onboard»-Bluetooth. Keine Frage, ein eigener Dongle macht es für den Nutzer einfach – einstöpseln, fertig – aber es sollte eine Pairing-Option geben, die den eigenen Empfänger überflüssig macht.

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Alles in allem ist das Bamboo für unter hundert Euro ein guter Einstieg in die Arbeit mit einem Pen-Tablett, obwohl jeder, der halbwegs ernsthaft am Rechner graphisch arbeitet, sorgenfrei auch den Mehrpreis für das Intuos investieren sollte, und eine phantastische Mini-Lösung für das Arbeiten unterwegs. Es funktioniert so zuverlässig wie man das von Wacom kennt – ich jedenfalls hatte keinerlei Probleme mit Hard- oder Software (obwohl ich persönlich finde, dass die Treiber von Wacom sich inzwischen in zu viel einmischen, weil sie mit ihren eigenen Gestendefinitionen ins System gehen, anstatt sozusagen einfach auf die normalen Trackpad-Gesten aufzusetzen. Less is more – so wie es ist, fühlt es sich leider mehr und mehr nach Logitech an). Wünschenswert wäre eigentlich nur eine nahtlose echte WLAN/BT-Anbindung (was fast via Firmware-Upgrade machbar sein sollte) und auf diesem Weg vielleicht eine Möglichkeit, Bamboo und iPad zusammenzubringen, was nicht so abstrus ist, wie es zunächst klingt… denn so könnte man die nuancierte Arbeit mit dem Stift auf dem Wacom auch mit dem iPad nutzen.

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Das neue iPad

hd schellnackIn Wirklichkeit etwas schärfer: Das neue iPad

Die technischen Neuerungen zum «neuen» iPad sind ja inzwischen gut und abdeckend bereits anderenorts beschrieben und mit dem iPad 2 verglichen und ich kann mich kurz den meisten Meinungen anschließen nach dem ersten Tag herumspielen damit.

Das Retina-Display ist phantastisch, sofern die App es unterstützt und wird sehr schnell sehr nervig, wenn nicht. Medien, die nicht hoch aufgelöst wird, sind ein Alptraum, weil die schlechte Qualität gnadenlos entblößt wird. Apple hätte unbedingt ein 128 GB ipad anbieten müssen, denn mit diesem iPad wirst du Apps, Filme, Magazine und Comics in höherer Auflösung brauchen, bei 1400 px für einen Comic-Scan war man bisher gut dabei, diese Zeiten sind vorbei, das gleiche gilt mit Blick auf SD/HD-Video. Dieses iPad wird sehr viel speicherhungriger sein. Wer kurzsichtig ist und ohne Brille liest, wird dennoch weiter Pixel erkennen, aber die Qualität der Darstellung macht einen absoluten Quantensprung nach vorn. Es ist übrigens verblüffend, dass diese Verbesserung sich schon nach wenigen Minuten völlig selbstverständlich anfühlt, so, als hätte bisher das Gehirn die »Pixellöcher« in der Wahrnehmung von Büchern auf dem alten iPad ausgeblendet. Bücher jedenfalls sehen phantastisch aus. Aber wie das so ist – die letzten 5% sind die schlimmsten. Die jetzt fast an Papier heranreichende Qualität, weit entfernt von normalem «Bildschirm»-Feeling, macht nur noch umso deutlicher, wie viel schärfer echtes Papier eben doch ist und wie anders sich ein Buch letztendlich anfühlt. Gerade die neue Perfektion der Simulation lässt so etwas wie Nostalgie nach dem 100% Echten aufkommen. Das gleiche gilt für die skeuomorphen Interface-Elemente wie Holz, Leder, Stoff usw. Die sahen absurderweise in der niedrigen Auflösung glaubhafter aus als in HD – die bessere Auflösung lässt der Phantasie weniger Raum, Lücken zu füllen und zeigt die Mängel des digitalen Renderings deutlich sichtbar. Der Holzhintergrund von iBooks sah nie so billig aus wie jetzt. Für Interface-Designer wird die 2048er-Auflösung eine echte Herausforderung. Auch wirkt das angeblich kontrastreichere Display schnell einen Hauch zu hell, um dann schlagartig einen Tick zu dunkel zu sein, sobald sich das Umgebungslicht ändert. Es mag seltsam klingen, aber ich fand es schwieriger in wechselnden Lichtverhältnissen die richtige Einstellung zu finden. Nach wie vor bleibt das Pad ein Indoor-Gerät, das im hellen Sonnenlicht nicht funktioniert. Nachts ist es, obwohl sich das Display schon sehr herunterdimmen lässt, einen Touch zu hell, in der Sonne im Freien kann es sich nicht durchsetzen. Für den Strandurlaub also immer noch echte Bücher einplanen. Auch das neue iPad ändert also wenig an der grundsätzlichen ergonomischen Überlegenheit von Papier als Medium (Lesemedium, nicht Speichermedium… in Sachen Vielseitigkeit und Archivierung ist das iPad natürlich weit voraus, in Sachen augenentspannender Lesespaß immer noch weit zurück.) Auffällig ist zudem, dass das Display deutlich kühler eingestellt ist als das iPad 2. Direkt nebeneinander ist das alte iPad eher magentafarben, das neue iPad eher einen Hauch in Richtung Cyan. Nach einer Weile fällt das nicht mehr auf, aber dennoch ist seltsam, dass mit jeder Generation die Farbigkeit so sichtbar schwankt. Dazu kommt, dass zumindest Fabian ja ein Lightleak im Gehäuse hatte, so wie ich bei der ersten Fuhre von iPads 2 – sowas darf einmal passieren, bei der folgenden Generation eigentlich nicht mehr.

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Close-Up: iPad 2

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Close-Up: Das neue iPad. Der Unterschied ist frappierend.

Alte Apps sehen auf dem neuen iPad übrigens bedenklich schlecht aus. Ich hoffe, es dauert nicht wie beim iPhone ewig, bis die diversen Anbieter Updates liefern. In den letzten Tagen hagelt es Updates, aber obskurere Applikationen werden ja häufig nicht mehr richtig gepflegt – und das wäre jetzt schade.

Die 50 Gramm mehr Gewicht merkt man tatsächlich, so albern es klingt, vor allem, wenn man das Bad an der Seite festhält und das volle Gewicht in den Fingerspitzen trägt. Hält man beide Geräte in der Hand, so ist das neue iPad spürbar schwerer. Den Hauch mehr Tiefe des Gehäuses allerdings spürt man eher nicht. Der Formfaktor ist nahezu identisch und da ich das iPad beim Lesen im Bett nach wie vor auf der Brust »abstelle« würde ich mir immer noch einen sanfteren Übergang von Screen zu Body wünschen, das war beim dickeren iPad 1 tatsächlich angenehmer, weil weniger scharfkantig.

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Nur marginal dicker trotz der für den Bildschirm nötigen höheren Systemleistung.


Bei der Geschwindigkeit habe ich keinerlei wirklichen Sprung nach vorn feststellen können (und auch nicht erwartet), ganz im Gegenteil, manche OS-Animationen neigen fast zu gefühlter Langsamkeit. Das Pad wird außerdem sehr schnell spürbar warm an der linken Seite, selbst wenn der Prozessor nicht wirklich belastet ist, in einer Art, die ich vom iPad 2 so nicht kenne. Das bisherige iPad war selbst bei Hintergrundprozessen und gleichzeitiger Arbeit bisher niemals spürbar derart warm geworden. Generell scheint die höhere Leistung des Bildschirms die Ressourcen des Gerätes also voll aufzubrauchen – von der Verdopplung des RAM, der GPU-Beschleunigung, dem neuen Prozessor merkt man als Nutzer außer der abfallenden Wärme eher nichts. Ob der gigantisch gewachsene Akku ohne LTE ein paar Stunden mehr Laufzeit bringt oder auch komplett von dem Killer-Display leergesogen wird, muss man abwarten. Er scheint auf jedenfalls zumindest an USB-Ports merkbar langsamer nachzuladen.

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Rotblau – das neue Display ist zumindest frisch out of the box erst einmal deutlich kühler als das vom iPad2

Die »Light«-Version von Siri funktioniert auch gemessen am bisherigen DragonDictation für das iPad ausgezeichnet. Vorzüglicher in das Keyboard integriert als beim iPhone, macht Spracherkennung beim iPad enormen Sinn und mich würde nicht wundern, wenn das auch in OSX nicht sehr bald ein wichtiges Feature wird. Dass das Assistentensystem Siri es selbst nicht auf das iPad geschafft hat, halte ich für keinen großen Verlust. Das iPad ist weniger ein Hands-Free-Gerät und ich merke selbst beim iPhone, dass ich Siri eher selten benutze, etwa beim Autofahren, weil die Fehler/Irrtümer gegenüber der Nützlichkeit doch sehr frustrierend sind. Die Diktatfunktion nutze ich hingegen auch am iPhone verblüffend oft (zumindest wenn ich alleine bin) und denke, dies wird auch beim iPad der Fall sein. Tatsächlich macht ein System wie Siri auf dem iPad (noch) wenig Sinn, auch wenn es eventuell trotzdem über kurz oder lang darauf laufen wird – vermissen würde ich es derzeit sicher nicht. Siri ist deutlich mehr als ein Gimmick, wenn aber das simple Versenden einer SMS vier Anläufe braucht, bis alles stimmt, ist dieser Interface-Ansatz einfach noch zu unausgereift für das iPad.

Die neue Kamera ist ein Lichtblick, vor allem, weil die bisherige einfach so unverschämt schlecht war. Obwohl immer noch nicht an der Qualität der 4S-iPhone-Kamera angelangt und ohne Blitz, ist das iPad war sicher (und zurecht) keine sinnvolle Kamera (das iPhone eigentlich auch nicht), aber für schnelle Schnappschüsse von Notizen bei Meetings und für einen schnellen Klick reicht es jetzt absolut – das eröffnet dem iPad neue Möglichkeiten, als Datenerfassungsgerät vollwertiger zu funktionieren. Nicht zuletzt ist die Videoqualität besser und das iPad ist gerade durch seinen größeren Formfaktor dem iPhone eigentlich als Video-«Kamera» fast überlegen, man hält das Gerät einfach ruhiger mit beiden Händen und der gigantische High-Res-Bildschirm macht Video-Aufzeichnungen zu einer Erfahrung, mit der eigentlich kein einzig vergleichbares Gerät derzeit mithalten kann.

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Fast die einzig sichtbare Erneuerung des ansonsten für Laien identischen Gerätes ist die größere Kameralinse.

Generell macht das Wegfallen der Kennziffer im Namen des iPad deutlich, was seit längerem bei Apple deutlich ist: Wie bei den Desktop-Geräten geht es auch bei den Mobilgeräten inzwischen um eine langsame, stetige Verbesserung, nicht um revolutionäre Leistungssprünge. Beim iMac haben wir uns daran gewöhnt, dass es neue Prozessoren, größere Festplatten und schnellere Grafik gibt, und ab und zu mal ein Update von Gehäuse oder Monitorgröße. Selbst drastische Innovationen wie etwa Thunderbolt sind in der Evolution der Geräte von wenig Hype begleitet. Die meisten Desktopgeräte von Apple sind in ihrer Entwicklungsgeschichte an einem Punkt, der stetige Verbesserung, aber keine drastischen Entwicklungen verspricht. Das ist eine smarte Strategie, die gewährleistet, dass der Wertverlust alter Geräte in der Entwicklung relativ stabil bleibt. Der eine mag seinen alten iMac entsorgen, weil SSD und Thunderbolt wichtig sind, der andere bleibt mit seinem Vorjahresmodell absolut zufrieden und wird vielleicht erst in zwei drei Jahren die Akkumulation an Neuerungen haben, die ihn zum Update bewegt, zumal Apple ja doch regelmäßig den Formfaktor so ändert, dass nach drei bis vier Jahren spätestens der Alterungsprozess auch sichtbar wird und ein Kaufimpuls gesetzt ist. Gemessen an der Vielfalt von Modellen und dem stetigen, unruhigen Wechsel in der Windows-PC-Welt ist diese Politik der ruhigen Hand eine sinnvolle Strategie, die jetzt eben auch das iPad und ab Herbst sicher auch das iPhone einholt. Gottseidank, denn ein iPad 18 wäre ein Unding und die Versionsnummern züchten eine Erwartungshaltung, die Apple bald schon nicht mehr wird einhalten können. Schon vor dem Release dieses iPads geisterten unhaltbare Gerüchte von taktilen Displays durch die Blogs, und nach jeder Keynote scheint es zunehmend um das zu gehen, was die Firma nicht geliefert hat. Es macht Sinn, diese Erwartungshaltung aufzugeben und sich mit einem langsamen, stetigen Prozess anzufreunden, wie Apple ihn auch seit Jahren bei der Software fährt. Jeder weiß, wo die Reise hingeht – iOS und OSX werden eins, Retina-Touchscreens auch bei den (ohnehin aussterbenden) Desktops, mehr Leistung bei den mobilen Geräten, über kurz oder eher über lang vereinfachtes 3D und so weiter – aber wer sich eine Weile in einen Apple Store stellt und den durchschnittlichen Neukunden zuhört, der weiß, wie klug die Strategie des Unternehmens ist, tropfenweise und langsam mit solchen Neuerungen zu kommen, nicht nur finanziell, sondern auch, weil die Nutzer so langsam in die Innovationen hineinwachsen können. Schon heute dürfte der Sprung vom Nokia-Handy zum Iphone 4S für einen unbedarften User eine Herausforderung sein: systemweite Gesten, die aber in einigen Apps anders belegt sind, eine grundlegende Betriebssystemlogik, Einstellungen, die richtig vorgenommen sein sollten, wenn man seinen Akku mag, eine Sprachsteuerung, die komplett erlernt sein will. Wer mit dem iPhone 1 oder 2 angefangen hat, dürfte all dies peu à peu gelernt haben und niemals überfordert gewesen sein, wer »kalt« einsteigt, hat als Laie eine durchaus steile Lernkurve vor sich. Apple ist also gut beraten, die Lernkurve an der iOS-typischen Einsteiger-Zielgruppe zu orientieren und sowohl Hardware als auch Software biologisch und langsam wachsen zu lassen. Dafür spricht auch der an sich ja ungewöhnliche Split zwischen Updates der Soft- und Hardware (iOS selbst wird ja immer erst im Herbst mit dem iPhone erneuert).

In einer von keiner anderen Firma so praktizierten Methode – vielleicht weil niemand anders Hard- und Software und sogar Medieninhalte auch nur ansatzweise so einheitlich anbietet wie Apple – entsteht hier eine Art »Sippe« von Geräten, die nahtlos miteinander verzahnt sind und in einer Art sanften infrastrukturellem Übergang von iPod bis MacPro modular verschiedenste Nutzungsszenarien zulassen, die immer durch multiple Geräte profitieren. Dass dabei iOS im Vordergrund steht ist allein durch den Umsatz der mobilen Geräte selbstverständlich. Ein selbst marginal erneuertes iPad wird in Zeit, Spiegel und FAZ zum Thema, ein iMac oder MacPro keineswegs. Wenn Apple also vom Post-PC-Zeitalter spricht, so ist dies eigentlich irreführend – denn durch schnelle Datennetze und leistungsstarke mobile Endgeräte *wird* der Computer überhaupt erst persönlich, er rückt uns auf die Pelle. Auf dem Weg zu neuen Interfaces ist das neue iPad nur ein kleiner Schritt, im Verbund mit der Gesamtstrategie Apples aber werden wir in wenigen Jahren zurückblicken und uns wundern, wie schnell das alles ging. Apple hat seit Mitte der letzten Dekade die Art wie wir über Computer denken, grundlegend geändert (und exzellent daran verdient) und die in Bewegung geratene Lawine vernetzter, tragbarer, immer «realer» werdender Geräte, die mehr und mehr als technische eigene Entitäten nicht mehr wahrnehmbar sind, sondern sich in das verwandeln, was die Software uns jenseits der Pixel-Wahrnehmungsgrenze des Auges vorspiegelt (denn nach 2048 ist 4096 doch nur eine Frage der Zeit und dann kannst du gar nicht mehr so kurzsichtig sein, noch irgendwelche Pixel zu sehen) ist bereits so schnell und immersiv geworden, dass wir fast gelangweilt auf den Fortschritt blicken. Dabei ist es ein kleines Wunder, dass wir nur ein Jahr nach dem iPad 2 jetzt bei gleicher Akkulaufzeit ein Display mit doppelter Auflösung – mit faktisch bisher unerreichter Pixeldichte – in den Händen halten, das zudem noch potentiell höchste Datenraten zulässt. Wer will da noch den Fortschritt nach Hardware-Verbesserungen oder «neuen Features» bemessen, den es eigentlich längst im systemischen Verbund der kleinen Einzelverbesserungen zu entdecken gibt, in der ein photorealistisches Display eben nur ein weiterer Mosaikstein ist.

Sparrow auf dem iPhone

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Ihr kennt es wahrscheinlich – manchmal möchte man sich seine Software wie Frankenstein aus verschiedensten Elementen bestehender Software zusammenstückeln dürfen. Das war immer so, wird immer so sein. Die jeweils neuere Version kann dieses oder jenes besser, oder A bietet einfach ein Feature, dass Programm B seit Jahren nicht näherungsweise hinkriegt. Ich würde mir beispielsweise viele Details von Pixelmator in Photoshop wünschen, aber Pixelmator kann Photoshop nie ersetzen, weil eben entscheidende Features komplett fehlen. Es gibt Programme, bei denen man denkt: Super, aber XYZ kann dieses eine Ding echt besser, ist aber ansonsten schlechter… Und genau so geht es mir seit Jahren mit Mailprogrammen wie AppleMail, Postbox und Sparrow. Ich nutze alle drei (für verschiedene Zwecke), was nicht gerade effektiv ist, und würde mir längst wünschen, Apple würde in das Standardprogramm einfach die guten Features der beiden Konkurrenzangebote aufnehmen. Aber es passiert einfach nie. Und das dürfte auch ein Problem für Sparrow auf dem iPhone werden, weil es eine typische «Eigentlich super, aber…»-Software ist.

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Nicht perfekt gelöst, aber guter Ansatz ist die ausfahrende Action-Leiste bei Mails.

Sparrow ist auf dem Mac seit einiger Zeit eine phantastische Alternative zu Apples eigenem Mail-Programm. Obwohl die Suchfunktionen lange nicht so ausgefuchst sind und mich nach wie vor einige Details an Sparrow ärgern, ist vor allem die Quick-Reply-Funktion und die Leichtigkeit der Software insgesamt, herausragend. Die Integration in die Menüleiste, die systemweiten Shortcuts für neue Mails, die sinnvolle Integration von Tastenkürzeln und Gesten, nicht zuletzt das sehr an iOS-Apps angelehnte Flair des minimalistischen (wenn auch nicht immer ganz konsequenten) Interfaces machen einfach Spaß.

Es ist also nur folgerichtig – und seit einiger Zeit in Entstehung – eine von iOS inspirierte Minimal-Applikation auch auf iPhone und iPad zu bringen. Und während es Sparrow für das iPad noch nicht gibt und auch die iPhone-Variante etwas wie ein Schnellschuß wirkt, ist Sparrow auch auf dem iPhone eine zumindest ansehenswerte Alternative zu Apples hauseigener Lösung.

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Nervig: Die Adressauswahl vor dem Schreiben einer Mail und das schlechte Handling von eMail-Adressen, die zudem alle entweder gleiche oder auch mal gar keine Bilder zugeordnet haben.

Der Nachteil, dies vorweg, ist beim iPhone allerdings, dass Mail nahtlos ins System integriert ist, immer »on« ist, entsprechend einigermaßen PushMail kann und den User über neue Mails benachrichtigt. Sparrow nicht. Das ist, ehrlich gesagt, ein Shoot-Out-Grund, die Software nicht zu benutzen. Sie doppelt weitestgehend bestehende Funktionen in einem Ökosystem, das zu klein für Redundanzen ist. Sparrow wäre sinnvoller, würde es Mail *komplett* ersetzen, aber in einer sowohl-als-auch-Lösung, bei der Mail auch nicht komplett deaktivierbar ist, muss man sich schon fragen, warum man zwei Lösungen parallel laufen lassen möchte. Zumal eine der Lösungen auf deinem Startbildschirm und im Notification Center integriert ist, von jeder anderen App via API als Haupt-Mailprogramm genutzt wird usw. Anders gesagt – Sparrow leidet auf dem iPhone an ganz ähnlichen Problemen wie auf dem Desktop. Es kommt nie ganz an das perfekt in die Infrastruktur eingebettete Mail-Programm an, das zB Adobe und andere Anbieter immer automatisch nutzen, wenn man eine PDF verschicken will. Auf dem iPhone ist das absolut genau so. Sparrow reduziert sich damit, auch wenn das für 2,99€ sicher okay ist, zu einer Art Experiment oder Spielzeug.

Umso schlimmer, dass die Erfahrung mit Sparrow damit beginnt, dass man seine Accounts, die Apple eigentlich zentral verwaltet, erneut eingeben muss. Apple erlaubt Sparrow keinen Zugriff auf die in der Systemsteuerung gespeicherten Mail-Einstellungen, da kann das Team um Hoa Dinh Viet, Dominique Leca und Jean-Marc Denis nichts dran ändern. Und so toll es ist, dass Sparrow quasi die mit erste Applikation ist, ein so systemnahes Programm von Apple «ersetzen» darf, merkt man hier, dass es alles andere als einfach ist, ein so verzahntes Angebot von Apple zu ersetzen. Zumal man auf die Validation der Accounts ziemlich lange warten muss bei Sparrow, zumindest bei meinem Mailserver.

Einmal installiert – und abgesehen von der »splendid Isolation«, zu der Sparrow durch Apple verdonnert ist, macht die Software spontan Spaß. Das kurze Bedienungs-Tutorial braucht es eigentlich kaum, das Interface ist durch Twitter und Facebook eigentlich vertraut, mit den sich überlagernden Schichten. Inkonsequent ist allerdings, das im UI sichtbare Bereiche funktional nicht durch Touch zu aktivieren sind. Wenn ich einen «Fächer» sehe, will ich ihn auch sofort benutzen können, und nicht sozusagen erst den Bereich dazwischen aktivieren müssen. Ebenso unlogisch ist, dass die mich von Accounts zu Foldern zu Mails führenden Swipes in den Mails selbst auf einmal nicht funktionieren – und ich bin sicher, die Funktionsleiste in den Mails selbst (für Löschen, Archivieren, Markieren usw.) lässt sich besser lösen als es jetzt der Fall ist… es ist zwar viel dezenter und effizienter als bei Mail selbst, hängt aber z.T. in der Schrift und sieht irgendwie auch störend aus, unschön.
Auch ansonsten ist zunächst einiges vielleicht ungewohnt bei Sparrow – etwa, dass man nicht in rechter Richtung über Mails swiped, um sie zu löschen, sondern nach links (dafür aber mit mehr Möglichkeiten belohnt wird), oder die tatsächlich nicht nur gewöhnungsbedürftige sondern hochgradig doofe Trennung von Adresseingabe und Texteingabe bei neuen Mails. Sparrow zwingt dich, zuerst die Empfänger auszuwählen aus einer Art Kontaktliste, bevor du schreiben kannst. Manchmal will man aber auch einfach nur mal schnell schreiben und DANN überlegen, an wen eigentlich. Die Adresslisten-Lösung hat etwas unschön bürokratisches und gehört überdacht, ebenso wie der komplett furchtbare Ansatz, dass Sparrow längere Zeilen schreibt als das iPhone hergibt und dabei den Content dynamisch mitverschiebt. Das macht hier und da Sinn weil man nicht in winzig kurzen Zeilen schreibt, sondern gefühlt normalere Formatierungslängen hat, da die Software aber auch mal das »Mitrutschen« auch mal verpasst und man gar nicht sieht, was man schreibt, ist das insgesamt eher verwirrend.
Weniger schlimm finde ich, dass es keinen Landscape-Modus gibt, weil ich eMails meist ohnehin im Portrait-Modus schreibe, und auch Bold/Italic sind kein Beinbruch, wiewohl ich diese Formatierungen bei Mail, seitdem auf dem iPhone (wenn auch viel zu umständlich) verfügbar, durchaus gern nutze, es hilft einfach, Texte besser zu strukturieren. Wann können eMails eigentlich einfach durchgehend Markdown?

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Gute Idee, in der Praxis manchmal irritierend: Die Zeilen sind länger als das Display beim Schreiben.

Positiv bemerkenswert an Sparrow ist das aufgeräumte Interface, das allerdings statt dem facebookblauen eigentlich ein graues Chrome vertragen könnte, die besser ausgenutzten Gestenmöglichkeiten, die in vielen kleinen Details effektiver sind. Schon nach kurzer Nutzung wird deutlich, dass Sparrow zum durchgehen von Mails, zum Archivieren/Löschen/Markieren und auch fürs fixe Beantworten dem eigentlichen Mailclient von Apple weit überlegen ist. Details wie die Vogelperspektive bei Mail-Dialogen sind so einfach und selbstverständlich, dass man sich spontan fragt, warum Apple selbst so etwas nicht anbietet, ebenso die Mehrfachauswahl von Aktionen in der Mailübersicht, die bessere Übersicht bei Accounts und Ordnern (die bei Apple selbst unerträglich gelöst ist auf dem iPhone) oder Kleinigkeiten wie Pull-to-Refresh, die Anhangsverwaltung durch Swipe, die Möglichkeit, per einfacher Swipe-Geste von der Inbox zu markierten oder ungelesenen Mails zu wechseln… Sparrow steckt voller smarter Ideen, die man sich spontan in der eigentlichen Mail-App wünschen würde. Und hat gleichzeitig Mankos, die eine «richtige» Nutzung fast unmöglich machen.

Anders gesagt: Es ist ein ausgezeichnetes, sogar überlegenes Mail-Programm, das leider im Gegensatz zum Original nicht annähernd ausreichend in das OS eingebettet ist. Du kannst aus iPhoto keine Bilder per Sparrow versenden, du kriegst keine Info über neue eMails (außer über absurde Umwege via Boxcar usw.).
Unter diesen Umständen, die Apple wohl kaum gravierend ändern wird, ist Sparrow ein tolles Experiment, ein hochspannendes Spielzeug, im Einzelfall auch durchaus sehr brauchbar, aber eben kein vollwertiger Ersatz für Mail, kein alltagstaugliches Werkzeug, weil es noch zu viele Umwege verlangt und weil man am Ende eben doch wieder und wieder bei Mail.app landet und nicht bei Sparrow. Und da Mail sowieso installiert ist, nicht deinstalliert werden kann und auch permanent aktiv ist, muss jeder selbst entscheiden, ob es das braucht. So wie man sich fragen darf, ob man eher Twitter oder Tweetbot nutzen mag, nur gravierender. Als Studie darüber, wie gut ein Mailprogramm auch auf dem iPhone sein könnte, wenn es konsequenter auf die Möglichkeiten der Gestensteuerung setzt und im Detail liebevoller durchdacht ist, ist Sparrow aber unbedingt ein Gewinn. Bleibt zu hoffen, dass sich mit zukünftigen Versionen nicht nur die vielen kleinen Interface-Ungereimtheiten von Sparrow legen und neue Features dazukommen, sondern vor allem auch die Systemintegration besser wird. Wobei das selten vom Anbieter anhängt und bei Sparrow auf dem Mac seit Jahren in entscheidenden Stellen auch nicht wirklich besser wird, so dass es bis heute trotz umwerfender Funktionalität immer noch nicht DER Standardclient für Mails sein kann. Was eigentlich schade ist…

Wacom Intuos 5

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Das neue Wacom Intuos5 Pad ist seit Anfang letzter Woche auf dem Markt und obwohl es von 3 zu 4 bereits kaum so nennenswerte Verbesserungen gab, dass man upgraden musste, sind wir natürlich Wacom-Junkies genug, um das neue Fünfer-Pad ins Büro zu holen und eins der alten einzumotten.

Die neue Generation ist wie der Vorgänger schwarz, allerdings ist aus dem eher glänzenden Plastikgehäuse eine Art mattes Gummi geworden. Ich sag ja – matte Oberflächentexturen sind die (nähere) Zukunft. Es ist nicht wirklich Gummi, fühlt sich aber samtiger und griffiger an als das vorherige hochglänzende Finish. Auch die Funktionstasten – die ich zugegebenermaßen so gut wie nie benutze – haben sich drastisch geändert. Das ins Gehäuse integrierte LED-Display an den Tasten ist verschwunden, was etwas schade ist, weil das schon schick & praktisch war, und statt dessen wird über die Wacom-Software eine Art HUD im Bildschirm angezeigt, sobald man die Tasten an der linken Seite des Zeichenpads berührt. Dieses HUD ist allerdings ziemlich durchwachsen – während es für den Touchring, der vierfach belegt ist und wie alle Tasten einigermaßen frei konfiguriert werden kann, eine eher dezente Darstellung gibt, wird Touch AUS/AN so groß eingeblendet, dass es wahrscheinlich noch die Nachbarn auf der anderen Straßenseite lesen können. Hier müsste noch mal etwas Screendesign-Politur stattfinden.

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Die neuen Touch-Tasten, jetzt ohne eigenes Display.

Während das Intus 4 durch zwei USB-Eingänge so konzipiert war, dass die Zusatztasten links oder rechts sein konnten, habe ich beim 5 bisher keine Möglichkeit gefunden, die Orientierung zu ändern. Was ebenso schade ist wie die Tatsache, dass das Kabel rechts außen ist – es links anzubringen würde weniger Kabelsalat über meinen Schreibtisch laufen lassen, ergo die Reichweite erhöhen und sähe zugleich eleganter aus. Man kann sagen, dass dies keine Rolle spielt, da das neue Pad mit einem knapp 40 € teuren Wireless-Kit ausgestattet auch ohne Kabel auskommt (dazu später mehr beim Bamboo-Review), aber die Tatsache ist, dass der Akku so kurzlebig ist, dass ich das Intuos auf jeden Fall weiter per Kabel betreiben werde – und die Lösung beim 4er eigentlich gelungener fand, zumal auch der USB-Stecker etwas dezenter gelöst war. Der neue L-Stecker ist eine seltsame Fortsetzung der Entwicklung, dass der Anschluss von Wacom-Zeichentabletts mit jeder Generation etwas klobiger wird, denn tatsächlich waren die fest im Gehäuse verankerten alten Kabel weniger sperrig als die (die ansonsten ja sinnvollen) auswechselbaren heutigen Kabel mit ihren dicken Steckern.

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Die Funktionstasten sind weitgehend frei belegbar.

Die große Neuerung des Intuos ist, dass es zugleich ein «normales» Touchpad ist, etwa wie das Trackpad von Apple. Auf dem Papier ist das ein Must-Buy-Grund, die Idee ein A4-großes Touchpad zu haben, das Trackpad wegzustellen und das Intuos sowohl als Zeichentablett wie auch als Mausersatz nutzen zu können, klingt enorm verlockend. Und tatsächlich – die Software von Wacom lässt viele Einstellungen zu, die die Trackpad-Funktionalität von Apple abdecken, wenn es auch an entscheidenden Stellen ein zwei seltsame (und insofern ergonomisch ungewohnte, weil Gestensteuerung viel über motorisches Gedächtnis läuft) Abweichungen gibt… nicht, dass Apple hier besser wäre, die nach wie vor Trackpad, Mouse und iPad nicht wirklich kongruent haben. Bisher spielt zumindest bei mir (und wenn ich dem Wacom-Forum glauben darf auch bei manch anderen Nutzern) die Software einige Streiche… die Touch-Funktion streikt gelegentlich ganz oder verhält sich erratisch und ist nur durch Abziehen und wieder Anstecken des USB-Anschlusses wiederherzustellen. Irritierender aber ist, dass die Plastik-Oberfläche des Intuos nie ganz die perfekte Glattheit und widerstandsfreie Geschmeidigkeit des Trackpad erreicht. Wo bei Apple deine Finger wunderbar über die Touchoberfläche gleiten, ruckelt man beim Intuos eher über das Plastik, das sich zumindest bei mir aufgrund der geraden und großen Fläche auch sehr schnell sehr »staubig« anfühlt, egal wie oft man am Tag saubermacht und drüberwischt. Durch die Form des Intuos liegt zudem der Arm anders auf dem Schreibtisch als beim Trackpad, das ja meist eher neben der Tastatur steht – was zumindest bei mir früher zu Ermüdungserscheinungen in Hand und Arm aufgrund der weniger ergonomischen Haltung führt. Also kein vollwertiger Trackpad-Ersatz, aber jede alternative Eingabemöglichkeit hilft ja, weniger repetitiv und belastend zu arbeiten. Dazu kommt, dass das Pad via USB an einem MacPro das vielleicht mit letzte Non-Bluetooth-Eingabegerät ist, was Gold wert sein kann, wenn etwa das furchtbare BT am MacPro mal wieder spinnt und man so zumindest noch grundlegende Dinge (etwa einen BT-Explorer-Reset oder Neustart) vornehmen kann. Phantastisch ist übrigens, dass das Tablett die gleichzeitige Arbeit mit Stift und Touch zulässt – in Photoshop ist damit Zoomen, Drehen und Panning durch ein Bild ein Kinderspiel, man kann im Wortsinne erstmals völlig perfekt mit dem Tablett »auf dem Schoß« arbeiten und braucht Maus oder Tastatur immer weniger. Ich bin kein Zeichner – aber jeder, der am Rechner illustriert, wird diese Generation einfach lieben.

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Praktisch zum Kabelaufwickeln, ansonsten zu klobig: Der USB-Stecker.

Kurzum – wer noch kein Intuos hat, dem gibt die fünfte Generation eine Menge gute Gründe, endlich dieses für Designer mehr oder minder unverzichtbare Werkzeug zu kaufen. Es ist ein mit wenigen Ausnahmen wunderbares Stück Design, technologisch eigentlich inzwischen so ausgereift (schon seit einigen Jahren), dass Wacom kaum noch etwas wirklich drastisches daran verbessern kann, die Basics sind seit Ende der 90er perfekt, die noch größte Revolution war der Switch zu USB-Ports vor gut zehn Jahren. Entscheidend bleibt nach wie vor der Stift, die natürliche, superfeine Arbeit in Photoshop. Mir ist nach wie vor ein Rätsel, warum man mit der Maus in Photoshop retuschieren oder effektiv freistellen will, wenn es ein Werkzeug gibt, das so viel fluider und natürlicher arbeitet und so viel mehr kann als nur «binär» zwischen geklickt / nicht geklickt zu unterscheiden. Wer mit dem 4er oder 3er-Intuos arbeitet und damit zufrieden ist, hat keinerlei Grund, umzusteigen, es sei denn Touch oder Wireless-Option sind aus speziellen Gründen wichtig. An der Basis-Funktionalität des Wacom hat sich kaum etwas geändert, der Stift ist bei diesem Modellwechsel sogar ausnahmsweise gar nicht überarbeitet worden (was ich eher begrüße). Das Intuos ist ein phantastisches, wenn auch nicht unbedingt preiswertes Stück Hardware, das im Grunde an keinem Arbeitsplatz fehlen darf. Mir tut Wacom eigentlich etwas leid, weil ihr Kernprodukt seit Jahren so makellos ist – und so solide -, dass man es kaum auszutauschen braucht. Durch das 5er wird hier im Büro eines der ersten USB-Intuos frei, eins der frühen Modelle, die noch keinen gummierten Stift hatten (ein Sondermodell aus transluzent grauem Plastik, das optisch auf die alten G4 aus grauem Kunststoff abgestimmt war, da sieht man wie alt das Tablett ist)… und selbst dieses vielleicht älteste Stück Hardware im Büro ist nach all den Jahren, in denen hier bereits drei oder vier Rechnergenerationen ausgetauscht wurden, immer noch völlig makellos und in den Kernfunktionen (also: Stifteingabe) genauso gut wie die neueste Modellgeneration. Es ist nicht einmal wesentlich unschicker (anders als die Beigen Modelle davor), und die Stiftspitzen sind sogar etwas solider als in heutigen Intuos-Pads. Es ist selten, dass ein technologisches Werkzeug so zeitlos gut ist – und das neue Intuos 5 setzt diese Tradition hoffentlich fort. Die Kabelführung und die noch etwas wackeligen Treiber sind etwas schade und dass eine Plastikoberfläche nicht diese handschmeichlerische Perfektion des Apple-Trackpads erreicht ist wahrscheinlich nur normal… in der Praxis aber ist das 5er eine Evolution von der Vorgängerversion, die das Geld durchaus wert ist, schließlich arbeitet man ja nahezu jeden Tag damit und es gibt kein näherungsweise so »symbiotisches« Interface-Gerät wie das Intuos, das wie ein Stift auf Papier zur Schnittstelle mit der Arbeit wird, ohne Ruckeln, ohne Gesten, ohne Denken. An dieser Perfektion kann Wacom nichts verbessern und gottseidank hat die Firma den Stift nicht mit mehr Buttons oder anderen Schnickschnack modifiziert, sondern vielmehr mit der Touch-Option eine komplett neue Nutzungsschicht über die bestehende gelegt. An der Touch-Funktionalität gibt es sicher einiges zu verbessern in den kommenden Jahren, und das ist ja auch nur gut so – aber insgesamt ist das fünfte Intuos eine hervorragende Symbiose aus Innovation und Bewährtem.

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Glow-in-the-Dark: Dezente Lichtmarkierungen begrenzen die Touch-Zone (Der Stift nutzt hingegen die gesamte Tablettoberfläche).

Byword iOS

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Nach Writer setzt jetzt auch das andere «einfache» Schreibprogramm Byword auf iCloud. Neben einem Update für die Mac-Applikation gibt es eine brandneue iOS-Version, universell für iPhone und iPad, die die Texte über Dropbox und iCloud abgleichen kann. Gegenüber Writer verfügt Byword vor allem auf dem Desktop über einige nette Features (Rich-Text-Unterstützung und wunderbar einfacher HTML-Export in die Zwischenablage), die iOS-Version, die allerdings natürlich auch »jünger« ist als Writer, bietet weniger Leistung – insbesonderej fehlt die Sondertastatur-Leiste mit den gebräuchlichsten Sonderzeichen. Update: Doch, die Leiste gibt es, aber etwas versteckt durch einen Swipe auf dem Zeichen/Wortzähler. Leider ohne Guillemets;-). Abgesehen von diesen kleinen Unterschieden sind beide Programme in ihrer Einfachheit natürlich weitestgehend identisch. Seltsam ist, dass Byword kein RTF anbietet, obwohl das inzwischen in iOS unterstützt wird und die Desktop-Variante der Software Rich Text beherrscht. Durch Markdown vielleicht inzwischen weitestgehend egal, aber dennoch hat Metaclassy hier vielleicht eine Distinktionschance vertan. Tatsächlich entkoppelt sich ein Text automatisch und etwas verwirrend von der iCloud, sobald man ihn in formatierten Text umwandelt… man muss ihn komplett neu speichern und kann dies nicht mehr in iCloud tun.

Auf dem Desktop angelegte neue Texte müssen, wie bei Writer, auch zunächst lokal gespeichert und dann in die Wolke «verschoben» werden. Ich kann nur hoffen, dass Apple diesen Humbug mit Mountain Lion systemweit ändert. Es ist nur ein Detail, aber gerade beim spontanen Schreiben ein nicht ganz unnervendes. Auch der Sync neu angelegter oder das synchronisieren gelöschter Dateien zwischen den Geräten ist relativ schleppend – vielleicht eine Kinderkrankheit.

Mein Fazit: Insgesamt hat der Writer etwas die Nase vorn. Ich mag das unverschämt cleane Interface, die Zusatzbuttons vor allem bei iOS, und die Nitti als Typeface (obwohl man die bei Byword, sofern man den richtigen Font besitzt, natürlich auch einstellen kann auf dem Desktop). Byword ist auf dem Mac durch die Möglichkeit zu RTF zu wechseln und die deutlich reicheren Export-Angebote einen Hauch besser und auch durch den Nutzer feiner «einzustellen». Konkurrenz belebt das Geschäft und ich freue mich, durch zwei nahezu identische Apps sozusagen an zwei Texten simultan, durch Applikationen getrennt, arbeiten zu können – und bin gespannt, welcher der beiden Anbieter mit den nächsten Updates noch mehr überzeugt.

Der Writer und die Datenwolke

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In dubio pro Wolke
»Seamless creation« dürfte aus meiner Sicht eines der Zauberworte der nächsten Jahre werden. Nachdem man das Wort »cloud« ja langsam schon kaum noch hören kann, abgegriffen, bevor die Technologie noch richtig funktioniert, überholt Apple mit icloud zumindest in einem Aspekt den großen Favoriten Dropbox: Die nahtlose Synchronisierung von Dateien zwischen Geräten in der Apple-Ökosphäre ist, wenn Apples Server mal keinen schlechten Tag haben, ein Traum. Während bereits Applikationen wie DayOne, die iWork-Suite, iLife und viele andere iCloud nutzen, ist das Vorzeigeprojekt für die Vorteile dieser Art von geteilten Daten aus meiner Sicht derzeit iAWriter, der gerade auch als Universal App das iPhone als Plattform nutzt und damit Desktop und iOS komplett abdeckt. Aufgrund der vergleichsweise kleinen Datenmenge, mit der der Writer operiert, geht der Sync enorm flüssig – so schnell sogar, dass man dabei zuschauen kann, wie sich Texte in Echtzeit auf dem iPad aktualisieren, wenn man sie auf Desktop oder iPhone umschreibt.

Arbeit to go
Obwohl der Writer mit einigen Features gegen Programme wie Byword oder Writings nicht mithalten kann, macht ihn dieses «Schreib, wo du willst»-Denken zur derzeit besten Lösung, um Texte zu verfassen. Es ist weniger die sehr ansehnliche visuelle Reduktion, weniger das wunderbar praktische Markup (das Byword nach wie vor besser löst, etwa mit Export der HTML in die Zwischenablage), nicht einmal die großartige, die für mich inzwischen fast unverzichtbare Keyboard-Ergänzungszeile in iOS (mit nach wie vor falschen Guillemets für mich), sondern vielmehr die Möglichkeit, völlig nahtlos zu schreiben. Menschen, die ihr Geld mit dem Verfassen von Texten verdienen, müssen diese Möglichkeit lieben, aber selbst so ist es eine Freude, jederzeit an Ideen schreiben zu können, spontan und egal, wo man gerade ist und vor allem – völlig unabhängig von der Hardware. Writer und iCloud und die reduzierte Anforderung von reinen Textdateien hebeln die Frage, womit man eigentlich schreibt, völlig aus. Natürlich lässt es sich am Desktop besser schreiben als am iPad und dort besser als mit der Winzigtastatur der iPhone – aber abgesehen hiervon begleitet dich der Text auf jedes Gerät, ist immer up-to-date, ohne dass man noch über manuelles Abgleichen (wie etwa bei Dropbox meist nötig) nur noch ansatzweise nachdenken muss. Man mag – zu Recht! – ganz sicher darüber sinnieren, ob es nicht auch Schattenseiten hat, wenn Arbeit einen so ubiquitär verfolgen kann, aber für uns armen Glücklichen, die zwischen »Privat« und »Arbeit« ohnehin eher eine Drehtür oder hauchdünne Membran haben, ist dieses Mitwandern von Daten ein Segen, weil Ideen genau dort festgehalten oder bearbeitet werden können, wo sie entstehen oder wo die Zeit gerade richtig dafür ist. Bis dieser Ansatz auch mit komplexeren Applikationen so richtig funktioniert, wird es sicher eine Weile dauern, aber Apple zeigt seine Ambitionen bereits damit, dass Garageband ab vorgestern nun auf gleiche Art funktionieren soll.

Faul = funktioniert
Was Writer dabei absolut richtig macht – und es sich damit durchaus einfacher macht als so manche Konkurrenten -, ist, gnadenlos auf das etablierte iCloud-API zu setzen. Andere Anbieter werkeln an eigenen Serverlösungen… und das Ergebnis ist nicht nur ein für den Nutzer unüberschaubares Terrain von Sync-Lösungen, Passwörtern und Datenaustauschplattformen, sondern vor allem auch Ansätze, die eben nicht nahtlos ins Betriebssystem verankert sind. Writer wird so zwar von Apples Stimmungsschwankungen zumindest vorläufig etwas abhängiger, hat aber eine cloud-Plattform out of the box lauffähig und problemlos parat, ohne große Mühe, wo andere Anbieter sich seit Monaten abarbeiten und immer noch keine wirklich funktionalen Lösungen jenseits von Alpha– oder Betastatus vorweisen können. Die information architects binden so nicht nur weniger Ressourcen als CulturedCode, Omni und die vielen anderen Softwareschmieden, die auf Insellösungen bauen, sondern weisen auch den Weg zu einem integrierten Dateisystem online, das von Apple sicher in Zukunft noch deutlich ausgebaut werden muss, da die sich hier bisher abzeichnende Sandbox-Mentalität eher aus Nutzsicht zur Zeit nach hinten losgeht. Sie ist sicher, einfach, portabel, aber leider für alles, was nicht «casual work» ist, völlig unbrauchbar. Fehlendes Dateimanagement wird, je mehr man mit iPad und iPhone »richtig« arbeiten kann, zu einem der größten Mankos von iOS mutieren… ist es, wenn man sich das neue iPhoto anschaut, eigentlich jetzt bereits, der permanente Daten-Roundtrip nervt, das allgegenwärtige «Open in» ist heute schon so anstrengend wie überflüssig. Ein vereinfachter Finder wäre eine gute, überfällige Sache.

Dennoch – iCloud ist in seiner Einfachheit, als unsichtbare Infrastruktur im Hintergrund, der richtige Weg. Zwar hat man vom Desktop aus (noch) keinen direkten Zugriff auf iCloud, was ein großes Manko ist, iAWriter aber relativ mit dem Verschieben von einmal gespeicherten Dateien in den entsprechenden Ordner in der Library elegant umgeht. Auch, dass iCloud anders als Dropbox nicht sichtbar im User-Ordner arbeitet, sondern relativ versteckt ist (wahrscheinlich, um magischer zu wirken), ist für professionellere Anwendungen ein Manko, im Falle von Writer aber eine vernachlässigbare, vielleicht sogar angenehme Sache – es sei denn, man will Text mit einem anderen Programm bearbeiten, dann fangen die Probleme an, weil es eben keinen offenen Zugriff auf die Ressourcen gibt. Was mir für Design und Bildbearbeitung derzeit noch zu hermetisch und user-feindlich scheint (auch wenn Adobe anscheinend ja wiederum selbst an einer Cloud-Lösung arbeitet), macht aber für reine Texte durchaus absolut Sinn, zumal wenn wir vom Schreiben zum Diktieren via Siri kommen.

Hase vs Igel
Als ich vor rund 15 Jahren eine Art Hybridlösung zwischen Computer und TV aus Basis eines ThinClient-Konzeptes im Kopf hatte, dass die verschiedenen Formen interaktiver/multimedialer Daten aus dem Internet über eine dezentrale Serverstruktur bezieht und die so »schwimmenden« Daten absolut mobil und mitnehmest macht, hätte ich nicht erwartet, dass der Weg dorthin so lang sein würde und sich zugleich so viele andere Parameter ändern würden – von soziale Plattformen wie Twitter oder Facebook war damals nur indirekt über Rollenspiel-Plattformen und BulletinBoards ein Vorgeschmack vorhanden, der Kapitalismus war noch rheinisch und nicht neoliberal und Apple war ein Unternehmen auf absteigendem Ast. Mit cloud-Lösungen à la Writer zu arbeiten, Passworte immer dabei zu haben, einen Song auf dem iPhone anzufangen und auf dem MacBook feinzuschleifen – all das fühlt sich insofern weniger revolutionär an, sondern im Kern überfällig. Es bringt uns vor allem einen wichtigen Schritt weiter zur nächsten Entwicklung – der Ablösung des Internets als Ort, in den man sich »begibt« (wie früher durch Modemeinwahl oder heute noch symbolisch durch Browsernutzung) durch einen Informationsäther, in dem man immer schon ist, der vorgelagerten, exoskeletären Charakter hat. Ob das am Ende ein zentraler Anbieter ist – und wer zuckt heute nicht unwillkürlich bei Apples 1984-Spot zusammen, der so ironisch die heutige Wandlung der Rebellen zum Big Brother kommentiert -, ob es viele, wechselnde dezentrale Anbieter sind oder ob wir unsere eigenen Server nutzen werden… Es ist nur noch eine Frage von Speicherplatz und Transferraten, bis unsere Daten im Äther schwimmen und uns wie ein Mantel jederzeit umgeben, immer greifbar sind. Noch ist es ein Unding, dass ein Backup von 4 TB zu Backblaze Wochen in Anspruch nimmt – sind wir hier aber erst einmal bei Stunden angekommen, wird die lokale Festplatte wie die Cassette, wie die CD und der USB-Stick zum toten Medium werden. Es ist verblüffend, dass ein lapidar-minimalistisches Textprogramm wie Writer trotz aller kleineren Mängel einen Vorgeschmack darauf gibt, wie vielversprechend diese Entwicklung sein kann, wenn kreative «Arbeit» nicht mehr durch ein Werkzeug oder spezifische Orte und Zeiten definiert ist, sondern dich immer da erwartet, wo du gerade bist: »Ick bün al dor…«

Interfaces

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Eine der größten Revolutionen in der Kommunikation mit Computern ist neben der Rolle, die Computer im Alltag zunehmend fast beiläufig und wie selbstverständlich spielen, dass wir nicht mehr mit den gewohnten Interface-Schnittstellen arbeiten, die dem Menschen die Logik einer von der Schreibmaschine abgeleiteten Interaktion aufzwingen, sondern die digitalen Schnittstellen so rapide und grundlegend den menschlichen Sinnen und Werkzeugen entgegen kommen, dass eine Unterscheidung zwischen »analog« und »digital« zunehmend obsolet wirkt. Berührung, Stimme, handschriftliche Zeichen oder sogar Blicke – obwohl die meisten Technologien oft noch rudimentär wirken, hat sich bereits durch diese Ansätze der Umgang mit, vor allem aber das Denken über Software-Interaktionen grundlegend geändert.

Hand
Vor nicht einer Dekade noch komplett in den Kinderschuhen, ist die Steuerung von Software durch Berührung(en) heute längst zu einem Quasi-Standard geworden. Musste man bis vor einigen Jahren noch mit einem Stift auf einer Art Plastikbildschirm herumtippen, Soseins moderne kapazitative Glasdisplays in der Lage, Bewegungen und multiple Berührungspunkte zu deuten, durch Gyroskop und Accelorometer sogar eine Art Anschlagstärke zu ermitteln (etwa bei Garageband). Samsung hat diese Technolgie gerade erst auf der CES 2012 auf Fenstergröße übertragen. Obwohl erst wenige Jahre verfügbar, hat dieser Ansatz zusammen mit fast rahmenlosen, leichten, tragbaren Devices zu einem kompletten Umdenken über Interfaces geführt. Ein Programm ist nicht mehr ein über die Maus-Tastatur-Metapher gesteuerte abstrakte Lösung in einem Monitor, ein Programm simuliert heute das, was es als Lösung anbietet und wird so als Programm unsichtbar. Ein Taschenrechner sieht aus und bedient sich wie ein Taschenrechner, ein Notizbuch sieht aus wie ein echtes Büchlein, beim virtuellen eBook lassen sich die Seiten umblättern als wären sie fast echt, ein DJ-Mischpulte bietet Plattenteller und Mischpultregler und so weiter. Es gibt zwar noch Menüs, aber auch diese wirken eher wie eine Übergangslösung, ansonsten: keine Tastaturkürzel, keine rechten oder doppelten Mausklicks – sondern eine möglichst approximative Simulation, die optisch aber auch von der Bedienung her daran gemessen werden kann, wie »echt« sich die Bedienung anfühlt.

Apple wurde – auch von mir – für die etwas kitschigen Nutzer-Interfaces von iCal und Co. gescholten, aber tatsächlich ist diese Annäherung an das Echte nur konsequent bzw. der sinnvolle erste Schritt zu »Simulacra-Softwares«. Das iPad kann bereits jedes Kleinkind bedienen, weil das unmittelbare Bedienen durch Drücken, Ziehen und andere Gesten mit den dazugehörigen Effekten der Lernfähigkeit der menschlichen Natur entspricht, Cause-and-Effect kennen wir ja auch aus der realen Welt. Angeblich fangen ja die ersten an Tabletts gewöhnten Kleinkinder bereits an, enttäuscht zu reagieren, wen sich echte Bücher eben nicht auf einen Tap hin öffnen oder reale Gegenstände nicht wie virtuelle auf Berührung reagieren und eine Animation starten. Dabei ist das Herumtasten auf einer kalten Glasscheibe sicher nur ein erster Schritt zu berührungssensitiver Kontrolle von Software-Interfaces. So wie es über kurz oder lang unweigerlich 3D-Displays geben wird (und ansatzweise ja bereits gibt), werden wir auch Bildschirme haben, die auf Berührung mit einer Art von Widerstand Feedback geben können und die unterscheiden können zwischen verschiedenen Abständen zum Display (Hover) bzw. auch direkt auf die Stärke des Anschlags. Die jetzt sehr eindimensionale Touch-Fähigkeit wird sich also nach und nach erweitern, bis die Displays nicht nur visuell einen realen Gegenstand simulieren können (und dies mit hochauflösenden Displays zunehmend an der Grenze, an der das menschliche Auge zwischen »echt« und »unecht« nicht mehr unterscheiden kann, d.h. keine Pixelbausteine mehr sichtbar sind), sondern auch haptisch. Nutzen wir einen virtuellen Taschenrechner, wird er nicht nur aussehen und klingen wie »real«, sondern auch die dimensionale Tiefe (3D) haben und sich anfühlen als würden wir auf einem echten Gegenstand Zahlen eingeben, nicht auf der bloßen planen Display-Simulation des Gegenstandes. Die Tasten werden spürbar nachgeben und einen Druckpunkt haben, sie können eventuell durch virtuellen Schweiss und Dreck »rubbelig« werden, sie können sich nach Gummi oder Hartplastik anfühlen. Es wird ein längerer Weg über zahlreiche Zwischenstufen sein, bis man wirklich sensorisch überzeugende Simulationen erzeugen kann, aber es wird sehr wahrscheinlich kommen – wodurch automatisch Abnutzung zu einer Frage der Programmierung wird.

Schon jetzt ist es so, dass ein iPad, iPhone oder Android als »opportunistische« Devices an sich nahezu unsichtbar werden und in einer Art Camouflage alles tut, um sich selbst unsichtbar zu machen und uns zu überzeugen, dass wir einen Photoapparat, ein Buch, eine Klaviatur usw. vor uns haben. Es ist evolutionär nur logisch, dass die Geräte diese Camouflage perfektionieren werden, denn am Markt werden die Anbieter erfolgreich sein, die mit immer neuen Features noch »realistischer« werden. Sowohl Apple als auch Microsoft (mit Windows 8) bauen bereits jetzt auch bei klassischen Desktop-Geräten die Touch-Metapher aus, was bei diesen zunächst hölzern und befremdlich wirkt. Was auf dem Pad sinnfällig ist, wirkt über ein Touchpad nach wie vor zu umständlich – dieser Umstand ist ein Symptom für den Übergang vom »klassischen« Computerparadigma, an dessen spezifische Interface-Metahern wir uns gewöhnt haben, hin zu einem neuen Paradigma, dass die Vorstellung dessen, wie wir mit Computern interagieren, neu definieren wird.


Stimme
Apples »Siri«-Stimmerkennung und -kontrolle ist von Google nicht ohne Grund als revolutionäre Veränderung im Umgang mit Computern (und eben Suchmaschinen) beworben worden. Wo Kommunikation mit dem Computern in den Grenzen der Software (und abgesehen von Abstürzen) bisher weitestgehend sicher und eindeutig war – zieht mit Siri die Fallibilität, das Missverständnis, die Doppeldeutigkeit, eben eine Art »Fuzzyness« ein, die erstmals zu einer Art von Dialog führt, bei der der Computer sogar via verbaler Feedbackschleifen rückfragen kann (und muss!), was der Nutzer denn da eigentlich gemeint haben könnte. Siri ist deshalb natürlich noch – obwohl bereits verblüffend leistungsstark, vor allem in der englischsprachigen Version – eine Art Spielerei, die mehr zu Fehlschlägen und Umwegen als zu einer echten Effizienzsteigerung führt. Es ist nach wie vor ärgerlich, wenn beim Diktat Siri nicht reagiert und man ganze Sätze verliert oder wenn eine einfache SMS vier verschiedene Befehle und Anläufe braucht, bis sie stimmt.

Aber bereits heute gibt es Situationen und Kontexte, in denen Spracheingabe natürlicher und schneller wirkt als der Touchscreen, zumal Siri ohne den Start dezidierter Programme läuft, sondern sich an den User-Bedürfnissen orientiert und die Programme dann selbst auswählt und startet – im Vordergrund steht also was der User will, nicht welches Werkzeug dazu verwendet werden muss. Ich starte also nicht den Browser, um etwas zu suchen, sondern die Software »entscheidet« dies selbst. Diese Art von AI, konsequent zu Ende gedacht, dürfte die Art, wie wir mit Maschinen interagieren, umwälzen und sozusagen renaturalisieren. Nicht nur in dem Sinne, dass wir ganz im Stile von SF-Filmen demnächst Maschinen per Zuruf steuern, sondern weil diese Steuerung wieder analoger (oder zumindest doch simuliert-analoger) wird. Während in den letzten drei bis vier Dekaden wie nie zuvor die visuellen Sinne in den Vordergrund gestellt wurden und wir uns sozusagen evolutionär an diese Verknappung angepasst haben, also Seh-Wesen geworden sind, darf nun der auditive Kanal wieder zum Zuge kommen. Noch ist Siri in der Benutzung dabei eindimensional. Nutze ich die Sprach-Software, wird der visuelle Kanal förmlich abgeschaltet, ich kann nicht auf der visuellen Eingabeebene simultan andere Dinge tun, also etwa einen Text diktieren und gleichzeitig im Web surfen per Touch oder Software per Touch und Stimme kontrollieren, also etwa in Photoshop mit einem Pen oder auf dem Display direkt arbeiten und dabei per Stimmbefehl Werkzeuge auswählen oder Bildeffekte anwenden (»20% mehr Kontrast«). Es ist immer entweder Stummfilm oder Hörspiel. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass ein stimmbasiertes und dialogorientiertes Interface einen Paradigmenwechsel darstellt, den die Kids, die Siri mit dummen Fragen auszutricksen versuchen (und dabei der Anthropomorphisierung ihrer Hardware auf den Leim gehen, also bereits Interaktionen starten, die sie per Maus/Tastatur niemals so in Betracht ziehen würden), gar nicht verstehen bzw. hinterfragen und der genau deshalb so grandios unsichtbar und sanft stattfindet – ähnlich wie es ja klug war, uns das Cloning als Technologie in Form eines harmlosen Schafes zu präsentieren.

Wir werden erst in einigen Jahren wahrnehmen, wie zentral dieser Shift war. Mit der Stimmkontrolle fällt prinzipiell die Hardware als Interface-Element weg. Es muss nichts mehr »bedient« werden, es gibt keine Tasten zu drücken, keine Zeiger zu bewegen – die Interaktion mit Maschinen wird bei ausgereifter Spracherkennung möglich, ohne ein Werkzeug dafür bedienen und erlernen zu müssen. Der Mensch nähert sich nicht mehr dem Rechner an, sondern umgekehrt.


Schrift
Auf der gleichen Ebene liegt die Entwicklung der Schrifterkennung, die sogar technisch ähnlich gelagert ist, weil hier schnelle Webanbindung und OCR auf leistungsfähigen Servern die ehedem hohen Hardware-Anforderungen für lokale Rechner deutlich gesenkt haben. Ein mobiler Prozessor könnte keine vernünftige Stimm- oder Schriftdechiffrierung leisten, ein kraftvoller Server und ein schnelles Internet aber sehr wohl – die Rechenpower wird einfach ausgelagert. Seit Dekaden ist die eigentlich ja als technische Notlösung zu denkenden QWERTZ-Tastatur der Standard bei der Texteingabe. Ursprünglich entwickelt, um durch eine eben möglichst ungewohnte nicht-alphabetische Tastaturanordung das Schreiben so zu verlangsamen, dass die anfälligen frühen Mechaniken nicht blockieren konnten, haben wir uns so sehr an dieses Layout gewöhnt, dass wir damit aufgrund der Übung oft spürbar schneller und anstrengungsloser schreiben als mit der Hand, so sehr, dass die Handschrift langsam auszusterben droht.

Dennoch kommt die manuelle Eingabe von Schrift und Zeichnungen in den letzten Jahren in eine Art Renaissance – Techniken wie der Livescribe Echo Smartpen oder der Wacom Inkling machen es möglich, unterwegs zu schreiben oder skizzieren, ganz altmodisch auf Papier, und später mit digitalen Daten weiterzuarbeiten. Ob die audiovisuelle «Pencast»-Verknüpfung des Livescribe, der mit einer Kamera auf speziellem Papier die Handschrift aufnimmt und zugleich Ton aufnehmen kann und insofern z.B. für Notizen bei Meetings nahezu ideal ist oder die sich eher an Künstler wendende (und noch nicht ganz ausgereifte) Inkling-Idee eines «Funk»-Stiftes… beide Ansätze können noch nicht hundertprozentig überzeugen. Der Echo-Pen ist klobig und das Schreiben mit der Kugelschreibermine relativ unergonomisch anstrengend, der Inkling zwar kleiner, aber weniger leistungsstark und zudem (noch) relativ unzuverlässig. Dennoch ist es natürlich phantastisch, handschriftliche Notizen, plus einer Aufzeichnung des tatsächlich zeitgleich Gesagten einfach digitalisieren zu können und dabei die Handschrift noch mit einer soliden Trefferquote in MyScript in «getippte» Schrift umwandeln zu können.

Auch hier noch befindet sich die Technik in einer Art Gestationsphase, der man aber bereits anmerkt, welches Potential freigelegt werden kann, wenn ein normaler Schreibakt auf Papier (bzw. auf einem Display, das Papier emuliert) die Tastatur verdrängt. Ein Beispiel für dieses Potential ist die OCR-Engine des Online-Archivs Evernote, das nicht nur die verschiedensten Eingabemedien «schluckt», sondern vor allem auch in jeder Art von Bild, egal ob Photo oder PDF mit handschriftlichen Notizen, nach lesbarem Text sucht und diesen für die Volltextsuche bereitsstellt, also die Welt in Photos «ausliest». Diese serverseitige state-of-the-art-OCR erkennt in Sekunden selbst Worte zuverlässig, die ich selbst kaum noch entziffern kann. Zwar gibt Evernote (unverständlicherweise) bei Handschrift die Ergebnisse nicht als Text aus, sondern nutzt sie wirklich nur für eine Suchfunktion… aber wie gut auch die unlesbarste Schrift hier verlässlich gedeutet wird, zeigt, wie weit die Technik hier ist und wie sehr die Grenzen zwischen Spracheingabe, Tastatur und Stifteingabe hinfällig werden. Wie auch immer wir Informationen eingeben werden – die Devices werden lernen, uns zu verstehen.


Bio-Interfaces
Haptik, Stimme und Schrift sollten bereits genügen, um in den kommenden Jahren die Morphologie der Mensch-Maschine-Kommunikation völlig umzuwälzen. Die Möglichkeiten der kommenden Dekade dürften bereits halten, was SF-Filme noch vor 20 Jahren versprachen, von der Realität des Spielberg-Thrillers «Minority Report» sind wir nicht mehr weit entfernt, zumindest nicht in Sachen Interface-Technologie (Fliegende Autos und Jetpacks lassen nach wie vor auf sich warten.) Bereits jetzt deutet sich aber auch ein weiterer, tiefschürfender Umbruch an, der den gesamten menschlichen Körper zum Interface deklariert. Sanfte Vorläufer sind Waagen und Blutdruck- oder Glucosemessgeräte, die Biodaten an Software übermitteln, Kameras, die mit einem Lächeln ausgelöst werden oder die Gesichter von Freunden automatisch erkennen und für den Autofocus nutzen oder auch Gadgets wie das Jawbone Up, das (wenn auch noch unfassbar primitiv) Bewegungssignale ermitteln und an das iPhone übertragen kann. Auch DSLR-Kameras können ja heute bereits analysieren, wohin wir durch den Sucher blicken und auf das, was unser Auge ansieht, automatisch scharfstellen.

Unsere Vitalzeichen, wie lange wir schlafen, unsere Stimmungen und Ernährung werden über kurz oder lang zunächst nur im Sinne reiner Datensammlung, mittelfristig aber auch als Steuerparameter direkt von Softwares genutzt werden. Dies wahrscheinlich zunächst im spezialisierten Bereich – etwa von Pflegerobotik oder Überwachungssystemen in Krankenhäusern -, sehr bald aber auch im privaten Segment… schon jetzt verkaufen sich Apps und Gagdgets für das Self-Monitoring ausgezeichnet. Was man sich zunächst so einfach denken kann wie Kochbuch-Applikationen, die auf anderenorts gesetzte Diätwerte und -ziele reagieren oder ein iTunes, das auf Stimmungen oder beim Jogging auf das Pulstempo reagiert, öffnet zwei neue Perspektiven… die Nutzung des gesamten Körpers als Interface und die Nutzung des Gehirns im Speziellen. Das Body-Interface kann natürlich bedeuten, dass Software aktiv auf größere Bewegungen, Gesten, Vitalwerte, aber auch auf Geo-Daten und Zeitdaten reagiert (so wie jetzt ja schon Reminder-Softwares aktiv auf GPS-Daten anspringen und uns im Supermarkt die Einkaufsliste zeigen). Der physische Körper und sein Umfeld werden so zu Eingabe-Matritzen der Software. Was der Mensch wo und wann macht, wird zum kybernetischen Steuerimpuls.

Der andere Aspekt, die direkte Schnittstelle ins Gehirn, klingt aus heutiger Sicht nach SF, selbst wenn in der neuronalen Steuerung von Implantaten und Prothesen in den letzten Jahren ebenso sprunghafte Fortschritte gemacht werden wie in der «Geodäsie» der Gehirnfunktionen. Die Idee, direkt aus neuronalen Strömen heraus Software zu steuern bzw. von dieser auch unmittelbar, unter Umgehung anderer Sinnesorgane, Eindrücke vermittelt zu kriegen, mag heute noch abenteuerlich klingen. Aber das, was wir heute Smartphone nennen, war bis vor 50 Jahren auch noch auf Serien wie StarTrek begrenzt (»Navigator«) und dabei deutlich kruder und begrenzter als die heutige Realität, die jedermann frei zugänglich ist. Umgekehrt waren in den 60er Jahren Körpermoddings, die heute für jeden Teenager zum Alltag gehören, undenkbar. Wer hätte zu Zeiten von Truman oder selbst Kennedy geglaubt, in welchem Maße Piercings, Tattoos und anderen Selbstverstümmelungsstrategien reguläre, ja fast langweilige Modephänmene werden würden – wer hätte zu Zeiten von »Mad Men« voraussehen wollen, dass es heute einen Boom zur elektrische Zigarette geben würde? Will man da heute wirklich noch ernsthaft bezweifeln, dass Google Translation irgendwann so effektiv sein wird, dass wir uns in Echtzeit grob in fremden Sprachen werden unterhalten können – per Spracherkennung, serverbasierter Übersetzung und Sprachausgabe? Marshall McLuhans 1969er Vision einer telepathischen Welt, in der – über das hochraffinierte Werkzeug Computer, das alle anderen kruderen Werkzeuge überschreibt – ein «universales Verständnis» möglich wird, ist zum Greifen nahe.


Der siebte Sinn
Das Interessante an all diesen Entwicklungen ist, dass sie sich dem Menschen zuneigen. Anstatt uns seltsame krude Werkzeuge aufzuzwingen, nähert sich Maschine und Software immer mehr unseren ureigentlichen Kommunikationswerkzeugen an. Tastatur und Maus weichen Gestik, Handschrift, Stimme und Auge, die Lernkurve für die »Steuerung« von Software wird immer flacher, ähnelt immer mehr biologischen Prozessen. Die Maschinen werden biomorph. Man darf diese Entwicklung durchaus kritisch sehen, vor allem wenn sie primär gewinnorientiert und ohne ethische Kontrolle abläuft, wird sie aber kaum mehr zurückdrehen können. Der Computer – und noch viel mehr der Äther des Web – sind Büchsen der Pandora, die nur vielleicht ein verheerender Krieg oder eine andere Katastrophe kurzfristig wieder verschließen würde. Positiv gesehen aber fallen hierdurch technologische Krücken weg, die wir seit Gutenberg benutzen, um umständlich eine Brücke zwischen Massenkommunikation und individuellen Ausdruckspotentialen zu schlagen.

Phoneme, Alphabet, Druck, selbst Schallplatte und Video sind nur Faustkeile… und je fortschrittlicher die biomorphen Interfaces werden, um so einfacher und unkomplizierter wird unsere Kommunikation untereinander und mit Maschinen werden. Der Clou dabei ist, dass das Medium sich dabei auflöst. Der Rechner als große Konvergenzmaschine, der sämtliche medialen Ausdrucksformen binär zerhäckselt und völlig neu zusammenstückeln kann, dem es denkbar egal ist, ob er nun Musik oder Bilder, Schrift oder Töne in 0 und 1 auflöst, wird in den kommenden Jahren selbst unsichtbar werden. Bereits das iPad bricht mit der Metapher des »Computers«, ja des technischen Gerätes schlechthin. Abgesehen von einem in Zukunft wahrscheinlich zusätzlich verschwindenden Minimum an Knöpfen ist es als technisches Utensil nicht zu erkennen – die Eigenbedienung ist ein Minimum, das gerät verwandelt sich durch die Software in was immer auf dem Bildschirm an sich gezeigt wird… wobei das Wort «Bildschirm» schon fast in die Irre führt, wenn das ganze Gerät nur noch ein Screen ist.

Die Frage, inwieweit Computer und Web noch als solche wahrnehmbar sind, wenn es nicht einmal mehr den Bildschirm gibt, sondern osmotische oder sogar direkte neuronale Verbindungen für selbsttätige Steuerungsmechanismen sorgen, die intuitiv, instinktiv genutzt werden können, stellt sich kaum: Was heute noch «externe» Medien sind, würde tatsächlich zur symbiotischen Sinneserweiterung, zu einem siebten, achten, neunten Sinn. Wohin sich das entwickelt sieht man schon heute, wenn Leute bei Gesprächen Fakten kurz googlen, mitten in einem Film mit IMDB nach Trivia suchen oder oft zwar durchaus in der echten Welt anwesend, aber simultan auch in Facebook oder Twitter oder Instagram aktiv sind. Diese Form von Multitasking wird ein Standard werden, eine Art Layer, das sich über die normale Kommunikation legt und durch den Wegfall klassischer Interface-Hardware quasi unsichtbar wird, die Form eines internen Monologs annehmen kann.

Wir sind bereits heute permanent online – in Zukunft kann das aber ein Teil der tatsächlichen Wahrnehmung von Welt sein, was heute grobmotorisch als Augmented Reality vermarktet wird. Konsequent zu Ende gedacht, wäre ein derartige nahtlose Verbindung mit Hard- und Software eine Erweiterung unserer mentalen Möglichkeiten, für die wir Menschen sozusagen Anlauf und Training brauchen, weil unser Gehirn sich den Möglichkeiten wird anpassen müssen (so wie es ja bereits jetzt langsam notgedrungen neue Selegierungsstrategien gegen den Zerstreuungsmechanismus einer vernetzten Welt entwickelt, wobei uns wieder Software gegen die Gefahren anderer Software zur Seite springt…). Diese Sinneserweiterung wird auf eine Art begrenzte elektronische Telepathie hinauslaufen – du wirst ohne Bildschirm, ohne Tastatur, ohne »Gerät« in irgendeinem Sinne wissen, ob es Freunden eine halbe Welt entfernt gerade gut oder schlecht geht. Und es läuft auf eine sanfte Allwissenheit hinaus – weil der Wissensschatz des Webs nicht mehr per Suchmaschine erarbeitet werden muss, sondern ebenso neural einfach »da« ist wie andere Informationen und Erinnerungen ja auch. (Spannend und erschreckend wird die Frage, wie Werbung dann wohl funktioniert…)

Obwohl ich nicht sicher bin, inwieweit unsere Generation solche biotechnologischen Verschmelzungen noch miterleben wird, zeichnen sich solche Lösungen logisch ab. Zum einen werden Prozessoren, wenn sie weiter hohe Leistungssprünge bringen wollen, irgendwann biologisch funktionieren müssen, zum anderen stellen Interfaces wie Displays und Tastaturen die größte Hürde für den Verkleinerungstrend von Elektronik dar. Die Prozessoren und Speicher selbst sind längst winzig – nur der Mensch braucht eine gewissen Bildschirmgröße und seinem Körper entsprechend große Eingabewerkzeuge, um mit dem Rechner in Dialog treten zu können. Die Vorstellung, dass Hersteller früher oder später den gordischen Knoten durchschlagen und weitestgehend auf Hardware verzichten werden, ist also naheliegend. Die Vorstellung davon, wie diese Art von direkter Wahrnehmung von softwarebasierten Angeboten als «Sinn» sich anfühlen mag, wie es sein könnte, wenn Informationen, aber auch Spiele, Musik, Filme usw. direkt als «Schicht» über unserer normalen Wahrnehmung liegen oder mit dieser unzertrennbar verwoben sind, kann man sich bestenfalls als psychedelischen Trip vorstellen. Ich habe kaum Zweifel daran, dass wir uns als Menschen an diese induzierten zusätzlichen Sinne gewöhnen werden – wie wir uns an andere mediale Dinge auch gewöhnt haben, die zwei drei Generationen vorher die Menschen in den Wahnsinn getrieben hätte. Die physische Härte moderner Metal- oder Drum’n’Bass-Musik, die extrem schnellen Schnitte in Musikvideos, die surreale Unwirklichkeit von 3D-Filmen, die Absurdität der meisten Werbefilme, die generelle Schnelligkeit der Zivilisation heute – all das dürfte einen Besucher aus den 1920er Jahren zur Verzweiflung bringen, ist für uns aber Alltag. Wer weiß also, woran sich unsere Nachfahren anpassen werden können?

Unsere Generation wird den langen – und sicher spannenden – Weg machen weg von Computern als «externe» Arbeitsgeräte hin zu alltäglichen Begleitern. Aus schrankwandgroßen besseren Taschenrechnern sind in nicht einmal 50 Jahren taschenrechnergroße exzellente Multifunktionsgeräte geworden, die die meisten bisherigen Medienangebote nahtlos in sich vereinen. Geräte, deren Evolution und (Markt-)Überleben davon abhängt, sich für ihre Nutzer unersetzbar zu machen. Unsere Generation wird entscheidend miterleben, wie dieses Eindringen von Web und Software in den Alltag unser Verhalten und unseren Umgang miteinander entscheidend verändern muss. Unser Denken über Copyright, Verhaltenskodexe, wirtschaftliche Modelle, Beziehungsideale, Berufswege, Mode, Kunst, Freundschaft, Kommunikation, Wahrheit – nichts wird dieser so unscheinbar anfangenden Revolution gewachsen sein. Wir stecken mittendrin und haben die Möglichkeit (und wahrscheinlich die Pflicht), in irgendeiner Form diese Entwicklung mit zu formen… zwischen Hypermarken, die den Markt dominieren und einer Politik, die reflexartig solchen Großunternehmen zuzuarbeiten gewohnt ist, ohne die man allerdings auch die Annehmlichkeiten moderner Technik nicht hätte, so dass nie ganz klar ist, ob man Google, Apple und Co nun lieben oder verfluchen sollte. Der Weg zu den neuen Interfaces wird voller wunderbarer Paradoxien und Irrläufer sein.
Freuen wir uns drauf.

Mobile Mouse – iPhone zum Diktat

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Dieser Tip ist zu gut, um ihn nicht doch noch einmal zu teilen. Man kann vom iPhone 4S aus problemlos und in Echtzeit auf jeden beliebigen Mac diktieren. Der Trick ist denkbar einfach: Man installiert auf dem iPhone die «Fernbedienung» Mobile Mouse, die viele von euch wahrscheinlich schon haben, um vom iPhone aus einen Laptop bedienen zu können. MobileMouse bietet eine Art Touchpad, dessen Bewegungen durch eine kleine Software namens Mobile Mouse Server, die installiert sein muss und die es gratis im AppStore gibt, an das iPhone übertragen werden. Mobile Mouse kann jedoch nicht nur Mausbewegungen leisten, sondern auch diverse Steuerungsfunktionen übernehmen, etwa Apps starten oder als iTunes-Fernbedienung dienen… oder eben als vollwertige «Ferntatstatur» dienen. Zunächst auf den ersten Blick unspannend, aber wenn man das Mikrophon von Siri aktiviert und in das iPhone spricht, erscheint wie von Zauberhand der gesprochene Text geschrieben am Cursor im Text auf dem Desktop-Mac, im Grunde völlig verzögerungsfrei. Damit wird das iPhone zum Mikrophon für den Mac. Zumindest bis Dragon Express auch auf Deutsch erscheint, ist das eine ideale Zwischenlösung für DIY-Spracherkennung ohne Extrakosten.

(via TUAW)

Scan auf iPad und iPhone

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Für den Fujitsu Snapscan S1100 gibt es ein interessantes Update, das ein direktes Senden von Scans, die mit dem Gerät gemacht werden, auf die ScanSnap-App erlaubt. Ehrlich gesagt würde ich so etwas heute über Fotostream lösen, aber die Entwicklung zeigt, das Fujitsu es mit der Weiterentwicklung der ScanSnap-Umgebung bisher relativ ernst meint. Mehr gibt es hier und hier. Dank an Heidi Schall für den Tipp.

One Less Drop

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Es ist interessant, dass rund um die Marke Apple eine Art Parasitenkultur entstanden ist von kleinen Firmen, die sich mit verschiedensten Produkten an den Wirtskörper von Macs und iDevices angedockt haben – Docks, Taschen, Audio, zusätzliche Kabel und zahlloses anderes mehr oder minder sinnvolles Zubehör, es scheint keine Grenzen der Fantasie zu geben. Die eben etwas lückenhafte Infrastruktur von Apple gibt vielen kleinen Firmen die Chance, sich mit innovativen Produkten, zu etablieren – in etwa der gleichen Art in der Quark als Quasi-Standard, der aber zig Benutzerwünsche offen ließ, zu einem El Dorado für Plug-In Entwickler wurde.

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Der one less drop vom Heckler Design ist hier keine Ausnahme. Das bei Kickstarter geborene und binnen kürzester Zeit finanzierte Projekt ist im Ergebnis ein einfaches Stück Aluminium, poliert und eingefärbt, das keinen anderen Zweck erfüllt, als Kabel von Notebooks und iPhones oder ein Herz zu halten. Kleiner als eine Handfläche, aber schwer genug um Kabel zu fixieren, ist der Aluminiumklotz in Silber, oder grün-gelblich und rot als Sonderedition verfügbar und fasst ein Kabel in einer oberen Schiene und ein weiteres unter dem Block selbst.

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Was was auf den ersten Blick wie ein sinnloses Zubehör wirkt, funktioniert in der Praxis ausgezeichnet – Kabel die vom Tisch herunterrutschen oder auf dem Schreibtisch herumliegengehören mit diesen einfachen Alu-Block der Vergangenheit an. Die Lösung ist dabei zwar ähnlich simpel, aber immerhin etwas eleganter, als einfach ein Buch oder anderes Gewicht auf die diversen Kabel zu legen – und mit dem rutschsicheren Gummi gibt der one less drop sicheren halt für Lade-, Audio- oder Videokabel von Laptops und Smartphones, auch wenn sie nicht von Apple sind. Ein schöner Bonus ist, dass Thunderbolt und HDMI-Kabel ebenfalls präzise und sogar recht fest in die obere Führung passen und man so den Kabelbaum eines ganzen Notebooks sicher stabilisieren kann. Die Zeiten, in denen man hinter einem Regal oder Tisch nach heruntergefallenen Kabeln fischt, sind mit dem one less drop jedenfalls größtenteils vorbei.

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Muse

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Wer hätte gedacht, dass Adobe noch einmal für Aufregung sorgen würde? Anstatt sich stillschweigend in den Niedergang von Flash zu fügen, setzt Adobe mit der Beta von Muse auf eine Art Nachfolgemodell zu Flash und Dreamweaver und präsentiert in der 0.8er Beta-Version eine Art Indesign fürs Internet. Was man sicher als richtigen Schritt in die falsche Richtung bezeichnen kann – es sollte inzwischen klar sein, dass der Weg zu einer echten WYSIWYG-Webentwicklungssoftware lang bis eventuell unmöglich ist, und der Weg für Menschen, die schnell und preiswert eine Homepage haben wollen wahrscheinlich eher über modifizierbare Von-der-Stange-Themes à la WordPress oder Squarespace führen dürfte. Tatsächlich sehen ja auch immer mehr von Agenturen gelieferte Sites heute nicht so viel anders aus als die Standards von CMS-Theme-Anbietern, hier ein Nivo-Slider, dort ein Caroussel, hier etwas FluidGrid – selbst gut gemachte Sites bauen heute auf Jquery-Standardelementen auf und folgen oft, bewusst oder unbewusst, einer Blog-artigen Logik. Und in diesem Kontext ist das komplette Design einer Website mit einer Desktop-Software fast aufwendiger als das Zusammensetzen und Individualisieren bestehender Bausteine – es scheint also hier nicht darum gehen zu können, dafür ist die Software auch zu komplex, für den Tante-Emma-Laden eine Low-Budget-Weblösung anzubieten. Für professionelle Developer aber dürfte Muse auch nichts sein, die coden zu Recht von Hand und werden wohl kaum eine Lösung akzeptieren, die zwar besseren Code als Dreamweaver und iWeb usw abzusondern scheint, aber natürlich lange keinen sauberen perfekt polierten Programmierer-Ansatz ersetzen kann. Aber für wen taugt Muse dann eigentlich?

Für die Designer, zumindest in der Skizzenphase. Ich glaube keine Sekunde, dass man mit Muse (oder wie immer es final heißen mag) ernsthaft eine saubere Website wird bauen können. Mag sein, dass man einen Low-End-Schnellschuß damit machen kann oder eine Platzhalter-Site. Mag sein, wenn Adobe eine vernünftige CMS-Einbindung liefern kann (die es bisher nicht gibt) und an den Details arbeitet, dass es auch im Entwicklungs-Workflow einen Raum für Muse gibt. Bisher sehe ich den Nutzen eher darin, Dinge, die man bisher in Photoshop oder Indesign (oder sogar iWeb, Keynote oder Flash) gemacht hat, hier solider zu vereinen – halbwegs lauffähige Previews/Modelle für Pitches, Usability-Experimente, Prototyping und das reine Screendesign. Ob am Ende ein Entwickler den dabei entstehenden Code vielleicht sogar weiter verwerten kann (was ja nicht dumm wäre), ist dabei sowas zweitrangig. Aber ein semibrauchbares Modell einer Idee online zeigen zu können und das nicht gar so unsagbar schlecht wie mit PDF oder iWeb-HTML, wäre schon ein Schritt nach vorne und sei 180 Euro im Jahr gern wert. Muse entpuppt sich also, bei allen bisherigen Schwächen, als brauchbarer Skizzenblock fürs Webdesign. Das Adobe einige wichtige Basics nicht verstanden hat – etwa die Trennung von Content und Form oder die Endgeräte-unabhängige Fluidität von Layouts durch Browser- und Medienabfragen, sticht ins Auge. Muse überträgt Print-Prinzipien ins Web, wo sie nicht hingehören. Dennoch macht es in Entwicklungsphasen durch recht einfache Werkzeuge und die Einbindung grundlegender JQuery-Tools schon mehr möglich als jedes andere WYSIWYG-Tool bisher und schafft so eine Brücke zum Programmierer, vor allem aber auch einen Weg – und das ist etwa bei uns zunehmend wichtig – komplexere Konzepte auch zumindest semi-funktional vorzustellen, ohne gleich hohe Entwicklungskosten zu haben. Wo man bei Indesign nie wirklich eine konkrete Vorstellung hatte, wie Schriftgrößen und Bilder real auf diversen Geräten wirken, hat man hier wenigstens eine grobe Vorstellung, wie es online aussehen wird – und zugleich aber deutlich mehr Möglichkeiten als bei iWeb, und zugleich weniger abstruse 90er-Jahre-HTML-Ansätze als mit Dreamweaver. Irgendwo zwischen Muse und Hype liegt ein Ansatz, mit dem auch Non-Coder zumindest eine Idee davon, wie sie sich eine Site vorstellen, zunächst gestalten und präsentieren können, ohne sich gleich in den Code-Dschungel zu begeben. Aber warum eigentlich nicht?

Weil es im Webdesign in der Programmierung nur zwei Stufen gibt derzeit – teuer und individuell oder preiswert und (relativ) ready-made, wobei ich letzteres inzwischen sogar bei High-End-Sites finde. Ich finde aber, so sehr einheitliche Standards ihren Sinn haben, dass hierunter die Vielfalt im Web und damit die Weiterentwicklung des Mediums leidet. Zwar bin ich ja der Meinung, das «Websites» wie wir sie heute kennen in 10 oder 20 Jahren wahrscheinlich völlig obsolet sein werden, aber bis dahin ist es etwas schade, wenn zunehmend alles nach CMS-Templates aussieht. Man mag über Flash denken, was man mag – aber in den Heydays der Flash-Sites gab es unter dem ganzen visuellen Müll auch einige Sites, die mit den Möglichkeiten der Software wunderbar verspielte und in Sachen Interface «andere» Ideen realisieren konnten. Man denke nur an die Experimente von Yugop mit Flash, an die frühen Group94 und die Möglichkeiten, die eine derart graphische Ausrichtung von Sites bis heute im Hinblick auf Interaktivität mit sich bringt. Heute wirkt alles dagegen etwas nüchtern, schnelle Information ist wichtig – im Grunde braucht man die Site an sich kaum noch, man kann sich Text und Bilder auch via RSS oder Readability/Safari Reader auslesen und auf das Design drumherum verzichten. Die selbsternannten Minimalisten mag diese Entwicklung freuen – aber sie hat das Web weniger explorativ, weniger vernetzt, weniger immersiv gemacht.

Was viel damit zu tun hat, dass Webdesign heute zu wenig von Designern kommt. Ich werde das Gefühl nicht los, die Möglichkeiten von HTML und bestehende Lösungen bestimmen, wie Sites aussehen – unabhängig von den tatsächlichen Bedürfnissen und kommunikativen Anliegen der Auftraggeber. Da geht eine gigantische Standardisierungswelle, bei der am Ende Modemarke wie Museum nach «Typo3» oder «Joomla» aussehen, nicht nach Modemarke oder Kunst. Es geht ja auch mit HTML kaum anders, Java hin oder her, wenn man mit den Browsern nicht havarieren will und die Mobil-Prozessoren nicht durchgrillen.

Die Hoffnung bei Muse – und ich bin da sicherlich viel zu optimistisch – wäre also vielleicht, dass Gestalter ohne Rücksicht auf die Möglichkeiten von CM-Systemen, ohne auf etablierte JQuery-Bibliotheken zurückzugreifen, einfach visuell aufregend gestalten und das Design mit seinen Wünschen und Lösungen sich wieder vor das Coding mit seinen (Un)Möglichkeiten und Begrenzungen stellt. Auch wenn ich der Meinung bin, dass nahezu jeder, der heute Design studiert, programmieren können müsste, weil die Entwicklung nahtlos in diese Richtung geht, ist das wichtige an einer Web-Lösung immer noch die dahinterstehende Idee, die kommunikative Strategie. Und je besser die Designer diese entwickeln und dem Auftraggeber (und später den Programmierern) kommunizieren können, umso besser. Muse mag dabei ein primitives Werkzeug sein – aber es ist immer noch besser als andere bisherige Lösungen. Es fehlt an allen Ecken und Enden – und sei es nur eine integrierte Upload/FTP-Lösung – aber für Wireframes, Prototypen und und und kann es ein gutes Werkzeug sein – wenn auch ein sauberes CSS wahrscheinlich allemal schneller sein dürfte für die, die es händisch können. Dennoch glaube ich gerade für die Entwicklungsphase, das alles gut ist, was das Denken vom Code befreit und auf die Bedienung, die Gestaltung, und vor allem auf schnelles, experimentelles Design zurückführt. Insofern ist Muse vielleicht gar nicht so sehr für die Großmutter, die sich eine kleine Website machen will, gedacht, sondern wird sich als Skizzenblock erweisen, so wie sich in den letzten Jahren Keynote oder das absolut alberne iWeb als solide Lösung in der Ideenfindungsphase erwiesen haben, wenn es darum geht, ein Konzept zu erstellen und noch nicht über die Grenzen von Java nachzudenken.

Zugleich zeigt Adobe aber, wie weit die Marke sich vom Markt entfernt hat. Mag das «Subscription»-Modell noch vor einer Dekade mutig gewesen sein, wirkt es derzeit etwas old-fashioned. So wie bereits bei der Creative Suite ein fast atemberaubend dreister Mietpreis im Raum steht, scheint auch hier weniger der Preis ein Thema zu sein (180 € ist ja recht fair) als vielmehr die enge Anbindung an Adobe und das «Nicht-Besitzen» von Software veraltet zu sein. Warum nicht einfach für 299 € in den AppStore damit und fertig – und bei der Gelegenheit gleich die nächste CreativeSuite auch auf diesen Weg schicken. Angefangen von der Air-Umgebung über das Abo-Modell bis zu der Frage, ob außer Business Catalyst noch andere CMS/Hosting-Lösungen integrierbar sein werden – oder warum Adobe nicht aus Indesign, Edge, Muse, Dreamweaver und all diesen Einzellösungen eine überzeugende Gesamstruktur entwickeln kann -, Muse ist nichts, worüber ein Web-Dev seinen Schlaf verlieren sollte. Ich sehe keine Low-Budget-Sites, die damit überzeugend entstehen können, das System ist (noch) viel zu statisch, ohne Datenbank-Anbindung ist doch heute fast keine wirkliche Homepage mehr denkbar. Da gibt es andere Lösungen, die eher in diese Richtung gehen und die Brücke zwischen CMS und Enduser schließen, indem in das Backend Layout-Möglichkeiten integriert werden.

Was Muse aber leisten kann, ist die Non-Coder-Designer aus dem Printbereich näher an die Programmierer heranzubringen, eine Lücke zu schließen, bis diese sich durch die Weiterentwicklung des Designs von selbst schließt oder die Frage durch die weitere Evolution des Webs ohnehin überflüssig wird. Nachdem Adobe einen ähnlichen Konvergenz-Ansatz bereits bei Rome erst entwickelt und dann verworfen hat, darf man gespannt sein, ob Muse eine Chance am Markt hat.

Bamboo Stylus

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Mit dem Bamboo Stylus bringt Wacom in diesen Tagen relativ spät einen Stift für das iPad und andere kapazitative Displays auf den Markt – aber das Warten hat sich gelohnt. Der Bamboo beweist, das wider Erwarten eben doch auch bei einem an sich so simplen Konzept wie einem Stift mit einer Gummiblase am Ende noch feine Unterschiede eine Rolle spielen können. Aber gegenüber dem Pogo, dem Erstling auf dem Markt, und auch gegenüber dem AluPen, dem bisher besten Schreibgerät für das iPad, kann der Bamboo spontan überzeugen.

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Wo der Pogo dünn und billig wirkt und aufgrund der eher aus Velcro-artigem Material bestehenden Spitze auch sehr unschönes, kratziges Schreibgefühl vermittelt, wirkt der Bamboo solide und edel verarbeitet, gemessen am noch einmal deutlich solideren AluPen überzeugt vor allem die feinere Form. Wo der Alupen eher an ein Stück Kreide oder einen Wachsmalstift erinnert und etwas schwer in der Hand liegt, ist der Bamboo leichter (aber dabei nicht so fragil wirkend wie der Pogo) und dünner, mehr wie ein normaler Schreiber oder Kuli/Gelroller. Er ist ein bisschen kürzer als ein normaler Stift, liegt aber dennoch gut und natürlich in der Hand, der Clip kann optional mit wenigen Handgriffen entfernt werden.

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Entscheidender Vorteil: Die Weichgummikuppe ist deutlich kleiner als bei vergleichbaren Lösungen und führt zwar nicht zu wirklich «feinerem» Schreiben – das gibt das Display des iPad gar nicht wirklich her, jedenfalls noch nicht – aber zu einem sehr viel natürlicherem Schreibgefühl und einer fast schon «echten» Schreibschrift. Die weniger ausgeprägte Spitze hat allerdings den Nachteil, dass man nicht nur mit einem Hauch mehr Druck auf den Bildschirm drücken muss, sondern auch, dass man aufgrund des dünneren Gummis dabei sehr viel schneller mit dem Metall über dem Gummiball auf den Bildschirm kommt – man muss sich also beim Schreiben etwas umstellen. Ebenso ist die Haltung der Hand etwas anders – mit dem zierlichen Bamboo ist die Hand bei mir eher auf dem Glas abgelegt als mit dem Alupen, dessen Formfaktor eine ganz andere Handhabung des Stiftes bedingt.

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Einziger Nachteil des Bamboo Stylus ist womöglich, dass man ihn eher verlieren wird, weil er so klein ist – beim Preis von rund 30 € heißt es also, aufpassen.

Toyetic Design

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Auch wenn «Toyetic» eigentlich etwas anderes bedeutet – die Möglichkeit, aus einem Medienangebot, etwa einem Film, Merchandise wie Spielzeug usw. abzuleiten – so gibt es auch mehr und mehr Design, dass im Grunde nichts anderes tut – Alltagsgegenstände und -median einen Spielzeug-artigen Charakter einhauchen und damit die Emotionen einer Gesellschaft triggert, die sich weigert, erwachsen zu werden bis ins hohe Alter. Diese orangen Panasonic-Kopfhörer sind ein meisterhaftes Beispiel für diesen Trend.

Schreiben auf dem iPad: Bamboo Paper

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Zum Bamboo Stylus Stift für das iPad bringt Wacom eine passende Notizbuch-App heraus – Bamboo Paper – die bis Ende des Monats noch gratis verfügbar ist. Unter den vielen Notizbuch-Applikationen für das iPad und für eine «Corporate App» macht Bamboo Paper überraschend viel richtig, vor allem verglichen mit der sehr enttäuschenden und lang erwarteten Moleskine-App.

Paper ist relativ einfach gehalten, überzeugt aber zugleich mit einem durchdachten Konzept. Die App bietet die gesamte Fläche des iPad als Notiz-Buch, wobei die Schrift nicht wie bei vielen anderen Anwendungen «vektorisiert» wird – das Schriftbild ist nicht nur mit dem BambooStylus, sondern auch etwa mit dem AluPen so flüssig und «natürlich» wie bei Noteshelf und Penultimate, wobei gerade letztere App Bamboo in vieler Hinsicht so ähnelt, das deutlich wird, wo sich Wacom vielleicht auch etwas Inspiration geholt hat. Vorteil gegenüber Penultimate ist aber die elegantere, fast nahtlose Integration der Werkzeuge in das «Blatt», so dass man gefühlt mehr Raum zum Schreiben hat.

Die grundlegenden Funktionen – Stifte in drei verschiedenen Stärken und sechs verschiedenen Farben, Radiergummi, Löschen der ganzen Seite und «Lesezeichen» – ähneln ebenfalls am ehesten Penultimate. Noteshelf liefert hier einen deutlich größeren Funktionsumfang schon bei den Malwerkzeugen – mehr Farben, 21 Stufen «Stiiftgrößen», Bild-Import und Emoji-artige Icons geben dem Schreibenden mehr Freiheit bei der Arbeit mit seinem Text.

Auch bei sonstigen Features schwächelt Wacom, wieder vor allem gemessen an Noteshelf. Noteshelf bietet Evernote- und Dropbox-Integration, kann JPG als auch PDF exportieren, optional mit und ohne «Papier» und Seitenzahlen. Bamboo hingegen exportiert einzelne Seiten als JPG (768×1024) oder das Notizbuch als PDF, jeweils mit «Papier» als Hintergrund. Die Auflösung ist bei allen Apps nicht ideal – besser wäre eine feinere Auflösung, aber hier hat bisher keine Notebook-App einen Vorsprung, wahrscheinlich, weil eine höhere Auflösung den ohnehin spürbaren Latenz-Faktor beim Schreiben erhöhen würde. Wobei Bamboo einen Hauch langsamer zu sein scheint als Noteshelf, weniger schnell hinterherkommt. Dropbox und vor allem Evernote-Sync sind zudem grundlegende Funktionen eines Notizbuchs, da hier das automatische Sammeln von Notizen in einem dafür perfekt geeignetem System ermöglicht wird. So kann man bei einem Meeting mitschreiben, kurz «synchen» und hat die Notizen bereits im richtigen Ordner im Bürorechner, wenn man dort ankommt – komfortabler und sicherer geht es kaum.

Vorteil von Penultimate und Noteshelf ist auch, dass man mehrere Notizbücher verwalten kann. Bamboo merkt man an, dass dieses Feature geplant ist – anderenfalls würden verschiedene Farben für die «Umschläge» und ein Papierkorb im Interfacedesign keinen Sinn machen. Aber die Einschränkung, derzeit nur ein Buch nutzen zu können, ist wie das Fehlen von Synchronisation und Bildimport ein großes Argument gegen Bamboo Paper.

Wo die App dennoch punktet ist das Design – sie ist wunderbar reduziert gestaltet, und trotz der wenigen Optionen scheint beim Schreiben ad hoc nichts zu fehlen. Der Verzicht auf den imitierten Buch-Look im Interface macht das iPad selbst zum Notizblock – und so einfach fühlt es sich definitiv richtig und am besten an. Die dezenten blauen Linien und Karos sind zum Schreiben ideal – und die «Hefte» in der Dokumente-Übersicht sind ästhetisch überzeugend gemacht. Hier ist Penultimate mit seinen braunen «Schreibheften» sehr nahe dran, aber gerade in der Reduzierung und Vereinfachung überzeugt Bamboo schon auf den ersten Blick, verschwendet weniger Platz und gibt den Nutzer die maximale Schreibfläche – definitiv der richtige Ansatz.

Auch der Verzicht auf den nostalgischen «Sepia-Papier-Look» zugunsten einer klaren weißen Fläche, die weniger «retro» ist, gefällt. Das schlimmste Interface weist Noteshelf auf, wo vom Icon bis zur Umschlaggestaltung der «Notizbücher» einfach alles ein bisschen häßlich geraten ist. Noteshelf bietet eine wahre Flut von Vorlagen und Optionen für Buchcover und Seiten, aber nicht eine davon kann gestalterisch überzeugen, keine macht wirklich «Spaß». Ich kann mir fast vorstellen, trotz fehlender Features mehr mit Bamboo zu arbeiten, weil es rein visuell und ästhetisch mehr angenehmer ist, diese Applikation zu benutzen. Es sind nicht immer nur die reinen Funktionen – man sollte als App-Entwickler das Screen-Design und den emotionalen Aspekt der User Experience niemals unterschätzen. Noteshelf ist funktional ungeschlagen, aber nahezu völlig ohne Flair. Bamboo will seltsamerweise deutlich weniger und überzeugt genau deshalb mehr.

Ein zweites, wenn noch unausgereiftes Plus von Bamboo ist der Zoom. Wo Noteshelf eine «Lupe» bietet, die den unteren Bildschirmbereich kompliziert zur Vergrößerung des oberen macht, zoomt die Wacom-App mit einem Zwei-Finger-Pinch die Seite größer oder kleiner. Hier gibt es das Problem, das man dabei versehentlich oft «malt» anstatt zu zoomen, aber der Ansatz fühlt sich insgesamt dennoch intuitiver und natürlicher an. Spätestens mit dem Retina-Display des iPad3 sollte man bei dieser Zoom-Funktion aber eine höhere Auflösung der Notizen andenken, die Pixel sind im Zoom sehr deutlich sichtbar. Abgesehen davon erlaubt der Zoom, trotz des «klobigeren» Schreibens auf dem iPad-Display, im Endergebnis eine lesbare und realistisch «feine» Schrift hinzubekommen. Im Zoom kann man mit zwei Fingern das Papier natürlich weiterbewegen und ein längeres Drücken an beliebiger Stelle lässt die Schreibwerkzeug-Optionen erscheinen, so dass ein ungestörter Workflow möglich ist. Die noch relativ naive Zoom-Umsetzung sorgt allerdings schon dafür, dass man (zu) oft das Radiergummi verwenden muss, um ungewollte Striche zu löschen.

Wenig störend fiel ein weiteres fehlendes Feature auf – Penultimate und Noteshelf haben eine Art «Wrist Protection», die verhindert, dass der Handballen auf der Glasfläche beim Schreiben stört. Wacom hat dieses Feature nicht, dennoch funktioniert die App recht sauber – der Handballen verhindert nur recht selten das Schreiben als solches, macht aber selbst keinerlei «Malstriche». Da die Wrist-Protection auch an sich oft seltsame Nebeneffekte hat und sogar Blattbereiche sperrt, ist ihr Fehlen kein großer Verlust und man gewöhnt sich schnell daran, die Hand nicht auf dem Glas ruhen zu lassen.

Im Resultat überrascht Wacoms Bamboo Paper als Free-App mit einem sehr gelungenen, reduzierten Ansatz, dem es an einigen Features fehlt, die der Hersteller hoffentlich ausbaut. Das perfekte Notizbuch für handschriftliche Mitschrift und Zeichnungen, das intuitiv und natürlich funktioniert wie ein Stift und Papier, aber alle digitalen Vorteile mit sich bringt, gibt es aber auch hiermit (immer) noch nicht, das Rennen um die «perfekte» App, die Ästhetik und Funktionalität zu einem überzeugenden Design verbindet, ist noch offen. Vielleicht kommt das aber auch erst, wenn Apple einsieht, dass eine Stifteingabe für das iPad kein «Fehler» ist, sondern eine wertvolle Ergänzung des Gerätes, und eine entsprechende Hardware/Software-Lösung vorstellt, die dem Feeling eines echten Wacom-Tablett näher kommt.

Langsame Revolution

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Ein Jahr nachdem das iPad den Auftakt zu einer globalen neuen Digitalisierungswelle bei «Print»-Medien ausgelöst hat, reibe ich mich als Leser (aber auch als Designer) immer wieder an seltsamen und frustrierenden Elementen dieses Umbruchs, die einzeln jeweils sicher erklärbar sind, kollektiv aber den Buchmarkt und die Anbieter von Hard- und Software vor wichtige Herausforderungen stellen. Ein kritischer (und sehr subjektiver) Blick auf den Stand der Dinge im Bereich des e-Lesens:

Hardware. Ich hatte letztens bei einem Besuch auf dem mediacampus frankfurt die Chance, mehrere aktuelle eReader in der Hand zu halten. Als iPad-Nutzer eine geradezu schockierende Erfahrung. Unhandlich (mit Ausnahme des Thalia-Readers, der ein sehr süßes Format hat, für «Buch» allerdings einen Tick zu klein ist), ein entsetzlich billiges Aldi-Plastik-Feeling, langsam, medial unflexibel, reines Schwarzweiß… da kommt wenig Freude auf. Das Buch ist ein sehr haptisches Medium und Buchleser häufig Menschen mit einem Gespür für schöne Gegenstände und gute Dinge. Das sollte man beim Design von Endgeräten durchweg im Kopf haben und nicht taiwanesischen Plastikschrott anbieten. Je näher der Reader an das Gefühl eines «Hardcovers» herankommt – und je näher auch die digitalen Buchdateien dies emulieren, nicht durch sepia-Hintergründe, sondern im Handling – desto erfolgreicher wird sich das Angebot durchsetzen. Ich denke auch, niemand hat wirklich Lust, einen längeren Text grau auf grau zu lesen? Die Schrift mag ja «scharf» sein bei vielen Readern, aber sie wirkt pixelig und hat in jeder Hinsicht die Anmutung einer Kinder-«Zaubertafel». Die Bedienung der Software, die sinnfrei wirkenden Hardware-Tasten und viele andere Details der Reader erinnern an die Frühzeit des Computers. Ästhetisch ist das iPad somit fast singulär der einzig annehmbare Weg derzeit. Das iPad aber ist noch zu dunkel in der Sonne, zu hell in der Nacht, reizt die Augen zu sehr beim Lesen als aktives Display gegenüber dem «passiven» Papier und braucht dringend eine höhere Auflösung (iPad3 wird Retina-Display haben). Richtig perfekt ist derzeit noch keine Lösung, Jan Tschichold würde an all diesen Geräten verzweifeln. Das iPad ist noch am nächsten dran und trotzdem einige Jahre von «perfekt» entfernt. Seltsamerweise tut dem Gerät auch die Verschlankung von iPad zu iPad2 nicht wirklich gut. Obwohl für die meisten anderen Anwendungen ein Fortschritt, ist das Pad als Buch jetzt zu surreal dünn, zu scharfkantig, zu sehr Glasscheibe. Ein leichteres, aber voluminöseres Gerät wäre an sich überzeugender. Hier haben wir noch einige schwierige Jahre vor uns – in Sachen Interface ist kein Reader dem «echten» Buch gewachsen. Was zugleich auch heißt, das für andere Firmen als Apple noch Raum wäre, ein markttaugliches Angebot zu konzeptionieren – die begeisterte Reaktion auf den dann leider nie realisierten Courier-Entwurf von Microsoft zeigt das sehr deutlich. Monopole sind nie gut und es wäre erfreulich, wenn ein Hardware-Anbieter sich des Themas Digitales Lesen und Schreiben ganz neu und offen stellen würde.

Kaufen. Es ist immer noch eine Art Horrortrip, spontan ein eBook zu kaufen. Es wirkt fast so, als solle man in semi-legale Graubereiche hinein gezwungen werden, wenn man als Nutzer auch nur den geringsten Anspruch stellt – wie etwa den Wunsch, ein gekauftes Buch auf dem eigenen Lesegerät nutzen zu können. Als deutscher Nutzer ist es schwierig, legal ein amerikanisches Buch – das ich «auf Papier» bei Amazon problemlos binnen 24 Stunden erhalte – als ePub zu kaufen. In Apples iBook-Store gibt es ofiziell keine 50 englischen Bücher… verdeckt sind es einige mehr, aber das Angebot ist erschütternd schlecht. Und auch bei den deutschen Büchern ist die Auswahl deutlich zu klein – Apple hat hier viel zu wenig kleine Verlage im Programm, die Bücher erscheinen deutlich nach den Print-Angeboten, die Vorteile einer digitalen Buchhandlung (Große Auswahl, da keine Lagerfläche, niedrige Preise und hohe Geschwindigkeit) kommen nicht zum Zuge.
Das zugleich die wachsende Zahl der Websites, Foren und Blogs, auf denen Bücher illegal zum Download angeboten werden, explodiert, zeugt von großer Nachfrage, die die Verlage und legalen Anbieter einfach nicht befriedigen. Es ist wie mit dem iPhone und dem Jailbreak – je mehr Apple mit jeder iOS-Fassung ganz einfache Wünsche der Nutzer befriedigt, desto weniger werden diese zu aufwendigen Tricks greifen, um die Funktionalität ihrer Geräte auszureizen. Je einfacher man also digitale Bücher kaufen kann, umso weniger Chancen haben die illegalen Quellen.
Bei Comics, einem fluideren, überschaubaren aber der Buchbranche nicht unähnlichen und insofern als Erfahrungsfeld besonders spannenden Bereich, zeigt sich das besonders drastisch. Der interessierte Leser bekommt nahezu jedes Mainstream-US-Comic am gleichen Tag von ungezählten internationalen und illegalen Quellen in perfekter Qualität in zwei Standard-Reader-Formaten als One-Click-Lösung. D.h. die illegale Vertriebslösung ist an Komfort – abgesehen von der langen Suche und Werbeeinblendungen natürlich – kaum zu überbieten im Hinblick auf das Endergebnis, weist aber einen ungemütlichen Weg dorthin auf, der zudem den Makel des Illegalen aufweist. Kein Konsument von Büchern, Musik, Filmen oder eben Comics will, dass die Macher leer ausgehen. Die Verlage aber – die die Direktmarktstruktur schützen und vor den in den USA durchaus recht mächtigen Retailern Angst haben – setzen auf proprietäre Lösungen, die geradezu bizarr inpraktikabel sind. Selbst der Vorstoß von DC, ab September monatlich 52 Hefte day&date, also am gleichen Tag wie die Printversion, digital zu veröffentlichen, ist nur ein halbherziger Schritt – wenn die Formate nur in geschlossenen Systemen verfügbar sind, wird es wenig nutzen, zumal der Preis bei Erscheinen auf Höhe der Printausgabe liegt. Das schützt die Händler, schadet aber den Verlagen und damit den Autoren und Kreativen. Offene Formate wie CBZ oder CBR, einfache Download-Möglichkeiten, kein DRM und attraktive Angebote für Subskriptionen sind die Lösung. Hier ist übrigens aus meiner Sicht eine große Chance für kleinere Verlage oder Strukturen, ihre Hefte nicht als Webcomics, sondern in ein einem bewährten Format per Blogsystem und Paypal in Echtzeit abzusetzen und die etablierten Strukturen zu umfahren. Flatrates wären gerade für Comic-Publisher, in denen mehrere Hefte ja meist zusammengehören und eine Art «Universum» bilden, zudem eine attraktive Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen und alte zu binden. Wichtig ist aber, nicht nur einen digitalen Zugang mit proprietären Readern zu geben, sondern Zugang UND Besitz zu ermöglichen und auf offene, einfache Formate zu setzen. Oder zumindest beides anzubieten, also eine Art Unterschied zwischen «Streaming» bzw. Miete und «Download» bzw, Besitz anzubieten, wie es im Video- und Musikbereich längst getan wird.

DRM. Kaufe ich ein normales Buch, so kann ich es weiterverleihen, beliebig oft. Kaufe ich ein eBook, etwa ein DRM-geschütztes ePub bei iBooks oder Borders, kann ich das nicht tun. Hier verliert sich ein wichtiger Aspekt von Buch – das Weitergeben, weiterempfehlen, Teilen. Nook ist da einen (halbherzigen) Schritt weiter, sicher, aber generell ist diese Paranoia ein Malus für das eBook-Genre, der zudem auch nur für «legale» Bücher gilt, also wieder den Graumarkt stärkt. Der AppStore und iTunes beweisen, dass gerade DRM-freie Medien und der Verzicht auf Seriennummern/Aktivierungen usw. umsatzsteigernd wirken und die meisten User ein Modell wie das des AppStore – ein Account, mehrere Nutzungen möglich – akzeptieren. Es ist also vielleicht nicht klug, gerade angesichts der Erfahrungen der Musikindustrie, immer noch auf Rights Management zu setzen. Rückt den Nutzer in den Mittelpunkt der Anstrengungen, nicht den Raubkopierer. Wer einen Supermarkt hat und diesen mit Selbstschussanlagen und Stacheldraht gegen Einbrecher zu schützen versucht, wird wohl auch nicht viele Kunden mit diesem charmanten Auftritt für sich gewinnen. DRM kills your business.

Formate Die Formatvielfalt – mobi, lit, ePub, PDF und und und – fühlt sich an wie die frühen Tage von Video mit VHS, Beta und Video2000. Warum es diesen Formatkrieg gibt (und das PDF und textbasierte Formate tatsächlich unterschiedliche Vorteile bieten) ist so offenbar wie schade (anscheinend haben die Hardwareanbieter immer noch nichts aus VIdeo- und DVD-Formatkriegen gelernt, so unfassbar das scheint), aber alle Beteiligten – Konsumenten wir Produzenten – können nur von einheitlichen Standards profitieren. Das offene System zumindest halbwegs klarer Standards im Web kann hier Vorbildcharakter haben. Zumindest die XML/HTML-basierten Formate sollten weitestgehend identisch werden. Die flexible Orientierung an populären und simplen Standards ist immer sinnvoll in Umbruchszeiten (es sei denn man hat wie Apple die Marktmacht, eigene Standards einfach durchzudrücken, wie etwa bei iTunes Audio- und Videoformaten… aber diese Macht hat derzeit eigentlich keine andere Unternehmung und selbst Apple musste sich immer wieder dem Markt anpassen, um Erfolg zu haben).

Preise. Warum kostet Wolfgang Büchers wunderbares «Hartland» als ePub im Grunde ebensoviel wie als Hardcover? Obwohl es hier keine materialle Produktion, keine Lieferung, keinen Grossisten, keine Retouren, keine Lagerhaltung gibt und man sozusagen also ein «ideales» Gut hat, das alle Nebenkosten eines realen Objekts nicht mehr aufweist? Das Argument ist nicht neu – und über kurz oder lang werden die Verlage sich dieser (ja berechtigten) Frage stellen müssen und sich möglichst einheitlich auf ein Modell einigen müssen. Hier zu blockieren, auf Zeit zu spielen und erst einmal Anlaufinvestitionen in eine (allerdings nicht sonderlich teure) neue Technologie mitzunehmen, ist nachvollziehbar – aber die Zeit verrinnt. Gut beraten wäre die Branche, schnell ein klar am Kunden orientiertes Modell zu entwickeln. Ich kann verstehen, dass Verlage und vor allem auch Sortiment die identischen Preise phantastisch finden – sie verzögern den Wechsel der Leser zum digitalen Endgerät und sichern so die bestehenden Strukturen – und die Buchpreisbindung hierfür instrumentalisieren. Ich bin auch dankbar für jeden Job, der durch diesen Ansatz gerettet wird. Nur – der Arbeitsplatz wird nicht dauerhaft gesichert, der Wandel kommt sowieso und mit Verzögerung nur umso gewaltiger und durchschlagender. Unnachvollziehbar hohe Preise erzeugen zudem nur einen Graumarkt, an dem dann niemand mehr etwas verdienen wird. Fair Play auch bei den Preisen ist hier ein essentieller Ansatz, den zukünftigen digitalen Markt zu meistern.

Lesen. Man darf sich nichts vormachen – so phantastisch es ist, Bücher digital zu verwalten – kein Regalplatz, grandiose Markier- und Lesezeichenwerkzeuge, Text-Kopierfähigkeit, diverseste Ordnungsmöglichkeiten, so eben doch noch relativ unangenehm ist das Lesen an sich. Neben dem Display ist ein Hauptgrund die Software, die nicht nur generell zu wenig typographisch einwandfreie Schriften bietet sondern eigentlich nur eine winzige Font-Auswahl mit zudem wenig Features. Wichtig wären mehr Schriften, Open-Type-Fähigkeiten und vor allem eine stärkere Möglichkeit für die Gestalter, auch bei textbasierten eBooks Designvorgaben zu machen. Also Schrifteinbettung, optionale Einschränkung der Fluidität des Content und feste Schriftgröße, Zeilenabstand usw (eine Art Designer- vs- Usermode wäre ja denkbar, bei dem ein Buch aussieht wie für das Device «geplant», der Nutzer aber davon abweichend natürlich individuelle Einstellungen vornehmen kann). Sinnvoll wäre eine Balance zwischen Designvorgaben und der Möglichkeit für den Nutzer, gezielt einzugreifen, anstelle des jetzigen Design-Vakuums, bei dem man als Designer in etwa so effektiv arbeiten kann wie im Web vor 10 Jahren. Ich würde gern als Designer eines eBooks gern typographisch und im Layout sehr viel mehr machen können als eine Art aufgebohrte Textverarbeitung. Der erste kleine Schritt hierhin wäre vielleicht eine Möglichkeit geben, eigene Schriften sicher und lizenzrechtlich einwandfrei einzubinden. Ein weiterer Schritt, zudem ein lukrativer, wäre eine kleine Applikation, die gezielt und absolut sicher nur eBooks gestaltet und in der Applikation bereits verschiedene Reader simulieren kann – eigentlich eine Goldidee für den App-Store. Ein Zwischenschritt wäre, PDF deutlich besser in iBooks zu integrieren – GoodReader zeigt ja, das Textauswahl, Markieren und Notizen auch in PDF schnell und einwandfrei funktionieren. So wie es jetzt ist, braucht es beim digitalen Buch keine Designer mehr, das kann jeder Verlagspraktikant (leider!) selbst – und so sehen die Ergebnisse noch aus. An die Schönheit eines gut gesetzten gedruckten Buchs kommt das elektronische Pendant nicht näherungsweise heran. Noch gilt also, dass das Archivieren von Büchern digital mehr Freude bereitet als das Lesen – und das sollte sich mittelfristig drastisch ändern, denn es ist so, als könnte man in iTunes Musik nur in 64 kbit /s und frei von Bässen und Höhen hören oder als könnte das Schlagzeug jedes beliebigen Albums sich nur auf die fünf Drumsounds von Garageband beschränken.

Adobe. Beim Stichwort Gestaltung – es ist ein wenig seltsam, dass man eBooks fast besser in ausgerechnet Pages «layouten» kann als in InDesign, das von zahlreichen kleinen Bugs und einem Adobe-typisch komplizierten Workflow geprägt ist. Auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit ist Adobe derzeit scheinbar dabei, alle sich anbietenden Möglichkeiten einer Re-Etablierung als wichtiger Softwareanbieter zu ignorieren. ePub, PDF und andereAusgabe-Formate (also auch non-Adobe-Formate wie mobi oder lit) sowie Magazine-Apps müssen leicht, mit einem gewissen Spaßfaktor und ohne zusätzliche horrende Kosten (wie derzeit bei Digital Publishing) als integrierte Features der Creative Suite angeboten werden. Ansonsten verliert Adobe in diesem Bereich ebenso wie zuvor bei Flash und HTML. Nachdem Dreamweaver und Flash rapide an Bedeutung verlieren, und der Macromedia-Zukauf insofern rückblickend verspielt wirkt, bleibt Adobe noch die Printgemeinde mit Illustrator, Photoshop und Indesign. Erstere werden inzwischen teilweise von preiswerterer und schnellerer Software ersetzt (z.B. Pixelmator), die zumindest für Nicht-Profis zu einem Bruchteil der Kosten 80% der Leistung liefert. Aber selbst aus professioneller Sicht ist zumindest der Geschwindigkeitsunterschied zwischen 64-bit Pixelmator und 64-bit Photoshop verblüffend, auch wenn um PS de facto fast kein Weg herum führt derzeit. Das Potential eigener iPad-Apps hat Adobe bisher nahezu vollends unterschätzt. Setzt sich dieser Trend ungebrochen fort, wird es Adobe in 5 bis 10 Jahren nicht mehr geben. Der Zeitpunkt war nie besser, die Adobe Creative Suite samt aller Funktionen und Lizensierungsmodelle, Preispolitik und Offenheit von Strukturen genau JETZT komplett neu aufzustellen und zu überdenken, mit einem kritischen Blick auf die Stärken von Adobe und die Zukunft von Designproduktion in Print, im digitalen Publishing (in all seinen Formen) und in der möglichst nahtlosen Zusammenarbeit mit Programmierern. Ride the Wave, Adobe, don’t drown in it.

Es ist eine langsame, schmerzhafte Revolution, die sich hier vollzieht – nicht nur aus Branchensicht, sondern eben auch aus Sicht der Nutzer. Was Not tut, ist Beratung und Kommunikation. Die Verlage und Anbieter müssen sich – über Berater, über Workshops, über Verbindungen wie den Börsenverein, an strategischen Orten wie der Buchmesse – schnell und ehrlich mit ihren Kunden und den Lesern kurzschließen und mutige Strategien entwickeln, die gleichzeitig langfristig und flexibel/schnell sein müssen. Wer dies tut, wer das Produkt am Abnehmer orientiert, wer seine Strategie an der wirklichen Zielgruppe – dem Käufer, nicht dem «Dieb» – orientiert, der wird überraschende Erfolge feiern. Zugleich brauchen wir auf der produzierenden und die Verlage beratenden Seite des Geschäfts bessere und standardisiertere Werkzeuge für e-Medien, die erwachsen und ausgereift sind und effizient in den Workflow hineinpassen und als Medium per se überzeugen. So interessant diese Zeit des Umbruchs, der Irrwege und Experimente ist, so teuer und anstrengend ist sie auch – es wird Zeit, dass das junge eBook zumindest in die Teenagerjahre kommt. Und der iTunes-Store allein kann auf Dauer nicht der einzige Weg sein, die Verlage können an Monopol- und Oligopol-Strukturen nicht interessiert sein. Nie war die Zeit besser – für Verlage, Produzenten, Vertrieb und Sortiment – sich auf eine gemeinsame Strategie entlang der Kundeninteressen zu einigen.

Adventures in buying ePub

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Morgen generell noch mehr zu dem Thema digitales Lesen, aber ganz kurz, weil es wirklich zum Verrücktwerden ist:

Ich will ein englisches Buch kaufen. Nach langer Google-Suche und vielen Fehlschlägen, bei denen man als deutscher Käufer kein Buch in Australien oder den USA kaufen kann, etwa bei Borders oder B&N, finde ich endlich mit «kobo» einen Laden, der das gewünschte Buch als ePub anbietet.

Nach der Abbuchung per Kreditkarte kommt ein acsm-Link. Also kein ePub, sondern einen Link. Als Käufer weiß ich nicht, was ich da vor mir habe. In den FAQ finde ich nichts. Ich schicke eine Support-Anfrage. Auf die Antwort warte ich noch.

Mit etwas Suchen in Google wird klar: Ich muss Adobe Digital Editions installieren und erst dann kann ich per Doppelklick die .acsm öffnen, die dann ihrerseits einen Download in Digital Editions einleitet. Vorher muss ich mich mit meiner Adobe ID anmelden bei Adobe. Gottlob habe ich eine – was macht hier eigentlich der Normalverbraucher? Umständlicher geht es wohl kaum und jeder normale Nutzer dürfte bereits an dieser Stelle die Flinte ins Korn geworfen haben. Zudem ist ein Kauf direkt am iPad insgesamt damit völlig undenkbar, was bedeutet, dass die Stores auf eine große potentielle Käuferschaft verzichten. Warum?

Das Buch ist jetzt in Adobe Digital Editions lesbar, einer Art AIR-Applikation und einer der schlimmsten Desktop-Reader, die ich kenne. Es ist vor allem NUR dort lesbar. Weil legendär wir alle ja unser Buch am Desktop lesen wollen. Selbst wenn man die ePub auf dem Rechner nach kurzer Suche doch gefunden hat, funktioniert sie NICHT in iBooks. Das Digital Rights Management macht das Buch auf dem iPad unlesbar. Was angesichts der ja doch sehr geschlossenen Plattform iPad etwas unverständlich ist. Schön, wen Adobe und Apple sich nicht grün sind – aber muss ich darunter leiden?

Jetzt gibt es den Weg – der legal schon eher im dunkelgrauen Bereich liegen dürfte – das Digital Rights Management mit einem Tool oder einfachen Python-Script zu entfernen. Die meisten Tools kosten etwas, die Script-Lösung ist gratis, aber nicht gerade für den Post-PC-iPad-User denkbar. Selbst wer bereit ist, das zu tun, hat also vier bis fünf Schritte zu tun und muss mehrere Softwares installieren und am Ende die Entscheidung zu treffen, doch semilegal zu handeln, um einen einfachen Buchkauf zu tätigen und das Buch auf dem Endgerät und der Software seiner Wahl lesen zu können. Serviceorientiert ist nun wirklich anders. Es fühlt sich in etwa genauso absurd an wie Musikkauf digital vor 10 Jahren – als man noch CDs «rippen» musste, mit Sonys perfiden Schutzmechanismen kämpfte, alles nur, um Musik auf dem iPod hören zu können. Hier hat sich viel geändert – unter dem Druck des Marktes – will die Buchbranche wirklich gar nichts daraus lernen?

Ich kann exzellent verstehen, dass Anbieter ihre Rechte schützen wollen. Aber man darf das Kind doch nicht mit dem Bade ausschütten. So wie es sinnlos ist, Käufer einer legalen DVD mit Raubkopie-Warnungs-Filmchen zu bestrafen oder legale Software-User mit endlosen Ziffernfolgen und Activation-Softwares zu peinigen, die mehr Probleme für legale Nutzer machen als Kopien zu verhindern, so kann es doch nicht sein, dass ein simpler digitaler Buchkauf nicht nur so viel Zeit frisst, sondern am Ende entweder in der Frustration, 20 Euro vergeudet zu haben, oder in der Entscheidung, eben doch Urheberrechte zu verletzten, münden muss.

Es wäre ja vertretbar, wenn es nur diesen einen Weg um Buch gäbe – aber da vergessen die Verlage, dass seit Erscheinen des iPad digitale Bücher in schier unfassbarer Masse eben auch illegal downloadbar geworden sind. Und ich kann nur als Konsument sprechen und immer wieder das gleiche sagen: Seitdem es in iTunes nahezu alle aktuellen Alben zum fairen Preis ohne DRM gibt, kaufe ich ausschließlich dort. Bei Büchern wäre es genau so. Aber würde ich ein Buch, das ich im Buchhandel kaufe, erst lesen können, nachdem ich viermal durch brennende Reifen gesprungen, einen Salto und einen Hochseilakt gemacht hätte, würde ich dort nicht mehr kaufen. Vor allem nicht, wenn es das gleiche Buch an jeder Ecke umsonst ohne jedwede akrobatische Verbiegungen gibt.

Das ist eine ganz essentielle Erkenntnis, die nicht schnell genug bei den Entscheidern ankommen kann. Ob Comics oder Bücher – aus Konsumentensicht machen die Verlage hier derzeit nahezu alles falsch. Zu geringes Angebot, zu hohe Preise (bei deutschen Büchern oft defacto der Hardcover-Preis), internationaler Kauf unmöglich bis schwierig und dass tatsächlich noch jemand glaubt, Digital Rights Management sei ein gangbarer Weg ist zum Weinen. Es ist eine Sache, Raubkopie verhindern zu wollen, aber es ist eine ganz andere Sache, den legalen Kauf zu einem unangenehmen bis nahezu unmöglichen Erlebnis zu machen. Digital ist eine Tatsache – man sollte diesen Markt nutzen statt ihn zu bekämpfen. Der Weg ist nicht, illegale Plattform zu schließen – der Weg ist, legale Plattformen zu eröffnen, die darauf eingehen, was die potentiellen Legalen Nutzer pragmatisch wünschen. Von iTunes lernen heißt hier siegen lernen.

Schutzengel sind gut, Backup ist besser…

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Obwohl das hier wirklich kein Technik-Blog werden soll – ich wurde kürzlich gebeten, meine Back-Up-Strategie zu erklären und dem will ich natürlich gern kurz nachkommen, auch wenn ich nicht weiß, ob unsere Strategie stellvertretend für ein Designbüro mittlerer Größe ist – seit etwa drei Jahren, mit dem Umzug auf OS X haben wir keine «offizielle» IT mehr und arbeiten mehr mit einfachen, überschaubaren Lösungen.

Zentrales Thema beim Backup ist die absolute und permanente Sicherheit von Kunden-Daten. Im Laufe der letzten 15 Jahre ist es nur einmal bei einem Kundenprojekt vorgekommen, dass wir einen richtig bösen Datencrash hatte, durch einen zerstörten Festplattenkopf und ein nicht-aktuelles Backup, und durch viele Beinahe-Katastrophen sind wir mit den Jahren so sensibel geworden, dass wir fast etwas Overkill betreiben und Daten sehr redundant speichern – und selbst das erscheint mir oft nicht sicher genug. Sowohl Archivdaten als auch laufende Projekte sind mehrfach, mindestens immer zweimal, vorhanden – und ich muss sagen mit dem Wechsel von Windows zurück zu Mac vor einigen Jahren sind die Backup-Methoden deutlich vereinfacht worden, weil OS X etwas Sync-freundlicher ist als Windows, wo Werkzeuge wie Acronis beispielsweise gern mal ein komplettes RAID-System so zerschossen haben, das man sehr froh über doppelte Speicherungen war. Unter Mac arbeiten wir nicht mehr mit RAID 5-System, aber auch Lösungen wie TimeMachine sowie diverse Ordner-Synchronisations-Werkzeuge machen uns das Leben deutlich einfacher.

Der Hintergrund: Wir arbeiten bei nodesign mit fünf Leuten und mit sieben Rechner, vier iMacs, ein MacPro, zwei Air fürs mobile Arbeiten und Präsentationen. Der MacPro ist mit 2TB und 3TB-Platten voll ausgestattet und dient dem Büro sozusagen als Datenserver für Bilder, alte Projekte und als Ort, an dem alle Projekte gespeichert sind (abgesehen von Zwischenstufen, die jeweils auf dem Desktop der Clients stattfinden können) und beinhaltet außerdem alle Medien – Fonts, Softwares, Musik, Filme, Bücher und so weiter. Die iMac-Clients haben jeweils 1 oder 2 TB Platten, die Airs 128 bzw 256 GB.

Es gibt keinen klassischen Backup-Plan und meine Methode dürfte jeden ITler in den Wahnsinn treiben, sieht aber etwa wie folgt aus:

Jeder iMac hat zwei externe HDD, je nach Kapazität 1 TB oder 2 TB. Früher waren das bevorzugt WesternDigital MyBook, seitdem WD diese aber zu «klug» gemacht hat, bevorzuge ich die Elements-Laufwerke, die keine vorinstallierte Software mitbringen, sondern einfache «dumme» externe Volumes sind. Eine der externen HDDs dient als Time-Machine-Backu-Medium, das andere spiegelt via Carbon Copy Cloner (der sich als etwas flexibler erwiesen hat als SuperDuper) einmal täglich die gesamte Festplatte. TimeMachine ist also sozusagen das Kurzzeitgedächtnis für versehentlich überschriebene oder gelöschte Dateien, CarbonCopy das Krisenmanagement für den Fall eines Absturzes, da man von diesen Clones aus komplett neu booten kann, sogar an anderen Rechnern. Die Platten sind Firewire- oder USB, tatsächlich ist vor allem aber TimeMachine so langsam, dass der Anschluß kaum eine wirklich spürbare Rolle spielt, zumal die Backups im Hintergrund stattfinden und CCC erst nach Feierabend um 18.00 alles sichert. Beide Methoden sind inkremental, brauchen also meist auch nicht lang.

Die Air-Macbooks haben das gleiche Konzept, allerdings mit einer LaCie Rikiki und einer Freecom XXS, jeweils 1TB – beide sind groß genug, um TM, CarbonCopy und sogar noch etwas Raum für externe Daten zuzulassen und sind zugleich so klein und mobil, dass sie dem leichtgewichtigen Reisespaß mit dem Air nie im Wege stehen. DIe Rikiki unterstützt USB3, das Air allerdings seinerseits noch nicht. Insgesamt ist die XXS die Platte, die ich von Herzen empfehlen kann, obwohl oder vielleicht gerade wegen der fast verbrecherisch leichtsinnigen Ummantelung, die im Grunde nur aus einer Neoprenhülle besteht. Kleiner geht es derzeit kaum.

Der MacPro ist von Ende 2010 und unterstützt insofern leider noch kein Thunderbolt – also habe ich eine LaCie USB3-Karte eingebaut, die zwei Minimus-Platten ansteuert. Die Platten sind klein uns leise und durch USB3 so schnell, wie die internen Platten (512 GB SSD, 2x 3 TB, 1×2 TB) und der Bus der Platten es eben hergeben. Thunderbolt und externe SSD-Laufwerke dürften hier noch mal einen Leistungssprung bringen. Aber um die Wahrheit zu sagen – siehe oben – bei beiden Sachen kommt es nur beim ersten Backup aufs Tempo an. LaCie hat einen eigenen USB-Treiber im Angebot, der derzeit einzige (meines Wissens nach) für Mac – der Haken bei der Sache ist, das er wirklich NUR LaCie-Produkte unterstützt, durch eine kleine Hardware-Abfrage. Verständlich von Seiten der Herstellers, aber nicht sonderlich sinnvoll auf Dauer. Aber ich denke, mit Thunderbolt dürfte sich die Frage nach der Zukunft von USB3 am Mac erledigt haben. Die Minimus-Platten sind nicht so robust im Handling wie die WD-Platten. Es kann schon einmal vorkommen, dass die Platten sich ungefragt aus dem System verabschieden – und hier hilft nur ein Neustart des Systems. Auch die Hotplug-Fähigkeit ist eher bescheiden, zieht man eine Platte ab, sind beide «unmounted» und auch hier hilft nur erneutes Booten… Kleinigkeiten, die den ansonsten guten Eindruck der LaCie-Produkte etwas trüben. Diese beiden Platten sichern via CCC und TM die SSD-Bootplate und die «Daten»-Platte sowie die wichtigsten Medien (iTunes-Bibliothek usw.), die auf der vierten Platte liegen.

Ein weiteres CCC-Backup läuft einmal wöchentlich und speichert Daten, die beiden 3-TB-Archive und die Media-Platte auf einen 8-TB-Drobo. Der inzwischen drei Jahre alte Drobo ist erste Generation (hat aber mehrere Platten-Updates hinter sich), hat vier Slots à 1 TB, ist per USB angeschlossen und im Schrank versteckt (wegen der doch recht lauten Lüftung) – und bisher tut der Drobo zwar nicht wirklich rasant schnell, aber mit zwei Ausnahmen doch sehr sicher seinen Dienst. Der Drobo ist ein redundanter Speicher – er sichert eigentlich nur Daten ab, die ja bereits im Archiv liegen und gewährleistet eigentlich nur, dass wir bei einem versehentlichen Überschreiben einer Datei im Archiv (was mit InDesign oft genug passieren kann, wenn man in einer Vorlage arbeitet und im Arbeitsfieber CMD-S drückt ) das Original wieder herstellen können bzw. sorgt einem HDD-Crash vor. Er ist keine aktive Platte, insofern ist mir das Tempo vom Drobo relativ egal, zumal die Backups automatisiert am Wochenende laufen. Achtung: Beim Drobo hat es sich als sinnvoll herausgestellt, immer eine Wechselplatte gleichen Formats zur Hand zu haben, falls einmal eine der vier Platten ausfällt und ausgetauscht werden muss. Der Drobo mit vier Slots braucht also eigentlich fünf Platten, der fünfer entsprechend sechs und so weiter.

Per Folderwatch werden in Echtzeit die Mediadaten (iTunes usw) auf einer 2-TB-TimeCapsule synchronisiert, die zugleich ein zweites WLAN neben der Fritzbox liefert. Die Daten sind eine 1:1-Spiegelung und dienen nur als Sicherheit – um versehentliches Löschen von Daten, das ja sofort mit-synchronisiert würde, abzufangen werden diese Daten außerdem einmal monatlich auf einer weiteren 2-TB-Elements-Platte von WD gesichert – in diesem Falle manuell per Forklift-Synclet. Das ist ein wenig Overkill, zugegeben – aber iTunes kann gelegentlich etwas wirsch reagieren und in drei Fällen hat es mich schon gerettet, einfach noch einmal an alte Tracks heranzukommen. Mit iCloud und iTunes Match könnte sich dieser Schritt als überflüssig erweisen, weil man ja ein Backup «in the cloud» hätte.

Apropos in the Cloud – SSD-Laufwerk, Daten und das Archiv 01 (aktuellere Projekte des letzten Jahres oder Projekte gerade akuter Auftraggeber) sowie iTunes werden zusätzlich per Backblaze gesichert. Backblaze ist für die hier bestehenden Datenmengen – etwa 5 TB – alles andere als geeignet, das Erstbackup dauert natürlich selbst bei voll aufgedrehtem Upload und VDSL ohne Frage Monate. Ich bin sicher, Backblaze ist eher für kleinere Systeme gedacht – MacBooks und iMacs dürften ideal sein -, aber es gibt kein tatsächliches Limit und es st ja relativ egal, wie lange der Upload dauert – als letzte Rettungsleine ist es irgendwann sicher dennoch zu gebrauchen und mit 5 Euro im Monat auch preiswert genug (auch wenn man kaum darüber nachdenken mag, wie lange ein Restore von einem solchen Backup dauern dürfte). Backblaze lässt sich einfach konfigurieren – welche Platten, welche Ordner nicht sichern, wie schnell, usw. – und macht dann mehr oder minder unsichtbar im Hintergrund seine Arbeit, sollte nur bei extrem zeitkritischen Uploads vielleicht kurz deaktiviert oder ausgebremst werden, ansonsten merkt man es im Alltag kaum, selbst wenn es permanent hochlädt. Ich glaube, diese Form von Online-Backup wird in Zukunft mehr zunehmen, mit wachsenden Bandbreiten im Web.

Last not least bleiben durch Hardware-Updates eine wachsende Anzahl von 1TB- und 2TB-Platten im Büro, auf die wir mit einem Sharkoon SATA Quickport unregelmäßig manuell wichtige Daten aus dem Archiv spiegeln – falls alle Stricke reißen, ist das besser als nichts. Von wichtigen Daten wie Photos bekommen zudem die Auftraggeber auf Wunsch eine Backup-Festplatte, so dass die Daten auch außer Haus gesichert sind.

Streamer und DVDs setzen wir (gottseidank) seit einigen Jahren gar nicht mehr ein und ich muss zugeben, ich kann es kaum abwarten, bis aus normalen Festplatten durchgehend SSD via Thunderbolt geworden ist und natürlich große Kapazitäten deutlich preiswerter sind – obwohl das noch Jahre dauern dürfte – um endgültig etwas aus den «mechanischen» Unsicherheiten sterbender Festplatten heraus zu sein. Obwohl wir mit unseren Datenmengen ein reines Online-Backup derzeit wirklich nicht als brauchbare Lösung betrachten, ist es für kleinere Systeme eigentlich ein ausgezeichneter Weg – wenn es auch keine Boot-Platte mit einem Clone des Systems ersetzen würde. Langfristig würde mich nicht wundern, wenn Sachen wie TimeMachine aber komplett «in the cloud» passieren und man vielleicht sogar mehr und mehr auch mit den akuten Daten, an denen man kollaborativ arbeitet, direkt auf einem Webserver arbeitet. Dazu müssen bei diesen aber Redundanzen, Versioning und Restores sicher deutlich einfacher und erwachsener werden.

Komplette Sicherheit gibt es selbst so freilich nicht – mit TimeMachine etwa geht es nur immer zur letzten Stunde zurück – aber alles in allem habt sich die Methode als verlässliches Sicherheitsnetz erwiesen, um sowohl kurzfristige Fehler durch Überschreiben alter Daten oder Fehlspeichern sowie komplette Systemausfälle (die wir in den letzten drei Jahren ohnehin nur einmal hatten bei einem Rechner) aufzufangen.

Ich weiß nicht, ob diese Information etwas hilft – zumal wahrscheinlich jeder seine individuelle Methode finden muss, sich «sicher» zu fühlen. Ich kenne Nutzer, die gar kein Back-Up machen und sich auf ihren Schutzengel voll verlassen (durchaus auch mit Erfolg), andere setzen nur auf TimeMachine und die Restore-Disk, andere clonen nur. Ich persönlich finde, das jede Form von Speicherkosten für uns gering ausfällt gegen die Kosten, ein verloren gegangenes Design noch einmal nachbauen zu müssen oder – persönlicher – auch gekaufte Musik und Bücher in großer Zahl nachkaufen zu müssen.

Fujitsu ScanSnap S1100

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Kein Zweifel – obwohl wir bei nodesign gerade auch gezielt bestimmte Prozesse wieder zum Papier zurückführen… etwa, indem wir nach wie vor Architekten-Zeichenrollen für Skizzen nutzen oder frisch ein großes offenes A3-Moleskine-Skizzenbuch für kollektives Brainstorming-im-Vorübergehen für alle Mitarbeiter eingeführt haben… wird das Leben immer digitaler. Neben den Büchern und der Musik verlieren auch die Dokumente ihre «Form», oder zumindest wird es wichtiger und einfacher, Papierdokumente auch elektronisch und mit Volltext-Suche zur Hand zu haben, anstatt in Ordnern zu wühlen.

Obwohl aber inzwischen ja immer mehr Korrespondenz ohnehin elektronisch läuft, gibt es immer noch Unterlagen und Rechnungen, die ganz klassisch auf Papier kommen. Neben der normalen Ordner-Ablage haben wir im letzten Jahr begonnen, die wichtigsten Papiere mit Evernote zu archivieren. Bisher bedeutete das aber immer, zu einem der Büroscanner zu gehen und per ScanDrop oder Apples eigenen Scan-Import nach Evernote zu importieren, was wenig unintuitiv war und – gerade wenn ansonsten auch viel zu tun ist – mal für Rückstau in den Ablagen sorgte. Das Problem an solchen Dingen ist aber, das man sie nicht tut, wenn sie nicht einfach, schnell, intuitiv und mit einem Hauch Spaßfaktor tun kann. Der ScanSnap S1100 ist eine perfekte Lösung für dieses Problem.

Gerade 28 cm breit und ansonsten nur um die 4 cm hoch und tief ist der Scanner ein Minimum an Technik – selbst aufgeklappt nimmt er auf dem Schreibtisch absolut keinen Platz weg, geschlossen wird er nahezu unsichtbar. Sobald man die vordere (etwas unsolide wirkende) Klappe öffnet, wird die Software auf dem Rechner wach (das Icon ändert sich von grün zu grau) und der Scanner ist sofort, ohne sonderliche Aufwärmphase, nach einem kurzen Surren scanbereit. Das Papier wird einfach frontal eingeschoben, was mit geknicktem oder dünnem Papier manchmal etwas frickelig sein kann – der Scanner schluckt dabei von der Visitenkarte bis A4 jedes Format problemlos und erkennt selbst, egal wo man das Papier einlegt, das Format. Mehrere Seiten lassen sich problemlos scannen, indem man einfach immer das nächste Blatt einlegt – für wirklich lange Dokumente ist natürlich ein richtiger Scanner mit Dokumenteneinzug besser, aber drei bis fünf Seiten lassen sich so wirklich völlig problemlos schnell wegscannen. Der SnapScan kann zwar kein Duplex – also nicht doppelseitige Dokumente vollautomatisch bearbeiten – hat aber eine recht brauchbare Lösung für ein so mobiles Gerät parat: Die oben aus dem Scanner erscheinende Seite kann sofort – falsch herum – wieder in den Scanner eingelegt werden und wird in der Software um 180° gedreht, so dass man relativ flott Vorder- und Rückseiten durchscannen kann.

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Überhaupt ist die Software das eigentliche Highlight des S1100 Ich war – und bin – skeptisch mit diesem Gerät, weil es den TWAIN-Standard nicht unterstützt, also wirklich nur mit der Fujitsu-eigenen Scannersoftware zusammenarbeitet. Andere Programme «sehen» den SnapScan nicht. Dieser proprietäre Ansatz scheint mir nicht sehr entwicklungs- und zukunftsoffen und macht den S1100 zu einer sehr geschlossenen Lösung, deren Nutzbarkeit enorm davon abhängt, wie schnell Fujitsu mit Updates ist und wie gut das Unternehmen auf Kundenwünsche eingeht. Dass die Software weder sonderlich gut aussieht – es sieht enorm nach schlecht portierter Windows-Software aus -, in den Details nicht immer ganz perfekt ist und zudem einiges an Speicher frisst (der ScanSnap-Ordner frisst 720 MB, für ein Scan-Programm generell schon etwas happig), gehört zu den deutlichen Nachteilen dieses Ansatzes.

Zu den Vorteilen hingegen gehört die Leistungsfähigkeit der Scan-Software. Egal, in welchem Format, egal in welcher Orientierung, egal an welcher Stelle des Scanners – eingezogene Dokumente werden analysiert und kommen mit überraschend hoher Treffsicherheit richtig erkannt aus dem SnapScanManager. Pre-Scans und Formateinstellungen sind unnötig, nahezu alles ist automatisiert. Dinge, die ich normalerweise bei einem Scanner verabscheue, die aber hier enormen Sinn machen für einen Desktop-Dokumentenscanner. Man kann eigentlich jedes beliebige Dokument unter A4 einlegen, die blaue Taste des Scanners drücken und sofort wird das Blatt durchgezogen – auch mehrere. Erst danach fragt die Software, was mit dem Scan passieren soll. Und die Möglichkeiten können sich sehen lassen für ein so relativ neues Gerät: Der Scan kann auf der Festplatte abgelegt werden soll, per Mail verschickt, direkt gedruckt, in Evernote eingefügt (als PDF oder JPG), zu Google Text&Tabellen, Word, Excel oder iPhoto geschickt oder per der integrierten Software CardIris von Visitenkarte zu VCF umgewandelt werden. Das Verschicken eines Dokumentes per eMail wird so zu einer enorm schnellen Angelegenheit – einlegen, Knopf drücken, an Mail senden, abschicken. Die Software erkennt automatisch, ob die Unterlagen eher farbig, grau oder s/w zu scannen sind, die «richtige» Orientierung wird bestimmt und in den meisten Fällen kommt ohne ein weiteres Eingreifen des Nutzers eine perfekte PDF mehrseitiger Dokumente in die Mail.

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In Evernote wird der Text vor dem Einfügen per OCR durchsucht – etwas redundant, da Evernote ja genau dieses Feature ja selbst bietet. Der User hat die Möglichkeit, dies abzuschalten und kann auch festlegen, ob Dokumente sozusagen nur «unsichtbaren» Text haben sollen (also durchsuchbar und Copy&Paste-tauglich, aber visuell immer noch «nur» ein Scan), oder ob das Bild komplett zu Text umgewandelt werden soll. Überhaupt sind nahezu alle Features abschaltbar und die Software ist relativ frei konfigurierbar – wobei tatsächlich die Automatik sich im Alltag sehr effektiv erwiesen hat. Es gibt zwar gelegentlich längere Dokumente, bei denen eine einzelne Seite farbig, alle anderen aber grau gescannt sind, aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Die OCR-Funktion scheitert an manchen Fremdsprachen, hat sich im Deutschen und Englischen aber als überraschend gut erwiesen.

Im Workflow würde ich mir wünschen, dass man mit einem einmal getätigten Scan adhoc mehrere Aktionen vollführen könnte – also Drucken und Mailen beispielsweise – vor allem aber wäre eine Art Dokumentenmanagement sinnvoll, in dem man die gescannten Seiten auf Wunsch selbst drehen, in der Reihenfolge anordnen und von farbig auf grau konvertieren könnte – in der Art wie ScanDrop es (sehr ansatzweise) anbietet. Tatsächlich wäre das ohne weiteren Zwischenschritt in das Interface zu integrieren und würde dem Nutzer eine zusätzliche Sicherheit bieten, wie ein Dokument final aussieht, bevor es archiviert oder verschickt wird. Man kann natürlich noch in der PDF an sich mit Acrobat herumwerkeln – aber das geht etwas gegen die eigentlich gedachte Einfachheit der ScanSnap-Lösung. Hier – bei aller Simplicity – etwas mehr Flexibilität zu bieten, täte der ScanSnap-Lösung sicher gut und wäre dem mit 179 € nicht ganz geringen Preis auch sicher angemessen.

Tatsächlich ist der S1100 nur im geringen Maße ein «richtiger» Scanner – und soll dies wohl auch nicht sein. Obwohl er 600 dpi liefert und wahrscheinliche eine Scanqualität, die an die meisten normalen Büroscanner aus Multifunktionsgeräten heranreicht, dient er weniger zum Einscannen von Photos oder hochwertigem Bildmaterial – mehr als eine Art Dokumentenkamera auf dem Schreibtisch oder (mit 350 g ist der S1100 ein Leichtgewicht) unterwegs. Es verwundert fast, das es keinen iPhone/iPad-Adapter und passende Scan-App dazu gibt, denn gerade für das iPad wäre der Scanner ein perfekter Partner. Bei allen kleineren Kritikpunkten ist der S1100 ein klarer Getting-Things-Done-Schatz auf dem Schreibtisch – selten hat es so viel Spaß gemacht, Papierstapel gar nicht erst entstehen zu lassen.

Sparrow

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Was als minimalistischer Gmail-Client angefangen hat, mausert sich bereits in der zweiten Überarbeitung zu einem überraschend guten generellen IMAP-Mail-Werkzeug. Sparrow erinnert stark an Reeder (oder umgekehrt) und ist insofern ähnlich intuitiv und angenehm zu bedienen, überzeugt mit vielleicht unnötigen aber ja dennoch schönen Animationen, die ja eben doch auch Teil des Gesamteindrucks sind, und unter der schönen Oberfläche – gegen die das ja auch schon nicht unschöne Mail von Apple relativ altbacken wirkt – wimmelt es von durchdachten Details, die auch auf den zweiten Blick das Arbeiten effizienter machen. Tastatur-Shortcuts bis ins kleinste Details, per Mouse-Geste oder Shortcut zuschaltbare Fensterelemente, eine smarte Nutzung von IMAP-Ordnern als «Label» – unter der schicken Fassade haben sich die Entwickler spürbar Gedanken gemacht, wie eine sehr schmale aber sehr leistungsfähige Mail-Verwaltung funktioniert, die Mail tatsächlich nicht vollständig ersetzt, aber im Alltag für Read-and-Reply mehr als perfekt ist. Mail selbst hat deutlich stärkere Filter-Features, ist sehr viel stärker im Sortieren von Inhalten und beim lokalen Archivieren von Mails – Sparrow fühlt sich dagegen eher so an wie ein iPhone-Client, klein und immer zur Hand. Per Tastaturkürzel steht Sparrow immer für eine neue Mail zur Verfügung, ohne in das Programm selbst wechseln zu müssen – und auch die Quick-Reply-Lösung wird schnell zur festen Angewohnheit, zumal das Zitieren von Mail-Inhalten durch die Arbeit in nur einem Fenster deutlich schneller von der Hand geht. Der Konversations-Modus, wie man ihn im Ansatz schon von Mail selbst oder besser von Postbox kennt, ist hier zwar nicht völlig ideal umgesetzt (warum sind zitierte Stellen und selbst die neuste Mail «eingeklappt»?), aber schon nach kurzer Eingewöhnung die beste Form, um in Dialogform Mails zu schreiben – gerade in der Arbeit an Projekten ein echter Bonus. War Sparrow bis 1.2 eigentlich aus meiner Sicht keine sonderlich überzeugende Lösung, hat das Update die Software überraschend gereift. Eine einheitliche Inbox und zig Details machen das Tool mit wenigen Ausnahmen sehr, sehr alltagstauglich. Die Facebook-Einbindung mag für manche Nutzer Sinn machen, ist aus meiner Sicht aber eher für private Mails sinnvoll, zumal ich die Anzeige von Profilbildern ohnehin deaktiviert habe und ich – ob das nun Paranoia ist oder nicht – möglichst wenig Apps Zugriff auf FB gebe, man muss sich ja nicht freiwillig zu sehr mit der Datenkrake vernetzen. Sparrow setzt auf Übersichtlichkeit und Minimalismus und ist deshalb sicher nichts für jemanden, der massiv mit der Möglichkeit, direkt auf dem IMAP-Server Ordner anzulegen arbeitet, denn diese sind nicht so direkt zugänglich wie etwa in Mail. Andererseits ist die Nutzung eben solcher Ordner als «Labels» eine gute Idee – es wäre nur schön, wenn der Zugriff besser ist. So kann man etwa aus der «Unified Inbox» nicht auf auf die Labels bzw IMAP-Ordner zugreifen, weil diese ja einem bestimmten Account zugeordnet sind. Das sollte man ändern, ebenso wäre es gut, wenn bestimmte Ordner einfach wie gesendete Mail, Papierkorb in die Seitenleiste aufgenommen werden könnten, entweder im Kontext der einzelnen Accounts oder sogar unabhängig davon – zumal unter den Accounts ja noch reichlich Platz bei den meisten Usern sein dürfte. Vielleicht bringt das für 1.3 angekündigte neue Label-Management da ja eine Besserung. Sehr schön gelöst ist der Favoriten-Stern, der im Grunde der «Flag» in Mail entspricht. Mit einem Stern versehene Mails haben einen eigenen Folder im Account und sind so schneller wiedergefunden als mit der dezenten Flagge in Mail (was man im Mail freilich mit einem Smart Folder auch lösen kann). Es wäre fast schön, wenn dieser Stern mehr könnte – etwa farbliche Dringlichkeitsstufen – aber im Grunde ist es so simpel ja auch sehr handlich. Sparrow zeigt den üblichen Kampf zwischen Features und Minimalismus und entscheidet sich überwiegend für letzteres. Einfach gesagt sind Mail oder auch Postbox deutlich bessere Werkzeuge für das Verwalten von Mail, fürs Suchen, Archivieren, Dokumentieren – wo Sparrow sich durchsetzt ist das fast Instant-Messenger-artige Interface, das das Schreiben und Beantworten von eMails enorm beschleunigt. Man kann darüber diskutieren, wie gut das an sich ist – Effizienzexperten raten ja etwas weltfremd oft dazu, nur zwei- oder dreimal am Tag eMails zu beantworten – aber für Nutzer, die relativ viel über Mail kommunzieren ist ein schnelleres und auf Dialogstrukturen optimiertes Mailprogramm natürlich ein Segen. Und Sparrow – trotz aller kleiner Fehler und trotz der Tatsache, dass man dennoch nicht um Mail herumkommt – entwickelt sich kontinuierlich in diese Richtung, wird durch recht viele individuelle Optionseinstellungen minimalistisch und funktional.

Adobe goes iPad

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Ganz generell ist man ja schon fast dankbar, dass Adobe das iPad überhaupt zur Kenntnis nimmt. Jenseits einer eher mauen Photoshop-Express-Version, deren Funktionsumfang nur durch das «Gratis»-Preisetikett zu rechtfertigen ist, scheint der Zwist zwischen Adobe und Apple so tief zu gehen, dass Adobe hier anscheinend einen ganzen Markt verpennt, in dem andere Firmen mit Bildbearbeitung, Filtern und auch den ersten Vektor-Zeichentools durchaus Fuß fassen. Zwei Jahre nach dem Release des iPad gibt es nichts ernsthaftes in Sachen Creative Suite, was auf dem iPad funktioniert – obwohl ich es für durchaus denkbar halte, via Dropbox eine App mit Indesign so zu verzahnen, dass man zumindest Texte und leichte Grafikkorrekturen machen könnte.

Als ersten Schritt in Richtung Apple kommen nun drei Apps von Adobe, die eigentlich ebenso gut auch eine App hätten sein können, dürfen und vielleicht müssen, mit denen man nun ein bisschen Fingermalen darf, Farben anmischen kann und eine Art rudimentäre Fernbedienung für die Werkzeugleiste. Die ersten beiden bringen mir ehrlich gesagt relativ wenig – zumal das Malen mit bloßen Fingern auf dem iPad vielleicht bei David Hockney zu guten Ergebnissen führt, bei mir ist der Finger als Werkzeug nur bei kühlen klimatischen Bedingungen ein geeignetes Mal- und Schreibwerkzeug, wobei das ja mit dem Stift umgehbar ist… nur kann ich dann auch direkt mit dem deutlich überlegenen Intuos direkt in PS arbeiten.

Was «Nav» angeht, so ist inzwischen der Wow-Effekt der Kommunikation zwischen einer Desktop-Applikation und einer iOS-App via WLAN relativ verflogen in Zeiten, wo ich über 3G von jedem beliebigen Ort per Screens meinen ganzen Rechner fernbedienen kann. Das User Interface ist grässlich, die Funktionalität erinnert an eine Amateur-AIR-App. Und was es tatsächlich bringt, abgesehen von einem rasant leergesaugten Akku, ist minimal, weil ein Switch zwischen Werkzeugen oder das Öffnen von Bildern zumindest bei mir schneller und natürlicher über die Tastatur stattfindet – oder zur Not auch per Maus, die man ja eh in der Hand hat und auch in der Hand haben muss, weil «Nav» wirklich nur den Wechsel zwischen Tools erlaubt, nicht aber ihren touchscreenbasieren Einsatz (à la Wacom Cintiq). Der Zusatznutzen von «Nav» eröffnet sich mir insofern eher nicht.

Und hier zeigt sich ein Wandel, den es seit einiger Zeit spürbar gibt, den aber der App Store sehr greifbar und konkret macht – das Ende der großen Software-Anbieter. Ungeachtet der Logistik-Stärken, die eben das Internet als Vertriebsweg zunehmend unwichtig macht, ungeachtet der gefüllten Kriegskassen für Zukäufe von bestehenden Firmen… Microsoft, Adobe und Konsorten schwächeln angesichts eines ätherisierten Verständnisses von Software, das so völlig anders ist als noch vor zehn Jahren. Apple ist die eine noch bestehende Ausnahme, weil sie durch eine glückliche Fügung so viele Standbeine haben, dass die Software halt mitlaufen kann beziehungsweise von den Spielbeinen beflügelt wird, etwa durch die Präsenz im Appstore, und weil die Firma mit Produkten wie Garageband oder Pages/Keynote relativ schnell auf das ja eben eigene Produkt iPad reagieren konnte, während es immer noch kein «Office 2011» für iPad gibt, außer indirekt eben von Drittanbietern. Wobei man sich nichts vormachen darf – nahezu alle Software-Launches der letzten Zeit von Apple hatten Probleme, die auf die Firmengröße rückführbar sind.

Aber generell hat das Web – und die Appstores – die Vorteile großer Softwareanbieter weggewischt, egalisiert. DVD-Brennwerke, Packagedesign – alles egal. Mit einer passablen Website, etwas Eigen-PR via Twitter und den üblichen Gadget-Blogs, Mundpropaganda und gutem Support kann eine gute Software von einer winzigen Firma über Nacht zum Erfolg werden und Standards setzen (und genau so schnell durch die nächstbessere Lösung obsolet gemacht werden). Die Applikationen, die ich auf dem iPad, aber eben auch auf dem Desktop-Rechner zunehmend verwende, stammen von kleineren Anbietern, oft Ein-Mann-Firmen. Das ist ein großer Umbruch in der Entstehung und im Vertrieb von Programmen, der mir derzeit auch unumkehrbar scheint. Und er macht Sinn, wenn man sich die Preise ansieht. Adobe und Microsoft nutzen eine – vor allem bei MS schwindende – Monopolstellung, um überzogene Preise durchzusetzen, und verpassen dabei, wahrzunehmen, wie sehr ihr Monopol wankt. Längst wirkt die Creative Suite so überfrachtet, unnötig kompliziert und schlecht zusammenpassend (während an anderer Stelle wieder an bestimmten Features durchaus eher fehlen), dass es eigentlich nur eine Frage der Zeit ist, bis bessere Alternativen emergieren, so wie Indesign Quark ersetzt hat. Die Entscheidung, iPad-Publishing mit einem hohen Preis als Online-Modell zu realisieren, wird sich hier langfristig als großer Fehler erweisen, ebenso die schlechte Content/Form-Verzahnung bei Indesign. Adobe reagiert nur langsam und schlecht auf Veränderungen im Webdesign und hat Dreamweaver und Flash förmlich verkommen lassen und schlägt selbst aus der Tatsache, mit PDF und SWF zwei grandiose Formate in der Hand zu haben, kein großes Kapital mehr, was an ein Wunder grenzt. Microsoft hat es in zehn Jahren nicht geschafft, aus dem Dauerbrenner Powerpoint auch nur näherungsweise ein vernünftiges Präsentationswerkzeug zu machen, es fühlt sich immer noch an wie Textverarbeitung 1990.

Auf der anderen Seite bieten namenlose Firmen smarte, sehr gut programmierte Tools an, die verblüffend liebevoll gemacht sind und im Alltag exzellente Arbeit leisten. Von welchem Ende der Welt diese Programme dann kommen, ist fast egal, und es ist fast egal, ob es iOS oder OSX-Programme sind, zumal diese künstliche Trennung in den kommenden Jahren sicherlich zunehmend verschwinden wird. All diese kleinen und großen Programme – Reeder, Writings, Byword, FocusWriter, Drops, Forklift, Omniplan und -focus, ComicZeal, iThoughts, TotalFinder, Alarms, GrandTotal, Frizzix, Saldomat, CopyPaster, iOutbank, Screens und und und – stammen von kleinen Firmen und selbst Größen wie Dropbox oder Evernote fühlen sich «klein» an gegen Microsoft und kommen eben mit wachsender Größe an bestimmte Grenzen. Denn gerade bei den kleinen Apps wird klar, wie schnell und reaktiv Updates sein können. Wenn etwa ein Zevrix-Plug-In wie LinkOptimizer ein wichtiges Feature vermissen lässt, reicht eine freundliche Frage und das nächste Update zwei Tage später kann’s. Es ist ein fast surreales Erlebnis in Sachen Service, wie freundlich und offen kleine Firmen für Anregungen sind – und wie klar sie aber auch wissen, was für sie nicht machbar oder gut wäre. Es ist ein extrem faires Modell – und zugleich übrigens der beste Schutz gegen Raubkopie. Von anonymen Großfirmen überteuerte Software «klauen» ist ja vielleicht eine Sache – aber bei kleinen Machern ist schnell klar, dass nur über Verkauf und faires Miteinander eine Pflege und ein Fortbestehen des Programms gegeben ist. Es entsteht so eine vergleichsweise faire, aber kleinere Mikrostruktur, die ein wenig an den Selbstvertrieb von Musik erinnert und es ist nicht ohne Grund, dass Kickstarter auch für Software eine Plattform sein kann. Während es für Monolithen wie Microsoft strukturell fast undenkbar war (und ist), halbwegs direkt mit Endverbrauchern in Kontakt zu kommen, suchen die jüngeren Entwickler diesen Kontakt vom ersten Moment an. Man muss kein Prophet sein, um in diesem Modell ganz generell eine Zukunft für kreative Leistungen aller Art zu entdecken – Musik, Bücher, vielleicht sogar Design und Architektur. Weg von den Moloch-Strukturen, hin zu projektgerechten und engagierten Größen, die ein one-on-one ermöglichen. Ich habe beispielsweise nie verstanden, warum so viele Auftraggeber in der Architektur mit Foster zusammenarbeiten, wo doch klar ist, dass Sir Norman mit der Firma, die seinen Namen trägt, nicht mehr allzuviel zu tun hat und man eigentlich einen Finanzdienstleister beauftragt, dem es primär ums Geld geht und dessen große Struktur man schlicht mit bezahlt. Entsprechend habe ich mich gefreut, dass Google mutig genug war, anders als Apple, nicht auf die übliche Foster-Lösung zu setzen, oder einen der sehr großen US-Architekten zu nehmen, sondern das vergleichsweise kleinere Büro Ingenhoven zu beauftragen, wo eine viel individuellere Zusammenarbeit machbar ist. Das ist eine richtige Entscheidung. Analog bin ich immer geknickt, wenn wir in Pitches gegen Metadesign oder JvM verlieren – Büros, die gar nicht in Pitches gegen uns bzw wir gegen sie spielen dürften -, durchaus auch bei Jobs, wo das Budget solche Großagenturen gar nicht hergibt. Nicht, weil uns ein Auftrag entgeht (es kommt ja immer etwas anderes rein), sondern weil es für den Auftraggeber, mit dessen Problemen und Zielen man sich ja intensiv identifiziert hat im Rahmen einer Lösungsfindung, die falsche, nur vermeintlich «sichere» Lösung ist. Entsprechend mies ist das, was dabei meist am Ende rauskommt.

Der traurige Stand der Dinge bei Adobe belegt, dass ein Ende der «Big is beautiful»-Ära präsent auch in der Softwarebranche angekommen ist. In Zukunft werden sich große Strukturen zunehmend fragen müssen, ob man sie noch braucht. Digitaler Direktvertrieb und das Internet machen es möglich, klein anzufangen und nach Bedarf atmend zu wachsen, sich selbst zu vermarkten. Auf diesen Power Shift in dem Verhältnis zwischen Musikern und Labels (die ja inzwischen mehr Kreditgeber sind) oder Autoren und Verlagen, zwischen Programmierern und Salesmen, ist die Industrie offenbar kaum vorbereitet, auch wenn ich sicher bin, dass in den Strukturen smarte Leute längst die Alarmglocken läuten. Was soll einen Autor noch abhalten – ob Newcomer oder Bestsellerschreiber – seine Werke mit geringer Startinvestition direkt via iBooks oder als App zu vertreiben? Sobald Apple den «Independants» die Tore öffnet wird es den größten Umbruch in der Verlagswelt geben, den man sich vorstellen kann. Mit dem AppStore ist dieser Umbruch – prägnanter noch als in der letzten Dekade per Direktverkauf online – längst im Softwarebereich vollzogen. Größe spielt (fast) keine Rolle mehr, Service, Tempo, Qualität sind entscheidend – und gute Bewertungen, die daraus resultieren.

Adobe täte gut daran, sich schnell und konsequent auf diese neuen Verhältnisse einzustellen, kleiner, fairer, schneller zu werden und sich vom Marketing wieder auf die Programmierung zu refokussieren – denn die Marktmacht des Giganten wird zunehmend unwichtig. Die ja immer noch recht gute Softwarebasis gilt es aufzubauen, auszubauen, reaktiver zu bekommen und für neue Plattformen umzusetzen. Ansonsten wird der Tag kommen, an dem der Preisunterschied zwischen Photoshop und sagen wir Pixelmator nicht mehr zu rechtfertigen ist. Und sich die Frage stellt, ob man iPad-Newsmags wirklich noch mit Indesign layouten will oder ob es nicht eine integrierte, viel bessere Lösung eines kleinen Anbieters gibt, die im Endeffekt besser funktioniert. Und auf diese Frage hat Adobe derzeit keine überzeugende Antwort, leider.

Freiwild Cases

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Derzeit arbeitsbedingt etwas still im Blog, aber ganz kurz ein wenig Werbung für die Filzcases von Freiwild – Julia Osters Freiwild-Hüllen für iPad, iPhone, 13″ und 15″ Notebooks und – hier im Bild – die beiden Airmodelle – sind wie ja fast alles aus Filz eine augenweide. In der grauen, rauen Variante machen die Cases am meisten Spaß, sie passen ideal und auch wenn Filz an sich natürlich nicht gerade das pflegeleichteste Material ist, bietet es einen ausreichenden Schutz für die Geräte unterwegs. Der dicke Schafsfilz ist solide vernäht, das Ganze wirkt trotz des recht kleinen Ladens nie studentisch «handmade» oder fragil, sondern strahlt den Charme eines hochsoliden professionellen Produkts aus, dem man seine Hardware gern anvertraut. Ich muss zugeben, da ich das Air in einer Tasche transportiere (allerdings für 15″) ist das Case gar nicht SO nötig (außer um das Air zusätzlich zu schützen, zumal das iPad meist im gleichen Fach der Kuriertasche mitreist) – aber wer kann bei so einem tollen Produkt nein sagen?

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iPad 2

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Im Grunde lohnt sich nach den ausgiebigen Reviews aus den USA und angesichts der ja wenig umwerfenden neuen Features des iPad2 eine echte Auseinandersetzung mit dem Gerät kaum – es ist einfach ein Upgrade und wer das iPad 1 kennt, kennt auch die zweite Generation. Also nur ein paar erste Eindrücke:

Es gab tatsächlich eine Schlange. Ich hab das nicht geglaubt und bisher auch nicht erlebt, aber da standen tatsächlich bis vor die Tür Leute für ein Stück Hardware. Never underestimate the power of smart marketing (and scarce goods). Ich selbst hatte Gott sei Dank vorbestellt und konnte einfach so rein und es abholen, vielleicht auch, weil das 64 GB 3G vielleicht nicht ganz so nachgefragt ist wie die anderen Modelle. Steffi, die draußen wartete, erzählte, ein alter Mann sei im Vorbeigehen stehen geblieben und habe sich nach einigem Betrachten der Schlange erkundigt, was es denn hier gratis gäbe. Sie: Das neue iPad2. Er: Was? Sie erklärt ihm, was es ist, er will wissen, warum die Leute dafür anstehen und was daran nun so toll sei. Nach einer Erklärung fragt er: Und was kostet das Ding? Steffi: So ab 500 Euro. Er tritt drei Schritte zurück und wendet sich an die wartende Menge: Sie haben alle fünfhundert Euro in der Tasche hier? Und wandert kopfschüttelnd weg, um sich auf dem Rückweg noch einmal bei jemand anderes zu erkundigen, wahrscheinlich weil er vermutet hat, Steffi wolle ihn veräppeln. Der Mann hat ja recht, muss man sagen. Wir leben in seltsamen Zeiten, dass man auf ein Luxusgut wartet als wäre es Obst in der DDR.

Das Pad an eine weitestgehend undramatische Weiterentwicklung des Vorgängers. Die Wahrheit ist – und das gilt inzwischen ja fast durchgehend für Apple-Produktzyklen – es keinen zwingenden Grund für iPad1-Besitzer, zu wechseln. Das Gerät wendet sich scheinbar eher an Neueinsteiger, die ohne irgendeine Art von Kamera nicht leben konnten. Ansonsten bietet es zum gleichen Preis eine solide technische Weiterentwicklung, die wie immer ein paar Wünsche offen lässt und wie immer aber auch nett ist. Der größere Arbeitsspeicher, der schnellere Prozessor und die verbesserte Grafikleistung ist im direkten Vergleich zwar spürbar, dürfte im alltäglichen Gebrauch aber nach einer Woche so selbstverständlich geworden sein, dass man es nicht mehr merkt. Apps starten etwas schneller und gerade beim Umblättern von Magazinen «hängt» es einen Hauch weniger. Sync von iTunes scheint schneller zu laufen und auch der Online-Sync wirkt einen Hauch sportiver – oder bildet man sich so etwas vielleicht auch einfach ein? Dennoch sind leistungshungrige Applikationen immer noch langsam und die Arbeit mit großzügig bebilderten PDF in Minimal Folio zwingt die App immer noch zu einem langen verpuzzelten Aufbau der Seite. Auch die Zeit und PDFs in GoodReader haben noch spürbare Aufbauprobleme – ein Wunder darf man also vom iPad2 auch nicht erwarten. Aber etwas «snappier» wie es so schön bei Apple heißt ist die Sache schon – vor allem der Wechsel zwischen Applikationen ist flüssiger geworden. Aber nun auch nichts, was vom Stuhl wirft.

Die Kameras sind in der Tat ein Alptraum. Ich kann verstehen, dass man irgendwo ein Auge auf den Preis haben muss, aber ich hätte mit Vergnügen mehr Geld für die Kameraleistung aus dem iPhone bezahlt. Für mehr als einen kurzen Snapshot in Evernote reicht es einfach nicht. Die Bilder sind düster und rauschig und niedrig aufgelöst. Man kann argumentieren, dass man mit einem 10″-Gerät nun auch keine Unterwegs-Photos machen will, aber tatsächlich macht gerade eine gut aufgelöste Kamera im iPad Sinn, um Dokumente zu «scannen». Die Videoleistung ist entsprechend – vergleichbar mit dem iPod Touch – mau, aber ausreichend. Positiv ist, dass man natürlich mit dem unhandlicheren iPad sehr viel ruhiger, weil zweihändig filmt, als mit dem iPhone, und der Bildschirm dabei die Wucht ist – Video macht hiermit ziemlich viel Spaß. Wie bei allen iGeräten werde ich aber das Gefühl nicht los, dass die Brennweite für Video schlecht ist, du bist immer zu «nah» dran, das 28-mm-Equivalent etwa der Canon fühlt sich sehr viel natürlicher an, wenn man Räume oder Situationen festhalten will.

Der Bildschirm ist weitestgehend unverändert. Als einzigen Unterschied kann ich feststellen, dass bei schrägen Blickwinkel Schwarztöne weniger schnell ins blassrötliche kippen. Mehr Auflösung, und sei es nur 1280 oder 1440, wäre schön gewesen. Aber andererseits kann ich verstehen, dass die Grafikprozessoren damit wahrscheinlich noch zu viel zu kämpfen hätten und vor allem auch die Developer schon wieder nach nur einem Jahr eine Auflösungsanpassung vornehmen müssten – man sieht ja beim iPhone, dass es teilweise anscheinend ein Jahr dauert, bis das mal umgesetzt wird und einige Apps laufen immer noch mit Prä-Retina-dpi. Für ein Lesegerät ist die Auflösung des iPad nur leider eben dennoch einen Tick zu pixelig, da darf man aufs iPad 3 hoffen. Interessant, wie immer bei neuen iOS-Geräten, ist, dass der Bildschirm sich glatter anfühlt, responsiver ist. Ich denke, das liegt wahrscheinlich daran, dass die oleophobische Beschichtung mit der Zeit im Gebrauch abnimmt und das Display sich «stumpfer» anfühlt. Apropros öl- und fettabweisend: Natürlich ist auch dieses iPad binnen weniger Minuten von Fingerabdrücken übersäht. Gar nicht anders denkbar. Dies ist die Sorte Gerät, die man eigentlich nicht mehr rhotographieren kann, sondern nur noch aus Renderings oder Photoshop-Montagen antiseptisch clean hervorkriegt.

Der Sound ist definitiv besser, alles andere wäre auch undenkbar gewesen, schlechter als das iPad1 ist ja kaum denkbar gewesen. Du hast natürlich kein Stereo (immer noch nicht) und von Bass darf gar keine Rede sein, aber man kann Musik tatsächlich wahrnehmen und einen Film sehen und dabei den Ton ohne Kopfhörer hören. Tatsächlich habe ich mich dabei erwischt, dass ich die Lautstärke reduziert habe. Am iPad – wie ungewohnt. Der Sound ist blechern und in voller Lautstärke etwas kratzelig, aber das hier ist ein echter Schritt nach vorn, der eigentlich nur umso deutlicher macht, dass man zwei Speaker bräuchte und zwar ideal einen weiteren oben am Gerät.

Gewicht und Größe sind natürlich wichtige Faktoren für diese Sorte eines mobilen Clientgerätes und das iPad2 legt hier einen soliden Unterschied hin. Einfach gesagt ist etwa die Dicke des jetzt geraden Seitenrahmens einfach verschwunden. Dünneres, aber härteres Glas und dünner Akkus haben den Formfaktor drastisch verjüngt. Auf Photos lässt sich das schwer darstellen, man muss beide Geräte mal in der Hand gehabt haben, das iPad 2 fasst sich einfach (noch) etwas weniger wie ein Stück Hardware an, fühlt sich noch mehr wie etwas an, das eigentlich gar kein Computer mehr sein kann. Durch die sanft abgerundeten Ecken liegt es ausgezeichnet in der hand, wenn auch der jetzt recht spitze Übergang zwischen Display und Aluminium etwas und schön an das Air erinnert. Wer im Bett lesend das iPad auf der Brust abstützt, hat es jetzt nicht mehr einen breiten Rand sondern mit einer eine zwar stumpfen, aber doch deutlich spürbaren und unangenehmen «Kante» zu tun. Da der reine Gewichtsunterschied nicht so drastisch ist wie die reduzierte Größe, fühlt sich das iPad2 ungewöhnlich kompakter an, weil mehr Gewicht auf weniger Fläche verteilt scheint. In der Praxis ist der Gewichtsunterschied von um die 10% kaum spürbar – es ist immer noch subjektiv um ein Drittel bis 50% zu schwer im Vergleich zu einem Buch, selbst einem Hardcover, um sich wirklich «angenehm» anzufühlen.

Das Upgrade läuft wie immer bei Apple – Backup und Neuaufspielen. Ich würde mir wirklich wünschen, dass dabei die Anordnung meiner Apps beibehalten wird. Da Apple es selbst mit iTunes nicht gerade zur reinen Freude macht, zig Applikationen zu sortieren, wäre es nicht zuviel verlangt, wenn diese bei der Migration auf ein neues Gerät dann dort auch wieder genau so vorzufinden wären. Gerade bei einem Gerät, dass sich auch an Einsteiger wendet – obwohl, tut es das wirklich? Ist das iPad nicht teilweise viel komplizierter als jeder Rechner? – ist es seltsam, wenn die Neueinrichtung in zwei Schritten (Wiederherstellung und Sync) stattfinden muss und der Nutzer dann App-Reihenfolge sowie nahezu alle Passworte für Mail, Applikationen, Web und so weiter wieder neu eingeben muss. Man hat den Nerv ja nur einmal im Jahr, idealerweise, aber es erscheint mir unlogisch. Wenn ich ein Gerät wiederherstelle in der Migration sollte es auch weitestgehend 1:1 gespiegelt werden. Die Passworte kann man noch unter «Sicherheit» verbuchen (wäre aber auch eleganter lösbar), für die App-Anordnung finde ich keinerlei logischen Grund. Wer hier viel mit App-Ordnern arbeitet – ich nicht so sehr, aber ich kenne einige Leute, die ihr ganzes System damit verwalten und nur einen einzigen Bildschirm mit Ordnern haben, in denen die Apps abgelegt sind – muss nach einem solchen Wechsel doch schier wahnsinnig werden. Zumal das Ordnen der Apps auf dem Gerät selbst ein Alptraum ist, es geht faktisch nur in iTunes und auch dort weitestgehend spaßfrei. Der Wechsel der SIM-Karte ist zwar etwas frickelig – der Tray ist in den abgerundeten Ecken etwas suboptimal verbaut und es braucht schon etwas Fingerspitzengefühl, um das wieder zusammenzuschieben – aber fast wider meiner Erwartung lief die Sim ohne neue Aktivierung durch O2 einfach bestens weiter, ohne Passworteingabe oder andere Provider-Mätzchen.

Die Software ist identisch mit der vom iPad1, mit Ausnahme der Tatsache, dass iMovie hier natürlich ohne Trickserei läuft und Factetime, das völlig sinnfreie Photobooth sowie Kamera-App dazugekommen sind. Interessant ist, dass die über X-Code zu aktivierenden Vierfinger-Gesten für das Schließen und Wechseln von Apps – die den Home-Button faktisch überflüssig machen – etwas satter und schneller laufen, am iPad 1 war das manchmal etwas ruckelig, hier ist es sanft und glatt, wie es sein sollte. Ich kann verstehen, warum Apple mit Rücksicht auf Einsteiger und App-Kompatibilität diese Gesten deaktiviert hat, aber ehrlich gesagt ist es ein Jammer. Das direkte Wischen zwischen Anwendungen ist unverzichtbar geworden und die Geste zum Schließen von Apps so natürlich, das eine ganz neue Freude an der Bedienung des Gerätes aufkommt, weil man nicht mehr immer den zunehmend dusseligen Button braucht, der nicht in den Flow des Arbeitens am Touchscreen passen will. Fehlt eigentlich nur noch eine Geste für eine Art Exposé, die alle offenen Anwendungen zeigt – das Hochziehen für die Taskbar ist ja nahe dran, aber Expose mit einer Art «Öffnen von Fünf Fingern»-Geste wäre grandios. Jeder, der ein iPad hat, muss sich eigentlich X-Code holen und diese Option nutzen, es wertet das Gerät ungemein auf. Nicht umsonst ist X-Code im MacAppStore ja bei den Bestsellern, so viele Entwickler kann es gar nicht geben ;.-). Facetime dürfte mittelfristig die Art, wie wir über Videotelefonie denken, revolutionieren. Es ist einfach, smart und dürfte in einigen Jahren zumindest bei Benutzern von Apple-Geräten allgegenwärtig sein. Die Sache hat allerdings einige Haken: Ohne 3G macht es die Sache noch sehr eingeschränkt Sinn, man fühlt sich ein wenig in die Zeiten von kabelgebundenen Telefonen zurückversetzt. Richtig genial wird es erst, wenn man von unterwegs auch Video-Abstimmungen machen kann. Auch die Anbindung an eine Apple-ID kann ein Problem sein – einerseits macht es Sinn, wenn ich angerufen werde, dass nun MacPro, Air, iPad und iPhone «klingeln», irgendwo könnte man mich ja erreichen. Andererseits kann ich aber nicht ohne weiteres von einem meiner Devices «nach Hause telefonieren», also von unterwegs ins Büro – jedenfalls nicht an den eigenen Rechner. Die fehlende Möglichkeit, mehrere Userprofile auf dem iPad verwalten zu können, wirft hier ihren Schatten voraus, bei einem Gerät, das so offenbar für gemeinsame Nutzung angelegt scheint. Andererseits will Apple natürlich ein Familiengerät, das nicht geteilt wird, sondern von möglichst vielen Mitgliedern individuell gekauft werden muss. Unschön ist auch, das bei einem Anruf vom iPhone das gesendete Bild des iP ungemein pixelig wirkt auf der viel zu großen 1024er-Fläche, die eine Bildauflösung bräuchte, die die meisten Datenverbindungen heute überfordert. Garageband ist eine der Applikationen, die von dem schnelleren Prozessor bereits spürbar profitiert, der Wartefaktor beim Wechsel von Instrumenten und selbst beim Start ist geringer und «Leistung optimieren» scheint einen Hauch seltener zu erscheinen. Spielt man nicht auf einer harten Oberfläche scheint mir auch die über den Bewegungssensor simulierte Anschlagsdynamik von Tasteninstrumenten zwar immer noch etwas unberechenbar, aber deutlich reaktiver und «echter» als vorher. Ich denke nicht, dass dies am neuen Gyroscope liegen wird, und vielleicht ist es auch nur Einbildung, aber da Garageband eine der besten App fürs iPad schlechthin ist, bin ich für jede Verbesserung der «User Experience» froh. iMovie ist ein weiteres kleines smartes Wunderwerk. Es hat zwar «nur» den Leistungsumfang der ja baugleichen iPhone-Software, bietet also keine Möglichkeiten, die Clips in Farbe, Tempo oder Ästhetik an sich zu verändern, profitiert aber ungemein von dem größeren Bildschirm und der präziseren Arbeit mit den Fingern. Es ist fast unfassbar, wie flüssig selbst 720p-Video, Übergänge, einfache Animationen und so weiter von dem kleinen A5-Prozessor bewältigt werden. Umso mehr fragt man sich allerdings, warum die gleiche Firma mit FinalCut eine so derart miese Videosoftware, die selbst auf Hochleistungsrechnern ohne Pre-Rendering kaum einen kurzen Clip meistert, auf dem Markt hat. Ich muss mehr und mehr sagen, ein FinalCut auf iMovie-Basis mit mehreren Spuren, Blend-Modi, professionellen Plugs, freier typographischer und graphischer Elemente-Anordnung und Animation (à la Keynote beispielsweite) würde mir mehr Spaß machen als das, was derzeit als Express oder Studioversion auf dem Markt ist. Als einfache kreative Lösung für Familienfest-Mitfilmer reicht iMovie allemal, und auch iMovie auf dem Mac hat ja durchaus dramatische Schwachstellen (Multitrack, Plug-In-Mangel) – eine beeindruckende Präsentation der Möglichkeiten des iPad ist es aber allemal, weil ein sehr flüssiges Arbeiten möglich ist und – ähnlich wie in Garageband – das Arbeiten ohne Maus überraschend natürlich und «richtig» scheint.

Das Fazit ist wahrscheinlich, dass das iPad einerseits – ungeachtet aller Hardwaredaten – aufgrund der einzigartigen Hardware/Softwarekombination auf absehbare Zeit völlig konkurrenzlos sein dürfte, nichts anderes kann sich bisher an diesem Standard messen und bis die anderen aufgeholt haben, dürfte Apple sich weiterentwickelt haben. Insofern bestand für die Firma vielleicht kein Anlass, sich beim iPad2 gegenüber den Samsung oder Google-Konkurrenten besonders anstrengen zu müssen. Die zweite Generation ist insofern ein irgendwie lässig wirkendes Upgrade, das ein bisschen mehr leistet, aber keineswegs «wichtig» wirkt. Apples smarte Salamitaktik von zeitlich berechenbaren inkrementellen technischen Upgrades, die alle paar Jahre mal von einem dramatischeren Facelift aufgerüttelt werden, bedeutet auch hier, dass iPad1-Besitzer keine schlaflosen Nächte haben müssen und getrost eine Generation überspringen könnten, wenn Kamera oder schmalere Bauweise nicht wichtige Argumente sind. Für die Benutzer, für die bereits das erste iPad zu einer Art ständigen Begleiter geworden ist, der als Buchersatz, als Browser, als Organisationstool, als Notizbuch, als Schreibmaschine und und und inzwischen in den verschiedensten Situationen immer dabei ist, lohnt sich das Upgrade sicher dennoch, weil sich die zweite Generation unterm Strich einen Hauch selbstverständlicher anfühlt, noch weniger «Gerät» ist, noch weniger Maschinencharakter hat. Geringere Wartezeiten und die fast surreal bleistiftschlanke Bauweise – ein normales Telefonmobilteil wirkt dagegen grobschlächtig – rücken das iPad ein Stückchen weiter der von Apple versprochenen «Magie» näher.

One Less Drop Kickstarter

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Ich halte Kickstarter ja für eine famose Idee – eine Plattform, die als eine Art Social-Network-Version von Business Angels fungiert und in der das Startkapital für ein Projekt sozusagen durch die ersten Kunden entsteht, ist eine Idee, die wie für das Web geschaffen ist. Und für uns arme Early Adopters die endgültige Hölle darstellt, wo wir von Produkten träumen dürfen, die es vielleicht nie gibt. Nachdem dort bereits die ein oder andere iPod-Nano-Uhr für Furore gesorgt hat, entwickelt sich Kickstarter zu einer relativ ernstzunehmenden Plattform, ich bin gespannt wie das weitergeht.

Mein eigenes erstes Kickstart-Project ist so simpel wie genial: One Less Drop von Dean Heckler. Der einfache Recycling-Aluminiumblock tut nichts anderes als eine Kabelführung für ein oder zwei der üblichen Apple-Kabel darzustellen und ein weiteres Kabel zu fixieren. Das klingt nun wenig spektakulär, wer aber wie ich eigentlich permanent mit vom Schreibtisch herabfallenden iPhone/iPad oder MacBook.Kabeln zu tun hat, wird für die kleine und elegante Form eines postmodernen Briefbeschwerers dankbar sein. So dankbar, dass ich gleich drei «vorbestellt» habe. Dean hat noch 24 Tage um auf die nötige Fördersumme von 12.500 $ zu kommen und ist bereits bei 10.305 $ – wer von euch schon einmal über permanent am Boden liegende oder zertretene Kabel geflucht hat, kann ja mithelfen, die Hürde zu überspringen und ein bisschen Venture-Kapitalist spielen.

Update: Montag und Dean Heckler hat 100% des nötigen Kapitals für seine Kabelklötze zusammen. Nicht schlecht. Bin gespannt, wie die fertigen OLDs aussehen werden.

AnalogColor

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Der Tipp kam eben von Marc Dirkmann, der auf der Suche nach einem preiswerten Toycamera-Tool für den Mac auf AnalogColor von Pentacom stieß. Mit zahlreichen Optionen und für 10 Euro sicherlich eine Testfahrt wert, zumal die (sich leider etwas wiederholenden) «Open Camera»-Lichteinfälle Spaß machen. Den Look landläufiger Fake-Lomo/Holga/Diana-Photographie kriegt AnalogColor solide hin und bietet zudem deutlich mehr Einstelloptionen als etwa CameraBag, das nur mit Templates arbeitet und zudem 10 Euro teurer ist. Beide Tools kriegen den Look zahlloser iPhone-App-Photoverfremdungen solide hin, die 0.5er-Version von AnalogColor macht zumindest bei meinem MacPro mit dem Prozessor etwas Mucken und bremst andere Prozesse aus, Marc hat aber beispielsweise keine Probleme damit. Das minimalistische Interface ist gewöhnungsbedürftig, aber funktional – da das Programm Bilder auch kleinrechnen kann, eignet es sich sicher, um unterwegs schnell ein paar Photos für ein Blog zu «trashen». Wer mehr Kontrolle will und mit Photoshop arbeitet, dürfte sicher mit einem Plug-In wie Exposure 3 von Alienskin besser beraten sein, dass deutlich mehr Optionen bietet (allerdings keinen Lichteinfall simuliert, leider), mit 250 Dollar aber auch deutlich teurer kommt und in Sachen s/w-Konvertierung neben nik Silver FX das sicher beste Werkzeug derzeit darstellt.

Wer allerdings eine Photoshop-freie Lösung für kleines Geld sucht, die quick und dirty Photos etwas spackiger aussehen lässt, ist hier sicher gut beraten, die kleine Anwendung macht für den Preis durchaus Spaß, auch wenn Sie sich so gar nicht nach «Apple» anfühlt.

Die Frage ist natürlich, ob man diesen Lomo-Style-Look langsam aber sicher nicht satt hat, wenn dank Hipstamatic und Co inzwischen nahezu jedes dritte Photo vom iPhone so aussieht (wie hier ja auch, ich liebe Hipsta). Was beim iPhone auch elementar Sinn macht – es IST ja (auch beim 4er) nach wie vor eher eine Spielzeugkamera, sich auf dem Desktop mit 21-MP-Photos aber irgendwie zunehmend seltsam und unspontan anfühlt. Der Unterschied ist wahrscheinlich, dass Tools wie Hipsta den Effekt direkt anwenden und man nicht nachträglich etwas ändert, man also tatsächlich mit einer ToyCam photographiert (auch wenn sie nur emuliert ist).

AluPen

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Sicher, sicher – Steve Jobs glaubt nicht an Stifte und das iPad. Aber natürlich schreibt es sich mit einem Stift viel besser als mit dem bloßen Finger, der ja doch eher unsmooth über die Glasfläche fährt. Nachdem ich den Pogo Stylus eher unhandlich fand und das nicht ganz preiswerte Stiftlein auch binnen von einer Woche seinen Clip verlor, bin ich auf den AluPen gestoßen. Der klobig wirkende Pen wirkt nur auf den ersten Blick unhandlich – der hohle Aluminiumkorpus ist mit Gummi gefüllt und relativ leicht, etwa so schwer wie ein guter Füller, auch die Größe ist sehr angenehm und die große Form passt erstaunlicherweise sehr gut zu der ja auch etwas grobmotorigeren Art, auf dem Pad zu schreiben – weil es einfach noch keinen wirklich guten Stylus fürs iPad gibt, das kapazitative Display lässt keine wirklich «feine» Lösung zu, ist die Schrift ja immer eher so, als würde man mit einem Edding schreiben. Das rundliche Gummiende des Stiftes ist nicht – wie man meinen könnte von Photos – hartes Gummi, sondern innen hohl und federweich, so dass man ganz fluide und natürlich damit schreiben kann und tatsächlich halbwegs lesbare Ergebnisse erzielt … oder in meinem Fall ebenso unleserlich wie meine Handschrift eben auch auf Papier wäre. Auch Skizzen und Zeichnungen gehen hiermit gut von der Hand und mit Software wie Brushes oder Sketch dürfte der AluPen ordentich Spaß machen, sofern man (wie unter anderem ja David Hockney) in der Lage ist, auf dem iPad zu malen. Schön wäre eine Art Clip gewesen, um den Stift zu befestigen – und die große Form lässt sich natürlich durch keine normale Notizbuch-Stiftschlaufe schieben. Andererseits ist der Stift gegenüber dem Pogo so groß, dass man ihn wenigstens nicht permanent verlegt und vergisst und passt ästhetisch und vom Schreibgefühl her absolut makellos zum iPad. Als Notizblock benutze ich meist das wunderschön gemachte Penultimate – eine der wenigen Apps, die nicht meint, Schrift in Vektorformen ummodeln zu müssen, damit es kleine PDFs gibt -, leider gibt es noch keine gute OCR für das iPad (WritePad jedenfalls erkennt bei mir nur Unsinn – hier ist eigentlich eine Marktlücke für FineReader und Co.), aber ich denke, das ist nur eine Frage der Zeit, bis das besser wird.

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Bis dahin der Tipp, die Notizen, die man sich selbst als relativ kleine PNGs (etwa 110 kbpro Seite ) zumailen kann, in Evernote zu speichern – man hat dann zwar trotzdem nicht eine Textdatei (eigentlich schade, Evernote – das wäre doch ein tolles Feature), aber die Notizen werden auf dem Evernote-Server ausgelesen und man kann seine handschriftlichen Notizen je nach Lesbarkeit ziemlich treffsicher nach Textstellen durchsuchen – immerhin. Bei Kundenmeetings wirkt es immer doch sympathischer, wenn man nicht «tippt», sondern notiert (das iPad an sich ist ja immer noch so ein Ding, das bei vielen Meetings nicht gut ankommt), und man kann auch deutlich besser ohne hinzublicken mitschreiben. Mit dem AluPen funktioniert das auf dem iPad wenigstens ansatzweise lesbar – auch wenn es einen Stift und Papier noch nicht ganz ersetzt. Aber wir haben ja auch noch zig nodesign-Notizblöcke, die sollen ja nicht weggeworfen werden…

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So soll es sein: Webfonts bei Myfonts

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Myfonts sind seit einiger Zeit Taktangeber in Sachen Schriftverkauf im Internet. Seitdem John Collins und sein Team die Site vom häßlichen Entlein zu einer der mit den meisten Features ausgestatteten und viele große und auch kleine Foundries umfassenden Plattform gemausert hat, ist sie zu einem der schönsten Schaufenster für den Fontkauf geworden. Auch wenn ich trotzdem meist direkt bei den ja meist kleinen Anbietern kaufe (die ihre Schriften ja auch oft selbst online vertreiben) oder bei Fontshop – die Smartness und simple Schönheit von Myfonts ist beeindruckend.

Und jetzt zeigt sich Myfonts nach dem Whatthefont-Online-Schrifterkenner und dem neuen smarten Layout, das wir kein zweites typographische Features direkt online testbar macht, erneut als Wegbereiter, indem für etwa 1000 ausgewählte Schriften die Webfont-Lizenz unmittelbar eingebaut haben. Keine Extrakosten. außer bei wirklich ordentlich Traffic auf der Site und selbst dann hält sich der Preis in Grenzen, keine zusätzlichen Lizenzen, die Onlinenutzung als fontface-Kit ist einfach mit dabei. Zwar sind 1000 Schriften, so groß die Zahl klingen mag, nur ein Bruchteil dessen, was auf Myfonts angeboten wird, und die großen Anbieter setzen nach wie vor auf jeweils eigene Miet- oder Kauflösungen – aber es ist ein zaghafter erster Schritt in die Richtung, die Barriere zwischen Print und Web weiter einzureissen.

Alarms

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Aus Stefan Fürsts Mediaatelier kommt regelmäßig Software, die wunderbar gedacht und gemacht ist und mit stets superaktuellen Updates glänzt. Fürst ist eines der vielen Beispiele für kleine kreative Programming-Schmieden, die eben kleine, kreative und durchaus wichtige Software zu sehr fairen Preisen produzieren, kundennah arbeiten und ein wunderbares Gegengewicht zu Giganten wie Microsoft oder Adobe darstellen… und gerade die Apple-Plattform wimmelt ja von solchen kleinen Anbietern, die die Nischen und Lücken des OS perfekt füllen und es deutlich aufwerten.

Die neue Software von Fürst heißt schlicht «Alarms» und so einfach wie der Name ist das Programm – es ist ein in der MenuBar schlummernder Alarm, der den Tagesablauf begleitet. Man kann relativ einfach nahezu beliebige Dateien, Websites, Termine usw in die Menüleiste ziehen, Alarms klappt herunter und schon hat man sich selbst einen Termin gesetzt. Eine eMail, die man noch beantworten will, Software, die man sich vielleicht am Abend nochmal anschauen will, ein Memo von einem Telefonat landet so schwupps in Alarms und ein zwei Stunden später erinnert ein auffällig pulsierendes Alarmglöckchen daran, dass man doch noch was tun wollte. Auch manuelle Einträge sind mit einem Doppelklick in die Tagesübersicht schnell eingetragen, und wenn ihre Zeit gekommen ist, landen sie in der TODO Box.

Das Verschieben von Aufgaben ist dabei schick und einfach gelöst, und dazu bietet Alarms einen Snooze-Modus an, einfach viermal mit der Maus hin- und her, im Grunde wie ein Kopfschütteln, und die Applikation ist erst mal wieder still. Das Aufschieben ist also deutlich eleganter und einfacher als bei den meisten anderen Werkzeugen.

Als Alarms erschien, dachte ich: Nice, brauche ich aber nicht, ich habe ja OmniFocus. Tatsache ist, Alarms wäre deutlich besser, wenn es direkt mit Omnifocus kommunzieren könnte, wenn also eine erledigte Aufgabe in Alarms auch in OF abgehakt würde (hinthint)… aber da sich Alarms zumindest die am Tag anstehenden ToDos aus OmniFocus via iCal ziehen kann (OF mit Ical local synchronisieren und dann Alarms mit iCal), kann man die in OF geplanten Aufgaben für den Tag in Alarms noch einmal wundervoll über den Tag verteilen, verschieben und sich viel nervender (was ja gut ist) daran erinnern lassen als von OF. tatsächlich fühlt sich Alarms an, als wäre ein ideales Modul für nahezu jede GTD-App und nach einer Weile fragt man sich ohnehin, warum Apple diese Idee nicht in iCal integriert hat. Zumal Websites, Mails, PDFs usw sich direkt aus der Alarms-Leiste heraus öffnen lassen und man auch Notizen beifügen kann und damit die Fähigkeit, an iCal-Items Dateien und Anmerkungen anzuhängen, intuitiver und sinnvoller gelöst ist als in iCal selbst. Und während Omnifocus oder Things eher generell Aufgaben verteilen, sind sie sehr klobig, wenn es darum geht, diese Aufgaben am jeweiligen Tag noch mal auf der Stundenebene einzuteilen – und hier kann Alarms absolut glänzen. Morgens die anstehenden Aufgaben kurz auf den Tag verteilt, sieht man sofort, ob man sich zu viel oder zuwenig vorgenommen hat und kann es entsprechend ändern. Einziger Wunsch wäre eine nahtlose Fusion mit Omnifocus, so dass ich direkt aus Alarms die OF-ToDos verschieben und auf den nächsten Tag o.ä. legen kann und die OF-Todo sofort abgeglichen sind. Make it happen!

Wie bei Mediaatelier nicht anders zu erwarten, ist das Interface von Alarms so einfach wie grandios, es macht einfach Spaß, die Software zu benutzen. Leider ist die Software noch ein bißchen buggig, mal kommt die Leiste nicht so richtig heruntergefahren, mal bringt Alarms iTunes zum Stottern, wenn man etwas in die Menüleiste zieht. Aber wie ich Stefan Fürst kenne, wird es da bald Updates regnen, die die Software verbessern und stabiler machen. Aber selbst jetzt sind die derzeit 12 Euro für Alarms gut angelegtes Geld, wenn es darum geht, schnell und einfach den Tagesablauf zu organisieren.

Update 1: Tatsächölich lässt die Brücke Alarms > iCal > Omniocus zu, dass ich ToDos direkt in Alarms verschiebe, diese werden in iCal aktualisiert und – mit etwas Glück – dann nach einem Sync auch von OmniFocus übernommen. Wobei OF wirklich einen automatischen Sync brauchen könnte, muss ich sagen. Aber an sich kann man Alarms als Menu-Erweiterung von OF benutzen, sogar neue Termine eintragen (auch wenn dann natürlich die Projekte und Kontexte usw fehlen). Sehr schön!

Update 2: Noch ein Vorteil der kleineren Software-Macher ist die Geschwindigkeit bei Support-Anfragen. Alarms hat heute via MobileMe/iCal ein Problem mit anderen iCal-Rechnern verursacht (weil ich das Kleingedruckte in den Preferences nicht gelesen habe…), und die Antwort kam binnen 5 Minuten mit einem einfachen Fix für das Problem. Davon darf man bei Adobe doch nur träumen ;-D.

FR auf dem iPad

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Wer hätte das gedacht? Es gibt tatsächlich Hoffnung für eNewspaper auf dem iPad – in Form ausgerechnet der Frankfurter Rundschau. Während sich vor allem das große Wochenblatt Die Zeit mit einer eher extrem mäßigen Lösung präsentierte, die wenig mehr bot als man ohnehin an ePaper und Online-Texten bei der Zeit downloaden kann, präsentiert die FR eine Lösung, die sich für das Medium maßgeschneidert anfühlt. Eine elegante Bibliothek, verschiedene Lese-Modi im Hoch- und Querformat, sehr gelungener und für eine Tageszeitung fast magazinartiger Umgang mit Aufmachern, sogar die schwierigen kürzeren Mengentexte der Zeitung noch halbwegs elegant gelöst und dabei doch weitestgehend im Look der Marke FR – das macht spontan Freude, ebenso die an den iPad-Spiegel erinnernde Inhaltsverzeichnis- und Navigationslösung. Natürlich gibt es noch Raum für Verbesserungen, es fehlt etwa eine Volltextsuche, Lesezeichen, Markierungs- oder Notizwerkzeuge, sowie vielleicht Anbindung an SocialMedia-Tools, aber es muss ja auch noch Verbesserungsspielraum für kommende Updates geben. Auch das Texte mal komplett magazinartig abwärtsrollen, mal aber in scrollbaren kleinen Textboxen sind, ist etwas unlogisch, aber insgesamt ist die Aufbereitung der Inhalte, die zusätzlichen Diashows, Video, Verweise auf Onlineinhalte und die kleinen Zusatz-Info-Boxen eine großartige Umsetzung der Inhalte, die hier (wie etwa die Plassmann-Cartoons) sogar oft besser wirken als in der Printausgabe, weil ihnen mehr Raum zukommt und sie nicht in dem allzu engen Format der geschrumpften FR versumpfen. Und sich die Zeitung plötzlich wie ein gut gemachtes Magazin anfühlt. Gerade Publikationen wie Die Zeit oder Freitag, aber auch ein Magazin wie die Spex (musikkritik mit Soundbeispielen, das wärs doch) könnte ich mir in diesem Format wirklich sehr gut vorstellen. Ein besonderes Bonbon ist der Newsticker, der natürlich auch nur Online-Content anbietet, aber ein wirklich gefälliges Interface hat. Rundum fühlt sich die App vom Start weg rund und ausgereift an und macht einfach Spass.

Obwohl der Wechsel von Papier zu Pad, der hier stattfindet, an sich in seiner Geschwindigkeit auch etwas erschreckendes hat, habe ich bei der FR-Kiosk-App erstmals nicht mehr das Gefühl, eine abgespeckte Light-Kompromiss-Lösung in den Händen zu halten, sondern eine redaktionell gezielt umgestaltete und in diesem Prozess sogar bereicherte Version, selbst wenn die multimedialen Möglichkeiten nur rudimentär genutzt sind. Bleibt zu hoffen, dass app-basierte Zeitungen in Zukunft nicht als Abfallprodukt oder Nebengeschäft betrachtet werden, sondern in den Redaktionen als vollwertiges Medium mit eigenen Designstandards und eigener redaktioneller Aufarbeitung genutzt werden. Denn dann könnte uns eine Renaissance der Postprintmedien nicht nur als Phantasie, sondern als ganz greifbares ökonomisches Moment bevorstehen. Aber auch nur, wenn die Zeitungen selbst aufhören, sich kaputtzusanieren.

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Aufgeräumte Navigation nach Sparten


hd schellnackPrintlayout liebevoll umgesetzt

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Bilder des Tages als formatfüllende Diashow


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Inhaltsübersicht à la Spiegel-App


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Auch Glossen und Artikel ohne Bilder sind sauber umgesetzt, sogar mit typographischen Details


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Wo interaktive Inhalte Sinn machen, werden sie sparsam genutzt

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Schöner Bonus ist der sehr übersichtliche Newsticker der Online-Nachrichten.

iWork Update und iDisk

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Mit Pages, Numbers und Keynote hat Apple bereits bei Erscheinen des iPad gezeigt, wie ausgereift Software auf dem mobilen Client sein kann. Trotz aller 1.0-Mängel und trotz eines etwas süßlichen Interfaces bei Pages gehörte vor allem Keynote zu den Apps, die andeuten, wie angenehm sich auch auf dem kleinen Bildschirm und mit Fingern arbeiten lässt. Zahlreiche von der Desktop-Version bekannte intelligente Features, solide Übergänge und die ruckelfreie Wiedergabe machten zumindest denkbar, Präsentationen auf dem iPad weiterzubearbeiten oder komplett zu erstellen. Nachdem ich in den letzten Wochen etwas mit Windows-Powerpoint arbeiten musste, kann man nur sagen, dass selbst die Light-iPad-Version von Keynote mehr auf dem Kasten hat als Powerpoint. Vom Spaßfaktor, sozusagen mit bloßen Händen Text und BIlder zu layouten und förmlich spielerisch zu arbeiten, ganz zu schweigen. Numbers ist eine Software, die ich faktisch nicht brauche, aber mit Pages sind schon so einige Texte geschrieben worden, auch wenn der Sync via iTunes, Mail oder iWork.com so oder so immer etwas nervig war

In der gestern veröffentlichten 1.1-Version nähert sich Apple den Vollversion nähert sich Apple ein Stück weiter der Desktop-Fassung (PDF/XLS/PPT-Export, mehr Features) und bindet beide Softwares an WebDAV-Anbieter und an den konzerneigenen MobileMe-Cloudservice an. Dass Apple Dropbox – sozusagen die spürbar bessere Konkurrenz zu MobileMes iDisk – nicht unterstützt, ist dabei mehr als schade, denn zumindest bei mir lief der Sync mit MobileMe wie gewohnt langsam und umständlich, und die Daten kamen auf meinem Rechner erst an, nachdem ich den automatischen Sync mehrfach ein- und ausgeschaltet und manuell erneut den iDisk-Ordner aktualisiert habe. iDisk ist nach wie vor, freundlich gesagt, ein Desaster und keine solide Plattform für den permanenten Austausch von Daten. Wer eine Weile mit Dropbox gearbeitet hat, kann an iDisk wirklich nur verzweifeln, hier besteht für Apple (wie an so vielen Baustellen) echter Handlungsbedarf in Sachen schnellere Aktualisierung, Tempo, Backups, Verfügbarkeit und Verlässlichkeit. Erst dann wird sich iDisk wieder gegen den Quasistandard von Dropbox behaupten können. Update-Fehler, nicht stattfindende Syncs, hängende iDisk – das Ganze ist ein Alptraum, man kann eigentlich nur mit der iDisk arbeiten, wenn man auf die lokale Kopie verzichtet und sozusagen nur online auf den MobileMe-Server zugreift, was aber bei größeren Dateien aufgrund des recht langsamen Apple-Servers ein ziemlicher Nerv sein kann und auch nicht der Sinn der Übung. Wer einmal erlebt hat, wie unsichtbar und quasi im Hintergrund Dropbox oder sogar Evernote funktionieren, dem kommt iDisk denkbar antiquiert vor.

Ganz generell kommt man hier an den Punkt, wo Apple sich überlegen sollte, ob eine Art simples Filemanagement für iOs/MacOs nicht doch sinnvoll wäre, zum einen, weil dann mehrere Apps auf die gleichen Daten zugreifen könnten und eine Menge fauler Kompromisse wegfielen (Das unglückliche Senden an etwa) und man generell eine Art Öffnen/Speichern für alle Apps hätte anstelle der fast improvisiert wirkenden Lösungen, die es zur Zeit gibt. Den festen Ordner könnte man dann via iDisk, Dropbox, WebDAV, iTunes, WLAN und wasauchimmer aktualisieren/abgleichen und fertig. Je ausgefeilter die Apps werden – je mehr sie fast den Desktop-Versionen gleichen – umso schmerzhafter vermisst man eine Filemanagement-Struktur, die funktioniert. Es ist natürlich so, dass wir Nutzer ein immer hungriges Biest sind, das mit jeder Verbesserung nach weiteren ruft, aber die Tatsache ist, dass mich derzeit am iPad (neben dem fehlenden iOS4) am meisten ärgert, dass es für alles und jedes eine Art Sonderlösung geben muss, die sich meist extrem selbstgefummelt anfühlt, weil jede App ihre eigene Brücke zum Rest der Welt zimmern muss. Ein einheitliches Filesystem mit entsprechendem API wäre hier ein wichtiger Schritt zur Verschmelzung der Apple-Betriebssysteme.

Seltsamerweise ist iA-Writers primitive Dropbox-Lösung derzeit also tatsächlich intuitiver und schneller als die ausgefeiltere Pages-Version, die eben mit iDisk gestraft ist. An diesem Detail wird deutlich, dass Apple derzeit vielleicht zwangsläufig – getrieben vom eigenen Erfolg – an zu vielen Baustellen gleichzeitig arbeitet und dabei in allen Bereichen keine 100%igen Lösungen mehr anbietet. Eine bündige Cloud-Computing-Idee und ein Dateisystem, das Mac und Ipad nahtlos verzahnt, wird aber immer wichtiger und dürfte nach (halbwegs funktionierendem) Multitasking zu den wichtigsten Aufgaben gehören, wenn man den Erfolg des iPad vorantreiben will. Für iOS 5 wäre es also schön, wenn Apple sich einen Ruck gibt, das UI etwas überdenkt und vor allem eine einfache, aber effektive Finder-Alternative (die ja durchaus unsichtbar im Background laufen kann) erfindet, die das iPad nahtlos und intuitiv ins Netzwerk bringt und mobiles Arbeiten ermöglicht – wofür erweitertes OTF-Management ebenfalls essentiell wäre. Und spätestens dann möchte ich, dass Adobe endlich mal aus dem Koma erwacht und eine iPad-Version der Creative Suite vorstellt.

Eneloop Tones

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Mal ganz ehrlich – niemand sieht, welche Farbe Batterien haben, wenn Sie in Verwendung sind, insofern ist es auf den ersten Blick seltsam, sie in Designerfarben zu wickeln.. Dennoch ist es natürlich eine spannende Idee, wenn Sanyo die ohnehin sehr brauchbaren Eneloop-Batterien schön bunt verpackt, um sie nicht nur etwas akzeptabler als Alternative zu herkömmlichen Batterien zu machen, sondern auch dabei hilft, geladene und ungeladene Batterien etwas besser zu unterscheiden – denn wer zwei Sets der bunten Akkus bestellt, kann natürlich superschnell nachvollziehen, welche gerade aufgeladen sind oder nicht. Die Zeiten, in denen man nie weiß, welche Batterien gerade aus dem Gerät kommen und welche aus dem Lader, sind damit offiziell vorbei. Zumal die Farben teilweise so nett sind, dass man fast den Deckeln vom Mausboden weglassen möchte…

Writer for iPad

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Die Informations Architects legen eine einfache, in ihrer Reduktion etwas an Ommwriter erinnernde Textverarbeitungs-App für das iPad vor. Anders als das vor Features strotzende Pages ist Writer eine extrem reduzierte Software, die wenig mehr bietet als eine Tastatur und ein relativ schmales Textfenster. Nur eine Schriftart, keinerlei Formatierungsmöglichkeiten und ein entsprechend als einfaches .txt gespeichertes Dokument wirken auf den ersten Blick in der auch ansonsten eher spartanisch gestalteten Umgebung wenig vielversprechend. Dass es der Writer aber durchaus in sich hat, zeigen nicht nur Details wie die ständig sichtbare Textmenge und (geschätzte) Lesezeit (man ahnt hier, wofür iA den Writer eigentlich intern entwickelt haben könnten), sondern auch das erweiterte Keyboard und die nahtlose Dropbox-Integration. Die Tastaturergänzung macht endlich möglich, auch ohne Touchscreen zu bestimmten Stellen im Text zu springen, entweder um ganze Worte oder zeichenweise, außerdem lassen sich Klammern einfacher eingeben und Zeichen wie Gedankenstriche oder Doppelpunkt sind etwas näher gekommen. Unschön ist, dass die “-Taste leider nicht wie die eigentliche echte Tastatur von Apple bei längerem Gedrückthalten Zugriff auf anderen Anführungszeichen wie «» oder „“ gibt, sondern wirklich nur die (falschen) Zollzeichen liefert. Un ob ich wirklich ein Semikolon direkt zugreifbar habe, sei mal dahingestellt – die Coder dürfte es aber enorm freuen, denn als reiner txt-Editor dürfte sich Writer auch als fixer Editor nutzen lassen (dafür fehlt allerdings eigentlich noch eine FTP-Anbindung).

Da im reinen .txt gespeichert wird, ist Writer hochgradig kompatibel und eignet sich ideal, um etwa Blogtexte vorzuschreiben – egal, wo man danach ist, sie sind ja via Dropbox universal verfügbar und lassen sich in WP oder Ecto o.ä. in die finale Form bringen (ich warte ja immer noch auf Ecto fürs iPad, aber da selbst das MacOS-Ecto kaum weiterentwickelt wird, darf ich da wohl lange warten :-D). Das bewusst minimalistische Interface könnte im weiteren Verlauf sicher noch das ein oder andere Detail, vielleicht zumindest auch eine dezente Schriftauswahl (so schön die Monospace gewählt ist) brauchen, und wenn man schon am Keyboard herumdoktort, wäre es natürlich grandios gewesen, Umlaute ohne das nervige Tasten-Gedrückt-Halten verfügbar zu machen (nach wie vor DIE nervigste Sache an der iPad-Tastatur, die zumindet im Querformat entspannt mehr Zeichen unterbringen könnte), aber für eine 1.0er-Version ist der iA-Writer eine schöne, einfache Sache, um onthego schnell Texte festzuhalten und dabei etwas netter zu bedienen als Evernote (das ich bisher genau hierfür verwendet habe). Insofern Dank und Glückwunsch an die Kollegen von den information architects, die hier weiter den erfolgreichen Umzug vom Web zum Pad machen!

Update: Der Writer ist leider noch etwas buggy. Bei mir gibt es gelegentlich Probleme beim Wechsel von Horizontal zu Senkrecht, wenn der Umbruch sich nämlich nicht ändert und man plötzlich in einer viel zu langen Zeile schreibt. Die Lupe funktioniert nicht sauber, bei mir wird der Cursor nicht angezeigt. Und die Sondertasten über dem eigentlichen Keyboard sind stumm, was seltsamerweise enorm irritiert. Bemerkenswert positiv ist der superschnelle Start des Writer.

And the Cloud goes wild…

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Die neue mobileme-Kalender-Beta zeigt sehr deutlich, wie ernst es Apple mit Cloud-Applikationen ist. Nicht nur die letzten Stellenanzeigen, das fast clandestin verwirklichte Musikstreaming via iDisk und andere Details deuten darauf hin, dass die Firma, die derzeit neben Google vielleicht die meiste Power hat, webbasierte Applikationen durchzudrücken, den Blick klar nach vorn richtet. Der meCal ist die erste Webapp, die die Desktop-Version ebenso wie die schwächelnden iPhone/iPad-Versionen deutlich übertrifft. Es gibt einige sehr klare Mängel bei den Einstellungen, da ist eine «echte» lokale Software immer noch weit voraus, aber das User-Interface macht einfach Spaß. Man mag durchaus kritisieren, dass Apple aus irgendeinem Grunde das simple, schöne verlässt und hier anfängt, «echte» Medien zu simulieren – wie bei den liebevollen, vielleicht aber etwas sinnfreien Details wie abgerissenen Kalenderkanten oder Wire-O-Bindung. Aber abgesehen davon macht die Webapp mehr Spaß als die Desktopversion und ist in den Details durchaus Nutzerfreundlicher, etwa in der Monatsnavigation oder bei der viel besseren Nutzung der bisher recht sinnlosen Tages-Darstellung. Im Bereich «Woche» nehmen sich die beiden Versionen wenig, aber «Tag» ist eindeutig besser als in OS X selbst gelöst. Ganz zu schweigen davon, dass die Online-Version nicht nur den Look der iPad-version absolut übernimmt, diesen aber endlich auch sinnvoll macht, indem man Einträge per Drag’n'Drop verschieben kann, neue Einträge mit einem Doppelklick anlegen kann und so weiter. Was nicht geht ist Verdopplung eines Termins via Alt+Ziehen, und natürlich gibt es keine rechte Maustastenfunktionalität – aber für eine reine Internetanwendung lässt der neue Kalender, ebenso wie das bearbeitete Mailmodul, andere Webapplikationen, oft sogar solche aus Flash-Basis, etwas alt aussehen. Bleibt zu hoffen, dass Apple überhaupt noch Lust hat, die iOS und OS X Applikationen anzugleichen und nicht in Zukunft nur noch auf die Wolke im Web setzt. Denn bisher ist vor allem in Europa die grenzüberschreitende schnelle Internetanbindung beileibe noch nicht so, dass ich mit einem mobilen Client nur noch online arbeiten wollen würde. Und auf dem Desktop fühlt sich «echte» Software immer noch besser und schneller an. Dennoch beweist Apple hier beeindruckend, dass auch ohne Flash/AIR (wo ja zB nike+ schön zeigt, wie so etwas aussehen kann) produktive (und attraktive) Softwarelösungen online möglich sind, die ohne echtes Betriebssystem im Hintergrund funktionieren. Bis wir wirklich alle nur noch «in the cloud» arbeiten dürften es noch einige Jahre sein, aber hier beginnt das erste Mal – viel mehr als etwa bei Acrobat.com oder iwork.com – das Gefühl, die Vorstellung von Applikationen, die keinen Rechner mehr brauchen, sondern universell auf jedem Client laufen können, weil sie vollständig online gehostet sind, seien in greifbare Nähe gerutscht.

Amplitube

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Amplitube von ik multimedia ist eine Art Gitarren-Komplettlösung für iPhone und iPad. Ähnlich wie das AmpKit von Peavey liefert Amplitube ein Emulation verschiedener Verstärker, die mit verschiedenen Boxencombos gefahren und sogar mit zwei verschiedenen Mikrophontypen abgenommen werden, sowie die Kombination von bis zu vier Fußpedalen aus insgesamt 11 Effekten von Verzerrung bis Delay (mit optionalem Beat-Sync). Die fünf Amps decken das übliche Spektrum von Fender über Marshall bis Mesa ab und die Simulation ist überraschend gut gelungen – der Federhall des Fender klingt fast genauso miserabel-legendär wie im Original. Die Stompboxes sind berühmten Vorbildern nachempfunden, der Overdrive ist etwa eindeutig von Ibanez, ansprechend im Retrolook gestaltet und klingen ohne Amp fast besser und sauberer als mit Verstärker-Emulation dahinter. Zusätzlich bietet Amplitube einen Tuner, ein Metronom, die Möglichkeit, zu bestehenden Songs zu spielen und Presets ohne Ende, um eigene Effektkombinationen zu speichern. Um den Gitarrensound ins iPhone oder Pad zu kriegen, braucht man das iRig, das das Signal des Kopfhörerausgangs/Mikroeingangs splittet und ein verstärktest Gitarrensignal einspeist, während aus dem Ausgang sauberst der digital bearbeitet Gitarrensound kommt. Das iRig schlägt mit 30 Euro zu Buche, die vollausgestatteten Apps mit jeweils etwa 16 Euro, leider ist Amplitube keine Universal App, so dass für Pad und Phone jeweils bezahlt werden muss. Man kann auf dem Pad aber auch die iPhone-Version laufen lassen, der Sound und die Anzahl von Effekten/Amps ist absolut identisch, nur der Bildschirm wirkt aufgeräumter und man kann schneller gleichzeitig auf alle Fußpedale und den Amp zugreifen.

Puristen werden Amplitube fürs iPhone genauso hassen wie alle anderen digitalen Emulationen analoger Effektgeräte – und sicherlich zu Recht. Auf der Plus-Seite ist es phantastisch, einfach die Gibson an sein Telefon zu hängen und losspielen zu können, sich dabei frei bewegen zu können, oder im Bett zu liegen, ohne an ein großes Effektgerät-Bodenpedalset gebunden zu sein. Das freie Herumspielen mit Amps, Sounds, Effekten ist völlig intuitiv und bedarf keinerlei Einarbeitung, so dass man unmittelbar loslegen und Spaß haben kann, der – etwa bei dem über die Neigung des Phones gesteuerten Wahwah – auch schnell aufkommt.

Getrübt wird der Eindruck von dem aus meiner Sicht mitunter – verglichen mit meinem Zoom-GFX8-Bodenpedal (das zugegebenerweise auch einen Tick teurer ist) – ziemlich muffeligen Gesamtklang, der weder in Bass noch Höhen so richtig überzeugen kann. Ohne die Amp-Simulation wird es deutlich besser, auch das Rauschen reduziert sich etwas. So seltsam es klingt, einen Hauch weniger Authentizität hätte ich mir hier optional gewünscht. Während der mittenlastige Gitarrensound im Mix oder in einer Bühnensituation sicherlich goldrichtig ist und gerade bei den vielen Rock- und Metalamps starke Bässe und Höhen eher deplaciert wären, wäre es unter Kopfhörern sicherlich auch schön gewesen, einen möglichst breiten, fetten Sound zu haben, der weniger «live» klingt und mehr Druck hat.

Womit wir beim zweiten, vielleicht subjektiven Problem sind. Unter Kopfhörern fällt extrem auf, wie monophon die Effekte sind. Es gibt ein winziges bisschen Raum-Ambience, aber das wars. Chorus, Flanger, Delay – alles Mono. Was ebenfalls natürlich im Kontext einer Bandeinspielung sehr richtig ist – Gitarre ist ja nun mal eher ein Mono-Instrument – aber beim Üben oder Komponieren schnell eher den Spaß verdirbt, weil eine einzelne Gitarre einfach sehr viel schöner, weicher, spannender klingt, wenn man mit Stereochorus und einem Cross-Delay spannende Raumeffekte hinkriegt und alles einfach etwas satter, dreidimensionaler klingt. So wie Nanostudio selbst aus an sich recht mageren Analog- oder FM-Synthsounds mit etwas X-Delay und spannenden Flanger/Chorus-Effekten verblüffende Lebendigkeit erzeugt, könnte Amplitube mit an sich wenig Aufwand (sowohl iPhone als auch Pad sind absolut in der Lage, prozessorseitig auch aufwendige Stereoeffekte ohne Latenzprobleme abzuliefern) hier nochmal richtig an Spaßfaktor und Nutzwert gewinnen. So wie es jetzt ist, wird der etwas flache und «enge» Sound nach einer Weile etwas langweilig und man greift doch wieder zum Zoom, weil die Bedienung zwar viel komplizierter und spaßfreier ist, die Sounds am Ende aber räumlich viel überzeugender und satter wirken. Und das müsste nicht sein – das iPad dürfte mehr Prozessorleistung haben als das GFX-8, vom iPhone 4 ganz zu schweigen (das ja noch einmal mehr Arbeitsspeicher mitbringt).

Ebenso wünschenswert wären vielleicht komplexere Effekte, wie sauberes Pitchshifting, Ringmodulation, ein eigener und besserer Hall, Harmonizer und unbedingt ein guter Compressor, der hier leider komplett fehlt – es gibt nur ein recht maues Noise Gate. Der Ansatz, sich nur auf monophone Stompboxes zu beschränken und sozusagen absolut «retro» zu sein, macht bei einer 1.0-Version Sinn, aber auf Dauer wäre es phantastisch, mehr der Möglichkeiten der Desktop-Fassung von Amplitube3 auch mobil zu erleben. Es müssen gar nicht so viele Amps und Effekte sein, aber der Schritt von reiner Stompbox zu Studioeffekten wäre grandios. Niemand kann erwarten, dass man die Power der Desktop-Version für 15 Euro mobil liefert, aber ein satterer Stereosound wäre wirklich deutlich befriedigender.

Und wenn wir bei Wünschen sind, wäre entweder ein einfaches Phrase-Sampling zum «Einfrieren» von Gitarrenläufen, zu denen man dann live weiterspielen kann, grandios. Noch besser wäre sogar eine einfache 4-Spur-Aufnahmemöglichkeit, wie sie andere Apps ja bereits preiswert (aber eben separat) anbieten, um sozusagen live ein kleines Gitarrenensemble aufzubauen. Für schnelle Notizen und etwas Spaß unterwegs wäre das natürlich großartig.

Kurzum, Amplitube ist ein grandioser Schritt in die richtige Richtung und vor allem auf dem iPhone ein Riesenspaß – ein solches Fußpedalarsenal in der Hosentasche zu haben ist die 15 Euro immer und unbedingt wert -, hat aber noch ein riesiges Potential, ausgebaut zu werden. Mit Blick auf die Power des großen Amplitube3-Bruders darf man hoffen, dass IK Multimedia nach und nach mehr Möglichkeiten nachliefert (z.B. als In-App-Kauf) und aus Amplitube ein echtes Arbeitstier macht. Aber selbst die 1.0er Version macht deutlich, dass hier das musikalische Gegenstück zur Hipstamatic-Kamera an Potential und Erweiterungsmöglichkeiten schlummert. Man darf gespannt sein, ob am Ende Ampkit von Peavey oder Amplitube das Rennen machen und sich fragen, warum Roland/Boss diese Chance offenbar komplett verschlafen…

Nanostudio ist da

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Die erste digitale Musikstation fürs iPhone (leider nichts für das iPad) ist da. Nanostudio kombiniert vier extrem editierbare polyphone Synths, eine Drummachine, einen Sequenzer, eine Mixing-Einheit, Effekte zu einer Art abgespeckten Cubase/Logic, komplett mit Patternediting und Pianoroll, mehreren Bus-Effektsektionen, Delay, Flanger, Chorus, Distortion, Touchpads für Cutoffs und LFO und und und zu einer kompakten Package, mit der man aus meiner Sicht erstmals halbwegs realistisch und ohne esoterische Interface-Tricksereien arbeiten kann. Die 128 Werksounds machen bereits klar, dass der Synth sehr mächtig ist für ein Telefon, die Editiermöglichkeiten wollen schier gar nicht abreißen, man wünscht sich im Grunde nur noch eine gute externe Tastatur (wie das Akai 25 oder ION, nur mit mehr Tasten und kleiner). Selbst Akais bereits sehr vielversprechende Synthstation sieht gegen Nanostudio mehr als alt aus, aus den vier Eden-Synths, die von analogen Sounds über FM-Synthese bis hin zu durch Filter geprügelte Samples eigentlich alles zulassen, was man sich wünschen kann und sehr umfangreiche Hüllkurven-Soundmodifikationen zulassen und obendrein auch noch einzeln komplett eigene und sehr gute Effekte zulassen. Die Drumsektion ermöglicht eigene Samples und auch hier einfaches Editieren der Sounds, sowie drei Bus-Effekte, die einzelnen Pads einfach zugeordnet werden können. Pragmatisch sehr gut bedienbar, ist das Nanostudio deutlich mehr als nur eine einfach «Scribble»-Möglichkeit für musikalische Ideen, sondern eingeschränkt tatsächlich in der Lage, ganze Songs abzuliefern. Die Einschränkungen sind dabei gegenüber der erdrückenden Optionenvielfalt von Programmen wie Logic fast wohltuend – es ist fast wie einfaches Vierspurrecording mit einer Drummachine und ein paar einfachen Synths, mit denen man schnell und dreckig seine Songs machen kann. Das die App dabei durchaus sehr komplexe Ergebnisse zulässt und man spielerisch und einfach an ganz eigene Sounds kommt, Nanostudio zum Experimentieren also förmlich einlädt, ist ein Bonus. Da es Nanostudio im Betastadium auch als Mac/Win-Desktop-Applikation gibt und Nanosync einen Austausch von Samples und Mixdowns gibt, kommen wir spürbar Schritt für Schritt der Phase näher, wo Apples Mobilgeräte echte Musikoptionen werden. Was noch fehlt ist eine Art MIDI, eine Zusammenkopplung mehrere Apps im Multitasking, ein Dateistandard für Austausch und Weitereditierung mit Desktop-Apps und so weiter. Aber es scheint fast nur noch eine Zeitfrage zu sein, bis es Ableton, Reason, Garageband und Co auch für iPhone oder besser iPad geben wird. Bis dahin ist Nanostudio für 12 Euro aber mehr als eine gute Möglichkeit, unterwegs etwas Musik zu produzieren – die Musikapps verlassen hier erstmals absolut greifbar das «Spielzeug»-Flair. Der einzig offene Wunsch ist eigentlich, dass Blipinteractive das Ganze möglichst schnell fürs iPad umstrukturieren, damit man mehr Tastatur hat und in dem etwas frickeligen Sequencer-Editiorfenster besser arbeiten kann. Ansonsten eine reife Leistung, die wieder zeigt, dass am iPhone weniger das Gerät an sich entscheidend ist, sondern die Kreativität der App-Entwickler.

CS5 Erste Eindrücke

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Installation
Die Installation fühlt sich nach wie vor ausgesprochen seltsam an. Man startet die DMG, klickt auf das CS5-Icon, ein neues Ordner-Fenster mit «Install» öffnet sich und erst nach klicken hierauf geht es wirklich einigermaßen los. Ich kann verstehen, dass Adobe auf der Windows wie auf der Mac-Plattform ein ähnliches Benutzungserlebnis herbeiführen will, aber der Preis dafür ist, dass es sich auf beiden Plattformen nicht «nativ» anfühlt. Man klickt auf OS X mehrfache Subroutinen, bevor die Installation überhaupt startet, das systemübliche drag’n'drop-Installieren gibt es nicht. Statt dessen setzt Adobe auf eine eigene Installationsroutine, im Adobe-Air-üblichen Look, in dunkelgrau und blau gehalten, die nicht nur bizarr lange dauert, sondern dem Nutzer das Gefühl gibt, sein Betriebssystem komplett verlassen zu haben. Abgesehen davon, dass solche eigenen UIs eine Menge Arbeit darstellen und extrem anfällig für Veränderungen sind, während Standardroutinen einfach immer up-to-date aussehen, weil sie an das jeweilige UI des Betriebssystems andocken können, frage ich mich, wieso Adobe als fast letzte Firma der Welt auf einer eigenen Sub-Oberfläche besteht, anstatt auf GUI-Standards aufzusetzen. In Sachen Usability ist das ein Flop.

Photoshop
Was lange, lange, lange währt, wird endlich wahr. Während das deutlich preiswerte und nicht so viel leistungsschwächere Tool Pixelmator bereits seit langem 64bit bedient und dabei unglaublich schnell ist und sehr große Dateien verdauen kann, hat es bei Adobe halt etwas länger gedauert, die 4-GB-Grenze zu sprengen.
Photoshop fühlt sich in 64bit greifbar schneller und reaktiver an und kann endlich seinen großen Speicherhunger besser bedienen. In Zeiten, wo die meisten Rechner für Bildbearbeitung 8-32 GB RAM haben, ist das auch mehr als überfällig.

Vielleicht fühlt es sich aber auch nur schneller an, weil noch keine Plug-Ins (außer Exposure 3 von Alien Skin und Adjust 4 von Topazlab) unter 64bit laufen, alle anderen Plugs lassen sich nur nutzen, wenn man im 32bit-Modus startet. Das ist irgendwie ärgerlich und man sollte einen Weg gefunden haben, um Plugs als 32-bit-Subapplikation laufen zu lassen. Also laufen derzeit zwei Photoshop-Versionen auf meinem Rechner.

Die neuen Tools wie Formgitter und inhaltssensitives Füllen sehen auf den ersten Blick vielversprechend aus – aber auch hier wird nur die Praxis zeigen, was sie taugen.
Das inhaltssensitive Füllen scheint nach einigem Probieren eher Matsch und Chaos als brauchbare Ergebnisse zu bringen… man hat ein Objekt meist schneller weggestempelt als es hiermit zu entfernen. In einigen kritischen Stellen vorsichtig angewandt, waren die Ergebnisse aber brauchbar. Der Puppet Warp wirkt hochkomplex und keineswegs mit «Verflüssigen» zu verwecheln, weil hier nach «physiologischen» Regeln ein ganzes freigestelltes Objekt modifiziert werden kann. Ob das für andere Dinge als Arm/Bein-Verschiebungen und einfachste Animationen sinnvoll ist… abwarten.

Die verbesserte Kantenbearbeitung einer Auswahl ist beeindruckend. Ich glaube nach wie vor, dass sich im Grunde mit pixelbasierten Methoden kaum wirklich gute Freistellergebnisse erzielen lassen – am saubersten wirkt irgendwie immer noch das Pfadwerkzeug –, ist hier mit sehr einfachen Schritten gerade bei Haaren tatsächlich ein beeindruckendes Ergebnis zu erzielen, das sogar teilweise Farben aus dem Hintergrund entnehmen kann. Ein schlechtes Photo kann man so auch nicht retten, aber ein sauber photographiertes Objekt mit Flusen oder Haaren, die sich für «hartes» Freistellen nicht eignen, hat hier vielleicht eine Chance.

Die Objektivkorrektur muss ich mir noch in Ruhe ansehen – ich mache das meist direkt in Lightroom oder idealerweise in LensDoc. Inwieweit Photoshop hier leistungsstark ist und ob es genügend (passende) Objektive sowohl für die Canon5DII (was vielversprechend aussieht) als auch für die S90 (leider bisher nichts) gibt.

HDR machte bei den ersten Versuchen sowohl mit einzelnen Bilder und Fake-HDR-Toning als auch mit Serienaufnahmen keinen sonderlich guten Eindruck, da habe ich bessere Tools gesehen. Allerdings ist der Workflow von Bridge/Lightroom zu Photoshop geradezu genial einfach, vom RAW zum HDR ist ein Kinderspiel. Verwirrend ist, dass die HDR-Preview mit dem fertigen Ergebnis nicht unbedingt viel gemein hat. Bei den ersten Versuchen wirken Farben im Ergebnis zu satt, der ohnehin übertriebene HDR-Look einfach zu übermächtig. Mit etwas Feintuning lässt sich das hoffentlich besser verwenden.

Auch mit dieser Version führt das Photoshop-Team vorsichtige UI-Änderungen ein, etwa ein neues Zoom-Verhalten, das zunächst ungewohnt, nach einiger Einarbeitung aber extrem nützlich ist. Ähnlich wie das Pixelraster oder Preview-Effekt beim Stempel lassen sich alle diese Änderungen aber auch wieder deaktivieren. Wenn Adobe PS noch einige ästhetische Einstellmöglichkeiten verpassen würde (wie bei Lightroom oder bei Bridge), wäre PS wahrscheinlich eines der vielseitigsten Programme am Markt, das der Nutzer sich völlig an seine eigenen Bedürfnisse und Arbeitsprozesse anpassen kann, inklusive der Möglichkeit, komplett eigene Funktionspaletten zu erstellen.

Die in Extended deutlich gewachsenen 3D-Features habe ich noch nicht ausprobiert… ich habe aber bisher auch noch niemals in PS «dreidimensional» gearbeitet, da gibt es im Zweifelsfall bessere Werkzeuge.

Keine Frage – aus dem CS5-Paket hat sich bei Photoshop am meisten getan. Wie bei fast allen neuen Features einer Software, die so lange am Markt ist, darf man sich fragen: Braucht man das? Und die Frage kann sich nur jeder selbst beantworten. Die Schwäche von PS ist sicher derzeit, dass es mehr und mehr versucht, die eierlegende Wollmilchsau zu sein, während andere Programme in 3D, HDR, RAW-Processing einfach als Spezialisten deutlich besser dastehen.

Außerdem wird klar, dass das Interface etwa gegen das von Lightroom einfach altbacken und überarbeitungsbedürftig ist. Photoshop trägt den Ballast von zwei Dekaden im Gewand und das merkt man an allen Ecken und Enden, zumal die PS-Gemeinde Adobe jedes mal lyncht, wenn selbst völlig veraltete Routinen endlich mal abgeschaltet werden.

Indesign
Rein optisch ist in Indesign ebenfalls wenig passiert. Aber tatsächlich sind es diese kleinen UI-Änderungen, die das Upgrade sinnvoll machen. So ist es beispielsweise jetzt direkt über die Menüleiste möglich, Farben für Flächen und Konturen zu ändern (womit wir bei gefühlten zehn verschiedenen Methoden sind, dies zu tun), und die Software merkt automatisch, ob man einen Text markiert hat oder eine Fläche. Zwei Zeilen Text einfärben geht so viermal so schnell wie bisher. Die überarbeitete Ebenenpalette ist auf den ersten Blick verwirrender als bisher – obwohl durch Illustrator grundsätzlich ja vertraut – aber auch deutlich leistungsfähiger. Die neue schnellere Auswahl von Rahmeninhalten wird nach etwas Umgewöhnung ein echter Bonus sein.

Der PDF-Export im Hintergrund ist auch so eine Sache, die schon längst fällig war, immerhin kann Word schon seit fast zehn Jahren im Hintergrund drucken. UI-technisch ist das extrem schlecht gelöst, weil man zunächst denkt, gar keine visuelle Kontrolle mehr über den Export-Fortschriftt zu haben, bis man entdeckt, dass es unter Fenster > Hilfsprogramme > Hintergrundaufgaben eine Palette gibt, in der, wenn man sie nur breit genug aufzieht, ein Export-Balken erscheint. Den aber hätte man ganz charmant auch in der Fußleiste des Programmfensters unterbringen können. So fühlt es sich etwas unelegant an – was schade ist, weil das Feature an sich sehr gelungen ist, man kann endlich auch während langer Dokument-Exporte schon weiter arbeiten und sogar den nächsten PDF-Export starten. Es mag spät kommen, aber es kommt and god bless.

Die Modifikation von Seitengrößen in Indesign ist an sich keine Innovation, dtp tools hatten hier mit Page Control bereits seit CS3 gezeigt, wie einfach und effektiv das geht (wie sie auch seit langem zeigen, dass eine Photoshop-artige «History»-Palette mit Snapshots usw. funktioniert). Jetzt geht es endlich auch ohne Plug-Ins und es läuft anscheinend solide genug. Etwas ärgerlich finde ich, dass man direkt aus der Seitenpalette heraus nicht frei Seitengrößen ändern kann, sondern dort nur definierte Größen (auch selbstdefinierte) nutzen darf.

Die Mini-Bridge bringt eine aus Fotostation bei mir sehr beliebte Funktionalität nahtlos in die CS-Suite und dies sehr komfortabel: Über ein kleines Menüfenster kann man sich die Bilder eines Ordners in den verschiedensten Formen anzeigen lassen, ohne aus der Applikation zu Bridge o.ä. switchen zu müssen. Nicht so übersichtlich wie Bridge, nicht so komfortabel wie Fotostation (das aber gegen Bridge generell zusehends abstinkt), aber eine willkommenere Erweiterung von Bridge und bei bestimmten Projekten sicher extrem hilfreich.

Die neuen Auswahltools finde ich ad hoc erst einmal verwirrend. Was bei den ersten Tests ganz prima war, wird beim Arbeiten in komplexen Layouts sehr schnell auch sehr nervig, weil man nie ganz weiß, ob man nun den Rahmen schiebt oder doch schon aus Versehen wieder ins Innere des Rahmens gerutscht ist und nun den Content herausschiebt. Wahrscheinlich Übungssache. Aber manchmal wünscht man sich dann doch wieder die alte Schwarzer Zeiger/Weißer Zeiger-Lösung zurück.

Die Möglichkeit, Text über Spalten hinweg zu setzen, ist so simpel wie überfällig und wird Magazinmacher und Broschürenlayouter mit vielen Zwischentiteln maßlos beglücken.

Die neuen Multimedia-Funktionen… da muss man sehen, was die Zukunft bringt. Adobe bereitet sich hier auf etwas vor – den Sprung zum animierten ePrint –, was leider auf einem der wichtigsten Trägermedien dieses Sprungs (iOS) mangels Flash-Support nicht funktioniert. Wenn Adobe nicht einen Trick findet, um in PDF völlig ohne jede Notwendigkeit eines Players Flash einzubetten (und sofern Apple dann nicht auch noch PDF ausgrenzt), ist die ganze Flash-Integration in CS5 eher für die Katz und Adobe setzt aufs falsche Pferd. Ansonsten wirkt es auf den ersten Blick seltsam, direkt in Indesign einfache Animationen usw zu machen und diese direkt nach SWF/HTML zu exportieren. Dürfte aber erleichtern, einfach schnell und integriert mit einem Werkzeug, die Interaktivität eines groben Website-Scribbles zu zeigen. Wobei ich die weniger und weniger in Indesign mache. Wobei man sehen muss, wie das Zusammenspiel mit Dreamweaver und eventuell auch mit Catalyst ist – es reicht ja, wenn man einen soliden und anschaulichen Dummy hinkriegt.

Was mir immer noch fehlt ist eine effektive, InCopy-lose Kooperation an einem Dokument im Team, aber auch Editierbarkeit per Browser durch den Kunden (einschränkbar), eine bessere Lösung für «formlosen» also fluiden/dynamischen Content, eine effektive und solide Datenbank-Lösung, die an MySQL andocken kann, aber auch an Excel uswpp (und zwar komfortabel, die meisten Plug-Ins sind hier ein Alptraum). Also Dinge, die das Publishing team- und kundenfreundlicher sowie webkompatibler machen. Und eine ganze Menge Details, von simplen Sachen wie einer glyphen/kontextsensitiven Unterstreichung, bessere Trennung, besseres Ligaturhandling und und und… all sowas steht auch noch auf der Wunschliste. Indesign entwickelt sich in eine neue Richtung, und die alte Richtung… das banale gute alte Printdesign… ist nicht einmal ansatzweise perfektioniert.

Bridge
Der Bildbrowser, früher ein wahrer Alptraum, mausert sich zu einem mehr als alltagstauglichen Tool, das zusätzliche Werkzeuge wie etwa FotoStation eigentlich für die meisten Designer überflüssig macht. Neue Export-Funktionen, die MIni-Bridge, ein spürbar aufgeputschtes Tempo, der nach wie vor unschlagbar modulare Arbeitsbereich und viele andere Detailverbesserungen haben Bridge vom Ärgernis zum Rundum-Werkzeug gemacht, das zwar immer noch fast allergisch langsam auf EPS reagiert (eigentlich ja ein Adobe-Hausformat, mit dem FotoStation sehr viel besser zurechtkommt), ansonsten aber fast unersetzbar geworden ist. Ich würde mir fast wünschen, Bridge und Lightroom (und evtl. Photoshop) würden verschmelzen.

Illustrator
Ich arbeite selten mit Illustrator, vielleicht weil ich Freehand-User war und mit Illustrator nie war wurde. Bis heute finde ich, dass Illustrator einfach nahtlos in Indesign eingebaut sein sollte und fertig, und ich denke, irgendwann wird Adobe das auch so handhaben. Man muss aber klar sagen, dass Illustrator sich mit CS4 und 5 gemacht hat – der ehemaligen Schnecke ist ein passables Arbeitstempo beigebracht, es gibt endlich unterschiedliche Seitengrößen (wenn auch seltsam gelöst), Farben und Pinsel sind etwas freundlicher und vielseitiger gelöst, man kann endlich in Perspektive zeichnen, und es gibt einfachere Tools zum Editieren von Beziers. Anders gesagt: Illustrator ist da angekommen, wo FH und selbst CorelDraw schon vor Jahren waren. Aber das durchaus in einer eleganten und überzeugenden Art. So sehr, dass man fast Lust hat, sich endlich mal mehr mit Illustrator zu beschäftigen.

Soweit der erste Eindruck. Flash/Dreamweaver und Co.sind nicht so meine Werkzeuge, auch wenn sie natürlich installiert sind – aber ich konzeptioniere Websites, Programmieren ist nicht mein Bereich, das können andere deutlich besser. Marian klang recht begeistert von Flash, Catalyst klingt grundsätzlich nach dem Flash-für-Non-Action-Script-Menschen, das ich seit Jahren von Adobe sehen möchte (also müsste ich es ja mal antesten), und Dreamweaver ist eh nicht mein Ding, aber wenn es jetzt CSS besser unterstützt, kann man es ja noch mal ansehen. Ich hätte immer noch gern ein Programm, das so intuitiv wie iWeb oder Indesign ist, aber deutlich mehr Power hat und dem Programmierer danach nicht wieder bei 0 anfangen ließe. Aber ich denke, die Zukunft ist fast eher, Sites direkt programmierend zu entwerfen, das wird ja dank neuer CSS-Features immer naheliegender, direkt vom Wireframing ins Coding zu gehen.

CS-Review klingt nach einer guten Idee, die sich hier leider aus verschiedensten Patchwork-Flicken zusammensetzt (Adobe.com, Browser-Lab), die alle etwas unreif aus dem Adobe-Labor zu torkeln scheinen und auch nicht einwandfrei laufen (CSReview hat bisher bei mit Indesign bei jedem Start der Funktion zum Absturz gebracht). Der cloudbasierte Austausch mit Kunden ist ein hoch wünschenswertes Projekt, auch wenn PDF dazu ein gruseliger Zwischenschritt ist. Ich will meine Indesign hochladen und der Kunde soll in von mir definierten Umfang Text- und vielleicht auch einfache Bildmodifikationen machen können. Dazu wäre eine Web-to-Print-Anbindung sinnvoll (Formulare und Textanbindung, die Datenbankbasiert in Layouts mündet). Gibt es alles einzeln, aber Adobe vertut hier die Chance, eine Art MobileMe für Designer – einfach zu bedienen, funktional, beim Kunden akzeptabel – zu etablieren. Und bitte gratis. Für CSReview noch einmal Geld nehmen zu wollen, wahrscheinlich 200 bis 300 Euro im Jahr, ist übrigens leider bizarr. Laßt das lieber den Bonus sein, der zum legalen Kauf motiviert, statt hier nochmals zuzuschlagen. Es nervt ohnehin, dass man immer und immer wieder für getrennte Cloud-Services einzeln Jahresgebühren zahlt (MobileMe, Evernote, Dropbox…)

Insgesamt fällt auf, das Adobe es immer noch nicht geschafft hat, den einzelnen CS-Komponenten ein gemeinsames Antlitz zu geben, geschweige denn hinter den Kulissen für Ordnung zu sorgen. Wo selbst billigste Softwares sich sauber in OS X installieren, veranstaltet Adobe in der Library ein kaum noch nachzuvollziehendes Chaos an Ordnern und Subordnern ohne jede Logik und Vernunft. Tastaturbefehle, Aktionen und andere Individualisierungen werden nicht von vorherigen Fassungen zu CS5 übernommen (nicht einmal als Option), nach der Installation beginnt eine wahre Orgie an Einstellungen, die man vornehmen muss, wie es bei keinem anderen Programm auf dem Mac der Fall ist. Die gleiche Funktion ist in jeder CS-Tochter irgendwie leicht anders gelöst, Tastaturkürzel sind ungleich, man hat nie das Gefühl in einer Software zu sein, sondern statt dessen werden mit Rücksicht auf User, die seit 1985 dabei sind, die ältesten Standards weitergepflegt, anstatt einen neuen, gemeinsamen Standard zu pflegen. Das Ergebnis ist, das ich eine Sache, die ich in Indesign mit verbundenen Augen tue, in Illustrator nur nach Konsultation der Hilfe-Funktion und Google sauber geschafft bekomme – bei zwei so fast deckungsgleichen Applikationen ein Horror. Dass Photoshop eine History hat, Indesign aber nicht, dass die Ebenenpalette in AI und ID jetzt zwar weitestgehend ähnlich, aber dafür völlig anders als in PS ist, ist doch undenkbar (übrigens fühlt sich auch die Tatsache, dass bei PS auf einer Ebene immer nur ein Objekt sein kann, auch antiquiert an, es wäre revolutionär, wenn ich mit Pixeln so arbeiten könnte wie in AI mit Objekten – mehrere pro Ebene, mehrere Ebenen, völlig frei, ein Ende der 700-Ebenen-PSDs). Adobe braucht dringend ein Großreinemachen in Sachen Interface-Design, Useability und Nutzerfreundlichkeit.

Das Fazit ist eigentlich, dass CS5 ein herausragendes Upgrade wäre, läge der Preis nicht bei um 1000, sondern bei 200 bis 300 Euro. So aber hat man das Gefühl, für eine Menge Bugfixes, für ein immer noch unausgegorenes UI und für kleine, eigentlich eher hinter der Kommastelle liegende Verbesserungen sowie ein paar mehr oder weniger nützliche Features doch arg zur Kasse gebeten zu werden. In dieser Sicht – wieder einmal – fühlt sich Adobe alt an. Es ist eine der letzten wirklich teuren Softwares, eines der letzten Mega-Pakete, der Download ist teurer als die DVD-Box, das Interface ist (immer noch) aufs gruseligste ins Deutsche übersetzt (diesmal so buggy, dass IndesignShortcut-Sets aus CS4 teilweise in der deutschen Version von CS5 nicht laufen, weil Tastenbezeichnungen MIT übersetzt wurden (Strg wurde zu Befehl, z.B.). Adobe fühlt sich an wie ein Dinosaurier – und man wird das Gefühl nicht los, ein Befreiungsschlag täte der Firma gut. Indesign konnte sich gegen Quark so gut behaupten, weil Adobe seinerzeit die Idee Layoutsoftware gegenüber Pagemaker komplett neu gedacht und das alte Programm (weitestgehend) eingestellt hat. Das gleiche täte den Photowerkzeugen und vor allem auch den Web-Tools von Adobe sehr sehr gut. Man sollte überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, einige der Programme zu kombinieren oder sogar so modular zu werden, dass man sie ALLE wirklich zu einer Suite macht… der Anwender würde dann in nur noch einer Oberfläche arbeiten, ganz unabhängig zunächst von der Frage, ob er Print oder Web macht, und Bildbearbeitung, RAW-Workflow, Beziérkurven, aber auch Animation und Programmierung würden modular in objektbezogen zugeladen. Die modulare Struktur würde den Code einfach halten, das Programm trotz enormen Umfangs schmal… und im Grunde könnte man sogar das Vertriebsmodell revolutionieren, weil man sozusagen «In App» dazukaufen kann, was man braucht. Wichtiger aber: Von der ersten Konzeption bis zur Programmierung einer Site, vom ersten RAW bis zur druckreifen PDF alles unter einem Dach. Das wäre dann auch eine Suite, die den Namen verdient und auch den horrenden Preis von 3000 Euro für die DesignPremium-Version (immerhin teurer als ein durchschnittlicher iMac und nicht viel billiger als ein MacPro) rechtfertigen.

So, wie es derzeit ist, kann ich jeden verstehen, der nur noch jede zweite Version upgraded, weil die Sprünge einfach zu marginal ausfallen – und damit bedroht Adobe sich eigentlich selbst. Die Zeit wäre nach dem desaströsen Chaos, das die Fusion mit Macromedia bis heute bewirkt, reif für einen kompletten «Relaunch» des Creative Suite zu einem besseren, moderneren Produkt. So gut die Suite – die ja mehr eine «Anthology» ist, eine lose Zusammenstückelung von Software-Komponenten, die kaum wirklich miteinander verbunden sind – heute ist, die Herausforderung für die Zukunft ist nicht, noch einen Photoshop-Trick mehr zu erfinden und als das neue Schwarz anzupreisen, der Trick ist, eine integrativere und mächtigere und zugleich einfachere Gesamtlösung für das Design für morgen anzubieten, das nicht mehr ganz Print, aber eben auch nicht mehr ganz Web sein wird. Und mit der Gestalten dann auch in Zukunft eben noch einmal einen Tick mehr Spaß macht…

Ist TV-Land abgebrannt?

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Es wirkt in den letzten Monat etwas verzweifelt, wie die TV-Sender ihre Shows canceln und neue Konzepte herankarren und wieder absetzen – eins der neuesten Opfer bei ABC ist beispielsweise David Goyers Flashforward. Die zum Teil aufwendig produzierte offensichtlich langfristiger angelegte Serie, die Lost beerben sollte, endet nicht nach den geplanten drei oder vier Staffeln, sondern inmitten offener Handlungsstränge. Andere Opfer der letzten Zeit gibt es reichlich, die Liste umfasst 35 Sendungen. Darunter zahlreiche Shows, die einige mehr oder minder erfolgreiche Seasons hinter sich haben. Woran liegt dieser Einbruch?

Er zeugt nicht nur von wirtschaftlichen Problemen – Instantshows und Trash-TV sind einfach billiger, selbst American Idol dürfte weniger kosten als ein Pilot einer guten Serie -, sondern auch vom Ende eines TV-Zeitalters (oder zumindest einem sehr gravierenden Umbruch). Während Sendungen wie American Idol (und all die anderen Casting Shows) noch vom Live-Faktor leben, ähnlich wie Sport-Events, vom Mit-Abstimmen oder von dem Informiertsein / Mitredenkönnen am nächsten Tag, funktionieren die relativ komplexen Serien, die auf dem Season-Konzept aufbauen, wie es Twin Peaks (eigentlich die erste Revolution im TV), X-Files oder auch Buffy etabliert haben und das Lost oder Breaking Bad perfektioniert haben, durchaus auch dann gut wenn nicht sogar am besten, wenn man sie in einem Rutsch schaut – also am Ende einer Staffel. Ein Echtzeit-Sehen ist also nicht notwendig. Während einerseits TV-Serien sich in den letzten Jahren als extrem gutes Erzählformat bewiesen haben, gerade weil sie längeres Format haben und differenzierte Charaktere und langfristige Handlungsbögen erlauben (gegenüber der 3-Stunden-Grenze im Kino, das einfach mehr verdichten muss), verlieren diese anspruchsvolleren Formate den «casual viewer», der einfach nur mal ohne große Vorbereitung 45 Minuten etwas Entertainment will. Für diese Gruppe von Zuschauern reicht die Krimifall-der-Woche-Serie, die relativ statische Charaktere durch immer wieder andere, aber selbstähnliche Konstellationen jagt, eine Serie mit der Dichte von Twin Peaks oder Lost dürfte hier eher abschreckend sein und spricht eher eine spezifische Fan-Audience an. Die aber ist zum einen global, meist eher vorm Rechner als vorm Fernseher anzutreffen und zum anderen von der Jetztzeitigkeit des Webs auf «Ungeduld» programmiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Zielgruppe, bei der Hunderttausende von Teilnehmern bei Lost etwa an einem Alternate-Reality-Game online teilnahmen, die finale Staffel überhaupt noch zur Sendezeit im TV schaut, ist mehr als gering. Die Einschaltquoten von Lost liegen hinter American Idol, und dennoch ist es die meist heruntergeladene Serie weltweit im Moment. Nur hilft das ABC wenig.

Solange die Sender solche «Mythos»-Serien aber weiter nach Einschaltquoten und Nielsen-Ratings beurteilen, werden diese Fanbase-orientierten Serien scheitern, da die TV-Entscheider einen zentralen Paradigmenwechsel der Konsumgewohnheiten ihrer früheren Zuschauer verpassen. Ein Blick auf die Websites nahezu aller US-Sender verrät, wie hilflos der amerikanische Fernsehmarkt mit dem Fernsehen umgeht. Während im Schatten der Serie Lost eine verwobene und verwirrende Wiki rund um die Serie von Fans betrieben wird, bleibt es bei ABC bei Rückblicken und etwas Flash-Gedöhns. Dabei ist Lost, mit ARG-Ansätzen und J.R. Abrams genereller Tendenz zu multimedialer Verwebung seiner diversen Projekte noch durchaus Leitstern, während andere Serien noch stiefmütterlicher behandelt werden. Für FOX, CBS, ABC und Co ist der Zuschauer immer noch das Pantoffeltier vor dem Fernsehbildschirm – das spiegelt ganz wunderbar akut wieder, wie ungelenk viele andere Branchen mit dem medialen Wechsel der letzten Dekade umgehen. Tatsache ist: von der wahrscheinlich großen globalen (und illegalen) Zuschauerschaft hat eine Serie wie Flashforward oder Dollhouse beim jeweiligen Sender gar nichts – und zwar, weil der Sender diesen Zuschauern keine Chance gibt, gezählt zu werden.

Kurzfristig ist der erste Schritt, auf der eigenen Homepage aktiver zu werden und das Web als Kanal zu begreifen. Ob Werbefinanziert oder gegen (moderate) Bezahlung – die Sender sollten den Download aktueller Folgen und alter ganzer Staffeln anbieten. Warum das ganze Geld nur iTunes geben? Staffelpässe mit Extras, eine solide Betreuung der Serie und der Fanbase, eigene Blogs und Wikis, sind erste Möglichkeiten, sich auf das Web einzustellen. Denn wenn erst Technologien wie WiMax/LTE mobiles Internet auf VDSL-Tempo bringen, sollte man vorbereitet sein – ab diesem Zeitpunkt wird es kein Fernsehen, wie wir es in den letzten Jahrzehnten kannten, mehr geben.

Zugleich birgt dieser Umbruch enormes Potential für die Sender, das sie derzeit verschleudern. Wenn «Mythos»-Serien, zudem weltweit, Fans binden, ergeben sich hier Wertschöpfungsketten, die bisher weitestgehend brach liegen, weil es im engen Fernsehraum zwei Probleme gibt: Sendezeit und Produktionskosten. Ersteres ist im Web non-existent, da jeder Zuschauer sich seine Sachen selbst zusammenstellt. Letzteres ist eine Entwicklungsfrage – es kann keinen Zweifel daran geben, dass die Produktion von Film in den nächsten Jahren unglaublich billiger wird. Noch ist es eine bemerkenswerte Ausnahme, wenn die 5DII für den Dreh eines Staffelfinales eingesetzt wird – aber der Einsatz von preiswerteren digitalen Kameras sowie der Preisverfall bei computergenerierten Effekten dürften die Produktionskosten von Serien deutlich senken. Zumal inzwischen eine Zuschauergeneration heranwächst, der Stars weitestgehend egal sind bzw. die ihre Stars selbst generiert.

Warum also nicht in Zukunft – analog zu Direct-to-DVD – in einem direkt für das Web produzierten Format arbeiten? Warum hier nicht weg von dem System, Serien so lange laufen zu lassen, wie es eben geht… was entweder zu abrupten Absetzungen führt oder – schlimmer noch – im Erfolgsfall zu endlos in die Länge gezogenen Formaten, die längst über ihren eigentlichen Spannungsbogen hinweg künstlich am Leben erhalten werden? Warum das Internet nicht als eigenständiges Medium begreifen und entsprechend arbeiten? Warum, kurz, also nicht Geld mit der globalen Fangemeinschaft von Figuren und Serien verdienen anstatt sich an ein anonymes TV-Publikum mit dem kleinsten geringen Nenner zu verheizen und in endlosen Zugeständnissen an die Marketingleute von Großsendern das Herz der ursprünglichen Geschichte zu verkaufen? Vielleicht hätten wir dann auch wieder mehr als nur Cop- und FBI-Shows (plus Mystery-Element bitte) mit möglichst vielen Explosionen und mehr grandioses Format wie eben Breaking Bad, das in der Tat vergleichsweise preiswert zu produzieren wäre.

Online ergibt sich die Chance, auch mit kleinen, feinen Formaten und einer relativ überschaubaren Zielgruppe langfristig stabile Formate zu etablieren, die unabhängig von Quotendruck trotzdem Geld verdienen – zudem eventuell ohne Druck durch die Werbeindustrie. So ließe sich – was bei Lost ja erstaunlich gut funktioniert hat – ein Vorgehen denken, bei dem die Länge eines Stoffes von vornherein grob festgelegt ist und eine Geschichte in dieser längeren Narrationsform vollendet werden kann, um dann als Gesamtwerk abgeschlossen zu sein. Anfang, Mitte, Ende. Zugleich wären auch Mini-Serien denkbar – wie dereinst von Wild Palms vorgemacht. Der Stoff, die Story bestimmt den Umfang, nicht umgekehrt. Was HBO noch im TV weitgehend erfolgreich vormacht, wird im Web deutlich einfacher und zugleich umfassender realisierbar – nicht nur für die großen Sender, sondern vor allem auch für Kreative selbst. Dave Sim hat vor einigen Dekaden begonnen, das creator-owned-publishing von Comics vorzuleben, das Web und die modernen Produktionstechnologien ermöglicht es jetzt den Autoren, Regisseuren und Machern selbst, mit eigenen Produktionsfirmen als Start-Up zu eigenen Online-Sendern zu mutieren, sei es über Deals mit iTunes oder direkt über die eigene Site. Hier ist die Chance, sich auch im Langformat einer Serie vom Moloch TV zu lösen und – wie im Film – zu einer Trennung von «großen» Produktionsfirmen und «Indies» zu kommen, die die besseren, mutigeren Stoffe mit weniger Budget aber mehr Freiheit realisieren… und wie im Filmbereich dürfte auch hier ein reger Crossover zwischen beiden Bereichen herrschen. Schaut man sich an, dass viele Cash-Cows der Filmindustrie bereits heute ihr Handwerk in TV-Serien erlernt haben, wird einem schnell klar, wie lebhaft sich Film und Indie-Web-Serien gegenseitig befruchten dürften.

Das Seriensterben in den USA bringt eine der wenigen halbwegs nativen Kulturleistungen der USA ins Wanken – die Langzeitnarration in Form von Comics und TV-Serien. Aber tatsächlich ist es kein Aufbruchssignal, über bestehende Kommunikationsstrukturen nachzudenken, bevor die Symptome noch ernsthafter werden. Endlose Casting- und Trash-Shows sind kein Ausweg. Ein Ausweg wäre aber, wenn die Leute, die eine Geschichte zu erzählen haben, sich neuer Wege bemächtigen, diese zu vermitteln. Man stelle sich vor, ein Bryan Fuller, ein JJ Abrams oder ein Joss Whedon würden mit einer guten Crew online loslegen (erste Ansätze gibt es ja inzwischen), ordentlich vorfinanziert, als Crossoverprojekt aus (Web)-Serie, Comic, Merchandise, Film, Buch und und und… um ganz ohne Kompromisse der eigenen Vision folgend im großen Stil Geschichten erzählen zu können. Es wäre die nächste Evolutionstufe – und zugleich die Vorbedingung für den nächsten Schritt, ein vollwertiges, interaktives, dynamisches Erzählmedium, das kollektive Gruppennarration, Einwirken in die Erzählung, also Teilhabe zulässt, eine neue und offene Struktur von Storytelling, die mehrere Enden und Bifurkationen zulässt. Bei Lost ist diese Teilhabe – in Form eines komplexen Dialogs zwischen Autoren und Zuschauern und einer wahren Deutungsorgie von Hinweisen in der Serie – bereits in Gang, die tatsächliche Leistung der Serie ist, dass sie primär nicht mehr an sich unterhält, sondern selbst Anlass zur Unterhaltung schafft, anregt statt abstumpft, kaleidoskopisch statt eindimensional ist – im Grunde ist Lost bereits längst mehr ein Onlinephänomen als eine herkömmliche TV-Serie. Die Frage ist nur, wie man den Enthusiasmus der Fans in Geld umwandeln kann, eine Transformation, die aber nicht mehr über herkömmliche TV-Kanäle funktionieren kann, sondern (auf ganz unterschiedlichen Wegen) perfekt über das Internet (oder als jeweilige Kanal-App fürs iPad usw bzw über einen eigenen Sender-Bereich bei iTunes). Mittelfristig, keine Frage, lassen sich hier Summen verdienen, an die jetzige TV-Serien werbefinanziert nicht heranreichen. Und zugleich lassen sich preiswert kleine Konzepte entwickeln, als «Playground» für den kreativen Talente-Nachwuchs.

Gute Aussichten also, wenn nur jemand endlich den ersten wirklich erfolgreichen Schritt auf den neuen Kontinent machen würde.

Vielleicht sollte David Lynch sich eben doch noch mal an Twin Peaks setzen und ein zweites Mal eine Revolution stiften.

Comics iPad Copyright

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Die Comicbranche ist im Umbruch. Und nimmt, weil es ein schnell lesbares, «burst»-Medium ist, ein Zwitter zwischen Bild und Text, wie gemacht für eReading, die Entwicklung, die Büchern und Zeitschriften bevorstehen könnte, exemplarisch und hyperbeschleunigt vorweg…. Newsarama hat ein paar Stimmen dazu eingefangen – und zeichnet ein Bild, das so vielversprechend wie düster ist.

«I think they’re going to face the same sad fate of many small book stores, CD shops, and movie rental places». .. «Some will survive, that’s clear, but I think most won’t. I can’t see how trends of this size get reversed.» … «There is a market for this stuff, and it’s being served… “The real problem here is that it’s being served illegally and Marvel and DC (and many, many smaller publishers) are missing out on that money.»

Mehr hier.  

Flash Gordon and the Apple of Doom

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Ich wüßte zu gern, was Adobe Steve Jobs getan hat, dass er jetzt auch noch – offenbar nervös werdend angesichts der lauter werdenden Kritik an Apples Umgang mit Flash auf dem iPhone/iPad und anscheinend auch im Angesicht des neuen Flash 10.1-Betas – sogar einen offenen Brief schreibt, um Adobes Online-Technologie zu attackieren.

Jobs Kritik an Flash:

1) Offenheit. Jobs kritisiert, das Flash ein geschlossenes System ist. Was natürlich nicht stimmt – es gibt zig Tools, mit denen sich Flash-Content erzeugen lässt. Während ich selbst auch denke, Adobe hätte gut daran getan, die Software in ein OpenSource-Projekt umzuwandeln und selbst eben nur die besten Editor-Tools anzubieten, wirkt diese Kritik etwas bizarr von einer Firma, von deren iPods man Musik kaum jemals wieder runterkriegt (außer mit speziellen Softwares) und deren iPhone man förmlich knacken muss, um seine Funktionalität voll ausreizen zu können. Niemand darf sich weniger über «closed systems» beschweren als Apple, die eines der wasserdichtesten Systeme schlechthin anbieten mit iTunes und iPhone/iPad. Sein Argument, dass alles, was mit dem Web zu tun habe, «offen» sein solle, ist fast unwirklich bei der Firma, die den Weg dafür ebnet, an sich unbezahlte Web-Inhalte auf der iPhone-Plattform zu kommerzialisieren.

2) H.264 ist doch super. Anstatt Flash-Video könnte man doch auch prima das von Apple preferierte H.264-Codec benutzen. Mit der gleichen Logik kann das iPad/iPhone Formate wie AVI nicht, die ja auch kaum benutzt werden. Die Tatsache, dass die Anbieter unter dem Druck von Apple tatsächlich auf H.264 umstellen, ist eigentlich eher das unglaubliche. Wie kann man einerseits ein «offenes Web» fordern und andererseits vorschreiben, welche Codecs denn «die richtigen» sind.

3) Sicherheit/Batterie/Leistung. Hierzu müsste man sich Flash 10.1 genauer ansehen, für den alten Player trifft das absolut zu – aber anstatt zu nörgeln, sollte man nicht einfach mit Adobe zusammenarbeiten um Flash für die iPhone-Plattform funktional aufzustellen? Keine Frage, Adobe hat seit einiger Zeit auf OS X Performanceprobleme und kommt mit Apples Sprung auf 64 bit nicht mit, wechselt erst jetzt mit CS5 auf Cocoa und so weiter. Dieser Punkt ist bisher absolut richtig – sinnvoll wäre aber, Adobe ins Boot zu holen und zu unterstützen, vielleicht sogar zu motivieren, die Flash-Technologie zu öffnen. Wenn es nur um mangelnde Sicherheit und Leistung geht, sollte Apple sich mal ein paar eigene Angebote (*hust* Mobile.me *hust*) ansehen und im eigenen Stall mit dem Flammenwerfer kehren.

4) No Touching please. Ist seit Flash 10.1 eigentlich auch kein Thema mehr, da 10.1 multitouchfähig ist, wie viele Demo-Videos bewiesen haben. Und nebenbei, für Websites wäre das ja egal – ist keineswegs so, dass HTML für Touch ausgelegt wäre. Was sich per Maus bedienen lässt, lässt sich auch Finger bedienen, oder? Ich befürchte fast eher, dass reine Flash-Sites in der speziellen Art, wie Safari das Web abbildet, nicht sauber funktionieren würden (Zoom auf Textbreite usw) – aber das wäre ein sekundäres Problem, das man mit Adobe sicher lösen könnte. Wenn man nur wollte.

Was Jobs unterschlägt ist, das Flash qua Action-Script deutlich mehr ist als ein Animations- oder Video-Abspieltool (ich hab nie ganz verstanden, wieso sich FLV so durchgesetzt hat, kein sonderlich gutes Format), sondern eine hochkomplexe Umgebung, in der sich immersive und vom Absender grundlegend kontrollierbare Sites und Anwendungen erstellen lassen, die mit HTML so nicht näherungsweise zu verwirklichen sind. Welche Möglichkeiten Flash – voll ausgereizt – auf einem mobilen Device bieten würde, ist gänzlich offen, aber durchaus extrem vielversprechend. Aus Designersicht ist Flash so viel mächtiger als HTML, dass es fast unwirklich ist. Und ja, es gibt 90% miese Flash-Sites – aber ist das bei HTML nicht ganz genau so?

Auf der anderen Seite darf Adobe sich zu Recht Sorgen machen. Was Apple zurücklässt, hat schlechte Zukunftschancen. Dass der erste «neue» iMac keine Floppy mehr bot, führte zu einem Aufschrei, vor einigen Tagen hat Sony endgültig die Produktion eingestellt. Der CD und DVD dürften ähnliche Effekte bevorstehen. Auch bei Firewire und USB hat Apple Deutungsmacht. Bei HDMI/MiniDP wird man abwarten müssen, da steht Apples «No» einer massiven Front von Anbietern im Unterhaltungsbereich gegenüber. Für Adobe wird in Zukunft entscheidend sein, ob andere Anbieter Flash massiv unterstützen. Wenn Android – sicher in Zukunft die große Alternative zu OSX – Flash unterstützt und die Ergebnisse gut sind, kann Adobe mit der in der CD5-Suite extrem verankerten und leichten Erstellung interaktiver Inhalte sicherlich punkten. Apple dominiert mit dem iPhone und dem iPad derzeit den mobilen Markt wie selten ein Anbieter zuvor – aber das Beispiel Nokia sollte deutlich machen, wie schnell solche Vormachtsstellungen vorbei sein können. Und Google ist kein Leichtgewicht, im Gegenteil, ein Pad von Google dürfte eine große Alternative für viele User sein – gerade Windows-User -, die vielleicht keine Lust haben, ein Pad nur benutzen zu können, wenn sie gleichzeitig auch einen PC haben müssen, um es überhaupt erst einmal in Betrieb nehmen zu können. Ein völlig autarkes Gerät, das mit dem ersten Einschalten funktioniert, leicht zu bedienen ist und dem großen (aber unattraktiven) Angebot von Google eine ansehnliche Form verleiht, könnte Apples Arroganz schnell ein Ende bereiten.

Steve Jobs hat sich die Zeit genommen, einer Firma, die ihm in einem entscheidenden Moment seiner Karriere nicht geholfen hat, in die Seite zu treten. Mag sein, dass dahinter ein größerer Plan steckt – etwa, Adobe aufzukaufen -, mag sein, dass er Flash nur einfach wirklich nicht mag oder versteht. Mag sein, dass Jobs in Flash nur zu Recht ein Konkurrenzangebot zu Inhalten aus dem eigenen iTunes-Store sieht. Sicher aber ist, dass es schlechtes Karma ist, so zuzutreten und einer anderen Firma so offensichtlich und so rücksichtslos den Fuß auf die Gurgel zu stellen, vor allem angesichts der enorm wachsenden Frustration bei Adobe. Das ist einfach schlechtes Karma – Apple sollte sich im Moment des Erfolges großzügiger und offener zeigen und mit Adobe kooperieren. Zumindest aber sollte die Firma erwachsen genug sein, um die Käufer entscheiden zu lassen, ob man ein Plug-In laufen lässt oder nicht – es wäre ein einfacher Klick in den Systemeinstellungen des iPhone (FLASH OFF/ON), wie man ihn bei Bluetooth usw. ja auch hat. Denn Bluetooth ist auch eine Batteriefresser… aber ich kann es abschalten, wenn ich es nicht brauche und aktivieren, wenn es gebraucht wird. So wie es sein sollte. Bei OS X kann ich via Click to Flash ja auch entscheiden, wann ich auf Flash verzichten will und wann nicht. Das wäre mit Flash 10.1 und dem iPhone sicherlich auch zu realisieren. Alle logischen Argumente gegen Flash werden in dem Moment sinnlos, wo Jobs nicht argumentiert und mir als Nutzer die Entscheidungsfreiheit gibt, sondern dogmatisch eine existierende Webtechnologie mit 95% Verbreitung einfach kategorisch ausschließt. Für Entwickler und Programmierer ist Apple in den letzten Monat eine rätselhafte, frustrierende, bevormundende Erfahrung gewesen… hier wäre der richtige Zeitpunkt, sich zu öffnen, bevor es zu spät ist.

OS4 – wirklich die Zukunft?

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Eins kann man sagen: Apple arbeitet wie ein Schweizer Uhrwerk. Pünktlich nach einem Jahr wird das neue Betriebssystem des iPhone vorgestellt, im Sommer dürfte dann die Hardware dazu folgen und das Update erscheinen, mehr oder minder auch ein Jahr nach dem iPhone 3Gs. Große Überraschungen dürfte es heute abend nicht geben – das längst überfällige Multitasking, kleine OS-Kosmetik, vielleicht ein Happen mehr Bluetooth, iAd finde ich persönlich eher einen Schritt in die falsche Richtung… und Benutzer von jailbroken iphones werden wieder den Kopf schütteln, warum wie «normalen» User sich diese Politik bieten lassen, wenn die entfesselten Versionen des iPhone mit dem Cydia-Store längst deutlich mehr Funktionalität bieten.

Es wird in letzter Zeit recht erkennbar, dass Apple sich wie Quark und Adobe derzeit verrennt. Davon können auch explodierende Aktienkurse und Umsatzzahlen nicht ablenken. Apple entwickelt mit dem iPad und dem iPhone ein geschlossenes System, das sogar mit sich selbst zunehmend inkompatibel wird und das den User gängelt und einengt – und das hat noch keiner Firma langfristig gutgetan. Bluray, HDMI an den Desktopgeräten und Laptops wegzulassen sind solche Entscheidungen, aber auch und drastischer die operative Entfernung aller Flash-Inhalte aus dem Web via iPhone/Pad oder die restriktive AppStore-Politik, die zum Beispiel alternative Videoplayer wie VLC untersagt. Was fürs iPhone gerade eben noch akzeptabel war, auf dem iPad aber gar nicht mehr. Ich denke, die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Leute das iPad jailbreaken, dürfte groß sein, denn auf dieser Plattform sind die Handschellen, die Apple den Usern verpasst, wahrscheinlich deutlich stärker spürbar. Allein das Sync via iTunes klingt sinnlos, es gibt keinen Finder, es braucht dringend eine Möglichkeit, AVI und MPG usw abzuspielen… da dürfte sehr schnell sehr viel passieren, es sei denn Apple reagiert und öffnet sich den Wünschen der User.

Tatsache ist ja, dass es in Cydia mit Lockinfo einen Startbildschirm gibt, auf den reguläre User schon eine Weile warten, Multitasking ist längst gegeben, einfach An- und Abschalten von BT ebenfalls. Die Hacker, mit anderen Worten, und die Bastler, sind weiter als Apple selbst. Solche Inkongruenz geht eine Weile gut, zumal Apple ja alles tut, um den Jailbreak kompliziert zu machen und der Apple-User als solcher ja nicht unbedingt der Hacker-Typus ist. Aber langfristig, je mehr das iPhone zum Alltagsgegenstand wird, werden die Benutzer mehr wollen als was Apple ihnen tröpfchenweise einmal im Jahr anbietet. Der große Vorteil der Windows-Plattform ist lange Zeit der modulare, relativ offene Charakter gewesen – Windows an sich war Dreck, aber man konnte es recht gut modifizieren. Apple hingegen setzt auf eine Strategie, die ein extrem unkompliziertes aber dafür auch völlig unmodifizierbares Blackbox-System anbietet, das inzwischen weniger und weniger am Verbraucher orientiert ist sondern an anderen Interessen von Apple, an Kooperationen, am iTunes-Absatz, an persönlichen Animositäten mit anderen Firmen. Solche aus der Arroganz des Erfolgs geborenen Monopolstrategien gehen nur solange gut, wie keinerlei Konkurrenz in Sicht ist – und man hat gesehen, wie es Quark erging, als InDesign aufkam, und man sieht, wie es derzeit Adobe ergeht, die ähnlich erstarrt sind wie Quark vor ihnen.

Denn es wimmelt ja rund um das iPhone von Dingen, die die meisten normalen User irgendwann nicht mehr mitmachen dürften. Warum kann ich mit dem iPhone/Pad keine Flash-Websites besuchen, aber auch kein WMV, AVI, MPG usw. abspielen? Warum passt der VGA-iPad-Adapter nicht an das iPhone? Warum kann ich mit dem iPad nicht via iPhone online gehen? Warum kann ich Tracks auf dem iPhone nicht mit jedem beliebigen iTunes abspielen? Warum synct iTunes Playlisten auf verschiedenen Geräten nicht via WLAN und 3G? Und so weiter – die Liste ist lang.

Wenn wir heute Abend also einen «Blick in die Zukunft des iPhone OS» werfen, ist paradoxerweise das Gegenteil der Fall. Apple wird noch mehr aus einer Hand anzubieten versuchen und eine Monopolkonfiguration als Anbieter von Hardware, Software und Mediencontent aus einer Hand anstreben – jetzt auch noch als Werbeplattform mit iAd. Die Zukunft des iPhone wird aber sein, dass sich mehr und mehr Entwickler von den absurden Vorgaben im AppStore abwenden und auf eine offene Plattform setzen, sei es ein jailbroken OS, sei es Android. Die meisten Windows-User haben von den Vorteilen des geschlossenen Apple-Systems ohnehin wenig (wie viel weniger Spaß macht das iPhone schon ohne mobile.me, oder ohne zwei drei andere Macs, mit denen es kommunizieren kann? Im Grunde nimmt das iPhone ja das Internet der Dinge vorweg) und werden irgendwann entweder ganz die Plattform wechseln oder nach Lösungen suchen, um ihre avi-Filmchen auch mobil sehen zu können, ohne sie alle nach h.264 konvertieren zu müssen.

Tatsächlich hat mit Einführung des iPad ein Countdown begonnen, ein Shift gegen Apple – die Firma bedient langsam aber sicher nicht mehr einen kleinen Pool von Nerds, sondern eine große Massenzielgruppe, wenn auch (noch) im Highend-Segment. Kein BMW-Fahrer würde es sich bieten lassen, wenn in seinem 5er NUR das BMW-Navigationssystem laufen dürfe und ein TomTom-System einfach verboten wäre. Kein Bulthaup-Küchen-Nutzer würde sich von Bulthaup vorschreiben lassen, welche Messer er benutzen darf, oder welche Gewürze und Nudeln. Auch Fair-Play-Töpfe, die als einzige auf einem Siemens-Herd funktionieren, während alle anderen Töpfe leider nicht angenommen werden und die Herdplatten kalt bleiben, wären undenkbar, ebenso die Idee, dass ein Siemens-Mitarbeiter zu dir nach Hause kommt und deine Mikrowelle demontiert, weil sie leider die Funktionalität des Backofen «doppelt». Aber genau so funktioniert die derzeitige Apple-Politik.

Mit «Zukunft» hat das wenig zu tun. Ganz im Gegenteil, es ist Oligarchentum der übelsten Schule, und damit eher die Vergangenheit. Bleibt zu hoffen, dass Apple möglichst bald die Strategie ändert und sich offenere Strukturen verleiht, raus aus der paranoiden, altrussischen Verbohrtheit kommt und dem Nutzer mehr Macht gibt. Ansonsten kann es mit der Firma schneller vorbei sein, als man heute glauben mag. Es wäre ja schon einmal fast in den 90ern passiert.

Der Spiegel und das iPad

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Wer bei Spiegel Online über das iPad liest, wundert sich, denn es wimmelt dort nur so von Superlativen, die Apples neuem Gadget eine fast atemlos orgiastische Liebeserklärung hinlegen, die so gar nicht zu früheren eher Apple-kritischen Artikeln des Hamburger Blattes, das ja eher für seinen unbestechlichen Journalismus bekannt sein möchte, klingen.

Einige Beispiele:
besser, schöner, atemberaubender
nach wenigen Minuten will man ohne es nicht mehr leben  
Nirwana
Wunderapparat
auf Anhieb eine Revolution, eine Zeitenwende
sanfte, matt-metallene Rückfläche
Eleganz der schwarzen Hardware
großzügige Layout
enorm viel schneller
Websites öffnen sich in Sekunden
nach zwölf Stunden gerade mal etwas mehr als die Hälfte der Batterie verbraucht
rasante Prozessor-Geschwindigkeit
phantastische High-Resolution-Display
Bildqualität, an die kein iPhone, kein MacBook und auch kein großer Mac herankommt
spektakulärste iPad-App ist iBooks
strahlender, heller, realer
Fotos erscheinen auf dem iPad so klar und plastisch wie rückbeleuchtete Dias
Das iPad könnte nun seine neue Hoffnung sein

Auch wenn es hier und da leicht kritische Untertöne gibt – jeweils sofort korrigiert durch einen rosigen Blick in die Zukunft -, liest der Artikel sich alles in allem so, als habe ihn ein Apple-Marketing-Team persönlich zusammengeschrieben. Selbst dezidierte Apple-Nerd-Sites wie Engadget oder TUAW kriegen das mit mehr Distanz und Fingerspitzengefühl hin und können dem iPad deutlich kritischer und differenzierter begegnen als ausgerechnet der Spiegel und lassen es zum Beispiel im Vergleich mit dem Kindle nicht ungeschoren oder geben sich wenigstens die Mühe, technische Daten – die Apple selbst nicht liefert – herauszufinden. Und im Gegensatz zum Spiegel weisen die meisten Sites darauf hin, dass das 4:3-Display des iPad eben alles andere als ideal für Filme ist, und wo der Spiegel die Gewissheit hernimmt, dass ein HD-Film auf einem 1024×768-Display besser wirken will als auf, sagen wir, einem 27″-iMac-Display, ist mir ein Rätsel. Bei aller allgemeinen Begeisterung über das neue Spielzeug, gibt es reichlich kritische Kommentare zu dem Fehlen von Flash, Multitasking und Kamera, zu der Unhandlichkeit des Geräts beim Schreiben, zum Gewicht, zu mangelnden Output-Optionen, zu der Tatsache, dass Apple jede Menge Adapter überteuert einzeln verkauft und so weiter… Wie kommt es also, dass ausgerechnet der Spiegel so hüperhüper ist?

Und dann schaut man auf die deutsche Apple.de-Site und findet dort die Antwort: auf dem iPad direkt auf der Hersteller-Site ist als ein premium-Inhalt der iPad eben Spiegel Online gefeatured, denn der Spiegel ist in Deutschland ein essentieller Mediapartner von Apple, verkauft seine App auf der iPhone/iPad-Plattform und hofft, hier einen Contentvertrieb für seine diversen Inhalte gefunden zu haben. Im Grunde ist dieser Kniff von Apple genial – wie sollen WallStreetJournal, NYT, Spiegel, Bild usw. diesem Produkt noch kritisch gegenüberstehen, wenn der Hersteller zugleich ein absolut essentieller Vertriebspartner geworden ist, mit dem man eine strategische Partnerschaft eingegangen ist und der es wie kein zweiter versteht, Partner gegeneinander auszuspielen? Wen wundert es da noch, dass das Time-Magazine Jobs gleich auf das Cover holt und dem iPad nicht nur einen weiten Bereich des Heftes widmet, sondern auch noch Apple per se feiert?

Keine Frage, Apple hat es binnen einer Dekade geschafft, vom fast untergegangenen Unternehmen zur globalen Megabrand zu werden und ist gerade im Begriff, die allgemeine Vorstellung von Computernutzung neu zu definieren – aber gerade große Marken wie Nike, McDonalds, Google oder eben Apple brauchen einen ebenso kritischen Journalismus, der die Markenpolitik beobachtet, korrigiert und erdet. Die gar nicht mehr so leise Arroganz von Apple im Verhältnis zu BluRay, HDMI, Adobe, Google oder Amazon ist in den letzten beiden Jahren, oft zum Nachteil der Benutzer, sehr deutlich geworden, und wenn die Marke derzeit eins gar nicht braucht, dann Ticker-Tape-Paraden und teenagerhaftes Jubelgekreische, sondern einen kritischen Blick auf die oft solipsistische Firmenpolitik, auf die bei aller großartigen Innovation oft leidende Qualität im Detail, auf die monopolistischen Strategien der Marke. Anders gesagt: Das Jubeln darf den Apple-Fans überlassen werden, die Presse sollte kritische Distanz wahren. Denn wenn es anfängt, umgekehrt zu werden, muss Apple sich eigentlich eher Sorgen machen.

Typographie und iPad

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Einer der traurigen Aspekte des iPads – und aller eBook-Readers – ist, dass die Typographie von den Händen des Gestalters in die des Users überwechselt, und die des Hardware-Herstellers, in dessen System eben nicht Sabons und Bembos, sondern Verdana, Arial, Times und bestenfalls Georgia angeboten werden. Nimmt man dazu falsche Kapitälchen, Blocksatz und einen fluiden Umbruch, der den Text den jeweiligen Bildschirmbedingungen anpasst, ist das Ergebnis ein typographischer Alptraum. Gerade als Leser amerikanischer Bücher ist man ja nicht allzu verwöhnt, und viele neue Bücher aus Deutschland haben teilweise auch einen Blocksatz und Umbruch aus der Hölle, aber die «Bücher» auf dem iPad ähneln eher schlecht gestalteten Homepages aus den frühen 90ern. Ich hoffe, dass es bald Möglichkeiten geben wird, in eBooks verbindliche Schriften einzubingen und typographische Opentype-Features zu nutzen. Denn so, wie das auf Apples Preview-Video aussieht, ist das bestenfalls eine Kompromisslösung, nichts, was mir beim Lesen Spaß bereiten würde.

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Polaroid: Mission Impossible?

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Von ehemaligen Mitarbeitern betrieben, bietet das Impossible Project, oft in streng limitierten Editionen, Kameras und spezielle Filme direkt im Online-Shop an, die den Genuss des Analogen in den Mittelpunkt stellen und den stets etwas unsicheren und seltsamen Polaroidfilm nicht als Verwackelbild-Kompromiss aus den 70ern, sondern als Kunstgenerator sehen – dafür sprechen nicht zuletzt die vielen Filme im Type100-Format, die eher für Rückenteile (und natürlich die Holgaroid) konzipiert sind und sich an Profis wenden. Aber auch für Retro-Nerds, die Filme für ihre SX-70 suchen, ist reichlich kreatives Filmmaterial (zu selbstverständlich horrenden Preisen) vorhanden. Die Tatsache, dass anscheinend der halbe Shop derzeit «Out of Stock» ist, mag da ja einiges an Hoffnung machen, dass der etwas hippere und deutlich besser gestaltete Ansatz funktionieren dürfte. Ich drücke die Daumen!

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Die Magie der Mechanik

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Wir werden es in den kommenden Jahren mehr und mehr vergessen, aber das prä-digitale Zeitalter mechanischer Meisterwerke zwischen dem ersten Weltkrieg und den siebziger Jahren hat atemberaubende, wunderschöne Kunstwerke praktischen Designs hervorgebracht, in denen nicht Steuersignale und Platinen, Software und Code, sondern Rädchen, Knöpfe, Relais und Scharniere die Morphologie der Geräte bestimmte. Geräte, die noch Geräusche machten, Geräte, die sperrig und unfunktional waren und die vor allem eine eigene Oberfläche und Haptik aufwiesen, die feine Zahnung von Einstellschrauben, die matte Oberfläche von Plastik, warmes Leder. In wenigen Jahren werden solche Geräte – es beginnt schon längst – Fetische sein, so wie heute Füllfederhalter oder Uhren, ebenfalls Vermächtnisse dieser untergehenden Zeit. Wir werden uns darüber wundern, dass die Dinge abnutzen und kaputtgehen können, zustauben oder verklemmen, nicht durch ein Software-Bugfix wieder ins Laufen kommen, durch ein Firmware-Upgrade erneuerbar und modernisierbar sind, sondern wie wir selbst zu altern scheinen. Und wir werden dieses Alter in einer Welt voller alterungsloser Software lieben lernen – wir werden wie Statussymbole alte Kameras – echte natürlich – benutzen, für die jeder Film ein Vermögen kosten wird. IBM-Schreibmaschinen, alte Braun-Hifianlagen, analoge Uhrensysteme, Revox-Bandmaschinen – was früher in fast jedem Wohnzimmer steht, wird bald eine fast museale Aura erfahren: Relikte aus einer Vergangenheit, in der wir die Dinge noch mit unseren Händen gebaut und bedient haben.

Photo: Wikipedia

ComicZeal auf dem iPad

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Bitolithic, die Macher der genialen iPhone-App ComicZeal (dem besten Comicreader bisher) preschen vor und haben ComicZeal bereits für das iPad umgebaut, ohne das Gerät tatsächlich in den Händen zu halten. Sie stellen es auf ihren Blog vor – und es sieht absolut phantastisch aus. Ich denke mehr noch als Magazine und Zeitungen oder Bücher werden Comics auf dem iPad einfach Spaß machen, und dieser Preview zeigt, wie sinnvoll ein iPhone mit Mehr Bildschirm einfach sein kann. Vorbildlich scheint mir, dass es so klingt, als würde bei Bitolithic langfristig ComicZeal für iPad und iPhone als eine Applikation für beide Geräte verkaufen. Da ich die Idee nicht besonders mag, mit dem iPad für alle Applikationen in Zukunft doppelt zu bezahlen, finde ich diesen Ansatz einer kombinierten App wegweisend.

Tanner

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Dieser Video
zeigt sehr schön, was mit der Canon EOS 5D Mark II in Sachen Video gehen kann. Was der Kamera noch fehlt ist ein ordentlicher Audiosync, um mehrere Bildquellen mit einer Audiospur absolut verlässlich zusammenzubringen. In Sachen Flair und Atmophäre ist die 5DII vielen DV-Kameras jedoch weit voraus. Ich sage einen Boom an preiswert gemachten aber tollen Videos voraus – die Plattformen dafür sind online da, die Software schon lange, die Hardware jetzt auch in bisher unvorstellbaren preissegmenten – alles was jetzt noch fehlt sind engagierte Macher mit Phantasie und zuviel Zeit, die einfach rausgehen und tolle Filme machen. Was die digitale Revolution der späten 80er und frühen 90er fürs Design bedeutete, dürfte jetzt beim Bewegtbild kommen. Ich bin gespannt.

via Marc.

Swanko Lab

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Die Macher der inzwischen ja hochgradig phantastischen Hipstamatic-App für das iphone haben etwas neues ausgeheckt: Swankolab. So wie die Hipsta eine alte Kamera emuliert, ahmt Swankolab offenbar eine komplette virtuelle Dunkelkammer nach, komplett mit Chemikalien, Timer und allen anderen Details. Dabei dürften am Ende wahrscheinlich auch nicht andere Effekte herumkommen als mit normaleren Filtern, das bearbeiten dürfte aber – eben analog zum Feeling der Hipstamatic – einen spielerischen Aspekt bekommen. Aussehen tut das Ganze jedenfalls absolut phantastisch, erscheinen soll es im April – ich bin gespannt. Immerhin mal jemand, der nicht wegen des iPad nahezu jede Weiterentwicklung für das iPhone auf Eis legt, sondern mit einer großartigen neuen Idee kommt. Ich kann alle Leute verstehen, die das «echte Analoge» für unersetzbar halten, aber so wie ich auch Emulationen alter Drummachines und Synthesizer im Westentaschenformat mag, so ist auch diese Idee ausgesprochen witzig.

BassJump

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Eines der großen Probleme mit dem MacBook und MacBookPro ist der relativ schlechte Klang des Gerätes. Seit meinem uralten Toshiba-Laptop gab es eigentlich kein Laptop mehr, egal ob Windows oder OS X, das an sich einen halbwegs brauchbaren, klaren, lauten und halbwegs mit Bass versehenen Klang abgibt. Das bedeutet leider, dass man etwa bei Präsentationen teilweise ein komplettes externes Speakerkit mitbringt, um Video und Klang halbwegs druckvoll aufführen zu können. Das MacBookPro etwa hat einen grässlich höhenzergeligen Klang, der an sich kaum zu ertragen ist und mit dem man auf Reisen nicht mal ein Hotelzimmer beschallen mag. Das alles ändert absolut nachhaltig der BassJump von Twelvesouth.

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Das Gerät wird einfach, ohne Stromanschluß, mit einem normalen USB-Minikabel angeschlossen und funktioniert auch über die USB-Weiterleitung des speziell auf das MacBook zugeschnittenen 24″-Displays einwandfrei. Im Grunde versteckt sich in dem Aluminiumgehäuse nichts weiter als ein Subwoofer, der über eine spezielle Weichen-Software angesprochen effektiv ein 2.1-System ergibt, bei dem Bass-Signale aus dem BassJump kommen, Höhen und Mitten aus den beiden Speakern am MacBook.

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Die einfach zu installierende Software bietet einige Optionen (Lautstärke, Frequenztrennung) und ist nach kürzester Einstellung ideal abgestimmt für den eigenen Geschmack (die Presets sind eher schlecht, wie ich finde) und der drastische Soundunterschied kann in Echtzeit wahrgenommen werden, indem man in den Systemeinstellungen oder via Menüleiste den durch einen kleinen VU-Meter angezeigten Treiber aktiviert oder deaktiviert. Um es ganz klar zu sagen: Der Klangunterschied ist beeindruckend. Zwar ersetzt der kleine Subwoofer sicherlich kein teures Logitech-System mit großem Basswürfel, aber für eine Lösung, die in jede bessere Tasche passt, ist der Gewinn an Klarheit, Tiefe, Bass, Dimension und Zeichnung der Musik unglaublich. Für Reisen, Präsentationen, ein bisschen Musik unterwegs und so weiter – ist der Bassjump die absolut beste Lösung, um das Macbook zu erweitern. Dass man dabei auf eine Softwarelösung setzt und die Hardware somit nur auf eine spezifische Plattform abgestimmt ist, mag zunächst beunruhigen, aber für 79 Euro muss es ja auch nicht die Lösung für immer und ewig sein. Elegant, mobil und mit einem ordentlichen Kick in den Frequenzen, die am MacBook sonst verloren gehen, ist der BassJump die Sorte Zubehör, die man sich unbedingt näher anschauen (und -hören) sollte.

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Der Beginn der Äthergesellschaft

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Schon wieder der iPad, der nicht nur hier, sondern ja auch auf Twitter gerade monothematisch bei mir ist – aber ich stieß heute morgen auf einen Tweet von Erik Spiekermann, der als Reaktion auf die plötzliche Apple-ist-gefährlicher-als-Google-Welle den iPad als eine Art Fernseher bezeichnet, den man zudem ja durchaus nicht kaufen müssen.

Zum einen werden ihn ganz viele Leute nicht kaufen. Apple gewinnt mit iPod, -Phone und eventuell auch dem -Pad an Boden, ist aber immer noch kein Massenprodukt, einfach von der Preisstruktur her. Es wird billigere Pads geben, die die bei Windows und Linux offeneren Vertriebswege anbieten werden und nicht glorifizierte Verkaufsbuden für iTunes sind. Zum anderen ist tatsächlich beachtenswert, mit welcher Verve Jobs – dem man vielleicht zu Recht unterstellt, hier seinen Abgang von öffentlicher Präsentation bei Apple abgeliefert zu haben – derzeit nahezu jeden großen Namen  seiner Branche disst. Microsoft seit eh und je, aber in der Keynote gab es einen unter die Gürtellinie gehenden Vergleich zwischen dem Kindle und dem iPad, der Bezos sicher nicht glücklich gemacht hat, und kurz darauf erklärt Jobs Google als Böse und Adobe als faul, denen der Umgang mit Carbon und vor allem Flash derzeit auch nicht allzusehr gefallen dürfte. Jobs Schläge gegen HDMI und BluRay bei der MacBook-Präsentation noch frisch in Erinnerung, darf man sich fragen, wie ausgeprägt der Größenwahn in Cupertino inzwischen ausgefallen ist oder ob Jobs und Co nur die These des «Viel Feind, viel Ehr» auf die Spitze treiben wollen. Als Consumer will ich möglichst offene und kompatible Systeme, die miteinander auskommen und austauschbar sind – und Apple driftet, bei aller Genialität der Produkte, langsam aber sicher zurück in die Inselmentalität der 90er. Das ist ganz akut aufgrund der schieren Marktmacht sicher gut durchhaltbar, langfristig aber an sich keine für den Kunden akzeptable Lösung, weil sie immer wieder – uns schon seit Einführung des ersten iPod – zu massiven Interessenkonflikten und absichtlich funktionsbeschnittener Hardware führt.

Zentral ist aber, dass Erik dem iPad vielleicht etwas Unrecht tut, wenn er es als eine Art Mini-TV abtut. Tatsächlich ist das Pad bei allen Mängeln und v1.0-Problemen ein Paradigmenwechsel oder vielmehr die konsequente Deklination des stattgefundenen Wechsels mit dem 3G-iphone, der aber mit dem Pad erst richtig greifbar wird. Bereits mit dem 3G iphone ist das Internet von einem Ort, in dem man sich einloggt, zu einem Äther geworden, der einen permanent umgibt. Mit dem iphone, idealerweise (in der Realität scheitert es am crappy UTMS-Netz), ist man immer bereits im Internet und verlässt es nicht mehr. Man ist immer sozusagen mitten IN Googleville. Dieser Wechsel – ebenso wie der zu einer direkten Interaktion via Touchscreen, was in Sachen Interface ebenfalls ein Quantensprung ist, dessen Konsequenzen noch gar nicht zu Ende gedacht sind -, der so klein und bescheiden in Form eines «Telefons» daherkommt, nimmt mit dem iPad auf dem Sofa und Konferenztisch, aber auch auf dem Küchenschrank und im Bett seinen Platz ein. Der Rechner als solcher existiert nicht mehr – als Idee eines Gerätes, das man einschaltet und gezielt benutzt, um damit zu arbeiten oder sich zu unterhalten. Er wird «überschrieben» durch ein Konvergenzmedium, das always on und always there ist. Alles noch sehr eingeschränkt – selbst bei angeblichen 10 Stunden Batterie – aber die Idee ist da: Ein «Computer», der keiner mehr ist, sondern so selbstverständlich wie eine Armbanduhr wird, so selbstverständlich wie eine elektronische Verlängerung der eigenen organischen Wahrnehmung. Das iPad ist die Vorstufe eines «eingebauten» Internets.

Wobei es – und damit wird eine alte Prophezeiung von mir wahr – das Web mit dem iPad in seiner bisherigen Form auch nicht mehr geben wird, oder nicht mehr lang. Aus drei Gründen. a) Erstens werden herkömmliche Homepages an Bedeutung verlieren und funktional ersetzt. Es ist heute eigentlich schon wichtiger, in der Sozialsphäre des Webs präsent zu sein als eine klassische Site zu haben. Facebook, Twitter, Youtube, Myspace, WordPress, Squarespace – das Angebot ist so groß, dass man nicht nur fast kein Webdesign mehr braucht, sondern eigentlich gar keine Homepage mehr. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen, zeichnet sich aber ab und wird sich intensivieren, wenn sich die Communties einerseits öffnen, andererseits Massenphänomen werden, ein Netz im Netz. Der geradezu atemberaubende Erfolg von Facebook in den letzten beiden Jahren sollte da für sich sprechen. b) Das Web wird als Konvergenzmedium alle anderen Medien vereinnahmen. TV, Radio, Buch, Theater, Musik – all das wird aus dem Äther kommen. Das Internet wird kein eigenes Medium mehr sein, sondern ein Äther. So wie wir bei Luft auch nicht mehr die molekulare Zusammensetzung hinterfragen, sondern einfach atmen, wird die Trennung im Web von Inhalten, Speichermöglichkeiten, Formaten zunehmend hinfällig werden (aus Usersicht!), es wird einfach nur bedeuten, Information und Medien jederzeit abrufbereit zu haben. c) Wir werden diesen Äther anders wahrnehmen. Das iPad ist der erste Schritt in diese neue Wahrnehmung. Bereits hier und beim iPhone sind die meisten Programme webbasiert und rufen ihren Inhalt quasi verdeckt von Servern ab. Als User aber nimmt man diese Programme – noch durch das mangelnde Multitasking und schlechte Rechenleistung sehr klobig – eher als Sprung zwischen Sendern oder Tätigkeiten wahr, die simultan sein werden, wenn man erst einmal die Power hat alle zentralen Apps gleichzeitig on zu haben. Wir werden also IMMER geocachen, immer Hinweise aus unserer Umwelt kriegen, immer Twittern/Facebooken/Flickrn, und das alles in Echtzeit. (Wenn ich heute höre, dass es Marketingleute gibt, die «Web2.0-Strategien» verkaufen, wird mir seltsam – es wirkt so, als würde jemand eine Strategie zum «Atmen» anbieten und vermarkten. Es gibt kein Web 2.0, es gibt schon gar keine Strategie, es gibt nur den Sprung in eine neue Form, über Kommunikation zu denken, sich loszulassen, sein Leben online abzubilden – und idealerweise non-manipulativ, was all die Strategen gern völlig außer Acht lassen… wer das Web als verlängerte Ladentheke oder interaktivere Visitenkarte begreift, hat’s noch nicht kapiert.)  Wir werden ohne Nachdenken Videoclips schauen, ohne dafür eine App zu starten, warten zu müssen oder ins «Web» zu gehen. Es wird alles einfach aus dem «Äther» eines extrem schnellen kabellosen Funknetzes gezogen werden. Zugleich wird sich die – stetig effektiver werdende – Hardware unseres «Pads» (und das ist hier nur die Metapher für ein Universalgadget, das eine Körper-Web-Schnittstelle darstellt) mit anderer Hardware mehr und mehr verzahnen. Bluetooth, vor allem RFID, und andere kabellose Technologien werden den gesamten Haushalt, unser Auto und natürlich auch den Körper nahtlos verzahnen. Wer jetzt schon sieht, dass eine Fakeware wie SleepCycle ein Verkaufsschlager wird, kan nsich ausmalen, was passiert, wenn iPhone/Pad TATSÄCHLICH physiologische Prozesse abbilden können und sich nachhaltig in unsere Gesundheit einmischen werden. Nike+ und das von Apple vorgestellte Blutdruck-API-Hardwaregerät sind hier nur ein Vorgeschmack. Das iPad ist das Gerät, dass unsere Vorstellung von «Computer» und «Internet» auflöst, zermahlt. Wer jetzt darüber nachdenkt, dass so eine «einfache» Gerätschaft ideal für die Großeltern sei, hat den Clou verstanden – das Pad ist der erste Computer, der relativ leistungsfähig GAR kein Computer mehr ist. Noch ist das Gerät klobig und funktioniert eher wie eine Art Fernbedienung, wo man für jeden «Kanal» (itunes, Facebook, ein Spiel, ein Buch. eine Notiz, ein Film…) einen groben Knopf drücken muss und selbst so ist die schiere Bandbreite der medialen Angebote unfassbar. Der nächste Schritt, nach einer langen Phase der Optimierung, wird sein, auch noch diese Knöpfe wegzulassen, symbiotischer zu werden. Für viele Nutzer, aber sicher für die kommenden Generationen, wird das iPad so selbstverständlich und natürlich sein wie für uns Stift und Papier, und die Frage, was ein «Computer» ist – also das Fremdeln mit der Hardware – wird nicht mehr stattfinden. Jeder iPhone-User wird das bestätigen können, die «Experience» ist ganz anders als die am Rechner, in jeder Hinsicht. Das Pad ist eben genau ein vergrößertes iPhone, aber die zusätzliche Akku/Rechen/Bildschirm-Power dürfte ein Gamechanger sein. For better or worse -  iPhone und -Pad sind einer der drastischsten Paradigmenwechsel seit einigen Dekaden, sicherlich noch so wenig raffiniert wie die erste Lok oder das erste Automobil oder die kruden Flugmaschinen der Wrights. Aber die Idee ist im Raum. Tatsächlich ist der Elefant im Raum so groß, dass Apple ihn nicht wird kontrollieren können. Bereits jetzt werden iPhones gehackt, bereits jetzt lässt sich das sehr gesandboxte OS durch die Nutzung eigener Web-Ressourcen recht weiträumig umfahren. Zugleich ist das iPhone-OS das simpelste Betriebssystem, einfach nur ein minimales Interface für Apps. Es ist fast zu befürchten, dass es so einfach nicht lange bleiben kann – aber bisher ist es an Stabilität kaum zu toppen. Wann habt ihr euer iphone das letzte Mal wirklich AUSGESCHALTET? Das iphone ist der erste Computer, der «always on» und immer dabei ist, aber die kleine Bruttofläche des Bildschirms macht es für viele Dinge unbrauchbar. Ergo das iPad, das auch nur ein Babyschritt zu einer besseren Lösung ist – für Apple aber den langfristigen Abschied vom Desktop-PC einleitet.

Das iPad ist insofern kein glorifizierter Fernseher sondern so eine Art Cargo-Cult-Version der SF-Idee eines symbiotischen Computers, eines wirklich Personal Computers. Womit sich die Kritik, dass das Web – der Äther – zu allwissend, zu intrusiv, zu nah an uns herankommend ist, weitgehend erübrigt. Deine Unterhose weiß auch zu viel über dich – und so intim und privat wie die Unterbekleidung, wie die Luft, die man atmet, wird der «Äther» auch sein. Es wird die komplette Transparenz geben, weswegen wir auch neue Umgangs-Regeln und neue Respektsformen miteinander auch aber auch durch die den Äther vage dominierenden Anbieter untereinander und uns Usern gegenüber werden finden müssen.  Und ja, das klingt natürlich bedrohlich nach Huxley. Und in einer von egoistischen Politikern und Konzernlenkern geführten Welt darf man diese Gefahr nie unterbewerten. Den Prozess aufhalten wird man aber kaum können – hier wären die religiösen Fundamentalisten die letzte Bastion der Antitechnologie – ebenso wenig wie man Feuer oder Rad aus der Weltgeschichte ausradieren hätte können. Die Katze, mit anderen Worten, ist aus dem Sack – und das ehemalige «Internet» wird zum vollwertigen exogenen Körperorgan, zur Sinneswahrnehmung, zum Gedächtniselement, zum Teil unserer gesamten Wahrnehmung von Welt, so wie wir das Lesen über die Jahrhunderte längst als weit über die Informationsaneignung hinausgehendes Paradigma des Denkens, des analytischen Zerlegens und Ordnens von Wirklichkeit, oder auch die Sprache an sich als quasi-fiktionale Brechnung und Greifbarmachung von Welt angenommen haben. Was gerade passiert, mit Ächzen und Gurgeln, ist die Geburt einer neuen Sprache, eines neuen medialen Systems zur Weltaneignung, zum Denken – und der sprunghafte, hypertextuelle Charakter, der so viel kritisiert ist, zeichnet ab, wie sehr wir uns von der Links-Rechts-Oben-Unten-Geradlinigkeit der Gutenberg-Denke verabschieden werden, die ja sogar unsere Wahrnehmung von Zeit und Leben so entscheidend geprägt hat.

Es klingt hochgestochen, weil der iPad natürlich nur ein Symptom ist, wie der VHS-Rekorder oder das Radio oder die Filmkamera nur ein Symptom ist – aber in diesem Jahrhundert beginnt die neue Moderne, die unser gesamtes Denken verändern wird.

Hello Spaceboy…

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Immerhin ist Print noch nicht tot – das fast mythenumwobene neue iPad-Produkt von Apple zwischen iPhone und Laptop ist in der ersten Generation noch nicht so ausgereift, dass die Buchhändler sich die ganz großen Sorgen machen müssen. Ein hintergrundbeleuchteter Bildschirm, noch dazu spiegelglänzend, ist alles andere als lesefreundlich – was für Websites und Comics vielleicht gerade noch geht ist beim Lesen von, sagen wir, Infinite Jest, sicher eine Qual für die Augen. Wer längere Zeit im Dunkeln versucht hat, mit Stanza zu lesen, weiß, wie sehr die Augen hinterher sirren – selbst wenn man den Bildschirm schwarz und die Typo weiß macht, was Apple in dem Versuch, das Buchfeeling zu imitieren unergonomischerweise nicht getan hat. Was bei einem an sich als Smartphone deklarierten Gerät okay ist, ist bei einem selbsternannten Kindle-Killer ziemlich entnervend – ein matter Bildschirm und ein deutlich sanfteres Licht in einer Art Lese-Modus wären nötig gewesen. Erst, wenn der iPad  wie ein Buch aussieht und sich auch mehr danach anfühlt, wird er (es?) den ganz großen Erfolg haben… und ich bin auch recht sicher, dass es nicht angenehm ist, ein rigides Stück Metall in der Badewanne in der Hand zu haben oder im Bett. eBook wird auf jeden Fall durch den iBookstore einen großen Boost erfahren, aber noch ist der Sprung nicht so, wie man es nach Apples Ankündigungen vielleicht befürchten durfte.

Denn auch ansonsten ist das iPad sehr deutlich eine 1.0-Version. Keine Kamera, keine Front-iSight-Video, kein USB, kein Flash, kein Multitasking, das für Europäer denkbar miese Tastatur-Layout, der eher etwas albern wirkende Versuch, die Logik des iPhone 1:1 auf ein viermal so großes Display zu übertragen, indem man den Leerraum zwischen Apps ändert, die etwas klobige 4:3-Optik mit dem riesigen Bildschirmrand, und der fehlende Schritt hin zu «echten» Programmen und eben dem normalen OS X, sind deutliche Minuspunkte, und es gibt sicherlich noch mehr (wie etwa die Tatsache, dass das Tastatur-Dock scheinbar nur hochkant funktioniert, die Apps aber teilweise quergedreht besser funktionieren, etwas Mail), wobei die Kamera das wohl ausschlaggebendste ist und Apple scheint dies auch zu wissen – warum sonst einen unschönen Adapter zum Anschließen von Cardreadern anbieten (und vor allem: wieso nicht wenigstens einen USB/SD-Slot einbauen, Platz wäre doch gewesen). Anscheinend ging es hier darum, einerseits dem iPhone noch einen relevanten Vorteil zu belassen sowie den Preis und das Gewicht niedrig zu halten, anders ist auch die Trennung zwischen Geräten mit 3G und ohne 3G-Hardware nicht zu erklären. Dazu kommen die (noch) fehlenden passenden Apps zum Format – iphone-APplikationen dürften sich, von 480 auf 1024 hochskaliert, etwas albern anfühlen. Der iPad wirkt also bis zu einem gewissen Grade ebenso unausgereift, wie das iPhone erster Generation, bis hin zum Aluminium-Rücken. Derzeit ist es mehr eine Art gewachsener iPod-Touch, was trotzdem sicher für einige Millionen verkaufte Geräte reichen dürfte.

Aber man weiß ja, wie das iPhone sich entwickelt hat, insofern sollte klar sein, wie der iPad sich entwickeln dürfte. in 12 bis 18 Monaten wird sich viel getan haben: OS 4.0 fürs iPhone dürfte Multitasking und eventuell ein überarbeitetes UI für Pad und Phone bringen, und der iPad 2 wird sehr wahrscheinlich auch Features wie Kamera, Video usw. mitbringen. Und mich würde wundern, wenn Apple nach der vehementen Kritik an den Glossy-Bildschirmen bei MacBook und iMac nicht längst an einer Methode arbeitet, um die gleiche nahtlose, kratzfeste und oberflächenbeschichtete Art von Bildschirm auch unreflektiv anzubieten.

Wichtig ist vor allem, dass Apple selbst begreift, mit dem iPad keinen aufgeblasenen iPhone-Bruder auf den Markt bringen zu können, sondern ein komplett neues Produkt, das ein anderes Interface und eine eigene Logik braucht. Eine Tastatur, bei der man Umlaute geduldig aufklappen muss, mag am «Handy» okay sein, nicht bei einer Art Miniatur-Laptop, das mit einer eigenen vollen Textverarbeitung reüssieren will.  Es ist fast überraschend, vielleicht nur normal nach all dem Hype, wie unausgereift das Interface in vieler Hinsicht noch wirkt. Man kann nur hoffen, das OS 4 hier Verbesserungen bringt, denn richtig ernsthaft eMails schreiben wird man mit der Tastatur auf keinen Fall können, da sind Umlaute und Zahlen einfach wichtig – und es sollte vom Platz her bei 9,7 auch denkbar sein, diese unterzubringen.

Dennoch darf man sich natürlich nichts vormachen – gestern hat Steve Jobs, der selbst das Zeitalter des «Personal Computers» mit eingeläutet hat, dieses auch beendet. Die Idee vom Computer auf dem Schreibtisch, wie wir sie kennen, ist eigentlich schon mit dem iPhone gestorben, und das Pad ist der nächste logische Schritt – weg von offenen, noch relativ user-kontrollierten Systemen, hin zu einer Art glorifizierten Videorekorder, der einfach zu bedienen, fast unerlässlich praktisch und hochelegant ist, aber ein im höchsten Maße kontrolliertes und geschlossenes System, eine BlackBox, bei der es unter der Oberfläche mehr darum geht, dass damit bestimmte Produkte konsumiert werden. Filme, Fernsehen, Musik, Bücher, Spiele, Applikationen – an denen Apple natürlich jeweils mitverdient. Wer weiß, in welchem Maße bereits das iPhone oft den Gang zum Rechner überflüssig macht – oder diesen auch vervollständigt und neue Programme sinnhaft macht, die ohne eine mobile Lösung nie existieren würden – kann sich bereits heute denken, wie ein iPad in 2 oder 3 Jahren das «Computing» ändern wird. Bereits mit dem iPhone sind uns fast unterschwellig zwei große Revolutionen nahegebracht worden: Unmittelbarere Interface-Interaktion per Berührung statt per Eingabehardware (und wer Apples Patente kennt, weiß, dass sich hier noch einiges tun wird) und die Idee des «Always on», der Tatsache, dass man nicht mehr ins Internet «geht», weil man ja ohnehin schon immer drin ist, dass Notizen, Daten, Applikationen, jederzeit ohne nennenswerte Wartezeit und ohne Browser aus der «Wolke» kommen. In Sachen Multitouch hat das iPad nach vielen Gerüchten seltsamerweise nichts neues geliefert – in Sachen Cloudcomputing wird es aber sicher einen Meilenstein darstellen.

Denn bereits in der ersten Generation braucht man kaum Phantasie, um sich vorzustellen, wie grandios das iPad für Meetings ist, wo man durch PDF und JPG gemeinsam Entwürfe oder Bilder abgleichen kann wie auf Papier, wo man Präsentationen hält, Notizen festhält. Leider keine Photos, leider anscheinend kein WLAN-Beamer-Anschluss, alles noch sehr rudimentär, aber die Idee ist im Raum. Auch im Bereich Logistik, Bildung, Medizin, Pflege – also Bereichen, die sehr weit weg sind von dem, was Apple gestern gezeigt hat – dürfte das Pad oder die sicher zahlreich kommenden Klone große Chancen haben. Apple hat bereits vor einem Jahr gezeigt, wie die API des iPhone den Anschluss von medizinischen Meßgeräten erlaubt, mit dem Pad wird nun denkbar, dass Ärzte eine Art digitales Klemmbrett haben und damit mobiler mit ihren Patienten arbeiten können, die Daten aber trotzdem zentral gesammelt werden. In Schulen sind neben offensichtlichen multimedial/hypertextuellen Lehrbüchern mit Bild und Video auch beispielsweise interaktive Tests denkbar. Und in der Logistik dürfte klar sein, dass ein solches Gerät ganz neue Möglichkeiten der Dateneingabe, Datenbankpflege usw ergibt. Auch im Shoppingbereich, ganz nebenbei – zumal ja bereits mit dem iPhone ein komplettes Kassensystem mit Scanner usw existiert. Ähnlich wie der Smart tut das iPad zwar so, als wäre es ein hippes Produkt für die Yuppie-Zielgruppe, in Wirklichkeit aber wird es sich wahrscheinlich am ehesten auch in anderen Bereichen entfalten – von der Altenpflege bis zum Krankenhaus, von der Uni bis zum UPS-Fahrer. Vorausgesetzt, die Käufer akzeptieren den zunächst relativ hohen Preis von 500 bis fast 1000 Dollar (mit Accessoirs, 64 GB und 3G ist man da ja nun mal… beim Preis eines MacBook).

Ich persönlich war mir vorweg relativ sicher, mir einen iPad zuzulegen, weil er für die Art, wie ich zunehmend arbeite, wie geschaffen ist. Von der mobilen Kommunikation bis zu den grandiosen Interaktionsmöglichkeiten in Meetings ist das Produkt mehr als vielversprechend, und auch die Idee, schnell auf dem Sofa Texte zu schreiben, ohne ein brutzelndes Laptop auf den Knien zu haben, ist attraktiv. Das iPhone hat sich so konsequent in so viele Bereiche des Alltags von mir geschummelt, dass ein großer Bruder völlig logisch wirkt.
Wäre da nicht das Ding mit der Kamera und der Tastatur. Die Kamera weniger als Kamera gedacht, dafür ist das Pad zu unhandlich, sondern als Dateneingabegerät. Eins der magischen Dinge am iPhone ist die Kombination von Tools wie Evernote und der (wenn auch miserablen) Kamera, mit der man ganz fix Notizen, Whiteboards oder ein tolles Photo in einem Magazin festhalten kann. Selbst wenn die Kamera 100% als Accessoire kommen wird, ist das einfach ein großes Manko, fast ein Killer-Argument gegen das jetzige Pad. Und die Tastatur geht in dieser Form nicht, niemand außerhalb der USA wird damit länger schreiben wollen – und Apple scheint das auch zu ahnen, warum sonst ein DOCK mit Tastatur anbieten. Und selbst wenn es die lange überfällige BT-Verbindung zwischen Phone/Pad und der Apple-Tastatur gäbe (technisch ja denkbar, beides Bluetooth, und auch mit Jailbreak bereits möglich), muss es doch bitte machbar sein, eine vernünftige Multitouch-Tastatur anzubieten und nicht eine hochgezoomte Version der ja recht gruseligen iPhone-Tastatur. Seltsamerweise hat Apple es also gestern geschafft, die vorab existierende Begeisterung für das Produkt einerseits zu rechtfertigen – das iPad wird ein ganz zentrales Produkt für Apple werden -, andererseits spontan abzukühlen. Die Tastatur ist Software, da würde ich auf ein neues OS hoffen… aber die Kamera? Die wird unweigerlich bestenfalls erst in der nächsten Hardware-Generation kommen. Es ist also gut möglich, dass ich das iPad 1 überspringe, was ich selbst etwas schade fände, zugegeben. Die Idee, lässig beim Kaffee mit dem Team die kommenden Termine in iCal einzupflegen (oder besser eine voll funktionsfähige App für Merlin zu bekommen – hinthint), hat schon was.

So oder so, bei allen Nörgeleien an einem 1.0-Gerät, ist gestern das Ende einer Ära eingeläutet. Das Ende des Desktop-PC, das Ende von Fernsehen in der bisherigen Art, vielleicht das langsame Ende von Zeitschriften, Magazinen und Büchern in Printform. Wer einmal die Jamie-Oliver-App angetestet hat, weiß, wie schwach gegen diese multimediale, interaktive Präsentation ein gedrucktes Kochbuch wirkt. Und Olivers 20-Minuten-App ist die erste ihrer Art, da wird noch viel kommen. Über die Möglichkeiten, die Videokonferenz/Voip, die WLAN/3G-Vernetzung mehrerer Geräte (Multiplayer!) oder gar RFID und Augmented Reality dem iPad eröffnen, darf man kaum spekulieren, man kommt zu schnell in den Bereich der SF… aber sie dürften gewaltig sein. Das iPad wird daheim und im Business ein ständiger Begleiter werden, wie es das iPhone in den letzten Jahren geworden ist. Mit dem iPhone hat eine Art neue digitale Zukunft begonnen, das iPad – und die folgenden Produkte von Apple – werden diese Idee sicherlich ausbauen. Wer sich also in den letzten Monaten und Jahren Sorgen um den Moloch Google gemacht hat, darf längst begonnen haben, bei Apple alle Alarmglocken läuten zu hören – elegant und unsichtbar wird sich diese Firma in einer Art und Weise in unser Leben graben, gegen die Google weitestgehend harmlos wirken dürfte.

Für die Verlage bedeutet das iPad eine neue Goldgräberzeit. Weg vom reinen Buch, hin zu «lebenden» Applikationen, zu Rich Content. Ich möchte gar nicht wissen, wieviele Programmierer demnächst für Random House und Co arbeiten werden, um iTunes-LP-artige Buchformate anzubieten oder Apps zu entwickeln. Mich würde wundern, wenn bei G&U nicht längst manisch an einer Basic-Cooking-App mit In-App-Kauf von Rezepten, Video, Shoppinglist usw. gewerkelt wird. Jeder Kochbuch-Verlag darf sich die Jamie-Oliver-App ansehen und ein lautes, deutliches KA-CHING dabei hören. Reisebücher und andere Infomationsbücher dito. Für die Belletristik muss man abwarten, ob sich das grandiose Buch-Interface beim genusslesen durch einen kalten glänzenden Computerbildschirm ersetzen lässt. Gerade nicht in Deutschland, wo es durch die Buchpreisbindung keinen nennenswerten Preisvorteil gibt. Dennoch wird iBook auch hier sicherlich mehr Staub aufwirbeln als der Kindle dies bereits tat. Die Verlagsbranche wird einen Umbruch erleben wie seit Erfindung des Rotationsdrucks oder des DTP nicht mehr.

Die Buchhandlungen vor Ort dürfen die Keynote von gestern mit gemischten Gefühlen sehen. Aus der eigenen Erfahrung: Seitdem ich eComics lese, sinken meine Bestellungen bei meinem Händler. Mit schlechtem Gewissen, aber ich habe einfach keine Lust mehr auf Longboxes von Altpapier. Bei Büchern ist das ganz anders – kleiner, besser zu lagern, altern besser, haptischer und digital auch leseunfreundlicher -, aber klar ist, dass auch hier ein Umbruch eingeläutet ist. Für die Sortimenter bedeutet dies, dass sie sich noch mehr auf Service, Beratung und Feeling umstellen müssen, sie (wahrscheinlich sinkende) Leserschaft härter umwerben. Als würde es nicht reichen, dass Lesen eh (zum unendlichen Leidwesen von Kultur und Wirtschaft) immer weniger beliebt ist, kommt jetzt auch noch erstmals halbwegs ernsthafte Konkurrenz zum bedruckten Papier auf. Und von einem Buchbook im AppleStore hätten Thalia, Hugendubel aber auch die kleine Buchhandlung an der Ecke denkbar wenig. Die großen Fillialisten werden hierunter noch härter leiden als die kleinen Sortimenter, die näher am Markt und den Kunden sind – aber auch die werden sich wohl einiges einfallen müssen. Und ehrlich gesagt ist das ja vielleicht auch gut. Eine gute Buchhandlung konnte immer noch gegen Amazon bestehen, sie wird es höchstwahrscheinlich auch gegen Apple können, wenn sie engagiert und sympathisch am Ball bleibt.

Ich bin insofern sehr gespannt, ob wir den Tag gestern als zweiten (nach dem iPhone) Anbruch eines neuen Computerzeitalters betrachten werden, in dem Ubiquitous Computing sich endgültig durchgesetzt hat, oder ihn irgendwann als eine Art endgültigen Sprung in den Abgrund des Internets und der digitalen Medien betrachten, den vielleicht fatalen Abschied aus der Vielfalt der Gutenberg-Galaxis und das wohlige Sich-Ergeben in absolute Monopolstrukturen.

Copy & Paste

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Eines der seltsamen Phänomene unseres Lebens in der «Digitalen Revolution» ist, dass der Ehrliche der Dumme ist… oder eben nicht ganz ehrlich sein kann. Fast symbolisch dafür ist die Tatsache, dass der Käufer einer legalen DVD zu Beginn des Films eine Art Moral-Trailer zwangsverordnet bekommt, der darauf hinweist, dass Raubkopieren illegal ist. In den Worten von Homer Simpson: «D’oh!». Deshalb hat man sich ja eine legale Filmversion gekauft, richtig? Noch weniger Zielgruppenpenetration ist ja kaum denkbar, das ist so, als würde ich nach dem Kauf eines neuen Fahrzeuges vom Händler einen Vortrag darüber hören müssen, dass Autodiebstahl ein Verbrechen ist – oder im Supermarkt nach dem Bezahlen vom Ladendetektiv aufgegriffen werden, um mir zwangsweise eine Infobroschüre gegen Ladendiebstahl durchzulesen. Als Belohnung für das richtige Verhalten bekommt der Käufer also jedesmal einen eher amateurhaften Zeigefinger-Video verabreicht, den er – hätte er den Film illegal herabgeladen – nicht ertragen müsste. Was hier noch eher Schildbürgerhaft wirkt, hat aber schon bei der Copy Protection von Software eine schärfere Kante, denn wer sich legale Software kauft, darf sich zum Teil mit so penetranten und hysterischen Kopierschutzmechanismen herumschlagen, dass ich einige Leute kenne, die sich erst eine Lizenz kaufen und dann trotzdem die gecrackte Version benutzen, um sich nicht mit Dongles, Sicherheits-CDs, DRM, Trojanersoftwares, Aktivierungen und anderen Finten abzumühen, sei es aus pragmatischen Gründen (wer will schon jedesmal zig CDs neben seinem Rechner liegen haben?), sei es aus Paranoia vor Herstellerzugriffen. Der legale Weg ist hier oft fast schwieriger als das «Ziehen» einer Hackversion – es sollte aber doch genau umgekehrt sein, oder?

Dazu kommt, dass man als Nutzer in manchen Bereichen schlicht kein Angebot hat. Und da Mutter Natur (ebenso wie die Nerds der Internetkultur) ein Vakuum verabscheut, füllt sich die Absenz eines legalen Angebotes fast automatisch mit illegalen Alternativen. Zwei Beispiele: Im Bereich der digitalen Comics hat sich fast die ganze Leserschaft inzwischen auf zwei oder drei Formate eingeschossen: PDF einerseits, meist aber die recht simplen Formate CBR und CBZ, die eigentlich nur Zip/Rar-Archive sind, in denen alphanumerisch die Seiten eines Heftes gepackt sind. Ohne große Gimmicks, dafür aber auch sehr einfach, kann man solche Formate mit einem Reader zB auf dem iPhone lesen. Nur bietet keiner der großen Comic-Verlage diese Formate an. Wer papierfrei lesen möchte, muss auf wenige Indie-Comics zurückgreifen oder darf sich etwa bei DC und Marvel einer spärlichen Online-Auswahl per Abonnement bedienen, die dazu noch mit einem Flash-Reader gelesen werden muss – in Sachen Performance und iPhone-tauglichkeit kein Glücksgriff. Dass es auf der anderen Seite im Grunde nahezu jedes jemals gedruckte Comic online verfügbar gibt, von den dreißiger Jahren bis heute, macht die Sache nicht einleuchtender. Es existiert de facto ein gigantisches Popkultur-Archiv der bunten Bilder… nur eben im rechtsfreien Raum. Neu erschienene Hefte sind wenige Tagen oder Stunden nach ihrem Erscheinen über Foren, Blogs und Suchmaschinen verfügbar… komplett kostenlos. Während auf der anderen Seite Marvel/Disney und DC/Warner (um nur die beiden größten US-Anbieter zu nennen, Dark Horse und IDW sind aber auch nur marginal weiter) anscheinend krampfhaft nach Wegen suchen, ihren Content digital zu vertreiben, aber nach Wegen mit Kontrollmechanismen, Einschränkungen und Limitierungen denken (man als legaler User also immer am Ende eine Art verkrüppeltes Produkt erhielte), gibt es jenseits des Copyrights längst eine saubere, einfache, offene Lösung. Nochmal der Autovergleich: Die Situation ist in etwa so als würde ein gekauftes Auto zum einen erst mal GAR nicht verfügbar sein, aber selbst wenn man dann in vielleicht drei oder vier Jahren eines bekäme, hätte es wahrscheinlich keinen Beifahrersitz, die Türen würden fehlen und mehr als 20 km/h wären einfach nicht drin. Wohlgemerkt: Man könnte sich aber jederzeit ein Fahrzeug im besten Zustand von einem Parkplatz nehmen. Das mag ein spezieller Fall sein, der nur mich betrifft – aber der eBook-Markt als Ganzes ist nicht viel weiter.

Ein ganz ähnliches Bild ergibt sich bei US-Serien. Wer aktuelle amerikanische Folgen sehen will, darf in Deutschland wahlweise bis zu einem Jahr auf die Synchronisierung warten bzw sich via Amazon die Staffel-DVD aus den Staaten bestellen oder mit ganz viel Glück bei iTunes die Staffel in B-Qualität herunterladen. Oder aber die Serie einen Tag nach Ausstrahlung in voller HD-Pracht binnen fünf Minuten auf dem Rechner haben. Es ist da vielleicht verständlich, dass ich fast niemanden mehr persönlich kenne, der noch ein Jahr wartet, um eine Serie im deutschen TV zu sehen. Die Frage ist weniger, ob man das gut findet oder nicht, sondern eher eine der fehlenden Alternativen. Denn die legalen Wege, eine Sendung z.B. via Internet bei einem der anbietenden Sender via Streaming zu sehen, ist per IP-Check ausgeschlossen. Die Wahl ist: Gar nicht schauen und aufs deutsche Fernsehen hoffen, ein Jahr warten – oder Rapidshare/Torrent. Auffallend ist dabei, dass die Sender seit einiger Zeit gerne Serien nach kürzester Zeit aus dem Programm kippen – und dann online, fast global, eine Enttäuschungsbekundung stattfindet. Die Serie hat Zuschauer, aber nicht mehr live, sondern zeitversetzt via Filesharing oder hosted Downloads… das Seufzen der Fans ist das Seufzen der illegalen Downloader. Von denen Fox, HBO, ABC und Co natürlich nichts haben. Die aber – und das ist der Clou – oft gar keine Chance haben, die Serie legal zu konsumieren.

Das ist keine gute Situation – nicht nur für die sanft zwangsillegalisierten Nutzer, sondern auch für die Anbieter, deren Distribution schlichtweg kollabiert… und vor allem aber auch nicht für die Kreativen, die Bücher schreiben, Filme und Serien konzipieren, Comics zeichnen oder Musik einspielen. Das Vertriebssystem, in dem sie sich befinden, entzieht Ihnen systematisch den Gewinn ihrer Arbeit.Tatsächlich kenne ich niemanden, der gelegentlich etwas downloaded, der sich dieses Dilemmas nicht bewusst ist: Wenn du ein Album einer Band illegal herunterlädst, weil du ihre Musik toll findest, sorgst du dafür, dass sie keine Chance kriegen, ein nächstes Album zu produzieren. Wer das neueste Buch von Autor X herunterlädt, ohne zu bezahlen, treibt diesen dazu, den Beruf Schriftsteller aufgeben zu müssen. Unbezahlte Nutzung von Content sorgt dafür, dass es irgendwann eben keinen Content mehr gibt – weil alle Kreativen dann irgendwann bei Ikea die Regale füllen. Es ist insofern moralisch aber auch ganz pragmatisch durchaus im Sinne von Konsumenten kreativer Leistungen, für diese auch angemessen zu bezahlen. Ich glaube, die meisten Leute würden über das «angemessen» diskutieren wollen, und es gibt sicher notorische Fälle, die alles haben wollen, ohne zu bezahlen… aber ich bin Optimist genug, davon auszugehen, dass ein ausreichend großer Teil von Hörern, Lesern, Zuschauern, Softwarenutzern absolut bereit ist, für die gebotene Leistung auch zu bezahlen. Warum auch nicht?

Wenn man nur eine faire Chance bekäme.

Vor ein oder zwei Jahren gab es, wenn man seine Musik digitalisiert haben wollte, einen ausgesprochen kleinen Markt. CD kaufen und rippen (an sich ja fast auch schon Grauzone, sofern die CDs mit Kopierschutz versehen sind… erinnert sich noch jemand an Sonys gruselige Versuche, CDs unlesbar zu machen?), per IP-Modifikation in den Staaten einkaufen oder mit teil gruseligen DRM-Lösungen leben, was keine Lösung ist. Die Musikbranche hat sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, einfach und simpel MP3s, M4as oder ein anderes gebräuchliches Format zur Verfügung zu stellen, jedenfalls nicht ohne bizarre Fußangeln. Da man CDs zumindest relativ gemütlich bestellen konnte, war das «Rippen» immerhin noch ein – umständlicher und vor allem recht umweltunfreundlicher – Weg, an digitale Musik zu kommen und man hatte noch eine Art Hardcopy, die dann auf dem Dachboden zustauben konnte. Dennoch erinnere ich mich, zu der Zeit relativ viel Musik direkt heruntergeladen zu haben, weil z.B. die CD vergriffen war oder man nur einen Song suchte.

Heute ist, da iTunes inzwischen relativ DRM-frei ist und die Audioqualität sowie das Angebot recht brauchbar und da Amazon inzwischen auch ein recht umfassendes, DRM-freies Angebot aufweist, die SItuation grundlegend anders, und ich denke, ein Blick in meine iTunes-Rechnung des letzten Jahres dürfte ökonomisch belegen, wie sehr sich zumindest in meinem Fall für iTunes der Verzicht auf Barrieren gelohnt hat. Der einfache, komfortable Zugang zu Musik zu einem (halbwegs) fairen Preis – einen Tick zu teuer für reine Daten, aber immerhin billiger als die meisten CDs – hat effektiv dafür gesorgt, dass ich Musik fast ausschließlich online legal kaufe. Warum sich mit Torrents abplagen, wenn es auch einfacher geht? Und vor allem finde ich es ja durchaus gut, bezahlen zu können. Ich möchte ja, dass eine Band, die ich mag, finanziell ordentlich versorgt ist, um künstlerisch frei arbeiten zu können… und zu leben. Musiker ist ein Beruf. Ich zahle gern dafür. Und jetzt kann ich es endlich auch.
Das gleiche gilt, beim Stichwort iTunes, für Film. Halbwegs vertretbare Leihgebühren und ein langsam aber sicher wachsendes Angebot machen iTunes zur Alternative zum Schwarzdownload, wenn man nur mal eben einen Film sehen will. Nur: zu wenig, zu schlechte Qualität und natürlich teilweise unglaublich unaktuell. Dennoch: Das Grundprinzip stimmt auch hier. Seitdem iTunes Videos verleiht, präferiere ich diesen Weg, weil er sauberer, einfacher und fairer ist, wann immer möglich.

Ein letztes Beispiel, wieder Apple, ist iwork und Snow Leopard. iwork kostet in einer Lizenz für fünf Rechner 99 Euro, in einer Einzellizenz 59 Euro. Snow Leopard hat Schlagzeilen damit gemacht, dass es ein im Grunde vollwertiges Betriebssystem für wenige Euro auf den Markt bringt… selbst Linux-Packages sind ja teurer. Es macht einfach keinen Sinn, sich iWork raubkopieren zu wollen, weil der Preis einfach einleuchtend und extrem fair ist, vor allem gemessen an den Preisen, die Microsoft für Office nimmt. Wobei Office dann entsprechend auch häufiger raubkopiert wird, nicht nur, weil es das natürlich gebräuchlichere Software-Paket ist (und auf Windows läuft), sondern auch, weil der Preis für viele Nutzer die Raubkopie «rechtfertigt». Was natürlich Unsinn ist, aber iWork zeigt den richtigen Weg auf: Preis runter, Zugang vereinfachen, realen Absatz hoch. Es wird immer Raubkopien geben (schließlich cracken Leute ja  anscheinend sogar die 0,79 €-Apps fürs iphone, was nun so gar keinen Sinn mehr macht), aber wer bei einer 60€-Software noch den Stressfaktor einer Grau/Schwarzkopie auf sich nimmt, dem ist ohnehin nicht zu helfen.

Die  – ganz subjektive – Lehre für mich ist, dass das Copyright von den Vertreibern umgedacht werden muss. Sie müssen die Zootüren aufstoßen und die Bären aus den Käfigen lassen. Anstatt angstbehaftet als Verlag am Papier festzuhalten und jede Form von elektronischen Vertrieb nur mit zig Fußfesseln zuzulassen, gilt es, überhaupt erst einmal ein faires Angebot zu schaffen, dass eine solide und komfortable Alternative zu Torrent&Co bietet. Warum kann ich nicht bei Marvel, DC, Dark Horse oder IDW in einem Onlineshop die gesamte Backlist als cbr kaufen? Und – sagen wir mit Versatz von ein zwei Wochen oder einem Monat – auch aktuelle Ausgaben? Die Angst vor Raubkopien kann ja kaum der Grund sein – denn NOCH mehr Vertrieb von illegalen Material ist ja fast nicht denkbar. Es ist ja nicht so, als würde eine legale Version von Amazing Spider-Man die Raubkopie befeuern… die illegale Version gibt es ja ohnehin schon, und sei es von irgendwem handgescannt. Als User würde ich aber lieber zwischen 0,29 und 0,79 Dollar pro Heft direkt an den Verlag (oder iTunes o.ä.) abführen und damit ein paar Autoren, Zeichnern und Redakteuren ihr Gehalt sichern.

Dito bei TV – ich würde liebend gern einen Staffelpass für aktuelle laufende Serien zahlen, wenn die Folgen auch tatsächlich in Echtzeit verfügbar wären (mit Untertiteln). Das ist es doch allemal wert und es wäre auch eine Respektsbekundung vor der Arbeit der Kreativen hinter einer TV-Serie, die man mag. Noch besser wäre ein Leihsystem, wo ich eine Folge nur leihe und nach einem bestimmten Zeitraum löscht sie sich halt bequem wieder von der Platte – wie bei Filmen (wobei 48 Stunden definitiv etwas kurz sind, auch hier wieder so ein Fall von Bestrafung legaler Nutzung, würde ich den gleichen Film illegal downloaden könnte ich ihn solange ansehen wie ich will und dann löschen, Apple sollte auf 72 Stunden aufstocken.) Ich hätte wenig dagegen, wenn Joss Whedon Geld dafür bekommt, dass ich etwa Dollhouse sehe – aber keine Chance, es sei denn, ich warte monatelang. Und als Anbieter zu hoffen, dass die Leute das tatsächlich noch wollen, wirkt etwas utopisch und antiquiert zugleich, oder?

Im e-Book-Markt beginnen die Verlage ebenfalls schleppend, zögernd und paranoid damit, ihre Inhalte online zu stellen. Vorsichtige Versuche von proprietären iphone-Büchern (d.h. Reader und Buch sind eins, völlig inakzeptabel als Speicherlösung), Verlage, die die e-Book-Veröffentlichung Monate hinter den Release als Hardcopy legen (damit sich das echte Buch auch noch verkauft und damit die Partner im Handel nicht verrückt spielen, die mit digitalem Vertrieb leider etwas zu Recht ihre Felle schwimmen sehen) und die immer noch nicht einfach als bizarr ad acta gelegte Diskussion über DRM (da hat die Buchbranche anscheinend nichts gelernt von der Havarie der Musikindustrie) prägen den Start, und das, obwohl ungezählte Bücher als PDF oder Textdatei längst verfügbar sind.

Es scheint fast so, als verhalten sich die Anbieter beim digitalen Vertrieb ihrer Produkte gerade so, als gäbe es das illegale Angebot gar nicht – um es dann natürlich sofort anzuprangern und für die Situation der jeweiligen Branche verantwortlich zu machen. Das Gespür dafür, dass zum einen ein Schwarzmarkt oft eine Reaktion auf einen fehlenden oder dysfunktionalen legalen Markt sein kann, scheint nicht ansatzweise vorhanden, geschweige denn eine angemessene Strategie um mit einer ganz realen, ganz handfesten Konkurrenzsituation umzugehen. Denn das illegale Angebot existiert, existiert flächendeckend, inzwischen weitestgehend fast komfortabel organisiert und die einzige Strategie damit umzugehen – jenseits rechtlicher Maßnahmen, die der Hydra des Internets zwar versuchen, einen Kopf abzuschlagen und dabei einzelne Betreiber und User symbolisch (oft auch unangemessen und insofern imageschädigend) strafen, systemisch aber das Problem nicht lösen, weil ein hier gelöschter Server anderenorts sofort wieder das Haupt heben wird, möglicherweise gleich mehrfach. Es geht also vielleicht gar nicht um die Frage, wie man illegales Kopieren bekämpfen kann, sondern, was man daraus lernen kann.

Ein alter Arbeitssoziologie-Professor von mir hat immer gesagt, Schwarzarbeit sei kein Problem, sondern ein Labor. Im Grunde seien Schwarzarbeiter doch genauso, wie von den neoliberalen Arbeitgebern gefordert: Flexibel, mobil, genügsam. Ob man es möge oder nicht, die «legale» Arbeit werde sich über kurz oder lang zumindest teilweise den Bedingungen der «illegalen» Arbeit anpassen müssen – und wahrscheinlich umgekehrt, weil irgendwann das illegale System dann an Sinnhaftigkeit verliert und nicht aufrechterhaltbar ist.

Nicht ganz so zugespitzt formuliert zeigt der illegale Umgang mit urheberrechtlich geschütztem Material aber auch skizzenhaft die Bedürfnisse der Nutzer. Ich bin nicht sicher, ob man es global so sagen kann, denke aber, dass der Effekt, dass illegale Downloads kostenfrei sind, für viele User nicht entscheidend wichtig ist. Denn die geben ja auch problemlos Geld für andere Güter aus, die man ebenfalls ähnlich risikofrei stehlen könnte. Im Bereich der Teenager mag das zutreffen, sicher auch in Schwellenländern, die via Torrent und Rapidshare billig an der westlichen Kultur teilhaben (was ja auch gut sein kann), aber für einen großen Teil der Nutzer zieht das Argument nicht. Ich mag mich irren und argumentiere rein plausibel ohne Zahlenwerk – aber ich würde behaupten, dass mehr raubkopiert wird als tatsächlich auch von den Usern selbst gewünscht wird. Ganz subjektiv gesprochen wird man in manchen Bereichen das Gefühl nicht los, dazu getrieben zu werden.

Abgesehen davon, dass eine generelle Neubetrachtung des Urheberrechtes sicher notwendig wäre – auch wenn dies eine fast unmöglich komplexe Materie geworden ist und die Entscheider hier nahezu surreal von Lobbyisten belagert sind -, vertun hier also ganze Branchen des Kultur- und Unterhaltungsindustrie Zukunftschancen und schaffen zugleich ungewollt eine sich etablierende Infrastruktur in der Halb-Illegalität, die sich mit jedem Monat und Jahr, in dem nichts passiert und keine offizielle gangbare Lösung existiert, weiter verfestigt und zusehends «normaler» wird.

Abgesehen davon, dass also Verlage, Vertreiber usw. neue Lösungen brauchen, müssten auch die Produzenten von Kulturinhalten selbst anfangen, Chancen zu nutzen und Direktvertrieb online suchen. Ich habe vor einiger Zeit zu diesem Thema schon über Hörspiele sinniert – aber das gleiche gilt natürlich für Inhalte jeder Form. Das Vakuum kann/muss ja nicht nur von Schwarzangeboten aufgefangen werden, sondern kann auch Raum für kreative Macher bieten. Der Erfolg einer «kleinen» Serie wie Breaking Bad zeigt, dass recht mutige neue narrative Formen gerade heute mehr Chancen haben als jemals zuvor, weil sie sich global ihr Nischenpublikum suchen können. Im Grunde ist bereits heute absehbar, dass es einen nicht geringen Indiemarkt für Musik, Film, Serien, Bücher, Hörspiele und auch Tanz/Theater-Mitschnitte usw. geben wird, der sich über digitalen Vertrieb sehr gut wird etablieren können, entweder individuell oder – wahrscheinlicher – über gebündelte Plattformen, sei es iTunes oder eine völlig alternative Lösung.

Sich dagegen zu wehren und auf ein Vorübergehen des Wechsels von analogen zu digitalen Medien zu warten, ist wahrscheinlich vergebens. Das Konvergenzmedium «Web» wird – längst dann nicht mehr gebunden an die Idee von Computer, die sich im iphone-Zeitalter ja bereits auflöst – TV, Radio, Print und viele andere Medien vielleicht nicht ablösen, aber doch zumindest ganz entscheidend ergänzen. Dieser Wandel wird durch technologische Innovationen in Zukunft eher sprunghaft beschleunigt und die Kulturindustrie ist gut beraten, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen und diese zu formen, anstatt hinterherzuhecheln. Dazu gehört ein moderner Umgang mit kreativen Angeboten und eine faire Kommunikation mit den Usern sowie ein global gleichzeitiges realistisches Angebot von Inhalten, das dem illegalen Download in Sachen Tempo und Komfort gleichzieht, nur eben mit dem zusätzlichen Bonus einer Art «Fair Trade» mit den Urhebern. Denn in einer Zeit, in der immer mehr Leute aus moralischen Gründen auf Fleisch verzichten oder umweltgerechte Produkte bevorzugen wäre es – wenn die grundsätzliche technische und inhaltliche Möglichkeit besteht – mehr als wahrscheinlich, dass ein großer Teil der Konsumenten sich auch mit Schauspielern, Autoren, Regisseuren, Musikern, Produzenten und den an kreativen Gewerken beteiligten anderen Dienstleistern solidarisiert… und zahlt. Denn eins ist doch seit Jahren klar: Wer für ein digital verfügbares Produkt zahlt, tut dies im Grunde freiwillig und verzichtet auf einen alternativ nahezu ausnahmeslos verfügbaren Download. Aus Respekt. Und darauf kann man aufbauen.

Der gute Service von Quato

hd schellnack

… ist immer wieder erwähnenswert. Nachdem die Firma mir schon problemlos vor einiger Zeit einen defekten 23″ umtauschte, sogar im Upgrade gegen den größeren 260 Excellence Wide Gamut, besticht Quato jetzt wieder durch eine traumhafte After-Sales-Einstellung. Bei dem 260er ist der Fuß defekt – tatsächlich ist der Monitor einfach durch das Gewicht des Lichtschutzes beim Versuch, den Bildschirm höher zu schieben, aus dem Plastikfuß gebrochen, was bei dem großen Monitor und insgesamt stets ein wenig wackeligen Fuß nicht die totale Überraschung war -, intern ist ein Plastikteil zerbrochen. Und auf eine freundliche eMail, was man da denn generell tun kann, haben Quato mir – ohne Rechnung, ohne irgendeinen Nachweis… – angeboten, sofort den Fuß zu ersetzen, das einzige, was sie brauchten, war die Seriennummer. Einfacher gehts nicht mehr. Tolle Sache und man hat für einen Moment fast ein schlechtes Gewissen, dass man durch den Umstieg auf die iMacs nur noch einen «klassischen» Monitor im Büro stehen hat, nämlich meinen, die anderen vier Rechner haben ja alle Apple Displays. Aber die Quatos, die ich bisher hier hatte, waren sehr gute, hardwarekalibrierbare, farbechte und zuverlässige Monitor-Arbeitstiere zu einem sehr fairen Preis. Natürlich nicht so billig wie Samsung-Mediamarkt-Monitore, aber auch nicht so overpriced wie die großen Eizo-Displays, dazu absolut verlässlich. Ich erinnere mich, wie ein Drucker vor ein zwei Jahren hier war, weil er bezweifelte, dass ich keinen Proof brauche, und – sehr nett – die gedruckten Exemplare mitbrachte, um sie mit dem Display zu vergleichen. Und der war danach ziemlich überzeugt, glaube ich. Überzeugend ist auch der Servive von Quato. Den ersten Monitor – damals noch 24″ HW-kalbriert – bekam ich als Leihgabe zum Testen, bevor ich ihn kaufte (was bei Eizo nicht drin war), der Upgrade von 23″ auf 26″ ist eine komplette Ausnahmeleistung im Hardwaremarkt und großartig, und die Reaktion jetzt ist auch bestens, zumal man ja inzwischen fast eher gewohnt ist, das Hardwarepartner Reparaturen und Austausch etwas abblocken. Der Service war bisher immer ein Traum, auch in Sachen Beta-Treiber (seinerzeit unter Windows Vista, ein Alptraum von einem Betriebssystem). Ich würde mir wünschen, mehr Firmen verstünden, wie wichtig dieses ganze Thema Umtausch/Wartung/Service ist. Ich erwische mich mehr und mehr dabei, nur noch bei Amazon zu kaufen, weil der Umtausch dort bisher ohne lange Debatten und superkulant ablief – da zahle ich auch gern einen kleinen Tick mehr, weiß aber, dass ich im Zweifelsfall ein Geld zurückbekomme.

Also: Wer da draußen einen guten Hochleistungsmonitor für Print sucht… mein Tip ist Quato. Man muss ja auch mal einfach Werbung machen dürfen :-D.

Charlie Huston: Caught Stealing

hd schellnackDas Buch an sich ist vielleicht weniger der Rede wert… Charlie Hustons erster Teil der Hank-Thompson-Trilogie ist ein energetischer, kurzatmiger Thriller um einen versoffenen Ex-Baseballspieler, der Hals über Kopf zwischen die Fronten zweier ziemlich entschlossener Diebesbanden gerät. Thompson, eine Art Extremfall des amerikanischen Down-on-his-Luck-Antihelden-Modells, wird von Huston glänzend-ekelig inszeniert, das erste Kapitel ist fast meisterhaft voller literarischer Blue Notes und auch wenn das Buch diesen fast an Bukowski erinnernden Härtegrad leider nicht näherungsweise durchhält, gelingt Huston ein Buch, das im besten Sinne an einen Guy-Ritchie-Film erinnert: Dreckig, biestig, extrem witzig, mit viel Blues und Jazz und Rock in der Seele und mehr als reichlich Blut an den Händen. Die schiere Tour de Force ist hochspannend geschrieben und hat über den reinen üblichen Paperback-Thriller-Kick hinausgehend einige schriftstellerische «Quirks», wie etwa Hustons Methode, durch rasante Zwischenschnitte Verwirrung und Unsicherheit in seinen Text zu bringen und den Leser so ins Geschehen und in den Kopf seines Protagonisten zu rücken, die über die übliche Bahnhofs-Massenware hinausreichen. Caught Stealing ist adrenalin- und testosteronschwangerer Pulp, und das mit vollem Genuß, und wie der Autor seinen Protagonisten langsam vom Loser zum Killer wandelt, ist bemerkenswert in diesem insgesamt oft steinkalten und gnadenlosem Buch, in dem nichts und niemand sicher ist und man am Ende sogar um die Katze bangt, weil man Huston gegen Ende jede Grenzüberschreitung zutraut.Bemerkenswerter ist aber die Package: Caught Stealing (sowie die beiden anderen Bände der Trilogie und einige andere Bücher) gehören zu den von Random House für den iPhone-Reader Stanza gratis zur Verfügung gestellten Büchern des Verlages, und nach etlichen Kurzgeschichten und Novellen ist der Roman das erste «echte» Buch, das ich auf dem iPhone lese. Einem Gerät, das technologisch etwas subideal ist als Reader, weil es ein aktives Display hat, das man vor allem in dunklen Räumen gar nicht dunkel genug drehen kann und trotzdem noch Blendeffekte hat (selbst schwarzer Background mit weißem Text hilft kaum), während tagsüber die spiegelnde Glasoberfläche nervt. Die Seiten sind zu klein, Schrift entweder zu klein oder die Zeilenlänge falsch, und das iphone selbst ist einen Hauch zu unhandlich, um gefühlt als «Buch» durchzugehen. Ganz zu schweigen von der sehr realen Angst, wenn man spätabends in der Badewanne liegt und schmökert, was eigentlich passiert, wenn man einnickt und nicht ein Buch, sondern ein teures Elektrogerät ins Wasser fällt. Ähnlich wie Kindle, Sony und Co wird einem schnell klar, dass das «echte» Buch immer noch das beste und robusteste Interface hat, wenn man einfach nur lesen will. Tatsächlich geht das Lesen im Dunkeln, egal was man macht, nach einiger Zeit sogar so extrem auf die Augen, dass man einen Ghosting-Effekt hat, der bleibt, nachdem das Gerät abgeschaltet ist und die Augen aktiv etwas wehtun. Wenn Apple es mit dem «MacTablet» wirklich ernst meint als Reader, muss hier noch einiges passieren.Aber: Ironischerweise liest man mehr.  Die Stärke des iphones ist ja nicht, dass es irgendetwas besonders gut kann – nahezu jede einzelne Funktion des Gerätes oder irgendwelcher Apps lassen sich besser durch andere Lösungen realisieren – sondern dass es ein Universaldilettant ist und vor allem immer dabei. Was bedeutet, das man nicht nur immer eine Kamera oder das Internet oder ein Spiel oder sein Social Network dabei hat, sondern auch immer seine Comics oder Bücher oder Hörbücher.  Immer. Was tatsächlich zu Konflikten führen kann – hört man nun Musil Remixed (großartiger Podcast von Bayern 3) weiter, liest man das Fahrenheit 451-Comic oder doch Hustons Buch? Ganz abgesehen von der analogen «Konkurrenz», Blogs, eMails. Die mediale Überflutung ist in Form des iPhones, durch die Reduzierung auf ein einziges Endgerät, irgendwie greifbarer geworden und wird über kurz oder lang einen Gegentrend anfordern, der wieder Ruhezonen schafft (Dinge wie der Ommwriter sind da eine Vorstufe). Dennoch: Die permanente Verfügbarkeit eines Buches, zumal eines Thrillers, erhöht die Lesefrequenz ungemein. Im Wald, bei terminlichen Wartesituationen, am Ende sogar während des Spazierengehens mit dem Hund, spätnachts im Bett (ohne Licht anhaben zu müssen – das ist gar nicht so schlecht, wenn der Partner schlafen will), im Extremfall an der Supermarktkasse. Das iphone macht alle ubiquitär, ergo auch das Buch. Ich bin nicht sicher, ob das Medium technologisch auch für schwierige oder komplexe Texte geeignet wäre, weil der Ablenkungsgrad höher und der Lesekomfort bedeutend niedriger ist – aber für einen schnell wegzulesenden Straßenfeger wie Caught Stealing, bei dem große Teile der Handlung und Dialoge vorhersehbar sind, reicht es allemal.Tatsächlich muss ich sagen: Wenn die technologische Lösung erst einmal etwas ausgereifter ist und sich augenfreundlicher gibt, fände ich einen Sprung weg vom Papier für mich gar nicht so unattraktiv. Mit zunehmenden Alter ärgern mich die sich ansammelnden Berge von Zeug, die CDs, die Bücherkisten, die Longboxen voller Comics, der ganze Kram, den man durchaus braucht und liebt (die Inhalte zumindest), aber der so bleiern und sinnlos ist (die sperrigen Trägermedien).Nachdem ich mit allen dazugehörigen Phantomschmerzen und einer guten Portion «Wieso gibt es hier kein Booklet mehr?»-Frustration den ziemlich umfassenden Sprung zur komplett digitalen Musiksammlung hinter mir habe, ist es eigentlich nach einer Weile angenehm, wie unkörperlich die Sache ist. Genau das, was Vinylpuristen bemängeln – da IST ja gar nichts mehr – erweist sich als Vorteil, Musik wird leicht und mobil. Bei Comics zeichnet sich das fast drastischer ab. Was auf Papier vier Longboxes füllt – etwa die gesammelten Fantastic Four – nimmt auf der Festplatte nur ein paar GB weg, ist stets verfügbar, riecht nicht nach Keller und ist immer richtig sortiert. Das ist noch in den Kinderschuhen, weil es eigentlich keinen sinnvollen Reader für Comics und Bücher gibt, aber selbst in dieser frühen Phase fallen die Vorteile (und Nachteile, denn virtuelle Comics haben natürlich keinerlei Sammelwert und sind auch irgendwie deutlich herzloser) deutlich auf. Unverständlich ist mir allerdings, warum eBooks so teuer sind – Preisbindung hin oder her, das ist logisch nicht erklärbar und zeigt eher eine (absolut verständliche) Bockigkeit der Verlage beim Wechseln der Medien… was zumindest der Buchhandel auch begrüßen dürfte, denn ein sich breit durchsetzendes eBook dürfte den Mittelsmann im Sortiment ganz schön beuteln (hierbei wahrscheinlich die großen Filialisten mehr als den Vor-Ort-Buchhändler, dessen beratende und selegierende Funktion viel viel ausgeprägter ist und der auch ein anderes Publikum hat).Rückblickend ist es bemerkenswert, wie der iPod (und die ihn umgebenden Technologien) unsere Hörgewohnheiten verändert hat. Ich habe wenig Zweifel, das iPhone, Tablet & Co das gleiche mit unseren Lesegewohnheiten (ganz zu schweigen von Film und Web und Spielen und Musik….) gelingen wird. Chip Kidd bemängelte letzthin, wie sehr Amazon das Cover-Design beeinflussen würde – weil ein Buchumschlag heute auf 240 x 240 Pixeln lesbar funktionieren muss. Spannend wird vor diesem Hintergrund, wie der kulturelle paradigm shift, der sich durch eReading anbahnt, seinen (und unseren) Job weiter verändern wird.

Irgendwo schüttelt Steve Ballmer seine Gigantischen Fäuste…

hd schellnack

Der iMac von 2008 war einer der Gründe, warum wir den Switch zurück von Windows zu Mac gemacht haben. Nach Jahren von eher etwas albern anmutenden Plastikkisten (wobei der Stanley-Kubrick-iMac sicher nicht unschick war auf seine seltsam retrofuturistische Art)  hatten Jonathan Ive und sein Team hier so gründlich eine reduzierte, klare Version von PC vorgestellt, die mit 10.5 auch zudem ein verglichen mit Vista ziemlich gutes Betriebssystem anbot, das ich zumindest neugierig wurde. Noch 2008 haben wir im Büro komplett mit fast allen Rechnern (bis auf einen) auf Mac umgesattelt – und ich bin bis heute sicher, dass ich nicht der einzige bin, den Vista derart verstört hat, dass er oder sie zu Apple wechselt.

2009 ist Windows kurz davor ein neues Vista vorzustellen, dass zwar immer noch aussieht wie ein japanisches Autoradio, aber zumindest solide laufen soll – und nennt es deutlich bescheidener einfach Windows7. Und ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass Apple nicht ganz zwei Tage vor dem Release der diversen Windows-Softwares einen ganzen Kanon von Mac-Produkten auf den Markt wirft, die sich fast unisono an Einsteiger wenden. Ein ziemlich gut gemachtes Plastik-Unibody-MacBook ab 999 Euro, ein 21″-iMac in der gleichen Preisliga und sogar noch den schon totgesagten MacMini in einer Server-Variante. Bemerkenswert dabei ist vor allem das Flaggschiff-iMac-Modell, das mit stolzen 27″Display  aufwartet, einem i7-Nehalem, bis zu 16 GB RAM und bis zu 2 TB Festplatte… und das alles für etwas über 2000 Euro und mit einer Maus, die sich zwar erst wird bewähren müssen, die aber vom Konzept her derzeit einzigartig am Markt sein dürfte. Damit ist der iMac absolut kein Spielzeug mehr, sondern dringt in die Workstation-Klasse vor, mehr als genug Power für jeden Heimanwender und der vielleicht kompakteste Rechner, den man sich derzeit mit so viel Leistung, einem so großen Display, ohne jedes Kabelwirrwar (immer wieder toll ist die Frage: «Und wo ist der Rechner?») und komplett mit einem stressfreien OS kaufen kann. Abgesehen davon, dass der neue iMac mit dem durchgehenden Glas, dem Alurücken (endlich) und der schmaleren Silhouette definitiv besser in ein Wohnzimmer passt als irgendein PC derzeit auf dem Markt, von Büros ganz zu schweigen. Ich selbst habe einen MacPro und einen deutlich überlegenen Quato-Bildschirm und schaue trotzdem manchmal neidisch zu den Kollegen, die keinen Rechner mehr unterm Tisch stehen haben, sondern nur noch ein schmales Nichts vor sich (leider sind iMac-Screens nach wie vor nicht hardwarekalibrierbar, obwohl es gerade bei den iMacs als integrierte Lösung doch so einfach sein könnte). Die Strategie, Kunden mit iPod und iPhone auf Mac neugierig zu machen und dann mit solchen Einstiegsdrogen auf der Computerebene abzuholen, scheint aufzugehen. Bei allen Problemen, die Apple in letzter Zeit hat (Bugs in Snow Leopard,MobileMe-Launch, ein iPhone, das drei Generationen braucht, um alltagstauglich zu werden, Appstore-Verirrungen und und und), scheint der Siegeszug von Steve Jobs fast unaufhaltbar.

Und das ist natürlich etwas beängstigend – denn jede gute Firma braucht auch eine starke Konkurrenz, die sie mobil hält. Und da Apple zu kleinen Sonderbarkeiten neigt und gerne mal technische Standards komplett ignoriert (BluRay, Flash, eSata usw) oder ad hoc neu definiert (DisplayPort), ist das essentiell auch für Apples R&D selbst – wo keine Herausforderung mehr ist, werden die Controller ansonsten die Forschung und Entwicklung ausbremsen, um den Profit zu maximieren.

Und es ist verwirrend. Denn schließlich ist Apples Erfolg relativ leicht nachvollziehbar und auch plausibel, insofern lässt sich deren Strategie leicht auf andere Bereiche, aber eben auch auf das Computer/Entertainment-Geschäft selbst anwenden. Umso seltsamer, dass offenbar keine andere Firma – und wir reden hier ja von Weltkonzernen – in der Lage scheint, diese Strategie zumindest nachzuahmen. Geschweige denn eine eigene, bessere Option zu entwickeln.  Microsoft hat mittlerweile nur noch desaströse Software und nahezu keine Hardware im Angebot, Dell und Sony ihrerseits keine ernstzunehmende Software – integrierte und nahtlose Lösungen, die (wie bei Apple) mit jedem hinzugefügten Baustein mehr Sinn machen, können so nicht entstehen. Es wäre an der Zeit, dass ein großer Player der Branche ein eigenes Betriebssystem entwickelt – offener, schneller, kompatibler als alles bisherige – und eine ganze Reihe von nahtlos darauf abgestimmter Hardware. Ich glaube auch nicht wirklich, dass Apples Erfolg nur an der «architektonischen» Vision von Steve Jobs liegt und insofern nicht wiederholbar ist. Mit der gleichen Logik dürfte es auch nur einen Marc Newson oder nur einen Norman Foster geben – in Wirklichkeit wimmelt es aber von exzellenten Produktdesignern und Architekten. Warum also nicht von Plattformanbietern?

Wie die Dinge derzeit stehen, möchte man nicht in Steve Ballmers Haut stecken, der ohnehin ein zwei extrem frustrierende Jahre hinter sich haben dürfte und dem entsprechend mangels eigener Argumente zunehmend nur noch die Option bleibt, die Konkurrenz anzugiften, die ihm nicht nur wenige Wochen vor Win7 ein komplettes OS-«Upgrade» (Snow Leopard lässt sich auch ohne 10.5 komplett installieren, ist also mehr als nur ein Upgrade) für 29 € vor die Nase setzt und damit zeigt, wie überteuert Windows vergleichsweise ist, sondern jetzt auch noch wenige Tage vorm Start eine komplette «Hey komm rüber zu uns»-Attacke startet, die so kurz vor Weihnachten auch sicher fruchten könnte. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Studenten und Heimanwender auf ein MacBook oder einen iMac wechseln werden.

Es ist entsprechend krude, wenn man anfängt, mit MS so etwas wie Mitleid zu entwickeln – keine Firma hätte das weniger verdient als diese -, und sich wünscht, irgendjemand würde diesen Koloss wieder sportiv und aggressiv kriegen und endlich mit Inhalten und Ideen füllen… wir alle würden davon profitieren.

Photo Apps für das iPhone

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Hier wie versprochen eine kleine schnelle Übersicht Photo-Apps fürs iPhone, die ich benutze:

ZoomLens
Beileibe nicht perfekt ist diese Digital-Zoom-Software fürs iphone, aber solange es keine – à la Sony – in das Gehäuse integrierte optische Zoomfunktion gibt, ist es manchmal besser, ein hochskaliertes Photo zu haben als gar keins. Für 0,79 € tut Zoom Lens, was es kann und das recht stabil und schnell. Aber eher ein App, das man sehr selten brauchen kann.

Quad Camera
Die Auflösung der erzeugten Bilder ist, wie bei vielen iPhone-Photoapps, einfach gruselig schlecht. Trotzdem macht QuadCamera schon Spaß, wenn der Vierfach/Achtfach-Lomo-Spaßkamera-Effekt sich natürlich extrem schnell abnutzt. In der Praxis nutze ich QuadCamera so gut wie nie.

Camera Bag

Der Klassiker unter den Filter-Tools fürs iphone simuliert schnell, glaubhaft und in voller Auflösung verschiedene Spaßkameras wie die Holga, die Lomo, Crossentwicklung oder Leica-artigen s/w-Photographie und darf auf keinem iPhone fehlen. Schön wäre hier – wie bei den meisten Apps – wenn man in das Bild hineinzoomen könnte, um den Filter besser beurteilen zu können, oder wenn man auf die Parameter des Filters mehr Einfluss nehmen könnte. In Sachen Quick&Dirty ist CameraBag aber absolut klasse und der Holga-Effekt ist – vor allem gemischt mit anderen Apps – wirklich brauchbar.

CinemaFX
Dieses App von Nexvio ist ein weiterer Klassiker. Schnell, solide, exzellentes Interface und einprägsame, wenn auch nicht immer sinnvolle, Effekte plus die Möglichkeit, das Bild aufzuhellen, den Kontrast zu ändern, zu drehen und zu beschneiden machen CinemaFX zu einem sinnvollen Werkzeug, um Bilder schnell aufzuwerten. CinemaFX speichert die Bilder in voller Auflösung und bietet einige Effekte, die viele andere Tools in dieser Form nicht anbieten.

PhotoFX
Tiffen ist eigentlich als Hersteller von Objektivfiltern für Spiegelreflex-Kameras bekannt, produziert aber auch Photoshp-PlugIns (die allerdings wenig berauschend sind) und iPhone-Filter. PhotoFX ist vergleichsweise teuer, liefert aber auch professionelle Ergebnisse (sofern man das von einer Handy-Applikation überhaupt behaupten kann und will): Die Filter speichern in voller Auflösung, sind in Grenzen editierbar und lassen sich kombinieren. PhotoFX hat eine reiche Auswahl verschiedenster Filter, von denen sich ab der neuesten Generation einige zusätzlich als In-App-Kauf dazu erwerben lassen.

CoolFX
Die kleine Schwester von PhotoFX für 0,79 € liefert einen abgespeckten Umfang, aber durchaus andere Filter als die PhotoF-Sammlung, so deutlich mehr Schwarzweiß- und Noise-Effekte, interessante Lichtdiffusion und feiner abgestufte BleachingBypass-Filter.

HiCon
HiCon war eines der ersten und trotz zahlreicher Abstürze und Softwareprobleme besten Schwarzweiß-Apps und ist immer noch ein ausgezeichnetes Tool, das im Grunde nur eine einzige Sache kann und keinerlei Eingriff zulässt, aber ziemlich gute Ergebnisse zeitigt. Nicht ganz so unberechenbar, aber mitunter auch nicht ganz so dramatisch wie Spica, ist HiCon immer noch ein klasse Tool um etwas Leica-Flair auf das iphone zu bringen. Den Farbfilter kann man, meiner Meinung nach, völlig vergessen.

Spica
Spica ist eine relativ neue B/W-App, die in der neuen Fassung nicht nur live gemachte Photos, sondern auch Bilder aus der Photoroll bearbeiten kann. Im Dunkeln gemachte Bilder werden teilweise extrem rauschig und aufgehellt, aber es gibt derzeit keine App die unter den richtigen Bedingungen sehr dramatischere Schwarzweißmotive erzeugen kann. Spica hat ein ziemlich zufälliges Element – manche Bilder sind regelrecht unbrauchbar und kommen aus anderen Anwendungen deutlich besser, aber andere Bilder werden umwerfend.

Effects Lab
Exzellentes kleines Programm, das relativ normale Bearbeitungsmöglichkeite – Helligkeit, Sättigung, Histogramme, Gamma usw. – liefert und insofern ideal ist, um ein Bild jenseits von Effekten zu optimieren. Die Filter lassen sich kombinieren, Effects Lab arbeitet in voller Auflösung und bringt einen Haufen recht brauchbarer Fertig-Effekte mit.

Photo Forge
Photo Forge ist am nähesten an einer Art Pocket-Photoshop. Trotz des eher gewöhnungsbedürftigen Interface ist der Funktionsumfang mit Pinseln, Retusche, Filtern, Crop usw hervorragend. Auch hier gibt es fertige Filter, aber wichtiger sind die sehr umfangreichen Möglichkeiten, ein Bild an sich zu optimieren.

iFlash Ready

Eines der vielen vielen Pseudo-Blitz-Tools für das iPhone. Die alle an sich nicht viel bringen – dunkle Bilder kann man damit kaum retten, bei an sich guten Bildern aber durchaus, je nach Bild, einen interessanten Effekt erzeugen. Speichert in voller Auflösung.

CameraKit
CameraKit mochte ich zunächst gar nicht, weil es ein hochgradig unintuitives Interface hat und nicht gerade schnell ist, aber die Effekte sind relativ einzigartig und überzeugend – und in der Kombination durchaus überraschend und unkalkulierbar. Dem Look einer Spielzeugkamera, den anderen Tools versprechen, kommt CameraKit überzeugend nahe.Vignettierung, Überbelichtung, Falschfarben und B/W,  Push-Process – mit einer ganzen Reihe von individuellen Einstellungen erzeugt CameraKit am Ende ein meist überzeugendes Bild (nur sollte das Ausgangsbild hell genug sein).

Edwin
Edwin macht eigentlich nur Rahmen um Bilder und wendet einen leichten Effekt an.Nett, aber kein Must-Have-Tool, zumal nur einer der Rahmen brauchbar ist und die Rahmen an sich immer gleich bin, es also keine Variation gibt – womit das Tool leider ein ziemliches One-Hit-Wonder ist.

Lomo
Verspricht, was Camera Kit besser hält – die Lomokamera im iPhone. Eigentlich eine App, das ich kaum noch benutze, die aber bei manchen Bildern (die allerdings ordentlich hell sein müssen) schon gute Effekte bewirkt, ohne dabei aber je an das echte LomoFlair zu kommen. Ist übrigens schade, dass kein Tool wirklich glaubhafte Lomo/Holga-Lichteinstreuungen machen kann. Die App, die ziemlich umfangreiche Lomo-Filter bietet, die man als User aber in keiner Form beeinflussen kann, verschiebt etwas die Farben und dreht am Kontrast, arbeitet auch mit Bildern aus der Photoroll  und ist vor allem als Vorstufe für Weiterbearbeitung in anderen Filtertools gut brauchbar.

Polarize
Polarize hät, was es verspricht – es wandelt iphone-Bilder in Polaroids um. Allerdings ohne den Charme des echten, sehr zufallsbasierten Ergebnisses. Im Grunde scher auch eher eine One-Hit-App, wobei schon erstaunlich ist, wie sinnvoll ein Polaroidrahmen um die schlechten iphone-Pix wirkt.

Naked Touch
Naked Touch hat ein seltsames Konzept, es speichert Bilder in einer eigenen Gallerie, die von der Roll unabhängig ist. Es liefert – sehr schön umgesetzt – die üblichen Bildbearbeitungstools (Farbbalance, Helligkeit, Sättigung, Kontrast/Helligkeit), ibt dem User sehr umfangreiche Farbmanipulationsmöglichkeiten an die Hand, arbeitet in voller Auflösung, und zudem die Möglichkeit, die bearbeiteten Bilder zu facebook, flickr, tumblr oder via Mail zu versenden.

Mill Colour
Und noch eine App, die – sehr fein abgestuft – Manipulationen an Helligkeit, Sättigung, Kontrast, Gamma usw zulässt und auch einige vorgefertigte Filter mitbringt (Crossentwicklung, s/w, Bleached usw). Die Editiermöglichkeiten sind in Vergleich zu anderen Tools etwas eingeschränkt und teilweise so fein unterteilt, dass die Arbeit mit Mill Colour etwas nerven kann, zumal eigene Begriffe wie Gain oder Lift nicht auf den ersten Blick einleuchten. Auf der positiven Seite kann man in die Bilder hineinzoomen und so recht fein entscheiden, ob der gewünschte Effekt erreicht ist.

Best Camera
Best Camera kann eigentlich nicht sonderlich viel, vor allem wenn man von den Photosharing/Social-Web-Funktionen der Software keinen Gebrauch macht, liefert aber durchaus sehr geschmackvoll Out-of-the-Box-Effekte, die sich zwar kombinieren, aber nicht vom Benutzer verändern oder abstufen lassen. Es gibt aber durchaus hässlichere Instantfilter und meist liefert BestCamera ganz solide Ergebnisse.

Perfectly Clear
Perfectly Clear ist eines der zahllosen Bildoptimierung/Aufhell-Tools, die versuchen, den iphone-Bildern den Grauschleier auszutreiben. Wie alle Tools entsteht dabei oft ein stärkeres Rauschen, aber Perfectly Clear ist mit seinen fein einstellbaren Filtern und der sehr smarten Vorher/Nachher-Ansicht eines der besseren Angebote und rettet manche Photos wirklich.

LoMob
LoMob ist eine etwas seltsame App. Auch LoMob wischt nur mit vorgefertigtem Filter über die Bilder und ist langfristig sicher eher ein One-Hit-Wonder, aber eine krudere Versammlung von Lofi-Filtern gibt es derzeit im Appstore wohl kaum. Diverse Effekte und Rahmen, leider ohne große Variationsmöglichkeiten, aber durchaus erfinderisch gemacht – wie etwa neben dem üblichen Lomo/Pola-Sachen auch mit Transfereffekten und TTV-Looks – nutzen sich sicher schneller ab als ein guter, effektvoller und irgendwie ehrlicherer S/W-Filter, machen aber für 1,50 auf jeden Fall lang genug Spaß, um die Investition zu lohnen… außerdem lassen sich aus der Kombination mit anderen Filtern durchaus spannende Effekt erzielen.

Photoshop.com mobile
Was soll ich sagen? Der Klassiker der Bildbearbeitung kommt endlich auch in Deutschland aufs iphone und der erste Eindruck ist: Too little, too late. Wo andere Softwares schon fast Funktionen des «echten» Photoshops simulieren, ist Adobes eigene App eher eine Spar-Bildbearbeitung, fast eher ein Beta-Konzept als eine vollständige Software. Das Interface, bei dem einfach durch Slide-Bewegung auf dem Bild die Werte geändert werden und das generelle Handling ist absolut 1a und professionell, aber die etwas seltsam unstrukturierte Ansammlung recht beliebiger Instant-Effekte und die andererseits sehr begrenzte Auswahl von Editing-Möglichkeiten wirken fahrig und (noch) konzeptlos. Auch die Begrenzung auf die Adobe-eigene Gallery-Plattform wirkt etwas unzeitgemäß, Facebook, Twitter und Flickr dürften hier eigentlich nicht fehlen. Hier wirkt Adobe ein wenig hinter der Zeit – aber wir reden hier von der Firma, die immer noch 32-bit in Sachen Bildverarbeitung auf dem Mac anbietet und bei 3,7 GB den RAM-Riegel vorschiebt ;-). Andererseits ist das App gratis, etwas unerwartet bei Adobe, und wer will da meckern?

Hipstamatic
Diese Simulation einer alten analogen Kamera macht es einem eigentlich schwer, sie zu mögen – Effekte müssen als In-App-Kauf extra bezahlt werden, die Rahmen sind nicht abschaltbar, man kann keine Bilder aus der PhotoRoll  nachträglich bearbeiten, die Einstellmöglichkeiten sind fast nicht vorhanden, es dauert ewig, bis ein BIld gespeichert und bearbeitet ist, und die ersten Versionen des Programms sind eigentlich permanent abgestürzt. Mit anderen Worten: Hipstamatic ist genauso unsicher und unkontrollierbar wie echte alte analoge Photographie. Ohne, dass ich wirklich sagen könnte, warum, ist dieses Programm in den letzten Monaten die Software geworden, mit der ich am meisten Photos mache. Zum einen, weil die Bilder wirklich ordentlich verändert werden und man in der Kombination von Film, Linse und Blitz eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Bildveränderung hat, zum anderen, weil sie bei allem Frust eben auch phantastischen Spaß macht. Und darum geht’s ja.

Plastiq
Die Plastiq Kamera ist ebenfalls eine Simulation, allerdings weniger konkret als Hipstamatic – und obwohl an sich userfreundlicher, macht sie alles in allem keinen Spaß. Unter den vielen Effekt-Apps, die es inzwischen im Appstore gibt, ist dies leider eine der schwächeren. Recht interessant ist das Feature, dass Bilder im Background bearbeitet werden, während man weiter photographieren kann. Man kann sogar die App verlassen und beim nächsten Start werden die Bilder weiter durch den «Darkroom» gezogen. Leider sind Effekte  - s/w, Sepia, Posterize, Lomo, Holga usw – alle schon bei Tools wie CameraBag oder CameraKit deutlich besser vorhanden.

Retro Camera
Einen etwas anderen Weg als die meisten anderen Photoapps geht Retro Camera, bei dem ein Bild sukzessive vom Benutzer nach und nach mit verschiedenen Rahmen und Overlays, Grains und anderen Effekten auf Alt trimmen lässt. Tatsächlich ist hier etwas Geduld gefragt und die Ergebnisse sind nicht immer das, was man eigentlich erwartet, sondern eher ein wenig Kitsch-as-Kitsch-can. Aber grundsätzlich wenigstens einmal ein Programm, das etwas völlig anderes versucht. ich glaube, mit viel Fingerspitzengefühl lassen sich hiermit eigentlich ganz nett auf Alt getrimmte Photos machen, wenn man so etwas braucht.

MonoPhix
Es ist unweigerlich so, dass im Appstore mehr und mehr kleine Programme das im Grunde gleiche leisten – und die Entscheidung, welches davon nun das jeweils Beste ist, wird immer schwieriger. MonoPhix liefert im Kern die gleichen Ergebnisse wie CoolFX, Spica oder HiCon, erlaubt aber dabei eine gewisse Kontrolle der Veränderung von Licht und Dunkelheit in den Bildern. Die Bilder werden nicht ganz so genial wie die gelungenen Spica-Photos, sind aber im Zweifelsfall auch nicht so rauschig-schwarzweiß-zerstört wie Spica es eben oft liefert. Die Oberfläche ist gestalterisch ein Greuel und die Bilder werden etwas matschiger, unschärfer, als ich gut finde – aber die Einstellmöglichkeiten machen das mitunter etwas wett.

To E-Comic or not to E-Comic

hd schellnack


Sehr spannende Statements zum Thema elektronische Distribution von Comic Books
. Da Comics in der Produktion teuer sind und zugleich ein trashigeres Medium als die belletristische Literatur, denke ich, dass hier vorweggenommen wird, was den Buchmarkt als Ganzes erwartet, es lohnt sich also für alle am Buch interessierten, ein Auge auf DC und Marvel, die beiden US-Branchengrößen zu haben. Die Technologie ist noch alles andere als ausgereift, der Kindle ein Alptraum und das iPhone noch nicht weit genug und zu klein, aber die großen Comicverlage bereiten sich mit Hochdruck auf das digitale Zeitalter vor, vielleicht auch, weil andere Häuser wie IDW in kleinen iPhone-Tests bereits überraschende Auflagen verbuchen konnten. Ab dem OS3 wäre eine Art Marvel-Applikation denkbar, die im Abo oder als Preis-per-Ausgabe tatsächlich wie ein Online-Kiosk funktioniert und die gesammelten Hefte liest man dann später als Trade Paperback oder Hardcover. Es klingt derzeit so, als wäre der Tod der «Monthlies», die durch die aufwendige Produktion inzwischen bei bis zu 4,99 $ für 21 Seiten (oft dekomprimierter) Geschichte angekommen sind,  nur noch eine Frage der Zeit…

One suite to rule them all

John Nack spekuliert in seinem stets lesenswerten Blog über den Ansatz, die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, aus Adobes Creative Suite eine einzige dokumentenorientierte Applikation zu machen:

« What if we leveraged these to provide the feel of being in one “CreativeSuite.app(.exe),” where each application is a module? Photoshop would be the image-editing mode of Illustrator; Illustrator would be the vector-editing mode of InDesign; etc».

Na, da wäre ich aber mal für zu haben.  :-D

Handy 2012

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Laut Engadget stellt sich SonyEricsson so das Handy vor, mit dem wir in vier Jahren arbeiten. Viele der hier angedeuteten Entwicklungen sind bereits erahnbar – wie etwa 10MP-Kameras in Handys. Hier bestätigt sich meine Idee, dass der Desktop-Rechner zumindest für den Home-Bereich so tot ist wie das Kabelelefon auf dem Bänkchen im Flur, mit dem auch mal der Nachbar im Haus telefoniert hat. Die Mobiles von morgen sind vollwertige Rechner, die Bildschirme, Beamer, Hifi-Anlagen usw ansteuern werden können. Auffällig fehlend finde ich Lösungsansätze für Eingabegeräte. Extrem spannend finde ich andererseits über 100 MBps Internetanbindung wireless – dagegen sieht 3G sehr alt aus. Wenn dann bitte nur die Kosten simmen und man vielleicht einmal über zumindest europaweite roaming-freie Lösungen nachdenken mag. In Ländern wie Amerika oder Japan weitgehend egal, in Europa aber zunehmend das wichtigste Thema, finde ich. Roaming-Gebühren sind etwa so abstrus und kontra-intuitiv wie Zollgebühren beim Versand aus der Schweiz :-D.

APPLE RUMORS

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Wenige Stunden vor der Oktober-Keynote rund um dieApple-Notebooks kocht die übliche Gerüchtekoche hoch. Gibt es eine CinemaDisplay/MacBook-Dockinglösung? Gibt es iLife 09? Gibt es ein Glas-Trackpad mit iPhone-Touch-Funktionalitätals zweitem MiniDisplay? Gibt es ein aus einem Aluminiumblock gefertigtes Gehäuse? Kommt 18″? Wird es bessere SSD geben? DualCore oder Quad? Wie kommen die NVIDIA-Grafikchips zum Zuge? Wird es Blu-Ray geben? Und und und…

Das Bild oben, von Gizmodo, kommt der Realität wahrscheinlich am nähesten. Kein Glastrackpad, leider – das hätte ich absolut großartg gefunden. Tatsache ist natürlich, keine Firma kann den Wünschen, die sich in solchen Gerüchten, Fake-Bildern und Mythen niederschlagen, überhaupt gerecht werden? Oder ist die Enttäuschung – wie beim iPod Let’s Rock-Event, wo vorher von iTunes-Flatrates und anderen Sachen phantasiert wurde – dann nicht unweigerlich vorprogrammiert? Wer ein Glaspad wollte, ist vielleicht vom normalen Touchpad enttäuscht, wer auf einen Quadcore hoffte, von normalen Duocores abgeschreckt.

Spannend ist die Gerüchteküche um Mac-Produkte aber tatsächlich unter dem Gesichtspunkt, dass die User hier quasi gratis einer Firma Marktforschungs- und Produktentwicklungshilfe leisten, bis hin zu dem Punkt, wo komplette Konzepte entwickelt und visualisiert werden. Keine schlechte Sache, wenn die Kunden vor Events so deutlich – und in solcher Masse, dass man einfach zwischen signifikanten und wneiger wichtigen Kundenwünschen selegieren kann – sagen, was gerade auf ihrer Wunschliste steht.

Iphone = Lomo

Keine Frage, die Kamera am iPhone ist der letzte Müll. Es sei denn man macht sich die Not zur Tugend und – virtuell, mittels Software – eine Holga, Lomo oder s/w-Kamera daraus. Dabei helfen einige Apps, die für wenig Geld etwas mehr Spaß mit der Kamera erlauben (wenn sie auch leider noch nicht in Echtzeit funktionieren, aber zumindest ist man der digitalen Holga so einen Hauch näher :-D), Hier sind drei, die ich mag (ToyDigi fand ich nicht so überzeugend)

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Camerabag – sicher das vielseitigste der Tools mit recht sehenswerten Ergebnissen.

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HiCon – macht ziemlich feines S/W aus dem Digitalmüll. Everything looks better in black and white.

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GothPix – vielleicht etwas Overkill und für Portraits unbrauchbar, aber trotzdem witzig.

Alle Photos via Flickr

Roomba

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Ladies and Gentlemen, wir sind an dem Punkt angekommen, zu dem ich über meinen Staubsauger blogge – please fasten your seatbelts. Ernsthaft, da ich selbst über Blogs auf die Idee gekommen bin, ist es nur fair, die Liebe weiterzugeben.

Der Roomba 560 ist ein Staubsaugerroboter, der automatisch durch einen Raum fährt, durch diverse Sensoren geleitet und … staubsaugt. Die Reaktion von allen Leuten, die das bisher gehört und dann erlebt haben, war ausnahmslos: «Was für ein Quatsch….» (Anschauen, was der Roomba so macht) «…Ich will auch einen!»

Denn es ist natürlich Nerdsville, sich einen Staubsauger-Roboter anzuschaffen, aber wenn man auf drei Stockwerken wohnt, einen Hund und keine Zeit hat, greift man irgendwann zu seltsamen Ideen. Ich habe das Ding in John Byrnes Forum kennengelernt, ein paar Youtube-Videos gesehen, und spontan bei Amazon geordert (ich habe gestern gesehen, dass es ihn inzwischen auch bei Cairo gibt, Synchronicity).

Die Sache ist: Das Ding funktioniert bestens. Man muss den Boden Roomba-sicher machen, also Kabel etwas aus dem Weg bringen (weil er sich trotz anders lautender Werbeversprechen des Herstellers absolut darin verhakelt), und allzu leichte Sachen etwas aus dem Weg räumen, ansonsten findet der Roomba seinen Weg völlig allein durch den Raum, saugt eine Stunde vor sich hin und schnurrt wieder zu seiner Ladestation zurück. Die Saugkraft ist eher schwach, vielleicht mit einem guten Tischstaubsager zu vergleichen (dessen Lautstärke der Roomba auch in etwa hat) und insofern für einen Akku-Sauger, der über 60 Minuten durchsaugt, auch angemessen, aber durch die außenliegende spinnenartige Rotationsbürste und die beiden Bürsten unter dem Roomba ist die Reinigungsleistung trotzdem sehr beachtlich, weil das Gerät sich sehr effektiv den Dreck in die Saugdüse bürstet. Dazu kommt, dass der Roomba mit eben roboterhafter Geduld und Gründlichkeit durch den Raum saust, die kein Mensch so aufbringen würde, und zudem durch seine geringe Bauhöhe auch unter Betten und Sofas saugen kann, und das mit der gleichen Ruhe und Präzision wie über all sonst auch. Er lässt keine Ecken aus, die man selbst gerne mal vernachlässigt und durch die Redundanz seiner Programmierung ist das finale Saugergebnis fast erschreckend – wenn man die Saugkammer ausklopft sieht man etwas entsetzt, wie dreckig ein an sich sauber wirkender Boden in Wirklichkeit war.

Durch die eingebaute Zeitschaltuhr kann man Roomba problemlos von selbst starten lassen und auch wenn der kleine Roboter sich ab und an mal verklemmt, verkabelt oder auf etwas drauffährt und abschaltet – im großen und ganzen sind die Ergebnisse beeindruckend, was umso mehr überrascht, als dass der Roomba der preiswerteste seiner Art ist – der kleine 530 beginn bei 299, der 560 kostet 399 – während Modelle von Siemens oder Kärcher bei um die 1000 Euro liegen. Das Ergebnis nach schon einer halben Woche sind deutlich saubere wirkende Räume und – das mag ein Placebo-Effekt sein – eine reiner wirkende Luft. Für mich als Hausstauballergiker so oder so eine großartige Sache, weil gerade der Staub, der sich in Ecken oder unter Möbeln ansammelt rigoros weggesaugt wird

Der Roomba wirkt so, als müssten relativ regelmäßig die Bürsten und Filter gewechselt werden – das Gerät sieht schon nach einigen tagen Drecksarbeit nicht mehr sehr ladenneu aus – aber die Wartungskits sind bei iRobot (kriegt Asimov eigentlich Lizenzgebühren für die Verwendung dieses Namens?) relativ preiswert zu erstehen, das sollte kein schwerwiegendes Problem sein, solange Nachschub verfügbar ist. Der Roomba ist dabei laut Handbuch komplett demontierbar, so dass jedes einzelne Bauteil angeblich problemlos austauschbar ist. Oh, und man kann ihn auch hacken, wenn man will…

Mit im Paket sind zwei sogenannte Virtual Lighthouses, die den Roomba von einem Raum zum anderen weisen und auch als Virtual Walls dienen können und den Roomba bestimmte Bereiche ignorieren lassen. Beides bei uns zunächst nicht so nötig, insofern habe ich die Lighthouses noch nicht getestet. Die Bedienungsanleitung braucht man fast nicht, weil die Bedienung zum einen wirklich kinderleicht ist, zum anderen eine Computerstimme auf bestimmte Probleme hinweist und den Roomba erläutert. Nur für komplexere Fehlermeldungen braucht man dann das Handbuch vielleicht.

Im Roomba sind Technologien verarbeitet, die iRobot für taktische Robots im militärischen und polizeilichen Dienst entwickelt hat (u.a. als Bombenentschärfer) – und ehrlich gesagt, macht es einfach Spaß, dem mit einigen Humor programmierten Maschinchen bei der Arbeit zuzusehen. Der launige Countdown vor dem Start aus der Ladestation (die den Robot in drei Stunden wieder auf Grün hat), die manchmal unfreiwilligen Irrfahrten zurück in die Ladestation, die Art, wie der Roboter vor Treppen stoppt oder sich aus Ecken herausnavigiert, ganz zu schweigen davon, dass es Emma natürlich absolut fasziniert, was da auf dem Boden herumschwirrt und dreisterweise ihre schönen gemütlichen Haare entfernt.

Ein Staubsauger-Roboter ist irgendwie die Mischung aus Kindheitstraum und der Sorte Einkauf bei der man selbst an seinem Verstand zweifelt, während man noch bestellt,weil die Idee an sich so bizarr ist. Bei weiterem Nachdenken ist es aber nichts anderes als eine Spülmaschine oder ein Staubsauger an sich, der ja auch nur ein Besen mit Motor ist – nur kann der Besen jetzt etwas besser seine Umwelt sehen. In Form von Navigationssystemen, iPhones und solchen Haushaltsrobotern kommt immer mehr Technologie in unseren Alltag, die man einerseits sicher immer kritisch hinterfragen kann, deren praktischer Nutzwert in der Entbindung von dusseligen, zeitfressenden, unkreativen Arbeiten aber kaum wegzudiskutieren ist. Wer einmal mit einem TomTom-System durch eine fremde Stadt gefahren ist, wird sich nicht unbedingt nach verzweifelten Suchen auf Falkplänen zurücksehnen – und wer eine Weile dem Roomba bei der Arbeit zusieht, fragt sich, warum man das nicht viel früher angeschafft hat.

Roboter Kalligraphy

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Wenn das Projekt auch bereits ein Jahr alt ist, ist es doch mehr als nur einen Twitter-Eintrag wert: die freie Künstlergruppe robotlab, gegründet von Matthias Gommel, Martina Haitz und Jan Zappe, präsentiert auf ihrer Site eine Installation namens bios [bible], bei der ein Industrieroboter binnen nur sieben Monaten die gesamten 66 Schriftrollen Bibel kalligraphisch reproduziert. Ein interessantes Konzept, eine subversive Idee und ein überraschendes Ergebnis: Der Roboter ersetzt die handschriftliche Arbeit eines Mönchs in der Manufaktur des Bibel-Skriptoriums perfekt und geht so einen seltsamen Cyber-Parallelwelt-Weg zu Gutenbergs Erfindung der beweglichen Lettern, mit denen Gutenberg ja genau diese Substitution menschlicher Schreibkraft ja auch durchführen wollte.
Die anderen robotlab-Projekte des Trios sind ebenso sehenswert.

Microsoft Goes Gaga

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Angesichts der erfolgreichen I’m a Mac/I’m a PC-Werbespots von Apple hat Microsoft ja vor einiger Zeit den bekennenden Apple-User und Comedian Jerry Seinfeld angeheuert, um ihn für Windows/Vista werben zu lassen. Bereits bei der Ankündigung hagelte es knackige Kommentare, laut denen Jerry ja bereits mit Seinfeld eine TV-Serie über «Nothing» gedreht habe, insofern also der ideale Mann sei, um für ein Betriebssystem zu werben, über dass es eben Nichts (Bzw. nichts gutes) zu sagen gibt.

Jetzt ist der Spot erschienen – und verwirrt. Sollen wir alle Microsoft kaufen, weil Bill Gates sich ansonsten keine Schuhe mehr leisten kann? Soll der Spot uns sagen, dass Bill einer von uns normalen Menschen ist und wir ihm deshalb vertrauen können? Sollen wir verstehen, dass Vista wie ein Paar Schuhe ist, die man erst einlatschen, unter der Dusche dehnen und mit schmerzverzerrtem Gesicht verbiegen muss, bis man sich richtig wohl damit fühlt (und genau so ist es, Vista läuft eigentlich erst, nachdem man in Jahr daran herumgeknetet hat, anders als andere Betriebssysteme, die irgendwie sofort funktionieren)? Und warum ist Windows Delicios? Produziert Microsoft also demnächst Twinkies? Und wieso eigentlich Bill Gates – hat der Gute sich nicht kürzlich erst zur Ruhe gesetzt? Ist Steve Ballmer nicht attraktiv genug? Tatsache ist, dass es in dem Spot tatsächlich irgendwie um «Nichts» geht und auch wenn ich das unterhaltsam Verquere des Spots irgendwie mag, funktioniert er einfach in kaum einer Hinsicht, außer das er semi-unfreiwillig komisch ist.

Während Apple – ungeachtet aller MobileFail und iPhoneRückschläge einen Ball nach dem anderen schlägt und mit etwas Mut auch in Zukunft die Nase vorn haben kann – wirkt Microsoft wie gelähmt. Vista ist ein schlechter Nachbau von OS X, Windows 7 wirkt kaum überzeugender. Darüber hilft keine Werbung der Welt hinweg, sondern Microsoft müsste überlegen, wie man der Zange OS X/Linux, die mehr und mehr auch in den eigentlichen Stammbereich von MS – dem Businesssegment – an Boden gewinnt, vom Home-Bereich ganz zu schweigen, begegnen kann. Und Apple ist nun auch kein kleiner, flinker David gegen den Goliath MS, sondern ebenfalls eine multinationale, große Firma, die aber gerade im direkten Vergleich deutlich behender wirkt. Wer immer in Zukunft die Geschicke von MS leitet, sollte Dynamik ins Spiel bringen und einen großen, mutigen Schritt nach vorn wagen, bevor es zu spät ist und Gates sich wirklich seine Schuhe im Billiggeschäft kaufen muss.

Desperate Times…

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Es scheint so,als sei die Windows-Welt derzeit etwas verzweifelt. Während Microsoft User in ein Wüsten-Workcamp einlädt, um Ihnen angeblich in der Mojave ihr nächstes Betriebssystem vorzustellen und Statements sammelt, es sich aber in Wirklichkeit – haha – um Windows Vista handelt, versucht Dell einen iMac-Killer an den Start zu kriegen. Vista wird nun aber leider auch im Blindtest und durch schlichte Nutzer-Irreführung nicht besser, ein bisschen rumspielen an etwas, was man für eine Beta halten darf, ist nicht zu vergleichen mit einem echten Test einer Software – und Vista ist und bleibt B-Ware. Dells Hybrid Studio mag den Vergleich mit dem (eventuell bald auslaufenden Mac Mini bestehen), aber als Set mit Monitor sieht es so aus, dass man schlechtere und weniger integrierte Hardware für mehr Geld kauft. Ein Dell Hybrid mit 24″ Monitor  und 4 GB RAM, an den 320 GB Harddisk und der unbefriedigenden OnBoard-Grafik kann man nichts ändern, schlägt mit 1914  zu, das schicke Bambus-Gehäuse kommt nochmals mit 130 Euro extra zu Buche. Ein 24″ iMac mit gleicher Festplatte, 4 GB, aber besserer Grafikkarte liegt bei 1759 €. Und ist generell das integriertere, bessere Gerät. Hat da jemand bei Dell nicht aufgepasst?

Microsoft muss schummeln, um sein OS besser dastehen zu lassen? Dell, der größte PC-Anbieter auf dem Markt, kriegt keinen ordentlichen Rechner hingestellt, der dem iMac den Garaus machen könnte? Es ist schon absurd, dass Marktführer es nicht hinkriegen, ein vergleichbares Produkt auf die Beine zu stellen, obwohl das doch eigentlich machbar sein sollte.

R.I.P. POLAROID

Polaroid verabschiedet sich vom legendären Instantfilm. Als wir vor drei Jahren für die Bielefelder Philharmoniker ein Saisonheft als Liebeserklärung an den Polaroid-Film gemacht haben, war die deutsche Marketing-Abteilung noch der Meinung, Polaroid-Filme würde es noch lange geben. So schnell ändern sich die Zeiten. Sehr schade, hat der Polaroid-Film doch gerade in den letzten Jahren bei vielen Knipsern eine echte Renaissance wider die digitale Perfektion erlebt und – wie Holga, Lomo et al – einen ganz eigenen unscharfen, primitiveren Stil der Photographie lebendig erhalten. Ein Echo einer Zeit, die einfacher war, weniger scharfkantig, in der Bilder matschig und fehlfarben sein durften. Nicht zuletzt ist da die Erinnerung an Kindergeburtstage, an Jugend, an Fun, der sich mit dem Namen Polaroid verbindet. Ich frage mich sehr, inwieweit Polaroid ein neues, digitales Zeitalter anpacken will – es dürfte schwierig sein, sich gegen die etablierten Marken durchzusetzen, zumal die Zukunft der Photographie vielleicht eher mit Nokia und Samsung denn mit Kodak und Polaroid assoziert werden wird. Klar ist, dass der Polaroid-Film, einst Zeichen einer neuen chemischen Hochtechnologie, schon der Name Science-Fiction, die haptische Umsetzung wirklich magic at your fingertips, sprichwörtlich geworden und sogar in Songtexten verewigt… einfach mausetot ist, rein technologisch. Aber das ist Vinyl auch und es erfreut sich nach wie vor größter Beliebtheit in bestimmten Kreisen. Bleibt also zu hoffen, dass eine andere Firma sich die Technologie des chemischen Instantfilms schnappt, clever vermarktet und damit weitermachen kann.

Photo yon Julia Kappus

PIMP MY CAMERA

Laut diesem französischen Blog hat Dave Story von Adobe ein Kamerasystem vorgestellt, das mit 19 verschiedenen vor die Kamera gesteckten insektenartigen Linsen eine Art hyperstereographischer Pseudo-3D-Aufnahme aus leicht verschiedenen Winkeln macht, wie mit einem Prisma, die mit entsprechender Software ausgewertet werden kann und Tiefenschärfenänderung, interaktive Retusche und sogar leichte Animation aus EINEM einzigen Bild erlaubt… Adobe nennt diesen Ansatz «computational photography». Das klingt mit dieser riesigen Linse und als reine theoretische Studie zunächst sicher noch etwas primitiv, aber die Idee – wie in dem Video mit Photoshop demonstriert – ist brillant und ich kann mir nur zu gut vorstellen, dass es bald «normale» Kameras gibt, die diese Möglichkeiten aktiv nutzen. Die Idee ist auf jeden Fall großartig.

PS: Interessant ist vor allem, dass Adobe sich hier erstmals, wenn auch nur indirekt mit Hardware beschäftigt. Hat das was zu bedeuten? Entdecken die da ein neues Betätigungsgebiet? Das würde ja durchaus Sinn machen. Ich warte seit langem darauf, dass Adobe Wacom aufkauft. Auch Geräte wie Drucker oder Scanner, Spektralanalyser und natürlich eben Kameras würden nahtlos in die Produktwelt von Adobe passen.

via Engadget

E15

E15 is a research project.
Imagine an internet where you (not the site designer) were able to decide how to view and experience web content.
Imagine an internet where web servers didn’t just give you a static chunk of html, css, and javascript, but exactly the content you asked for.
Imagine navigating an internet where the content maintained a degree of spatial relevance.
E15 is a platform that enables end users to experience this internet, an internet beyond the browser.

At it’s core, E15 is a dynamic texture engine.
E15 generates and manages textures (2D images in a 3D context). These textures can be either static (images, rendered web pages, text) or dynamic (procedurally generated 2D graphics using apple’s Quartz2D API). An embedded Python interpreter is used to run scripts that generate these textures. The textures can then be sent through an image processing/filtering engine, which allows the cumulative application of custom image filters to the textures generated by the script. The result is a powerful 3D environment where both static and dynamic 2D content are easily generated and arranged.

via Maeda

BUZZWORD

Seit Jahren komme ich in Debatten immer wieder mit der Virtualisierung von Software an – der Idee, dass früher oder später alles digitale eben zwangsläufig nicht mehr lokal vorhanden ist, sondern nur noch via Net von Server kommen wird. Musik, Video, Bilder und natürlich die Applikationen dazu. Und wir für all das keine normalen Einkaufskosten mehr haben werden, sondern Nutzergebühren, im Grunde eine Miete, zahlen werden. Eine Entwicklung mit vielen Vor- und Nachteilen, über die man vorzüglich diskutieren kann, die aber vor allem für die Anbieter den Vorteil hat, das Raubkopien kein Thema mehr sein (dafür aber die Kontrolle des Userzugangs, Passwortschutz wird da nur eine Zwischenlösung sein können).

Office Online, Photoshop Express und jetzt der Aufkauf von Buzzword durch Branchenriesen Adobe sind deutliche Anzeichen dafür, das dieser Paradigmenwechsel nun ansteht. Flash und andere Technologien machen plattformunabhängige Online-Applikationen länst denkbar, die erhöhte Mobilität der User zwingt zugleich zu Angeboten, bei denen der User mit der gleichen Software auf mehreren geräten an verschiedenen Orten und auch mobil online arbeiten kann. Zugleich lassen die Online-Applikationen die Geräte schrumpfen, weil Festplattengröße weniger wichtig wird als die reine Web-Anbindungsgeschwindigkeit. Das alles ist noch in den Kinderschuhen, zeichnet sich aber seit einiger Zeit ab. Am Ende werden von verschiedenen Anbietern beziehbare User-Accounts stehen, die ein Bouquet von Applikationen, Webspace für Musik, Video, Mail und andere Inhalte und eine Trafficrate beinhalten – die Hardware, wie etwa ein Notebook, wird es gratis dazugeben. Mit dieser Entwicklung von Besitz zu Miete dürfte die Frage nach dem Schutz der Online-Privatsphäre noch wichtiger sein als zuvor.

Ganz pragmatisch sieht Buzzword eher sehr enttäuschend aus, gemessen an einer Applikation wie Word – da kann ein durchschnittliches CMS ja mehr an Textverarbeitug ;-)….. Die Möglichkeiten zur Online-Kolloboration mag ich aber natürlich. Das ist etwas, was ich ohnehin in Zukunft bei Korrekturen etablieren möchte, aber die bisherigen Serverlösungen von Adobe sind leider noch deutlich überteuert und unpraktisch. Aber der Schritt zur Online-Applikation auf breiter Front, wenn Microsoft und Adobe zugleich starten, ist ganz sicher offiziell gemacht. Der Rest wird relativ schnell gehen, mich würde wundern, wenn wir in 10 Jahren noch viele Applikationen lokal auf der Festplatte haben.

IPHONE REDUX

Und zwar im nicht nur im richtigen Wortsinne von «revisited», sondern durchaus auch im falschen Sinn von reduziert… denn wie ein reduziertes iPhone sieht der neue iPod aus, mit dem sich Apple dann auch vom Clickwheel-System verabschiedet und voll auf PDA-ähnliche Touchscreen-Oberfläche umsteigt. Ganz verstehen tue ich die Strategie des iPhoneLight nicht. Abgesehen von der HDD-Kapazität und dem Preis hat der iPod damit keinen Existenzgrund mehr und beides ist nur eine Frage der Zeit, wenn das iPhone schon von 599 auf 399 Dollar im Preis sinkt… wer sich diesen neuen iPod kauft, würde sicherlich und wird langfristig auch das Phone kaufen. Wofür dann noch das abgespeckte Produkt ohne Telefonie? Die Kostenvorteile bei der Produktion sind sicher eindeutig – immerhin ist der iPod nur noch ein umgemünztes iPhone mit etwas anderer Software, aber am Markt sehe ich keinen Vorteil. Im Grunde zeichnet sich damit ab, dass das iPhone den großen videotauglichen iPod komplett ersetzen wird. Was ja zwangsläufig logisch erscheint und den richtigen Schritt zum komplett integrierten Multimediabegleiter endlich auch bei Apple vollzieht… womit sich, dank der immensen Marketingpower der Marke, diese Idee am Markt in großer Breite durchsetzen dürfte. Wir Smartphone/PDA-User sind damit endlich im Mainstream angekommen :-D.

PS: Das Apple ausgerechnet mit Starbucks eine strategische Allianz eingeht, wie zuvor schon mit Google, ist… erschreckend. Da kommen die Hyperbrands zusammen, Starbucks, Google, Apple, BMW und schaffen ein Gesamambiente, einen glatten, ziemlich abstoßenden Konsumstrom. Das Starbucks sozusagen in den iPod fest eingebaut ist, sollte nachdenklich stimmen und sagt einiges über Apples Zukunft aus.

Photo: SpiegelOnline

EiN PAAR HALBWEGS ABSCHLIESSENDE MEHR ODER MINDER UNGEORDNETE GEDANKEN ZU VISTA

Nach einiger Testzeit – ich habe in den letzten Wochen zwei Rechner 64 und 32 bit mit Vista eingerichtet und gemoddet, zeitgleich zwei Rechner mit XP – kann ich sagen, dass man als XP-User eigentlich (noch) keinen sonderlichen Grund für ein Update hat. Mit Skins wie dem Brico-Vista-Inspirat-Pack, mit Object Dock Plus und Yahoo/Konfabulator Widgets und Exposer für XP und Switcher für Vista (den ich visuell sogar noch etwas besser finde als Exposé) und natürlich etwas Zeit lassen sich beide Systeme oberflächlich nahezu identisch machen, abgesehen von dem Glas-Effekt von Aero. Im grunde ist das Endergebnis – wie Vista an sich ja auch – nahe dran an einer Art sleeken, schwarzen Apple-Skin. Nach wie vor etwas schade, dass Apple stets die Interface-Sachen entweder erfindet oder genial von Freeware integriert und Windows dieser Entwicklung immer etwas hinterherhinkt (und das – im Falle der Sidebar – auch noch schlecht). Ich denke, mit der Zeit werden sich aber für die sehr flexible Aero-Oberfläche zahlreiche exzellente Mods finden. Wie immer ist Windows out of the box ein saumiserables System, das aber langfristig ein Hochmaß an Flexibilität bietet, einfach weil es binnen kurzer Zeit mit diversen Tools umstrickbar wird :-D.

Grandios ist für alle Vista-Installateure das Tool vLite, mit dem man schon von Start weg unwichtige Bestandteile des OS aus der Installation weglassen und zugleich eigene wichtige Treiber einbinden kann. Einfach zu handhaben und hochwirksam – allein das Entfernen fernöstlicher Sprachmodule spart auf der DVD 1,4 GB. Warum Microsoft dem User bei der Installation solche Entscheidungen nicht einfach selbst lässt, ist mir allerdings ein Rätsel. Ist aber im Trend. Bei Office 2003 konnte ich noch weitestgehend selbst konfigurieren, was installiert wird, bei Office 2007 sind meine Optionen spürbar eingeschränkter. Mehr und mehr Software installiert sich stillschweigend wie die Anbieter es wollen, CS3 ist auch so ein Beispiel. Das soll kundenfreundlich sein… ist es aber in Wirklichkeit nicht.

Vista lässt sich mit etwas Einsatz sehr gut zurückschrauben zu einem halbwegs soliden, halbwegs schlanken OS mit dem sich sehr gut arbeiten lässt. Einige Features sind ziemlich großartig, andere Sachen nerven eher und waren unter XP einfacher, cleaner gelöst. Vieles bedarf bei XP weniger Nerverei als bei Vista, weil Vista versucht, sicherer zu sein. Es mag ein Sicherheitsfeature sein, dass du auch als Admin einige Dateien und Ordner nicht manipulieren darfst… aber es ist im Vergleich zu XP eher ein Rückschritt im Alltag. Ich frage mich schon, wie ein unerfahrener User Office installiert, wenn er – selbst als Admin – die dazu nötigen Dateien nicht überschreiben kann. Es gibt natürlich einen Workaround, aber… solche Sicherheitsfeatures sollten sich global (wie ja zB das UAC und Defender auch) deaktivieren lassen und fertig. Windows ist immer noch zu sehr an IT-Menschen orientiert.

Würde ich heute einem Einsteiger ein System empfehlen müssen, so würde ich ihn zu Apple raten. Einfach, weil Apple keine Computer verkauft, sondern Videorekorder. Fertige Hardware, fertige Software, aus der Kiste, einschalten, fertig. Don’t think. Nicht ganz mein Ding, ich würde wahrscheinlich sofort auch beim Apple rumwerkeln (mich machen zig Sachen an OSX madig… alles an OSX out of the Box missfällt mir, auch die Hardware (Mighty Mouse zum Beispiel) ist ein Alptraum. Ich hab am WE zehn Minuten an der MM gearbeitet und kam mir vor wie behindert. Das Ding sieht stylish aus, aber liegt schlecht in der Hand, ist dysfunktional und kann de facto mal nichts im Vergleich mit selbst den einfachsten Logimäusen, gegen eine MX Revolution hat man so eine Art Steinzeit-Feeling an der MM. Wer arbeitet freiwillig mit sowas?), aber für nen Anfänger… perfekt. Das ist bei Microsoft einfach nicht mehr der Fall. Als blutiger Laie bekommst du ein überladenes OS, als Power-User musst du halt sozusagen gegen das System an sich arbeiten, um dann am Ende aber ein relativ schönes OS stehen zu haben. Die dazu nötige Zeit würde ich einem Anfänger aber sparen wollen. Apple ist anfängerfreundlicher, weil ein closed system. genau die Sachen, die mich nerven, sind hier für Anfänger solide durchdacht und gemacht und stringenter als bei Microsoft. Ich denke, die hermetische Ankoppelung von Hard/Software und ein stark in Richtung Computer-sind-Haushaltsgeräte driftendes Denken bei Macintosh dürften der Marke, neben dem überzeugenden Design und dem überragend schlauem Marketing, ein Wachstum eröffnen, das Microsoft sogar in einigen Segmenten alt aussehen lassen wird. Vista ist, muss man ganz klar sagen, Microsoft Eigentor schlecht hin – es GIBT keinen besseren Grund, zu Mac zu wechseln. Das OS fühlt sich fast bis ins Detail wie ein Apple-Nachbau an, ist aber ohne Feintuning deutlich klobiger und uneleganter und unintuitiver gemacht. Warum also nicht gleich zum Original greifen? Wenn bei MS irgendwer irgendwie halbwegs mitdenkt, sollte es sehr schnell einen Nachfolger geben, der eigene Akzente setzt, der sich deutlich einfacher für Laien anfühlt und deutlich modularer und offener auf Profis zugeht. 98 und XP waren sehr solide Betriebssysteme, Vista ist alles, aber eben NICHT der Wow-Effekt.

Dabei ist Vista derzeit weder stabiler noch schneller als XP, und – vorausgesetzt, man installiert auf beiden Systemen Norton 360 oder eine andere Sicherheitslösung – auch nicht sicherer… und auch nur einen Hauch schöner :-D. Ein großer Wurf, nach der langen Wartezeit, ist das alles nicht. Mir wäre deutlich lieber, es gäbe ein modulares, sehr leichtes OS, das sich mit offenen Modulen erweitern lässt und dem Pro-User ein Maximum an Spielraum gibt. Vista entfernt sich von dieser Denke eher, Microsoft und Apple werden sich hier immer ähnlicher, orientieren sich an Onkel Otto und Tante Agathe. Macht ja auch Sinn, der Markt wird dorthin gehen.

Vista ist insofern etwas wie Quark XPress, der letzte Schrott, wenn man es auspackt, aber mit zig Plug-Ins und Modulen ganz schön in den eigenen Workflow zu integrieren. Ein paar Bugs hab ich dem System IMMER noch nicht ausgetrieben, aber das sind Kinderkrankheiten, das wird schon noch. Man darf auch nie vergessen: Microsoft hat es sehr viel schwerer als Apple. OSX ist für ein relativ fixes Hardwaresystem gebaut. Windows muss in zigtausend möglichen offenen Konfigurationen, fast hardwareunabhängig, funktionieren. Das ist ein gigantischer Vorteil für den User, ein Geschenk an Freiheit, aber eben auch Balast für die Software, die viel flexibler sein muss und insofern schon vorn vorne herein mit viel mehr Treibern und anderem Ballast daherkommt. Dazu noch ist die Firma – wie viel zu viele Softwareanbieter, auch Apple und Adobe – inzwischen marketingorientiert, nicht mehr entwicklungsorientiert. Was in allen drei Fällen ein ziemlicher Rückschritt ist. Jede neue Version dieser drei Anbieter scheint etwas weniger neue brauchbare Features zu bieten, aber in anderer Hinsicht oft auch Rückschritte darzustellen. In CS3 sind im Detail solche Rückschritte greifbar, bei Vista ist nahezu kein FORTschritt zu verzeichnen. Die Firmen sind zu vorsichtig.

CS3 läuft übrigens allerdings unter Vista bereits – gerade unter MultiCPU – spürbar fixer als unter XP. Ich denke, neue Softwares werden einen Grund bringen, umzusteigen. Und in ein oder zwei Jahren wird es von Mods und Skins für Vista so wimmeln, dass man bedenkenlos switchen kann.

Einstweilen aber würde ich dazu raten, bei XP zu bleiben. Ist Vista bereits installiert – auf einem Laptop o.ä. – würde ich es MASSIV abspecken und rekonfigurieren. Mit einer Ausnahme: Ich selbst habe Aero – obwohl Speicherfresser – nicht abgeschaltet, ich mag den Glasslook einfach :-D. Aber auch hier wäre es schön. wenn der User mehr Einstellungsmöglichkeiten hätte… Aber abgesehen von der neuen Oberfläche und marginalen Verbesserungen, merkt man kaum eine Art von Quantensprung zwischen XP und Vista, im Gegenteil. Microsoft hat sich erschreckend streng an XP orientiert und keine wirkliche Weiterentwicklung der IDEE von Betriebssystem geliefert. Bei Apple gab es einen – schmerzhaften – Sprung von System 9 und der alten Denke hin zu UNix und OS X, der sich jetzt langsam wirklich auszahlt. Leopard liefert anscheinend noch KEINE Überarbeitung der unsagbar augenkrebsigen Aqua-Oberfläche, im Gegenteil, alles wird noch bunter. Aber wenn die Site und das iPhone einen Vorgeschmack geben, findet anscheinend ja in Cupertino langsam ein (zu vorsichtiges) Umdenken in Sachen GUI statt, hin zu cleaneren, ruhigeren Strukturen.

Ich denke, langfristig sind beide OS keine Lösung, aber die Open-Source-Angebote (meist Linuxbasiert) sind bisher auch bestenfalls halbgar und haben – eben anders als Windows – nicht den Vorteil des nahezu unerschöpflichen Softwareangebotes. Trotzdem. Ein schlankes OS, modbar, kompatibel, offen, schnell, leicht und mit einem schnellen, schicken Interface… vielleicht mit dem Flair von Native-Instruments-GUIs… man muss ja mal träumen dürfen. Ich verstehe bis heute nicht, warum niemand von MINI lernt, das offene, flexible User-Konfigurierbarkeit ein klarer Marktvorteil sein kann. So wie man bei MINI Dachfarbe und Spiegelfarbe und zig andere Module einzeln konfigurieren kann und so – für einen industriellen Anbieter – zu einem relativ individuellen fahrzeug kommt, so sollte man als Rechneruser auch in der Software möglichst viele Details personalisieren dürfen. Ohne Hacks, sondern als Standard.

Fakt ist aber, Apple UND Microsoft werden sich weniger und weniger für den Rechnermarkt interessieren und mehr und mehr in Nebenbereiche (Entertainment, Webangebote, Mobile) einsteigen, weil im Consumersegment einfach mehr Geld steckt. Was vielleicht aber bedeutet, über kurz oder lang, dass irgendwelche smarten Programmierer aus der Not eine Tugend machen. Wäre ja nicht das erste mal… oder arbeitet wirklich noch jemand mit Internet Explorer :-D?

Die wirklichen Verbesserungen bringen dementsprechend eher kleine Entwicklungen aus Free- oder Sharewaresegment, die sich unglaublich professionalisiert haben. Mit Hilfe von Widgets und anderen Tools lassen sich Betriebssysteme inzwischen – unabhängig vom Ausgangs-OS – völlig umstricken. Der Yahoo-Microplayer ist in den Background eingebettet, minimal, und tut genau so seinen Dienst wie der Mediaplayer, nur schöner, leichter, smarter. Und das, denke ich, ist ein Signal für die Zukunft: Minimales, schlankes, offenes OS. Und darauf aufbauend modulare Skins und Tools. Die hinter den Widgets steckende Idee von einem hochgradig individualisierbaren Patchwork-Betriebssystem ist die Zukunft, hoffe ich.

SEADRAGON & PHOTOSYNTH

Eigentlich witzig, dass die gleiche Firma, die mit Vista das meistverkaufte Betriebssystem der Welt so surreal verbockt hat, andererseits auch für derart aufregende und coole Ideen stehen kann:Die Technologie von Seadragon könnte die Art, wie wir Bilder managen völlig revolutionieren und Photosynth als praktische Anwendung wird Flickr und user-generated Content auf ein ganz neues Niveau heben… Dank Seadragon – einer Technologie zum management großer Bildmengen bei gleichzeitig extrem detaillierter on-the-fly-generierter Auflösung – jedenfalls werden wir Designer über die Skalierbarkeit von Bildmaterial neu nachdenken müssen. Interessantes Buzz-Word in dem Beitrag von Seadragon-Chef Blaise Aguera y Arcas auf der TED ist Gigapixel. Zusammen mit Surface ist Microsoft derzeit irgendwie gar nicht so un-innovativ, wie man meinen möchte. Es kommt nur bisher zu wenig beim User an ;-) Ganz klar ist hier aber der Trend weg vom Computer, wie man ihn bisher kennt, hin zu Geräten ohne Tastaturen oder Maus, die intuitiv mit dreidimensionalen Pixelströmen arbeiten können. Das Büro der Zukunft, wie man es in Steven Spielbergs Minority Report noch als Science Fiction gesehen hat, ist deutlich absehbar.

APPLE IPHONE

Das Apple-Handy ist also da.
Und ich bin damit offiziell ein Prophet, Ladies und Gentleman. 

Und ich muss leider sagen, wie erwartet ist es ein sehr schönes Gerät, eben Apple-Design, und sicher auch ein Kick-Ass-Handy. Wenn es auch eher ein PDA und weniger ein Handy per se ist. Aber nichts, was man nicht schon kennen würde, oder? Gegen den HTC etwas eleganter, schmaler, aber auch hier und da weniger leistungsstark, wobei die 8 GB on board Spaß machen. Nokia und Sony werden sich warm anziehen müssen, denke ich. Und Apple hat mit diesem Handy den ersten Schritt zu einem neuen Markt für Apple getan und kehrt zum Watson, dem ersten PDA, zurück. Endlich. Das Gerät dürfte sich trotz einiger Mängel verkaufen wie geschnitten Brot und einiges in Bewegung setzen. Rundherum gute Sache. Bis auf die Tatsache, dass es ein Apple ist, sprich dieses seltsame iTunes/DRM-Ding, das ich so gar nicht mag. Davon abgesehen;: Goldrichtig und längst überfällig. Aber lieber ein Jahr warten und es richtig machen. Da dürfte sich in den kommenden Jahren endlich einiges tun im Digital-Assistant-Sektor.

HDR SELFMADE

Kleiner Tip von Thomas Junold, den ich gerne weiterreiche: Im Spiegel ist ein guter Artikel zum Do-it-Yourself von HDR-Bildern, die aus einer Belichtungsreihe mehrerer normaler Low-Dynamic-Range-Bilder erstellt werden. Die Sache geht mit Photomatix Pro von HdrSoft wirklich reibungslos über die Bühne und macht auch noch Spaß. 99 Euro sind nicht zuviel für die Möglichkeit, das Kontrastspektrum eines Bildes virtuell so anzureichern. Nicht für alles zu gebrauchen, aber gut zu haben. Nicht nur, weil man bei Objektaufnahmen ja relativ problemlos auch via Bracketing mal zehn Belichtungsstufen durchgehen kann (zumal DSLR Remote Pro von Breeze Systems mit Photomatix nahtlos zusammenarbeitet), sondern auch, weil man mit Capture One ja auch aus einer normalen RAW recht problemlos mehrere virtuelle Belichtungsstufen herausholen kann, ohne dass die Qualität allzu sehr leidet. Ich habe gestern ein bißchen mit der Trial herumgespielt und die Ergebnisse sind sehenswert, auch wenn ich gern noch bessere Steuerungsmöglichkeiten beim Tonemapping hätte. Da wird es sich eventuell aber anbieten, zwei Bilder zu genereren und die dann in Photoshop nochmals zu verschmelzen. Die Anmutung der Bilder liefert ein surreal klares Licht, nicht immer das, was man wirklich in einem bestimmten Moment sucht, gerade Räumlichkeiten werden so seltsam von Schatten befreit, dass man diese magische Selbstillumination eines Gemäldes erzielt, einen hyperrealen Gesamteindruck.

FURBY

Von Rain, Bene und Nina haben wir einen Furby geschenkt bekommen. Die Sorte Geschenk, wo man spontan grinst und «Ooooookay…» denkt, das sich aber mit etwas Beschäftigung als fast hypnotisch erweist. Hasbro hat 2005 den klassischen Furby weitestgehend überarbeitet. Die neuen Furbys sind größer, haben eine feinere Motorik, bessere «Lippensynchonisation», echter wirkende Augen, feineres Fell und vor allem eine rudimentäre Spracherkennung. Die zwar nur wenige bestimmte Vor-Formulierungen erkennt, diese aber relativ treffsicher auch bei verschiedenen Personen und funktional auch in geräuschvoller Ambience. Die neuen Furby haben angeblich einen Wortschaft von etwa 800 Worten Deutsch und 200 Worten der Furby-Sprache, mit der die Roboterpuppe in der ersten Entwicklungsstufe fast ausschließlich kommuniziert. Natürlich ist der Furby an sich lernunfähig, aber das System simuliert glaubhaft eine mehrstufige Entwicklung, bei der die Puppe im Spiel mit dem Besitzer nach und nach mehr Deutsch spricht. Überhaupt ist die Programmierung – für ein ja recht preiswertes Spielzeug – durchaus gelungen. Furby hält die Aufmerksamkeit der Spieler nicht nur dadurch aufrecht, dass er aktiv Aufmerksam einfordert (Kitzel mich, Streichel mich, Du nicht lustig), sondern auch immer wieder mit neuen Worten oder Aktionen überraschen kann. Wenn die Puppe aus dem Nichts heraus ein «Komisches Geräusch» oder (genialerweise nachdem sie durch leere Batterien etwas seltsam agiert) ein völlig unerwartetes «Was’n los?» absondert. Ansonsten kann Furby das, was die Puppe halt kann. Tanzen, singen, spielen (Grünes Licht/Rotes Licht, sehr witzig, aber nur beim ersten Mal) die Zukunft voraussagen, ein recht komplexes (wenn auch von zu lauten Servogeräuschen begleitetes) Minenspiel. Die Sache mit dem Furby-Orakel macht ausgesprochen Spaß und funktioniert ebenso gut oder schlecht wie alle anderen Horoskope uswpp :-D. Macht jedenfalls großen Spaß, Furby zu 2007 zu befragen.

Der 2005er Furby macht auf jeden Fall – für mich deutlich im Gegensatz zu allen Vorgängern – fast zu viel Spaß und hat einen hohen Suchtfaktor. Man lernt fast freiwillig furbisch, fängt selbst an in dem seltsam abgehackten Wortfetzen-Pidgindeutsch der Puppe zu reden. Hab-dich-liiieb. Ooookay. Supa. Tadaaaa. Zumal einzelne Worte einfach so niedlich sind und sich durch die permanentpenetrant immergleiche Wiederholung einfach im Kopf festfräsen. Obwohl natürlich unter dem weichen Polyester-Kostüm eindeutig ein massiver Block pinkfarbenen japanischen Plastiks steckt, dessen Geräusche unüberhörbar sind und der sich bei näherem Anfühlen viel zu hart anfühlt, strahlt Furby nach einer Zeit – mit etwas gutem Willen – tatsächlich so etwas wie virtuelle Persönlichkeit aus. Als postmodernes, ironisches Spielzeug für Erwachsene allemal phantastisch, ob ich es für Kinder nicht schon zu spooky finde, weiß ich selbst nicht. Pädagogisch wertvoll ist Furby sicher nicht, ich sehe es eher als Gimmick für Grownups denn als echtes Kinderspielzeug.


Spannend als Erwachsener ist natürlich die Faszination am technisch machbaren. An Furby entspinnt sich schnell die Diskussion über die grundsätzliche Idee einer robotischen Niedlich-Puppe, die einfach nur technologisch aufgerüsteter sein müsste. Bewegung, mehr Spracherkennung, eine interaktive Antwortdatenbank, Onlineanbindung, Wissensspeicher, modulares Lernen, Kameras in den Augen, Wärmeempfindlichkeit, viel mehr Sensoren und geräuschlose Mikromotorik am Körper usw. Aber die Idee ist da. Furby blinzelt ab und zu, atmet künstlich. Das ganze ist noch Krude und Roh, wie ein Eingeborenen-Nachbau eines Düsenjets aus Holz, aber die Dick-sche Idee eines komplett virtuellen Wesens, das wie einem Gremlins-Film entsprungen auf deinem Schreibtisch sitzt und mit relativ glaubhaft mit dir sprechen kann, bei dem du WEISST, dass es fiktiv ist, aber man eben fleißig Suspension of Disbelief betreibt, wie bei einem Film oder Buch eben auch… die ist hier greifbar.


Spannend daran ist, daß eine narrative Struktur in die dritte Dimension springt. Furby (und, auf ganz andere Art und Weise, Aibo), sind Vorboten einer GESCHICHTE in der echten Welt. Die nicht Buch, nicht Film, nicht Computerspiel ist, aber letzterem noch am ähnlichsten. Eine in ihrem Ablauf grob vorprogrammierte Fiktion, die von ihrem Urheber mit Eigenschaften und Potentialen ausgelegt ist, deren tatsächlicher Verlauf sich aber individuell in den Händen des Besitzers entfaltet. Solche robotischen Spielzeuge, wenn sie erst in den Bereich des K.I.-artigen fallen, werden also so etwas wie interaktive Erzählungen oder fleischgewordene PC-Spiele sein. Sie werden Online-Angebote umfassen, W-LAN-Funktionalitäten aufweisen (also auch Musik und IM anbieten usw), sie werden an Einkaufslisten erinnern, an Termine, werden mit Kühlschrank und anderen Hightech-Toys kommunizieren… und sie werden trotzdem Gizmos bleiben, Spielzeuge, die der Technologie ein anderes Antlitz geben, den Alltag erzählerisch verdichten, neben aller Funktionalität eben auch emotional unterhalten wollen. Wie gemacht für die Ein-Kind-Gesellschaft auf die wir zugehen, wie gemacht für die kommende überalteterte westliche Welt. Die echte Welt und die virtuelle überlappen sich zunehmend. Wir spielen in virtuellen Computerumgebungen und die Computersoftware nimmt immer Noch ist die AI-Technologie zu aufwendig und teuer, aber angesichts des hier wartenden Massenmarktes ist das nur eine Frage von Zeit, Serienfertigung und Miniaturisierung. Aber es wird kommen.

Und Furby ist der erste Vorgeschmack, der Kurier, dieser neuen Generation narrativer Spielzeuge. Die Furbys werden die Weltherrschaft übernehmen. Und uns dann zu Tode kuscheln.

300 Trailer

Der zweite Trailer des auf Frank Millers Comicbook basierenden Sparta-Epos 300 ist ein weiterer Schritt hin zur Konvergenz von Film und VR-Gaming. Was in zahlreichen anderen Filmen bereits angedeutet ist, kann man hier fast greifen: Film und Video-Spiel verschmelzen technologisch und ästhetisch zu einem Medium. 300 greift visuell vorweg, was in einigen Jahren der Standard im Gamingbereich sein dürfte: ein unwirklicher Mix aus Virtueller Umgebung und digitalisierten Realdarstellern. Das Ergebnis sind interaktiv steuerbare Filme – und diesen Möglichkeiten scheinen die Spielemacher nach wie vor etwas hilflos gegenüber zu stehen. Hier deutet sich die Möglichkeit einer komplett neuen Vorstellung narrativer Strukturen an, verzweigt, dynamisch, diskursiv multitextual, explorativ, die unsere bisherigen Vorstellung von Erzählung, von Autorenschaft etwa so verändern dürften wie der 12″-Remix in den 80ern die Vorstellung von einem «Song» erodiert und revolutioniert hat. Es gab plötzlich nicht mehr den «einen» Song, sondern Variationen, Iterationen und man konnte sich – wenn auch nur aus einer vorgegeben Auswahl – seinen Favoriten auswählen. Oder, inzwischen, selbst tätig werden und Songs remixen, wie vor einigen Jahren eine phantastische Fan-Page bewies, die sich faktisch jedes Björk-Lied gleich mehrfach rekonstruktiv zur Brust nahm.

Ich hatte mit Marian kürzlich das Gespräch, dass ich denke, wir haben inzwischen mehr als genug Spiele, die an die untersten Instinkte der Käuferschaft appellieren. Adrenalin und explizite Gewalt engen die Konsolenspiele auf eine zu kleine Zielgruppe ein, und sozial weisen sie nicht in die richtige, positive Richtung. Wir brauchen Spiele, die anregen, die kreativ machen, die den Spieler nach oben ziehen und bereichern. Bisher ist aus meiner Sicht ausnahmslos das Buch das Medium, das dich klüger, weiter, reicher macht. Gefolgt, mit einigem Abstand von Film und Musik, die beide schon eher emotional sind, niemals so in die Tiefe gehen können wie Buch, niemals die Reichhaltigkeit an Textur hergeben. VR-Spiele, wie sie sich oben andenken ließen, könnten diese Tiefe erreichen und überbieten, indem sie aus der hierarchischen Struktur fest vorgegebener Autorenstrukturen herausbrechen. Ein Buch hat einen festen Verlauf, in einem Spiel könnte ein Autor mehreren Verlaufssträngen parallel folgen, verschieden Charakteren usw. Solche neuen Formen von Erzählung könnten zugleich – über soziale Netzsoftware – von mehreren Onlineautoren weiterentwickelt werden, digitale Facfiction im Rahmen einer Spielumgebung. All dies existiert im Ansatz bereits und wartet nur auf den technologischen, aber vor allem auch den gesellschaftlichen Durchbruch.

Handlich


Die Seitz 6×17 ist wirklich eine Kamera zum überall und immer dabei haben. Nur die Auflösung ist mir irgendwie doch zu niedrig :-D…
Ernsthaft: Atemberaubend. Und zwar sowohl die angegebene Leistung mit Dateigrößen von 300 MB pro Bild als auch der (allerdings angemessen scheinende) Preis.

FUN WITH FLASHING LIGHTS

Nettes Experiment. Irgendwie ermutigend, daß nach nur 24 Stunden die Polizei erscheint. Scheint, als würden die vielen vielen Hollywoodklischees doch stimmen.

via Cynical

NANOBOTS OLÉ

Ein weiterer Schritt zur Bio/Nano/Mikrotechnologie. Bakterien können als Treibstoff genutzt werden und durch ihre Bewegungsenergie winzige Motoren antreiben

ROBOT-SOMMELIER

The so-called robot-sommelier, or “wine-bot”, can “taste” and identify types of wine, and also has the ability to discern and analyse foods.
The 2ft-tall (0.6m) robot, developed by NEC System Technologies and Mie University, uses infrared light to identify different tastes. …Infrared light is fired through the sample, and the robot can differentiate between different types of food and drink by determining the different wavelengths of light that are absorbed. By using its built-in voice function, the robot can convey exactly what it has found out. Mr Shimazu said the robot could also be personalised to alert a customer to the wines they prefer, and to recommend to new varieties that they might like to try.

via BBC

Und apropos…

PHOTOSYNTH

Microsoft läßt sich von Google noch nicht ganz die Butter vom Brot nehmen und entwickelt eine Software, die basierend auf Hunderten von – auch verschiedenen – Einzelphotos ein 3D-Surrounding emuliert. Photosynth von den Microsoft Live Labs ermöglicht es, ähnlich wie Quick Times Virtual Reality, nur deutlich extremer, virtuelle Umgebungen zu schaffen. Da die Bilder nicht von einer einzelnen Person stammen müssen, wird das Ganze zusammen mit Flickr oder einer ähnlichen Photocommunity sicher eine spannende Sache…
via Future Feeder

Connection Glass

Bei der Recherche nach Nabaztag fand ich übrigens auch das hier….

NABAZTAG

Oh, ich liebe diese künstlichen Tiere. Soooo à la  Do Androids dream of electric sheep. Ich denke, obwohl heute noch eher unfreiwillig komisch, sind Aibo und Nabaztag die Vorläufer einer ganz neuen Generation von Blobjects, die mit WiFi oder RFID, zunehmend besserer AI und einem soliden Mix aus niedlichem Design und Nutzwert unseren Alltag langsam aber sicher erobern werden. Anstelle der funky-cluncky Asimov-Roboter oder humanoider Roboter, sind diese soften süßen kleinen Dinger der Weg, auf dem sich immer und immer komplexere künstliche Wesen in unsere herzen schmuggeln werden. Technoide Roboter sind zu abschreckend, humanoide verstören und wirken immer wie ein Abklatsch, aber die fluffigen Blobrobots sind im Grunde der aktuellen Generation von 20jährigen schon von Kindesbeinen auf vertraut. Wer in den 80s/90s aufgewachsen ist, dem ist die Idee, von comicartigen Weichplastikwesen umgeben zu sein, zutiefst verankert und vertraut. Es ist dann kein großer Schritt, als Erwachsener von ähnlichen Gadget-Objekten – nur eben auch «erwachsen» geworden, also intelligenter und nützlicher – umgeben zu sein.

via Veer

Kraftwerk Vocoder




Von Marc kommt gerade dieser Link zu einer beendeten eBay-Auktion, wo für 12.500$ ein angeblich von den Kraftwerk-Gründern Ralf Hütter & Florian Schneider verwendeter Vocoder aus den 70s verkauft wird. Höllisch gutes Sammlerstück, muß ich sagen… und ganz nebenbei auch wunderschön.

Die Mutter aller Transistor-Vokoder, Prototyp der frühen 70er, exklusiv gebaut für ein Elektronik-Duo dieser Periode, dokumentiert auf Rückseite Schallplattenhülle von KW’s “Ralf&Florian” und in einer Zeichnung auf dem der Platte beigefügtem Comic-Poster.

Der Apparat wurde bei der Studio-Produktion von 3 Musik-Stücken verwendet, “Ananas-Symphonie” , Mikrophon für Elektro-Gesang und Verwendung von Hawaii-Gitarre und Rhythmus-Maschine für den Begleit-Rhythmus, desgleichen bei “Kristallo” , Rhythmus-Maschine und EMS-Synthesizer, bei einer weiteren Aufnahme wurde das Gerät zur Intro von “Autobahn” benutzt.

Der Vokoder besteht aus Analyse- und Synthese-Filterbänken zu je 12 Kanälen , 2 Kompressoren für jeweils Sprach- und Ersatz-Signal-Eingänge , stimmhaft/stimmlos-Detektor sowie Filter-Matrix-Steckfeld.

Das Gerät wurde von den Elektronik-Ingenieuren Dipl.Ing.P.Leunig und Dipl.Ing.K.Obermayer aus dem Umfeld der physikalisch-technischen BundesAnstalt (PTB) Braunschweig entworfen und konstruiert.

Später wurde das know-how in abgespeckter Form von einem namhaften Studio-Ausrüster, R.Barth K.G., Hamburg zu einer Kleinserie unter dem Typennamen MUSICODER weiterentwickelt.

Speed Script

Eines der großen Probleme mit dem PDA ist nachwie vor die Texteingabe. Handschrift- und Spracherkennung ist entweder unzuverlässig oder nervig, die klassische Qwerty in Emulationen wie spbs FullScreenKeyboard brauchbar, aber irgendwie nicht perfekt, immer eine Bluetooth-Stoaway dabeizuhaben widerspricht eher dem Sinn des winzigen Gerätes. Speedscript ist ein weiterer Versuch und mit etwas Übung eventuell gar nicht so schlecht, auf jeden Fall aber linguistisch spannend gedacht und ein wirklich neuer Ansatz. Die Tastatur besteht dabei nur noch aus einigen Sondertasten, einem Vokalfeld und Konsonanten. Schreibt man einen Konsonanten öffnet sich ein Matrixfeld mit Vokalen (und Leerzeichen) automatisch, so daß man die schnellsten nötigen Sachen einfach zur Verfügung hat. Mit etwas Übung, so die Hersteller, kommt man auf Zehn-Finger-Niveau. Was ich nicht unbedingt glaube, aber die Idee ist einfach schön. Extrem Umständlich sind allerdings j und y gelöst, was ich absolut gar nicht verstehe. Auch die Anordnung der Konsonanten macht mir (noch) Kopfzerbrechen. Schön wäre ein intelligenter Algorithmus, der Worte erkennt und die nächsten Konsonanten passend anbietet, so das man ganze Worte per Strichzug malen kann.

Auf jeden Fall einen Test wert.

LIVE DRIVE

Wie ich ja öfter angedeutet habe, liegt die mittelfristige Zukunft wahrscheinlich darin, daß wir alle unsere Daten – Musik, Filme, Bilder, Texte – online speichern und mit Broadband direkt auf verschiedene relativ schlanke und insofern auch mobile devices herunterladen werden, sei es Fernseher, Hifi-Satelliten, Cellphone, Auto und und und. Man hätte so seine persönlichen Daten im Grunde global überall und jederzeit in Echtzeit verfügbar, als Stream sozusagen. Mit Ausnahme von echten Arbeitsstationen, im Grafik-, Audio- oder Filmbereich etwa, wären herkömmliche Rechner damit fast so etwas wie Dinosaurier, vom Aussterben bedroht, während Technologien wie UMTS Broadband (noch besser: stadtweite WLAN-Netze), serverbasierte Datenspeicherung und RFID im Grunde nahezu jedes nur denkbare Gerät internettauglich machen würde. DVD-Player, herkömmliche CD-Spieler, herkömmliche Fernseher, herkömmliche Laptops und PDAs und Handys würden verschwinden, wir hätten kleinste mobile Universalgeräte.
Microsoft macht jetzt den ersten Schritt, unter dem denkbar uninspirierten Namen Live Drive, zu solchen Serverfarmen. Vielleicht nicht wirklich die Firma, der die meisten Leute ihre Daten anvertrauen werden.

Denn der Schritt von local zu remote Datenverwaltung ist eine Vertrauenssache. Hier wird sich entscheiden, ob der User über seine Daten verfügt oder die Industrie. DRM und microsofteigene Spyware lassen da nichts Gutes ahnen (nicht daß Apple besser wäre, die iTunes-Songs sind auch alle mit seltsamen Digital Rights Management ausgestattet). Auch der Umgang mit internationalen Copyrights wird da spannend werden, schließlich lassen sich für solche Online-Drives wahrscheinlich sehr schnell kreative illegale Verwendungen finden.

Richtig technologisch aufregend ist das Ganze eigentlich nicht, da man sich ja ohne weitere inzwischen auch so einige GB als Server leisten kann (es ist eher so, daß der Zugriff mobil noch zu langsam ist, das wireless internet muß viel schneller werden), und es gibt ja auch berewits ungezählte Anbieter von Onlinemöglichkeiten, Bilder und andere Daten zu hinterlegen… ausschlaggebend wäre also vielmehr die Frage, ob es Gates und Co gelingt, die Technik massentauglich zu bekommen. Schließlich gab es MP3 und auch kleine tragbare MP3-Player schon lange vor dem iPod, aber erst die Marketingpower von Apple hat die Sache breitenkompatibel gemacht.

Pandora


Pandora basiert auf dem Music Genome Project und stellt eine Art Audiostream dar, mit verschiedenen virtuellen Stationen, die basierend auf einer Band- oder Songvorgabe Vorgabe des Anwender ähnliche Tracks abspielen. Das Ganze hat seine Grenzen, akustisch (nur 128 k, aber Stereo und somit durchaus ausreichend für «Radioqualität») wie technisch (vielmehr lizenztechnisch, Pandora darf gewisse Dinge einfach nicht), ist aber eine ziemlich geniale Sache, wenn man einfach mal eine bestimmte Richtung hören möchte, aber trotzdem überrascht werden will. Wenn man also vielleicht den Flair von Múm braucht, aber einfach nicht die Bands, die man eh schon kennt hören will. Interessante Methode also, um komplett neue Acts kennenzulernen. Und im Zweifelsfall sofort kaufen zu können :-D.

Ich frage mich, welche Funktion herkömmliche Radiosender, deren Playlists gerade mal im dreistelligen Bereich liegen, angesichts von iPod und Streaming-Music aus dem Web, noch innehaben wollen. Die müssen ganz schnell neue Konzepte und Angebote, eine neue Definiton haben, um zu überleben. Den reinen Bügelmucke-Funk kann es nicht mehr lange geben. Ich persönlich halte das Basiskonzept von EinsLive als ultraaktiven Entdecker-Sender vor Ort (also für den «Sektor»), also als sehr inklusives Jugend-Angebot, und das von WDR5 als reinen Kultur/Info-Sender für wegweisend,frage mich aber, was normale Kommerz-Sender machen wollen, die einfach nur Nachrichten und Musik liefern. Die werden sterben. Wenn die Flartrate fürs Handy preiswert und Breitband kommt, sind die doch tot.

Und die Fernsehsender sollten die drei vier Jahre, die ihnen die Technik noch läßt, nutzen, um sich ganz schnell was einfallen zu lassen. Denn die werden das gleiche Problem kriegen, sobald jedes Handy aus dem Web nicht nur Filme und beiträge streamen kann, sondern diese via UPnP an jedes beliebige TV oder Hifi-Gerät senden kann. In den Kinderschuhen geht das schon längt – Nokia bringt gerade ein via Bluetooth als UPnP-gerät nutzbares Handy auf den Markt.

Aber was, liebe TV-Sender, wenn das alles erst einmal ausgereift ist?

5D

Aufgrund eines Sensordefektes und eines neuen Auftrags mußte/konnte ich von der 20D auf die Canon EOS 5D umsteigen. Auf den ersten Blick sind die Kameras weitgehend identisch, so daß man das neue Modell ohne einen Blick in die Bedienungsanleitung, fast wie im Schlaf (ich bin ja seit der ersten Digital-SLR bei Canon) zusammensetzt. Leider hat Canon auch diesmal wieder einen neuen Batteriegriff konstruiert, es wird etwas nervig, auch den immer wieder ersetzen zu müssen, zumal sie im Grunde in der Funktion alle identisch sind und es vor der 20D ja auch ging, stets den gleichen Grip zu verwenden. Das ist doch eher Geldschinderei und nervt insofern. Das komplette Handling ist ansonsten identisch, man steigt nahtlos von einer Kamera zur anderen.

Auffällig auf den ersten Blick, sind das deutlich größere LCD-Display und der größere optische Sucher. Klingt beides banal, aber allein der Sucher ist den Umstieg wert. Unglaublich, was das für einen Unterschied macht. Das man mit dem größeren LCD jetzt auf einen Blick mehr sieht vom gemachten Bild, klarer beurteilen kann, wie das Bild geworden ist, ist auch ein echter Bonus.

Die Einstellungen im Menü sind wie gehabt. Wie gewohnt findet man also auch in den Customer-Einstellungen versteckt die erweitere ISO, mit denen man der 5D einen Spielraum von 50 bis 3200 ISO geben kann, also nach unten etwas mehr als bei der 20D. Die 5D bietet dabei feinere Schritte als die 20D, was sicher in der Praxis hilft, einen netten Kompromiß zwischen Licht und Rauschfaktor zu finden. Die meisten kamerasoftwareseitigen Änderungen sind mir ansonsten meist etwas egal, weil ich ohnehin nur mit RAW-Bildern arbeite, die die Software weitestgehend unberührt läßt.

Die 5D verzichtet endlich auch auf die furchtbaren vorprogrammierten Features (Portrait, Landschaft, Nacht und so weiter) und den eingebauten Spielzeugblitz, and thank the lord for small mercies. Damit positioniert Canon die Kamera weniger im Consumer-Bereich, sondern nähert sich dem Profisegment der 1D an. Überhaupt… der Chip ist der gleiche, soweit ich weiß, und bringt auf der gleichen Fläche (echte 24 x 36, also full frame, ohne Brennweitenverlängerung) nur eben etwas größere Pixel unter, wodurch die 5D zwar eine etwas geringere Auflösung (12 statt 16) liefert, aber die besseren Bilder. Ich persönlich fand keinen sinnvollen Grund, warum die 1D noch einmal 5000 Euro teurer ist, ehrlich gesagt. Auch der Verschluß hat einen anderen Sound als die 20D, solider und professioneller (und leiser… nur leider immer noch nicht leise genug, wie ich finde), weniger klackerig. Autofocus und Verschlußzeit reagieren in Echtzeit, wie bei einer Analogkamera. Auch den Standby merkt man der Kam nicht mehr an. Wenn sie sich ausschaltet, reicht ein simpler Druck auf den Auslöser und sie ist sofort da, sogar noch einen Hauch fixer als die 20D, die ich in dieser Hinsicht ja schon völlig befriedigend fand. Im Grunde auch hier ein sehr analoges Feeling. Der Port ist USB2.0, so daß auch Echtzeit-Tethered-Shooting inzwischen auch mehr als sinnvoll sein sollte. Ein Tool wie DSLRPro solte man wahrscheinlich trotzdem nutzen, die aktuelle 1.1er Version unterstützt die 5D, so wie auch CaptureOne in der aktuellen Fassung die 5D komplett supported. Die 5D verpackt Fat32-CompactFlash-Karten, also über 2 GB. Bei den CF-Karten fallen die Preise munter, so daß man sich alsbald sicher auch 4GB in den Slot packen kann.

Und die braucht man auch, denn die 5D hat eben 12 statt 8 Megapixel, erzeugt also auch größere Datenmengen. Aber die lohnen sich. Die 5D liefert A4-Plus-Photos, die man aufgrund der großen Pixel auch problemlos noch um einiges hochvergrößern kann, die Dynamik bei einem 100-ISO-Bild gibt da einiges her. Die Schärfe und Detailtreue der Bilder ist eher erschreckend, bei Portraits kommt man nicht mehr umhin, die Bilder nachzubearbeiten, weil wirklich jedes Haar und jeder Pickel deutlich sichtbar ist.

Zudem braucht die Kamera sicher ordentliche Objektive, aufgrund des größeren Chips, der leicht allergisch auf chromatische Verzerrungen am Linsenrand reagieren wird, aber da ich ja nur L-Objektive habe, war das für mich kein Problem. Mann, ich wußte ja, eines Tages freue ich mich noch mal, an den Optiken nicht gespart zu haben.

Glasklar, läßt sich auch an der 5D einiges verbessern, mehr Megapixel sind immer gut, aber im großen und ganzen ist die Kamera ein solider Schritt nach vorn von der ebenfalls schon sehr guten 20D, und läßt im Grunde kaum noch Wünsche offen. Näher kommt man einem analogen Feeling kaum noch, und mit gestochen scharfen A4-Formaten ist die Kamera in Sachen Bildqualität endgültig auch der herkömmlichen KB-Analogkamera überlegen.

AUDIOCUBE

Endlich mal ein wirklich kleiner MP3-Spieler. Panasonics V-MP730V D-Snap Audio bietet 1 GB Speicher, 4 EQ-Einstellungen, ein LCD-Display und hat winzige Abmessungen von 71 x 23 x 14 mm bei knapp 35 g Gewicht. Ich bin mir nicht sicher, ob man den Display-Block abnehmen kann, was natürlich zusätzlich genial wäre.

via Productdose

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