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Polaroid: Mission Impossible?

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Von ehemaligen Mitarbeitern betrieben, bietet das Impossible Project, oft in streng limitierten Editionen, Kameras und spezielle Filme direkt im Online-Shop an, die den Genuss des Analogen in den Mittelpunkt stellen und den stets etwas unsicheren und seltsamen Polaroidfilm nicht als Verwackelbild-Kompromiss aus den 70ern, sondern als Kunstgenerator sehen – dafür sprechen nicht zuletzt die vielen Filme im Type100-Format, die eher für Rückenteile (und natürlich die Holgaroid) konzipiert sind und sich an Profis wenden. Aber auch für Retro-Nerds, die Filme für ihre SX-70 suchen, ist reichlich kreatives Filmmaterial (zu selbstverständlich horrenden Preisen) vorhanden. Die Tatsache, dass anscheinend der halbe Shop derzeit «Out of Stock» ist, mag da ja einiges an Hoffnung machen, dass der etwas hippere und deutlich besser gestaltete Ansatz funktionieren dürfte. Ich drücke die Daumen!

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Robert Haslbeck

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Schlicht wunderbare Arbeiten präsentiert der aus Halle kommende Designer Robert Haslbeck auf seiner Site, die mit einem an Nils Holger Moormann erinnernden Humor und Materialmix daherkommen, aber moderner, bunter, sperriger wirken. Die vielseitigen Projekte und Ideen sind leider oft nicht serienproduziert oder zu kaufen – sehr schade, es wäre toll, diese inspirierenden Ideen in den Läden zu sehen. Einige ausgewählte Produkte von Haslbeck sind unter anderem bei Das Rote Paket online zu kaufen.

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Sneak Preview: Abril

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Typetogether stellen in ihrem aktuellen Newsletter einen hochspannenden Preview vor – die Abril. Wie so viele Fonts der letzten Zeit, unter anderem ja auch die Ingeborg der Typejockeys, ist die Abril ein moderner Remix einer alten Form, mit modernen Features, die Veronika Burian und José Scaglione bei Flickr zeigen. Was der Fontfeed ganz zu recht mit dem NewBeetle, dem neuen Fiat500 oder dem Mini vergleicht – vertraute Formen, die fast nostalgisch machen und sofort vertraut sind, und doch ist da ein Touch von Design und Features, der es durch und durch in der Jetztzeit verankert. Abril sieht vielversprechend aus und hat die Eleganz der aktuellen Typographie der Zeit. Man darf gespannt sein und sich vorfreuen – trotzdem gibt es bei mir manchmal eine leise Stimme, die eigentlich auch mal schön wäre, wenn es neben den ganzen Revivals auch mal Schriften zur Zeit gäbe, die ganz und gar ihren eigenen Flair haben. Manchmal ist es etwas schade, dass die Zeit der Experimente mit der Fuse anscheinend beendet war. Es war gut, Schrift so mutig auch jenseits der Anwendbar- und Lesbarkeit als Medium erforscht zu sehen…

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Slanted 09: Stencil

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Unter dem schönen blauen Plakat-Cover (das an sich einen Jahreskalender von Alexander Branczyk verbirgt) der neunten Slanted verbirgt sich gleich zum Thema «Stencil» passend ein weißes Cover, in das TYPE und FUCK gestanzt sind, das Heft selbst wird zur Sprühvorlage. Und zeigt so, dass auch in Zeiten, in denen Schrift sich digital immer besser repräsentieren lässt, die gedruckte Vorlage nach wie vor ihren Wert hat – als 160 Seiten starkes, liebevoll gestaltetes Magazin, das die anscheinend immer nicht nicht ausgestorbene Sprühschablonen-Ästhetik der Grunge-Design-Ästhetik auf den Prüfstein hievt und zum Teil herausragende aktuelle Beispiele für diese Art von Typographie findet. Interviews Chip Kidd, John Boardley und Kouga Hirano, Studentenarbeiten und gedruckte Inhalte des Slanted-Blogs runden das Heft ab, das verblüffend beweist, dass es so etwas wie eine Themenzeitschrift für Typographie geben kann, die nicht langweilig wird.

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Satellites Mistaken for Stars

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Alexander Eggers Buch Satellites mistaken for Stars ist eine dieser Publikationen, die mit Design im angewandten Sinne wenig zu tun hat, sondern eher ein Hybrid aus Kunst und einer Art suchenden, tastenden Design ist, mit dem Egger – der nicht ohne Grund nebenbei auch Musiker und Autor ist – sich seinen Faszinationen annähert.Der Wiener arbeitet zwar für namhafte Kunden als Illustrator und Designer, man merkt dem Buch aber an, dass er nebenbei noch genügend Zeit finde, um bis ins kleinste Detail ausgetüftelte kleine visuelle Zaubereien zu basteln, denen man kaum noch ansieht, ob sie analog oder am Rechner entstehen (wahrscheinlich beides), die nichts verkaufen wollen und müssen und daher die Freiheit haben, herumzuirren und durchaus auch einfach mal nur schön oder leer sein zu dürfen. Berauschend an dieser Bilderflut von Stilen, Formen und Farben ist die liebevolle Versessenheit, die man den Arbeiten trotz ihres oft hingerotzt-notizenhaften Charmes ansieht, die Manie, mit der Egger auf der Leere der Doppelseite fast an Sergio-Aragones kleine MAD-Randmarginalien erinnernde Miniaturen baut. Es ist undlich schwer, über Seiten bei einer relativ chaotisch anmutenden und beliebig-subjektiven Kompositon einen Spannungsbogen aufrechtzuerhalten und eine Art von Narration herbeizuzaubern – vieles in dieser Richtung langweilt sehr schnell nach einigen Seiten – aber Egger schafft, ganz anders als aber doch ähnlich wie Carson, die Balance von Unordnung und Intuition einerseits und dem Gefühl von Sinn und Tiefe andererseits. Man mag den Sinn seiner Bilder in dieser fast skizzenbuchhaften Juxtaposition nicht immer sofort erkennen, aber man spürt deutlich, da ist mehr als nur vollgeklatschte Seiten, insofern fühlt man sich eingeladen, genauer hinzuschauen und sich auf die Gestaltung einzulassen – nicht mehr selbstverständlich heute, dieses Gefühl von Fata Morgana und Hitzeflirren, wo doch so viel im Grafik Design fertig mundgerecht präfabriziert geliefert wird, selbst die Ideologien. Ganz im Gegenteil brilliert Egger – ähnlich wie Kim Hiorthoy – gerade dann, wenn die Seiten etwas ruhiger, leerer sind und sein ausgezeichnetes kompositorisches Gespür für die nur scheinbar willkürliche Anordnung seiner Elemente greifbar wird. Satellites ist, wie der Titel bereits verspricht, ein wunderbar doppelbödiges Spiel mit Eindrücken und Verirrungen, kostet rund 30 Euro… uns ist z.B. bei Amazon zu beziehen.

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Gregory Gilbert Lodge

Großartige Illustration aus dem letzten Zeitmagazin von Gregory Gilbert Lodge.
http://gilbert-lodge.com/

Ferngespräche: Ilka Helmig / Jonas Natterer / Eike König

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Totgesagte leben länger – oder doch zumindest intensiver. Unter der Moderation von Bernhard Uske und dem Titel Ferngespräche gibt es zwei weitere Diskurs-Runden an der Bergischen Universität Wuppertal, deren der Schließung oder Umstrukturierung entgegeneilender Fachbereich Design die erfolgreichen «Ortsgespräche»fortsetzt, diesmal aber (der Name lässt es ja vermuten) mit Designern aus fernen Städten wie Berlin, München oder Hamburg usw.

Am 21. Januar sind Ilka Helmig aus Köln und Jonas Natterer aus München zu Gast. Ilka Helmig spricht als Leitwerk-Gründerin  über ihre Erfahrungen im Zwischenbereich von Kunst und Design. Jonas Natterer ist unter anderem Art Direktor des NEON-Magazins und gibt in seinem Vortrag  Einblicke in das  Redaktionsleben der Twen-Zeitschrift.

Am 28. Januar kommt Eike König aus Berlin, und berichtet aus der Arbeit seines Design-Studios Hort, das für Kunden wie Nike, Volkswagen, Wallpaper, New York Times und Universal Music arbeitet und sich einen für deutsche Verhältnisse ausgesprochen individuellen Stil angeeignet hat.

Beide Events finden statt in der Universität Wuppertal, Gebäude I, Hörsaal 26, Beginn jeweils  18 Uhr. Das Ganze ist kostenlos und Bier gibt es auch.

Die schönen Plakatmotive oben arbeiten mit Photos der Vortragenden und sind von Dirk Büchsenschütz gestaltet.

Tag der offenen Hochschultür 30.01.2010 Dessau

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Wir alle werden Ende Januar leider keinen Millimeter von unseren Schreibtischen wegdürfen – aber für Designinteressierte mit mehr Zeit oder mehr Nähe zu Dessau, klingt der Tag der offenen Tür der Hochschule Anhalt, die am 30. Januar Arbeiten ihres integrierten Designstudiengangs (Kommunikation/Produkt/Medien) präsentiert und dabei en passant die Vorteile eines integrierten Studienganges Design zeigen will, der den Studenten auch im Rahmen des Bachelor/Master-Abschlusses mehr Wahlmöglichkeiten eröffnen soll. Für Studieneinsteiger gibt es an diesem Tag übrigens auch die Chance, Mappen vorzuzeigen und sich beraten zu lassen – das nächste Wintersemester steht ja quasi schon vor der Tür :-D. Also: hinhin…

Nice Eating

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Schlechtes Photo, aber tolles Cover. Und tatsächlich, wie man bei Foer und diesem Look direkt intuitiv raten kann, wieder von dem grandiosen Jon Gray.

Charlie Huston: Caught Stealing

hd schellnackDas Buch an sich ist vielleicht weniger der Rede wert… Charlie Hustons erster Teil der Hank-Thompson-Trilogie ist ein energetischer, kurzatmiger Thriller um einen versoffenen Ex-Baseballspieler, der Hals über Kopf zwischen die Fronten zweier ziemlich entschlossener Diebesbanden gerät. Thompson, eine Art Extremfall des amerikanischen Down-on-his-Luck-Antihelden-Modells, wird von Huston glänzend-ekelig inszeniert, das erste Kapitel ist fast meisterhaft voller literarischer Blue Notes und auch wenn das Buch diesen fast an Bukowski erinnernden Härtegrad leider nicht näherungsweise durchhält, gelingt Huston ein Buch, das im besten Sinne an einen Guy-Ritchie-Film erinnert: Dreckig, biestig, extrem witzig, mit viel Blues und Jazz und Rock in der Seele und mehr als reichlich Blut an den Händen. Die schiere Tour de Force ist hochspannend geschrieben und hat über den reinen üblichen Paperback-Thriller-Kick hinausgehend einige schriftstellerische «Quirks», wie etwa Hustons Methode, durch rasante Zwischenschnitte Verwirrung und Unsicherheit in seinen Text zu bringen und den Leser so ins Geschehen und in den Kopf seines Protagonisten zu rücken, die über die übliche Bahnhofs-Massenware hinausreichen. Caught Stealing ist adrenalin- und testosteronschwangerer Pulp, und das mit vollem Genuß, und wie der Autor seinen Protagonisten langsam vom Loser zum Killer wandelt, ist bemerkenswert in diesem insgesamt oft steinkalten und gnadenlosem Buch, in dem nichts und niemand sicher ist und man am Ende sogar um die Katze bangt, weil man Huston gegen Ende jede Grenzüberschreitung zutraut.Bemerkenswerter ist aber die Package: Caught Stealing (sowie die beiden anderen Bände der Trilogie und einige andere Bücher) gehören zu den von Random House für den iPhone-Reader Stanza gratis zur Verfügung gestellten Büchern des Verlages, und nach etlichen Kurzgeschichten und Novellen ist der Roman das erste «echte» Buch, das ich auf dem iPhone lese. Einem Gerät, das technologisch etwas subideal ist als Reader, weil es ein aktives Display hat, das man vor allem in dunklen Räumen gar nicht dunkel genug drehen kann und trotzdem noch Blendeffekte hat (selbst schwarzer Background mit weißem Text hilft kaum), während tagsüber die spiegelnde Glasoberfläche nervt. Die Seiten sind zu klein, Schrift entweder zu klein oder die Zeilenlänge falsch, und das iphone selbst ist einen Hauch zu unhandlich, um gefühlt als «Buch» durchzugehen. Ganz zu schweigen von der sehr realen Angst, wenn man spätabends in der Badewanne liegt und schmökert, was eigentlich passiert, wenn man einnickt und nicht ein Buch, sondern ein teures Elektrogerät ins Wasser fällt. Ähnlich wie Kindle, Sony und Co wird einem schnell klar, dass das «echte» Buch immer noch das beste und robusteste Interface hat, wenn man einfach nur lesen will. Tatsächlich geht das Lesen im Dunkeln, egal was man macht, nach einiger Zeit sogar so extrem auf die Augen, dass man einen Ghosting-Effekt hat, der bleibt, nachdem das Gerät abgeschaltet ist und die Augen aktiv etwas wehtun. Wenn Apple es mit dem «MacTablet» wirklich ernst meint als Reader, muss hier noch einiges passieren.Aber: Ironischerweise liest man mehr.  Die Stärke des iphones ist ja nicht, dass es irgendetwas besonders gut kann – nahezu jede einzelne Funktion des Gerätes oder irgendwelcher Apps lassen sich besser durch andere Lösungen realisieren – sondern dass es ein Universaldilettant ist und vor allem immer dabei. Was bedeutet, das man nicht nur immer eine Kamera oder das Internet oder ein Spiel oder sein Social Network dabei hat, sondern auch immer seine Comics oder Bücher oder Hörbücher.  Immer. Was tatsächlich zu Konflikten führen kann – hört man nun Musil Remixed (großartiger Podcast von Bayern 3) weiter, liest man das Fahrenheit 451-Comic oder doch Hustons Buch? Ganz abgesehen von der analogen «Konkurrenz», Blogs, eMails. Die mediale Überflutung ist in Form des iPhones, durch die Reduzierung auf ein einziges Endgerät, irgendwie greifbarer geworden und wird über kurz oder lang einen Gegentrend anfordern, der wieder Ruhezonen schafft (Dinge wie der Ommwriter sind da eine Vorstufe). Dennoch: Die permanente Verfügbarkeit eines Buches, zumal eines Thrillers, erhöht die Lesefrequenz ungemein. Im Wald, bei terminlichen Wartesituationen, am Ende sogar während des Spazierengehens mit dem Hund, spätnachts im Bett (ohne Licht anhaben zu müssen – das ist gar nicht so schlecht, wenn der Partner schlafen will), im Extremfall an der Supermarktkasse. Das iphone macht alle ubiquitär, ergo auch das Buch. Ich bin nicht sicher, ob das Medium technologisch auch für schwierige oder komplexe Texte geeignet wäre, weil der Ablenkungsgrad höher und der Lesekomfort bedeutend niedriger ist – aber für einen schnell wegzulesenden Straßenfeger wie Caught Stealing, bei dem große Teile der Handlung und Dialoge vorhersehbar sind, reicht es allemal.Tatsächlich muss ich sagen: Wenn die technologische Lösung erst einmal etwas ausgereifter ist und sich augenfreundlicher gibt, fände ich einen Sprung weg vom Papier für mich gar nicht so unattraktiv. Mit zunehmenden Alter ärgern mich die sich ansammelnden Berge von Zeug, die CDs, die Bücherkisten, die Longboxen voller Comics, der ganze Kram, den man durchaus braucht und liebt (die Inhalte zumindest), aber der so bleiern und sinnlos ist (die sperrigen Trägermedien).Nachdem ich mit allen dazugehörigen Phantomschmerzen und einer guten Portion «Wieso gibt es hier kein Booklet mehr?»-Frustration den ziemlich umfassenden Sprung zur komplett digitalen Musiksammlung hinter mir habe, ist es eigentlich nach einer Weile angenehm, wie unkörperlich die Sache ist. Genau das, was Vinylpuristen bemängeln – da IST ja gar nichts mehr – erweist sich als Vorteil, Musik wird leicht und mobil. Bei Comics zeichnet sich das fast drastischer ab. Was auf Papier vier Longboxes füllt – etwa die gesammelten Fantastic Four – nimmt auf der Festplatte nur ein paar GB weg, ist stets verfügbar, riecht nicht nach Keller und ist immer richtig sortiert. Das ist noch in den Kinderschuhen, weil es eigentlich keinen sinnvollen Reader für Comics und Bücher gibt, aber selbst in dieser frühen Phase fallen die Vorteile (und Nachteile, denn virtuelle Comics haben natürlich keinerlei Sammelwert und sind auch irgendwie deutlich herzloser) deutlich auf. Unverständlich ist mir allerdings, warum eBooks so teuer sind – Preisbindung hin oder her, das ist logisch nicht erklärbar und zeigt eher eine (absolut verständliche) Bockigkeit der Verlage beim Wechseln der Medien… was zumindest der Buchhandel auch begrüßen dürfte, denn ein sich breit durchsetzendes eBook dürfte den Mittelsmann im Sortiment ganz schön beuteln (hierbei wahrscheinlich die großen Filialisten mehr als den Vor-Ort-Buchhändler, dessen beratende und selegierende Funktion viel viel ausgeprägter ist und der auch ein anderes Publikum hat).Rückblickend ist es bemerkenswert, wie der iPod (und die ihn umgebenden Technologien) unsere Hörgewohnheiten verändert hat. Ich habe wenig Zweifel, das iPhone, Tablet & Co das gleiche mit unseren Lesegewohnheiten (ganz zu schweigen von Film und Web und Spielen und Musik….) gelingen wird. Chip Kidd bemängelte letzthin, wie sehr Amazon das Cover-Design beeinflussen würde – weil ein Buchumschlag heute auf 240 x 240 Pixeln lesbar funktionieren muss. Spannend wird vor diesem Hintergrund, wie der kulturelle paradigm shift, der sich durch eReading anbahnt, seinen (und unseren) Job weiter verändern wird.

Zwillinge bei der Geburt getrennt

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Links das UK-Random-House-Cover des neuen Buches von Audrey Niffenegger, hier auch mit dem Originaltitel Her Fearful Symmetry, der eine im Hinblick auf den Buchinhalt wunderbare Anspielung auf William Blakes The Tyger ist, und mit einem Photomotiv das fast perfekt die beiden Protagonistinnen und Highgate Cemetery einfängt.

Links das deutsche Cover mit verschwundener literarischer Anspielung und … einigen Blümchen. Ein Cover, das wahrscheinlich preiswerter war als die ganzseitige Anzeige in der Zeit, in der ich die deutsche Fassung entdeckte.

Es gibt Tage, da verstehe ich deutsche Verlage nicht so wirklich.

(Und ja, über die Typographie kann man in beiden Fällen streiten ;-))

Vorsicht Glas: Just say No

Auch aus der Rubrik«Wir sammeln alte Texte im Blog» ein Text aus der dmig 02, aus der Glosse «Vorsicht Glas», die ich mal so genannt hatte, weil ich bei der Glosse mit ordentlich Scherben rechne :-D. Und um ein Feedback nach der Veröffentlichung gleich vorwegzunehmen: Natürlich sage ich keine Sekunde, dass kleine Firmen kein Erscheinungsbild brauchen, ganz im Gegenteil. es geht eher um Ehrlichkeit, Transparenz und Angemessenheit und darum, dass Design immer mehr zu einem Aufbläh-Werkzeug wird, was schade ist, weil wir Designer so keine Möglichkeit haben, die echte Identität unserer Klientenzu kristallisieren.

Just say no

Corporate Design ist schon eine seltsame Erfindung. Was als strategisches Ausnahme-Werkzeug zur Sicherung von Unternehmensidentität und -kommunikation großer Marken begonnen hat, ist heute ein verwaschener Allroundbegriff geworden – so sehr, dass es uns nicht selten passiert, von einer Ein-Mann-Firma angerufen zu werden, die ein Corporate Design wünscht. Dass heute jedes Unternehmen, aber auch relativ kleine Kultureinrichtungen und sogar der Teehändler um die Ecke nach «seinem» Corporate Design verlangt, zeigt, wie sehr die Vorstellung von der Notwendigkeit einer visuellen Identität offenbar in den Alltagsgebrauch eingegangen ist. Selbst wenn dieses Bild dann vom Neffen mit CorelDraw und funky Display-Schriften aus den Frühachtzigern am Inkjet umgesetzt wird oder man sich sein Logo von Hunderten von Galeeren-Vektorbiegern per Crowdsourcing umsetzen lässt – was von vornherein mit der gewünschten Individualität rein gar nichts zu tun haben kann.

Natürlich braucht die Deutsche Post ein bündiges Erscheinungsbild, das nicht nur die Kommunikationsprozesse des Unternehmens rationalisiert und bündelt, sondern auch ein zukünftiges Eigen-Wunschbild des Unternehmens nach außen kommuniziert und zugleich als Zielmaßstab nach innen projiziert. Natürlich lässt sich die Effizienz von strategischen Kommunikationsmaßnahmen bis ins Detail auch für kleine und mittelständische Unternehmen plausibel belegen. Corporate Design ist wichtig für Firmen, bei denen der persönliche Kontakt durch eine abstraktere, a-individuellere Kommunikation ersetzt wird. Es ist eine Folge der Managerial Revolution, in der die großen Unternehmen die bekannten Gründerköpfe verloren haben, in der man nicht mehr aus dem Bauch heraus wusste, wer denn nun Krupp oder Siemens leitete, in der Macht und Verantwortung im bürokratisch-arbeitsteiligen Geflecht vieler Führungskräfte, die letztendlich ja auch nur Angestellte sind, unverortbar und gesichtslos wurden. Wenn man nicht mehr weiß, wer wie lange warum und mit welchen Werten ein Unternehmen wie die Post führt, und wenn man nicht mehr den stets gleichen Ansprechpartner vor Ort hat ist es gut, sich als Kunde an etwas gelb-schwarzer Farbe und einem Posthorn festhalten zu können.

Aber CD ist kein Wunderheilmittel, und Designagenturen sind keine reisenden Händler, die Zaubertränke im Wilden Westen verkaufen – oder sollten es zumindest nicht sein. Wir alle wissen, dass das schönste Logo umsonst ist, wenn Produktqualität und Service aus Kundenperspektive dieser Versprechung nicht gerecht werden. Wir alle wissen, dass der beste Imageprospekt nicht den Umsatz heben kann, wenn die Innendienst-Verkäufer sich unhöflich am Telefon melden und den potentiellen Kunden eigentlich als Belästigung betrachten. Es ist eine Banalität des Designalltags, dass sich Scheiße ja nur schwer in Gold verwandeln lässt. Im Idealfall sind CD (und vor allem CI) also Chancen, an den Stellen, die eigentlich gar nichts mit Design zu tun haben, als Designer formend mitzuwirken und eine Firma als ganzes mit zu verbessern, demokratisch als Partner mit zu modellieren, mit der Geschäftsführung und den Mitarbeitern gemeinsam den Laden nach vorn zu pushen. Dabei ist es keineswegs so, dass ein Logo und eine neue Hausschrift diesen Prozess ausmachen oder auch nur abbilden, vielmehr sind sie Anlass, vielleicht sogar Ausrede, um Dinge neu zu denken, zu hinterfragen, zu optimieren – und zugleich das Versprechen, dass die Firma sich gibt: In Zukunft sind wir so gut wie unser neuer Auftritt. 
 Es gibt in der Branche immer wieder eine Diskussion, gerade angesichts von Online-Logo-Anbietern, darüber, dass ja schließlich auch Tante Emma mit ihrem kleinen Laden sich ein Logo leisten müssen könnte, ohne gleich zu einem «arroganten und überteuerten Designer» zu gehen. Dieses Argument birgt einen schrecklichen Denkfehler in sich, es erhebt nämlich das ein «Logo» zu etwas, was Identität und Individualität eines kleinen Laden ausmachen kann – und sei es um den Preis, sich die Bildmarke von 300 völlig Fremden gestalten zu lassen. Der Gedanke ist etwa so abwegig wie die Vorstellung, das aus einem anonymen Pitch mit einem austauschbaren Briefing für zehn oder zwanzig Agenturen so etwas wie eine einzigartige «Identität» entstehen kann. Was Tante Emma wirklich braucht, ist vor allem gute Ware und einen netten Service, Persönlichkeit und Qualität eben, und der Laden brummt. Ein Logo ist hier im Grunde völlig überflüssig, weil sie selbst ja die Identität ihres Ladens verkörpert. Es macht keinen Sinn, wenn ein Blumenladen an der Ecke mit der gleichen Logik zu operieren versucht wie Fleurop, zumal Fleurop via Corporate Design nur von der Tatsache ablenkt, dass es eben gar keine Tante Emma mehr vorzuweisen hat, ergo den persönlichen Bezug zum alltäglichen Kunden verloren hat.

Anders gesagt: Ein Laden, der sich kein Corporate Design leisten kann, braucht sehr oft einfach auch gar keins. Wer aber eine Struktur mit mehreren Angestellten und ein anonymeres Vertriebssystem aufweist, für den sind die Investitionen in ein strategisch gut durchdachtes virtuelles «Gesicht» nicht nur tragbar, sondern absolut überlebenswichtig, da sie den persönlichen Auftritt essentiell ersetzen müssen.

Was nun keineswegs heißt, dass kleine und kleinste Kunden kein Design brauchen – schon ein winziges Café oder ein Geschenkeladen kann von gut gemachtem Design durchschlagend profitieren – aber es geht hier weniger um Logo und Visitenkarten als vielmehr um stimmige Medien, die langfristig glaubhaft zu der eben intimen Essenz passen als eine «Corporation» vorzugaukeln. Klein ist sexy, warum sich also größer machen, als man sein müsste und dabei eine der eigenen Stärken – die unmittelbare Kundennähe – verspielen? Einen guten Designer erkennt man insofern heute manchmal auch daran, dass er sich weigert, seine Arbeit zu machen – und einen schlechten daran, dass seine Antwort auf ein Problem darin besteht, einmal gelernte Pattern blind durchzuziehen – Logo, Visitenkarte, Briefbogen, Broschüre, Homepage. Oft geht hier die Idee einer angemessenen, zweckorientierten Lösung schlicht verloren. Ähnlich wie manche Architekten scheinbar auf jedes Problem mit einem neuen Haus reagieren wollen oder Wissenschaftler auf jede Technik-Krise mit noch mehr neuen Erfindungen – auch, wo es manchmal besser wäre, nichts zu tun oder außerhalb der etablierten Muster zu denken – scheinen Designer naturgemäß in Grafik-Design immer die erste Lösung zu sehen, die man semi-vorgefertigt aus der Aktentasche zieht, egal ob der Anlaß es hergibt oder nicht. Da wir uns inzwischen aber alle Kommunikationsdesigner nennen, sollten wir erkennen, dass weniger Design eben oft im Endeffekt mehr Design ist. In einer von mal mehr mal weniger gut gestalteten Marken durchfluteten Welt, die auf phantasievoll-nervige Kunstnamen und poppige Eyecandy-Logos setzen, ist die Aufgabe des Erscheinungsbildners eben auch, einfach einmal «Nein» zu sagen. Nicht jeder Friseurladen muss nach einer globalen Kette, nicht jedes Café nach Starbucks aussehen. In einer Gesellschaft, in der die technischen Werkzeuge von Design digital entfesselt und demokratisiert sind, in der (vor allem schlechtes) Design also Amok läuft, das oberflächliche Styling überhand nimmt, ist es paradoxerweise vielleicht die Aufgabe der Designer, Türsteher im Club des guten Geschmacks zu sein. Und als solcher schüttelt man eben meist den Kopf, wenn da jemand unschicklich auf dicke Hose machen will.

Nach all den Jahren, wo wir Designer versucht haben, Gestaltung durchzudrücken und in der Corporate Design von der Lufthansa bei Uschis Sonnenstudio angekommen zu sein scheint, ist vielleicht die Zeit, dass wir nicht mehr Design brauchen, sondern weniger. Ganz im gesamtgesellschaftlichen Sinne: Wir müssen die Idee des quantitativen Wachstums zugunsten einer qualitativen Entwicklung aufgeben. So wie ein Bugatti-Spoiler an einem Kleinwagen albern wirkt, ist oft auch ein Corporate-Style-Logo an einem kleinen, sympathischen Betrieb eher peinlich, wären Bescheidenheit und Humor und ein solider «Look» ehrlicher und erfolgreicher. Schon Dieter Rams wußte, dass gutes Design so wenig Design wie irgend möglich ist. Selten war das so wahr wie heute.

Clownfisch – Schöpfung

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Die dritte Ausgabe des von Christian Hampe und Beate Blaschczok produzierten und herausgegebenen Magazins Clownfisch (das eigentlich mehr eine Art Ausstellung in Heftform ist)  ist das Ergebnis eines ambitionierten Projektes, bei dem Hunderte von Blanko-Heften verteilt wurden und aus den zurückgesandten und vollgezeichneten, geschmierten, geklebten und sonstwie veredelten Heften das eigentliche Heft entstand – plus weiterer Inhalte der ständig wachsenden Kreativ-Crew um die beiden Wuppertaler. Gekrönt von einer atemberaubenden Gratis-Ausstellung, die nicht nur die zurückgesandten Hefte zeigte, sondern auch anderes Artwork, eine Riesenparty mit exzellenter Musik anbot, zeigt das Heft einen manchmal wirschen, manchmal hochinspirierenden Fluss von Zeichnungen, Photos, Gedanken, Texten, Einwürfen und Provokationen rund um das Thema Schöpfung, das sich als roter Faden durch das Heft zieht, dessen farbenschillernd fiebernder Inhaltzwischen zwei dezent minimalistischen weißen Deckeln verborgen bleibt. Toll gedruckt und liebevoll (wenn auch hastig) irgendwo zwischen hingerotzt und musengeküsst layoutet merkt man der Clownfisch fast nicht an, dass dies ein Projekt des Guten Willens ist, dass die beiden ohne große Finanzierungshilfen auf die Beine stellen. Also: Hingehen und abonnieren, oder Anzeigen schalten oder mitmachen und fördern… damit die nächste Ausgabe, Utopia, noch berauschender wird. Ihr könnt das Heft direkt bei den Auslagestellen abholen oder bei Clownfisch bestellen und ihr solltet es wirklich tun.

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Einzelstücke auf der Buchmesse

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Apropos Buchmesse: Das phantastische Einzelstücke-Team der FH Dortmund war ebenfalls in Frankfurt am Start und hat dort ausgewählte Bücher präsentiert hat. Auch ein toller Stand und eine großartige Aktion! Bilder gibt es hier und hier. Riesenglückwunsch an Sebastian Michailidis, der mit seiner Payback-Arbeit einen RedDot gewonnen hat und mit dem ich über sein Buch angeregte Diskussionen hatte :-D. Und wer sich für Sebastian Möllekens A40-Buch interessiert, kann es bei ihm bestellen. Das Format ist fast A3, Hardcover in limitierter Auflage von 35 Exemplaren für runde  120 € solange der Vorrat reicht. .

Ich hinterlasse gern Fingerabdrücke in Büchern

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Der folgende etwas comiclastige Text wurde – mehr oder minder live und ohne Korrekturen – für das phantastische Paperworks-Projekt von Nora Gummert-Hauser und ihren Studenten geschrieben. Da ich meine Texte halbwegs im Blog zusammen haben möchte (und mein Text überklebt wurde auf der Buchmesse :-D), kommt er hier als ungefilterte Wiederholung. Tippfehler usw bitte ignorieren. Ich hätte es wahnsinnig gern live gesehen – das und unsere große Jan-von-Holleben-Photowand für den Vorlesewettbewerb -, hab’s aber leider einfach nicht zur Buchmesse geschafft.

Ich hinterlasse gern Fingerabdrücke in Büchern

Bei Diplomen oder Jurysitzungen werde ich gern – und manchmal entsetzt – gefragt, warum ich die ausgestellten Arbeiten (meist ja nun mal Bücher) stets ohne Handschuhe durchblättere. Die Antwort ist wahrscheinlich, dass ich es aus dem gleichen Grund mache, aus dem ich Filme gern ohne Sonnenbrille anschaue oder Musik ohne Ohropax höre. Ein Buch will gerochen und eben vor allem auch gefühlt werden, die Bindung, die Textur und das Volumen des Papiers, die Laufrichtung, die Art, wie die Papieroberfläche unter deinen Fingern entlang gleitet, wenn du umblätterst. Wie willst du ein Design begreifen, ohne es begreifen zu dürfen? Was immer zu etwas seltsamen Momenten führt, wenn ich eine Weile lang ein Buch mit geschlossenen Augen in den Händen hab und meine Umwelt mich für völlig plemplem abschreibt.

Das mag ein Kindheitsschaden bei mir sein. Ich bin mit alten Comics groß geworden, die ich auf dem Flohmarkt und in Comicshops kaufte. Die Hefte waren natürlich oft einige Jahre alt, gebraucht, eselohrig, speckig, die Seiten fehlten hier und da. Und schon bald habe ich als Kind gelernt, die feinen Unterschiede zwischen den Serien zu bemerken. Da waren die Marvel-Comics, von Williams ab etwa 1974 liebevoll im Stil des Silver-Age eingedeutscht, inklusive Handlettering und sogar mit fast original billigen, gruselig farbaufsaugenden, ungestrichenen Zeitungspapieren. Da war auf der anderen Seite Ehapa – mit Superman, Batman und den anderen DC-Helden – auf glänzend gestrichenem, recht dünnen Rollenoffsetpapier, auf dem die Farben immer einen Tick zu intensiv wirkten für die grellen einfachen Farben, mit denen Comics damals coloriert waren. Ehapa hatte in diesen Heften und auch in den lustigen Taschenbüchern immer eine mechanisch gesetzte Typographie, irgendeine Art von Helvetica-Lichtsatz, die sich lieblos anfühlte und nur selten sauber in die Sprechblasen passte. Von der Übersetzung über die Schrift bis hin zum Papier war mir selbst mit acht Jahren dann irgendwie klar, dass Ehapa hier leider weniger Liebe in seine Hefte steckte als Williams, dass ein viel stärker kommerzielles Reihenprodukt vorlag, während Die Spinne und die Fantastischen Vier wie handgemacht wirkten… trashiger aber eben auch viel liebevoller. Ich weiß noch, wie unglücklich ich als Kind war, als Williams aufgrund rückläufiger Verkaufszahlen und der hohen US-Lizenzgebühren sein Programm einstellte und der Condor-Verlag ab 1980 Spider-Man veröffentlichte… natürlich auf glänzendem Bilderdruckpapier und mit mechanisch gesetzter Schrift, genau wie Ehapa, und sich auch noch für die bessere Qualität rühmte, obwohl in Wirklichkeit Übersetzung, Cover und Innenleben der Hefte ein wahrer Alptraum waren. Es mag an diesem Wechsel zur Lieblosigkeit liegen – oder daran, dass die Geschichten von Spider-Man nach dem Weggang von Autor Stan Lee und Zeichner John Romita Senior auch tatsächlich eher schlechter wurden – aber etwa genau zu dem Zeitpunkt verlor ich auch den Spaß an Comics. Vielleicht weil ich spürte, dass jetzt auch Marvel genau so eher lieblos publiziert wurde wie vorher die DC-Comics bei Ehapa. Ehapa und Condor brachten übrigens auch Taschenbuch-Sammelbände heraus, in denen nicht nur aufgrund der 50%igen Verkleinerung nahezu kein Platz für Text war, sondern bei denen auch das (hier wieder ungestrichen grobe) Papier schon beim ersten Durchblättern aus der billigen Klebebindung herausfiel. Den Zusammenhang zwischen Papier, Verarbeitung und genereller Liebe zum Detail hat man so selbst als Kind schnell, eben ganz handfest, verstanden.

Aber auch als ich mich später als Teenager mehr oder minder komplett durch die Stadtteil-Bibliothek unserer Schule las, waren Papier und Schrift immer unweigerlich miteinander verbunden, war Papier sozusagen die Art und Weise, wie sich eine Schrift «anfühlt», eine Art selbstverständliche, weitere, eben haptische Dimension von Typographie. Ob gewollt oder ungewollt, Papier und Satz schienen oft zusammenzupassen: von dem groben Werkdruckpapier und der riesigen Pulp-Schrift von Jugendbüchern à la Mark Brandis oder Monitor/Giganto über die viel erlesenere Produktion und feinere Typographie von gebundenen Büchern für Erwachsene (ah, der wunderbare Blocksatz alter Diogenesbüchern oder die alten Penguin Books) bis hin zu den dicken Photobänden mit dem blitzweißen lackierten Bilderdruckpapier, das fast schläfrig langsam umblätterte und bei dem ich mich immer fragte, warum ausgerechnet Papier für Photobände so bösartig blenden muss. So wie es verschiedene Autoren zu entdecken gab, eröffnete sich zugleich ein ganzer Kosmos von Papiersorten und Schriftarten, Satzfinessen und Umschlaggestaltungen – die Sachen eben, die Bücher zu so einem ganzheitlichen Vergnügen machen.

Bis heute ist deshalb Papier für mich kein Selbstzweck, sondern fast symbiotisch mit Lesen, mit Bildern und vor allem mit Schrift gekoppelt. Auch bis heute liebe ich die etwas unfertige, grobe Machart vor allem amerikanischer Massenmarkt-Paperbacks, die mit ungehobeltem Papier und grobschlächtiger Schriftwahl immer etwas rotziges und ehrliches haben – Bücher, die ohne großes Tralala einfach gelesen werden wollen, die klar sagen, wofür sie da sind. Diese Ehrlichkeit suche ich nach wie vor in Sachen Papier.

Ich kann als Designer heute stundenlang über Papierproben sitzen und überlegen, welche Papiersorte ideal zu einem Kunden passt, immer auf der Suche nach Papier, das entspannt sein kann (nicht aufdringlich in den Vordergrund will mit Prägungen und Leinenstrukturen, Wasserzeichen und Effekten) und trotzdem einen kraftvollen Auftritt bringt, die richtige Papiertextur hat, sich richtig anfühlt, ökologisch möglichst korrekt ist und eben eine eigene Ehrlichkeit hat. Und bin immer schrecklich frustriert, wenn es gerade von dem endlich gefundenen perfekten Papier dann natürlich keine gerade benötigten Grammaturen, Formate oder Umschläge gibt (ganz zu schweigen von dem stets prekären Übergang von Stationery-Papier zu Drucksachen). Corporate Paper zu finden ist dementsprechend oft eine frustrierende Angelegenheit, weil es in der Flut von Papieren doch nie das ganz perfekte Angebot gibt – auch wenn man mit den Jahren meist schon irgendwie ahnt, welches Papier passt, so wie man fast schmecken kann, welche Schrift zu einer bestimmten Kunden gehören könnte… und man also eher aufpassen muss, nicht in Routineentscheidungen abzurutschen, neugierig bleiben muss.

Und deshalb trage ich keine Handschuhe, wenn ich in einer Jury sitze, auch wenn es mir natürlich um die möglichen Fingerabdrücke auf den Unikaten immer leid tut. Weil ich das Papier sonst nicht hören kann. Papier spricht – das ist die Lehre aus den Comics meiner Kindheit und den ungezählten Büchern, die seit ich zwölf bin durch meine Hände gegangen sind. Ich habe am eigenen Leib erfahren, dass Papier als essentieller Bestandteil von Design verstanden, eben «gehört», werden kann, auch von Laien, wenn auch oft vielleicht unbewusst. Papier verhält sich dabei zum gedruckten Inhalt wie nonverbale Kommunikation zum gesprochenen Wort. Was nicht zu unterschätzen ist, wenn man bedenkt, dass nicht-sprachliche Signale über sechzig Prozent der tatsächlichen Kommunikation ausmachen und für Emotionen und Entscheidungen oft viel wichtiger sind als das, was eigentlich gesagt wird. Jeder Leser kann mit den Fingerspitzen eine Beziehung zu einem Briefbogen, einer Visitenkarte, einem Buch, einer Broschüre aufbauen – und was seine Finger spüren (und was seine Nase riecht) kann ebenso wichtig und prägend sein wie das, was seine Augen sehen. Das klingt so selbstverständlich, aber in viel zu vielen Medien, die man im Alltag in die Hände nimmt, wird das ignoriert, vielleicht, weil auch die Entscheider (Drucker, Designer und nicht zuletzt die Kunden) zunehmend verlernt haben, ihrem Papier zuzuhören. Finanzielle und technische Bedingungen diktieren heute oft Papierentscheidungen und durch die mediale Digitalisierung verliert man ohnehin etwas den Bezug zum Papier, vergisst es entweder oder fetischisiert es auf der anderen Seite auch allzuleicht, was oft sogar noch schlimmer ist, weil man hier Papier zum Special Effect macht, zum Bestandteil der Veredelungspornographie. Wie bei so vielen Dingen im Design geht es auch und vor allem beim Papier um die Angemessenheit, und die kann man nur durch Lesen und Anfassen lernen.

Am besten ohne Handschuhe…

Botenstoff III

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Zufall ist das Thema der dritten Ausgabe des Designbereich-Magazins der FH Krefeld, diesmal betreut von Silvia Beck, und gestalterisch hauptsächlich von Dirk König und Franz Thues geprägt. Dem Titel entsprechend drehen sich die Artikel um die Rolle des Zu-/Unfalls in der Gestaltung und der kreativen Arbeit. Wo die erste Ausgabe sich sehr auf die Darstellung des hochschulischen Arbeitens fokussierte und im besten Sinne ein Portfolio sein wollte, die zweite Ausgabe eher frei flottierend ein Thema beleuchtete und selbst Kunst/Design war, ist die dritte Ausgabe ein durchaus geglückter Zwitter beider Ansätze, gestalterisch wieder einen Tick konservativer und im Fahrwasser vertrauter Editorial-Visuals anderer Magazine, mit Retroserifen und unterstrichener Sans, weitestgehend souverän durchgestaltet, ohne dabei je zu langweilen. Studentisch wirkt an diesem Magazin optisch nichts mehr, auch die Texte und Artikel sind so geschrieben, dass man auch als Leser, der so gar nichts mit der Krefelder FH am Hut hat, bestens informiert und/oder unterhalten wird. Zufallsexperimente in Illustration und Photographie, nachdenkliches über generatives Design, wilde Experimente, spannende Projekte – und das alles umhüllt von einem Cover, das an sich ein Random-Experiment ist und den Namen Botenstoff jedesmal wieder neu remixed (dazu kommt ein limitiertes, eingelegtes Original-Photo von Ines Werner). Die Bandbreite geht weit über das Design hinaus, streift Musik und Kunst, Augmented Reality. Drogenexperimente und fehlgeschlagene Experimente, die zu weltberühmten Erfindungen wurden. Diese Botenstoff zu lesen macht Spaß – und das wieder auf eine ganz andere Art als die beiden vorherigen Male, was an sich eine Leistung ist, sich zum zweiten mal aus einer Form zu befreien und frisch zu bleiben, ohne beliebig zu werden. Respekt – und weiter so!!!

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Ryan Hughes’ Iron Man

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Star-Typograph und Illustrator Rian Hughes macht mir immer besonders viel Spaß, wenn er im Comic-Segment aktiv wird – unvergessen bis heute seine Designs für Grant Morrison’s Invisibles. Als neuesten Coup hat er den Trade Dress der Iron Man Comic Serie neu gestaltet. Das Ergebnis sieht mehr nach Magazin oder nach alten Buchklassikern als nach klassischem Comic aus, ist ungewöhnlich graphisch, aufgeräumt und dürfte auf jeden Fall auffallen. Großartig, auch wenn ich auf die Clipart-Kringel sicher hätte verzichten können. Der Rest ist farblich und typographisch eine Wohltat gemessen an anderen Comic-Book-Covern.

via Matt Fraction & Kevin Church

Paperworks

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Nora Gummert-Hauser ist zusamen mit fünf Studenten der FH Krefeld – und einer ganzen Reihe von namhaften Künstlern und Designern wie Klaus Staeck, Fons Hickmann, Andreas Uebele, Uwe Loesch, Markus Hanzer und vielen anderen, die sich auf die eine oder andere Art und Weise mit Papier befassen – auf eine Reise in die Welt der Papiere gegangen, die alle Grenzen sprengt. Das Ergebnis ist eine monströse 1200 Seiten umfassende, fast fünf Meter große Buchinstallation,  die das Paperworks-Team an Stand N24 in Halle 4.1 auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren wird. So wie die Dinge derzeit aussehen, werde ich es wohl nicht auf die Buchmesse schaffen – obwohl ich wirklich gern dort wäre – aber ihr solltet alle allein schon wegen Paperworks dahin, oder z.B. auch wegen der «Einzelstücke» der FH Dortmund. Ich weiß aus Erfahrung, wie schwer solche Projekte mitunter sein können und 1200 Seiten klingt nach einem fulminanten Ergebnis, auf das Nora und ihre Studenten (Michel Holzky, Julia Pardon, Sebastian Steinhoff, Kai Tusar und  Miriam Unger) ordentlich stolz sein können und hoffentlich auch sind.

Typoversity

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DMIG-Macher Patrick Sommer hat kaum die letzet Ausgabe seines Mags online, da werkelt er schon wieder an einem Projekt. In dem Buch Typoversity soll es um verschiedene studentische Arbeiten gehen, egal ob Semesterprojekt oder Diplomarbeit, die ihren Schwerpunkt im typographischen Bereich haben. Wer also Arbeiten hat, die nicht älter als Januar 2008 sein, kann sich für eine kostenlose Veröffentlichung bewerben, einfach eine Mail mit PDF-Augenfutter an Typoversity.

St. Atmos

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Sascha Timplan von Stereotypes.de hat bei Myfonts.com seine erste eigene Schrift online – die St. Atmos, eine im besten Sinne etwas an einige Arbeiten von Underware erinnernde (im Sinne von Funkyness) Displayschrift, die gut ausgebautist und sicher nicht für die Steuerkanzlei Müller geeignet ist, aber mit ihrer dreidimensionalen, fluffigen Art gefällt und mit ihren markanten Inktraps eine leicht punkige Selbstsicherheit zeigt, die leicht ballonig ist und trotzdem klar bleibt, sehr markante Buchstabenformen hat. Gibt’s hier für 29$.

(Und ja, wer mir eine Schrift schickt, vor allem, wenn es dazu noch so ein schönes PDF-Büchlein gibt… der wird hier auch vorgestellt, so einfach ist das :-D).

Zevrix PDF Checkpoint Public Beta

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Zevrix Solutions, von denen unter anderem auch sinnvolle Indesign-PlugIns wie InPreflight und BatchOutput stammen und die mit LinkOptimizer eine Automatisierung für Bildumrechnung in Indesign anbieten, bieten auf Ihrer Site derzeit gratis zum Download die Beta ihres PDF-Preflight-Tools Checkpoint an.

Auf den ersten Blick leistet Checkpoint keineswegs mehr als der eingebaute Preflight von AdobeAcrobatPro, ganz im Gegenteil – Acrobat hat deutlich mehr Abfrageoptionen und kann die PDF tiefer durchleuchten und sogar automatisiert Fehler beheben, wenn man sich die Mühe macht, die Preflight-Profile ordentlich zu konfigurieren und optimieren.
Dennoch liefert Checkpoint auf die wichtigsten Fragen – Schriften, Links, Farbräume und Auflösung – schnell und übersichtlich eine Antwort, zeigt eventuell falsche Bildelemente visuell an, so dass man sie schnell in Indesign ausfindig machen kann, ist batchfähig und kann mit einem einzigen Klick PDFs durchleuchten. Eigene Profile sind schnell angelegt und schneller/einfacher als Acrobat ist Checkpoint allemal, auch wenn er Problemfelder wie Transparenzen bisher nicht anzeigt, also nicht ganz so wasserdicht ist wie der Acrobat-eigene Preflight, der allerdings auch oft auch so komplexe Ergebnisse zeigt, dass ein Laie damit überfordert ist.

Die fertige Version soll zudem automatisiert je nach Ergebnis der Prüfung Dateien in entsprechende Ordner weiterleiten können, PDF teilen und Bilder entnehmen können.

Wer die Beta herunterlädt und sich als Betatester registriert bekommt 50% Rabatt auf die finale Version – also einfach mal ausprobieren.

Mascha Artz: Vegan NYC

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Für ihr Diplom hat Mascha Artz die persönliche Leidenschaft zum Thema gemacht und sich in New York mit einer Wohngemeinschaft befasst, die jenseits aller Klischees vegan lebt. Maschas analog gemachte s/w-Photos lassen uns unverstellt und ohne das Feeling inszenierter Photographie einen Blick ins urbane Leben werfen.

Fontplore

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Fontplore ist ein Projekt, das an der FH Potsdam von Christian Hertlein und Marcus Paeschke entwickelt wurde und bei dem mittels eines interaktiven Tisches Schriften aus einer bestehenden Datenbank gesucht und verglichen werden können, mithilfe eines mehrschichtigen Tagging-Systems. Die Arbeit mit den runden und eckigen Klötzchen wirkt jedoch noch etwas retrofuturistisch – eine Sache, die man in SF-Filmen sieht und zugleich doch irgendwie unintuitiv findet, weil solche Systeme eigentlich ohne Tools, also mit reinen Handbewegungen laufen müssten. Dennoch zeigt Fontplore nicht nur, wie aufregend das Durchwühlen von großen Datenbeständen grafisch gelöst sein kann und das Font-Sites nicht alle gleich (und oft gleich langweilig) aussehen müssten (denn ein ähnliches Konzept wäre ja problemlos in Flash umsetzbar), sondern wäre eigentlich auch eine tolle Einrichtung für die nächste TYPO in Berlin…, auch wenn die Sache im Video noch quälend langsam und vorsichtig aussieht.

httpv://www.youtube.com/watch?v=vWCNRnpAugc

MyFonts.de

hd schellnackWas Facebook kann, kann Myfonts schon lange… Die von John Collins und Bitstream gegründete und mittlerweile hocherfolgreiche US-Schriftplattform Myfonts.com betreut Jan Middendorp schon seit langem als Autor, jetzt transferiert er die Idee nach Deutschland. Zusammen mit Florian Hartwig und Frank Rausch will Jan nicht nur ein deutschsprachiges Portal zu dem Schriftenangebot von Myfonts.com bieten, sondern zugleich auch mit eben deutschen Artikeln und Informationen rund um das Thema Schrift aufwarten und das alles in dem neuen, clean-minimalistischen Interface von Myfonts.com, das mehr an Google als an einen normalen Shop erinnert. Nach dem Relaunch des deutschen FontShops wächst nun abermals das spezifisch deutsche Schriftenangebot – die Kunden wirds so oder so freuen und dem Austausch deutscher Schriftfreunde kann es nicht schaden. Good luck an Jan und Co!

Werktage

Schöne Plakatidee und sicher eine tolle Konferenz: Die von Studenten der Burg Giebichenstein in Halle initiierte Konferenz Werktage vom 21. bis 25. Oktober 2009. Es geht um das Designstudium selbst, Inhalte, Form, Zukunft. Und dürfte hochspannend werden. Mehr Info unter www.werktage.org

Schauraum III


Wir haben heute in Dortmund unserer neuen Mitarbeiterin Katharina Mönkemöller geholfen, ihre Diplompräsentation vorzubereiten. Denn ab morgen gibt es an der FH Dortmund Schauraum III, jede Menge Diplom aus Design und Photo zu sehen. Wenn alles klappt gehe ich Samstag mal schauen und zeige Photos.

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Kommunikationsdesign in Wuppertal am Ende?

Das klingt aber sehr sehr sehr schade – und ist ein Menetekel für Designstudiengänge an anderen Standorten. Die Bergische Uni schließt in voraussichtlich fünf Jahren den Kommunikationsdesign-Studiengang. Und das trotz namhafter Dozenten, trotz preisgekrönter Arbeiten und trotz engagierter Studenten. Ich sage seit einiger Zeit, dass die Tatsache, dass an jeder dritten FH Design angeboten wird, ein Problem werden kann – zumal Design als Fach in Sachen Ausstattung einfach teurer ist als etwa Lehramt oder BWL.Mann, schade…. ich hoffe, dass es da doch noch irgendeine konstruktive Lösung gibt.

FH Dortmund: Buchmesse Frankfurt 09

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Ich habe die wirklich große Freude gehabt, neben Sabine an Huef (FH Dortmund), Dirk Fütterer (FH Bielefeld) und Silke Löhmann/René Weynand (Oktober Design) die Bücher mitauswählen zu dürfen, die die FH Dortmund auf der kommenden Frankfurter Buchmesse präsentieren wird. Es gab viel schönes zu sehen, eine tolle Vorbereitung durch das Studententeam (in dem nicht zufällig Schatzsucher und Reflektor-01-Macher auftauchen… die engagierten Leute sind immer die gleichen, oder? Klasse!), eine konstruktive Diskussion am Ende und vielleicht war am Ende alles einen Hauch schnell vorbei, aber nächste Woche ist ja schon wieder FH Dortmund (Diplomshow), dann sieht man sich hoffentlich wieder.

Ich habe natürlich die «echte» Kamera zuhause gelassen, weil ich zu faul war, die 5DII mit mir herumzutragen. Schöne Gelegenheit,die Kamera von 3GS einmal einzuweihen. Allerdings ist die iPhone-Kamera leider auch mit Auto-Weißpunkt noch nicht auf Mischlicht vorbereitet, deshalb haben die Bilder alle einen etwas unschönen Warm/Kalt-Verlauf – und sind auch sonst etwas rauschig. Trotzdem: Um mal schnell einen Blick auf ein paar aktuelle Bilder aus dem Dortmunder Schaffen zu werfen, reicht es euch hoffentlich….

Hier gibts übrigens bessere Photos von der Jurierung auf dem Blog der Studenten.

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Freies Kunst Territorium Bochum

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Ihr alle kennt Tobalo schon als grundguten Photographen aus den Giveaway-Aktionen… und anscheinend macht er jetzt ein Projekt, dass ein wenig wie eine Mischung aus Clownfisch und Unperfekthaus klingt, also absolut sympathisch. Tobi schreibt:

Man nehme sechs beherzte Künstler aus Polen , Deutschland und Spanien; eine Fabriketage in einem ehemaligen Lager für Sanitärbedarf im kultigen Bochumer Westend, ein paar Eimer Farbe und einen netten Vermieter: fertig ist das neue Atelierhaus. Eröffnungsausstellung für alle Menschen, die solche Projekte lieben und unterstützen wollen:
Sa 11. Juli ab 16h
So 12. Juli  ab 11h
Diekampstraße 44, Bochum

Mehr Info unter: http://fktbo.blogspot.com/

Slanted 08

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Die neue Slanted ist da. Ich muss mich wirklich erst an das Vierteljährliche gewöhnen, ich war völlig überrascht.

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Die Slanted steigt in die zweite und dritte, vielleicht sogar die vierte Dimension der Schrift hinauf, unter anderem mit Arbeiten von von Edhv, Klein Dytham architecture , den famosen Pixelgarten, Maxime Buechi, Ina Saltz, Erwin Bauer und Interviews mit Sabrina Tibourtine, Christoph Dunst, Sipho Mabona, Gemma O’Brien und David Carson. Ihr merkt schon: Da haben Julia Rausch und ihr Heer von Beitragenden wieder echte Perlentaucherei in Sachen Typographie unternommen und das Leitthema 2d3d  tief auf fast 200 Seiten ausgelotet. Also: Ab zur Slanted-Site und bestellen :-D.

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Eilt: DesignKrefeld sucht Lehrkraft in Typograhie

Designkrefeld – der Designfachbereich der Hochschule Niederrhein– sucht zum nächsten Wintersemester eine Lehrbeauftragte oder einen Lehrbeauftragten für den Bereich DTP/Drucktechnik – 1. Semester. Grundlegende Kenntnisse in der Druckvorstufe sollen vermittelt werden, sowie die Fähigkeit mit den Programmen InDesign, Illustrator, Photoshop und Acrobat umzugehen.

Der Unterricht findet immer donnerstags statt und der Lehrauftrag umfasst acht Stunden. Gesucht wird eine typografieaffine Persönlichkeit mit viel Wissen im Bereich der Printmedien, sowie einem offiziellen Abschlusszeugnis als Dipl.Des. Wer Lust hat, dieses Lehrgebiet gemeinsam und in inhaltlicher Absprache mit mir als Fachlehrer für DTP zu unterrichten, soll sich doch bitte so schnell wie möglich per Mail bewerben mit einem Anschreiben, Lebenslauf in Kurzform und einem kleinen Portfolio (PDF), damit wir uns ein Bild von Ihnen machen können.

Kontakt: hartmut.schaarschmidt(at)hsnr.de

Über den Umgang mit E-Mails

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So gut geölt kann ein Verlag sein – in einem kurzen Telefonat macht Karin Schmidt-Friderichs einen Scherz darüber, dass ich bei meinen langen Mails vielleicht den E-Mail-Knigge von Scholz&Friends gebrauchen könnte, und anstatt es dabei zu belassen, kommt das Buch von KSFs rechter Hand Jutta Schober einige Tage später tatsächlich auf meinen Schreibtisch. Das ist beneidenswert gut organisiert und vor allem wirklich charmant mitgedacht – ich habe mich sehr gefreut. Und nutze die Chance, mich zu revanchieren, indem ich das Buch zumindest kurz – nicht so lang wie Retrodesign – vorstelle:

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In Über den Umgang mit E-Mails stellt die Werbeagentur Scholz&Friends anscheinend vor allem erst einmal für interne Zwecke grundlegende Regeln für den elektronischen Postverkehr auf. Das erklärt wahrscheinlich auch die erste Regel, nach der nicht gesendete Mails gleich die besten sind – schließlich kostet elektronische Kommunikation (Mail, ICQ, Twitter) von Mitarbeitern ja auch wertvolle Zeit. Aber ob primär firmeninterner Leitfaden oder nicht, das von FAZ-Karikaturist Alfred Schüssler absolut wunderbar illustrierte kleine Brevier gibt zehn klare Regeln für die gepflegte E-Mail-Korrespondenz vor, die alte Briefkultur und Höflichkeit in die Neuzeit retten sollen und wollen.

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Ob das immer treffend ist, und ob Emoticons nicht eben doch in einem modernen Kommunikationskanal genutzt werden dürfen und können, muss jeder Leser für sich entscheiden. Sicher inspirierend ist aber vor allem die Anregung, sich als Firma Gedanken über einen bündigen virtuellen Außenauftritt auch in Form von E-Mail-Nachrichten zu machen und diesen so liebevoll und verführerisch – und damit eben auch allgemein gültig – zu bebildern.  Das in Berlin produzierte Buch ist ein schönes bibliophiles Objekt, insofern auch ein treffendes Geschenk,das man fast selbst nicht weggeben mag.

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Wer mitschenken will: Das Buch gibt es natürlich bei Amazon oder direkt beim Verlag. Oder natürlich binnen 24 Stunden beim Buchhändler eures Vertrauens vor Ort…

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FH KREFELD – WISSENSCHAFTLICHER MITARBEITER FÜR DESIGNTHEORIE GESUCHT

Die Hochschule Niederrhein sucht im Bereich Design einen Wissenschaftlichen Mitarbeiter für etwas über 19 Stunden die Woche. Da Eric Schmid mir die Sache zugemailt hat, kann man hoffen, auch direkt für ihn zu arbeiten – eine Aussicht, bei der ich selbst sofort schwach werden würde :-D. Also: bewerben, es wird sicher spannend!

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WAS IST TYPISCH FÜR SCHWEDISCHES DESIGN?

Aus der Page 8/09. Ich mag Janssons trockene Antwort (und die Arbeit von Forsman & Bodenfors ist natürlich legendär gut).
Ich frage mich übrigens, ob es in Schweden auch so Diskussionen um «typisch…» gibt wie wir sie hier bei der Design made in Germany erlebt haben, oder ob die ein lässigeres Umgehen mit sich selbst und den Klischees haben. Man darf’s hoffen.

Achim Böhmer & Sara Hausmann: Retrodesign

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Nachdem im Fontblog bereits ausgiebig und kontrovers über Achim Böhners und Sara Hausmanns Retrodesign diskutiert wurde, und das Buch in der Form von dem sicher nicht zu leichtfertiger Kritik neigendem Markus Zehentbauer recht kritisch beleuchtet wurde, habe ich ganz besonders über ein Rezensionsexemplar aus dem Hermann-Schmidt-Verlag gefreut, um mir selbst ein Bild machen zu können. Das folgende ist – wie immer bei mir – kein «echter» offizieller Review, sondern die Sachen, die mir beim Durchlesen und -blättern durch den Kopf gingen, spontan und wie immer unredigiert.

01: Preis-Leistung
Wer 89 € für ein Buch dieses Umfangs, dieser Verarbeitungs- und Veredelungsqualität und nicht zuletzt der Recherche, die darin steckt, für überteuert hält, dem fehlt vielleicht ein Einblick in normale Verlagskalkulation oder er/sie ist schon von der Wirtschaftskrise mental erfasst– denn wenn man das Buch in der Hand hat, kann kein Zweifel an dem Preis aufkommen. Retrodesign ist vielleicht nicht ein Buch, dass sich jeder kaufen will und wird, weil es ein spezielles Thema dekliniert, aber wer sich für diesen Themenbereich interessiert – ob als Student, Dozent oder Profi -, kann wenig Zweifel daran haben, dass dieser Überblick eine Menge Zeit und Liebe gekostet hat und jeden Pfennig wert ist. Allein die Organisation der verwendeten Bilder in druckreifer Auflösung und mit den nötigen Abdruckrechten muss eine enorme Zeit gekostet haben – anders als bei den meisten anderen Designbüchern kann man ja hier nicht mal eben einen lustigen Mail-Aufruf an Büros und Agenturen starten, sondern muss gezielt nach Material fahnden, die Rechteinhaber aufspüren, eventuelle Lizenzen und VGBildkunst-Kosten tragen. Insofern ist allein – und das ist ja nur ein Teil dieses Buches – die Bilderflut schon den Preis wert. Anders als große Verlage wie etwa Taschen kann Schmidt sich (wahrscheinlich) nicht komplett durch Querfinanzierungen behelfen und muss insofern einen realistischen Preis für ein Buch wie dieses nehmen (zumal man vorher ja nie weiß, welches Buch ein Bestseller wird… wäre sofort klar, dass Retrodesign sich grandios verkauft, könnte man es wahrscheinlich sogar tatsächlich preiswerter kalkulieren, but you never know), und die Veredelung (die durchaus nicht so unnötig pompös ist, wie im Fontblog behauptet, sondern durchaus stimmig – erinnert mich übrigens ganz entfernt aber durchaus positiv an Beate Blaschczoks «Genesis»-Bibel und will vielleicht eben ein wenig eine «Style-Bibel» sein, insofern passt der Look schon) ist in Sachen Preis sicher nicht der ausschlaggebende Faktor, macht das Buch aber im Regal deutlich stabiler als ein Paperback und auch sehr viel schöner… und das darf bei Design doch bitte ruhig ein Faktor sein. Nicht zuletzt dürfte es den Machern auch mehr Spaß bereiten, ein «schönes» Buch zu machen als ein «sparsames». Man kann Sara und Achim absolut nicht verdenken, einfach auch ein bibliophiles Buch machen zu wollen, im Gegenteil – es würde uns allen doch auch so gehen :-D. Und den Spaß an der Sache, am Retrodesign ebenso wie an der Möglichkeit, ein großes Buch zu diesem Thema auch ordentlich zu gestalten, spürt man dem Buch an vielen Stellen an.

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Edel in rotem Kunstleder und mit schwarzem Schnitt: Die Retro-Bibel.

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Aufwendige Package: Das Cover stellt das Ordnungssystem des Buches vor und besticht mit zahlreichen Finessen.

02. Das Buch
Das Buch, man merkt es schnell beim Lesen, versucht den Spagat zwischen «Schau»-Buch/Inspirationsquelle und Sachbuch, bis hin zur Gestaltung ist es insofern unweigerlich recht ähnlich mit anderen Büchern aus dem Schmidt-Verlag, die Lust und Lernen verbinden, etwa Strichpunkts fff-Buch oder auch Kribbeln im Kopf. Diese Schnittkante zwischen Information und Entertainment ist dünn und man scheitert schnell auf einem der beiden Gebiete, die kaum ein Autor gleichermaßen fundiert und elegant bespielen kann (mit Ausnahme des großartigen The Art of Thinking Sideways). Was durchaus keine Schande ist, manchmal ist der Versuch das eigentlich Wichtige und Retrodesign scheitert ja keineswegs. Ein trockenes wissenschaftliches Buch über appropriatives Design wäre einerseits zudem sicher ebenso langweilig wie andererseits eine reine Bildsammlungsflut – dafür reicht oft auch ffffound.com. Retrodesign besticht durch eine wahre Sammelwut von Arbeitsbeispielen quer durch alle Epochen, die ohne jeden Zweifel den Zweck des Schaubuches absolut erfüllen – es gibt reichlich zu gucken und viel zu entdecken. Glaubhaft, vielleicht nach einer Weile etwas vorhersehbar, wenn man das Konzept einmal erfasst hat, belegen die Autoren, dass Design appropriativ arbeitet, d.h. neue Gestaltungen oft Remixe alter Ideen sind. Mit feiner Akribie sind durch alle wichtigen Stilepochen Beispiele aufgeführt, die dem heutigenDesign Rückgriffe in die Vergangenheit nachweisen. Diese Detektivarbeit klappt natürlich mal eher besser, mal eher schlechter – mitunter bringen die Autoren in der Jetztzeit einfach auch ganz eindeutig als Zitat gemeinte Arbeiten als Beleg, aber dass Zitat-Design, dessen eigentlicher Sinn ja nun einmal eben genau die Rückbezüglichkeit ist, eben auch unweigerlich «Retro» sein muss, ist eigentlich eher tautologische Beweisführung.

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Böhmer und Hausmann gelingen dabei immer wieder schöne «Swipe-File»-Beispiele, und insgesamt ist diese Strecke, die ja mehr zeigen und überwältigend beweisen als erklären will, durchaus sehenswert, auch wenn sich beim Lesen irgendwann beim ein oder anderem vielleicht ein Hauch von Fleißübung einstellen mag.  Seite um Seite belegen die Autoren, dass ganz postmodern nahezu jede wichtige Stilepoche heute in Architektur, Design, Illustration und Alltag widergespiegelt und aufgegriffen ist. Obwohl wichtige Beispiele fehlen – beispielsweise vermisse ich Peter Saville komplett, nicht nur ein wichtiger Designer per se, sondern vor allem zu Beginn seiner Laufbahn wirklich der Großmeister des Stil-Klaus (und zugleich jemand, der heute ironischerweise selbst permanent zitiert wird, nicht mehr als Rückgriff auf Savilles Quellen (Tschichold, Expressionismus usw), sondern meist als 80s-Zitat) – ist der Effekt oft frappierend gelungen, wenn etwa Renaissance-Architekturelemente auf modernen Plattencovern wieder auftauchen oder fernöstliche Majolika-Porzellanmalerei 2006 eine Absolut-Anzeige zu inspirieren scheint. Es ist ein wahrer Bildersturm, und es schadet der Theoriebildung nur geringfügig, wenn die Autoren von Achta-Design einige Male ihre eigenen Arbeiten featuren. Was bei fff noch okay war – der Mix aus Theoriewerk und einer kleinen Prise Eigenwerbung -, weil Strichpunkt ja ganz einfach in Deutschland sehr sehenswerte und insofern bei aller Bescheidenheit zeigenswerte Geschäftsberichte macht, hinkt hier etwas, weil es ja gerade darum geht, neutrale Beispiele für einen selbst behaupteten Trend zu finden… da eignen sich eigene Arbeiten eigentlich weniger, zumal gerade das eigene Beispiel im Klassizismus auch nicht so wirklich funktionieren will und eigentlich keine volle Doppelseite rechtfertig. Nichts gegen Self-Promotion, das gehört bei dieser Art von Büchern irgendwie einfach dazu, aber es unterminiert genau hier einfach die Ausgangsposition des Buches ein wenig, wenn das einzige Beispiel, das man anführt, von einem selbst kommt. Wobei man ganz klar sagen muss, dass die Autoren sich mit eigenen Arbeiten weitestgehend vorbildlich zurückhalten, das Einschmuggeln eigener Projekte habe ich schon viel schlimmer gesehen. In einem Buch, dass den theoretischen Anspruch aber etwas höher hängt – kunsthistorisch ja viel höher als etwa fff  – fällt es eben doch etwas auf, wenn die Beispiele nicht 100% «neutral» sind. Der Freude an der Sammelleidenschaft und der visuell überzeugenden Präsentation der Similaritäten über Jahrhunderte hinweg tut das aber keinerlei Abbruch.

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Das Buch wird von einer schön gegliederten Übersichtsseite eröffnet und bietet in einer Art Intro/Preview, das im Grunde das folgende weitestgehend zusammenfasst und zugleich gut einleitet. Was ist Retrodesign, was ist Redesign, was ist Revival – all diese Begriffe, die durch den Design-Äther schwirren werden hier kurz (und mitunter, wahrscheinlich aus Platzgründen, etwas unkritisch) definiert, so dass man gut gerüstet in den Hauptteil des Buches geht.

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Ordnung muss sein: Das Buch gliedert Retrodesign klar nach «Epochen» mithilfe verschiedener Icons für jede Einflussperiode, die auf den einzelnen Beispielseiten wieder auftauchen und die Navigation erleichtern. Bei der Flut von Zeitströmen können die Icons aber nie so klar und eindeutig sein, so dass doch nocheinmal daneben steht, welche Periode behandelt wird (was, zugegeben, die Icons etwas redundant macht ;-)).

Das Buch ist zudem immer wieder durch mitunter vielleicht etwas fragwürdig gestaltete Zitatseiten gebrochen (jeder weiß, ich bin kein Freund sinnloser floraler Dekoration, aber  beim Thema Retrodesign kann es ja nicht ohne gehen, dennoch hätte ich mir hier vielleicht etwas weniger eigenes Design gewünscht, als vielleicht eher noch mehr passendes Material anderer Quellen – bei diesem Thema hätte die eigene Gestaltung noch einen Hauch zurückhaltender ausfallen dürfen…. kein Manko, aber ein spontaner Eindruck, den ich persönlich hatte. Aber siehe oben: Spaß an der Gestaltung :-D)

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Zitatseite: Seltsamerweise taucht diese Art von Seite nur einmal auf, dabei wären mehr Stellungnahmen von Designern zum Thema Retro sicher spannend gewesen.

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Typographie: Vielleicht etwas zu sehr auf Klischees reduziert ein visueller Überblick darüber, welche Schrift zu welchem Stilcluster passt.

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Talent borrows, Genius steals: Retrodesign wartet mit einer wahren Flut von Beispielen für «entliehenes» Design auf.

Im Schlußteil wird im Kapitel Retro Style ein kurzer informativer Trip durch die verschiedenen Einflußcharakteristika geboten. Reich bebildert mit Beispielen aus Layout, Kunst, Objektkunst/-design, Typographie und Architektur der vorgestellten Periode, ordnen die Autoren von dekonstruktiv bis organisch verschiedene designhistorische Perioden von der Renaissance bis zum Dekonstruktivismus und versuchen so eine Art einfache Matrix von Stilelementen und -möglichkeiten zu bilden. Dieser Teil bildet vielleicht mehr als der mitunter etwas zu groß bebilderter Mittelteil des Buches ein wirkliches Herzstück von Retrodesign und ich hätte mir gerade hier mehr gewünscht – mehr Bilder, mehr Theorie, mehr Quellen, mehr Tiefgang. In der gegebenen Kürze liefern Hausmann und Böhmer eine sehr solide, gerade für Studenten als Einstieg geeignete Synopse verschiedener Design-Epochen, eine Art Parforce-Ritt durch die Gestaltungsgeschichte, interessanterweise rückwärts gefasst von der (De-)Konstruktion zur eher organischen Formensprache der Vergangenheit. Obwohl rund 150 stark, kann hier natürlich kein kunsthistorisch umfassender Abriss geleistet werden – muss auch gar nicht. Wenn dieses Kapitel es schafft, die Leser auf eine bestimmte Epoche neugierig zu machen, oder neue Verbindungen zu entdecken, dann reicht das ganz einfach an dieser Stelle. Tiefer gehende (und oft dann eben weniger ansprechend gestaltete oder geschriebene) Literatur gibt es ja – und auf diese wird im Anhang auch verwiesen.

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Natürlich wird man hier immer Löcher finden oder Oberflächlichkeiten, je nachdem, in welcher Epoche man sich bewegt (im Dekonstruktivismus fehlen mir beispielsweise hier  wichtige Namen und Strömungen wie etwa Morphosis oder vor allem die Cranbrook Academy aber auch Hard Werken usw. Aber wie gesagt: jeder hat seine Steckenpferdepoche und wer sich hier mehr interessiert, kann ja Poynors Design Without Boundaries lesen :-D.) Der Überblick ist klar gegliedert, flüssig zu lesen und als Einstiegsreferenz wiederum ein beachtliches Stück liebevollster Sammelarbeit. Im Retro Review werden die Epochen dann – doppelt genäht hält besser – nicht als Überblick dargestellt, sondern etwas vertieft. Zusammengenommen kann man bei einem Buch dieser Art, dieses Preises eigentlich kaum mehr verlangen – für 90 Euro ist das insgesamt ein sehr umfassender, sehr liebevoll gemachter Blick über die Design/Kunst/Schriftgeschichte der neueren Vergangenheit.

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Überblick: Retro Style und Retro Review vertiefen und gliedern die Stileinflüsse.

03. Retro = Zukunft?
Die erste Doppelseite des Buches stellt dem Werk ein «Retrodesign ist Zukunft» voran. Einige Seiten später folgt «Retrodesign ist Styling». Nun mag es an der persönlichen Definition des Wortes liegen – Styling bedeutet für mich ausnahmslos inhaltsfreies, rein oberflächliches Gestalten ohne Tiefendenken – aber so ganz kriege ich diese Thesen nicht zusammen. Wobei ich mich mit der zweiten, treffenderweise nach meiner eigenen negativen Definition von Styling, sehr anfreunden kann, mit der ersten so gar nicht. Denn ja, Retrodesign ist Styling, oberflächlich, oft das Verwenden historischer Halbwertsverfallreste, Recycling, oft ohne jedes Verständnis für die hinter den kopierten Elementen liegenden Bedeutungen. Wer Helvetica verwendet, weil sie «cool» aussieht oder Blümchenranken, weil sie «emotional» sind, betreibt natürlich kein Design, sondern eben «nur» Styling und reagiert damit eher oberflächlich (sprich: laienhaft) auf sozusagen herumliegende visuelle Stimuli. Retrodesign ist insofern erschreckend oft vor allem gedankenloser Kitsch, Nostalgie am Nasenring, Zitatenstadl.

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Je weiter zurückliegend, ergo verklärter die zitierte Phase ist, umso gräßlicher und dümmer oft das Zitat. Während ich im Aufgreifen von Elementen der Postmoderne und des Dekonstruktivismus wenig reines «Retro» entdecke, sondern eine (dia)logische Weiterentwicklung von Trends der letzten Dekade (so wie die 90s ja auch Entwicklungen der 80s weitergeführt bzw. gekontert haben), so ist das Zitat von Elementen aus den (meist) Amerikanischen 50s oder des Rokoko inhaltlich meist nicht fundiert, sondern (oft) reines Oberflächen-Design. Das als «Zukunft» zu bezeichnen, die reine Rückwendung, den Kitsch, das permanente Zitat, das sich bestenfalls durch Mix/Match oder eine deutliche Prise Ironie und gewollter Coolness aufwertet, ist eher traurig. Es ist eher bezeichnend für die Tristesse des immer noch andauernden fin de siècle, dass wir kollektiv in einer Falle stecken, in der der Blick nach vorn so unmöglich zu sein scheint, dass man nur in der Kiste der Vergangenheit kramen kann. Wie ein verlassener Liebhaber, der sich seufzend alte Photos der Verflossenen ansieht, anstatt rauszugehen und sich frisch zu verlieben – und genauso pathetisch ist auf Dauer betrachtet auch das anhaltende Retrodesign. Ist es gefällig? Sicher – der Mini, der Beetle, der Fiat 500, der Einfluss von Braun bei Apple, der Britpop 3.0… zahllose andere Kulturobjekte, keine Frage: Retrodesign ist Emotion. Retrodesign ist zum guten Teil sicher Teil der Gegenwart – Konsumimpuls durch emotionalisiertes Design, Stimulanz von Kindheitsfragmenten und kollektivem Unbewussten.

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Aber Retrodesign ist eben nicht Zukunft. Jedenfalls hoffentlich nicht. Es sei denn, die Zukunft IST die Vergangenheit. Es wäre traurig, sich so bereitwillig dem neoliberalen Ende der Geschichte, dem Ruf nach preiswerterem und dozilerem Immerwiederaufkochen von Vergangenheit hinzugeben, die Hoffnung fallen zu lassen, dass es etwas originär Neues – beziehungsweise eine evolutionäre Fortschreibung der (Kunst-)Geschichte -  geben könnte. Es ist als Grundhaltung eine Müdigkeit, die falsch ist für jedes Handwerk. Es ist nicht zuletzt der Wunsch bestehender Systeme, sich sozusagen selbst memetisch-kulturell als «unveränderbar», als (r)evolutionsresistent zu definieren… wenn Design und Kunst nur noch aus Rückgriff bestehen, wenn keine Visionen für Morgen oder Utopien für andere Gesellschaftsformen mehr bestehen, dann ist politisch auch die «Gefahr» für einen politischen und sozialen Paradigmenwechsel eben gering – insofern, überspitzt gesagt, ist Retrodesign eben auch die hübsch bestickte Kuscheldecke eines reaktionär-konservativen Wellness-Kapitalismus. Was man nicht denken kann, was Kunst und Kultur als Entwurf (als Design also) gar nicht erst vordenken, das kann man auch gesellschaftlich nicht umsetzen. Insofern ist Retrodesign durchaus so kritisch zu betrachten wie die in Orwells 1984 aufgezeigte Restriktion sprachlicher Codes durch «Neusprech». Design sollte nicht Tiefkühlkost sein, die aus Fertigbestandteilen aufgewärmt wird… im Gegenteil, Design sollte der brennende Hunger auf Morgen sein. Ob im kleinen, etwa beim Auftritt eines Unternehmens oder im großen, gesamtgesellschaftlichen Kontext: Gutes Design ist Wandel, Veränderung, Restrukturierung, Optimierung, Infragstellung des Status Quo. Was wir also brauchen – als Designer aber auch als Gesellschaft – ist natürlich der Wille zu Wandel und Aufbruch. Gerade Designer als Agents of Change, als Wegbereiter und Boten des positiven Wandels, sollten sich nicht rückwärts definieren. Retro darf Design nur insofern sein, dass wir auf den Schultern der Designgeschichte stehen – und bewusst der Möglichkeiten, die sich hier bieten – nach vorn sehen. Da sind die Architekten durchaus weiter als wir – die zitatenlastige, wenig moderne  Reimagination des Adlon-Hotels in Berlin wurde nicht ohne Grund ebenso angegriffen wie der billige Ansatz, den Schlossplatz in Berlin einfach historistisch zu rekonstruieren.

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Derartige – im Kern ja eigentlich ahistorische, weil Geschichte nicht als fortlaufenden und thermodynamisch einmaligen Prozess verstehende – Geschichtsverkleisterung sieht die Branche zu Recht als anachronistisch und altbacken an – Architektur will zeitgenössisch sein, modern, mit dem Gesicht der Zukunft zugewandt, auch wenn der Wind da etwas rauher ist. Stilzitate ja, aber eben weitergedacht, umgewandelt und als Element einer an sich stets fortschreitenden ästhetischen, experimentell und mitunter gern auch avantgardistischen Profession. Aus der Vergangenheit lernen, aber für die Zukunft gestalten. Wir Designer dürfen uns das ruhig abschauen – die Leidenschaft für hypermoderne Technik und Materialitäten, den bei Architekten bereits eher angekommenen Umweltgedanken (wo ist der LEED-Standard für das Grafikdesign?), das städtebaulich-strategische Denken, den Wunsch nach urbaner Transformierung, den Schimmer von Futurismus. Retro ist in der Architektur keine Tugend und kann es auch für Grafikdesign eigentlich auch nicht sein. Retro funktioniert als kurzfristiger Push-Button der Kindheitserinnerungen, der emotionalen Fragmente – und somit am besten in der Werbung (zugegeben, die Trennung zwischen Design und Werbung wird immer dünner). Wer Prilblumen lustig als grafisches Element zitiert – und vergisst, wie die Rollenverteilung der Geschlechter in der ursprünglichen Prilblumen-Zeit aussah, oder warum die tristen Küchen mit bunten Stickern etwas Individualität brauchten – dringt nicht in die potentielle Tiefe von Design, sondern bleibt an der illustratorischen Oberfläche, bei reinen visuellen Effekten. Das ist bedrückend wenig für eine Branche, die sich «Kommunikation» (und nicht «Grafik») an ihre Türen schreibt, oder?

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Insofern ist der jugendliche Optimismus, den die Autoren mit Retrodesign verbinden – aber dies ist natürlich nur meine persönliche Meinung – nicht in dieser Form angebracht und reduziert Design auf das Zitat, den Remix, das Mash-Up kultureller Fragmente. Tatsächlich lese ich Retrodesign eher als Warnung, nicht andere kunsthistorische Epochen zu klonen, sondern selbst eine eigene klare, frische und zeitsymptomatische Semantik in Kunst, Architektur, Objekt- und Mediendesign hervorzubringen.

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Und was will man mehr als von einem Buch – auch wenn die Autoren es vielleicht gar nicht primär beabsichtigen – als die Sinnlosigkeit und den Stillstand von Design über Jahrhunderte und Dekaden hinweg eben Seite um Seite gezeigt zu bekommen: Beispiele für ein Designverständnis, dass nichts anderes tut als alten Wein in neue Schläuche zu füllen? Retrodesign ist es allein schon wert, gelesen zu werden, um mit eben Retrodesign als gestalterischer Strategie bitte ein für alle Mal aufzuhören.

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Zugleich macht das Buch aber auch klar, dass es zum einen für einen Designer nicht schaden kann, einen zumindest kursorischen kunsthistorischen Überblick zu haben – den genau Retrodesign auch sehr gut vermittelt. Gut gegliedert vermag das Buch dem vielleicht ziellosen Herumzitieren gerade vieler Studenten ein Wissensfundament zu verleihen, Bewusstsein zu schaffen für die Grenzen und Möglichkeiten des Zitatenstadls. Mit dieser kritischen Haltung im Hintergrund, auch das vermittelt das Buch, kann der Stilmix und das Zitat, natürlich auch gezielt eingesetzt werden und – vom Kitsch zum provokativen Angriff auf die Bastion ewiger Werte gewendet – kommunikative Speerspitze sein oder auch einfach auch nur mal Spaß machen – es ist sicher nicht die Zukunft des Designs, aber eben auch nicht der Untergang des Abendlandes, sondern eines der vielen, vielen Mittel zum Zweck, einer der vielen Pfeile im Köcher des Designers. Es ist ein assoziativer, spielerischer Umgang mit kulturellen Prefabs, die in fähiger Hand ja durchaus zu überzeugenden neuen Lösungen zusammensetzbar sind – und zugleich arbeitet jeder Mensch natürlich unweigerlich mit der Fülle seiner Erinnerungen und Eindrücke, also muss und darf unweigerlich die Vergangenheit und ihre Ausdrucksformen in die Arbeit von Design einfließen.

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Wie vielfältig die Möglichkeiten sind, daran lässt Retrodesign keinen Zweifel aufkommen und gibt zugleich Inspiration, vielleicht mehr als stets die gleichen stockphoto-artigen Ranken und Blumen und 50s-Assoziationen zu benutzen und nach anderen Inputs zu suchen. Wobei ich zugeben muss, dass ich das mit Mitte 20 auch anders gesehen habe, die Kritik am Recycling-Design kommt mit dem Alter und der Langeweile am Wiedergekäuten, der reinen Oberfläche. Den beiden Autoren ihre Begeisterung für «Styling» vorzuwerfen ist insofern vielleicht deplaciert – sie haben die Ennui mit Oberflächendesign vielleicht einfach noch vor sich und können sich noch für den «Style» mehr begeistern als für die Substanz, das schicke »Wie ist es gemacht)» wichtiger finden als das trockenere «Was soll es sagen?»… was ja bis zu einem gewissen Grade eben auch in Ordnung ist, man durchläuft ja unweigerlich Phasen im Leben eines Gestalters. Dass ich selbst mit 40 Substanz und Aussage, Klarheit und Effizienz suche und mir eigentlich erscheint, dass die visuelle Umsetzung sich dann fast zwangsläufig aus einer überlegten strategischen Betrachung der Aufgabe ergeben wird, muss und darf und sollte nicht unbedingt das Denken von 20jährigen Jungdesignern prägen, die natürlich bitte Sturm und Drang machen sollten, ansonsten hätte es Cranbrook und damit später eben den im Buch oft zitierten David Carson nicht gegeben.

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Zugleich ist auch klar, auch den Autoren selbst, so scheint mir, dass hier nur ein Teilbereich schaffenden Designs beleuchtet wird – die Aufgabe eines Buches mit dem Titel Retrodesign kann und soll ja nun mal nicht sein, Design jenseits des Zitates vorzustellen. Es ist sozusagen ein Design-Genre-Buch, wie auch Western, SF oder Horror und Belletristik nur Genre der Literatur darstellen. Die Schlussfolgerung, dass alles Design unweigerlich Retro sein kann/darf/sollte, wäre insofern sicherlich falsch und sicher auch nicht von den Autoren beabsichtigt. Im Gegenteil, Retrodesign lässt keinen Zweifel daran, dass es vor allem darum geht, die Wandelbarkeit, den Reichtum der Ausdrucksmöglichkeiten schöpferischer Arbeit zwischen Kunst und Dienstleistung zu feiern.

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04. Fazit
Von einem Buch – selbst aus dem Hermann-Schmidt-Verlag – darf man keine Wunder verlangen. Insofern ist Retrodesign natürlich unweigerlich nicht in der Lage, eine Jahrhunderte überspannende kulturelle Entwicklung wirklich detailliert auszuleuchten. Anlass zur Kritik wird es also immer an einigen Stellen geben können, weil der Mut zur Lücke unweigerlich eingebaut sein muss – ansonsten kann man ein solches Buch kaum angehen und muss in stocksteifer Respektstarre vor der historischen Wucht verharren. Obgleich ich persönlich das Design des Buches etwas unausgewogen finde – die rein sachlichen Seiten mag ich sehr, aber die eher gestalterischen Doppelseiten weniger, manches ist schon an der Grenze zum reinen Selbstzweck – ist es eine bisher so nicht dagewesene Querschau bisheriger Stileinflüsse und ihrer Protagonisten, mit einer bewundernswerten Sammlung herausragenden Materials. Als jemand, der selbst im Bereich Typographie einen historischen Abriss vom Art Deco bis in die 90er als Vortrag verfasst hat, weiß ich, wie schwer an exzellentes Bildmaterial zu kommen ist, und allein hierfür gebührt den beiden Autoren unbedingter Applaus.

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An einer final überzeugenden einheitlichen Ordnung und vertiefenden kritischen Haltung zu «Retro» mangelt es hier unweigerlich, aber das ist die logische Konsequenz eines Buches, das sicher weniger dem wissenschaftlichen Diskurs als vielmehr der Inspiration und Übersicht dienen will, dass zu Recht den Spaß an der Sache über die Substanz stellt. Dass die Autoren selbst sich für Retrodesign begeistern, kann und sollte man ihnen nun wirklich nicht vorwerfen wollen – wer das Stilzitat ablehnt, würde wohl kaum so viel Zeit in ein so liebevoll kuratiertes Buch stecken wollen.

Letztlich ist das Buch trotz einiger Kritikpunkte in den Details für unter hundert Euro einfach prachtvoll gemacht, liebevoll zusammengestellt, geschrieben und gestaltet – ganz deutlich sichtbar das Ergebnis harter und begeisterter Arbeit, gut zu lesen, wunderschön anzuschauen und insofern ein Buch, dass man, wenn man sich mit Design beschäftigt und nicht völlig frei von Zitatanflügen arbeitet, zu diesem Preis eben absolut selbstverständlich in sein Regal stellen darf und muss. Es ist ein schönes Manifest, das Debatten anregen dürfte, gerade weil es Design etwas unkritisch als rückblickende Tätigkeit betrachtet.

Aber wie sagen Karin und Bertram Schmidt-Friderichs in ihrem Verleger-Vorwort so schön: «Rückblicke sind nötig, um vorausschauen zu können.» Insofern darf und kann man hoffen, dass ein Kompendium wie Retrodesign den Blick frei macht für die Möglichkeiten, Zukunft zu gestalten.

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Retrodesign:Stylelab gibt es unter anderem bei Amazon, im Shop des Verlages, und idealerweise direkt beim kleinen Buchhändler eures Vertrauens. Think local :-D

Design made in Germany Magazin 01

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Das von Patric Marc Sommer und Nadine Roßa produzierte Design Made in Germany Magazin ist in der ersten Ausgabe als PDF erschienen. DMIG stellt eine Reihe spannender Projekte und Agenturen vor, wobei der Clou ist,dass jeder Artikel nicht von der DMIG-Crew und nicht von dem Interviewpartner, sondern von einem anderen Designer/Grafiker gestaltet wird. So hat Katharina aus unserem Team etwa den Erik-Spiekermann-Artikel gestaltet (wofür Erik uns wahrscheinlich die Ohren langziehen wird) und das eMail-Interview mit mir zum letzten Saisonheft des Theater Bielefeld hat Kai Scholz gestaltet. Highlight des Heftes ist das Intro, in dem Patrick sein Heft mit 25 Statements namhafter Kollegen zum Thema «Was ist typisch deutsches Design?»einleitet, begleitet von schön sparsamen Illustrationen von Martina Wember.

Fontshop News

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FlexOT von dem stets famosen Paul van der Laan, leider nicht als Pro.

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P22 Brass ScriptPro von Michael Clark und Richard Kegler.

Zwei Fonts, die mir in der neuen Fontshop-News aufgefallen sind, bestätigen zwei aktuelle Trends, finde ich. Zum einen eine Rückkehr – sofern man bei einer 10 Jahre alten Schrift davon sprechen kann, aber es geht ja darum, dass sie jetzt angeboten wird – zu einer fast Gill-Sans/Frutiger-artigen eleganten serifenlosen Ästhetik, die ein wenig von dem Pattern der bisherigen Helvetica/Din-Rips einerseits und der ja fast zahllose Thesis-Derivate andererseits abweicht und eine andere Art von Retro-Ästhetik (nichts anderes ist Helvetica/Akzidenz/Univers ja auch, ein International-Style-Retroismus) einbringt, die weicher, mehr 70s ist. Das vorletzte Heft von Raffinerie für das Schauspiel Zürich ging in diese Richtung, viele andere Sachen auch. Läutet für Akzidenz etwa doch die Glocke? Schwer zu glauben, so beliebt wie der Font und seine vielen Brüder bei gerade jungen Designern sind, zumal Helvetica ja irgendwie zu allem gleich gut passt/nicht passt.

Zum anderen die Rückkehr von Scriptfonts, die weniger eine simple Handschrift emulieren, als start zurückgreifen zu den geschwungenen Nachkriegsformen, Reklamemalerei, Retroanklängen aus den USA. Die Mister K von FSI, obwohl ästhetisch sicher etwas anders, natürlicher gehalten, ist auch so ein Beispiel für neue Scriptfonts, die die Features von OpenType ausgiebig nutzen, um mit alternativen Glyphen und intelligenten Ligaturen ein möglichst natürlich wirkende Faux-Kalligraphie anzubieten für all die Designer, die keinen Ed Benguiat in sich schlummern haben («If you need a script typeface, why don’t you draw it yourself? You’re designers, right?»).

Beides, ganz unabhängig von einander, Trends zu einem wärmeren Retrofeeling, das erschreckend gut zu dem erhöhten Wellness-Kuschelbedürfnis einer Krisenwirtschaftsgesellschaft passen würde.

Book Cover Archive Blog

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Wenn ihr das noch nicht gebookmarked habt, do it now ;-D In der Flut von zig Designblogs gibt es bei Ben Pieratt und Eric Jacobsen zumindest für mich immer wieder was zu entdecken

More of the same only different

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War tatsächlich so im Cinemaxx-Programm untereinander. Gibt es etwas einfallsloseres als Kinoplakate? Schade!

Axel

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Erik Spiekermanns neue Schrift Axel sieht tatsächlich sehr nach einer alten Spiekermann-Schrift, der OfficinaSans aus, die nur ordentlich korrigiert und etwas schmaler gerückt wurde. Da die Officina eine sehr lebhafte Vergangenheit hinter sich hat und ich insgeheim eigentlich fast länger mit einer FSI-Überarbeitung gerechnet hat, überrascht mich das nicht ganz, vielleicht eher die Veröffentlichung beim deutschen Fontshop-Vertrieb selbst, nicht bei der Foundry. Das macht aber durchaus Sinn, wenn man sich den Kampfpreis von nur 9,90 Euro für vier Schnitte ansieht, mit der die Schrift eingeführt wird und die Tatsache, dass hiermit natürlich ideal die (gravierend verbesserten) Merkzettel- und Kauffunktionen der neuen Site vorgestellt werden können. Bei 9,90 Euro klickt man ja mal eben auf Kaufen und kann schnell selbst erleben, wieviel netter das Shopping geworden ist – bei 399 Euro eher weniger. Insofern darf man davon ausgehen, dass die Axel mit ihrem bis Ende Juni datierten Angebotspreis vor allem Promotion für den Site-Relaunch machen soll. Ob es danach eine ausgebaute Axel bei FSI geben wird, abwarten.

Auszubauen wäre nämlich einiges. Die Axel kommt – bei dem Preis mehr als korrekt – recht eingeschränkt daher. Hinter dem OTF-Paket verbirgt sich im Grunde ein Windows-TrueType, ohne großen Extra-OTFPro-Zeichensatz, ohne Small Caps, ohne verschiedene Ziffernarten, ohne Fremdsprachen. Was nicht nur angesichts von 10 Euro vertretbar ist, sondern auch andeutet, wohin es die Axel zu treiben scheint: Dies ist, offenbar, kein Font für Mac-affine Designer, die sich in Indesign austoben und ein Maximum an Glyphen wollen, sondern eher eine knackige und handwerklich saubere Lösung für Office-Nutzer an Window- und Mac-Rechnern. Obwohl OS X mit iWork natürlich OTF-Features nutzen kann, sind Office-Nutzer seit Jahren in Sachen OpenType außen vor (was sich mit der nächsten Version ändern soll). Bis dahin liefert die Axel eine saubere Lösung, zumal die SmallCaps (unter Word usw unerreichbar, wenn SC in den OT-Glyphen liegen) ja ausgelagert sind.

Die Axel ist insofern inoffiziell Spiekermanns erster Font für Windows und Mac-OS, eine Art hochökonomischer Systemschrift, die man weniger (nur) für Printdesign benutzt, als vielmehr, um relaxt Tabellen und Texte am Rechner zu bearbeiten. Dafür sprechen das ausgedehnte manuelle Hinting (der Alptraum jeder Fontkonvertierung), das eine hochwertige Bildschirmdarstellung und auch gutes Druckbild bei Inkjet und Laser gewährleistet und die Nutzung von Cleartype, für die spezielle Nutzung als Tabellensatzschrift empfiehlt sich Axel nicht zuletzt dadurch, dass hoch- und tiefgestellte Bruchziffern mitgeliefert sind und einige mathematisch Sonderzeichen.

In der langen Historie der Officina ist es vielleicht ironisch, das eine für die Schreibmaschine entwickelte Schrift nach Umwegen als die Mutter der Understatement-Designtypographie der 80s/90s jetzt wieder da ankommt, wo sie hingehört: In die Büros, als Schrift für die Nachfolger der Schreibmaschine, auf Computern und Laptops. Also: Zugreifen, solange der Preis noch so niedrig ist. Vielleicht erleben wir ja so eine Off…ähm Axel-Renaissance. :-D

Typo Berlin 2009 Space Tag Drei

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Last not least die Bilder vom dritten Tag, ebenfalls unedited. Ganz wichtig: Ich habe die Photos natürlich nicht selbst geschossen, sondern hauptsächlich stammen sie von Katharina und Stefanie, die den ganzen Tag die schwere Kamera in der Hand hatten und tolle Momente eingefangen haben – 1000 Dank!!!

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Typo Berlin 2009 Space Tag Zwei

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Ganz schnell die Roh-Bilder von dem zweiten Tag der Typo in Berlin, mit einem ziemlichen Übergewicht an Markus-Hanzer-Bilder, was ein derart fulminanter Vortrag aber auch wirklich verdient hat…

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Typo Berlin 2009 Space Tag Eins

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Hier in aller Eile (verschlafen) und nicht groß bearbeitet, zumal die Belichtungsmessung der Canon offensichtlich in der Hall etwas spinnt, die Bilder der Space-Typo Berlin 2009 vom ersten Tag, lose kommentiert:
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Branislav Kropilak

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Der 1982 geborene Slovene Branislav Kropilak zeigt, wie spannend gut gemachte architektonische Photographie den industriellen Alltag mit einem Hauch von Magie oder auch Starre überziehen kann. Nicht alle Bilder des preisgekrönten Photographen, der inzwischen auch für Vanity Fair, Icon oder die Sunday Times photographiert, sind immer fesselnd, aber oft gelingt es ihm mit seinen Langzeitaufnahmen, mit den starren Perspektiven, mit der strenge in seinen Bildern, nicht zuletzt mit dem Nutzen der Lichteffekte, die unsere Zivilisation so prägen, die Idee, das wir in einem Technologischen Magiereich wohnen,einprägsam zu vermitteln – während andere Bilder, etwa die von Zügen und Tankstellen eher die Schattenseiten, die Tristesse hinter dieser Leuchtkulisse bloßlegen. Schönheit – und Häßlichkeit der Industriekultur einer menschenleeren, fast postnuklear wirkenden Welt, in der auch ohne Menschen das Licht nicht auszugehen scheint, die ohne den Kern ihres Sinnes weiterexistiert und abstrakt wird.

via Surfstation

Warum Crowdsourcing und Gratisdesign nichts bringen

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Sehr schöner Artikel bei CreativePro.

Ein Highlight:
When a client solicits spec work, you have no idea how many other designers are pitted against you. It’s a crapshoot. Crowdsourcing odds are even worse. … For example, a recent call for a company logo on CrowdSpring received 1,749 entries — only one of which gets paid, while 1,748 won’t. … “According to [CrowdSpring’s] home page, designers have submitted over 219,000 entries” as of this April 2009. “If we average each entry out to an hour’s worth of a designer’s time, and that’s a hugely underrated figure, that equates to 25 years of unpaid designer labor.”… “The only thing worse than a potential client who does not value the efforts of a professional graphic designer is a designer who doesn’t appreciate the value of their own time and work.”

Wird Zeit, dass wir in Deutschland auch klar Stellung gegen unbezahlte Pitches und Crowdsourcing beziehen. So verlockend es ist, wenn ein spannender Kunde zum Gratiswettbewerb bittet -  man sollte nicht an Pitches gegen mehr als maximal 10, in einer zweiten Runde 3 Teilnehmer mitmachen und zumindest einen symbolischen Obulus, der die Materialkosten und eventuellen Selbstkosten deckt, sollte es geben. Und wer bei Crowdsourcing mitmacht, sorry, sollte sich nicht mehr Designer nennen. Einen Burgerbrater nennt man ja auch nicht Koch, oder?

Gratis-Pitches und Crowdsourcing sind die derzeit größte Gefahr – neben der Flut unqualifizierter Designer am Markt und dem dazu gehörenden Preisdumping – für die Branche, sie erodieren die Basis von dem, worauf gutes Design überhaupt erst aufbauen kann: Gegenseitiger Respekt und Dialog auf Augenhöhe. Wenn hier in den nächsten Jahren eine Art verbindlicher und bindender Ehrenkodex entsteht in der Branche, an den sich alle halten – denn wenn das nicht möglichst alle tun, oder zumindest ab einer bestimmten Qualitätsstufe alle, bringt es nichts – nehmen wir uns selbst die Existenzgrundlage und dürfen uns nicht beschweren, wenn Design im engeren Sinne in zehn Jahren als Aushilfstätigkeit gilt (denn auf dem Weg sind wir jetzt schon ziemlich weit gekommen!)

Redesigning Amerika





Im Idea-Blog von The Avery gibt Meowza Katz (super Name) gleich noch einen Grundkurs in Sachen Web2.0-Redesign für die USA und entwickelt eine neue Flagge, einen neuen Dollarschein und gleich ein neues Design für die Square States. Alles runder, bunter, glänzender – so lässt sich die Finanzkrise doch prima meistern. Ganz nebenbei eine feine virale Kampagne ;-).

Mirrormask Title Sequence

Dave McKean gehört zu den Leuten, die mich – seinerzeit mit seinem genresprengenden Coverartwork für Neil Gaimans Sandman-Serie – für Grafik-Design begeistert haben. Oft kopiert ist der Brite bis heute unerreicht und einer der wenigen Designer/Künstler, bei denen man sich fragt: Wie zur Hölle hat er das gemacht? Es gibt kaum einen so über allen Grenzen hinweg multimedial tätigen, erfolgreichen, klar stilistisch verortbaren und doch immer wieder überraschenden Künstler.

Hier gibt es seinen Mirrormask-Opener als HD-Version zu sehen. Immer wieder erstaunlich, wie McKean seinen zweidimensionalen komplexen Stil nahtlos in die dritte Dimension übertragen hat.

Crossing Border

Nicht ganz neu, aber wirklich schön und erinnerte mich an eine handwerklich recht ideale Umsetzung einer Idee aus dem Grenzen-Projekt der RA seinerzeit: Die Crossing-Border-Plakate von Bram van Vulpen

Lecker Schrift!

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Koffie by Fabio Bartali

Vor allem als Dozent an der WAM habe ich mich jahrelang damit unbeliebt gemacht, meine Studenten Buchstaben backen oder kochen zu lassen – um später an der Ruhrakademie auch Fonts auch Haaren und Feuer zu produzieren – und immer wieder kam die Frage auf, was das nun mit Typographie zu tun haben soll und ob ich endgültig durchgedreht sei und man nun bitte endlich die DIN-Klassifizierung lernen dürfe :-D (okay, der letzte Teil ist gelogen).

Die Typo-Profis bei Typophile geben mir nun eine verspätete Rechtfertigung für diese seltsame Idee und zeigen, wie kreativ man aus seinem Abendessen oder Frühstück kleine Typo-Kunststückchen formen kann - im Fontbattle 37.

The G8

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Lasst euch nicht von den (wenn auch großartigen) Landschafts-Stilleben am Anfang dieses unter anderem von Terje Sorgjerd betriebenen wunderbaren Photoblogs abschrecken, im weiteren Verlauf kommen Reisephotos und Portraits in einer digitalen, oft unwirklichen HDR-artigen Ästhetik, die zeigt, wie tief und nahtlos Postproduction zum Teil des Bildprozesses geworden ist. Manche Bilder grenzen an Kalenderkitsch, andere sind atemberaubend gelungen, ich persönlich muss zugeben, dass mich die Portraits mehr fesseln als die Landschaftsbilder, die handwerklich aber auch unbedingt beeindrucken.

Einfach = Effektiv

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Gutes Design ist oft die Kunst des Weglassens. Das Simple erfordert jedoch oft einen kreativen Sprung, eine Art laszive Bösartigkeit, die die Arbeit dann besonders macht. Dieses von JWT stammende Plakat in Melbourne ist ein Paradebeispiel: Böse gedacht, minimalistisch gemacht, anstelle der sonstigen Gutmenschen-Langatmigkeitsslogans ein klarer Faustschlag von einer Botschaft, so simpel wie die Gestaltung. Wie effektiv das ist – nicht nur als gelungene Ambient-Media-Arbeit, sondern auch als Design – zeigt das Umfeld, das gegen die große weiße Fläche und die klare Typographie auf einmal überladen und langweilig wirkt, der urbane visuelle Müll-Flickenteppich, dessen Unruhe die Wirkung des Weißraumes erst ermöglicht. Die Wirkung von Großzügigkeit im wimmeligen Umfeld hat Tschichold ja in Erfreuliche Drucksachen… dokumentiert, aber hier wird deutlich, wie frisch simple Typographie wirkt, die fast nichts mehr will, wenn sie mit einer gewissen Brutalität gekoppelt wird. Wie beim Kochen: Statt einen Tisch voller Trashfood lieber wenige, aber feine Zutaten.  Das JWTs Anxiety Index eher ein schlimmes Beispiel für Werberzynismus ist (und bitte hoffentlich ironisch gemeint?), ist eine andere Sache….

via Marketing Alternatif

It’s a type world and we’re just driving in it

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Typo-Spots scheinen gerade in zu sein: Hier ist einer von Daimler-Chrysler  zum BAS-Bremssystemder Mercedes-Modelle. Von BBDO Düsseldorf.

via John Nack

House of Mystery

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House Industries gehören mit ihrem pop-artigen, oft auf Comics und den Werbelook der 60s zurückgehenden Vernacular Style verdient seit Jahren zu den Stars der Designszene und haben den feuchten Traum jedes Schriftschaffenden längst erreicht: den Crossover in die Popkultur. Anstatt nur digitale Fonts zu zupfen, geben Sie Konzerte, verkaufen Möbel und Mode (und nicht nur bedruckte T-Shirts), die dann wiederum von Popstars getragen wird, sie entpuppen sich als Meister der Selbstvermarktung und finden immer neue Wege, Spaß, Kreativität und soliden amerikanischen Sinn fürs Geschäft zu verzahnen.

Einen für deutsche Verhältnisse fast unvorstellbaren Zwischenstopp auf den Weg in den Designolymp haben die Herren Roat und Cruz inzwischen mit der Gestaltung des aktuellen WIRED-Covers erreicht. Das komplett von Alias/Fringe/Lost-Kopf und Star-Trek-Regisseur JJ Abrams als Wunderkind der Stunde und Obernerd zusammengestellte Heft kommt im Look einer Sixties-Werbung, wie man sie vielleicht auf dem Rücken eselsohriger Marvel-Comics finden konnte und erinnert sofort an X-Ray-Specs und geheime Tricks, um am Strand mit Muskeln aufwarten zu können, ein Stil, den auch Chip Kidd immer wieder gern zitiert, an den mich dieses Cover vor allem auch wegen des gelben Backgrounds sehr erinnert. Es ist verblüffend, nach all den Jahren – US-Retro ist ja nun wirklich kein neues Ding – wie gut dieser Pastiche-Look funktioniert, wenn er sauber gemacht ist… und hier ist er sehr sauber gemacht.

Vor allem aber ist es phantastisch, dass ein derart führendes Magazin – wieviel Magazine werden schon bei den Simpsons veräppelt? – sich so umfassend von einem Designteam umstricken lässt, inklusive neuem Titellogo und der Verwendung von House-Schriften im Innenteil. Man stelle sich vor, der Stern ließe Fons Hickmann völlig freie Hand an einem Cover oder die Neon würde sich von Hort komplett durch die Mangel ziehen lassen. Die positive Verzahnung von Design und Popkultur, von Konsum und Gestaltungsspaß, das «Angekommen-sein» im Mainstream ist in den USA sehr viel weiter als hier, vielleicht weil die USA durch die massive Werbekultur der Nachkriegsjahre und den aus dieser Zeit stammenden Designapproach, der ja inzwischen fast den Charakter einer Kunstepoche genießt, eine ganz andere, fröhlichere, unbeschwertere Einstellung zu bestimmten Aspekten von Design haben, während wir Deutschen es ja eher eine kühle, verkopfte Otl-Aicher/Dieter-Rams-Denke haben, die rationaler ist und sich deshalb nie so tief in der kollektiven Seele eines ganzen Volkes verankern konnte, weil wir aus Angst vor Kitsch und Heimeligkeit (die es in der Dekade nach WWII ja auch im teilweise allergruseligsten auch hier gab) eher auf ein emotionsfreies, abgehobenes, intellektuelles Design gesetzt haben. Absolut verständlich – und mit grandiosen Ergebnissen – aber manchmal frage ich mich, wie hoch der Preis für diese «High road» heute ist, da gut gemachtes Design in Deutschland nie Teil des Alltags geworden ist. Auch wenn die frühen Factor Design oft einen Bezug zu einer Werbesprache der Sechziger Jahre fanden, und dieser Look unglaublich oft kopiert wurde, fehlt uns absolut jeder Bezug zu einer naiven, fröhlichen aber dennoch eindeutig durchgestalteten Design-Sprache, wie sie die Amerikaner haben – oder?

Funched

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Immer einen Link wert: Die Arbeiten von Peter Funch, der ohne Zweifel zu den besten Bildmanipulatoren seiner Zunft gehört. Für Babel Tales hat er in langen Sessions an den gleichen Locations in New York immer wieder Menschen photographiert und daraus Kompositionen à la Gurski gebaut, die aus dem zufälligen Menschengewimmel sehr gezielte Ergebnisse gewinnen, indem etwa nur Raucher oder nur Latte-Trinkerinnen auf den Bildern versammelt sind, die aber dennoch aussehen wie echte, wenn auch inszenierte Photo. Meisterhaftes Photoshopping ergibt Bilder, die weit über normale Photographie hinausgehen. Recht ähnlich ist übrigens Simon Hogsbergs (den ich ja ohnehin seit langem mag) 100m-Bild We’re all gonna die, das in Berlin entstand und auch eine Montage aus zig Einzelbildern darstellt.

The color of the internet

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Nicht ganz neu, trotzdem einen Link wert, ist der neueste Output von Antrepo4, einer in Istanbul arbeitenden Designgruppe rund um Mehmet Gozetlik, die zwei Trends aufzeigt: Zum einen, dass Design immer mehr an die Grenze von Kunst geht im Hinblick auf Entstehung und Vermarktung (selbst gestellte Projekte, die dann präsentiert, ausgestellt und eventuell verkauft werden), zum anderen, dass man Design weniger und weniger ein Herkunftsland ansieht – die Arbeiten von Antrepo4 könnten ebenso aus London oder Japan kommen. Gozetliks Team begeistert seit einiger Zeit  immer wieder mit smarten Ideen, die so verspielt wie erwachsen, so farbenfroh wie inhaltlich kritisch sind – und die Analyse der dominanten Farben des Internets anhand von zig Sites  – so unnachvollziehbar diese Analyse natürlich dann im Detail ist :-D – bildet da keine Ausnahme. Antrepo4 zeigen, dass Dada auch minimalistisch aussehen kann.

Sebastian Van Den Akker

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Es ist schon frappierend, wie viel ungemein gute Photographen es gibt, allein hier in der Region. Jedes Jahr perlen aus den FHs Talente, die sich nach und nach von ihren Vorbildern lösen und wunderbare Bildinszenierungen oder Streetbilder abliefern und den ohnehin großen Pool visueller Eindrücke, Stimulationen und Faszinationen bereichern. Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, ob so viel Talent den Markt – ähnlich wie bei den Designern – nicht irgendwie völlig ruiniert, aber es ist als Betrachter faszinierend, wie bei Autoren und Musikern, immer wieder auf ein Talent zu stoßen, dass einfach toll ist. Es gibt Tage, da frage ich mich, ob wir nicht verweichlichen, mehr Ingenieure und Handwerker brauchen, und es gibt Tage, da finde ich es fast utopisch, dass wir zu einer Gesellschaft werden, in der so viele Menschen einen inneren künstlerischen Ausdruck suchen und sich mit der Welt und den Menschen darin auf so unterschiedliche Weise befassen.

Sebastian van den Akker kenne ich paradoxerweise schon einige Zeit über Publikationen und Präsentationen, wenn ich sein Portfolio durchgucke, erinnert man sich schon wieder an den Eindruck, den bestimmte Bilder beim ersten Sehen hinterließen – aber gestern hat mich unsere Praktikantin Yvonne noch einmal auf ihn gestoßen, aus akutem Anlass, und die Arbeiten sind definitiv einen Link und einen Tipp wert. Inzwischen mehrfach preisgekrönt, wird Sebastian von Gunda Patzke vertreten und wenn jemand einen herausragenden kühlen, sachlichen und doch unglaublich hinterfotzigen Bildinszenierer sucht, seid ihr hier richtig. Also: Bucht den Mann!

Pictopia

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Im Berliner Haus der Kulturen der Welt läuft vom 19.03. bis 03.05.2009  die Veranstaltung Pictopia – Festival Neuer Figurenwelten, die Ausstellungen, Filme, ein Symposium und eine Konferenz vereint.

Pictopia dreht sich rund um die simplen, auf das Wesentliche von Menschen und Gesichtern vereinfachten Figuren der Piktogramme mit ihren so einfachen aber dennoch quasi lebendigen, oft emotional sogar tiefer als photorealistisch gezeichneten Wesen widerhallenden Zügen, um Character Design also, das  aus den Quellen von Pop, Folklore, Markendesign und natürlich Comic seine visuelle Sprache immer wieder remixt, emotional und über alle kulturelle Grenzen hinweg, mit dem scheinbaren Versprechen einer sprachlosen, kulturübergreifenden globalisieren Kommunikation. Wer kennt solche Figuren nicht, als Street Art, in Comics, im Film, in Büchern, bei Straßenparaden und in endlosen Merchandiseartikeln à la HelloKitty?  Pictopia – veranstaltet von Pictoplasma und dem Haus – versammelt Künstler, Designer und natürlich Besucher, um sich diesem spezifischen Thema an der Schnittstelle von Soziologie, Comickultur und natürlich Design zu widmen.

Das absolut knapp gehaltene Thema  – das auf den ersten Blick so gar keine Konferenz herzugeben scheint, auf den zweiten Blick aber eine wahre Galaxie an popmedialen Phänomenen abdeckt, und zumindest mit einem Zeh im Thema der Wellness-Kultur der ewigen Kindlichkeit und Niedlichkeit steckt – dürfte ein sehr umfassendes und spannendes Eintauchen in den Kosmos figürlicher Reduktion erlauben. Abgerundet durch Jugendprogramme, einen Galerie/Projektraumrundgang in Berlin, Filme und Performances, dürfte Pictopia für alle Illustratoren, Comic-Fans, Brandingspezialisten und Interessierte ein Augenschmaus werden.

Ei Ei Ei

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Auf Seite 53 der aktuellen PAGE 4/09 entdecke ich endlich die lang angekündigte Schrift, die unsere Praktikantin Bianca Berning an der FH Krefeld im Typo-Projekt bei Ursel Schiemann gemacht hat – der eiernde Rasterfont ist nur eins der spannender Ergebnisse aus Ursels Arbeit mit ihren StudentInnen, die vorher nie eine Schrift entwickelt hatten. Gute Sache – und schön, dass die Page einem Studentenprojekt 6 Seiten Raum gibt.

Mehr Individualität

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www.buerofueraufmerksamkeit.de/

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www.u-p-media.de

Beim Klau von Ideen geht es ja nicht immer nur um Visuals, sondern oft auch um Texte und Slogans. Wenn man hier genauer hinliest, fällt einem schnell auf, dass da verdächtige Nähe besteht, oder? Aufmerksamkeit, Reizüberflutung… und da Thomas Junold sein Büro in Kamen schon eine ganze Weile betreibt und die Site von u-p-media doch arg neu und unfertig wirkt, kann man sich vielleicht denken, wer zuerst da war. So Sachen passieren, man übernimmt vielleicht auch oft unbewusst etwas, aber von den individuellen klaren Lösungen, die der untere Text verspricht, ist er bezeichnenderweise selbst weit entfernt.

Jenseits der reinen Swipefile-Sache finde ich generell interessant, wie austauschbar Texte von Designbüros oft klingen, im großen wie auch im kleinen – meine grundsätzliche Regel ist ja, je serviceorientierter der Text auf der Seite sich anbiedert, desto größer sollte der Bogen sein, den ein Kunde um diese Agentur machen sollte, un in 90% der Fälle gibt einem das Portfolio dann auch recht. Als Designer verkaufen wir neben professionellem Service und handwerklichem Können von uns und unseren Angestellten eben doch auch (hoffentlich) Individualität – nur spiegelt die sich fast nie in den Selbstbschreibungen wider. Wobei ich selbst nur zu gut weiß, wie unsagbar schwer die zu schreiben sind :-D. Man möchte ja schon Aufträge. Ob sich aber von der Texttonalität anzuhören wie ein Massagesalon der richtige Weg ist, sei mal dahingestellt. Denn wenn alle Agenturen die im Kern gleichen Texthülsen abfeuern, kann der Kunde sich nicht entscheiden, welches Designstudio für ihn das richtige ist. Da helfen auch Konstrukte wie 360°-Design, Tiefendesign, doppelte Neugier und und und nicht, die dem vermeintlich zu einfachen Designprozess eine Artorganisatorisches Exo-Skelett verpassen und den Entscheidern einen Mehrwert aus der Laterna Magica vorgaukeln wollen, nicht. Individuell sind die Kommunikationsporzesse, Arbeitsweisen und die entsprechenden Ergebnisse. Da ist fast jedes gute Designbüro etwas anders aufgestellt und hat seinen eigenen Flavour. Die besten Designer haben oft die schlimmsten Homepages – oder habt ihr bei Sagmeister je einen anschleimenden Hallo-Kunde-nimm-mich-ich-brauch-Geld… Text gefunden? Eben.

15. Leipziger Typotage

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Leipzig erweist sich mit den 15. Typotagen wieder einmal als sehr ernsthafter Standort für Schriftgestaltung. Wo andere Veranstaltungen gern mit recht offenen Ein-Wort-Themen auffahren, sin die Leipziger seit jeher thematisch sehr ernsthaft dabei und wenden sich vielleicht mehr an Fachleute aus Design und Druck, nicht umsonst findet das ganze im Museum für Druckkunst statt. Nachdem letztes Jahr das Zeitungsdesign im Vordergrund stand, widmet sich die Gesellschaft zur Förderung der Druckkunst diesmal einem ähnlichen Spezialthema, nämlich dem Verpackungsdesign. Und wer hat sich noch nicht gefragt, wessen Strafarbeit es eigentlich ist, die ganze winzig kleine Information auf den Joghurt zu setzen oder ob es hier spezielle Regeln oder gestalterische Freiräume gibt – und warum Package Design ein so scheinbar unflexibles Gestaltungsfeld ist, mit wenigen gestalterisch einwandfreien High-End-Produkten, einer wahren Flut von Supermarkt-Augenkrebs und sehr sehr wenig dazwischen, quasi einer Art umgekehrten Gauß-Glocke. Dabei sollte doch auch hier die Regel gelten, dass gutes Design gut fürs Geschäft ist.

Die Redner werden das Thema von allen Seiten fachlich versiert beleuchten: Armin Angerer ist  Geschäftsführer Produkt und Packaging bei der Peter Schmidt Group in Hamburg, die seinerzeit mit hochwertigen Parfumpackage-Design reüssierte. Klemens Ehrlitzer kommt vom Verband der Hersteller selbstklebender Etiketten und Schmalbahnconverter. Prof. Dr. Ulrike Herzau-Gerhardt von der HTWK Leipzig ist eine absolute Fachfrau in Sachen Drucktechnik. Olav Jünke von ondesign in Hamburg wird vielleicht vom Message-on-a-bottle-Projekt berichten. Rainer Schneider von der Dresdner Markenteam Werbeagentur und  Julius Wiedemann vom Taschen Verlag  sind zwei weitere spannende Speaker, wenn es darum geht, wie eine Verpackung einen Inhalt determinieren kann.

Für interessierte Designer sicher einen Besuch wert. Die Veranstaltung findet am Samstag den 16. Mai 2009 statt und kostet für Nicht-Mitglieder des Vereins 1oo Euro Eintritt.

33 Pt Eskapade

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Am 03. und 04. April 2009 findet in der FH Dortmund das bekannte Typographiesymposium 33pt. statt, diesmal mit dem Thema Eskapade. Die Dortmunder fahren zu diesem Thema ziemlich sehenswerte internationale Gäste auf, darunter der David Crow (Autor des phantastischen Visible-Signs-Buches), Phil Baines (Autor von Lust auf Schrift), Barbara Hahn und Christine Zimmermann, Autobahn, Sven Ehmann vom Gestalten Verlag, einer der Fontstruct-Macher Rob Meek und viele mehr. Mit dabei ist auch das von der TYPO bekannte  Typeradio (www.typeradio.com), mit dem Donald Beekman und Lisa Enebeis die Veranstaltung begleiten werden.

Was sich anhört wie die große Berliner Typo im kleineren Format ist tatsächlich ein rein studentisches Projekt, bei dem eine Gruppe von Studenten Konzeption, Gestaltung und Durchführung übernimmt. Und weil Studenten wissen wie es ist, in tolle Veranstaltungen mangels Geld nicht hineinzukommen, ist bei 33pt. der Eintritt frei.

Mehr Infos unter www.33pt.de, wo sich in den nächsten Wochen vor der Konferenz noch einiges tun soll.

Looking For Something New…

… I always feel a kind of restlessness, always this need for something new, to make something we haven’t seen yet or that you think isn’t there. That’s what keeps it exciting or interesting, or more of a challenge. But it’s also, I think, why so much of the work sort of fails, or, I mean, when you look back over it like this it seems full of mistakes and bad choices and missed opportunities. But you have to thake these risks. Perhaps  it’s unnecessary, I don’t know, but that’s design. Design is a risk you take.
Linda van Deursen/Armand Mevis

The Violent Creator

The violent one, the creative one who sets forth into the unsaid, who breaks into the unthought, who compels what has never happened and makes appear what is unseen – this violent one stands at all times in daring… There fore the violence-doer knows no kindness and conciliation (in the ordinary sense), no appeasement and mollificaton by succes or by prestige and by their confirmation.

Martin Heidegger, aus: Slavoj Zizek: Violence.

John Barclay: Talks About Money

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Abgesehen davon, dass es apropos ist, wenn ein Autor namens Barclay (gemeinsam mit Linda van Deursen)  ein Buch über Geld macht, ist Talks about Money  vor allem ein lesenswert verspieltes Dokument der Ratlosigkeit unserer Branche in Sachen Geld. Die Interviews, die Barclay mit etablierten Designern aber auch Newcomern und Freelancern führt, zeigen auf, wie wenig Anfänger aber auch Profis eigentlich wirklich von Preisgestaltung wissen und wie unterschiedlich die Strategien der Kommunikation von Gestaltungskosten am Markt sind. Aus Kundensicht eigentlich ein Horror, diese völlig verschiedenen Ansätze, eine doch relativ gleiche Leistung zu beziffern. Den kurzen und kurzweiligen Inhalt verpacken die beiden Autoren sehr charmant in Sprechblasen, die das Buch zu einem der schlecht gestaltetsten Bücher über Design machen dürften :-D.

Am Ende des Buches weiß man eigentlich selbst nicht viel mehr über die Art, wie man abrechnen sollte, über den idealen Stundensatz oder die goldene Strategie, Klienten den Wert von Design zu verkaufen, aber man hat eine Ahnung, dass man nicht allein ist mit den Problemen, die man im Alltag hat zwischen Kunden, die am liebsten eine Webpage für 150 Euro haben möchten, und Kollegen, die für ein paar Zeilen Text und zwei Musterseiten fünfstellige Beträge verlangen. Was man mitnimmt ist das Gefühl, dass die Lizenz-Tarif-Ansätze im Stile von BDG und AGD auch für die meisten Kollegen im Buch nicht funktionieren und Stundensatz plus ein gesundes Augenmaß dafür, was die Klienten zahlen können, noch am ehesten machbar sind. Du lernst, dass Stundensätze wild zwischen 75 und 300 Euro fluktuieren, und verstehst, dass wir vielleicht wirklich eine Art Architekten- oder Ärztekammer bräuchten, die diese Unsicherheit von oben herab zumindest etwas mildert.

Geld ist für Designbüros ein seltsames Thema. Die großen Studios, bei denen vor allem die «nette» Gestaltungsseite und die eher unfreundliche Kalkulation personell völlig getrennt sind, können horrende Stundensätze und -mengen durchsetzen, die kleinen Freelancer beuten sich oft selbst gnadenlos aus (was dann eben oft bedeutet, dass die großen Studios die Jobs an die selbstausbeutenden Freelancer abgeben und sich die Differenzsumme einstreichen, so dass der Kunde eigentlich auch direkt zum Studenten X hätte gehen können, der das eigentliche Logo entworfen hat :-D). Auch beim Kunden fehlt ein Gespür für die richtige Dimension – trotz sich an Endverbraucher wendender und insofern gegenüber den AGD-Preislisten zumindest halbwegs realistischer Preislisten wie Rotstift -, die gleichen Leute, die mit dem riesigen BMW vorfahren, wollen für ihre Gestaltung, die doch eigentlich zentrales Kommunikations- und Erfolgswerkzeug ist, nur Peanuts ausgeben und entwickeln ausgerechnet in diesem sensiblen Bereich eine ruinöse Geiz-ist-Geil-Mentalität. Klare, pragmatische Regeln wären also eigentlich für beide Seiten eine wichtige Entwicklung. (Und bitte ohne Lizenz-Gedöhns, niemand versteht das. Wenn man einen Rechner entwickeln muss, der regionale und zeitliche Faktoren multipliziert, wird es unkommunikabel . . . und ich weiß selbst, dass ich vor Photographen zurückschrecke, die neben dem Tagessatz auch noch Lizenzen wollen, nicht, weil ich es aus Prinzip nicht mag, sondern weil es ganz schnell und ganz kräftig alle Budgets sprengen kann und unflexibel ist. Ich verstehe, wieso die Lizenzen eine gute Einrichtung sind, aber in der Praxis sind sie oft abstruser Käse und jeder weiß das.)

Die Frage, die Studenten am häufigsten stellen, wenn sie anfangen, nebenbei kleinere Jobs zu machen, ist: Was kann ich dafür nehmen? Das Kalkulation und BWL nicht im Designstudium so integriert ist, das man praktisch nach dem Abschluss weiß, wie die Business-Seite des Grafik Designs aussieht, ist sehr schade. Talks about Money schließt diese Lücke nicht, macht aber auf sehr spaßige Weise zumindest klar, dass man mit seinen improvisierten Strategien nicht allein ist, im Gegenteil.

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2 Kilo Of Kesselskramer

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Ein Buch, das ich verliehen hatte, nie wieder bekam (das ist ne lange Liste inzwischen), dann lange nicht kriegen konnte und jetzt endlich wieder habe, ist das legendäre Ziegelstein-Buch der Amsterdamer Agentur Kesselskramer (nicht von der Site verwirren lassen, reloaden und Spaß haben :-D), das exemplarisch zeigt, wie weit vorn die Niederländer (die inzwischen auch in London tätig sind) sind, nicht nur in Sachen  Design, sondern auch bei ganz normaler kommerzieller Werbung, etwa für Mobiltelefonie-Anbieter. Es ist weniger das (durchaus exzellente und oft bewusst trashige) Design von Kessselskramer, sondern vielmehr die immer vorbildlich anderen Ideen, mit denen sie ihre Klienten beglücken – und diese unglaublichweise irgendwie an scheinbar extrem mutigen Marketingentscheidern vorbeikriegen.

Bei Fake im letzten Jahr fragte Gesine Grotrian- Steinweg die versammelten Studenten, ob sie KK kennen, und niemand kannte es. Nichts schlimmes, man kann ja echt nicht jeden kennen. Aber dies ist eure Chance, diese Wissenslücke  zu schließen – es lohnt sich. Oh, und bestellt das hier und jenes hier doch gleich mit :-D.

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Visual Storytelling

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Immer wenn ich denke, es gibt nichts Tolles mehr, kommt ein solches Cover daher und haut mich mit der klaren visuellen Narration einfach vom Hocker. Besser kann an den Buchtitel gar nicht visualisieren und zugleich bei einer schlichten und klaren Lösung ankommen – bewundernswert! Ich bin nicht ganz sicher, ob die Nadel nicht besser auf der Rückseite aufgehoben gewesen wäre, aber natürlich ist der visuelle Gag so direkter kommunizierbar. Ich hoffe nur, af der kleinen Abbildung ist das nicht erkennbar, dass die Nadel ganz einfach auf dem Blatt liegt und nicht extra einmontiert wurde – je entspannter und natürlicher dieses Cover wirkt, umso besser. Design von Isaac Tobin.

via fwis

Construction/Decoration

It’s okay to decorate construction but not to construct decoration.
Denise Scott Brown

SPEKTAKEL

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Spektakel war eine Veranstaltung, die Studierende der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart von übrig gebliebenen Studiengebühren organisiert haben. Für Konzept und Organisation des Ganzen war die kleine, aber feine Mannschaft um Leonie Hosoda, Carolin Lintl, Katrin Koch, Jonas Beuchert und Wolfgang Koppensteiner zuständig, die eine ganze Crew von Studenten zu den verschiedensten Events inspirierte. So entstand nicht nur live während der Veranstaltung durch Benjamin Kivikoski und Michael Allocca eine eigene Dokumentationsbroschüre, sondern es gab auch eigens angefertigte Möbel, die den Flair des Tangram-Logo von Spektakel aufgriffen, es gab eine liebevoll gemachte Trendmaschine, in der die Besucher selbst kreativ werden konnten und neue Trends basteln konnten, die dann sofort in der Fotobox festgehalten und per Beamer projiziert wurden, es gab ein großartiges Dinner für die Redner als Kick-Off und eine ziemlich dicke Party am Schluss. Mehr geht nicht. Und obwohl die Spektakel-Crew permanent mit Terminänderungen, eilends abreisenden Gästen und allerlei anderen außerfahrplanmäßigen Sachen konfrontiert war, lief der Event für die Gäste so smooth und professionell ab, als würden die Stuttgarter die Sache schon seit Jahren machen – dabei war Spektakel ein Debut.

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SPEKTAKEL / SIEHT AUS WIE NEU / AM 27.11. IN STUTTGART

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Etwas still im Blog dieser Tage, weil ich selbst zum einen gerade außerhalb des Studios im Auftrag des Herrn arbeite und zum anderen am Mittwoch nach Stuttgart fahre, um bei dieser kleinen und aufregenden Veranstaltung zu sein: «Spektakel» ist eine Veranstaltung, die sich die Studenten der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste von Studiengebühr-Resten selbst geschenkt haben. Und anstatt dass zu tun, was man vielleicht erwarten würde, wenn Studenten selbst ein Event planen – Stefan Sagmeister, David Carson  oder Chip Kidd einzuladen :-D (der aber ohnehin schon in Stuttgart war) – haben Sie Namen zusammengestellt, die vielleicht auf den ersten Blick nicht die üblichen Bekannten sind, aber mich zumindest umso mehr gespannt machen. Die Auswahl der Gäste ist so neu wie spannend und passt insofern bestens zum Thema des Ganzen.

Jonathan Puckey /Conditional Design
Jonathan ist einer der neuen Generation von Designern, der zugleich Gestalter und Programmierer ist und den Computer als Designmedium über die Grenzen von Print und Litho hinausbewegt. Die meisten von euch werden sein Tool Scriptographer kennen.

Daniel van der Velden / Metahaven
Daniel war letztens in der Form mit seinem großartigen Design-Blast-Vortrag aus Karlsruhe vertreten. Nicht nur ein perfekter Branding-Profi, sondern auch ein leidenschaftlicher und provozierender Theoretiker, auf dessen Vortrag ich mich sehr freue.

Prof. Dr. Ingrid Loschek / Modetheorie
Ingrid oschek hat ein analytisches, umfassedes lebendiges Wissen über die Vergangenheit, Gegenwart und eben auch Zukunft der Mode un ihrer Ethnologie, einen schnellen, kritischen Geist und einen Lebenslauf und Output, der mehr als beeindruckend wird. Da ich interdisziplinäre Vorträge fast immer mehr mag als die aus unserem eigenen Kommunikationsdesign-Quartier wird dieser hier sicher großartig. Denn das Grafikdesign, leider, folgt der Mode – oder ist in der International-Dekade ab den 90ern Element von Mode geworden.

Prof. Dr. Thomas Friedrich /Designtheorie
Thomas Friedrich darf man getrost als Designphilosoph bezeichnen. Gewappnet mit Philosophie und Politik arbeitete er erst an der Bauhaus Dessau, inzwischen in Mannheim als Professor Designtheorie. Er ubliziert Bücher und Magazine rund um die Designtheorie und seine weite, interdisziplinäre Sicht auf die Thematik dürfte der Veranstaltung auf jeden Fall inhaltliche Tiefe verleihen.

Ben Wilson / Industrial Design
Ben ist das Last-Second-Wunder von Designspektakeln, ein Londoner Industriedesigner, der für nahezu alle großen Brands gearbeitet hat, aber immer auch wieder kleine handgefertigte Weirdness anbietet, die mit einem Bein in der Kunst steht. Bekannt geworden mit seinen ausgefallenen Fahrrad-Designs, baut Wilson auch abstruse Instantmöbel und bringt so Ökologie, Zukunftsvisionen und einen sehr sehr sehr britischen Humor unter eine Kappe.

Eins der Highlights des Symposiums wird die Trendmaschine, förmlich ein Graben in der Veranstaltung, eine interaktive, lebendige Idee, in der die Besucher selbst aktiv die Trends von morgen «basteln» können und dabei live in die Veranstaltung übertragen werden. Die Trendmaschine ist sozusagen die Fusion der unterschiedlichen Studentenideen zwischen Designworkshop und Vortragsreihe und greifbarer Output der feuerwerkenden Crew hinter Designspektakel. Das ganz nebenbei anscheinend in Echtzeit auch eine Publikation entstehen soll und wahrscheinlich noch etliche andere geplante und ungeplante Überraschungen kommen, passt perfekt zum Thema Neu, denn wo Neues entsteht, weiß man nie, was als nächstes passiert.

Mit dem gleichen Mut haben die Studenten mich als Moderator ausgesucht, obwohl doch jeder weiß, dass meine Moderationen länger sind als die dann folgenden Vorträge :-D. Obwohl ich völlig übernächtigt nach Stuttgart fahren dürfte, straight aus einem wunderbaren, aufregenden aber auch im Endpsurt sicher mörderisch anstrengenden  Job, freue ich mich total, Gast bei der Sache sein zu dürfen – das ist immer eine gute Sache, man ist sozusagen gezwungen, zu Events, die man sonst aus Zeitgründen nicht schaffen würde hinzufahren und der Gewinn dabei, den man aus Vorträgen und Eindrücken mitnimmt, ist natürlich unbezahlbar. Vor allem studentenorganisierte Veranstaltungen sind immer wieder Kick-Ass-Fun.

Da mein neues MBP zwar da, aber noch nicht installiert ist, weiß ich nicht, ob es vor Ort mit dem Bloggen klappt – ich hoffe aber, spätestens hinterher ein paar Photos zeigen zu können.

Spektakel findet an der Staatlichen Akademie in Stuttgart statt, im Foyer, der Ausstellungshalle und dem Mehrzwecksaal II, am 27.11.08, ab 9:30 und der Eintritt ist frei.

HOW TO BURN COMPLETELY

I got some bad news for you, sunshine... Es reicht meist ein Blick in die Branchenmagazine, um zu wissen, ob es einer Branche gut oder schlecht geht. Schau in die Page und du weißt, dass es dem Grafik-Design derzeit gar nicht gut geht. Neben dem spärlichen Stellenmarkt findet man da vor allem eine Anleitung, wie man ideal als Freelancer oder kleine Design-Agentur um Kunden buhlt, mit welchen Tricks man gegen die großen Agenturen eventuell noch überleben kann, dass man Netzwerke braucht, keine Freundschaften, dass alles Ökonomie ist. 

Trübe Aussichten, wenn man Design studiert, oder? Nach einem Studium von dem nach der BA/MA-Trennung selbst die meisten Dozenten kaum noch ernsthaft behaupten, dass es qualitativ prima sei, geht es nahtlos in ein un- oder unterbezahltes Praktikum und dann raus in eine Arbeitswelt, in der einerseits immer mehr von deiner Art unterwegs sind – und oft auch noch alle gleich denken,alle gleich aussehen, alle gleich gut sind – zum anderen die Kunden immer mehr selbst können, oder die Druckereien gleich Design mit anbieten oder jeder dritte Hartz-IV-Umschüler auf einmal Web-Designer wird. Design, das weißt du selbst, ist längst nicht mehr so schmusig wie zu Otl Aichers oder Willy Fleckhaus Zeiten, wo auf einen guten Gestalter ungezählte Anfragen kamen und jemand wie Aicher allen Ernstes eine ganze Olympiade betreuen durfte. Das macht heute ein Global Player wie Wolf Olins mit 180 Angestellten in London und New York. Heute ist die Situation eher umgekehrt. An manchen FHs kommen 100 Bewerber auf einen Studienplatz – und das nimmt eigentlich ganz schön die Relation von Designern zu Kunden vorweg, die Designer umfliegen potentielle Auftraggeber wie Motten das Licht. Das verbiegt, das drückt Preise, das macht aus dem ehemaligen Spielplatz Design zunehmend ein hartes, durch und  durch professionalisiertes Business.

Beschissene Aussicht, oder? Das darfst du durchaus als Chance begreifen. Zum einen natürlich, indem du dich weniger um Kerning und Trapping kümmerst und mehr um dein XING-Netzwerk, die richtigen Leute kennen lernst, die Kunst der Self-Promotion meisterst. Wen du kennst wird wichtiger als was du kannst. Dieses Spiel kann man durchaus mit Freude betreiben und die Selbstvermarktung sollte deshalb eigentlich längst auf jeden Lehrplan gehören. Klar, es gibt die Sorte still im Kämmerlein werkelnder Introvertierter, aber deren Zeit läuft ab. Die Designbranche bricht aus ihrem Kokon und muss lernen, mit der Welt zu kommunizieren. Also raus aus dem Sandkasten und mit den anderen Kindern zusammen spielen.

Auf der anderen Seite sollte die Tatsache, dass du als Designer inzwischen da angekommen bist, wo die Geisteswissenschaftler und Künstler seit Dekaden sind – dem Studium in die  potentielle Arbeitslosigkeit – doch auch ungemein befreiend sein. Während in anderen Fächern wie BWL stramm durchgezogen wird und es vom ersten Semestern an quasi-neurotisch nur um die Karrierechancen geht, nicht um den Spaß am Studium, nicht um Selbstverwirklichung, ist Gestaltung im weitesten Sinne jetzt zunehmend auch die Sorte Studium, in der DU im Mittelpunkt stehst, nicht dein späterer Arbeitgeber. Dein persönliches Glück und Wollen, nicht das Geld – als Designer, so leid mir das tut, verdient man eh nicht allzuviel Geld. Wer Sicherheit und Verdienst will, sollte lieber über eine Beamtenkarriere nachdenken. Noch dazu ist der Design-Job unbequem. Irgendeiner weiß es immer besser, irgendeiner beurteilt dich immer – dein Prof, die Kollegen im Team, irgendeine Jury, die Frau des Kunden, die da auch noch eine Idee hatte. Keiner redet einem Elektriker ins Handwerk, als Designer ist das Alltag. Die Kunden zwingen dich zu kruden Kompromissen, die Peers zerfleischen dich dafür. Es gibt gemütlichere Jobs, wirklich. Landschaftsgärtner zum Beispiel. Sonne, frische Luft und wirklich selten Klienten, die meinen, sie kennen sich besser mit Schattenrasen aus als du. 

Die Frage ist also: Warum studierst du eigentlich ausgerechnet Design? Wie viel bedeutet dir die Sache? Würdest du es studieren, wenn es Geld kostet? Würdest du auch Design studieren, wenn du todsicher im späteren Leben als Taxifahrer dein Geld verdienen müsstest? Die Chancen, keinen oder einen zweitklassigen Job zu kriegen, steigen jedes Jahr. Wer will sich durch ein Studium quälen, das zu diesem Ziel führt.  Das Studium sollte für dich also einen intrinsischen Wert haben, unmittelbar glücklich machen. Du studierst nicht für deine Eltern oder deine Kinder, sondern für dich selbst. Nicht für morgen, für jetzt.

Die Frage ist also: Was bringt dir das, was du machst. Genau jetzt? Fühlt es sich gut an? Ist es wie Schule, nur mehr von dem immer gleichen Zeug, oder fühlt es sich an, als würde jemand deinen Kopf in Brand stecken? Kriegst du den Kopf verdreht, den Horizont erweitert, wie sich das gehört? Lernst du das Leben kennen? Entwickelst du dich? Du solltest nicht weniger von deinem Studium erwarten als dass es dich komplett verändert, mit Feuerzeugbenzin übergießt und anzündet, dich in Verzweiflung und Euphorie stürzt, die ganze Achterbahn. Wenn das nicht ist, wenn du dich durchbeißen musst, steig  an der nächsten Ecke aus, in einen anderen Bus. Als Designer verkaufst du später nicht, dass du in Photoshop pixeln kannst oder in Illustrator Pfade baust – du verkaufst deine Euphorie. Deine Energie, deinen Glauben, deine Leidenschaft. Du bist wie ein Musiker, wie ein Autor, wie ein Künstler – dein Erfolg liegt in dir selbst, in dem, was du zu geben hast. Niemand fängt an, Gitarre in einer Band zu spielen, weil er an die Rente denkt, oder?

Damit ändert sich, was du von deinen Dozenten, deiner Schule willst. Und vor allem ändert sich damit, was du von dir selbst verlangen solltest. Mach keine halben Sachen, mach keine «Hausaufgaben». Vergiss Scheine, vergiss Noten und mach dich auf die Suche nach den Sachen, die dich in Brand stecken. Vergiss die Trennung von Studium und dem «eigentlichen» Leben. Glaubst du, Jimi Hendrix oder Duchamp haben von 9–5 gearbeitet und dann vorm Fernseher gehangen? Sein und Machen ist eins. Das Studium ist nur Teil deines Weges und du solltest so viel daraus ziehen, wie du nur kannst. So, als würdest du in einem Freizeitpark mit voller Wucht jede Achterbahn antesten, jede Wildwasserbahn mitnehmen. Mach Dozenten zu Mentoren und werde vom Student zum Agenten, zum Abenteurer. Entdecke Design als Ausdrucksform, als Selbstverwirklichung… nicht als Job. In Wirklichkeit geht es in Design nicht darum, irgendwann mal Werbung für Zigaretten oder Burgerketten zu machen, sondern darum, dich selbst mitzuteilen, wenn du etwas zu sagen hast – und im Studium kannst du entdecken, OB du etwas zu sagen hast. Und wie du es am besten phrasierst. Design ist mehr als Werbung und mehr als Styling, mehr als Verpackung – Design ist Songwriting, Revolution, Science Fiction.

Das Studium wird damit zum Abenteuerspielplatz, auf dem du herausfindest, ob du zur Selbstentzündung in der Lage bist. Deine Dozenten sollen dich begeistern, aber noch mehr solltest du SIE anstecken, mitreißen, umwerfen. Wenn du nur Aufgaben gut machst, von denen du «begeistert» wirst, stehen dir triste Berufsjahre voraus. Der Trick ist in Wirklichkeit, so lange in die Tristesse der Wirklichkeit zu boxen, bis sie großartig wird. Nicht die Aufgabe, eine Lampe zu designen, muss den Designer begeistern, der Designer muss mit Begeisterung eine Lampe machen. Und die kommt von innen, die kommt aus dir selbst. You gotta kick the darkness till it bleeds daylight. Dich selbst zu begeistern und diese Faszination weiterzugeben wie eine Fackel, das ist dein Job – ein Leben lang. Menschen ergreifen, berühren begeistern, wütend, traurig, lustig machen.

Und es könnte nichts besseres geben, trust me.

veröffentlicht in der Botenstoff 02

TYPODARIUM 2009

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Für alle, die noch ein typographisches Weihnachtsgeschenk suchen, haben Lars Harmsen und Rabban Ruddigkeit dem eigentlichen Gipfel der Geschmacklosigkeit, den Abreisskalender, erklommen und etwas für Schriftenfreaks vom Berg mit ins Tal geschleppt: Das Typodarium 2009 bringt für jeden Tag eine neue Schriftinspiration, von normalen Satzschriften bis hin zu abgefahrenen Displayschriften, alles komplett mit Informationen und Bezugsquelle der Schrift. Auf 365 tagen kann man eine Menge Schrift unterbringen und vertreten sind 50 Schriftenmacher und -vertreiber:  2Rebels, Avoid Red Arrows, bp Foundry, Caketype, Canada Type,
Cape Arcona, Christian Schwartz, Coma AG, Cubanica, ds Type, Dutch Design, Dutchfonts, eps51, Fontbureau, Fontfarm, Fontfont,
Fountain, Hubert Jocham, Hula+Hula, Kenn Munk, Lazydogs, Lieberungewoehnlich, Lion&Bee, Magma Brand Design / VolcanoType,
Mark Simonson, Martina Hartmann, p22, Parachute, Peter Brugger, Pfadfinderei, Primetype, Smeltery, Sparkytype, Subtitude,
Subcommunication, Typecuts, Type Off, Type Together, Typetype, Typonauten, Typotheque, Underware, urw++, Verena Gerlach, Xplicit, Yanone.

Mit 16,80 Euro noch genau in der Preisliga für Weihnachten…

DESIGN IST KEINE LÖSUNG

Es ist beinahe ein Axiom unter Designern, unter Lehrenden und unter Studenten, dass Design darin bestünde, Lösungen für Probleme zu entwickeln. Ohne Briefing, so das Dogma, gibt es kein Design. Hakt man im Gespräch genauer nach, wird schnell unklar, was für Probleme hier eigentlich gemeint sind – und worin die «Lösung» besteht. Selbst im weitesten Sinne gefasst, hat Design (und schon gar nicht Kommunikationsdesign) Krieg, Hunger, Gewalt oder Umweltprobleme «gelöst», im Gegenteil. Es kommen mehr Beispiele in den Sinn, in denen gerade das Grafik Design sich nur zu leicht in den Dienst totalitärer Systeme einspannen ließ oder bis heute blendend als kriegerisches Propagandawerkzeug fungiert. Dazu kommt, dass qua Design Konsumartikel verkauft werden, die oft eher Teil des Problems als der Lösung sind. Mehr verkaufte Hamburger und Autos retten die Welt sicher nicht. Unser Handwerk, im Camouflage der Werbung, füttert den immer neuen Hunger nach Produkten, die als Glückssurrogat den horror vacui des modernen Daseins füllen sollen, und doch nie satt machen. Design ist hier das Styling-Feigenblatt eines Müll produzierenden Überschuss-Systems, das selbst Teil und zugleich Motor globaler ökonomischer und ökologischer Probleme ist. Je länger man hinschaut, um so weniger ist angewandtes Design ein Lösungsmechanismus, sondern eher Steigbügelhalter der Problememacher.

«Es gibt keine Lösung, weil es kein Problem gibt», lautet Marcel Duchamps berühmter Spruch, der Probleme als unsinnige geistige Erfindungen erkannte. Was wir als Probleme bezeichnen, sind polymorphe Lebensprozesse einer Spezies und ihrer Systeme, die man sicher begrenzt steuern und beeinflussen, aber kaum als «Probleme» dauerhaft beseitigen kann. Jede so genannte Lösung birgt zugleich in sich ein neues, anderes Problem – die Vorstellung, dass es eine Art »Endlösung» geben kann, die alle menschlichen Probleme löst, verrät wie kryptofaschistoid diese Denkrichtung faktisch ist. Der mechanistische Denkansatz, dass Design praktische Lösungen zu produzieren habe, ist Nonsens. Die wirklichen Fortschritte (die in sich jeweils, wie gesagt, neues Problempotential bergen) kommen stets aus der Technologie, von Ingenieuren, Biologen, Mediziner, Programmieren, aber nicht von Stylisten, so dass der Versuch, Design zum Fortschrittsmotor zu deklarieren, eher anmaßend wirkt. Designer haben den Stuhl, das Auto oder die Schrift nicht erfunden – sie modulieren nur die Ästhetik des Umgangs mit diesen Erfindungen. Wir sind keine Macher, wir sind Former.

Designer sollten also aufhören, sich zu mehr oder etwas anderem machen zu wollen als sie eigentlich sind. Wir sind keine Anthropologen, Psychologen, Nuklearforscher oder Kybernetiker. Wir forschen nicht, wir spielen. Würde sich ein Autor, ein Musiker, ein Regisseur als Problemlöser verstehen? Diese irrige Selbst-Definition schränkt die Designer in ihrem wahren Potential ein, sie führt uns zunehmend in die Stagnation, die Sackgasse. Design erfüllt sicherlich eine Aufgabe, egal ob bloße Umsatzsteigerung bei kommerziellen Design oder frei selbstgestellte Thematik im konzeptionellen Bereich – aber das ist etwas weit anderes und deutlich freieres als das Beseitigen von Problemen.

Design ist in erster Linie die Erzeugung von Interfaces, von Übersetzungen, von Kommunikationsversuchen. Typographie ist ein Interface für Schrift – Schrift ist ein Interface für Phoneme – Phoneme für Sprache – Sprache für Denken – Denken für Realität. Design schafft also ein engagierendes mediales Anlog von Realität. Das Screendesign eines Betriebsystems gibt der menschenfremd binären Sprache eines Computers ein analoge, für uns User nachvollziehbares Gesicht. Ein Corporate Design gibt einem amorphen Luhmannschen System einer Unternehmung, die aus Geldströmen und Geschäftsprozessen besteht, ein greifbares, den Mitarbeitern und Kunden verständliches Bild. Ob Ikone zum Programmstart oder Logo zum Konsumimpuls – Design gives shape to Black Boxes, wie Norbert Bolz sagt. Design steuert User beim Navigieren auf Oberflächen, es kann sie effizient dirigieren, aber auch elegant verwirren, es kann ebenso laut wie leise, brutal wie sanft sein, es kann träumen und Gefühle wecken. Design kann persönliche Selbstfindung sein, wie ein Gedicht, wie ein Song sein, aber auch eine klare soziale Botschaft haben. Design kann technophile Science Fiction sein oder kritische Revolution, es kann im Gewand des puren Stylings Produkte verkaufen oder anarchisch zur Systemveränderung aufputschen. Unsere Werkzeuge sind so einfach und zugleich vielfältig wie die Musiknote, wie das Wort. Wie für Autoren und Komponisten steht Designern also ein unendliches Feld von Möglichkeiten zur Verfügung, eigenen Ausdruck und gesellschaftliche Ideen, die verschiedensten Ideen, Eindrücke und Ziele in einem ästhetisch überzeugenden Gebilde zu kommunizieren. Designer können – wie Musiker, wie Autoren –, billigen Mainstream-Pop für schnelles Geld ebenso produzieren wie komplexe, undurchdringliche E-Musik für eine atomare Zielgruppe, können Groschenromane schreiben oder den nächsten «Zauberberg». Entsprechend geht es nicht um Lösungen, sondern um Leidenschaften, Mut, Abenteuerlust, ebenso wie um Virtuosität mit dem eigenen Instrument, um Spaß an dem Dialog mit dem Publikum, um die Balance von Unterhaltung und Irritation, um kritische Auseinandersetzung mit dem Jetzt und dem Empfänger, dem Publikum, dem «User».

Erst, wenn sich Typographie und Design aus dem reduktionistischen, engstirnigen Korsett von Ursache und Wirkung befreien und aus diesem Kokon herausschlüpfen, wird sich herausstellen, welches interdisziplinäre und gesellschaftliche Potential überhaupt in unserem Bereich liegt. Wie in anderen kreativen Kulturbereichen wird man Tools entwickeln müssen, um Arbeiten kritisch zu analysieren und zu entwickeln, eine Semantik der Beurteilung von Design erarbeiten, wie wir sie bei Film, Musik, Buch, Kunst oder Theater wie selbstverständlich seit langem verwenden, während wir Designarbeiten fast wortlos gegenüberstehen, und diese öffentlich schon gar nicht kritisch gewürdigt und diskutiert werden. Design kann und muss raus aus dem selbstgewählten Exil zwischen stumpfer Dienstleistung einerseits und pseudo-künstlerischem Diffusat andererseits. Denn es kann Stellung beziehen, kann Herzen berühren, kann Köpfe entfachen. 

Und dann, aber erst dann, könnte Design vielleicht auch tatsächlich Probleme lösen.

erschienen in der Reflektor 1

DINGFEST

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Nochmal designkrefeld der Hochschule Niederrhein, man könnte meinen, ich kenne da wen…

Nach Botenstoff und Mappenvorbereitungen stürzen sich die Krefelder Designer nahezu nahtlos unter dem Motto dingfest in die Diplomshow und zwar am Mittwoch den 19.11. ab 18.00 in der Shedhalle.

Nachdem ich den Botenstoff-Release und Reflektor jobbedingt verpasst habe, hoffe ich, es zumindest da mal hin zu schaffen, ich würd mich freuen. Krefeld besticht seit einiger Zeit mit hochmotivierten Studenten und Dozenten als gar-nicht-mehr-so-kleine, aber mehr als feine Einrichtungen, die viele Leute bei den Bewerbungen noch gar nicht auf dem Radar haben und sich erst mal stumpf in Düsseldorf und Co in die Schlange stellen. Ich bin also echt mehr als gespannt, was die Diplome für eine Qualität haben und ob sie den hohen Erwartungen, die die beiden Magazine geweckt haben, gerecht werden. Es ist ja eine sehr überschaubare Zahl von Diplomen – etwas vergleichbar mit dem Output in KD an der Ruhrakademie oder der Folkwang, so here’s hoping for some good stuff :-D

FORMAT

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Die Format ist das Magazin der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd. Im Sommersemester hauptsächlich von Studenten des zweiten Semesters erstellt. Wie der Name nahelegt, ist das Magazin sichtbar von Ulmer Einflüssen geprägt, sauber, aufgeräumt, formatiert eben. Kühl, gut lesbar, klar, für junge Studenten eigentlich fast verwirrend unexperimentell, ruhig und professionell – man will fast sagen altersweise. Ein simples, aber solide bespieltes Raster und nur wenige Patzer (stumpfe Einzüge, unsexy Trennungen, ungewollte Trennstriche im Text, typographische Detailfehler wie «20 Prozent», unruhiger Flattersatz, keine Caps und OSF (die die Akkurat aber auch nicht hergäbe… interessant übrigens, dass hier neben der Reflektor schon das zweite Magazin mit dieser Schrift kommt.)

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Die Format ist nahe dran an der ursprünglichen ersten Botenstoff, in Feeling (wenn auch reduzierter), aber auch in Inhalt. Interviews, kurze redaktionelle Essays wie die VVV-Software-Vorstellung, Arbeiten aus dem universitären Bereich, eine Standortbestimmung der Gmünder Gestaltungsphilosophie, die nicht ganz ohne saubere Selbstironie bleibt. Die Hochschule, die sich hier präsentiert, macht sich Gedanken über Design, verortet sich modern an den eigenen Mythos anknüpfend und sucht nach einer neuen Interpretation der Moderne eines Otl Aicher, und überzeugt mit guten Arbeiten.

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Schon die typographischen Plakate aus dem ersten Semester, wenn auch eher Ideen aus den 60s reproduzierend, sprechen eine klare Sprache, die sich in den Bachelor und Diplomarbeiten einen klaren eigenen Charakter dazu erarbeitet und die über die vielen verschiedenen Bereiche – Interface, Produkt, Grafik -  doch eine verbindende «Cleanliness» aufweisen, die die Arbeiten stets ehrlich und auf der Höhe der Zeit wirken lassen. Wilde Experimente sucht man hier vergeblich, die gezeigten Abschlussarbeiten wirken perfekt an der Realität orientiert und fast erschreckend ausgereift. Was keine Kritik ist – ich finde mehr als gut, wenn Hochschulen sich aus ihrer Geschichte heraus eine klare eigene Note geben und diese als Leuchtturm nutzen. Es macht Sinn, wenn ei eine oder andere Hochschule verballert-experimentelles Design sucht, die andere einen pragmatischen, klassischen Designweg geht und in den Vordergrund stellt, kluge, minimalistische und durchdachte Oberflächen zu gestalten.

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Die Format ist an vielen stellen spürbar mit geringem Budget gemacht, kleine Auflage, schlichtes (aber irrsinnig professionelles Design, ich kenne Studenten, die im Diplom nicht so gezielt und beherrscht in den Instrumentenkasten des Designs greifen wie das Team um Jonas, Heuer, Domic Specht, asaad El Salawi und Mareike Graf. Weitab von Selbstdarstellung, weitab von Laut ist dieses Heft ein funktionales, klares Ding, in seiner Schlichtheit so schön wie das Neutral-Diplombuch von Kai Bernau, mit der schwarzweißen Eleganz einer Braun-Hifianlage. Bis auf die Wahl der Rockwell und das ja eben bewusst (aber nicht sehr gelungen) aus dem Rahmen fallende Mittelkapitel :-D ist das Heft ein Musterbeispiel sparsamer Typographie, wunderbar effektiver Bildanordnung und eines klaren, aber dennoch sehr lebendigen Rasters, das zwar auch kleinere fehler aufweist – aber wenn das hier die Erstausgabe ist, habe ich beileibe schon schlechtere Sachen gesehen. Von der Absicht und dem Layout her ist die Format ein wunderbar entspanntes, extrem vorzeigbares Projekt und wenn es wirklich nur von den Studenten selbst initiiert ist, und ohne große professorale Betreuung, schaue ich mehr als gerne über die kleinen Kratzer im Lack hinweg, die die Sache ja letzten Endes vielleicht auch davor bewahren, allzu perfekt zu sein und noch Raum für Verbesserungen und Wachstum lassen. Wenn es eine gute Sache gibt, dann Studenten, die einfach losgehen und selbst etwas auf die Beine stellen – und in diesem Fall sogar nicht einmal für onanistische Designorgien, sondern um ein überraschend offenes, kommunikatives und gekonntest Magazin auf die Beine zu stellen, dass eine saubere Visitenkarte für Christa Salerno und ihre Hochschule ist. wenn in der zweiten Ausgabe die kleinen typographischen Unsauberheiten ausgemerzt sind und vielleicht mehr Budget für besseres Papier und aufwändigeren Druck da ist, um so besser, meist ist der Sprung einer Erstausgabe und der zweiten Nummer beeindruckend. Ich freu mich jedenfalls drauf…

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TEZUGA MANGA MUTATIONS

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PinkTentacle zeigt einige Motive aus der Tezuka Gene – Light in the Darkness Ausstellung in Shibuya, in der 35 japanische Designer und Illustratoren den 80. Geburtstag von Osamu Tezuka mit Re-Interpretationen seiner Figuren feiern.

SLANTED 06: SIGNS, SYMBOLS, ORNAMENTS

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Obwohl oder vielleicht gerade weil seit Alfred Loos’ «Ornament und Verbrechen»  das Überflüssig-Dekorative im modernen Design einen schweren Stand hat, ist in den letzten Jahren das Pendel massiv zurück geschwungen. In schönster postmoderner Nichtigkeit kann Design sich heute stilistisch-oberflächlich ebenso beim kargen International Style bedienen, aber auch in üppiger retrofloraler oder scifitechnoider Ornamentik schwelgen. Everything goes und selten bedeutet es noch etwas. Die Zeit, wo man sich zwischen Minimalismus und Memphis die Köpfe heiß reden konnte, ist im Säurebad des omnivoren softwarebasierten Designs irgendwie zersetzt worden. Das antidekorative Mantra von Loos – so richtig es in der Zeit war und so richtig es vielleicht auch heute noch sein mag – oder auch, viel plausibler argumentiert, einem Otl Aicher wird dem Drang nach mehr persönlichen Ausdruck im Design vielleicht nicht gerecht, vielleicht wirken  möglichst verschachtelt gebaute Bilder auch einfach eher beeindruckend als minimalistische Lösungen – wie dem auch sei, es schadet nicht, sich dem Thema Ornament, das im englischsprachigen Raum längst gut im Diskurs ist  (vgl Alice Twemlow, The Decriminalization of Ornament), auch in Deutschland mehr zu widmen.

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Und das tut die sechste Ausgabe des derzeit vielleicht emotionalsten typographischen Magazins in aller gebührenden Unruhe. Die sechste Slanted bleibt ihrem etwas irrlichternden, aber immer erfrischend vielseitigen Mix-and-Match-Konzept treu, das auf eine höchstmögliche Bandbreite an individuellen Beiträgen setzt. Dieses recht ungefilterte Verfahren gibt dem Magazin mitunter etwas von der Sturm-und-Drang-Naivität einer Schülerzeitung, sorgt aber eben für eine Nahbarkeit, ein Echtzeit-Feeling, das tatsächlich dem ursprünglichen Blog-Feeling von Slanted.de sehr nahe kommt – das Magazin scheint wie eine Website nicht für die Ewigkeit gemacht, sondern auf der Reise, unterwegs, schnell zu sein, Momentaufnahmen zu liefern – und das ist auch gut so. Denn durch dieses Flair bekommt die Slanted eine Einzigartigkeit, besetzt eine Nische, die die anderen Designmagazine derzeit nicht füllen. Sie ist ein bisschen trashiger, ein bisschen mehr Patchwork und eben darum hoch lesenswert, zumal die Sprunghaftigkeit des Magazins die das Hypertext-Feeling eines etwas treibenden Surfens im Netz gut zu Papier bringt. Die Interviews und gezeigten Arbeiten widmen sich der Creme der Gestalterszene ebenso wie Newcomern, ohne sich dabei immer sklavisch an das Heftthema zu halten, was den Inhalten durchweg gut tut. Musikrezensionen, Buch-, Magazin- und Font-Tipps aus der Slanted-Website und jede Menge liebevolle Details runden das Heft ab, das bei allem Über-Zäune-bicken doch immer wieder zum Kernthema Schrift und Schriftschaffen zurückkehrt.

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Das Ergebnis ist ein impulsives und in dieser stürmischen Art unweigerlich inspirierendes Heft, das sich wohltuend oft einen Scheiß um Hübsch oder Hässlich schert, sondern ganz auf Direktheit setzt. Es gibt immer etwas zu sehen, zu entdecken, anzulesen, irgendwas, was dich zum lachen bringt oder verwundert. Diese Vielfalt ist angesichts des relativ kleinen Teams um Julia Rausch umso verblüffender und schöner.

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Schöner ist ohnehin das richtige Stichwort – nachdem Lars Harmsen mit den ersten Slanted in Kooperation mt Océ einen Marketing-Hattrick hinlegte und die Slanted komplett digital druckte, wird sie jetzt doch in «echtem» Offset gedruckt, man merkt den Unterschied eigentlich auf den ersten Blick kaum, aber das etwas schönere Schwarz veredelt das größtenteils ja einfarbig produzierte Heft unbedingt und nun kommen auch die feinsten der haarfeinen Artwork-Linien, die Marian Bantjes’ Interview begleiten kompromisslos zur Geltung. Die Aufwertung passt zu dem Plan, die Slanted demnächst häufiger, regelmäßig quartalsweise und dann auch konsequenterweise gleich im (superpreiswerten) ABO zu produzieren. Es gibt eigentlich kein (deutsches) Magazin, dass sich so exklusiv dem Gestalten von und mit Schrift widmet und zugleich diesem nur scheinbar engem Themenbereich so viel schillernde, punkige Lebhaftigkeit abgewinnt, die wunderbar im Kontrast steht zu der grauen Bleisatz-Ernsthaftigkeit, die typographische Magazine oft anspringt. Wer Spaß an Schrift hat, kommt an der Slanted also eigentlich gar nicht vorbei.

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REFLEKTOR 1

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Reflektor 1 ist das Annual des Fachbereichs Design der FH Dortmund.  Unter der Betreuung von Xuyen Dam hat ein gleich neunköpfiges Team (mit dabei, reiner Zufall, die auch als Schatzsucher talentierten Tim und Fabian) eine unglaublich geschliffene, professionelle Publikation produziert, die vom ersten Moment an hochwertig wirkt: Hardcover,partieller Glanzlack auf dem Cover, beigelegte DVD, drei Papiersorten, geschmackvolle Typographie (wobei die an sich schöne Akkurat von Lineto derzeit vielleicht etwas overused ist). Wo die Botenstoff auf kreatives Chaos und intuitives Design setzt, hat die Reflektor ein sauberes Rasterdesign, ein tightes typographisches System und eine kühle Klarheit, die sofort an die Aufgeräumtheit vieler Annuals erinnert, in denen eben auch viel heterogenes Material wertig präsentiert werden muss und Orientierung und Logik im Vordergrund stehen. Dazwischen lässt sich das Reflektor-Team aber viel Raum für andere Haptiken, andere Emotionalitäten, wie etwa im Essayteil, wo Heike Sperlings Artikel über Ouvertüren ganz wunderbar zeigt, wie man sparsam und doch lebendig zugleich nur mit Schrift arbeiten kann, ohne Lesbarkeit zu opfern. Das raster wird hier kreativ genutzt, um den langen Text zu gliedern und zugleich den deutschen vom englischen Text abzugrenzen. Das es zudem noch auf chamoisfarbenem Papier gedruckt ist, also Buchsatz emuliert, macht den Spaß nur größer.

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Alles an der Reflektor 1 wirkt wasserdicht, beneidenswert professionell, eine absolut hochwertige Publikation, die in jeder hinsicht rund ist. Was die an sich schon feine SeiteEins noch an Makel hatte, ist komplett ausgemerzt – die Arbeit ist so slick, dass es im Grunde schon seltsam wirkt, hier noch Studentenarbeit drin zu erwarten. Selbst der Blocksatz ist okay – und auch wenn ich bei Schriften immer Minuskelziffern eher bevorzuge, ist es ebenfalls eigentlich korrekt, bei der Grotesk darauf zu verzichten (bei der Minion gibt es aber eigentlich absolut keine Ausrede, die kann und muß OSF haben :-D).

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Neben einem beeindruckenden Rückblick auf Veranstaltungen des abgelaufenen Jahres, bei dem schnell klar wird, welche Professoren und welche Studenten sich besonders für die FHDO engagieren, gibt es eine Flut von studentischen Arbeiten, die sehr akkurat ausgesucht sind, die Worst Cases, die man gerne mal bei Diplomshows auch in Dortmund sieht, umfahren und zeigen größtenteils sehenswerte Sachen, wobei im Kontext eines solchen Buches unweigerlich die photographischen Arbeiten am besten wirken weil Design-im-Buch irgendwie nicht so richtig wirken kann wie ein einfaches planes Bild, das geringere Komplexität in der Dechiffrierung verlangt. Die Designarbeiten decken ein weites Spektrum ab, bewegen sich aber doch recht stark im pragmatischen Bereich. Wenn man weiß, dass in Dortmund durchaus auch verballertes Design entsteht, fragt man sich etwas, warum man davon nicht etwas mehr sieht – die meisten Designarbeiten wirken sehr markttauglich und so professionell, dass ich mich die ganze Zeit gefragt habe, wo zur Hölle diese Arbeiten bei den Diplomshows waren. Die Photographie-Abteilung ist in Dortmund nicht ohne Grund von sehr gutem Ruf und die gezeigten Arbeiten unterstreichen diesen Anspruch – es gibt hier, wie immer bei Photo, ein stärkeres magich/magichnicht-Gefälle als bei Design, aber ich persönlich mag eine Menge der Studentenarbeiten hier. Durch die Bank, ob architektonisch, illustrativ oder Photo und Grafik Design – die FH Dortmund zeigt sich in Reflektor in jeder Hinsicht absolut auf der Höhe der Zeit.

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Wenn man die FH kennt, ist das fast ein Risiko. Die Diplome werden dem hier gezeigten Niveau mitunter wirklich nicht gerecht und das Gebäude an sich ist sicher auch ein Letdown, wenn man das hyperschicke Buch zuvor gesehen hat. Und das ist durchaus absolut als Kompliment gemeint. Die Mannschaft um Xuyen Dam holt aus den Möglichkeiten der FH Dortmund nahezu unmögliches heraus, filtert die Arbeiten, schafft Kontext und schafft – und das ist die Aufgabe von Design – mit einem einzigen Schlag ein positives, sauberes, attraktives Image. Reflektor ist anders als die Botenstoff nicht das kreative Experiment, sondern das professionelle Marketingtool. Das sind verschiedene Ansätze und es ist großartig, wenn FHs in NRW sich so verschieden positionieren und den Studenten so mehr Auswahl geben. Als Marketingwerkzeug ist die Reflektor everything you can wish for, jeder Dekan darf dieses Ding stolzgeschwellter Brust auf den Tisch legen, das Annual ist die perfekte Visitenkarte und zeigt sauber den Weg der FH Dortmund nach vorn auf. Als Buch an sich ist Reflektor 1 eine saubere, saubere, saubere Leistung, auf die das gesamte Team kollektiv absolut stolz sein kann. Intern wird man sicher viel gestritten haben und wissen, wo noch Fehlerchen und Kompromisse stecken, von außen betrachtet ist Reflektor eine der saubersten Jahrbuch-Publikationen, die ich in der letzten Zeit gesehen habe, und ich bin sicher es wird AN SICH den ein oder anderen Design-Preis gewinnen können. Die Reflektor ist eine Kampfansage, eine Richtungsbestimmung, eine Steilvorlage. Wenn die FH Dortmund sich diesen Standard zu Herzen nimmt, in der Förderung der Studenten, in der Qualität von Arbeiten und Veranstaltungen, dann können sich andere Unis in NRW warm anziehen. Die Reflektor tut das, was gutes Design kann: Sie entwirft eine Maske, die vielleicht einen Tick besser ist as die Wirklichkeit, in der Hoffnung, die Wirklichkeit wächst in diese Maske hinein,passt sich dem Idealbild näher an. Das ist das höchste Ziel von Design und Werbung – das beworbene Objekt AN SICH zu verändernd, Wandel zu bewirken und diesem Wandel eine Landkarte, eine Passform zu verleihen. Das ist genau der Grund, aus dem ich Design so liebe – make things better – und die Reflektor erfüllt all das perfekt. Um die Wahrheit zu sagen bin ich etwas traurig, dass ich genau diese Art Publikation an der Ruhrakademie nie habe durchsetzen können – so muss Werbung für eine Design-FH aussehen :-D.

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Last not least gibt es einen Text von Kurt Weidemann bei den Essays, der absolut liebens- und lesenswert ist. Weidemann ist, kein Geheimnis, mir auf der Typo in diesem Jahr etwas mit seinen Ausfällen unangenehm aufgefallen, aber dieser Text macht alles wieder gut, jeder Designer sollte dieses beneidenswert kurze Stück Text gelesen haben. Allein diese knappe A4-Seite Text ist das ganze Buch wert – und glaubt mir, die 178 Seiten drum herum sind kein Stück schlechter. Das Buch kostet knapp 30 Euro und ihr könnt es hier bestellen.

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Die offizielle Release-Party beginnt am 12.11. um 18:00 im Gebäude der FH-Dortmund am Max-Ophüls-Platz 2, 44139 Dortmund.

BOTENSTOFF II MITTELMÄSSIGKEIT

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Das vom FB Design der Hochschule Niederrhein in Krefeld stammende Botenstoff-Magazin hat sich von der ersten, aus Nora Gummert-Hausers versierter Hand kommender Ausgabe, zur zweiten, von Erik Schmid betreuten Ausgabe, spürbar gewandelt und es ist eine Freude zu sehen, wie dieses Format den Vorlieben und Neigungen der betreuenden Professoren zu folgen vermag. War Noras Heft eine klare, moderne, inhaltlich auf an der Hochschule entstehende Arbeiten und Ideen zugeschnittene, klare Editorial-Lösung, so präsentiert sich Eriks zweite Ausgabe als smartes Anti-Design, als dramaturgisches Design, dass in nahezu jeder Hinsicht, mit Ausnahme des Namens, völlig anders ist. Ich mag sowas – sich jedes Jahr neu erfinden ist gut für ein Magazin, das so kleinen Umlauf hat und insofern nicht am Tankstellen-Magazinrack wiedererkannt werden muss  – und es gibt den Studenten und Dozenten mehr Freiraum, sich zu erfinden, wenn auch vielleicht auf Kosten einer klaren Linie. Es hat etwas herrlich postmodernes, wenn ein bestehendes Konzept immer und immer wieder, kaum etabliert, schon wieder abgebaut wird, es hat was von unserer Zeit – tribalistischer Zeltenbau statt Beton. Was die Botenstoff II schon aus der Box heraus etwas gegen das deutsche Schuhkarton-Grau angehen lässt, das auf dem Pappcover zelebriert wird.

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Die Botenstoff II ist Gegendesign, so Anti-Style, dass es natürlich längst auch schon wieder ein Style geworden ist und so hört man gestalterisch hier und da Echos von Meiré, Lombardo und auch Hickmann durch, nicht die schlechtesten Vorlagen. Giuseppe Vitucci, der  durchaus elegante und visuell beeindruckende Lösungen entwickeln kann, hat sich hier gezielt auf ein (durchaus noch lautstarkes) Minimum zurückgefahren, in diese so schwere Balance von Design, das nicht mehr nach Design aussehen mag, sondern roh und gestaltet wirken will, vernacular. Dazu gehört die Wahl auf Tims un Helvetica als Typographie, hinreißende Sperrmüllphotos, leicht trübe Farben, die nach altem Küchenanstrich aussehen. Manchmal schießt er dabei übers Ziel hinaus und will dann doch zuviel, aber in der Balance zwischen wieviel-ist-zuviel und wieviel-ist-zuwenig, die bei so Spex-angehauchten Designs die prekäre Frage ist, kann man sich unendlich leicht auch mal verhauen und zum einen ist für einen Studenten die Trefferquote schlichtweg beeindruckend, zum anderen sollte man sich bei so einem Magazin im Zweifelsfall auch mal in Richtung Exzess verlaufen dürfen, hauptsache, man hat auch beim Bauen der Seiten selbst Spaß – und der ist greifbar.

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Das Ergebnis erinnert mich angenehm an ein Theatersaisonheft, so wie ich es mir gern vorstellen würde, allein schon dadurch, dass es keinerlei Stückankündigung enthält. Auch die Hochschule an sich findet seltsam wenig statt, fast ein Gegenmodell zum FH-zentrischen ersten Ausgabe, sondern die zweite Botenstoff folgt – als wäre es die BrandEins auf harten Drogen – dem thematischen roten Faden, geht auf Bildseiten wie auf Texten wunderbar mäandernd auf eine Reise durch das Thema Mitte.  Und so entstehen schöne Seiten wie die Kompromiss-Doppelseite, wo das Wort (leider gekippt) mit einem wunderbaren Zufallsfund-Photo gekoppelt ist, auf dem ein Mann mit eingezogenem Kopf am Strand entlanggeht.

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Die Botenstoff ist geprägt davon, dass Erik weniger ein Pixelbieger und mehr ein Denker ist – sie ist lesenswert und textlastig, eher Der Freund als Bravo,  sie will weniger zeigen, mehr erklären, sie will Diskurs, keine Bilderflut. Ein wenig geht dabei unter, dass man durchaus auch mehr auf der Bildebene hätte Diskurs leisten können – anstelle der gefundenen Bilder eben Photoessays oder Arbeiten rund um die Themenspektren Mitte, Mittelmaß, Grau, Durchschnitt, Vielleicht. Da ist vielleicht, nur vielleicht, ein Hauch zu viel in die eine Richtung gegangen,die Chance vertan, zu zeigen, dass auch grafisches Design argumentativ, aggressiv, meinungstark sein kann, wie viele Designer, nennen wir nur Jonathan Barnbrook, seit Jahrzehnten vorleben. Die wunderbar abstruse Paternoster-Strecke von Anja Itter zeigt, wie das hätte aussehen können – wenn so eine Mischung sicher auch ein doppelt so dickes Heft gefordert hätte, denn die Texte und die Trennseiten von Guiseppe sind nichts, worauf man verzichten könnte. Trotzdem stehen Design und Text etwas nebeneinander, das Design reagiert auf die Texte so gut es kann und es kann gut, aber eine noch stärkere, Bruce Mau’sch Fusion, wäre toll gewesen, was aber schon unglaublich ünne Luft der Kritik ist bei einem Heft, das sich immer wieder geschickt jeder Kritik entzieht und trotzdem niemals kantenlos bleibt. Die mitunter miese Typographie ist sicher so gewollt, der beängstigende Blocksatz, das fehlen jeglicher Finesse passt ins Thema und bietet einen seltsamen Gegensatz zur ersten Botenstoff, die typographisch feinstgeschliffen daherkam. Seltsam, einerseits souverän, andererseits schade, ist der Verzicht auf alle Werbung – ich fand nicht so schlecht, dass man es geschafft hatte, große Partner für die Finanzierung zu kriegen – auf der anderen Seite würden sie in diesem, weniger «magazinig» angelegten Magazin vielleicht auch stören.

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Die Botenstoff II ist ein Essay, ein Themenheft, ein wunderschön hässliches Entlein, eine Inszenierung, die viel zu kurz aber wunderschön am Punkt vorbeiwandernd auf den Punkt kommt. es ist kein perfektes Heft, es hat eine Menge Pickel im Gesicht und die Schneidezähne haben ne unschöne Lücke, aber das macht es so charmant – und so perfekt als Heft einer Designer-Hochschule. In den besten Momenten gelingt dem Team von Botenstoff eine lakonische Hände-in-die-Hosentaschen-Rotzigkeit, die nach durchgemachten Nächten und zu viel Kaffee schmeckt. Es ist nicht Sorte Heft, mit dem eine FH angibt und nicht die Sorte Heft, die man als Anguck-Buch ins Regal schickt. Aber die Sorte Heft, die nach einer Woche zerlesen und mit Eselsohren neben dem Bett liegen kann – und das ist das höchste Lob für ein Design-Mag. Nicht gucken, lesen.

Am 12.11. ab 19.00 ist in Krefeld die Releaseparty. Mehr Infos hier. 

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DIMENSIONS OF HEIMAT

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Da ich letztes Jahr  ja selbst Gast bei Dimensions of Fake war, kann ich nur sagen, dass es sich für jeden, der in der Nähe des schönen Bauhaus Dessau ist und Zeit hat, dort vorbeizuschauen, wirklich lohnt, diese Veranstaltung mitzunehmen. Von den Studenten des FB Design der Hochschule Anhalt selbst gestaltet und organisiert, dreht sich in diesem Jahr alles um das Thema Heimat -  seltsamerweise ein Thema, das gerade in Zeiten von globalisierter Wirtschaft und Auswanderer-Fernsehshows immer öfter auftaucht und insofern wichtig scheint, vielleicht weil man gerade versuchen muss, jenseits des neoliberalen Globalisierungsdrucks und der permanenten medial vermittelten Anwesenheit an jedem beliebigen Ort der Welt das Gefühl von «Zuhause» hinterfragen und (re-)definieren muss.

Der Mix der Vortragenden klingt sehr spannend, finde ich, zumal mit einer Psychologin und einer Anthropologin auch mal Leute vertreten sind, die nicht mit der Designerbrille auf das Thema blicken, sondern einen anderen Horizont haben.

Prof. Katrin Androschin / Designerin
Ulrike Brückner / Designerin und Helga Kurzchalia / Psychologin
Gunter Klötzer / Fotograf
Barbara Knorpp / Anthropologin
Udo Schäfer / Designer
Prof. Axel Müller-Schöll / Innenarchitekt (und Hg. des hervorragenden Manuskrpt-Buches)

Moderation: Sandra Scheer | FB Design Dessau

CLOSE///OPEN

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Es ist sicher etwas geeky, Plakate zu machen, die nur Apple-User verstehen und ausgerechnet mit den Command-Tastaturkommandos der Mac-Tastatur zu arbeiten, aber Christopher David Ryans 5×7 Zoll große Prints machen diesen Touch von Nerdism durch ihren schlichten und klaren Look wieder weg.

(via The Apple Blog)

WORKSHOP HD AUF ZOLLVEREIN AM 23.OKTOBER

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Wie entsteht eigentlich Design? In welchen Kommunikatonsprozessen zwischen Designer und Kunde, im Team, im Wettbewerb, manifestiert sich Design-Denken? Ist Design nur Gestaltung oder eine bestimmte Struktur von Kommunikation, ein Ermitteln von Bedürfnissen? Wie entsteht Lösungskompetenz im Design?

Locker basierend auf Petr van Bloklands großartigem Designprozess-Workshop auf der Typo2006 in Berlin mache ich ein Workshop/Spiel am 23.Oktober 2009 in Halle 6 auf dem Gelände Zollverein Schacht XII, das diesen Fragen leichtfüssig nachgeht. Virtuelle Agenturen im virtuellen Streit um virtuelle Etats mit virtuellen Kunden ergeben echte Lerneffekte auf beiden Seiten, weil das Spiel so unfair wie die Wirklichkeit ist. Ich habe den Workshop bereits mehrfach gegeben – zuletzt in Dessau – und es macht jedesmal eine Menge Spaß.

Es geht um 10.00 los, der Eintritt ist frei, wer zuerst kommt, mahlt zuerst, wer sich bis 23. anmeldet, bekommt einen Platz reserviert. Reservier dir deinen Platz mit einer an schellnack@nodesign.com.

Der Workshop richtet sich an alle Kreativen – Designer, Architekten, Art Directors, Marketingmacher und natürlich Studenten. Designvorkenntnisse sind absolut nicht nötig. Also, keine Angst – einfach kommen. Ich habe etwas Angst, dass Essens Kreative Klasse mit 140 Veranstaltungen ein derartiger Mega-Event wird, dass niemand kommt.

Es lohnt sich so oder so, am 23. auf Zollverein zu sein, weil direkt im Anschluss beim Klartext-Verlag erklärt wird, wie ein Buch entsteht :-D.

Zum Workshop suche ich noch drei Designer, die Zeit und Lust haben, die Kunden beim Workshop zu geben. Es ist die perfekte Chance, mal die Seiten zu wechseln und zu sehen, wie sich ein Pitch von der anderen Seite anfühlt. Ich war selbst Kunde 2006 und es macht eine Menge Laune und hat tatsächlich einen Effekt – man versteht danach, wenn man konzentriert und ehrlich mitspielt – die eigenen Kunden irgendwie besser. Eine ArtDirektorin aus Düsseldorf fragte irgendwann in der ersten Runde: «Mein Gott, sind wir Designer wirklich so doof?» und allein schon diese Erkenntnis ist doch Gold wert :-D.

Hier gibt es dem Flyer von Jan und Bianca zum Download, den auch auch prima gedruckt hoffentlich bald in Verteilung gibt.
Hier geht’s zu Essens Kreative Klasse, eine atemberaubende Leistung des Organisationsteams und ein Riesenevent, der Essen zehn Tage busy halten dürfte.

Ich freu mich auf euch, seid dabei!

APPLAUS

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Vom 10. bis 12. Oktober präsentieren Studentinnen und Studenten der Studiengänge Produkt-, Interface- und Kommunikationsdesign der Fachhochschule Potsdam der Universität und Fachhochschule Potsdam ihre ausgezeichneten Abschlussarbeiten unter dem charmant bescheidenen Titel Reife Leistung erntet Applaus im Schaufenster der FH  in der Friedrich-Ebert-Straße. 4 in Potsdam. Aber Applaus ist auch ein Event: eröffnet mit der Feier zum fünfjährigen Bestehen des Studiengangs Interface Design, komplett mit Konferenz, Workshop «Pics&Tags», unter anderem mir Harun Farocki.

DESIGN DISCUSSION 16

Prof. Erik Schmid vom Krefelder FB Design diskutiert mit Professor Richard Jung und der WDR-Pfarrerin  Kerstin Hanke über Branding, CI und Religion, Markenbewusstsein, Konsumverhalten, Glaubensfragen, Werte und Images.

Donnerstag, 16.10.08, 20 Uhr
Krefeld, Fabrik Heeder, Studiobühne II
Virchowstraße 130

FREISTIL BLACK

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Rabban Ruddigkeit bringt die vierte Ausgabe seines Freistil-Illustrations-Magazins an den Start. Zur Black Issue schreibt er:

Die Illustration feiert ein Comeback. Seit einigen Jahren entstehen immer neue Medien, Agenturen und Foren für Illustration. Und – immer mehr junge Menschen studieren das Zeichnen. Das führt zu immer mehr Bildern, immer mehr Reizen und irgendwann dann auch zu einer Beliebigkeit, die die Illustration schon fast wieder bedroht.

Deshalb haben wir uns entschlossen, mit dem nächsten Freistil etwas zu wagen. Wir rufen Illustratoren auf, uns aus schließlich Arbeiten in schwarz und weiss zu senden. Dies können Freie und Auftragsarbeiten sein, Illus im Raum und in der Bewegung, Mischformen, Collagen und natürlich Bleistift-Zeichnungen…

Diese neue und einmalige Darstellung macht die Arbeiten vergleichbar. Und hebt die Unterschiede noch besser hervor. Und weil das Buch dennoch in 6 Farben (CMYK + Extraschwarz + Lack) gedruckt wird, haben die Teilnehmer die Möglichkeit, alles aus schwarz und weiss – und dem, was dazwischen liegt – herauszuholen.

Freistil wird so zu einem Buch, das es weder als Website noch bei den üblichen Kataloganbietern geben kann. Und das den Blick auf Illustration heute einmal mehr schärfen wird.

Die call for entries sind online. Bewerbungsschluß ist der 31. Oktober 2008. Das Buch erscheint im Frühjahr 2009 im Verlag Hermann Schmidt Mainz (www.typografie.de). Für Rückfragen stehen wir jederzeit gern zur Verfügung.

MILK AGAIN

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Sebastian Pitz schickt mir aus Basel ein schickes Photo von Milch bei marqt in Amsterdam. Ich finde es zwar ein bisschen beängstigend, ein so derart klares Regal (dass laut Sebastian im Original 5 m lang war)  zu sehen, wiel man es einfach anders – laut, bunt, buymebuymebuyme – gewohnt ist, aber im Grunde ist das schon ordentlich so. Und marqt an sich klingt nach einem sympathischen Konzept, zumindest von der Idee her.

WEIHENSTEPHAN ALPENMILCH REMIXED

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Neu und alt nebeneinander…

Kaum hat Pril sich offenbar von dem Trend der letzten Jahre zu Wurstfinger-Typographie verabschiedet, springt ausgerechnet Weihenstephan auf den eigenlich doch längst abgefahrenen Zug auf und verpasst sich ein neues Design.

Wobei man sich fragen darf, ob ein neues Design gelungen ist, dass man eigentlich selbst erst bemerkt, weil man zufällig zwei Milchflaschen nebeneinander auf dem Tisch stehen hat und ansonsten – abgesehen von einem Remix des Logos – im Großen und Ganzen nur die Schrift ausgetauscht wurde, die Laudatio gegen etwas, was aussieht wie die Barmeno von Berthold oder Sari von FSI. Leider macht das Ganze weder einen nennenswerten Unterschied noch ist es eine Verbesserung, im Gegenteil. Die Typographie der alten Milchtüte war zwar altbacken, aber im Grunde passte sie deutlich besser zu der Vorstellung von Alpen und Tradition als die pseudo-funky Spülmittel-Typo, die jetzt auf der Milch prangt. Ich kann diesen Trend zur Schrift ohne Ecken und Kanten, die Daxifizierung der Typographie, ohnehin kaum verstehen, aber hier scheint es mir ein besonders übler Fehlgriff. Dass das r bei «Frische» jetzt völlig seltsam IN das i hineinragt, macht die Sache nicht schöner. Bei der alten Typographie  mochte ich immer sehr, wie die p-Unterlänge von Alpen und das i von Milch zusammenkommen. Das beide Tüten Alpenmilch ohne Trennstrich schreiben, ist grammatikalisch natürlich ein Alptraum (Deppen-Trennstrich), aber visuell hätte ich es zugegeben nicht anders gemacht, Trennstriche sind einfach nicht schön.

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Das alte Wappen

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Das neue Wappen

Das Logo ist auch überarbeitet worden, vielleicht, damit es besser in kleinen Verwendungsgraden funktioniert und klarer lesbar wird, was rein technisch löblich ist. Ästhetisch allerdings ein Griff in die falsche Schublade. Aus dem glaubhaft komplexen Wappenform ist eine Art Kindergarten-Version geworden. So sieht es aus wenn der kleine Klausi das Wappen aus dem Kopf nachmalt. Aus dem wunderbaren heraldischen Wappenlöwen ist eie Art Wuschelbärchen geworden, der mehr aussieht wie ein Löwe auf einer Spielzeugverpackung, aber sicher nicht auf einem Wappen. Ohne Not wurde aus dem an sich doppelschwänzigen Löwen ein einfacher Schweif verpasst, der sich zudem offenbar in der Mähne verheddert hat. Auch das vorher angenehm komplexe Schild ist deutlich kastriert worden, weg mit der Krone, her mit einer Art Fußbal-Verein-Look. So stellt sich der kleine Klausi also ein Wappen vor. Als wolle man diese Fehlleistungen wieder wettmachen, hat man einen schrecklichen Swoop unter der Logo geknallt, eine Art Photoshop-Kreidestrich, der wohl Frische und Milch sagen soll, aber nur aussieht wie diese seltsamen geschwungenen weichen  Formen, mit denen derzeit jede dritte Food-Marke herumexperimentiert und die alle idiotisch aussehen. Das abstruserweise im Wappen aber nicht die runde Fingerfood-Typo verwendet wurde, sondern bei der alten Schrift weitestgehend geblieben wurde, unterstreicht, wie falsch die neue typographische Wahl auf der Milchtüte eigentlich ist. Was nicht zum Wappen passt (Alt/Neu-Kontrast), passt auch nicht zur Milch, so einfach kann das sein.

Kurzum:Don’t fix what isn’t broken. Und: Wenn ein Re-Design, dann bitte eins, dass auch wirkt. Und vor allem bitte keine Verschlimmbesserungen. Hier wird ein klassischer, zeitloser Look, der in der bunten Vielfalt der anderen Anbieter positiv durch eine knorrige Unmodernheit auffiel, aufgegeben zugunsten von Zeitgeisthascherei, nur, dass der Zeitgeist, der hier bemüht wird, leider schon wieder ganz woanders ist. Es hätte mehr Sinn gemacht, die Milchverpackung insgesamt zu entrümpeln – aber statt dessen ist sie jetzt noch um den Hinweis auf Bayern München als Sponsoring-Partner (who cares?) und um einen dicken roten Hinweis auf den praktischen Frischeverschluss (den es auch vorher schon gab und den jede dritte Mlch inzwischen hat, warum also noch drauf hinweisen) ergänzt worden. Dafür geht 1 Liter jetzt blau auf blau im Fond der Packung unter und die Schrift ist – obwohl mit schönerem Zeilenabstand gesetzt – schlechter lesbar geworden, vor allen in der Nährwert-Tabelle… in die man übrigens ruhig mal wirklich etwas Liebe hätte stecken können, die müssen doch nicht immer aussehen wie aus Word kommend, oder?

Weihenstephan ist eine tolle Milch – sofern man bei diesem hochsubstituierbaren Produkt von «toll» sprechen kann – und profitiert voneinem zurückhaltenden, klaren Auftritt, der gerade durch seine Ruhe förmlich aus dem Regal ins Auge springt. Schade, dass die Molkerei diesen Weg zu verlassen scheint. Aber die Milch ist gottseidank natürlich immer noch lecker :-D.

JESUS AND NIETZSCHE MEETING ON A TREADMILL

Consider Jesus. Mediating between God and Man stands Jesus, speaking parables that must be interpreted, telling stories that signfiy deeper meanings the way chop in the water implies rock, wind, and current. Graphic designers shoulder a dilemma of identification: how to balance the role of emissary with the role of savior, the fact of servitude with the dream of redemption. We designers can always excuse ourselves by appealing to the temporary nature of our assignments, the urgency of paying today’s bills, the necessity of commercial relationships and the possibility of mutual benefit. But what parables can you come up with and will they have more meat on ther bones than the morsel of one interpretation?

What is needed, to paraphrase Nietzsche, is style. Moral style. Outfit your bad self by developing your desires, values and goals. The lifelong process of challenging convictions to forge new ones revitalizes your imagination, And to hell with a balanced life and a moral compass pointing north to Convention. Word so hard you make yourself sick. Nietzsche did. And Jesus never ate soy burgers, ran on a treadmill, or stayed out of the sun. A balanced life may suffice as a subject for a lifestyle magazine, but if the magazine is laid out well, you can bet the designer is an imbalanced hellcat.

American Mutt, David Barringer, Looking Closer 5.

CLEMENS THEOBERT SCHEDLER

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Clemens T. Schedler hat von Jürgen Siebert das Etch-a-Sketch-Paket bekommen und revanchiert sich bei mir mit einem sehr netten Buchpaket mit eigenen Arbeiten, was mich sehr gefreut hat. Ich kenne Clemens eigentlich eher  als wunderbar hintersinnigen Typo-Moderator und hervorragenden Gesprächspartner, gar nicht als Designer – und war fast überrascht, dann aber doch bestätigt, dass seine Arbeit eine zutiefst entschleunigte,nachdenkliche,typographisch unglaublich präzise Handschrift hat, die sehens- und beachtenswert ist. Man merkt den Arbeiten an, das Clemens ruhig und präzise arbeitet und möglichst hohes Maß an Kontrolle über seine Projekte sucht. Das Buch Strategien des Handwerks ist eine solche liebevoll gemachte Sache, wunderbar layoutet, wunderbar verarbeitet (sehr schöne grau/schwarze Duotone-S/W-Bilder auf MunkenExtra 1,5er Volumen, und plötzlich überraschend mittendrin ein Farbphoto, großartig, auch wenn ich manche Photos nicht ganz so gelungen finde… dafür andere umso mehr, im ganzen beachtliche Dokumentation, die nicht in die allzu lockende Falle der Brand-Eins-Ästhetik tappt. Beachtenswert ist die wunderbare Wiedergabe der Bilder auf dem Munken Print Extra… ich kann Arien singen von Druckereien, die an diesem an sich einfachen Papier immer wieder scheitern, die Druckerei Theiss liefert hier ein makelloses Ergebnis, traumhaft, das Buch ist wunderbar gedruckt und verarbeitet), jedes Detail scheint zu sitzen, ein monolithisches Werk gestalterischer Ruhe und Präzision. Auch das Büchlein «Begleitung» von Florian Fischer ist nicht nur inhaltlich schön – wie das von Hans-Joachim Gögl betraute Strategien-Buch übrigens auch- , absolut lesenswert – sondern mit ähnlich klassischer Liebe zur Buchgestaltung gemacht, erinnert mich etwas an die alten Agfa-Büchlein. Vorsatzpapier, dezenter Umgang mit Farbe und Grautönen, Papierwahl – alles ist zurückhaltend, dezent, ästhetisch, makellos.. und trotzdem nicht langweilig, sondern mit wunderbaren Details. Kurz: Der Clemens kann’s.

Schaut selbst und besorgt euch das Buch.Die Broschüre gibt es vielleicht bei Florian Fischer selbst…

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FORTLAUFENDFOLGENDE

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Schon vor einiger Zeit bei slanted und im fontblog vorgestellt wurde die fortlaufenfolgende Zeitung der Wuppertaler Julia Meer und Sebastian Glück. Zwei Ausgaben gibt es bisher – Pathos und Geschmack, wunderbar auf buntem Zeitungspapier gedruckt und mit viel Liebe zwischen geschmacklos knietschiger und geschmackvoll klassischer Typographie gestaltet – und vor allem, bei aller leichten Konzentration auf den bergischen Lebensraum der beiden Designer, wirklich lesenswert. Die ff ist gratis und eine echte Liebesgabe. Neben Clownfisch das beste, was es umsonst aus Wuppertal gibt – eigentlich verblüffend und sehr schön, das zwei so gute Sachen mit einer free-for-all-Mentalität aus der gleichen Stadt kommen. Ich bin spät dran mit dem Tipp, aber er kommt vom Herzen: Bestellt euch hier eure Ausgaben.

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MAREN THOMSEN BUCH

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Unter dem etwas unhandlichen Titel Grundrisse zu Verarbeitung und Veredelung von Papier und Pappe hat die von mir ja hochverehrte Maren Thomsen GmbH ein rundum sympathisches Buch zur Firmengeschichte, zum Produktportfolio und tatsächlich zu den kreativen Möglichkeiten im Package Design herausgebracht. Das Ganze, wunderhübsch zurückhaltend gestaltet, wie stets bei MT, kommt in firmentypisch grobe Pappe gehüllt daher, und entpuppt sich natürlich vor allem als beeindruckendes Promotion- und Showcase-Buch, aber das in einer so schönen Form, dass man wirklich hingerissen ist. Einziger Wermutstropfen sind die mitunter etwas schlecht ausgeleuchtet und rauschig wirkenden Photos, die aber auch wirklich nur auffallen, weil der Katalog als Ganzes so bibliophil gestaltet ist, dass er weniger wie eine Verkaufspromo wirkt als vielmehr wie die Sorte Buch, dass man auf jeden Fall ins Regal stellt – und so soll es ja auch sein.

Der Katalog ist unter 03088720770 direkt bei Maren Thomsen bestellbar.

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ROBOTER KALLIGRAPHY

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Wenn das Projekt auch bereits ein Jahr alt ist, ist es doch mehr als nur einen Twitter-Eintrag wert: die freie Künstlergruppe robotlab, gegründet von Matthias Gommel, Martina Haitz und Jan Zappe, präsentiert auf ihrer Site eine Installation namens bios [bible], bei der ein Industrieroboter binnen nur sieben Monaten die gesamten 66 Schriftrollen Bibel kalligraphisch reproduziert. Ein interessantes Konzept, eine subversive Idee und ein überraschendes Ergebnis: Der Roboter ersetzt die handschriftliche Arbeit eines Mönchs in der Manufaktur des Bibel-Skriptoriums perfekt und geht so einen seltsamen Cyber-Parallelwelt-Weg zu Gutenbergs Erfindung der beweglichen Lettern, mit denen Gutenberg ja genau diese Substitution menschlicher Schreibkraft ja auch durchführen wollte.
Die anderen robotlab-Projekte des Trios sind ebenso sehenswert.

KULTURSYMPOSIUM NRW TAG: BILDER

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Beim Clownfisch-Kultursymposium am NRW-Tag in Wuppertal ging es trotz etwas chaotischer Umstände ganz wunderbar kreativ und spaßig zur Sache. Bewusst offen gehalten – dem interdisziplinären Anlass entsprechend, aber auch, weil ich glaube, dass man allein über die Definition von «Kunst» trefflich jahrelang streiten kann, geschweige denn über die Schnittstellen verschiedener Bereiche dazu – warfen sich die Designprofis Markus Hanzer, Chris Rehberger und Martin Woodtli die Bälle zu, die von den Kulturprofis Olaf Bargheer und Reinhard Wiesemann sowie dem Architekten Björn Syffus souverän angeschnitten zurückgeflankt wurden. Ich selbst war noch im Urlaubsmodus und etwas vergrippt, aber die auch bewusst als Modus gewählte leicht verpeilte Art (T-Shirt statt Anzug, Bier statt Wasser) passte eigentlich auch sehr schön zum Kunstcluster in den Elba-Hallen und das Ambiente drum herum, wo Improvisation und Humor-trotz-allem an der Tagesordnung standen. Christian Hampe und Beate Blaschczok haben hier aus eigener Initiative und ohne große Fördermittel eine auf 200o Quadratmeter weitgehend überzeugende Ausstellung/Performance organisiert … und das allein zeigt, wie sehr Kunst, Design, Bau, Kultur und all die anderen Kreativberufe von den einzelnen Menschen leben, die etwas bewegen wollen.

Vor etwa 150 Zuschauern haben wir gut zwei Stunden lang durch die verschiedensten Themen gewildert – und genau diese Sprunghaftigkeit kam bei vielen Zuschauern, die nachher zu mir kamen, ganz gut an. Und nur so kann man auch den gebündelten meinungsstarken Talente gerecht werden, zumal alle Themen/Fragen, die ich mir im Vorfeld notiert hatte, auch ganz natürlich und wie selbstverständlich behandelt wurden. Dass es in der Kürze der Zeit nicht tief ins Fleisch der Themen geht – und wir paradoxerweise am wenigsten über Kunst gesprochen haben, vielleicht weil die beiden geladenen Künstler nicht erschienen – tat der kontroversen, vielstimmigen, im Kern aber doch sehr harmonischen Diskussion keinen Abbruch. Allein, dass klar wurde, wie heterogen der subjektive Kunstbegriff unweigerlich ist/sein muss, macht die Sache wertvoll – ganz zu schweigen davon, dass den weitestgehend jungen Zuschauern auch recht vielstimmig ein Bild in die Wirklichkeit von »Kreativwirtschaftlern» und den Widersprüchen, die dieses Leben mit sich bringt, gegeben wurde. Dass das Publikum rund 180 Minuten zugehört und anschließend mitdiskutiert hat, obwohl draußen Sonne und Bier warteten und obwohl es im Kunstcluster unendlich viel zu entdecken gab, ist ein echtes Geschenk und spricht für die Entertainment-Qualität der sechs Gäste.

Olaf hat die Sache eigentlich besser zusammengefasst als ich es je könnte -  insofern bleibt mir noch einmal ein herzlicher Dank an die geduldigen und wunderbaren Gäste für den Talk und einen sehr netten Abend – trotz der wirklich miserablen Musik bei der EinsLive-PlanB-Party :-D.  Jeder der eingeladenen Gäste bedeutet mir aus den verschiedensten Gründen etwas – mit Ausnahme von Olaf, den ich auf begeisterte Empfehlung von Nicole Lohrisch eingeladen habe und der dem vorauseilenden Lob wirklich mehr als nur gerecht wurde -  und ich habe mich sehr gefreut, so unterschiedliche Temperamente nebeneinander versammelt zu sehen und fand hinreissend, wie lebhaft und eben UNkonferenz-ig das Gespräch war. Vielen Dank, Leute!

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NUR HEUTE: GRATIS POSTER UND BOOKLET BEIM FONTBLOG

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Nur heute gibt es bei Jürgen Siebert im Fontshop-Fontblog ein A0-Plakat und eine 60 Seiten starke 9,8×9,8 große Broschüre GRATIS. Die beiden Sachen sind das Ergebnis meiner Etch-a-Sketch-Spiele bei der Typo 2008, wunderbar von Katharina Mönkemöller gestaltet. Es wird die beiden Sachen später auch hier geben, aber nicht ganz gratis, sondern eben mit Porto (das Jürgen im Fontblog wunderbarerweise spendiert, was wahrscheinlich teurer ist als der ganze Druck ursprünglich war :-D). Das kann ich mir nicht leisten, aber der Fontshop machts und deshalb: RÜBERRÜBERRÜBER UND BESTELLEN!!!! Oder direkt eMail hierhin.

/ SOAPBOX / 05 / PITCH AS PITCH CAN

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Gerrit berichtet in seinem Weblog gerade von seinen Pitch-Erfahrungen und die übliche Aufregung um das Thema wird spürbar (auch von meiner Seite). Erik Spiekermann, Tibor  Kalman und zahlreiche andere Designer haben sich ausgesprochen deutlich über die Nachteile von Wettbewerben um Aufträge geäußert – aber was sind eure eigenen Erfahrungen?

Ich bin immer hin- und her gerissen bei der Sache. Einerseits sind Wettbewerbe für die Designer völlig neben dem, was sie eigentlich tun, und die Kunden kriegen entsprechend nur frustrierende Dosenware, andererseits kann es ja auch Spaß machen, völlig frei über ein Thema nachzudenken und ohne viel Kommunikation mit dem Kunden einfach mal eine fiktionale Idee zu entwickeln. Ich fand das bei Architekten eigentlich immer sehr reizvoll, wenn ein Team mehr oder minder einfach mal recht frei über einen Bahnhof, Flughafen oder ein Hochhaus nachdenken kann – und die Ergebnisse freier, als sie vielleicht wären, wenn sie im Kundendialog entstehen. Weniger Kompromisse, mehr reines Design. Und es ist ja auch spannend, sich auf ein total neues Thema stürzen zu dürfen, sich einzuarbeiten und es zu durchleuchten.

Neben der Frage, ob ihr grundsätzlich Pro oder Contra Pitch seid, interessieren mich vor allem persönliche Erfahrungen – gute wie schlechte. Wie geht ihr einen Wettbewerb an, wie präsentiert ihr am liebsten, wie sind eure Erlebnisse in diesem Bereich.

Last not least – was sind die Alternativen und wie kommuniziert man sie? Entzieht ihr euch dem Wettbewerbswahn? Macht ihr nur unter bestimmten Bedingungen mit? Was ist eure eigene Lösung im Umgang mit diesem Thema?

Stellt euch auf die Soapbox, meckert oder feiert und sagt eure Meinung. Let’s exchange stories :-D.

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Die Soapbox gibt es jeden Mittwoch – eine Frage zum Bereich Design im weitesten Sinne, um die wir uns hoffentlich wortstark streiten können. Steigt auf die Seifenkiste und sagt eure Meinung in den Kommentaren. Wenn jemand einen Vorschlag für ein Thema hat, freue ich mich drauf: schellnack@nodesign.com.

WOODTLI KAUFEN

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Beim Design-Gespräch am Samstag hab ich ja mehrmals auf Martin Woodtlis Monographie beim Gestalten-Verlag hingewiesen, die leider vergriffen ist.

Bei Kopp gibts eine Restauflage zum unschlagbaren Superpreis von 7,50 €. Also, hinhinhinhin und kaufen – es lohnt sich wirklich.

NOTHING MORE TO TAKE AWAY

You know you’ve achieved perfection in design, Not when you have nothing more to add, But when you have nothing more to take away.
Antoine de Saint-Exupéry

MISS CLASS

The Dutch university system was much like the German one (and unlike the American one): it shied away from anything practical, you had to miss class if you wanted to learn any useful skills.

Jan Middendorp

KULTURSYMPOSIUM NRW TAG

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SYMPOSIUM
KUNSTKULTURARCHITEKTURDESIGN

Wann
Samstag, 30.08.2008

Wo
NRW-Tag Wuppertal
Elba KunstCluster
Friedrich Ebert Straße 119 / Moritzstraße 14
Wuppertal
Eintritt frei

Anfahrtskizze

Was?
Disziplinen treffen aufeinander – Synergien und Probleme, Schnittstellen und Chancen von Architektur, Kunst, Kultur und Design. Während ringsherum
ca. 300 Künstler in den Bereichen bildender Kunst, Musik, Theater, Tanz, Performance, Medienkunst, Design usw. ausstellen, werden Referenten die
bisweilen harten Grenzen zwischen Kunst, Kultur und Design aus ihrer eigenen Sicht durchbrechen und in einer Diskussionsrunde ihre Standpunkte und Erfahrungen aufeinander prallen lassen. Und wir haben Gäste, für die sich die Anreise lohnt.

Wer?

Olaf Bargheer
wurde uns vom Hamburger Schauspielhaus wärmstens empfohlen, kommt aus der Hamburger Kunstszene und betreibt den Scoop Think Tank und versteht sich als Ideengeber an der Schnittstelle zwischen Kultur, Medien und Kreativwirtschaft. Mit seinem Off-Projekten wird dem Hamburger der KunstCluster in der Elba-Halle sicher vertraut vorkommen.

Markus Hanzer
ist eine noch nicht so graue Eminenz der Design-Szene, aber einer der erfahrensten Designer, die man sich einladen kann. Erfahrung als Designer beim ORF, bei SAT1, ARD, Premiere, Deutsche Bank, Bertelsmann, RWE, Allianz, ZDF, Zusammenarbeit mit Neville Brody, Schriftdesign für den Fontshop, Erfolg als Filmer und Photograph, sein eigenes Typo-Museum mit www.stadtgespraeche.com, zahllose Jury/Seminar/Beratungstätigkeiten/Vorträge und seit 2006 mit seiner brandneuen Wiener Firma mira4 erfolgreich.Ich kenne Markus von diversen Typo-Vorträgen und aus dem Fontshop-Beirat und weiß, dass er ALLEIN ein Symposium stemmen könnte. Wo er ist, ist Know-How über die Design-Szene und ein solider Blick über den Tellerrand immer garantiert.

Mad Eagle
Mad Eagle, wurde 1948 geboren und ein künstlerisches Universal-Genie. Musik, Malerei, fotografische und filmerische Arbeit prägt das Oevre dieses Künstlers, dessen Lebensgeschichte zugleich von den zahllosen Begegnungen mit anderen Größen der Kunst- und Musikgeschichte geprägt ist. Das MadEagle nur eine Kunstfigur von Toni Hüning ist, macht die Sache nur umso spannender.

Mason
Der Photograph und Graffiti-Star aus Dortmund beschäftigt sich mit Industriekultur im Ruhrgebiet und ihren verborgenen Schönheiten, er betreibt eine Art urbaner Archäologie. Als einer der Könner kreativer Stadtverschandelung ist Mason auch Kenner der künstlerischen Subkultur der Region, deren Flair längst Musik und auch Design mitprägt.

Chris Rehberger
arbeitet als Designer nicht nur deswegen an der Schnittstelle von Kunst und Design, weil er durch seinen Bruder Tobias Rehberger knietief in der Kunstszene steckt, sondern auch weil viele seine Kunden aus dem Bereich Film, Kultur, Kunst kommen. Dass er nebenbei noch als Musiklabel und Filmaktivist mitmischt und auf der letzten TYPO seine Liebe für künstlerische Einflüsse und die Unperfektion der Ergebnisse von gestalterischer Arbeit im Vortrag verraten hat, macht ihn zum idealen Gast des Symposiums.  Frisch gekürt mit dem Deutschen Designpreis 2007 und dem Lead Award gehört Chris inzwischen zur A-Liga deutschen Designs.

Björn Syffus
kennt als Architekt sowohl die große als auch die kleine Welt des Bauens. Mit RKW Architektur und Städtebau gehört er zu einer Firma mit fünf internationalen Standorten, die vom Centro in Oberhausen bis zum Fußballstadion in Warschau alle nur denkbaren Großprojekte realisiert haben. Mit der Architektengruppe Düsseldorf arbeitet er aber auch an kleinen, privateren Projekten. Björn Syffus betreut bei RKW unter anderem das Corporate Design, Onlineprojekte und Printmedien, ist also genau an der Schnittstelle von Architektur und Marketing zu Hause.

Reinhard Wiesemann
ist der Begründer des Unperfekthaus in Essen, einem hochlebendigen Ort für Kunst und Kultur, das ohne öffentliche Förderung funktioniert und neben großartigen Projekten auch eins der besten Cafés in der Stadt hervorgebracht hat. Der gebürtige Wuppertaler und gelernte IT-Fachmann mit dem bewegten Lebenslauf hat sich inzwischen darauf spezialisiert, Netzwerke aus Menschen zu schaffen – und das mit durchschlagendem Erfolg.  Neben seinem in der ehemaligen Villa Vogelsang entstandenen LinuxHotel  ist das Unperfekthaus ein ideales Labor für Kreative, aber auch Beweis für Wiesemanns unruhige Suche nach dem Neuen – wie sein neues Kulturpaddler-Projekt beweist.

Martin Woodtli
arbeitete bereits bei Stefan Sagmeister und David Carson, bevor er sich in der Schweiz selbständig machte. Der Zürcher Designer hat inzwischen eine eigen, leider vergriffene, großartige Monographie im Gestalten-Verlag, die ihn als einen jenseits der engen Grenzen angewandten Designs operierenden Meister der verspielten und doch klaren Vektorgraphik präsentiert – dabei hat Woodtli durchaus noch mehr auf der Pfanne, als das Buch zeigt. Woodtli gehört zu der neuen Generation Schweizer Designer, die den für die Schweiz so typischen klaren Intenationalem Stil einerseits brechen, andererseits fortentwickeln. Mit deinen ultrapräzisen Arbeiten, denen man die enorme Mühe darin bei aller verspielten Leichtigkeit stets ansieht, ist Woodtli an der Schnittstelle von Design und Kunst – seine wunderbar manischen Pop-Art-Arbeiten kann man sich genau so gut an die Wand hängen wie auf einem Geldschein bestaunen. Auch wenn er wahrscheinlich zu bescheiden wäre, es selbst zu behaupten – Woodtli gehört zu dem neuen Typus Designer, dessen Arbeiten zwar Design sind, aber längst die Grenze zur technologisch erzeugten Kunst überschritten haben.

Moderation: HD Schellnack ;-)

Hier das (nicht von uns gestaltete) Programm des Clownfisch-Events zum NRW-Tag.

Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele Leute den Weg zum Kunstcluster nach Wuppertal finden – es lohnt sich, nicht nur für die Ausstellung, den Garten Eden, die Events, nicht nur für die EinsLive-PlanB-Party, die direkt im Anschluss steigt, sondern hoffentlich auch für die Symposiumssache, die Christian und Beate da auf die Beine gestellt haben, und die ich wahrscheinlich mit meiner Moderation versauen werde, weil ich sozusagen direkt von der Insel auf die Bühne komme und extrem vorbereitet sein werde :-D. Für alle, die sich für Design interessieren, haben wir eine Gästeliste mit Diskussionsteilnehmern, die ihr sonst bei der TYPO erwarten dürftet. Wenn ihr Freunde der Ruhrgebietskultur seid, haben wir wichtige Vertreter da. Und wenn ihr euch für die Konvergenz verschiedener kreativer Bereiche interessiert, dem Verschwinden der Grenzen von Kunst, Architektur, Design zu einem Kulturkomplex – dann seid ihr hier goldrichtig. Und: Das Clownfisch-KunstCluster in der Elba-Fabrik ist un-be-dingt einen Besuch wert. Party, Kunst und jede Menge gute Leute. Seid dabei.

Ich freu mich auf euch.

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