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	<title>HD Schellnack &#187; Live</title>
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		<title>Haste Töne Finale im Konzerthaus Dortmund</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Jun 2011 13:54:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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		<description><![CDATA[Niemand konnte bei diesem Projekt vorher wissen, wieviel Leute sich das Finale ansehen würden, aber Christian Esch vom  NRW Kultursekretariat  und Benedict Stampa vom Konzerthaus Dortmund schienen von den über 300 Leuten im Saal überrascht, begeistert und beeindruckt zu sein und revanchierten sich mit einer kurzen Ansprache, die ohne Mühe und Verbiegungen ehrlich auf dem Niveau der Besucher spielte und mehr von Herzen kam als vieles, was man sonst bei Kulturevents für Erwachsene als «Rede» hört. ...  Dass Stampa, der als Intendant des Konzerthauses deutlich seine Zahlen auf dem Radar haben muss, sich so für die Sache ins Zeug legt, sagt viel über Mut, Experimentierfreude und Engagement des Intendanten und die Tatsache, dass er sich - und bei Entscheidern wie Stampa ist Zeit immer ein knappes Gut - das fast dreistündige Konzert von A bis Z anhört, viel über seine Neugier und natürlich auch viel über das Konzert an sich.   ...  Es ist Benedict Stampa hoch anzurechnen, dass er hier sozusagen «niedrigschwellig» (wie unsere Kunden aus dem Suchthilfe-Bereich es gerne nennen), also ohne Vorgaben, Erwartungen und Hürden, frei von Eitelkeiten und Etepetete einen Zugang in sein Haus und damit in die tatsächlich mit allen Sinnen erlebbare Welt der Klassik schafft, einen Abend, der ja auch eine Verführung und Einladung ist, sich mehr mit Klassik auseinanderzusetzen, die eben mehr sein kann als Brahms und Bach. &#160;&#160;   Insofern ist es vielleicht passend, dass die jungen Talentmusiker auf der Bühne quasi als Abschluss und Zugabe von den selbstkomponierten Schülerstücken zu einer Legende der Pattern Music übergehen, zu Terry Riley «In C», einem Stück, an dessen Rigidität schon erfahrerene Musiker und geduldigere Zuhörer gescheitert sind und das ich als Fan von Reich und Glass sehr mag in seiner schimmernden, zuckenden, lebendigen Struktur eines endlos langen, gefrorenen Sonnenaufgangs, das aber in der Länge - obwohl in nur kurzen 20 Minuten durchgespielt - schon das Publikum offenbar herausfordert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/toene2.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Vielleicht ist der Titel irreführend &#8211; zumindest für mich. «<a href="http://www.nrw-kultur.de/projekte/projekte/haste-toene-so-klingt-schule/aktuelles/09062011-finale-in-dortmund.html#0">Haste Töne &#8211; So klingt Schule</a>» klingt zunächst etwas nach der gutmeinenden Art von Projekt, mit denen Schüler an die Kultur herangeführt werden sollen. Solche gibt es ja viele und viele kranken an der negativen Grundeinstellung der Veranstalter zu den Jugendlichen, die ja in real viel reicher und bereichernder sind als die Vorstellungen, die man sich von «Kids» macht. Da ich für die <a href="http://www.ruetgers-stiftung.de/index.php/de/news.html">Rütgers Stiftung</a> vor einigen Jahren viel gute Erfahrungen mit Kreativ-Projekten für Jugendliche gesammelt habe und dabei phantastische junge Tüftler kennengelernt habe, die interessiert und neugierig, erfinderisch und engagiert sind, hat es mich eigentlich kaum überrascht, dass das Haste-Töne-Projekt, das in der gleichen Altersklasse und wahrscheinlich auch einer ähnlichen Zielgruppe funktioniert, ähnlich großartige Ergebnisse hervorbringt.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/toene_finale_04.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>«Haste Töne», vereinfacht gesagt, füllt eine Lücke in der Musikpädagogik. Während viele Orchester gerade Kinder an die Musik heranführen und an der Erleben von Klassik, schien mir immer ein Gap bei den schwerer zu erreichenden 15-18jährigen zu sein, die Pop und Rock für sich entdeckt haben, nicht mehr mit den Eltern ins Konzert gehen und in vieler Hinsicht schwerer zu erreichen sind. «Haste Töne» wendet sich ganz gezielt an diese Generation und das mit einem Konzept, das gleich zwei weitere Lücken füllt, nämlich mit der Komposition neuer E-Musik. Es geht also nicht um das «Lernen» von Klassik, um eine pädagogische Heranführung an eine Musikrichtung, sondern um das Selber-Machen, aber eben nicht im Sinne vom Erlernen eines Instrumentes, sondern von der ganz generell kreativen Seite her kommend, der Komposition. Allein dieser Ansatz macht schon Spaß, aber dazu noch die E-Musik in ihrer Offenheit und ihrer Neugierde als das perfekte Vehikel zu nutzen, Musik als Ort des kreativen, explorativen Arbeitens zu kommunzieren, ist natürlich goldrichtig.</p>
<p>Wie richtig, hat sich Freitag abend im großen Saal des <a href="http://www.konzerthaus-dortmund.de/">Dortmunder Konzerthauses</a> gezeigt. Niemand konnte bei diesem Projekt vorher wissen, wieviel Leute sich das Finale ansehen würden, aber Christian Esch vom <a href="http://www.nrw-kultur.de/">NRW Kultursekretariat</a> und Benedict Stampa vom Konzerthaus Dortmund schienen von den über 300 Leuten im Saal überrascht, begeistert und beeindruckt zu sein und revanchierten sich mit einer kurzen Ansprache, die ohne Mühe und Verbiegungen ehrlich auf dem Niveau der Besucher spielte und mehr von Herzen kam als vieles, was man sonst bei Kulturevents für Erwachsene als «Rede» hört. Nicht abgelesen, völlig locker und mit sichtbarem Spaß an der Sache erklärt Stampa seinen Gästen, warum er den großen Saal für diese Veranstaltung frei gemacht hat &#8211; damit sie ihre Kompositionen im «echten» Konzertrahmen erleben können, ohne Kompromisse. Keine schlechte Sache, wenn man bedenkt, dass der Saal am Freitagabend auch mit zahlenden Gästen gefüllt sein könnte &#8211; denn der Eintritt bei Haste Töne war frei. Dass Stampa, der als Intendant des Konzerthauses deutlich seine Zahlen auf dem Radar haben muss, sich so für die Sache ins Zeug legt, sagt viel über Mut, Experimentierfreude und Engagement des Intendanten und die Tatsache, dass er sich &#8211; und bei Entscheidern wie Stampa ist Zeit immer ein knappes Gut &#8211; das fast dreistündige Konzert von A bis Z anhört, viel über seine Neugier und natürlich auch viel über das Konzert an sich.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/toene_finale_03.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Denn auch der Aufbau des Abends ist ungewöhnlich. Professionell und souverän führt die WDR-Autorin und Moderatiorin <a href="http://www.wdr3.de/team/moderatoren/claudia-belemann.html">Claudia Belemann</a> durch den Abend, der mit zahlreichen Interviews und Informationen das Projekt und den Ablauf, die Betreuung durch die prominenten Komponisten-Moderatoren beleuchtet und so nicht nur die Musik in den Mittelpunkt stellt, sondern auch deren Entstehung. Eine Form von Aufbau, die ich mir bei manch «echtem» Konzert eigentlich auch wünschen würde, weil es eine zusätzliche Ebene einführt, informiert und zudem die jungen Mitwirkenden auf der Bühne als fesselnde Persönlichkeiten präsentiert.</p>
<p>Das von <a href="http://www.markus-stollenwerk.de/Markus_Stollenwerk/Home.html">Markus Stollenberg</a> betreute Projekt vermischt Elektronisches und Live-Musik, zeigt eine verblüffende Bandbreite von Stilen und Formen. Vom überaus niedlichen Schulgong-Eingangskonzert eines Schülerorchesters, begleitet von Delayeffekten und eingespielten Sounds, über ein Vokalensemble, das aus Gelächter eine komplexe Beatbox-Komposition macht bis hin zum studio MusikFabrik &#8211; so vielseitig zeigt sich «Klassik» selten in zweieinhalb Stunden. Peter Veale leitet mit Elan die meisten Stücke des herausragenden Jugendensembles und erläutert mit der jungen Pianistin Kin Sun Joo gemeinsam im Interview die Interpretation der Stücke. Dabei wird klar, wie sehr Haste Töne auch tatsächlich als musikalisches Experiment besonders ist, weil es den Begriff der Autoren/Komponistenschaft anders fasst als gewohnt. Musik entsteht hier im Kollektiv, über verschiedene Realisierungsphasen hinweg. Die Schüler arbeiten mit Mentoren &#8211; Profi-Komponisten, die mit Rat und Tat zur Seite stehen &#8211; und ihren Lehrern im Team und versuchen, Ideen zu entwickeln und zu einer mehr oder minder konkreten Lösung zu kommen &#8211; und diese wird durch das studio MusikFabrik erneut gebrochen, interpretiert, angereichert, aufgeladen. So gleicht die Komposition weniger der herkömmlichen Vorstellung des einzelnen Komponisten-Genies, sondern nimmt einen neuen, gemeinschaftlichen Habitus an, der eher an Designteams oder Architekturbüros erinnert, an Dialog, Evolution und das multivektorale Spiel, aus dem dann die Ergebnisse entstehen.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/toene_finale_02.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Und die Ergebnisse können sich sehen lassen, wahrscheinlich wäre es spannend zu hören, was Zuhörer sagen würden, die gar nicht wissen, wer die Komponisten der Stücke sind. Es gibt einen Hang zu schwebenden Dissonanzen à la Penderecki, zu scharfen Brüchen und zur Lautmalerei. Es ist eine oft seltsame 1:1-Umsetzung, wie man sie heute nur noch selten in der Klassik hört, man muss unweigerlich an «Sports et Divertissements» von Satie, an die «Alpensymphonie» oder an viele andere Versuche, mit Musik echte Umstände zu emulieren, denken. Aber es blitzen auch Pop- und Hiphop-Elemente auf, stets sauber gebrochen vom Ensemble, nie zu einfach oder anbiedernd gespielt, und einmal wird es sogar einen Satz lang ausgesprochen melodisch und tatsächlich ergreifend, ohne dabei süßlich zu werden. Das Experiment «Moderne Musik» hat eine musikalische und emotionale Bandbreite hervorgebracht, die wahrscheinlich sogar die Schüler selbst überrascht haben dürfte, die sich gegenseitig mit langem Applaus Respekt für Ihre Arbeiten zollten.</p>
<p>Die Lücke zwischen «Kinderkonzerten» und erwachsener ernsthafter Klassik, sie scheint hier wie weggewischt. Die Jugendlichen wirken nicht wie Fremdkörper im Konzerthaus, sondern hier am richtigen Ort, um frische Energie einzubringen und um selbst eine gute Zeit zu haben. Sie wirken oft entspannter, souveräner und reifer, als mancher ihnen vorweg zugetraut haben mag &#8211; und damit als Zielgruppe, die man nicht einfach an Dudelpop abschreiben darf, im Gegenteil. Es ist Benedict Stampa hoch anzurechnen, dass er hier sozusagen «niedrigschwellig» (wie unsere Kunden aus dem Suchthilfe-Bereich es gerne nennen), also ohne Vorgaben, Erwartungen und Hürden, frei von Eitelkeiten und Etepetete einen Zugang in sein Haus und damit in die tatsächlich mit allen Sinnen erlebbare Welt der Klassik schafft, einen Abend, der ja auch eine Verführung und Einladung ist, sich mehr mit Klassik auseinanderzusetzen, die eben mehr sein kann als Brahms und Bach. &nbsp;&nbsp;</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/toene_finale_01.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Insofern ist es vielleicht passend, dass die jungen Talentmusiker auf der Bühne quasi als Abschluss und Zugabe von den selbstkomponierten Schülerstücken zu einer Legende der Pattern Music übergehen, zu Terry Riley «In C», einem Stück, an dessen Rigidität schon erfahrerene Musiker und geduldigere Zuhörer gescheitert sind und das ich als Fan von Reich und Glass sehr mag in seiner schimmernden, zuckenden, lebendigen Struktur eines endlos langen, gefrorenen Sonnenaufgangs, das aber in der Länge &#8211; obwohl in nur kurzen 20 Minuten durchgespielt &#8211; schon das Publikum offenbar herausfordert. Passend insofern, als das an diesem Meisterwerk gemessen die Musik der Schüler durchaus mithalten kann, sogar lebendiger und im besten Sinne unfertiger, neugieriger wirkt&#8230; Rileys Kult-Status beweist, dass es in der neuen E-Musik auf Emotion, Überraschung und Mathematik ankommt, auf Innovation und Frechheit&#8230; nicht so sehr auf klassische Kompositions-Fähigkeiten. Es gibt schlechtere Enden, als solche, die deutlich machen, dass die Legenden eines Faches auch nur mit Wasser kochen &#8211; so ein Vergleich kann ja anspornend wirken.</p>
<p>Unterm Strich darf man hoffen, dass «Haste Töne» in eine weitere Runde geht und als Idee auch von lokalen Orchestern und Einrichtungen adaptiert wird, um junge Erwachsene für (moderne) Klassik zu begeistern.</p>
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		<title>Kaizers Orchestra Köln Stollwerck</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Mar 2011 09:57:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Stones sind längst an einem Punkt angekommen, wo sie zu ihrer eigenen Coverband geworden sind, anderen Bands geht es kaum besser - ich kann es mir nicht anders als entsetzlich vorstellen, wochenlang jeden Abend die gleichen Sachen herunterzufackeln, die man schon seit Jahren spielt, Songs, die man selbst wahrscheinlich längst nicht mehr hören kann, die auch in keiner Weise für den Jetzt-Zustand einer Bandentwicklung, für den aktuellen Geschmack, für die heutige Zeit stehen. ...  Wie es ist gibt die halbe Stunde Material aus Violeta Violeta den Blick frei auf eine Band, die mehr ist als eine Art besserer Karnevalskapelle, die zur Belustigung des Publikums funktioniert - für einen kurzen Moment ist da eine Band, die aus Spaß an der eigenen Musik auf der Bühne ist und die nicht routiniert zocken, sondern sich erst in den neuen Stücken einrichten müssen, die sich mehr anschauen, die nicht performen, sondern spielen, die einfachere, aber auch ehrlichere Musik machen und die per Video-Projektion etwas davon ablenken, dass sie so gar keine Lust haben, diese Songs durch Anmachsprüche, Mitklatsch-Animationen oder Rock'n'Roll-Posen zu versauen. 

... &#60;img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/Kaizers2011_01.jpg" alt="hd schellnack" /&#62; &#60;img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/Kaizers2011_02.jpg" alt="hd schellnack" /&#62;  &#60;img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/Kaizers2011_03.jpg" alt="hd schellnack" /&#62;  &#60;img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/Kaizers2011_04.jpg" alt="hd schellnack" /&#62;  &#60;img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/Kaizers2011_06.jpg" alt="hd schellnack" /&#62;   &#60;img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/Kaizers2011_07.jpg" alt="hd schellnack" /&#62;  &#60;img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/Kaizers2011_08.jpg" alt="hd schellnack" /&#62;  &#60;img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/Kaizers2011_09.jpg" alt="hd schellnack" /&#62;  &#60;img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/Kaizers2011_10.jpg" alt="hd schellnack" /&#62;  &#60;img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/Kaizers2011_11.jpg" alt="hd schellnack" /&#62; 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			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/Kaizers2011_05.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Es gibt einen Moment in dieser Show, der bemerkenswert ist. Etwa in der Mitte der Show, nachdem die Band nach dreijähriger Deutschland-Pause mit einigen Klassikern das Publikum, das von dem mehr als famosen Vor-Act Jarne Bernhoft ohnehin bereits aufgewärmt war, in Schwung gebracht hat, senkt sich eine Beamer-Leinwand vor dem gewohnten roten Vorhang über das gewohnt von Birnchen illuminierte als Schwarzweiß-Logo der Kaizers. Fast zeitgleich nimmt Keyboarder Helge Risa die vertraute Gasmaske ab &#8211; und tatsächlich signalisiert das einen Bruch im Konzert. Die Norweger spielen konzentriert en bloc Tracks von ihrem neuen Album, Violeta Violeta I, und wirken dabei wie verwandelt. Die Melange aus Ompa-Rock und Folkloregrooves, obwohl auf dem Album evolutionär noch vorhanden, tritt in den Hintergrund &#8211; ein Bruch der beim reinen Hören der exzellenten Platte fast nicht auffällt, im direkten Gegensatz live aber sehr deutlich wird. Die Musik wird erwachsener, weniger Sturm&amp; Drang, die ganze Attitude der Band scheint gereifter, weg von der Party-Anmache bei den Ansagen, hin zu einem sehr konzentrierten Spielen, zu einem britisch-amerikanischeren Sound, der die Gitarren mehr betont (die sehr souverän die auf dem Album von Streichern gespielten Parts ersetzen), irgendwo zwischen Pop und Indie, sehr viel normaler als der «gewohnte» Kaizers-Sound und in der Tat sehr viel weiter entwickelt. Die Band gibt sich Raum für psychedelische Streifzüge in den Nummern, wirkt bei sich, international wie selten zuvor und obwohl die Tracks so hintereinander eine gewisse Selbstähnlichkeit entfalten, steht da auf einmal eine Gruppe auf der Bühne, die spürbar &#8211; und sei es nur für einen Teil des Abends &#8211; aus der eigenen Legende, aus dem eigenen Exoskelett heraus will. Hier werden nicht alibihaft ein paar aktuelle Nummern zwischen die «Greatest Hits» geschummelt, man kann greifen, dass hier etwas vorgestellt wird, was Ottensen und seinen Leuten &#8211; selbst wenn er sich mit «this is almost a popsong» fast entschuldigt &#8211; wichtig ist.</p>
<p>Umso trauriger, dass den Kaizers genau das passiert, was jedem etablierten Act an diesem Punkt passiert &#8211; das Publikum zieht nicht, oder nicht nennenswert mit. Wie bei Bowie in den Neunzigern, als er mit «Outside» tourte und konsequent keine etablierten Hits spielte, was das Publikum, das anscheinend nur «Fame», «Let&#8217;s Dance» und «Space Odditty» hören will, wenig goutierte. Es ist seltsam dass die Fans einer Band oft wenig bereit scheinen, die Entwicklung der Musik mitzutragen und neugierig auf neue Tracks und deren Live-Interpretation sind, sondern vielmehr erwarten, dass die Musiker als eine Art Partykapelle, eine lebende Jukebox, jeden Abend ihre Instrumente auspacken und Jahr für Jahr immer wieder die gleichen Songs performen. Die Stones sind längst an einem Punkt angekommen, wo sie zu ihrer eigenen Coverband geworden sind, anderen Bands geht es kaum besser &#8211; ich kann es mir nicht anders als entsetzlich vorstellen, wochenlang jeden Abend die gleichen Sachen herunterzufackeln, die man schon seit Jahren spielt, Songs, die man selbst wahrscheinlich längst nicht mehr hören kann, die auch in keiner Weise für den Jetzt-Zustand einer Bandentwicklung, für den aktuellen Geschmack, für die heutige Zeit stehen. Statt dessen bedienen die Lieder nur die Nostalgie der Zuhörer, das Kenn-ich-Kann-ich-mitsingen-Feeling, es ist live, aber in Wirklichkeit ist es die schlimmste aller Konserven. Und so spielen Kaizers, wieder nach einem fast greifbaren Bruch mit hochfahrender Leinwand und wieder hervorgeholter Gasmaske, im dritten Akt des Konzertes einen Hit nach dem anderen &#8211; und das Publikum geht wieder mit. Es scheint, als sei eine Art Abmachung im Raum, die besagt, dass die Band ihre neuen Songs zwar spielen darf, aber danach bitte nur noch die vertrauten Hits wie «Maestro». Was die Band auch tut, allerdings so leidenschaftslos und professionell wie es nur eben geht. Bis auf wenige Momente Augenkontakt mit der Balustrade und einem glaubhaften Lächeln wirkt Ottensen wie ein Musikroboter, der die vertrauten «Ja klar»-Shout-Outs aus dem Publikum zaubert, der auf Knopfdruck die gute Laune produziert, der wie ein Karnevals-Act ein Könner darin ist, den Saal zu kontrollieren, der aber zugleich nur die Freude eines Handwerkers an solider, ihn innerlich aber kaum berührender Arbeit zeigt. Wo Janove bei den neuen Liedern seine Stimme ausprobiert, hochschraubt und mit geschlossenen Augen konzentriert einen Text vermitteln will (den ohnehin in Deutschland nur 15% des Raumes verstehen), gibt er im Partymodus eine Art norwegischen James Brown, der eben gute Miene zum stets schlechten Spiel macht und ein guter Profi ist, der versteht, dass er von seinem Publikum lebt. Und dieses wie kein Zweiter routiniert in die Höhe schrauben kann.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/Kaizers2011_12.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Vergleicht man das Konzert mit der 250-Prosent-Tour, zeigt die Band sich bei ihren Klassikern weniger ausschweifend, zieht routiniert wie alte Zirkuspferde die gleichen Gags durch, als wäre es kein Konzert, sondern eine Theaterperformance. Expeditionen, Improvisationen finden kaum statt, die Soli sind knapp und aufs nötigste reduziert, Breakdowns wie bei der letzten Tour, wo Passagen gern mal ausgedehnt und genossen wurden, finden nicht statt, es geht darum, möglichst viel Hit in möglichst überschaubare Zeit zu komprimieren. Es muss für Musiker ein seltsames Dilemma sein, Fluch des eigenen Erfolges, wenn ein Publikum nur noch bestimmte Wiederholungen erwartet, eine Leistung für das Geld erwartet, und du diese Erwartungshaltung als Mainstream-Act auch noch erfüllen musst &#8211; aber dann wieder von Nörglern wie mir kritisierst wirst. Wobei es mir weniger darum geht, dass Kaizers nun etwa 1:1 die Playlist bisheriger Konzerte aufgewärmt haben, ich frage mich einfach, wie sich das für die Band <i>selbst</i> anfühlt. Vielleicht ist es auch einfach, als würde man eine Art Wanderarbeiter sein, der eben drei Monate im Jahr quer durch Europa fährt und&#8230; arbeitet&#8230; und dann hat man sein Geld verdient und hat den Rest des Jahres halbwegs Ruhe und macht eine Platte, die man wichtig findet, um wieder einen Anlass zu haben, als Wanderarbeiter zu reisen, und so geht das weiter, bis es nicht mehr weitergeht. Wer weiß. Weit entfernt vom künstlerischen Nimbus des «Musikers» ist das sicher allemal &#8211; aber die Illusion verliert sich ohnehin schnell, wenn man einmal in einen Tourbus schaut. Wie es ist gibt die halbe Stunde Material aus Violeta Violeta den Blick frei auf eine Band, die mehr ist als eine Art besserer Karnevalskapelle, die zur Belustigung des Publikums funktioniert &#8211; für einen kurzen Moment ist da eine Band, die aus Spaß an der eigenen Musik auf der Bühne ist und die nicht routiniert zocken, sondern sich erst in den neuen Stücken einrichten müssen, die sich mehr anschauen, die nicht performen, sondern spielen, die einfachere, aber auch ehrlichere Musik machen und die per Video-Projektion etwas davon ablenken, dass sie so gar keine Lust haben, diese Songs durch Anmachsprüche, Mitklatsch-Animationen oder Rock&#8217;n'Roll-Posen zu versauen. So einfach Helges Geste ist, sich die (Gas-)Maske vom Gesicht zu nehmen, aus der Rolle zu treten und nur «echt» als Musiker auf der Bühne zu stehen &#8211; statt als ironisch gebrochene Rock-Theater-Figur, so bildhaft ist sie auch &#8211; und vielleicht ist das auch der Grund, warum Risa im dritten Akt des Konzerts fast ironisch-gelangweilt wirkt und sich resigniert in die Rolle des irren Keyboarders zurückzieht und wieder Produkt wird.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/Kaizers2011_19.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Dieses Dilemma betrifft alle kreativ Schaffenden, zumindest die, die es «geschafft» haben, von ihrer Arbeit zu leben. Ob Musiker oder Künstler, Designer, Autor oder Architekt &#8211; du wirst mit einem Stil, einem «Sound» identifiziert. Es gibt nur wenige, die sich so freigeschwommen haben, die finanziell und inhaltlich so unabhängig sind von Käufern, von Marketing, von Presse, von einem «Funktionieren» im System, dass sie machen können, was immer sie wollen und scheinbar dennoch &#8211; oder dann gerade wegen dieser Unabhängigkeit &#8211; Erfolge feiern. Und vielleicht ist dann auch wieder diese Unberechenbarkeit das, was das Publikum erwartet, also berechenbar. Es muss ein schwieriger Gradwandel sein, diese Berechenbarkeit zu liefern, ohne so zu stagnieren, dass man sein Publikum wieder langweilt &#8211; oder schlimmer noch sich selbst. Bei Kaizers Orchestra ist in Köln zu spüren, dass die Band sich in der letzten Dekade musikalisch weiter entwickelt hat, einerseits &#8211; vielleicht paradoxerweise &#8211; einem Rockpop-Mainstream näher gekommen ist, weg von diesem Tom-Waits-Sound, der die Band prägte, andererseits aber emotional ehrlicher und tiefer geworden ist. Und diese gewachsene Band, ist genau an der Bruchstelle, an der schon größere Künstler gescheitert sind &#8211; an dem Lagrangepunkt, wo die Band zwischen kreativem Schwung und den Wünschen der Plattenfirma und des Publikums festhängt, vielleicht hängenbleiben kann für eine gewisse Zeit, irgendwann aber wahrscheinlich in eine der beiden Richtungen driften wird &#8211; dem Druck entkommend und der eigenen Kreativität entgegen oder in Richtung Pflichterfüllung. Letzteres ist meist einfacher, befriedigt mehr Gemüter, bringt meist auch mehr Erfolg, geht aber für viele Bands gegen die eigentlichen Gründe, warum man einmal Musik machen wollte. Ich habe selten ein Konzert einer Band gesehen, das genau diesen Moment frei von Frustration und Tour-Fatigue so präzise festhält, die Gegenüberstellung von «Weiter wie bisher» und «Entwickeln wir uns weiter» so klar gegenüber &#8211; und dazu die erwartbare Reaktion des Publikums&#8230; und bin tatsächlich gespannt, für welchen Weg sich Kaizers Orchestra entscheiden werden.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/Kaizers2011_25.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Wenn aber auch The Human League im KulturSpiegel gerade verkünden, die alten Hits als «Dienstleistung am Publikum» zu spielen, hat man eine Ahnung, wie sehr sich die Rolle der Musiker in den letzten drei Dekaden verändert hat, wie stark der Erfolgs- und Überlebensdruck ist, wie sehr sich der musikalische Wunsch nach Ausdruck zu einem Beruf verändert hat, der nach klaren Parametern abzulaufen hat. Mir fallen weniger und weniger Ausnahmen ein, wie etwa Radiohead oder zu einem geringeren Grad Massive Attack, die Erfolg und eine gewisse Sperrigkeit miteinander verbinden und trotzdem die Hallen vollkriegen. Eine gute Entwicklung ist das nicht.</p>
<p>Vielleicht ist es auch nur «Band Fatigue», vielleicht habe die Kaizers einfach zu oft gesehen. Aber dass es auch anders geht, beweisen Steve Wilsons Porcupine Tree, die sich mitten in der Tour entscheiden, nicht die Songs des Backkatalogs zu spielen, sondern vor einem völlig begeisterten Publikum live Stücke des kommenden Albums «live» zu proben. Mutig und in jeder Hinsicht ein einzigartiges Konzert. Auch Jazzer wie Herbie Hancock beweisen, dass es im Rahmen einer einzigen Tour nicht nur machbar, sondern auch musikalisch enorm wichtig ist, mehr zu tun als nur ein oder zwei Songs auszutauschen oder die Setlist dezent zu modifizieren &#8211; Hancock hat vor einigen Jahren in fast jeder Stadt die Lieder nicht nur neu zusammengestellt, sondern enorm andere Interpretationen geliefert, faktisch fast jeden Abend improvisiert. Von diesem Mut einer Jazzlegende, die ja ebenso gut allabendlich den gleichen Summs spielen könnte, darf die Popbranche sich gern eine Scheibe abschneiden. Es ist auch eine Erziehungsfrage, das Publikum aus der Jukebos-Erwartungshaltung wieder heraus zu bringen.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/wp-content/uploads/Kaizers2011_32.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Konkret war das also ein Konzert mit einer unfassbar guten Vorband &#8211; wobei Bernhoft wirklich genau in dieser Form, solo mit seinem Boss MC50 Looper, unfassbar ist und wahrscheinlich mit großer Besetzung nicht mehr so singulär unglaublich phantastisch sein dürfte sondern «nur» noch ein guter Soulact, und ein akustisch leider vergleichsweise schlecht abgemischtes Konzert von Kaizers mit einem wunderbaren Mittelteil, der perfekt die Stimmung eines der vielleicht besten Alben dieser Band widerspiegelte. Und zugleich eben eine Lehre über die Sollbruchstellen einer Musikerkarriere. Mit zwei Zugaben und einem erschöpfenden, bei aller theoretischen Kritik mitreissenden Programm, dennoch wie immer ein Beweis, das die Kaizers zu den besten Liveacts in Europa zählen dürften.</p>
<p>Nach dem Break noch eine Handvoll Photos&#8230;</p>
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		<title>ChkChkChk: Uebel und Gefährlich Hamburg</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Dec 2010 10:39:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Alternative]]></category>
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		<description><![CDATA[Es ist winterlich kalt in Hamburg und das Ambiente des Uebel &#38; Gefährlich ist auch nicht gerade tropisch-warm, sondern wirkt eher einem dystopischen Gefängnisfilm entsprungen – und vielleicht ist das der Grund, warum die New Yorker bei diesem Gig seltsam verkühlt wirken, vielleicht liegt es auch an den teils tragisch bedingten Umbesetzungen der letzten beiden Jahre, die sicherlich eine Auswirkung auf den Sound von ChkChkChk haben dürften. ...  Was vielleicht verständlich ist, wenn man sich den Tourplan der Band ansieht, die nahezu pausenlos auf wirschem Kurs durch Europa tourt – wer bei dem Programm und mit so wenigen Offdays noch aufrichtig spontan auf der Bühne ist und nicht bloß «funktioniert» muss übermenschliche Energiereserven haben. ...  Wer es nicht besser kennt, dürfte trotzdem mehr als zufrieden den Saal verlassen - die einzig wirklich maue Nummer war die letzte Zugabe, die schon eine gewisse Kehraus-Qualität hatte, ansonsten ist jeder Track Uptempo, trocken und minimalistisch nach vorn geprügelt, belebt von den psychedelischen Gitarren von Mario Andreoni, die zu den bemerkenswertesten Features dieses Konzertes gehörten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/chkchkchk_hh__03.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Es ist winterlich kalt in Hamburg und das Ambiente des Uebel &amp; Gefährlich ist auch nicht gerade tropisch-warm, sondern wirkt eher einem dystopischen Gefängnisfilm entsprungen – und vielleicht ist das der Grund, warum die New Yorker bei diesem Gig seltsam verkühlt wirken, vielleicht liegt es auch an den teils tragisch bedingten Umbesetzungen der letzten beiden Jahre, die sicherlich eine Auswirkung auf den Sound von ChkChkChk haben dürften. So oder so, gemessen am Kölner Konzert von 2007 wirkt die Band verhalten, es ist fast symbolisch, dass Nic Offer Shirt und Hose anbehält, und auch ansonsten scheint er eher das Partyanimal zu spielen als es wirklich zu sein. Er flirtet ein bißchen mit einem bauchfreien Groupie in der ersten Reihe, der er einige Tanzschitte zeigt, er posiert wie der junge Jagger, er springt über die Bühne, er macht die Publikums-Anheizer-Sprüche, aber es wirkt etwas routiniert, unecht. Was vielleicht verständlich ist, wenn man sich den Tourplan der Band ansieht, die nahezu pausenlos auf wirschem Kurs durch Europa tourt – wer bei dem Programm und mit so wenigen Offdays noch aufrichtig spontan auf der Bühne ist und nicht bloß «funktioniert» muss übermenschliche Energiereserven haben. Entsprechend fehlt es an den ekstatischen Momenten, denen die Energie aus allen Poren strahlt – diese explosiven Steigerungen, in denen die Band ursprünglich mit unfassbarer Geduld das letzte Prozent Kraft aus ihren ProgressiveFunk-Nummern melkt.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/chkchkchk_hh__01.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Aber auch mit 75% haben die !!! genug Power, um die frierenden Hamburger auf die Tanzbeine zu bringen und den dreiviertelvollen Raum ins Schwitzen zu bringen. Wer es nicht besser kennt, dürfte trotzdem mehr als zufrieden den Saal verlassen &#8211; die einzig wirklich maue Nummer war die letzte Zugabe, die schon eine gewisse Kehraus-Qualität hatte, ansonsten ist jeder Track Uptempo, trocken und minimalistisch nach vorn geprügelt, belebt von den psychedelischen Gitarren von Mario Andreoni, die zu den bemerkenswertesten Features dieses Konzertes gehörten. Andreoni schraubt sich mit Delay und Effekten zu einer phänomenalen Funk-Schrammelei hoch, die mal an New Order, mal an Niles Rogers erinnert und in den besten Momenten den Sound mühelos dominiert.<br />
Es mag daran liegen, dass vor dem Konzert eigentlich nahtlos die Talking Heads liefen &#8211; aber tatsächlich fällt bei dem Konzert auf, wie sehr sich !!! Elemente des Sounds von David Byrne &amp; Co aufgreifen und sich zu eigen machen. Wo die Talking Heads aber unterküht und intellektuell daherkommen, abstrakt und nicht selten kopflastig, fusionieren !!! das zackige Bassgerüst der Heads, die schwirrenden Gitarren und den fast körperlosen Gesang zu einer Art Indie-Funk, der mitunter wenig Bandbreite bietet, selbstähnlich bleibt, aber deutlich mehr für die Tanzfläche geeignet ist. Daran, dass draußen der Schnee rieselt, denkt in diesen zwei Stunden jedenfalls keiner, auch wenn der Schweiß nicht so von der Decke tropft wie man es von Chks bisher kannte.</p>
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		<title>Melissa auf der Maur: Köln Kulturkirche Live</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 2010 19:34:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Live]]></category>
		<category><![CDATA[Alternative]]></category>
		<category><![CDATA[Pop]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Publikum reagiert trotz an sich guter Stimmung plötzlich ein wenig irritiert, als die Band unvermittelt die Bühne verlässt, MadM eine längere, leicht konfuse (der Rotwein wirkt) Ansprache hält und dann von Band (bzw aus dem Rechner) der komplette Song läuft, mit diesem etwas schlechterem Sound, den Aufnahmen über eine Live-PA oft haben, während Auf der Maur dazu singt und mit den Armen in der Luft gestikuliert, als sei sie auf einem Videoset oder im Zwischenfall der 80er Jahre und würde durch den Nebel wabern. ...  Denn die Frage. ob es für Heroes&#38;Zeroes ein guter Abend war, hängt für diese Art von Band vielleicht gar nicht so sehr davon ab, wie voll es war oder wieviel T-Shirts man nach dem Gig verkauft hat, sondern vom eigenen Spiel, von der Frage ob der Bass im dritten Lied gut war oder davon, wie gut das Solo am Ende abging. ...  Auch wenn ich natürlich auch eher wegen MadM anwesend war, ist die Vorband insofern in jeder Hinsicht der Gewinner des Abends, sind von der Bühne in meinen Plattenfundus gewandert, während ich ein Auf der Maur-Konzert wahrscheinlich nicht wieder besuchen würde, einfach, weil mit bloßen Händen greifbar ist, wie sehr sie das, was sie da auf der Bühne machen muss, selbst anödet. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/madm_live_03.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Es gibt so etwas wie <i>zu</i> cleanen Rock. Zu professionell, zu gekonnt, zu geschliffen, zu cerebral und zuwenig gelebt. Und es gibt Rock, der trotz aller Fehler und Shortcomings aufrecht steht, mit diesem Schmuddelkind-Grinsen, der nicht funktionieren sollte und doch bestens geht. Es ist selten, an einem Abend beide Spielarten so Rücken an Rücken zu erleben, aber das Konzert von Melissa auf der Maur und Heroes&amp;Zeroes in der Kölner Kulturkirche verläuft genau entlang der Demarkationslinie zwischen Zombierock und gelebter Musik. Es ist weniger ein Konzert als vielmehr eine Studie zweier verschiedener Arten, Musik live zu produzieren.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/madm_live_01.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Denn die in ihrer Heimat erfolgreiche Vorband Heroes&amp;Zeroes, die in der Kulturkirche vor halbvollem Haus spielte, wußte sich die hallige Akustik der Kirche zunutze zu machen und brillierte mit einer unfassbaren Klangfront, die man den drei Männern kaum zutrauen würde, selbst wenn jeder der Musiker zusätzlich zu Gitarre, Bass oder Schlagzeug einen alten Synth vor sich aufgebaut hatte. Mit dem Albumsound kaum kongruent, produzierten die Osloer einen gewaltigen, göttlichen Krach irgendwo zwischen Indie und Rock und Metal, einen dichtgewebten Noiseteppich, in dem du oft genug nicht sagen kannst, wo der Bass anfängt und die Gitarre aufhört, wo Hans Jørgen Undelstvedt seine Stimme elektronisch mit einer Art Kaos-Pad durch Filter und Delays jagt oder wo andere Effekte den Sound dominieren. Das Ergebnis ist eine Musik irgendwo zwischen The Cure und Red Sparrowes, die die Band mit großer Freude &#8211; vorweg Lars Løberg Tofte am Bass und Drummer Arne Kjelsrud Mathisen &#8211; in den Raum pumpt und dabei spürbar selbst einen Heidenspaß hat. Kein Wunder also, dass ich mir nach dem Gig noch eine CD (Dead Media, yay!) der Band kaufte. Unprätentiös, direkt, erdig, laut und wunderbar noisy &#8211; natürlich kann keine CD diese Qualitäten einfangen, das Album ist viel leichter und konsumierbarer, aber dennoch: Was für ein Konzert, was für eine Energie und Leidenschaft. Großartig.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/madm_live_08.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Und was für ein Gegensatz zum Hauptact des Abends, der Ex-Hole/Ex-Smashing-Pumpkins-Bassistin <a href="http://xmadmx.com/">Melissa auf der Maur</a>. Deren allzugewollte Überinszenierung beginnt bereits mit einem Film, der vor dem eigentlichen Konzert läuft, dramatische Musik vom Band, die abrupt abbricht und einen seltsamen Gegensatz abgibt zu den vier Gestalten, die auf die Bühne kommen, auf der Maur mit einem Glas Rotwein in der Hand. Die Jungs in der Band tragen schwarze Einheitskluft, mit einem M markeirt, Corporate Clothing, vielleicht eine ironische Brechung der Tatsache, dass hier scheinbar drei angemietete Musiker der Chefin zuarbeiten, vielleicht auch nur der Versuch, das (in der Tat ausgezeichnete) Branding von MadM, das ohnehin die Bühne dominiert, weiter durchzuziehen. Der Effekt ist nur leider, dass Auf der Maur tatsächlich ein wenig wie ein kalkuliertes Produkt wirkt, eine Art multimediale Gesamtinszenierung, die einfach einen Hauch zu gewollt, zu durchdacht, zu gekünstelt ist. Dieser Eindruck zieht sich durch – die Band spielt einen Hauch zu sauber, zu Mucker-mäßig, zu glatt, in einem etwas an AC/DC-Bluesrock auf Stereoiden erinnernden Sound, und der etwas unkontrollierbare Sound der Umgebung tut diesem allzu cleanen Rock nicht gut. Außer dem Drummer wirken die Musiker ein wenig gelangweilt, vielleicht verständlich, wenn man nicht nur eine Tour durch zig Länder in Europa auf dem Buckel hat, sondern dazu noch in einer nicht ausverkauften durchaus recht kleinen Location spielt. Auf der Maur selbst scheint es nicht anders zu gehen, es gibt Momente, wo sie sich spürbar sammeln muss, um etwas Show zu machen, in sich geht, um irgendwoher die affektierten Showgesten und die einstudierten Rockposen hervorzuzaubern, mit denen sie sich durch den Abend rettet. Am deutlichsten wird dies bei ihren «Duett» mit Glen Danzig, das als Halbplayback läuft. Das Publikum reagiert trotz an sich guter Stimmung plötzlich ein wenig irritiert, als die Band unvermittelt die Bühne verlässt, MadM eine längere, leicht konfuse (der Rotwein wirkt) Ansprache hält und dann von Band (bzw aus dem Rechner) der komplette Song läuft, mit diesem etwas schlechterem Sound, den Aufnahmen über eine Live-PA oft haben, während Auf der Maur dazu singt und mit den Armen in der Luft gestikuliert, als sei sie auf einem Videoset oder im Zwischenfall der 80er Jahre und würde durch den Nebel wabern. Es ist also alles ein wenig zu viel, zu gewollt, zu aufgesetzt, zu sehr L.A. Es treffen hier fast zwei Modelle von Musik aufeinander. Da ist einerseits das Modell von Rockmusik als Inszenierung für das Publikum, von erlernten Posen und musikvideo-kompatiblen Gesten, eine Musik nicht für sich selbst, sondern für das Publikum, für den Erfolg, Musik, die geliebt und konsumiert werden will und dafür alles tut, was getan werden muss. Es ist Brand-Rock, mit Logos, Hyperstlisierung, mit Fransen am Bühnenoutfit, die jede Geste überbetonen, mit der gewollten Coolness, die so uncool wirkt. Auf der anderen Seite das Trio aus Oslo, das durch das Publikum mitunter fast gestört wirkt – der Sänger singt mit geschlossenen Augen, die Blickkontakte finden mehr in der Band als zwischen Band und Zuschauern statt, der Sänger wendet sich, wenn er an seinem Effektgerätepark steht, sogar fast mit dem Rücken zum Publikum, die Drums stehen am Bühnenrand, den anderen Bandmitgliedern zugewandt. Es gibt wenig Ansagen, es gibt keine großen Gesten, es ist jederzeit klar, dass es um die Musik geht, nicht um die Verpackung von Musik, um die eigene Erfahrung des Musik-Machens, nicht um das Abliefern eines fertigen vorgeplanten Produktes, das man als eine Art Jukebox Abend um Abend abzuliefern hat und zu dessen Produktion man sich eine Handvoll Leiharbeiter hinzuzieht.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/madm_live_07.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Es ist fast charmant, wenn an einem einzigen Abend zwei so grundlegende Modelle von Musikperformance aufeinanderprallen mit so unterschiedlichen Ergebnissen und du als Zuschauer begreifst, das diese Modelle nicht nur für dich selbst als Rezipient eine Rolle spielen, sondern vielleicht auch für die Performer auf der Bühne. Denn die Frage. ob es für Heroes&amp;Zeroes ein guter Abend war, hängt für diese Art von Band vielleicht gar nicht so sehr davon ab, wie voll es war oder wieviel T-Shirts man nach dem Gig verkauft hat, sondern vom eigenen Spiel, von der Frage ob der Bass im dritten Lied gut war oder davon, wie gut das Solo am Ende abging. Für MadM ist das Publikum die einzige wirkliche Größe geworden &#8211; ein guter Gig hat nichts mit der eigenen Musik zu tun, sondern mit der Venue-Größe, der Reaktion der Gäste, dem Marketing-Impact des Ganzen. Wer sich ernsthaft auf eine Live-Bühne stellt und zu einem Halbplayback singt, bei dem ist klar, dass es eben nicht mehr um das eigene Machen von Musik live genau in dem authentischen Moment geht, sondern nur um die möglichst saubere serienartige Reproduktion eines vor Monaten im Studio entstandenen Werkes. Die Qualitätsfrage entscheidet sich bestenfalls an der Auflösung von Spontaneität, also daran, wie präzise man dem Studio-Vorbild nahegekommen ist, wie wenig man Modifikationen, Erweiterungen, Änderungen in der gemeinsamen Bühnenimprovisation erarbeitet hat. Heroes hingegen haben ihr Studiomaterial bis an die Grenze der Unkenntlichkeit entstellt, auf den Raum reagiert, aufeinander, und haben eine noisige, aber schwingungsvolle Improvisation der eigenen Musik, einen fast jazzig-lässigen Umgang mit dem eigenen Material, bewiesen. Auch wenn ich natürlich auch eher wegen MadM anwesend war, deren aktuelles Album ja tatsächlich auch großartig ist, ist die Vorband insofern in jeder Hinsicht der Gewinner des Abends, sind von der Bühne in meinen Plattenfundus gewandert, während ich ein Auf der Maur-Konzert wahrscheinlich nicht wieder besuchen würde, einfach, weil mit bloßen Händen greifbar ist, wie sehr sie das, was sie da auf der Bühne machen muss, selbst anödet. Wieso sollte es mich dann mehr interessieren?</p>
<p><span id="more-4981"></span>
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		<title>Foals Köln Luxor</title>
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		<pubDate>Sun, 30 May 2010 11:41:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Live]]></category>
		<category><![CDATA[Alternative]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist eins dieser Konzerte bedienen Bier und Schweiß von der zu niedrigen Decke tropfen, weil zu viele Leute in einem zu engen Raum zu viel Bewegung machen, bei denen du irgendwann aufhörst mitzusingen, weil sich die Angst einschleicht, was eigentlich mit deiner Zunge passiert, wenn dir plötzlich ein Ellenbogen unters Kinn schlägt, bei dem die Besucher am Ende verschwitzt und müde und glücklich wirken wie nach einem Besuch im «Fight Club». ...  Es ist beeindruckend, wie Jimmy Smith live den unglaublich dichten Gitarren- und Delayteppich der Studioaufnahmen scheinbar lückenlos nachbildet, und Drummer Jack Bevan wirkt auf der Bühne fast wie entfesselt, bringt die Stücke mit seiner Energie auf eine völlig neue Ebene, kleidet die bei allem Tempo eben doch stets leicht krautigen, trancigen, cannabisschwangeren Produktionen in neue, geradlinigere Rhythmusarchitekturen, denen der hallfreiere, direktere Sound tatsächlich gut steht. ...  Auf der anderen Seite, nach zwei verpassten Konzerten in Köln und Amsterdam, für die ich zwar Tickets, aber keine Zeit hatte, ist es natürlich auch großartig, die Band endlich nah und direkt gesehen zu haben, in einer kleinen Venue die authentische, echte und intensive Konzerte garantiert, bei denen dir noch drei Tage später jeder Knochen im Leib wehtut.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/foals_luxor_01.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Es ist eins dieser Konzerte bei denen Bier und Schweiß von der zu niedrigen Decke tropfen, weil zu viele Leute in einem zu engen Raum zu viel Bewegung machen, bei denen du irgendwann aufhörst mitzusingen, weil sich die Angst einschleicht, was eigentlich mit deiner Zunge passiert, wenn dir plötzlich ein Ellenbogen unters Kinn schlägt, bei dem die Besucher am Ende verschwitzt und müde und glücklich wirken wie nach einem Besuch im «Fight Club». Die Foals hätten in Köln offensichtlich auch eine deutlich größere Venue gefüllt und verwandeln das Luxor in einen Käfig, der zu einem Drittel nur noch aus Mosh Pit besteht.</p>
<p>Und verdientermaßen – die Band, die schon auf den Alben einen bisher unerreichten Sound abliefert, ist live noch um einiges präsenter. Härter, schneller, sehr viel lauter, mit einem Sound, den ich so im Luxor bisher nicht gehört habe und der gegen Ende des Konzerts auch sicher bis an die oberste Leistungsgrenze der PA geht, und der vor allem psychedelischer, experimenteller, freier wirkt als im Studio. Einerseits werden so die etwas sanfteren Songs von <i>Total Life Forever</i> deutlich näher an die Songs des Debutalbums herangerückt, zackiger, tanzbarer, tougher &#8211; andererseits wächst ein Liveklassiker wie <i>Two Steps Twice</i> so zu einem Wall-of-Sound-Monster heran, das gegen Ende genauso gut aus dem Frankensteinlabor von Mogwai hätte kommen können. Und so wird der Mix aus alten und neuen Songs zu einer überzeugenden Reise durch die massiven Upbeatgefühle von Hits wie <i>Olympic Arirays</i> oder <i>French Open</i> einerseits und der unfassbaren Euphorie, die Tracks wie <i>Spanish Sahara</i> beim Hören auslösen andererseits. Es ist beeindruckend, wie Jimmy Smith live den unglaublich dichten Gitarren- und Delayteppich der Studioaufnahmen scheinbar lückenlos nachbildet, und Drummer Jack Bevan wirkt auf der Bühne fast wie entfesselt, bringt die Stücke mit seiner Energie auf eine völlig neue Ebene, kleidet die bei allem Tempo eben doch stets leicht krautigen, trancigen, cannabisschwangeren Produktionen in neue, geradlinigere Rhythmusarchitekturen, denen der hallfreiere, direktere Sound tatsächlich gut steht. Eine Band, die schon im Studio so großartig ist wie die Foals und die ihre Livefähigkeiten in einer gnadenlosen Ochsentour durch Festivals und Clubs geschliffen hat, hätte mit dem zweiten Album eigentlich einen deutlich größeren Club als das Luxor verdient und angesichts des rammelvollen Ladens wohl auch relaxt etwa die Live Music Hall gefüllt. Auf der anderen Seite, nach zwei verpassten Konzerten in Köln und Amsterdam, für die ich zwar Tickets, aber keine Zeit hatte, ist es natürlich auch großartig, die Band endlich nah und direkt gesehen zu haben, in einer kleinen Venue die authentische, echte und intensive Konzerte garantiert, bei denen dir noch drei Tage später jeder Knochen im Leib wehtut.</p>
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		<title>Lali Puna Live Gebäude 9</title>
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		<pubDate>Mon, 17 May 2010 09:01:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Live]]></category>
		<category><![CDATA[Electronic]]></category>

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		<description><![CDATA[Von steril kann keine Rede sein, die Bühne im Gebäude 9 wirkt eher wie ein Proberaum, mit improvisierten Tischen, zahllosen Mikrophonen und Synths, Kabeln und Amps - aber tatsächlich suchst du Showeinlagen hier natürlich vergebens, Trebeljahr wird seltsamerweise immer dann am lockersten, wenn etwas schiefgeht und ein Song falsch losgeht oder sich einer der Musiker verspielt, und während Mastermind Heiß und die deutsche Indie-Legende Acher sichtlich Spaß an ihrer Sache haben, sind sie halt meist mit ihren Instrumenten beschäftigt oder sorgen für den perfekten Sound. ...  Und so überrascht es vielleicht nicht, dass die besten Tracks die sind, bei denen Lali Puna sich aus möglichst weit aus dem Morr-Music-Flair ihrer Alben herauslehnen und eine Art Neo-Krautrock spielen, der in seinen besten Momenten hypnotisch und fesselnd ist, in immer gleichen Harmonieschleifen mit druckvollen Drums und immer neuen Klangschichten minutenlang einfach vorwärts läuft und bei dem man sich wünscht dass die Songs die gebührenden 30 Minuten dauern würden, anstatt einfach irgendwann aufzuhören. ...  Live verlieren Lali Puna so die leicht sterile, zu cleane, zu perfekte Notwist-artige Überproduktion und Geschliffenheit und tauscht die sanft fließende Magie der Platten gegen eine rauhere, rohere Fassung, die durchaus mehr Energie hat und mehr Spaß macht und bei der man sich wünscht, dass die Studioalben mehr von dieser Direktheit haben würden.]]></description>
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<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/lalipunalive_05.jpg" alt="hd schellnack" width="500" height="375" /></p>
<p>Die musikalische Struktur von Lali Puna ist eigentlich so, dass ein Live-Konzert nicht nur selten ist, sondern auch unwahrscheinlich wirkt oder zumindest wenig vielversprechend. Die ruhige, kontemplative, vielschichtige Klangwelt von Valerie Trebeljahr, Markus Acher, Christian Heiß und Christoph Brandner sollte auf einer Bühne kaum funktionieren dürfen oder zumindest so hypersteril wirken wie die von Kraftwerk. Von steril kann keine Rede sein, die Bühne im Gebäude 9 wirkt eher wie ein Proberaum, mit improvisierten Tischen, zahllosen Mikrophonen und Synths, Kabeln und Amps &#8211; aber tatsächlich suchst du Showeinlagen hier natürlich vergebens, Trebeljahr wird seltsamerweise immer dann am lockersten, wenn etwas schiefgeht und ein Song falsch losgeht oder sich einer der Musiker verspielt, und während Mastermind Heiß und die deutsche Indie-Legende Acher sichtlich Spaß an ihrer Sache haben, sind sie halt meist mit ihren Instrumenten beschäftigt oder sorgen für den perfekten Sound. So wundert es fast nicht dass Brandners Schlagzeug vorne am Bühnenrand steht &#8211; die Musiker sind sozusagen entgegen dem typischen Bandaufbau alle gleich wichtig positioniert -, denn in Sachen Action dominiert er das Konzert&#8230; traditionelle Instrumente haben halt live doch ihre Vorteile. Gerade in einer recht kleinen Venue ist der Mix von synthetischen Sounds und echten Drums eine Herausforderung, an der viele Konzerte scheitern, aber Brandners geradezu stoisches, geradliniges, kontrolliertes und trotzdem druckvolles Spiel fügt sich größtenteils auf den Punkt in die Soundstrukturen ein, die Heiß vorgibt. Mehr noch: Nach einer Weile erinnern die Drums in ihrer straighten nüchternen Art massiv an <a href="http://www.czukay.de/">Holger Czukay</a>, den großen Can-Trommler, der wie kein zweiter mit elektronischer Musik verwobenes Akustikschlagzeug liefern konnte. Und so überrascht es vielleicht nicht, dass die besten Tracks die sind, bei denen Lali Puna sich aus möglichst weit aus dem Morr-Music-Flair ihrer Alben herauslehnen und eine Art Neo-Krautrock spielen, der in seinen besten Momenten hypnotisch und fesselnd ist, in immer gleichen Harmonieschleifen mit druckvollen Drums und immer neuen Klangschichten minutenlang einfach vorwärts läuft und bei dem man sich wünscht dass die Songs die gebührenden 30 Minuten dauern würden, anstatt einfach irgendwann aufzuhören. Gerade die letzte Zugabe, der Klassiker Fast Forward von dem 99er Album Tridecoder, entwickelt sich am Ende zum reinen Monstertrack. Live verlieren Lali Puna so die leicht sterile, zu cleane, zu perfekte Notwist-artige Überproduktion und Geschliffenheit und tauscht die sanft fließende Magie der Platten gegen eine rauhere, rohere Fassung, die durchaus mehr Energie hat und mehr Spaß macht und bei der man sich wünscht, dass die Studioalben mehr von dieser Direktheit haben würden.</p>
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		<title>Schauspielhaus Bochum: Leonce und Lena</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2010 23:43:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Live]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie in der Vorlage entflieht Leonce ( Ronny Miersch ) gemeinsam mit dem Hallodri Valerio ( Sebastian Kuschmann ) der drohenden «Fusion» der beiden Marken Leonce und Lena qua Hochzeit, nur statt nach Italien verfrachtet Bergmann die beiden ins kalte Eis, wo sie nicht nur Lena (bis zur Unkenntlichkeit umgestylt:  Sina Kießling ) und ihre überaus maskuline Gouvernante ( Michael Lippold ) mit Schlittschuhen über das (echte) Eis schliddern und fallen, sondern auch ein großartig sinnfreier Eskimo einen Iglu baut, in dem es im weiteren Verlauf der Handlung noch etwas zur Sache geht und der -  Natural Born Killers  zitierend - schlagartig auch als Schamane funktioniert. ...  Ob die kleine Drehbühne mit wenigen Handgriffen vom Versammlungsraum zur Yuppieluft mutiert, oder ob mit echtem Eis eine kreisförmige Schlitttschuhfläche entsteht, ob silberne Vorhangstreifen wie gigantische Alupapier-Fetzen ein minimalistisches und zugleich doch gefährlich glitzerndes Bühnenbild ergeben, ob es minutenlang zu schneien scheint oder Ballons fliegen, ob die beiden Hauptdarsteller in riesigen Plastikbällen umeinander kreisen, ob es ohrenbetäubende Musik gibt oder einen ironischen Werbeclip für L&#38;L -  Leonce und Lena  ist ein Sturm von großen Bildern, Tönen, Farben und Eindrücken, die in ihrer Leibhaftigkeit Theater so eindrucksvoll und einzigartig machen, weil der Zuschauer in der unperfekten, CGI-freien Theaterwelt die Arbeit der «Suspension of Disbelief» noch selbst leisten muss, was die Effekte und Kunstgriffe tatsächlich erst wirksam macht. ...  Auch dass Bergmann und ihre Crew das Happy End in die Ästhetik von Parfüm- und Schmuckwerbung packen, mit der Musik und der Bildsprache des modernen Kitsches spielen, ist großartig: Bergmann gibt uns das glückliche Ende, das wir wollen, aber sie gibt es uns vergiftet, verlogen - und der Clip, von dem man sich als Zuschauer denkbar betrogen fühlt, weil er die Liebe von Leonce und Lena für Produktwerbung plattestens verzuckert, wird so nicht nur zum Seitenhieb gegen die glatte und insofern falsche Werbeästhetik, sondern auch zum Metakommentar zu Theater-versus-Film, zu Dreidimensionalität versus Plattheit im Wortsinne.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/Leonce%20und%20Lena_11.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Als vor einigen Jahren die große Debatte über Regietheater in Deutschland lief, wurde <a href="http://www.schauspielhausbochum.de">Elmar Goerdens Bochumer Haus</a> als Hort eines «respektvollen» Umgangs mit Theaterstoffen und -vorlagen gefeiert. Dieses Lob der Biederkeit war damals schon nicht ganz zutreffend, aber es scheint, als wolle Goerden dieses ja eher schmerzhaft zweischneidige Lob in seiner letzten Saison endgültig widerlegen. Tatsächlich fühlt sich <i><a href="http://www.schauspielhausbochum.de/spielplan/detail.php?&amp;bereich=spielplan&amp;id_event_date=7127338">Leonce und Lena</a></i> , inszeniert von der ebenso jungen wie weit gereisten und erfahrenen Regisseurin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Bergmann_(Regisseurin)">Anna Bergmann</a>, an, als sei Weber bereits angekommen, es erinnert vielleicht nicht zufällig stark an David Böschs <a href="http://www.hdschellnack.de/schauspiel-essen-woyzeck/">Woyzeck</a>-Remix aus Essen. Wo Bösch allerdings Büchners Moritat in einen postapokalyptischen Horrorthriller zu verwandeln vorzog, zieht Bergmann ein anderes Register und verpflanzt Büchners gallende Satire über das kleinstaatlerisch-feudale Deutschland seiner Zeit in die Jetztzeit. Der beliebte, aber nicht immer gute Kunstgriff, den Bergmann auch nur halbherzig durchzieht, besteht darin, aus dem König Peter von Popo und seinem Sohn Leonce sowie aus der Prinzessin Lena von Pipi Marketing-Label, Modekunstfiguren zu machen, das ganze zumindest ansatzweise in die Welt des modernen Kapitalismus zu verschieben, auch wenn dieser im dritten Akt unverhofft trotzdem plötzlich als Hofstaat auftritt. So wie Büchner ein faules, nichtsnutziges und parasitäres Feudalsystem skizziert, das von innerer Leere, Langeweile und Dummheit ebenso geprägt ist wie von Sadismus untereinander und gegen die Bauernschaft und Angestellten, gelingt Bergmann in Streiflichtern der Entwurf einer ganz anderen Postapokalypse &#8211; der Stillstand der Zeit in einer übersättigten Wohlstandsgesellschaft, die aus dem melancholischen Prinzen frappierend gelungen einen Kurt-Cobain-Emo macht, der selbstmitleidig in seiner Designerloft zur seiner Gitarre singt und sich nach der perfekt aussehenden, perfekt dummen Frau verzehrt. Im ersten Akt lassen Matthias Werners Bühnenbild und das wuchtige Sounddesign von Heiko Schnurpel eine dekadente <i>Everybody-fucks-everybody</i>-Dekadenz entstehen, die ebenso gut aus Brett Easton Ellis <i>Less than Zero</i> entsprungen sein könnten, nur bemüht, den eigenen Selbstekel und den Horror Vacuii zu betäuben.</p>
<p>Wie in der Vorlage entflieht Leonce (<a href="http://www.schauspielhausbochum.de/ensemble/detailansicht.php?user=39371">Ronny Miersch</a>) gemeinsam mit dem Hallodri Valerio (<a href="http://sebastiankuschmann.com/Web-Site/Willkommen.html">Sebastian Kuschmann</a>) der drohenden «Fusion» der beiden Marken Leonce und Lena qua Hochzeit, nur statt nach Italien verfrachtet Bergmann die beiden ins kalte Eis, wo sie nicht nur Lena (bis zur Unkenntlichkeit umgestylt: <a href="http://www.vollfilm.com/person/show/id/18419/showpic/2">Sina Kießling</a>) und ihre überaus maskuline Gouvernante (<a href="http://www.schauspielhausbochum.de/ensemble/detailansicht.php?&amp;subbereich=schauspieler&amp;user=28722">Michael Lippold</a>) mit Schlittschuhen über das (echte) Eis schlittern und fallen, sondern auch ein großartig sinnfreier Eskimo einen Iglu baut, in dem es im weiteren Verlauf der Handlung noch etwas zur Sache geht und der &#8211; <i>Natural Born Killers</i> zitierend &#8211; schlagartig auch als Schamane funktioniert. Das die ganze Inszenierung durchziehende Transgender-Thema findet hier auch in einem fast wörtlichen Billy-Wilder-Zitat (Jerry und Osgood aus <i>Manche mögen&#8217;s heiß</i>) einen Niederschlag, das Bergmanns Methode der postmodernen Entleihung deutlich macht &#8211; aus Büchners Originaltext werden ebenso die Rosinen genommen wie aus Filmen, Popkultur, Magazinen, Pornographie, Popmusik, Architektur, Politik. Das Ergebnis ist ein mitunter alberner, mitunter wunderbarer Mix aus Elementen, die zwar nicht immer so auf der Höhe sind wie Büchners rasiermesserscharfe Wortspiele, die aber gemeinsam in der Juxtaposition ein neues Bild ergeben. <i>Leonce und Lena</i> wird hier von der derben Comédie Humaine zur hysterischen hypergrellen Farce, die umso besser funktioniert je sinnloser und bedrogter die Protagonisten erscheinen, weil hinter ihrer Abgebrühtheit, dem romantischen Selbstmitleid und der Sinnlosigkeit des Daseins ein seltsam erfolgreiches Update von Büchners kleinem Stück entsteht, das den Ideen des jungen Autors weitgehend gerecht wird, zugleich bricht und kommentiert und poliert &#8211; und somit seltsame Parallelen zeigt zwischen den Jahrhunderten. Bergmann seziert smart die philosophischen und historischen Bezüge, ohne das Stück dabei tumb zu machen, und bereichert es mit neuem Interpretationsfutter, und plötzlich sieht ein eher historisch zu deutender Text über kleinstversprengte absolutistische Hofstaaten hochmodern aus. Nicht nur, weil Bergmann die beim Autor bezeichnet blasse und nichtssagende Lena, die eigentlich nur Rezipient und Sichwortgeber für Leonces endlose Monologe zu sein scheint, deutlich ausbaut und selbstbewusster macht. Nicht nur, weil das Stück Büchners frivole Anspielungen großartig zu kaltem, gefühllosen Sex überspitzt. Nicht nur, weil die meisten modernen Gags zwar nicht an Büchners Text herankommen, diesen aber bestens erden und rahmen. Sondern vor allem, weil deutlich wird, wie grundlegend die Zivilisationskrankheit, die Georg Büchner beschäftigte ist, wie sie mit den Jahrhunderten bestenfalls endomorpher geworden ist.</p>
<p>Fett, im doppelten Wortsinne, ist auch die Bühnenpräsentation. Wo Goerden am Anfang seiner Spielzeit durch den Lagerbrand bedingt eher karge Bühnen präsentieren musste, ist <i>Leonce und Lena</i> für ein relativ kleines Schauspielhaus eine Wundertüte dessen, was auf der Bühne derzeit geht. Matthias Werner und die Kostümdesignerin Claudia González Espíndola erschaffen mit Bergmann und dem Ensemble eine Bilderflut, deren sarkastische wie romantische Note ein Film so direkt kaum erreichen kann. Es ist die Stärke von Theater, nicht real, sondern hyperreal zu sein &#8211; und so auch hier. Ob die kleine Drehbühne mit wenigen Handgriffen vom Versammlungsraum zur Yuppieluft mutiert, oder ob mit echtem Eis eine kreisförmige Schlittschuhfläche entsteht, ob silberne Vorhangstreifen wie gigantische Alupapier-Fetzen ein minimalistisches und zugleich doch gefährlich glitzerndes Bühnenbild ergeben, ob es minutenlang zu schneien scheint oder Ballons fliegen, ob die beiden Hauptdarsteller in riesigen Plastikbällen umeinander kreisen, ob es ohrenbetäubende Musik gibt oder einen ironischen Werbeclip für L&amp;L &#8211; <i>Leonce und Lena</i> ist ein Sturm von großen Bildern, Tönen, Farben und Eindrücken, die in ihrer Leibhaftigkeit Theater so eindrucksvoll und einzigartig machen, weil der Zuschauer in der unperfekten, CGI-freien Theaterwelt die Arbeit der «Suspension of Disbelief» noch selbst leisten muss, was die Effekte und Kunstgriffe tatsächlich erst wirksam macht. Nur, was nicht perfekt ist, wird glaubhaft.</p>
<p>Dabei sind die Effekte nur selten als reine Aufmerksamkeitshascherei oder Spielerei zu entlarven &#8211; die Idee, die beiden nur schwer zueinander findenden Liebenden in Plastikbälle zu stecken, wo sie sich zwar sehen und hören, aber nie wirklich berühren können, gefangen in ihren eignen sozialen Cocoonings wie in riesigen rollenden Kondomen, schnatternd aber eben doch wortlos, ist so treffend wie visuell poetisch &#8211; und es spricht für das Fingerspitzengefühl aller Beteiligten, dass solche Szenen nicht ins Kitschige driften, ebenso wie der Slapstick nie bodenlos albern wird. Die einzelnen Teile, die so gar nicht passen wollen, kommen gut zusammen. Auch dass Bergmann und ihre Crew das Happy End in die Ästhetik von Parfüm- und Schmuckwerbung packen, mit der Musik und der Bildsprache des modernen Kitsches spielen, ist großartig: Bergmann gibt uns das glückliche Ende, das wir wollen, aber sie gibt es uns vergiftet, verlogen &#8211; und der Clip, von dem man sich als Zuschauer denkbar betrogen fühlt, weil er die Liebe von Leonce und Lena für Produktwerbung platt verzuckert, wird so nicht nur zum Seitenhieb gegen die glatte und insofern falsche Werbeästhetik, sondern auch zum Metakommentar zu Theater-versus-Film, zu Dreidimensionalität versus Plattheit im Wortsinne. Die Bochumer Fassung von <i>Leonce und Lena</i> schafft so den schwierigen Salto zwischen publikumswirksamer Inszenierung mit allen Mätzchen, die man im Stadttheater heute so braucht &#8211; und einer vor allem im ersten Akt kalten nihilistischen Analyse der übersatten, dekadenten, weichen Mischung aus Selbstzufriedenheit und Selbsthass, die nicht mehr den Feudalherrschern vorenthalten bleibt, sondern die uns alle langsam aber sicher umfasst, weil wir ja alle der grundlegenden Langeweile unserer Selbst gerade angesichts der vielseitigen Zerstreuungen nicht entkommen können.</p>
<p>Grandios ist, dass Bergmann das nicht als borniert verkopftes Smartass-Theater präsentiert, sondern vergleichsweise leichtfüßig und zugänglich. Ihre Inszenierung beweist, dass urbane Theater nicht immer den Weg des geringsten Widerstandes gehen (obwohl Büchner natürlich auch nicht gerade Avantgarde ist, im Gegenteil), und mit immer mehr Boulevard ankommen müssen, sondern eher versuchen können, komplexe Ideen und widersprüchliche Deutungsideen sexy zu verpacken. Das gelingt nicht immer, ist auch nur eine dünne Klinge, auf der man hier erfolgreich balancieren kann und schnell ist man zu clever oder zu plump &#8211; aber Bergmann gelingt der Hochseilakt zwischen Showtheater und Substanz verblüffend gut.</p>
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		<title>Zeche Bochum Kaki King live</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Apr 2010 09:00:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Live]]></category>
		<category><![CDATA[Pop]]></category>

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		<description><![CDATA[Programmatisch fällt beim Konzert die Entwicklung vom Akustikgitarren-Wunderkind zur Indie-Songwriterin live durch einen harten Bruch auf, bei dem die Band von der Bühne verschwindet und King absolut surreale Dinge mit ihren Saiten veranstaltet, die den wahrscheinlich im Publikum anwesenden Gitarrenfreaks die Tränen in die Augen treiben dürften, mit einem unglaublichen Mix aus Obertönen, perkussiven Sounds, und einer Zupfarbeit die beim Hören auf einem Album schon beängstigend ist, live gesehen aber einfach atemberaubend wirkt. ...  Es fehlt im Fundament etwas an Bass, obwohl Brantigan berauschend zeigt, wie gut sich ein Saiteninstrument mit einem digitalen Blasinstrument ersetzen lässt, obwohl der Drummer sogar bei einem Song via Pads den Bass mitspielt - aber irgendwie merkt man ab und zu, dass es in den tiefen Frequenzen an Energie fehlt, zumal ein Basser Brantigan mehr Raum geben würde, frei in den hohen Lagen zu spielen, wo er absolut brilliert, wenn er die Chance bekommt, seine Synth-Solos zeigen den erfahrenen Jazzer als gleichauf mit der Gitarrengöttin King, und wenn er zur realen Trompete greift, geht die Sonne auf. ...  Wie auf dem  Junior -Album wirkt der Gesang etwas zu verhallt, zu weit weg, aber das passt vielleicht ideal zu einer Person, die auf der Bühne davon erzählt, dass sie sich nicht traut, auf eine eMail von Melissa auf der Maur zu antworten und die auch ansonsten so wirkt, als würden sie die üblichen Popstar-Klischees eher langweilen... auch wenn der pinke Morley auf der Bühne ein phantastischer Hello-Kitty-Moment ist, wenn King in einer Art und Weise auf ihrem Effektgeräten herumstampft, dass es mich im besten Sinne an Ute Rettler (unsere alte Gitarristin bei These Foolish Things) erinnert. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/kakiking_zeche_02.jpg" alt="hd schellnack" width="500" height="375" /></p>
<p>Ganz ehrlich: Dieses Konzert hätte das zehnfache an Publikum verdient. Ich gebe zu, obwohl ich sogar einen Track von ihr auf einem <a href="http://www.hdschellnack.de/perfect-as-cats-a-tribute-to-the-cure/">Cure-Tributealbum</a> hatte (der zwar schön ist, aber kaum zeigt, was sie tatsächlich kann) ich habe <a href="http://www.myspace.com/kakiking">Kaki King</a> bisher auch nicht gekannt, bei <a href="http://www.einslive.de/musik/platten/k/kakiking_junior.jsp">PlanB auf EinsLive</a> entdeckt, ein Album gekauft und sofort den gesamten Back-Katalog. Katherine Elisabeth King ist nichts anderes als großartig, jedes Album ein spürbarer Evolutionsschritt. Und in der Zeche Bochum spielt sie vor gefühlten 100 Leuten. Auch kein Wunder, wenn der Gig nur übersparsam angekündigt wird, Das spricht für schlechtes Marketing der Plattenfirma, leider. Denn neben etwas fetterer Backline und besseren Sound wären hier einfach 900 Leute mehr perfekt gewesen. Denn musikalisch bieten <a href="http://www.kakiking.com/">King</a> und ihre zwei Mitstreiter, <a href="http://jordanperlson.com/honors/">Jordan Perlson</a> am Schlagzeug und <a href="http://www.danbrantigan.com/bio.html">Dan Brantigan</a> an <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/EWI">EVI</a> und <a href="http://www.videa.vsetkyvidea.sk/video/0nbIeu3nh5c/Kaki-King-and-Dan-Brantigan-First-Brain-King-Tuts.html">Trompete</a>, allerfeinste Qualität. Jeder der drei Musiker ist alleine einen Konzertbesuch wert, und da Perlson und Brantigan genügend Raum bekommen, um zu zeigen, was sie können, verlieren sie sich nie im Schatten der Über-Gitarristin King. Programmatisch fällt beim Konzert die Entwicklung vom Akustikgitarren-Wunderkind zur Indie-Songwriterin live durch einen harten Bruch auf, bei dem die Band von der Bühne verschwindet und King absolut surreale Dinge mit ihren Saiten veranstaltet, die den wahrscheinlich im Publikum anwesenden Gitarrenfreaks die Tränen in die Augen treiben dürften, etwa bei <em>Playing Pink With Noise</em> mit einem unglaublichen Mix aus Obertönen, perkussiven Sounds, und einer Zupfarbeit die beim Hören auf einem Album schon beängstigend ist, live gesehen aber einfach atemberaubend wirkt, ebenso wie ihre Arbeit an der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=oA7UetWxGp8&amp;feature=related">Steelguitar</a>. Bei der einzigen Zugabe zeigt King dann auch nochmal zusammen mit einem Loop-Sampler, dass sie eigentlich auch gut alleine 120 Minuten unterhaltsam sein könnte, springt mittendrin, während die Loops noch laufen, von der Bühne, hüpft durchs spärliche aber dafür ehrlich begeisterte Publikum und konstruiert Schicht um Schicht einen ganzen Song. Umso feiner, dass die Band mit ihrer Fingerfertigkeit mithalten kann und gerade den Songs von den letzten Alben den perfekten Schliff gibt. Es fehlt im Fundament etwas an Bass, obwohl Brantigan berauschend zeigt, wie gut sich ein Saiteninstrument mit einem digitalen Blasinstrument ersetzen lässt, obwohl der Drummer sogar bei einem Song via Pads den Bass mitspielt &#8211; aber irgendwie merkt man ab und zu, dass es in den tiefen Frequenzen an Energie fehlt, zumal ein Basser Brantigan mehr Raum geben würde, frei in den hohen Lagen zu spielen, wo er absolut brilliert, wenn er die Chance bekommt, seine Synth-Solos zeigen den erfahrenen Jazzer als gleichauf mit der Gitarrengöttin King, und wenn er zur realen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=piISaaHHa3E&amp;feature=player_embedded#">Trompete</a> greift, geht die Sonne auf. Perlson spielt ein hochdramatisches Schlagzeug, das trotz der relativ schlechten Raumakustik des recht leeren Saales begeistern kann &#8211; von leisesten Zwischentönen bis zum ganz großen Kino liefert er dynamische Bandbreite, rhythmische Eleganz und bewahrt bei aller Energie, die er an dem Silver-Sparkle-artigen Yamaha-Kit entfaltet stets eine nerdige Ruhe und Eleganz, die er nicht einmal verliert, wenn er sich in dubbigen, an Stewart Copeland erinnernden Reggae-Grooves oder psychedelischen Monstersoli verliert. Mitunter spielen die Drums ein wenig zu wirsch für die Songs, so dass die ohnehin fragile Bandkonstruktion noch dünner wirkt, aber alles in allem hält Perlson mit solider Fußarbeit die musikalischen Netze, die Brantigan und King in die Luft wirbeln, phantastisch geerdet.</p>
<p>Wie auf dem <em>Junior</em>-Album wirkt der Gesang etwas zu verhallt, zu weit weg, aber das passt vielleicht ideal zu einer Person, die auf der Bühne davon erzählt, dass sie sich nicht traut, auf eine eMail von Melissa auf der Maur zu antworten und die auch ansonsten so wirkt, als würden sie die üblichen Popstar-Klischees eher langweilen&#8230; auch wenn der pinke WahWah auf der Bühne ein phantastischer Hello-Kitty-Moment ist, wenn King in einer Art und Weise auf ihrem Effektgeräten herumstampft, dass es mich im besten Sinne an Ute Rettler (unsere alte Gitarristin bei These Foolish Things) erinnert. Gerade die <em>Junior</em>-Tracks zeigen das Potential von King nicht nur als Instrumentalistin der Extraklasse, sondern auch als Songwriterin und Sängerin, die hier ganz wunderbar irgendwo zwischen Lush und Shoegaze-Sounds luftwandelt und schnelle, aber perfekt entspannte Songs präsentiert. Man kann nur hoffen, dass King und ihre Band in anderen Locations ihrer recht umfassenden Tour entweder kleinere Bühnen oder <em>deutlich</em> mehr Publikum haben &#8211; idealerweise letzteres, verdient wäre es allemal.</p>
<p><span id="more-4179"></span></p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/kakiking_zeche_01.jpg" alt="hd schellnack" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/kakiking_zeche_03.jpg" alt="hd schellnack" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/kakiking_zeche_04.jpg" alt="hd schellnack" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/kakiking_zeche_05.jpg" alt="hd schellnack" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/kakiking_zeche_06.jpg" alt="hd schellnack" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/kakiking_zeche_07.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
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		<title>Schauspielhaus Bochum: Superstars</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 12:36:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Live]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Kindermanns Figur setzt dabei den Standard für die weiteren Protagonisten, für Brückners zweifelnde Schauspielerin in der frühen Midlife-Karriereknick-Krise (die sich immer noch semi-authentisch anfühlt und von Brückner beängstigend dreidimensional gespielt ist), für Cornelius Schwalms grandios überzeichneten, aber niemals klischeehaften Ruhrgebiets-Taubenzüchter, der in seinem bizarren Mikrokosmos immer mehr Erfolg will und am Ende nur noch Mittelmaß hat, für Marco Massafras Versicherungs-Vorständler, der in die Kasse des eigenen Konzerns greift, um seinen Lifestyle und seine teure Frau finanziert, und hinter Gitter landet wo er berechenbarerweise zu Gott findet und der so von der einen Illusion in die andere wandert, und für Stephanie Schadeweg, die ihre Figur zunächst bizarr in einem Schwimmbad beginnt und ihren Monolog dann so tieftraurig und ergreifend enden lässt, dass sie nicht ohne Grund am Ende des Stücks gesetzt ist mit ihrer umwerfenden Performance. ... Dass die Monologe von Abt auf echten Interviews des Journalisten Dirk Schneider basieren, eine bittere Montage von Selbstbetrug und Trauer darstellen, macht sie um so ergreifender zu Minikosmen, zu einem Panoptikum gescheiterter Existenzen, in denen wir alle uns nur zu gut widerspiegeln können, und in die Abt geschickt die Ängste und Unsicherheiten einer Darstellermannschaft vorm Intendanzwechsel einwebt und so die Idee nahelegt, dass sich in jeder Biographie die jeweils eigene reflektiert, dass die Darsteller sich in in ihren Figuren wieder entdecken und die Zuschauer in den Darstellern, in einer Art kaleidoskopischer Wirklichkeitsmaschine. ... Nachdem vorher bereits durch eine deutsche Übersetzung der Texte klar ist, dass dieses Stück das metakontextuelle Gegengewicht ist, die eben immer auch etwas alberne Hoffnung, die zuletzt stirbt, bringen die Darsteller die Nummer effektvoll auf die Bühne, und auf einmal hat der an sich stets etwas herzlose Coldplay-U2-Stadionpathos durch die Unperfektheit der Nummer und durch sicher sitzende Brüche etwas glaubhaftes im Kontext des Stückes, wird zum rettenden Floß für die Figuren auf der Bühne, die zuerst unsicher und dann immer kraftvoller den Song performen, um danach diesen Erfolg, Rückschlag zu den Big-Brother-Shows dieser Welt, selbst vor der Kamera zu kommentieren - wieder auf den Videowänden, endgültig alle Grenzen zwischen Darstellern und ihren Figuren verwischend.</p>
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/Superstars.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p><strong>Don&#8217;t fall in love with a marketing man&#8230;<br />
</strong>Manchmal ist es gut, unvorbereitet in ein Theaterstück zu gehen &#8211; denn wie so oft hätte ich «Superstars» im <a href="http://www.schauspielhausbochum.de">Schauspielhaus Bochum</a> allein aufgrund der Beschreibung im Spielplan wahrscheinlich tatsächlich eher gemieden &#8211; ganz zu schweigen von der Tatsache, dass einem die Bochum-Homepage den Kartenkauf nun wirklich nicht gerade einfach macht, wenn man etwa bis zu einer Stunde warten muss, bis das miserabel laufende Java-System von Eventim ein einfaches Passwort mailt. Umso schöner, trotzdem in den Kammerspielen Frank Abts aktuelles Stück gesehen zu haben.</p>
<p>Nach der Vorankündigung hätte ich eine Parodie auf die Casting-Gesellschaft, ein kurzzeitiges, bissiges Parodiestück erwartet, und um die Wahrheit zu sagen, ist Coldplay nicht wirklich das, was mich in einen Theatersaal zieht. Wie so oft auch hier das Phänomen, dass Dramaturgen intern ihre Stücke unglaublich gut kommunizieren können, in der Außendarstellung aber die tatsächliche Kraft des Stücks in den Worten, im Marketing, untergeht. Rückblickend also gut, dass ich im Grunde die Vorankündigung kaum gelesen habe&#8230;</p>
<p><strong>Alles, nur nicht Musical<br />
</strong>Und tatsächlich beginnt Abts Inszenierung mit einem Flair von TV-Superstar-Casting-Shows, wenn die Hauptdarsteller Jele Brückner, Stephanie Schadeweg, Marco Massafra, Cornelius Schwalm und Torsten Kindermann im weißen Bühnenbild auf großen TFT-Displays in die Videokamera blinzeln, scheinbar unbeholfen, und über ihre Gefühle vor den Proben zu diesem Stück zu berichten scheinen. Was so unbeholfen und naiv wirkt wie, tatsächlich sogar ehrlicher und purer als ein Casting bei DSDS und Co, schafft aber zugleich subkutan den Rahmen des Stücks, wenn die Darsteller über ihre letzte Saison am Bochumer Haus berichten &#8211; Jele Brückner geht nach einer Dekade unter Hartmann und Goerden &#8211; und Hoffnungen, große Ziele und ein bisschen Versagensangst offenlegen. Wer angesichts der aufgebauten Instrumente auf der kahlen aber wunderbar mibil bespielbaren Bühne, die zugleich die «Backstage» in das Stück einbezieht, einen Musikabend erwartet, wie ihn all zu viele Theater immer öfter im Repertoire haben, darf sich getäuscht fühlen. Im Gegenteil: Dies ist keine Musiknummer mit etwas Schauspiel, kein Musical, sondern umgekehrt, ein waschechtes Schauspiel, dass die Musik als Stilmittel einbezieht und mit der Handlung verzahnt. Tatsächlich findet erstaunlich wenig Musik auf der Bühne statt, und wenn, dann mit Effet.</p>
<p><strong>Musiktherapie</strong><br />
Denn <em>Superstars</em> fühlt sich weniger wie eine Casting-Parodie an, sondern mehr wie eine Musik-Therapiegruppe für gescheiterte Existenzen. In einem grandiosen Bluff betritt zunächst Thorsten Kindermann die Bühne, bei dessen persönlichen Background man zunächst glauben mag, er berichte authentisch aus seinem Leben, und dessen Monolog tatsächlich noch die Castingthematik aufgreift. Schnell und hart nimmt Abt die Träume dieser Figur auseinander, die von den hochfliegenden Castingträumen beim Gesangsunterricht für Schulkinder angekommen ist, und die jede Niederlage noch zum Sieg umzumünzen versucht, sich vergeblich an die rutschige Stange klammert, an der sie herabsaust in die Bedeutungslosigkeit. Kindermanns Figur setzt dabei den Standard für die weiteren Protagonisten, für Brückners zweifelnde Schauspielerin in der frühen Midlife-Karriereknick-Krise (die sich immer noch semi-authentisch anfühlt und von Brückner beängstigend dreidimensional gespielt ist), für Cornelius Schwalms grandios überzeichneten, aber niemals klischeehaften Ruhrgebiets-Taubenzüchter, der in seinem bizarren Mikrokosmos immer mehr Erfolg will und am Ende nur noch Mittelmaß hat, für Marco Massafras Versicherungs-Vorständler, der in die Kasse des eigenen Konzerns greift, um seinen Lifestyle und seine teure Frau finanziert, und hinter Gitter landet wo er berechenbarerweise zu Gott findet und der so von der einen Illusion in die andere wandert, und für Stephanie Schadeweg, die ihre Figur zunächst bizarr in einem Schwimmbad beginnt und ihren Monolog dann so tieftraurig und ergreifend enden lässt, dass sie nicht ohne Grund am Ende des Stücks gesetzt ist mit ihrer umwerfenden Performance.</p>
<p><strong>Wir sind alle Verlierer<br />
</strong>Denn mehr noch als alle anderen Figuren macht Schadewegs Doppelrolle als Demenzärztin, die fast nahtlos übergeht in die Frau eines Demenzkranken, dessen letzter Sieg im Alltag der Weg zum Briefkasten ist, klar, wie hoffnungslos das Stück am Ende ist. Wir mögen lachen über die Loser-Parade von mehr oder minder charmanten Figuren, die zu hoch hinauswollen und sich die Flügel verbrennen, die leeren Träumen wie Schmetterlingen hinterher jagen und sich dabei im Dschungel verirren&#8230; aber mit Schadewegs Figur(en) macht Abt klar, dass man im Spiel des Lebens mit steigender Wahrscheinlichkeit am Ende immer der Verlierer ist, dass Verlust ein Grundpattern des Lebens ist, auswegslos, rätselhaft, unkontrollierbar. Ruhig und endgültig hämmert Schadeweg herzergreifend den Verlust von Liebe, das Verschwinden eines ganzen Menschen auf die Bühne, mit einem schlichten Understatement, das ein gekonnter und wohltuender Kontrast zu Schwalms phantastischem Hamming ist. Dass die Monologe von Abt auf echten Interviews des Journalisten Dirk Schneider basieren, eine bittere Montage von Selbstbetrug und Trauer darstellen, macht sie um so ergreifender zu Minikosmen, zu einem Panoptikum gescheiterter Existenzen, in denen wir alle uns nur zu gut widerspiegeln können, und in die Abt geschickt die Ängste und Unsicherheiten einer Darstellermannschaft vorm Intendanzwechsel einwebt und so die Idee nahelegt, dass sich in jeder Biographie die jeweils eigene reflektiert, dass die Darsteller sich in in ihren Figuren wieder entdecken und die Zuschauer in den Darstellern, in einer Art kaleidoskopischer Wirklichkeitsmaschine.</p>
<p><strong>Lights will guide you home<br />
</strong>Mag es bittere Ironie sein oder ein Ausdruck menschlichen «Trotz-allem», Abt setzt die Musik im Stück grandios ein, um eine fein dosierte Mischung aus Pathos einzuweben. Es ist ein gelungener Kunstgriff, dass die «Band» das Ergebnis ihrer Proben in der Mitte des Stücks setzt &#8211; eine durchaus überraschend gute Version von Coldplays <em><a href="http://www.metrolyrics.com/fix-you-lyrics-coldplay.html">Fix You</a></em>. Nachdem vorher bereits durch eine deutsche Übersetzung der Texte klar ist, dass dieses Stück das metakontextuelle Gegengewicht ist, die eben immer auch etwas alberne Hoffnung, die zuletzt stirbt, bringen die Darsteller die Nummer effektvoll auf die Bühne, und auf einmal hat der an sich stets etwas herzlose Coldplay-U2-Stadionpathos durch die Unperfektheit der Nummer und durch sicher sitzende Brüche etwas glaubhaftes im Kontext des Stückes, wird zum rettenden Floß für die Figuren auf der Bühne, die zuerst unsicher und dann immer kraftvoller den Song performen, um danach diesen Erfolg, Rückschlag zu den Big-Brother-Shows dieser Welt, selbst vor der Kamera zu kommentieren &#8211; wieder auf den Videowänden, endgültig alle Grenzen zwischen Darstellern und ihren Figuren verwischend. Wer spricht da jetzt, der Schauspieler, der sich über eine gelungene Probe vor der Premiere freut, oder der Protagonist, der das gerade gehörte Stück kommentiert? Als es im Stück weitergeht, mit einem kurzen, endgültig alle Regeln brechenden Auftritt der gealterten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jeanne_Moreau">Jeanne Moreau</a>, wächst die Angst, dass das Highlight des Stückes dann eine zweite Performance auf der Bühne ist, dass Abt uns ein abgeschmacktes Ende gibt &#8211; wie ja überhaupt die ganze Zeit die Kunst des Stückes ist, permanent am Rande des Peinlichen zu navigieren und die Fettnäpfchen permanent eleganz zu umtanzen, niemals «zu viel» zu sein. Wie schnell hast du das mit einem beschissenen Ende ruiniert. Und gottseidank &#8211; Abt beweist das Fingerspitzengefühl, nicht so offensichtlich zu sein, sondern noch eins drauflegen zu können, das offensichtliche zu umgehen, um zu überraschen und anzurühren. Am Ende tritt die Band, ohne Schlagzeugerin auf, aber auf einer Bühne jenseits der Bühne, während Schadewegs zweitem großen Monolog, bei dem wir durch die geöffnete Bühne und mit den Videowänden die üblichen Vor-dem-Auftritt-Riten beobachten können: Zickigkeiten, Nervosität, dann die große Umarmung vor, schließlich das Sichselbstfeiern nach dem Konzert.</p>
<p>Wortlos, fast beiläufig setzt Abt so Triumph in seiner ganzen Kurzzeitigkeit und Verlust am Lebensende nebeneinander, und anstatt die Band noch einmal <em>Fix You</em> spielen zu lassen, schließt er am Ende den Kreis zum Anfang&#8230; die Figuren sitzen auf der Bühne und betrachten ihre Darsteller auf den Displays, die unter Kopfhörern getrennt voneinander zu <em>Fix You</em> mitsingen, schief, pathetisch, nur sparsam begleitet von Kindermann am Klavier. Nach und nach blendet ein Display nach dem anderen ein, aus den einzelnen unsicheren und gebrochenen Stimmen wird unmöglicherweise ein Chor, ein ganzes gemeinsames Lied, das sich durch die reine Überlagerung ergibt. Bis beim Refrain die Bühne abdunkelt und in einer großen Projektion die weißen Wände des Bühnenbilds wieder zur Leinwand umgenutzt werden, auf denen sich langsam Mitarbeiter des Hauses versammeln und wie zum Abschied den Refrain mitsingen, das Stück von dem gebrochenen Headphone-Gesang eines einzelnen Schauspielers zu einem beeindruckenden Choral erheben. Du musst ein Herz aus Stein haben, wenn Abt dich nicht hier spätestens mit einem Kloß im Hals und geröteten Augen erwischt. Der ganze grässliche Pathos von ausgerechnet Coldplay ist hier für wenige Sekunden zum Guten gewandelt und funktioniert, das kalte Plastikgefühl der Band, der plumpe Optimismus bekommt im Kontext von Abts Stück eine Aufwertung, die im Wortsinne ergreifend, pathetisch ist. Dann gehen die Chorleute in ihrer Projektion etwas unsicher in verschiedenen Richtungen von der Bühne, die Darsteller gehen ab, die Bildschirme blenden aus. Abt wirft uns zurück aus seiner montierten Schwindelwirklichkeit in die «echte» echte Welt, die sich nach seinem Stück ein wenig anders anfühlt, anders schmeckt. Mehr kann ein Theaterstück kaum liefern wollen.</p>
<p>Photo: <a href="http://www.pixelprojekt-ruhrgebiet.de/serie.php?serien_id=525635&amp;id_language=1">Birgit Hupfeld</a></p>
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		<title>Heldenbar: Kannibalen</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Jan 2009 08:24:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Live]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Anselm Weber, keine Frage, macht in Essen so vieles goldrichtig, dass es nur konsequent scheint, ihn nach Bochum zu holen (auch wenn ich persönlich Weber in Essen gehalten und Oberender in Bochum gesehen hätte &#8211; zwei gute Leute so nah beieinander, das wäre ideal, fast Berliner Verhältnisse :-D). Wie viele andere Intendanten mixt er gekonnt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/kannibalen.jpg" /></p>
<p>Anselm Weber, keine Frage, macht in Essen so vieles goldrichtig, dass es nur konsequent scheint, ihn nach Bochum zu holen (auch wenn ich persönlich Weber in Essen gehalten und Oberender in Bochum gesehen hätte &#8211; zwei gute Leute so nah beieinander, das wäre ideal, fast Berliner Verhältnisse :-D). Wie viele andere Intendanten mixt er gekonnt Etabliertes und Experiment, Feuilleton und Bestseller, Klassiker und Progress, Politisches und Pretiöses, produziert &#8211; wie eben Hartmann Anfang 2000 in Bochum oder Khuon in Hamburg &#8211; Pop-Theater im allerbesten Sinne, mutiert das Theater zum breitgefächerten Angebot für die verschiedensten Zielgruppen, zu einer Art Senderfamilie von Klassik bis Alternative.</p>
<p>Zu solchen Konzepten, und den Freiraum des subventionierten Theaters nutzend, gehören natürlich Experimente &#8211; wie beispielsweise Elmar Goerdens schöne neue Nutzung des Theater Unter Tage als Kristo Sagors Wohn- und Spiellabor <a href="http://wohnenuntertage.de/">Neue Heimat</a>, aber eben auch wie Webers <em>Hoffnungsträger</em>, in dem die Regieassistenten des Grillo in der Heldenbar, wo sonst Lesungen und Parties stattfinden, kleine Stücke inszenieren dürfen.</p>
<p>Vor eher familiären Kreis also präsentiert Christina Pfrötschner drei Männer in einem Boot &#8211; allerdings nicht Heinz Erhardt, Hans-Joachim Kulenkampff und Walter Giller, sondern <a href="http://www.wdr.de/tv/a40/sendungsbeitraege/2008/0419/folkwangschuelerin.jsp">Matthias Eberle</a>, <a href="http://www.fritz-fenne.com/blog.php">Fritz Fenne</a> und <a href="http://www.agentur-stoerzel.de/roland_riebeling.htm">Roland Riebeling</a>, verstärkt von Nicola Mastoberadino. In dem kurzen Stück finden sich die drei Herren auf einer Art Floß wieder, ohne Proviant, und diskutieren bereits in situ ohne lange Umschweife, dass einer der drei sich wohl wird freiwillig den anderen zum Fraß wird vorwerfen müssen. Was sonst tatsächlich im Assessment-Center für angehende Führungskräfte in etwas milderer Form ein Psychotest ist &#8211; wer opfert sich, wer setzt sich durch -, gerät zum Duell zwischen Riebeling und Fenne, druck- und humorvoll und angemessen grotesk überzeichnet. Die nicht wirklich theatralische Umgebung und das Minimal-Bühnenbild sowie der schnelle, unverklärte und überzeichnete Handlungsaufbau bedingen, dass die Darsteller sich schlecht verstecken können, unmittelbar vor dem Publikum funktionieren müssen. Schnell entpuppt sich Riebeling als treibende Kraft von Sławomir Mrożeks Farce «Auf hoher See», wenn er nicht nur festlegt, dass einer der Schiffbrüchigen gegessen werden muss, sondern sich auch schnell auf einen Kandidaten festlegt, der vor allem eins nicht: Nicht er selbst. Es geht weniger um die ethischen und moralischen Fragen, als vielmehr um die rhetorischen Kniffe, mit denen die Oberschicht &#8211; Riebelings Figur «Der Dicke» entpuppt sich bald als Fürst, entgegen seinen Behauptungen, ein armer Waise zu sein &#8211; mit dreisten Lügen und Finessen die Unterschichte «auffrisst», zumal die Demokratie schon bald als untauglich entsorgt wird, nachdem es dem Fürsten selbst an den Kragen gehen könnte. Der Einakter, dem man mitunter die noch nicht post-ideologische Ernsthaftigkeit der Sechziger Jahre anmerkt, auch wenn die Regisseurin den Text spürbar gestrafft hat, überspitzt die Märtyrer-Demagogik dabei so drastisch, dass am Ende nicht nur Fennes Figur, ausgerechnet der Schmächtigste der drei, förmlich froh ist, sich für die Kameraden in den Kochtopf zu werfen, sondern auch das Publikum trotz der etwas schwerfälligen Ideologie des Textes gut unterhalten ist.</p>
<p>«Auf hoher See» ist ein Stück, das man meist an Amateurbühnen zu sehen bekommt, eine vielleicht bewusst bescheidene Materialwahl von Pfrötschner, die hier auf viele Tricks verzichtet, auf die junge Regisseure gerne hereinfallen. Keinerlei Effekte, keine Mätzchen, keine Schwurbeleien &#8211; das Stück wird klar und schnell, im besten Sinne klassisch, aufgezogen und die Regie konzentriert sich darauf, den Text zu gliedern, die besten Darsteller zu versammeln und diese ins ideale Licht zu rücken. Keine Spur von Sturm-und-Drang-Allürenoder dramaturgischen Extremen, mit denen andere Neo-Regisseure (und nicht nur die) sich profilieren wollen oder von anderen eventuellen Schwächen abzulenken versuchen, statt dessen der Mut, sehr nacktes und klares Theater &#8211; der Location angemessen &#8211; machen zu wollen und dem Stück an sich und seinen Absichten gerecht zu werden. Das ist, zumal für ein Nachwuchstalent, inzwischen ungewöhnlicher als man es sich eigentlich wünschen möchte und zeigt die kühle, fast filmerische Handschrift, die keine mehr sein will, die eher dokumentarisch und klar wirkt. Was andere Regisseure erst nach einer ganzen Weile können &#8211; ein Stück einfach sauber umsetzen und für sich wirken lassen &#8211; gelingt hier ad hoc so gut, dass man sich fast fragt, warum Pfrötschner hier unter dem Artenschutz des <em>Hoffnungsträger</em>-Banners und nicht längst auf einer größeren Bühne präsent ist&#8230; und umgekehrt vielleicht, ob sie den kleinen Rahmen der Heldenbar nicht eben doch für mehr Experiment hätte nutzen können. Vielleicht ist der Weg bei der neuen Generation von Regisseuren, erst verlässlich zu zeigen, was man handwerklich kann und sich dann zu entdecken, wenn man etabliert ist :-D.</p>
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		<title>INFADELS KÖLN LUXOR</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Oct 2008 07:16:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Keine Photos diesmal, wir hatten weder Kamera noch Handy dabei. Wozu hat man Technik, wenn man sie nicht benutzt :-D? Das Photo hier stammt also von Popmonitor. Das ist das dritte Infadels-Konzert, dass ich sehe, und vielleicht ist man deshalb weniger enthusiastisch dabei als die wenigen versammelten Leute im Lxor, dass nicht ganz leer ist, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/infadels_live.JPG" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Keine Photos diesmal, wir hatten weder Kamera noch Handy dabei. Wozu hat man Technik, wenn man sie nicht benutzt :-D? Das Photo hier stammt also von <a href="http://www.popmonitor.de/">Popmonitor</a>.</p>
<p>Das ist das dritte Infadels-Konzert, dass ich sehe, und vielleicht ist man deshalb weniger enthusiastisch dabei als die wenigen versammelten Leute im Lxor, dass nicht ganz leer ist, aber auch nicht annähernd so voll wie bei den Klaxons oder sogar bei den Rakes. Die Stimmung der Fans vorne vor der Bühne, wo es reichlich leer ist, ist trotzdem gut, was aber vielleicht auch am Alkohol liegt, eine Gruppe wirkt etwas arg angetrunken und macht &#8211; ganz auf japanischen Tourismus gebügelt &#8211; permanent Photos von den einzelnen Leuten vor der Bühne mit der Band im Bildhintergrund.  MySpace olé &#8211; die Mutti photographiert sich vor dem Eiffelturm, der Sohnemann eben vor Bnann Watts.</p>
<p>Die Band selbst wirkte angesichts der kleinen Venue und des überschaubaren Publikums etwas gedämpft in Vergleich zu anderen Auftritten, auch wenn Bnann immer wieder «Cologneeee» rief und uns versicherte, dass die Stadt rockt &#8211; da fragt man sich spontan, wie leer es in anderen Städten so vor der Bühne ist. Die Infadels spielen einen lockeren Mix aus den beiden Alben, wobei leider die neuen Songs etwas überwiegen, die allerdings live größtenteils deutlich besser wirken als in der überproduzierten Sterilität des Albums &#8211; etwas Dreck tut den Songs gut, mit Ausnahme von <em>Free Things for Poor People</em>, das einfach so oder so nicht zu retten ist. In den Händen der Smiths wäre das <em>vielleicht</em> eine passable B-Seite aus der müden Endphase der Band gewesen, aber bei den Infadels schleppt sich der Song live wirklich nur gruselig durch. An diesem Abend fällt auch extrem auf, dass der sonst brauchbare Drummer Alex Bruford (übrigens der Sohn von Legende Bill Bruford) an diesem Abend ein Schwachpunkt der Band ist, die in grimmigem Joker-Make-Up und -Outfit über die Bühne rast. Die Songs wirken &#8211; obwohl oft von Richie Vernons Sequenzern getrieben &#8211; seltsam schleppend und kommen selten wirklich nach vorne, was auch am Sound liegt, der einfach extrem schwach ist &#8211; das Schlagzeug kann sich kaum durchsetzen in der Klangsuppe.  Das <em>Circus of the Mad</em>-Motiv rundet ein grandioser Superheld im Wrestler-Outfit ab, der zwischen zwei Songs die Bühne betritt und das Publikum anheizt. Passt perfekt zu dem Mädchen im Publikum, dass im Glücksbärchen-Kostüm herumtanzt (gab&#8217;s freien Eintritt mit Kostüm?) und sauber Spaß an dem Gig hat, vor allem als die Infadels bei <em>Can&#8217;t get enough</em>, der einen Zugabe, die Leute auf die Bühne holen. Stagecrowding gehört im Luxor irgendwie dazu, oder?</p>
<p>Die Infadels touren derzeit im Tages-Ochsentour-Takt durch Europa &#8211; und Gigs vor kleinen Crowds sind da kein Highlight, die Bühnenarbeit mutiert zu einem Mix aus echter Arbeit und gedämpften Drogenexzess.Das alles ist aber echt keine Entschuldigung, von allen Liedern auf der Erde nun ausgerechnet <em>Sweet Dreams</em> von den Eurythmics zu covern &#8211; eine gruselige Ü30-Nummer, von der man einfach die Hände lässt, es sei denn, um sie zu demontieren. Bei nicht selbst komponierten Songs fällt oft auf, ob eine Band wirklich virtuos ist oder nicht, und die Frage beantworten die Infadels leider mit einem überzeugenden <em>Nein</em> und schrammeln sich durch Dave Stewarts Song, kaum besser als eine miese Schul-Partykapelle beim Abiball. Dass dafür andere Songs vom ersten Album unters Messer kommen ist etwas bizarr. Vielleicht passend, denn Dave ist ja selbst auf diesem Niveau angekommen und verwurstet seine eigenen alten Songs noch einmal auf dem <em>Songbook</em>-Album:-D.</p>
<p>Mit dreimal so viel Publikum, mehr Alkohol, vernünftiger PA und einer deutlich besser gelaunten Band wäre der Gig natürlich großartig gewesen &#8211; wenn die Infadels gut drauf sind und laut und es heiß und eng ist, herrscht Party. So ist das hier nicht der Circus of the Mad, sondern eine leere Tanzfläche mit semibetrunkenen Leuten, die sich etwas traurig anpogen, vor einer Band, die angestrengt versucht, den Abend zu überstehen.  Eigentlich schade, denn die Infadels können definitiv ein Publikum und eine Show wirklich nach oben treiben &#8211; aber so wie das neue Album eher schlechter als das erste ist, wirkt auch die Liveshow einerseits geplanter und gewollter, aber eben alles in allem weniger ausgelassen, weniger energetisch, weniger echt, weniger Rock&#8217;n'Roll.</p>
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		<title>AND ALSO THE TREES CHRISTUSKIRCHE BOCHUM</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Sep 2008 10:01:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Live]]></category>

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		<description><![CDATA[And also the Trees gehören zu den etwas unbekannteren, aber um so besseren Bands der achtziger Jahre, in der Gitarrenecke etwa das Gegenstück zu Trisomie 21 in der Elektronik&#8230; ein wenig schräger, ein wenig verschrobener, ein wenig mehr Offbeat. Und so wurden Simple Minds oder The Cure zu relativ traurigen Stadionrockern, während die Trees eher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/aatt.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p><a href="http://www.andalsothetrees.co.uk/">And also the Trees</a> gehören zu den etwas unbekannteren, aber um so besseren Bands der achtziger Jahre, in der Gitarrenecke etwa das Gegenstück zu Trisomie 21 in der Elektronik&#8230; ein wenig schräger, ein wenig verschrobener, ein wenig mehr Offbeat. Und so wurden Simple Minds oder The Cure zu relativ traurigen Stadionrockern, während die Trees eher eine obskure Band blieben, die mit längeren Pausen (jüngst vor einem Jahr) immer mal wieder ein Album veröffentlichten, sich im großen und ganzen nur marginalst weiterentwickelte, vielleicht, weil der Sound im Grunde bereits ab <em>Virus Meadow</em> kaum noch besser und geschliffener vorstellbar schien, zum anderen sicher auch weil der melodramatische Sprechgesang von Simon Huw Jones nicht allzu viel Variation zulässt. Bis heute präsentieren die Trees einen hochemotionalen musikalischen Soundtrack, der an endlose Landschaften und Einsamkeit erinnert, mit verlorenen, fast mandolinenartigen, fein ziselierten Gitarrenlicks, ruhig pulsierenden Bässen und einem oft grandios vertrackten Schlagzeug &#8211; eine Mischung, die entfernt an Dif Juz erinnert und den perfekten Teppich für Jones&#8217; schwermütige und tiefgründige Lyrics ausbreiten.</p>
<p>Für diese Art von Musik ist eine Kirche der perfekte Veranstaltungsort. Die Kälte des Raums, das Echo, die Akustik, das Wissen um die an sich geweihte Natur des Ortes (der insofern natürlich perfekt als Veranstaltungsort des Matrix für Bochums Goth-Szene geeignet ist) &#8211; all das ist schon perfekter Background für die filigranen Klangkonstruktionen von AATT, die hier ja bereits 2005 gastierten. Die Band hat das Konzert sauber in zwei Hälften zerlegt &#8211; der erste Part besteht fast ausschließlich aus neuen Tracks von <em>The Rag and Bone Man,</em> dichte melodische Stücke, an denen die Zeit seit dem ersten Album von 1984 beinahe spurlos vorangezogen zu sein scheint. Besser produziert, geschliffener komponiert sicher, nicht dichtere Saitenkonstruktionen von Justin Jones und Ian Jenkins phantastische Arbeit am Kontrabass ist atemberaubend, aber im Kern ist die Musik diamantenklar in sich geblieben.</p>
<p>Das wird nach einer kurzen Pause deutlich, nach der die Band nur noch alte Tracks spielt, größtenteils von <em>Virus Meadow</em>, dem für mich vielleicht wichtigsten Werk der Band &#8211; ein stellares, überirdisches Album, dessen Aktualität und Druck live besonders klar wird. Drummer Paul Hill verleiht den Tracks auf der Bühne eine frische Dynamik, und treibt die introspektiven Stücke nach vorne, ohne jemals in dem diffizilen Klangambiente der Kirche überdominant oder zu störend zu wirken. Das Publikum ist im zweiten Teil von den Bänken aufgestanden und steht &#8211; wenn auch nur in kleiner Zahl &#8211; dicht an der Bühne im Altarbereich, tanzt, singt mit. Es ist unweigerlich ein bisschen «Feier deine Jugend» und ein bisschen traurig, wenn fast 40jährige Jungs im Publikum <em>Slow Pulse Boy</em> Zeile für Zeile mitsingen können, aber ich muss zugeben, das hier ist weit weit weg von diesen Melancholie-Konzerten, weit weg von New-Wave-Oldie-Hitparade und Ü30-Party &#8211; das hier ist zeitlose Musik, die ganz offenbar mit dem ersten und zweiten Part mühelos zwei Dekaden überspannt und die heute ebenso in den Kopf schießt wie damals. Die für die an sich bescheidene Location exzellente Lichtshow und der sichtbare Spaß der Musiker am Konzert inspirieren, es gibt vier herausragende Zugaben und tatsächlich hat man am Ende das Gefühl, <em>this could go on forever</em>. Die Musik, in der es einzelne Tracks kaum zu geben scheint, in der sich eine Perle nahtlos an die andere reiht, ein einziger Song in immer neuer Variation, in verschiedenen Facetten &#8211; man kann greifen, dass AATT nach dem perfekten Lied suchen und nur noch an feinsten Parametern drehen, reduzieren, iterieren, reines Klanggefühl suchen.  Was für Außenstehende vielleicht monoton wirkt, vrdichtet sich am Bühnenrand zu einer klaren Woge, zu einem konzentrierten Strahl von Musik, dessen hypnotischer Wirkung es zu verdanken ist, dass man sich nach weit über zwei Stunden Konzert einerseits hungrig nach mehr Trees, andererseits fast benommen von solch intensiver Musik wieder in die normale Welt zurückbegibt. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Bands aus den frühen Achtzigern zu traurigen Schatten ihrer Selbst geworden sind, sell outs oder has-beens, ist verblüffend, wie intensiv und akut die Band aus Worcestershire geblieben ist- vielleicht weil sie immer schon weit jenseits des Mainstreams operierte.</p>
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		<title>SIGUR ROS: PALLADIUM KÖLN</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Aug 2008 10:47:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Live]]></category>

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		<description><![CDATA[Was soll man über Sigur Ros noch sagen, was man nicht schon bei anderen Konzerten geschrieben hat? Das Epische, fast Religiöse der Musik, der stets etwas gleiche hypnotische Crescendo-Aufbau von Harmonien und Arrangement, der die monotone Emotionalität der Wiederholung eines Gorecki in die Pop-Rock-Welt hinüberrettet, gebrochen durch die vertrauten frickeligen Uhrspiel-Melodien, die ihre Fugen in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> <img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/sigur_110808_24.jpg" alt="hd schellnack" /></p>
<p>Was soll man über Sigur Ros noch sagen, was man nicht schon bei <a href="http://www.hdschellnack.de/?p=1165">anderen</a> <a href="http://www.hdschellnack.de/?p=113">Konzerten</a> geschrieben hat? Das Epische, fast Religiöse der Musik, der stets etwas gleiche hypnotische Crescendo-Aufbau von Harmonien und Arrangement, der die monotone Emotionalität der Wiederholung eines Gorecki in die Pop-Rock-Welt hinüberrettet, gebrochen durch die vertrauten frickeligen Uhrspiel-Melodien, die ihre Fugen in das monumentale Gerüst der Musik ziehen.</p>
<p>In Köln überraschen Sigur damit, dass sie extrem wenig Material des <a href="http://www.hdschellnack.de/?p=2853">neuen Albums</a> präsentieren. Ich hätte gedacht, eine CD die so sehr nach Neu-Definition klingt, nacht Re-Orientierung, hätte auch ein deutlich anderes Konzert bedeutet. Aber keineswegs, Sigur präsentieren vielmehr das vertraute Best-of-Set (<em>Svefn-g-englar, Glosoli, Sé Lest</em> usw), dass man mit leichten Abwandlungen schon von vorherigen Konzerten kennt. Es gibt viele Höhepunkte an diesem Abend, eine simple, aber geschmackvolle Lichtshow, die nicht von der Musik ablenkt, ein minimalistisches Bühnenbild, und kleine wunderbare Gimmicks &#8211; wie die bei Sé Lest erstmals auftauchende Bläserkapelle (wie bei der letzten Tour), oder den nicht enden wollenden Konfettiregen, der so simpel ist und doch für einen Moment fast magische Stimmung schafft.</p>
<p>Die Band spielt unprätentiös, wie gewohnt, ohne große Ansagen, ohne großen Pathos (der steckt ja reichlich in der Musik), multiinstrumental, sehr live und mit viel Spaß. Es macht Freude zuzusehen, wie Keyboarder Kjartan Sveinsson den Beat der Stücke massiv mittrampelt, wie Drummer Orri Dyrason den Abend mit einer aufblasbaren Plastikkrone herumläuft und alle sichtloich Spaß haben &#8211; und das obwohl die Halle beileibe nicht ausverkauft ist und das Publikum zwar sehr intensiv klatscht, bei den Songs an sich aber kaum mitgeht&#8230; was bei der Musik von Sigur sicherlich auch nicht immer möglich ist. Die Zugabe, <em>Popplagið</em>,  ist wie immer ein Epos, ein Gewaltakt, und setzt dem schon phantastischen <em>Gobbledigook</em>, das den egentlichen Konzertteil beendete und von zig Trommeln und dem klatschenden Publikum getragen wurde, noch einmal die Krone auf. Wunderbar brachial sprengt der achte Track des () Albums alle Grenzen des live machbaren und vielleicht erwartet man nach dieser Monumental-Rock-Zugabe einfach, dass die Band Ende macht &#8211; Ende machen muss. Hiernach geht nichts mehr. Weswegen eine Menge Leute bereits den Saal verlassen haben, als Jón Þór mit den Bläsern, Bassist Georg Hólm, Keyboard und Bläser noch einmal die Bühne betreten. Ohne sein David-Bowie-esques Bühnenoutfit, seltsam nackt und verletztlich, mit riesig wirkenden Händen an dünnen Armen, die die Noten zu kneten und formen scheinen, singt Jón den Track <em>All Allright</em>, den kontemplativen Schlußtitel des neuen Albums. Und siehe da, nach der Wucht von <em>Popplagið</em> geht eben doch noch etwas &#8211; ruhige Einkehr nach dem Wall of Sound. Nach fast zwei Stunden ist dann Schluss und alles ist tatsächlich gut.</p>
<p>Nach dem Break ein paar Pix von Steff&#8230;</p>
<p><span id="more-2880"></span></p>
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		<title>THE POLICE: LTU ARENA, DÜSSELDORF</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 11:11:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn ein Veranstalter darauf hinweist, früh zu kommen, wenn man in den Innenbereich will, sollte ich das in Zukunft beherzigen. Als ich etwa 30 Minuten vor Konzertbeginn in der mit 50.000 Besuchern nicht wirklich ausverkauften, aber subjektiv schon zu vollen LTU-Arena ankam, war etwa in der Mitte des Innenraums eine Barriere aufgezogen und Zutritt jenseits [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/policelive.jpg" /></p>
<p>Wenn ein Veranstalter darauf hinweist, früh zu kommen, wenn man in den Innenbereich will, sollte ich das in Zukunft beherzigen. Als ich etwa 30 Minuten vor Konzertbeginn in der mit 50.000 Besuchern nicht wirklich ausverkauften, aber subjektiv schon zu vollen LTU-Arena ankam, war etwa in der Mitte des Innenraums eine Barriere aufgezogen und Zutritt jenseits des Blocks gabs nur mit den legendären Armbändchen. Nicht das erstemal, dass bei Großkonzerten diese Taktik gefahren wird &#8211; und ich hasse es jedesmal. Im vorderen Bereich der Halle war es dadurch deutlich zu leer und die Leute in den ersten Reihen nicht die besten Fans, sondern notorische Zufrühkommer. Insofern kein Konzert zum Mitfeiern, sondern eins, wo man nominell im Rahmen des Möglichen in der ersten Reihe steht (es sei denn, man will sich an drei Security-Leuten vorbeifighten), aber trotzdem gefühlte drei Kilometer weg vom Bühnengeschehen ist. Ganz zu schweigen vom Sound. Warum Leute diese Großkonzerte besuchen, wrd mir ewig ein Rätsel bleiben, geschweige denn, warum Bands sich einen Sound antun, bei dem bereits in der Mitte der Halle nur noch ein verhallter Brei überbleibt, aus dem ab und zu eine Bassdrum und eine Hihat herausragt, die Gitarre fast untergeht, der Bass erahnbar ist und einzig die völlig verhallte Stimme von Sting klar heraussticht. Ich kenn miese Bootlegs mit besserem Sound. Nichts dagegen, dass solche Stadion-Gigs für die Band eine Kapitalmaximierung sind &#8211; ein Konzert mit 50.000 Besuchern mal ca. 100 Euro sind besser als 10 Gigs mit 3000 Leuten für 50 Euro. Aber als Besucher hat die Sache mit Live-Erlebnis wenig zu tun, vor allem, wenn man Police bisher in kleineren Venues erlebt hat (Gruga, Dortmunder Westfalenhalle).</p>
<p>Generell ist es so, dass die drei Mann von Police in der gigantischen Halle etwas verloren wirken &#8211; da rettet auch die bei solchen Großkonzerten übliche LED<a href="http://de.youtube.com/watch?v=SNlscsbUGRI&amp;feature=PlayList&amp;p=E3ED638F9A67BE3A&amp;index=0">-Technologie, Lichtorgie und Videowand </a>nichts. Die Musiker gehen in der gigantischen und etwas beliebig wirkenden Lichtorgel unter, und können sich, um von den Kameras auch bloß gut aufgenommen zu werden, auch nur noch sehr eingeschränkt bewegen. Während rüher bei Police ein permanentes Jogging und Springen angesagt war, wurde dieser Gig <a href="http://de.youtube.com/watch?v=emX_r1SnWB8">mehr stur an einer Stelle stehend </a>heruntergespielt &#8211; was natürlich auch mit dem Alter der Protagonisten zu tun haben kann. Zudem kommen der Sound von Police und Stadion etwa so gut zusammen wie Autokino und Achterbahn &#8211; das filigrane Gefrickel von Andy Summers und Stewart Copeland verliert sich in der Hallsuppe des Raumes und die Band reagiert darauf, indem sie scheinbar bratiger und geradliniger spielt &#8211; Copeland brettert teilweise einfach nur noch auf den Becken herum und spielt deutlich reduzierter, um sich nicht im Soundbrei ganz zu verlieren.</p>
<p>Das Publikum macht mir etwas Angst. Mag sein, dass ich auf zu viele kleine Konzerte gehen, wo ich der Old Man bin, aber es ist &#8230; weird, neben Leuten zu stehen, die sich BEGEISTERT vom letzten Fury in the Slaughterhouse oder Reamon-Konzert erzählen. Ich meine, wer geht denn da bitte hin??? Wenn du das fünftmal solche Kommentare von Leuten neben dir hörst, bekommst du die ersten Zweifel am Publikum. Police, das war mal DubNewWavePunk, aber hier knutschen die Pärchen bei den unvermeidlichen Hits herum und neben dir (in der 60. Reihe wohlgemerkt) flippen Leute am Crowdbreaker aus, die rein optisch ansonsten in irgendeiner Steuerbehörde Formulare ausfüllen. Das ist, kurz gesat, gruselig, aber das Publikum ist mit der Band gealtert, arriviert, bürgerlich, pummelig. Das sind die Leute, die auf Ü30 und Ü40-Parties gehen und immer wieder gern <em>With or without you </em>von U2 hören wollen, oder eben (seufz) <em>Every Breath you Take</em>.  Leute, die 90 Euro über haben, um ihre Jugend nochmal aufflackern zu sehen. Leute wie ich also, nur, dass ich hier hochgradig fehl am Platze bin. Das Publikum feiert natürlich (berechenbarerweise) die genau falschen Songs. Bei <em>Demolition Man </em>oder <em>Hole in my Life </em>gibts verwirrte Blicke, bei <em>Roxanne </em>und <em>So Lonely </em>wird natürlich ausgeflippt, da lassen Uschi und Horst die Sau raus. Vielleicht haben Police es verdient, als ihre eigene Coverband auftreten zu müssen und vor diesen Leuten spielen zu müssen, aber wenn du genau hinsiehst und -hörst, merkst du, wie sehr es der Band an den Nerven spielt, im Rentenalter immer noch die gleichen Sachen spielen zu müssen. Da werden die großen Hits gerade am Ende des Konzertes geliefert, aber eben wirklich geliefert. Die Band versucht teilweise dekonstruktiv an die Sachen heranzugehen und verliert sich zu meiner großen Freude ausgerechnet bei meiner persönlichen Hassnummer Roxanne in einer großartigen Jamsession, die nichts mehr mit dem Track an sich zu tun hat, um dann &#8211; und da merkst du, es geht vom Fun zurück zur Arbeit &#8211; noch einmal den Refrain rauszuklotzen, damit die Leute mitgröhlen können.</p>
<p>Was schade ist, denn die freieren Teile, in denen die Band etwas vor sich hin frickeln kann, sind grandios. Police zeigen streckenweise, wie sehr sich die musiker mit dem Alter gewandelt haben. Es ist die gleichen Musik wie Mitte der 80er, als die Band sich auf dem Zenith des internationalen Erfolgs auflöste, aber gespielt nach einer persönlichen Evolution, die vor allem bei Sting und Andy spürbar ist. Andy hat nach zwei Dekaden als eher esoterischer Jazz-Gitarrist ein Können erreicht, das dem seiner Police-Zeit weit voraus ist. Live bekommt er weiten Raum für Soli und entwirft Klangwelten, die hypnotische Eleganz haben. Als der Älteste der Band macht er rein optisch keine gute Figur, aber spielerisch hört man zwanzig Jahre Übung, Training, Entwicklung in jeder Note, auch wenn er sich mal verspielt. Experimenteller und spiritueller denn je ist der ohnehin immer schon markante Gitarrensound von Police und das ist eine unfassbare Bereicherung. Sting selbst hat ebenfalls eine Karriere hinter sich, die ihn einen weiten Weg vom nasal klingenden Shouter von <em>Outlandos D&#8217;Amour </em>gebracht hat, hin zu einem eher im kratzig.tiefen Bereich brillierenden Vokalisten, der zwar nur noch kommerziellen Mist produziert, aber dennoch eine der markantesten Stimmen der Branche besitzt. Und so klingt dieses Konzert ungewöhnlich, weil Sting nahezu jeden Track relaxter, bluesiger singt als früher, anders phrasiert, andere Betonungen setzt, Strophen schleift und Refrains reduziert. Sein Gesang erinnert eher an die Police-Coverversionen, die er bei MTV Unplugged gesungen hat, es ist Police 1980 gesungen von Sting 2008. Und das bringt die Musik in einen komplett neuen Kontext. Zusammen mit der scheinbaren Rücksichtnahme auf Stewart Copeland, der gegen Ende des Gigs zunehmend greifbare Probleme hat, seinen jugendlichen Drive an den Drums aufrechtzuerhalten (der aber trotzdem eine stellare Performance hinlegt, unfassbar, wie gut Stewart immer noch ist), sind die Tracks insgesamt etwas langsamer geworden, ruhiger. Obwohl die Band auch ordentlich auf die Pauke haut, sind die besten Momente immer jene, in denen sie die Tracks weitgehend verändern, filtern, remixen. Du merkst manchmal, wie das Publikum einen Track am Anfang kaum erkennt (<em>Voices Inside My Head/When the World ist running down</em> &#8211; grandios gemacht) und auch in den Songs selbst liefern Police immer wieder großartige Breakdowns, in denen sie fast frei improvisieren und zeigen, wie gut diese Band sein kann, wenn sie sich für einen aus dem Korsett der Greates-Hits-Machine befreit. Gerade am Anfang des Gigs leisten sich The Police den Luxus, auch mal Semi-Hits zu spielen (<em>Driven to tears</em>, <em>Invisible Sun</em>, wo übrigens ein unsagbar kitschiger Video lief mit bettelnden Kinderaugen, surreal schlecht) und diese Freiheit tut dem Konzert gut, es sind ausnahmslos die Offbeat-Songs, die wunderbar reinterpretiert und ausgebaut sind, während die Crowdpleaser relativ rausgerotzt wirken. Wenn die band aber aufspielt und sich in der Musik verliert, entstehen unsagbar gute Momente, deren psychedelische musikalische Energiezeitlos und beachtenswert ist. The Police sind live immer noch eine Größe für sich.</p>
<p>Trotz oder gerade wegen des fortgeschrittenen Alters liefern Police hier wirklich ein Konzert ab, das einen Neuigkeitswert hat. Wo andere Bands, die nochmal aus der Rente kommen, um sich den Ruhestand mit einer letzten Welttournee zu finanzieren eher musikalisch mieser wirken als zuvor, zeigen Police einen tatsächliche Fortentwicklung des vertrauten Materials, die ich so nicht erwartet habe und die das Konzert trotz der vielen Stadion-Rock-Probleme absolut erlebenswert machen. Es ist ein bisschen morbide, eine abgehalfterte Band, die durch ein solches Comeback immer Gefahr läuft, den eigenen Mythos zu zerstören, zu sehen &#8211; aber Police reißen das Steuer wirklich herum und liefern einen Gig, der zugleich nahtlos an die Glory Years anschließt und dochklar die Entwicklung der Bandmitglieder in der Zwischenzeit &#8211; vor allem eben Stings geändertes gesangliches Spektrum &#8211; respektiert.</p>
<p>Einen surrealen Moment gibt es dann allerdings am Ende, als die Band bei Next to You eine Art Collage von Photos und Videoschnipseln vergangener Zeiten zeigt. Vor der Folie dieser Bilder von jungen Typen um die 20/30, die noch nicht wussten, dass sie am Anfang einer der größten Karrieren der Popgeschichte und einem unweigerlich dazugehörenden Trip in die Entfremdung von sich selbst standen, haben die drei Männer auf der Bühne etwas rührend vergängliches, etwas trauriges. Wenn das Publikum nach dem Konzert auf dem Weg nach draußen sanft sagt :«Alt sind &#8216;se geworden», dann meint es im Grunde sich selbst. The Police stehen gegen den Zahn der Zeit auf der Bühne, spielen gegen die eigene Unwichtigkeit an, wollen sich wie alte Cowboys noch einmal beweisen. Sting, graubärtig und sonnengegerbt sieht nicht umsonst aus wie ein altgewordener Seemann, der noch einmal auf Walfang gehen will, und stellt nicht umsonst im engen Netzshirt seinen unverändert großartigen Body aus, dokumentiert seine Vitalität, schreit mit reibeiserner Stimme gegen das absehbare Karriere-Ende an. Hier fackelt eine Band das letzte Feuerwerk ab, feiert eine letzte Auferstehung, und man fragt sich vor allem, wie es für Stewart und Andy, die neben The Police eigentlich nie viel in ihrem Leben gepackt gekriegt haben (während Sting den Ruhm zumindest in eine achtbare, wenn auch künstlerisch zunehmend insignifikante Solokarriere ummünzen konnte), sein muss, wenn das einzige große Ding in deinem Leben diese sechs Jahre Police sind &#8211; bis hin zum hohen Alter, wenn du einen Schatten dieses Ruhms nochmal mühsam reanimierst &#8211; wenn man also 80% seines Lebens als Has-been verbringt und von der glimmenden Restwärme eines kurzen Novamomentes existiert. Wie schon Copelands <em>Everyone stares</em>-Film bleibt ein seltsamer Nachgeschmack, bei dem das Leben als Popstar eines der traurigsten ist, dass man sich denken kann &#8211; vor allem, wenn es vorbei ist.</p>
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		<title>Jennifer Rostock: Hundertmeister, Rostock</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jun 2008 16:51:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Live]]></category>
		<category><![CDATA[Pop]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt auf  den ersten Blick eigentlich reichlich Gründe, Jennifer Rostock nicht zu mögen. Dass die Band schon ab dem ersten Album Major-Deal-Act ist und sich entsprechend vermarktet, entsprechend ein wenig zusammengecastet wirkt &#8211; die übliche Frontfrau mit den üblichen, in diesen Fall dezent wie Ramones-Lookalikes rumlaufenden Jungs an den Instrumenten. Der permanente Vergleich mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/JR_live_01.jpg" alt="" /></p>
<p>Es gibt auf  den ersten Blick eigentlich reichlich Gründe, Jennifer Rostock nicht zu mögen. Dass die Band schon ab dem ersten Album Major-Deal-Act ist und sich entsprechend vermarktet, entsprechend ein wenig zusammengecastet wirkt &#8211; die übliche Frontfrau mit den üblichen, in diesen Fall dezent wie Ramones-Lookalikes rumlaufenden Jungs an den Instrumenten. Der permanente Vergleich mit Ideal. Und so weiter. Was man eben an den ganzen neuen deutschen Acts, die mit reichlich Geld hochgepusht werden sollen, alles nicht mögen kann.</p>
<p>Auf der Bühne zeigen Jennifer Rostock dann aber, das mehr an Ihnen dran ist als bloß Germany&#8217;s Next Chartwonder zu sein. Wo Bands wie Juli und Silbermond eher konsenstauglich auftreten, pushen JR ihr all zu glatt produziertes erstes Album an die Grenze zum Punk.  Jennifer Weist geht in ihrer Rolle als Nina Hagens Wiedergängerin spürbar auf, kiekst, kreischt, punkt das Publikum an und stellt erst mal klar, das ihre Mumu manchmal aus dem Schlüpfer zu gucken versucht, also Vorsicht in der ersten Reihe. Die Band mischt die 90er-Kitsch-Keyboard-Rolandsounds und die analogen Sequencerklänge von Joe, die im Hundermeister soundtechnisch irgendwie untergehende Gitarre von Alex, der rein optisch sympathischerweise noch am wenigsten in das ansonsten derb Hauptstadt-Szene-Myspace-Konzept der Band passt, die geraden Rockbasslines von Christoph zu einem soliden Block, den vor allem das bemerkenswert auf den Punkt kommende, brachiale, groovende und druckvolle Schlagzeug von Baku zusammenhält &#8211; das Ergebnis ist erstaunlich ordentlich hörbare Mucke. Die 45 Minuten Set kommen WHAMWHAMWHAM rausgeschossen und man merkt, dass die Band alles tut, um bloß nicht zu kantenlos rüberzukommen und fast wütend gegen die eigenen Juli/Silbermond/Mia-Schublade anzockt. Dass vor der professionell in die Zugabe gepackten Single «Kopf oder Zahl» erst mal aufs Derbste Devo&#8217;s <em>Mongoloid </em>rausgerotzt wird zeigt, ebenso wie Joe&#8217;s 90s-Trashpop-Keyboardeinlagen, dass die Band eigentlich mehr sein will und mehr sein kann als nur ein Act, den Warner bei Stefan Raab platziert. Versoffener, dreckiger, punkiger, sexier und insofern richtig gut. Gut denkbar, dass aus dem Warner-brauchen-eine-deutsche-Band-im-Portfolio-Act im nachhinein noch eine echte, eine richtig gute Band wird, die mehr will als nur in die Charts. Auf der Bühne kommt das jedenfalls so rüber, und das obwohl die Band offensichtlich an dem nicht so ganz derbe mitgehenden Publikum in Duisburg leidet und obwohl eben das Publikum etwas strange ist &#8211; zum einen die zu erwarteten Myspace-Kids mit ihren Emo-Outfits, zum anderen aber auch Typen, bei denen man echt Angst hat, die sind echt nur wegen Jennifers Mumu gekommen und zählen schon die Tage, bis die Dame sich im Playboy auszieht. Aber keine BAnd kann was für ihre Fans, oder? Und bei dem Druck in der Musik und der gnadenlosen Rampensau-Schiene von Jenny sollte die Combo bei den Festivals diesen Sommer den etablierten Acts ordentlich das Wasser abgraben, mein Lieber.</p>
<p>Hier ein paar super Live-Photos von <a href="http://www.myspace.com/cardephotography">Carsten Deckert</a>:</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/JR_live_00.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/JR_live_11.jpg" alt="" /></p>
<p>Testspielen für Bands-vs-Fans, wobei Whiskey eindeutig die Nase vorn hat.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/JR_live_02.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/JR_live_03.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/JR_live_04.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/JR_live_05.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/JR_live_06.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/JR_live_07.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/JR_live_08.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/JR_live_09.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/JR_live_10.jpg" alt="" /></p>
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		<title>GET WELL SOON LIVE FZW DORTMUND</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Apr 2008 17:48:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Live]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist die Krux des kleinen Saales und des großen Klangs &#8211; Konstantin Groppers Get Well Soon zelebrieren auf ihrem Debutalbum einen dichten Wall of Sound, den man sich ohnehin nur schwer 1:1 auf der Bühne vorstellen kann, geschweige denn auf einer so kleinen wie der des absolut vollgepackten FZW. Wo Rock und Punk durchaus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/getwellsoon_live_01.jpg" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/getwellsoon_live_05.jpg" /></p>
<p>Es ist die Krux des kleinen Saales und des großen Klangs &#8211; Konstantin Groppers Get Well Soon zelebrieren auf ihrem Debutalbum einen dichten Wall of Sound, den man sich ohnehin nur schwer 1:1 auf der Bühne vorstellen kann, geschweige denn auf einer so kleinen wie der des absolut vollgepackten FZW. Wo Rock und Punk durchaus erdig und pur wirken, ist die schwerelose melancholische Musik der jungen Band einfach zu sehr geerdet, aus dem Orbit von Hall und Überproduktion auf die kalte Erde herabgezogen. Der Sound ist sehr schwierig, Teile der Instrumente dominieren die Halle schon von Bühne aus  &#8211; allem vorweg die Drums und die Bläser &#8211; während andere Instrumente sich kaum durchsetzen können, wie etwa die Keyboards oder der Bass. Das Soundgerüst ist eher das einer schlechten Schülerband &#8211; und das entzaubert gewaltig. Aus elegischen, sphärischen Soundkonstruktionen werden so sich etwas bleiern hinschleppende Songs, die nie wirklich nach vorn kommen, aber auch nie wirklich erhebend, hypnotisch wirken. Die Band gibt sich redlich Mühe, die meisten Musiker spielen relativ brav aber engagiert ihre Parts herunter, einzig der Drummer versucht sich an mutigen Fills und Breaks &#8211; die mal wunderbar gelingen, mal aber auch einfach nur die Songs zerstören und mitunter etwas aufgesetzt, einfach overplayed wirken.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/getwellsoon_live_02.jpg" /></p>
<p>Get Well Soon spielen die Tracks des Albums relativ 1:1, sogar in der Reihenfolge der Platte, herunter, ohne großen Freiraum für Improvisation oder Spiel, was angesichts der kompositorischen Dichte der Stücke verständlich ist, aber auch schade wirkt &#8211; ein mittlerer Block von unbekannten Stücken, von denen Gropper sagt, sie kämen aus seiner Mottenkiste, wirkt druckvoller und mehr für Live ausgesucht als die Stücke von Rest now Weary Head&#8230; , die nun nicht unbedingt zum Tanzen einladen, sondern eher zum hinhören. Entsprechend ruhig ist das Publikum, das eher versonnen hin und herswingt und sich der Musik hingibt, die im Verlauf der Konzertes an Souveränität und Kraft gewinnt und sich zwischendurch zu wunderbaren Höhen aufschwingt, die in ihrer Breite an Sigur Ros erinnern.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/getwellsoon_live_03.jpg" /></p>
<p>Irgendwie bleibt es ein Konzert, das nie richtig abhebt und stellar wird, das aber auch nie mies ist &#8211; die Musiker wirken, als hätten sie auch auf der Bühne mit Soundproblemen und schlechtem Monitoring zu kämpfen und ackern sich insofern etwas unentspannt durch die Tracklist. Insgesamt die Sorte Konzert, bei der man sich wünscht, dass die Combo etwas mehr Erfahrung miteinander sammelt und somit souveräner im Spiel wird &#8211; und vor allem ganz einfach den Sound und das Licht, den die Musik verdient. Und ich denke, dann können Konzerte von Get Well Soon aber mal so ganz, ganz großartig werden. Und dann kann man sagen, wie geil es war, die schon gehört haben,. als sie noch in kleinen Clubs gespielt haben und wie sehr man sich diese Zeiten zurückwünscht :-D.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/getwellsoon_live_04.jpg" /><br />
<img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/getwellsoon_live_06.jpg" /></p>
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		<title>NIELS FREVERT: GEBÄUDE 9 KÖLN</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Apr 2008 23:07:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Live]]></category>

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		<description><![CDATA[«Na, denkt ihr schon darüber nach, was ihr gleich im Internet schreiben wollt?», fragt Frevert mitten im Konzert das Publikum und überlegt, dass wahrscheinlich alle darüber schreiben, wie oft er seine Gitarre stimmt im Laufe des Konzerts. Live 2.0, wo du als Künstler schon immer das im Internet geronnene Feedback deines Publikums vorwegfürchten oder besser [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/frevert_live.jpg" /></p>
<p>«Na, denkt ihr schon darüber nach, was ihr gleich im Internet schreiben wollt?», fragt Frevert mitten im Konzert das Publikum und überlegt, dass wahrscheinlich alle darüber schreiben, wie oft er seine Gitarre stimmt im Laufe des Konzerts. Live 2.0, wo du als Künstler schon immer das im Internet geronnene Feedback deines Publikums vorwegfürchten oder besser einfach ignorieren musst, die endlos hochgereckten Mobiltelephone und die Besucher, die zu Kritikern mutiert sind.</p>
<p>Und das sind nicht wenige, in der Konzerthalle vom <a href="http://www.gebaeude9.de/">Gebäude 9 </a>ist es angenehm voll, obwohl man eigentlich vermuten sollte, dass kein Mensch Niels Frevert noch kennt, der sechs Jahre nach seinem letzten Album &#8211; und über zehn Jahre nach Nationalgalerie &#8211; wieder nicht nur mit einer Gitarre, sondern mit einer ganzen Band. Und obwohl die mit Stefan Will am Piano, Stephan Gade am Bass, und Tim Lorenz an den Drumseingespielte kurze CD eher besinnlich daherkommt, ist das Konzert nur teilweise ruhig. Vor allem gegen Ende wird es kraftvoller, energetischer &#8211; mit Dopppelgänger sogar kurz richtig rockig. Im Großen und Ganzen geht es, wie bei der Paul Dimmer Band, die den Abend einleitet und deren Track Pausen Nils fürs Tapete Label ja vor einem jahr erst gecovert hat, irgendwie <em>moderat</em> zu&#8230;ein gemütlicher Mitsingabend für Menschen, die ein wenig zu verdächtig nach abgeschlossenem Pädagogikstudium aussehen und die schon die Songs vom neuen Album auswendig können. Es ist ein bisschen Wohnküchenflair, und das klingt vielleicht böser, als es gemeint ist. Aber es ist befremdlich, dass Freverst Publikum so eine freundliche Gemütlichkeit ausstrahlt, fast so als wäre man bei einem Element of Crime Konzert, ein Vergleich zu dem die Musik teilweise inzwischen einlädt, wo dich seine Texte viel zu sperrig fürs kuschelfeeling sind, nicht mitgesungen, sondern gehört werden wollen. Aber vielleicht geht es darum live nicht &#8211; also schwingen die Pärchen im oft jazzig verwaschenen Groove des Abends und auf der Bühne steht dieser Mann, nach 20 Jahren immer noch so seltsam am Anfang seiner Karriere zu stehen scheint, in kleinen Clubs, mit einer Musik und  Kapelle, die nicht sooo anders klingt als Nationalgalerie, mit dem gleichen &#8211; gealterten &#8211; studentischen Wuschelflair, der gleichen Unsicherheit als Frontmann, die andere nach der langen Erfahrung längst abgelegt haben müssten und die im Laufe des Abends gottseidank etwas aufweicht, bis so etwas wie Kommunikation zwischen Sänger und Publikum und Sänger und Band stattfindet. Vielleicht tatsächlich bedingt durch die langen Stimmpausen, die von Niels und dem hervorragend smoothen Basser Stephan Gade ausführlich selbst zum Running Gag gemacht werden &#8211; früher war alles anders, da gabs nur eine Gitarre. Aber selbst wenn Frevert heute mehr Gitarren hat als 1995, so würde man ihm doch auch einen Roadie gönnen, der die Gitarre stimmt, und eine größere Bühne, und mehr Publikum, und mehr Ruhm und Ehre und all that shit. Aber wahrscheinlich funktioniert das so einfach nicht, wahrscheinlich kann man dankbar sein, dass Frevert nach all der Zeit immer noch da ist und nicht Websites programmiert oder sowas. Insofern schaut man irgendwie einem gealterten Boxer zu, der sich durch ein Best-of der letzten drei Soloalben maneuvriert, oft zu großer Form aufläuft, mitunter nah am Schlager vorbeischrammt &#8211; aber gut, «Du musst zu Hause sein» war auch 1997 schon ein Song, den ich nicht verstehen konnte. Muss an mir liegen. Auf der anderen Seite gibts <em>Polyacryl</em>, <em>Einbahnstraßen</em>, <em>Einwegfeuerzeugstichflamme</em> und andere Songs, mit denen ich nicht unbedingt gerechnet habe und um so besser, dass die kommen. Wenn ich mich nicht irre, gibt es nichts von der Galerie und das ist seltsam, aber wirklich gut &#8211; <em>Evelyn</em> hätte mir vielleicht den Abend verdorben. Die Band verleiht den alten Tracks ein neues Flair, ohne sie entstellen oder zu Coverversionen zu mutieren, bettet aber auch die lauteren Songs sanft in den relaxten Grundtonus des Konzertes ein. Vor diesem nivellierenden Grundsound wird klar, wie bündig Freverts Werk eigentlich ist &#8211; das durch die sehr unterschiedlichen Produktionen der Alben sehr unterschiedlich wirkt, wobei ich <em>Seltsam öffne mich</em> als das gelungenste unter drei exzellenten Alben betrachte &#8211; wie logisch die Entwicklung von dem noch sehr krachenden Nationalgalerie-Sound (der ja auch zunehmend introspektiver wurde) zu den Miniaturen von heute.</p>
<p>Frevert und die Band werden von dem kleinen aber feinen Publikum der Seltenheit solcher Auftritte und der Bedeutung von Frevert entsprechend gebührend und ausgiebig abgefeiert, zu Recht, bevor nach drei Zugaben Schluss ist, damit die Leute noch die letzte U-Bahn nach Hause kriegen und darüer nachdenken können, was sie in ihr Blog schreiben und die ersten Vdeos zu YouTube laden&#8230;</p>
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		<title>KAIZERS ORCHESTRA  E-WERK KÖLN</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Apr 2008 16:02:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Live]]></category>

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		<description><![CDATA[So leer habe ich das E-Werk selten gesehen &#8211; die Herren Kaizer haben offenbar treue, aber leider nicht wirklich so überragend viele Fans in der Region. Nachdem der großartige Warm-Up Geoff Berner nach einem furioswitzigen Set von der Bühne tritt, kommen die sechs Herren in schwarzen Anzügen und weißen Hemden auf die Bühne und spielen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/kaizers_ewerk_08.jpg" /></p>
<p>So leer habe ich das E-Werk selten gesehen &#8211; die Herren Kaizer haben offenbar treue, aber leider nicht wirklich so überragend viele Fans in der Region. Nachdem der großartige Warm-Up <a href="http://www.geoffberner.com/">Geoff Berner</a> nach einem furioswitzigen Set von der Bühne tritt, kommen die sechs Herren in schwarzen Anzügen und weißen Hemden auf die Bühne und spielen sich sauber durch ein fast nahtloses Set von neuen <em>Maskineri</em>-Tracks und Classics, fast schon zu routiniert. Die wenigen Pausen füllt Janove Ottensen mit etwas Small Talk mit dem Publikum, der teilweise auch klingt wie eine Marketing-Umfage (Woher kennt ihr uns? Radio, TV oder Freunde?). Insgesamt unterscheidet sich dieser Gig gegenüber dem <a href="http://www.hdschellnack.de/?p=1574">vor zwei Jahren in Bochum </a>durch eine gewisse Blutarmut. Die Band ist super, das Publikum gegen Ende völlig aus dem Häuschen, ich hab selten eine 3/4 volle Halle so abgehen sehen (und zu Recht), aber die Show wirkt irgendwie einen Hauch professioneller, geschliffener, weniger überdreht. Die Sache ist ingesamt nüchtener, etwas inszenierter und kalkulierter &#8211; vielleicht eine logische Folge, wenn man eine Band mehrfach sieht. Du achtest enfach auf andere Dinge. Auf Øyvind Storesund beispielsweise, der am Kontrabass wunderbare Arbeit leistet. Die Musik ist der übliche MarchingGypsySwampSouthRockEastFolkPunk-Mix &#8211; nicht ohne Grund läuft <em>Beirut </em>beim Rausgehen &#8211; wobei die Band die neuen Songs fast nahtlos in das bestehende Material zu integrieren versteht&#8230; und live dabei sehr viel mehr überzeugt als auf dem tatsächlichen Album.</p>
<p>Auf Wunsch einer einzelnen Dame, die 320 Photos gemacht hat, kommen nach dem Break&#8230; ein <em>paaaaar </em>Photos&#8230;  die sich hauptsächlich auf ein Bandmitglied konzentrieren. Lalala&#8230;</p>
<p><span id="more-2671"></span></p>
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		<title>POLARKREIS 18 KONZERTHAUS DORTMUND</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Mar 2008 18:24:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Benedikt Stampas Konzept, die heiligen Hallen eines klassischen Konzertsaals auch für (Unplugged-)Popkonzerte zu öffnen und interessante deutsche Acts nach Dortmund zu holen, ist oft durchwachsen, im Idealfall aber hochspannend. Bei einer Band wie den Dresdener Indie-Quintett Polarkreis 18, deren Sound generell nicht ganz so weit weg ist von Sigur Ros oder Radiohead, wenn auch lange [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/polarkreis18.jpg" /></p>
<p>Benedikt Stampas Konzept, die heiligen Hallen eines klassischen <a href="http://www.konzerthaus-dortmund.de/">Konzertsaals </a>auch für (Unplugged-)Popkonzerte zu öffnen und interessante deutsche Acts nach Dortmund zu holen, ist oft durchwachsen, im Idealfall aber hochspannend. Bei einer Band wie den Dresdener Indie-Quintett <a href="http://www.polarkreis18.de/">Polarkreis 18</a>, deren Sound generell nicht ganz so weit weg ist von Sigur Ros oder Radiohead, wenn auch lange nicht so vertrackt/verkopft, funktioniert es bestens. Die Combo um Felix Räuber tritt mit obskuren Instrumenten bewaffnet &#8211; darunter eine batteriebetriebene E-Gitarre, eine Bohrmaschine, Xylophone, Kinderpiano, aber auch Flügel, Ziehharmonika und ein grandioses Ludwig Silver Sparkle Drumkit &#8211; in den gigantischen Hallraum des großen Saales und macht sich die hallige Akustik zu eigen. Wo andere Bands in der Weite des allzu ruhigen, allzu hohen Raums scheitern, kommt die helle Kopfstimme des Sängers erst richtig zur Geltung. Präzise und mit Spielfreude haut die Band ihre sphärischen Songs in reduzierterer Version in den Saal, und Christian Grochaus dynamisches, feinfühliges und bei aller Ruhe stets großartig, mal leicht jazzig angehauchtes, mal wuchtigrockiges Schlagzeugspiel sorgt tatsächlich dafür, dass die Sache nicht vor die Wand fährt. Das Kit klingt schon von der Bühne perfekt, mit einer wunderbar kickenden Bassdrum, kristallklaren Becken und einer wunderbar schleppenden Snare &#8211; very oldschool. Räuber beginnt das Konzert bereits fast mit einem Höhepunkt, allein am Klavier, und ab diesen Moment gibt es keinen einzigen Durchhänger, bis zum Ende der zwei Zugaben und (zu kurzen) 90 Minuten Konzert. Mit viel Spaß, brillianten Einlagen, smarten Ansagen und einer bescheidenen, aber smarten Lichtkonzeption fightet sich Polarkreis durch den Raum, der &#8211; ehrlich gesagt &#8211; einfach keine Partystimmung aufkommen lassen will, egal wie sehr die Band auf der Bühne tanzt. Trotzdem ist der Applaus begeistert, Standing Ovations, und mehr als verdient.</p>
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		<title>JUSTICE: E-WERK KÖLN</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Feb 2008 20:09:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>HD Schellnack</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Meine hartnäckige These, dass französischer Elektrobratz im Grunde seines Herzens eigentlich Metal sein möchte, die Edbnger eben Headbanger sind, haben die Grenre-Gründerväter Gaspard Augé und Xavier de Rosnay von Justice im E-Werk deutlich bestätigt. Die gesamte Ikonographie der Bühne schwärmt von den untergegangenen Zeiten des Hair Metal &#8211; gigantische Marshall-Amp-Stacks links und rechts neben dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/justice_01.jpg" /></p>
<p>Meine hartnäckige These, dass französischer Elektrobratz im Grunde seines Herzens eigentlich Metal sein möchte, die Edbnger eben Headbanger sind, haben die Grenre-Gründerväter Gaspard Augé und Xavier de Rosnay von Justice im E-Werk deutlich bestätigt. Die gesamte Ikonographie der Bühne schwärmt von den untergegangenen Zeiten des Hair Metal &#8211; gigantische Marshall-Amp-Stacks links und rechts neben dem DJ-Pult der beiden, das von reichlich sinnloser Technik umgeben ist und dessen Mitte ein großes Kreuz ziert. Mehr 80er-Jahre-Metal, mehr <em>Spinal Tap</em>,  geht kaum noch ohne schon wieder unironisch zu werden. Dass das Ganze nur Pose ist &#8211; ein Mädchen neben mir forderte (zu Recht) mehr Lautstärke bei dem Konzert, wenn doch da 18 Marshall-Boxen auf der Bühnen stehen &#8211; wird rasch klar, als aus den entkernten Gehäusen der Boxen einfach nur ein Lichtgewitter kommt. It&#8217;s just show. Das Augé auch persönlich an dem Abend aussah wie ein vergessenes Mitglied von Motörhead passt da nur ins Bild, ebenso wie die Arm-zu-Kreuzen-Posen des ansonsten gern mit fröhlichen Leuchtstab-Brillen herumwuselnden NuRave-Publikums, die eben auch ganz amtlich in jedes Mötley-Crue-Konzert gepasst hätten. Der Erkenntnis, dass Rave3.0 irgendwie eben doch wieder vorbei ist und dem hedonistischen Publikum was Neues geboten werden muss, tragen die Edbanger-Jungs denn auch mit dem finalen Stück, das dann endgültig unverbrämt Metal und Elektro vereint, Rechnung. Der Mainstream wird zwischendurch mit permanentem<em> We are your friends&#8230;</em> beschallt, einer Nummer, die ich nun absolut nicht mehr hören kann, die aber beim Publikum anscheinend trotzdem ordentlich Loveparade-artige Begeisterung hervorrief, während andere Tracks wie Phantom oder Waters of Nazareth eher ruhig hingenommen wurden. Augé und de Rosnay gehen mit der seltsamen Balance zwischen Hit-Wunder und Indie-Phänomen ironisch um, brechen einerseits <em>D.A.N.C.E </em>zur langsamen Ballade auf und hauen andererseits <em>We are your friends </em>als Running Gag bis zum Erbrechen als Sample über fast jeden Track, ohne den Song selbst je so ganz richtig durchzuspielen. Überhaupt remixen die beiden ihren eigenen Stuff ganz ordentlich, lassen Uffie-Vocals durchblitzen, mashen minutenlang irgendwelche 90s-Disco-Nummern unter die eigenen Beats und nehmen ihr Debut mehr oder minder als Spielzeug, das aufgefrischt aus der Box kommt.</p>
<p><img src="http://www.hdschellnack.de/uploads/justice_02.jpg" /></p>
<p>Wie jedes Elektro-«Konzert» ist die Sache aber trotz aller dicken Beats irgendwie zu steril, zu tod, auf der Bühne passiert eigentlich nichts, die beiden Herren könnten auch gepflegt den Mix von DVD kommen lassen und während der 90 Minuten Konzert <em>World of Warcraft </em>spielen. Am Ende ist es also so wie ein Freitagabend in irgendeiner Indie-Electro-Disco, nur mit deutlich besseren Übergängen und wirklich perfektem Mixing, mehr ein DJ-Event in einer zu großen Halle als ein Konzert. Wobei man sagen muß &#8211; im Goethebunker etwa ists einfach <em>lauter</em>. Und verzerrter. Also eigentlich eben passender zu Metal. Vielleicht ist Justice einfach zu groß geworden für das, was es eigentlich ist &#8211; ein Indie-Phänomen, dass am besten in verschwitzten und <em>viel </em>zu engen Clubs passieren sollte, wo die DJs regelmäßig die Boxen durchbraten und die Leute betrunken crowdsurfen. Auf der Konzertbühne ist der Sound zu kontrolliert, nicht bratzig genug, und man merkt auch einfach zu schnell, dass die Jungs bei ihren eigenen Tracks einem sehr berechenbaren Kompositionsmuster folgen, eigentlich also musikalisch sehr sehr wenig zu sagen haben. Justice haben einen neuen elektronischen Sound dancefloorfähig gemacht, die zergeligen monophonen Bässe, die gesliceten Sounds, die defekten Klänge in neuer postindustrieller Glorie wiederbelebt und der längst totgeglaubten Elektro/Dancefloor-Sache neues Leben eingeprügelt, indem sie den öden TechnoHousebrei aggressiver, wütender, kaputter gemacht haben, Industrial, Metal und Elektro fusionierten. Das ist eine einzigartige, musikalisch fast historische Leistung und die Liste der Justrice-Epigonen ist schon lang gewesen, da waren die Jungs selbst noch fast unbekannt &#8212; aber als Mainstream-Act funktioniert die Sache einfach nicht. Als Musik für die kleinen Ladenmädchen, als reine Zerstreuung, wird dieses Phänomen zu Recht zugrundegehen müssen. So wie Metallica vom Thrash-Wegbereiter zum Chartskitsch mutierte. Es bleibt also auf den nächsten Act zu warten, der die Härteschraube noch etwas weiterdreht. Man darf gespannt sein, wie elektonische Musik klingt, wenn sie die gnadenlose kalte Perfektion erreicht hat, die Meshuggah im Gitarrenbereich produziert.</p>
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