Archiv Design

Vorsicht Glas 04: Eintauchen/Auftauchen

Wie immer bei erscheinen einer neuen DMIG kommt der Text aus der Vorausgabe hier ins Archiv, wo ich ihn besser finden kann:

VORSICHT GLAS III
EINTAUCHEN, AUFTAUCHEN

WILLKOMMEN IM ÄTHER
Jeder schreibt dieser Tage über die Revolution iPad und die Auswirkungen, die es auf Webdesign, Lesen, Video, Musik, einfach alles haben wird… und vielleicht auch tatsächlich hat, wenn auch wahrscheinlich anders, als die Autoren derzeit vermuten. Aber ich habe mir letztens etwas gekauft, was auch flach ist, auch eine Glasoberfläche hat, aber aus meiner Sicht deutlich revolutionärer ist, auf eine ganz unscheinbare Art und Weise. Die Withings-Waage ist ein zunächst unscheinbares Gerät zum Messen von Gewicht und Muskel-/Fettanteil, und kommt mit deutlich weniger Marketing-Getöse daher als das «magische» iPad, ist aber tatsächlich einer der ersten Vertreter des «Internets der Dinge» – denn die Waage sendet nach einer nicht ganz einfachen Installation und Kontoeinrichtung ihre Daten direkt per WLAN auf einen Server, und von dort zum Beispiel auf diverse iPhone-Fitness-Applikationen. Sie ist der erste, wie so oft bei wahrhaft umwälzenden Veränderungen eben total harmlos wirkende Vorbote einer neuen Dimension von Internet, die die visuelle Metapher des «World Wide Web» ersetzen wird, das selbst ja vor gut zwei Dekaden das textbasierte Net-Paradigma abgelöst hat. In einem nicht ganz unzynischen Artikel wurde vor kurzem das iPhone (und damit auch das iPad) kritisch als eine Art «Fernbedienung» für das Leben gedeutet. Aber die Wahrheit ist eher, dass es (noch) die Fernbedienung für eine neue Form von Internet-Nutzung ist, deren Dimension sich erst schemenhaft abzeichnet.

Der große Unterschied zwischen dem www und dieser neuen Form von Internet ist zum einen die Mobilität des Nutzers – dieser Shift ist etwa so wichtig wie der Unterschied zwischen Mobiltelefon und dem alten Wählscheibentelefon in der Diele am Telefontischlein, das von den Nachbarn gern auch mal mitbenutzt wurde. Gowalla, Foursquare und -zig andere Dienste machen deutlich, wie sich Geodaten perfekt für eine komplett andere Wahrnehmung von Internet eignen. In einem schönen Stadtviertel zu sein und eben per ImmobilienScout-App herauszufinden, was es denn hier an Wohnungen gibt, ist nicht vergleichbar mit einem «statischen» Internet. Analog ist der Erfolg von Twitter und anderen sozialen Netzwerken natürlich darauf zurückzuführen, dass man mit mobilen Geräten jederzeit eine kurze Notiz versenden kann.

Zum anderen ist die in den nächsten Jahren hinzukommende starke Vernetzung von Alltagsobjekten ein entscheidender Faktor. Die seit einigen Jahren kursierende Vision des Kühlschrankes, der via RFID ermittelt, dass die Milch abgelaufen ist und dem User – dann eventuell über die Schnittstelle iPhone – direkt einen entsprechenden Vermerk auf die Einkaufsliste macht, die wiederum mit dem Einkaufswagen im Supermarkt kommuniziert, der seinerseits den Einkaufsbetrag der Kasse mitteilt, die flugs den Betrag von unserem PayPal-Account abbucht… das ist ja kaum noch Science-Fiction, sondern eher das, was Trixie Bedlam Paleo-Futurismus nennt. Auch hat Apple bereits vor über einem Jahr Programminterfaces für Messgeräte für z.B. Blutdruck oder Glukose vorgestellt – und wenn man sich anschaut, wie erfolgreich eine ja offenbar nicht wirklich ernsthafte Software wie Sleep Cycle bereits war, ist absehbar, wie erfolgreich solche Angebote sein werden. Dass zugleich sehr ernsthaft über die Möglichkeiten des Robotereinsatzes in der Altenpflege nachgedacht wird, mag da nur noch Fußnote sein – bis wir kollektiv so weit sind, haben wir uns längst an elektronische Vollüberwachung gewöhnt.

Der durch die Urbanisierung, durch einzelne Wohnungen und Häuser modular gewordene Mensch, der längst das Gefühl für ein soziales «Ganzes» verloren hat, wird so in einen neuen technologischen Scheinkontext eingebunden, der auf eine seltsame neue Art Isolation und Eingebundenheit ??? hier fehlt ein verb! , in der wir uns selbst zunehmend als Sims-Charaktere erleben dürfen. Die Trennung zwischen der realen Welt und der ästhetisierten Scheinwelt, deren Vorhandensein früher durch mediale Unzulänglichkeiten gegeben war, hebt sich auf. Statt schwarzweißer Fernsehbilder mit niedrig denkbarster Zeilenauflösung haben wir dreidimensionales Kino in 4K-Qualität, statt karger textbasierter Suchmaschinen auf einem Monitor am Arbeitsplatz haben wir kabellose Augmented-Reality-Software in der Hosentasche. Nicht ohne Grund ist «Iron Man», der zynische alkoholkranke Tony Stark, der im AR-Interface seiner Rüstung so ultravernetzt wie grundeinsam ist, der Held unserer Dekade. Diese Permeabilität von Realität und dem, was man früher vielleicht mal Virtuelle Realität genannt haben dürfte, führt zu einem Multitasking-Solipsismus, in dem «Internet» nicht mehr als ein Raum wahrgenommen wird, den man betritt. Internet ist inzwischen das, wo wir permanent sind, es umgibt, umspannt uns. Adieu World-Wide-Web, hallo Äther.

Das grandiose an diesem Wechsel ist, dass er bereits stattgefunden hat. Wir sind zu nah dran, aber eine nach lange Zeit besuchende Tante würde zu dem kleinen Internet sagen: «Mei, bist du aber groß geworden!» Während viele Webdesigner noch hämen, dass Print ja tot sei, merken sie kaum, dass ihre eigene Tätigkeit längst in einem viel tragischeren Umfang unnötig geworden ist – weil das Web der Zukunft kein graphisches Interface in der jetzigen Form mehr haben wird.

DIE BAND SPIELT BIS ZULETZT…

Für die Designer der kommenden Generationen bedeutet dieser Übergang einen Paradigmenwechsel, wie wir ihn in der kurzen Lebenszeit unserer Profession noch nicht erlebt haben, eine Art postindustrielle Revolution. Design ist in den letzten Jahrzehnten – kontaminiert von ihrem pragmatischen Ausfluss Werbung – als steuerbare Kommunikationsspielart verstanden worden. Egal, mit wie vielen Worten man es verbrämen mag, im Grunde ist Design oft nur der ästhetische Zuckerguß über Edward L. Bernays’ «Crystallizing Public Opinion». Aus der unschuldigen Kunst der Typographie, die nur die Lesbarkeit erleichtern wollte, ist eine hochspezialisierte Profession geworden, die nur ungern zugibt, dass bei allem Gerede um Farben, Schriften und Formen (und bei aller Tendenz zur leeren reinen Formalästhetik, Design-for-Designers) im Grunde immer noch um Absatz, um Erfolg, um Manipulation, um Propaganda geht, ergo um Einwegkommunikation. Wie ein Auftraggeber es letztens so schön formulierte, um Handlungsanweisungen. Sei es der Weg zur nächsten Toilette am Airport, die Verknüpfung einer bestimmten «Idee» mit einer Marke oder der simple zielgruppengerecht kodierte «Kauf mich»-Befehl. Wir gestalten ein Buchcover nicht, um die Menschheit zu retten – wir (bzw unser Klient, der Autor oder Verleger) will mehr Bücher verkaufen. Wir gestalten eine Broschüre oder ein Plakat nicht, um Kunst zu machen, wir wollen ein bestimmtes «Meme»????? besetzen, forttragen oder implementieren. Der dahinter steckende Gedanke – ob nun bewusst oder nicht – ist natürlich arrogant und besserwisserisch, die Unterteilung der Welt in Schäfer und Herde, Leiter und Geleitete. Es ist ja kein Wunder, dass auch ein Joseph Goebbels sich von Bernays Methodik anstecken ließ – Steven Heller hat ja weitgehend in Iron Fists dargelegt, wie wunderbar Diktatur und Corporate Design zusammengehen.

Diese Zeiten – so paradox es klingen mag – erreichen derzeit ihren Zenith und Untergang zugleich. Selten wurde mit Marketing und Gestaltung so vielschichtig und gekonnt versucht, Meinungen und Entscheidungen zu beeinflussen, selten war so viel «Design» wie derzeit. Wir werden bombardiert mit Werbebotschaften, Markenphilosophien, mit emotionalen Impacts, die uns wie einen Flipperball in diese oder jene Ecke tillen wollen. Und das zweifelsohne auch mit Erfolg. In unserer postrationalen Welt sind die Sieger dieses Designkrieges um die Aufmerksamkeit die, die am Ende ein positives «Image» auftürmen können, am Wühltisch der Konsumentscheidungen erfolgreich. Warum wir diesen Anzug tragen, jene Milch trinken, dieses Laptop nutzen – all das sind in einer übersättigten Welt natürlich längst Entscheidungen am oberen Ende der Bedürfnispyramide, die kaum noch mit dem inhärenten tatsächlichen Nutzen der Ware zu tun haben, sondern mehr mit ihrer mythischen Aufladung, böse gesagt dem «Wellness»-Faktor. Man darf sich nichts vormachen: Natürlich sind wir von Design verführbar und auch verführt. In einer Gesellschaft, in der Sein und Konsum wie ein Gordischer Knoten verwoben sind, stellt Design zugleich die Wände des Labyrinths – und auch den Ariadnefaden, an dem wir uns entlang hangeln. Konsumentscheidungen sind zu einem kunstvoll-bizarren Tanz zwischen Verführern und Verführten geworden, zwischen Aufklärung und Verbrämung, in dem schon der Kauf einer einfachen Milch zu einem Jonglageakt wird. Nie war so viel – und so widersprüchliche – Propaganda wie heute.

Und eben darum strahlt viel Design heute eine hechelnde Fin-de-siècle-Müdigkeit aus. Die Firmen wechseln und überarbeiten ihre Namen und Logos, Verpackungen und Werbekampagnen zunehmend rascher aus, wanken wie ein Junkie auf der Suche nach dem nächsten großen Kick von einer Agentur zur anderen, von einem Pitch-Fever ins nächste. Das klassische Grafik-Design wird immer mehr zur ästhetischen Onanie, alles sieht irgendwie gleich, irgendwie gut, irgendwie hip aus – es bedeutet aber auch nichts mehr, in der Echokammer endlosen Recyclings ist die inhaltliche Ebene hinter der formalen Geste verloren gegangen. Wie viele andere Aspekte allgegenwärtiger Popkultur nerven Werbung und Design durch Überangebot, und da diese Flut anders als Musik und Film eher unfreiwillig konsumiert wird, ist die Ablehnung umso ausgeprägter. Der Versuch, Werbung zur komplexen multimedialen Immersion aufzubrezeln – wie bei iAd abzusehen – wirkt vor diesem Hintergrund nur umso fehlgeleiteter. Ist der erste Kick, die erste Neugierde, die Novelty, aufgebraucht und ist erst einmal jede zweite App mit einer Werbe-Zusatz-Applikation belastet, wird der Rollback der Verweigerung nur umso spürbarer ausfallen. Die noch am ehesten funktionierende Werbung sind die nahezu unsichtbaren, dezenten Werbe-Text-Links bei Google, die interessanterweise ohne jede Gestaltung auskommen. (Noch…)

Wie die Band an Bord der Titanic spielt die Werbeindustrie bis zuletzt, lauter und schneller als jemals zuvor, hier noch ein Störer aufs Cover, da noch das Logo größer, hier die Headline größer, dort noch etwas mehr Sex-Appeal in den Geschäftsbericht. Die Passagiere haben sich leider aber längst auf den Weg in die Rettungsboote gemacht.
Der Sprung zur Äthergesellschaft ändert auch hier vieles: wenn Werbung nicht mehr in klaren Realitäts-Subcompartements stattfindet – ergo ausblendbar ist, sondern durch den Äther plötzlich so allgegenwärtig wie ultraindividualisiert sein könnte, verschiebt sie sich vom Background Noise zu einer essentiellen Bedrohung.

DER DESIGNER ALS FICTIONAUT
Es ist ein altes Klischee, dass gutes Design eine «Geschichte» erzählt. Tatsache ist aber, dass aktuelles Design eher das Gegenteil versucht – es überschreibt und negiert Geschichte, in dem Versuch, die Marke ewig jung und frisch zu halten. Nur hat ein Dorian Gray eben keine Geschichte, er ist zeitlos. Er hat keine Zukunft, keine Vergangenheit, er will nur die ewige Jugend. «A lot goes on but nothing happens…» – dieses Paradigma von Design wird sich ändern müssen. Design von morgen wird nicht nur «Storyweaving» sein, sondern ein komplexer narrativer Vorgang im Dialog mit dem Auftraggeber und dem Empfänger, der von Anfang an nicht als passiver Teil eines mechanischen Vorgangs, sondern als gleichberechtigtes Element eines enorm volatilen chemischen Prozesses zu denken und einzuplanen ist. Nun ist Tofflers «Prosumer» ein alter Hut – obwohl niemals so wahr wie in Zeiten von Google – aber ohne Frage stellt der Äther die Arroganz einer selbstdefinierten Elite, die «Handlungsanweisungen» und «Navigation» vorgibt, sehr definitiv in Frage. Wie langweilig und baukastenartig wirken die meisten Webdesigns heute, die sich eine wie auch immer zu definierende gute User-Navigation auf die Fahne schreiben, die aber nur das stets gleiche System re-iterieren, das ihnen die Software vorgibt. So wie uns die wie vom Fließband purzelnden immer gleichen Romantic Comedies mit ihren austauschbaren Darstellern und absehbaren Happy Ends langweilen, so öden auch diese ewig gleichen Webdesigns mit ihren ausgelutschen Metaphern von Menüs und Untermenüs, Tags und Links.

Es ist bezeichnend, dass iPhone und iPad dieser Gleichförmigkeit primär eine Art Turboboost verleihen. Apples rigide Store-Politik und der schiere Kontrollfetischismus, der auch bei zahlreichen verschiedenen Apps für ein möglichst homogenes Erscheinungsbild des OS sorgen sollen, frustriert bereits jetzt zahlreiche Entwickler und wird in Zukunft einer der größten Angriffspunkte im Kampf Android vs Apple sein. Der Erfolg von eher «erzählerischen» Apps wie Swanko Lab oder Hipstamatic, die zwar die gleichen Effekte bieten wie zahllose andere Photo-Applikationen, die aus der schwachbrüstigen Kamera des Smartphones eine Art neuzeitliche Lomo zu machen versuchen, zeigt, dass neben dem reinen Nutzen einer Software eben auch ihr spielerischer, emotionaler Aspekt ausschlaggebend ist. Hipsta und Swanko erzählen natürlich die gleiche Lügengeschichte wie alle Emulatoren – das schwache Abbild analoger Photographie im digitalen Gewand – dies aber mit so viel Konsequenz, Charme und gestalterischem Know-how, dass ein Hybrid zwischen Spiel (mit ungewissem Ausgang) und Software mit Nutzwert entsteht. Bleibt zu hoffen, dass sich solche Ansätze gegen Steve Jobs’ Puritanismus auch in Zukunft durchsetzen können.

Bereits heute beginnt gutes Design sich von einem dogmatischen Orientierungssystem zu einem offenen Spielsystem umzudefinieren, weil es die immersive Natur des eigenen Tuns begreift. Ein Designbegriff, der sich nicht mehr in den Käfig des World-Wide-Web oder von Print stecken lässt (oder analog in die Gestaltung von Waschbecken und Autolenkrädern) liegt nahe… schließlich müssen wir uns fragen, was Menschen dazu bringt, bereitwillig stundenlang einen Text zu lesen oder sich einen Film anzusehen und dafür sogar auch noch zu bezahlen. Und so merkt man gutem, langfristigem Design oft an, dass es eine Art Handschrift oder Idee oder eine Art von Autorenschaft hat. Über die Jahre entwickelt es sich, mutiert, irrt, springt wie ein Jump’n'Run-Charakter, es entwickelt ein Protagonisten-Flair. Es kann uns überraschen, verärgern, amüsieren, involvieren. Das kann so simpel funktionieren wie die Lucky-Strike-Identität, die so stoisch wie fluide wirkt, die so wenig zu wollen scheint und gerade deshalb so langen Atem beweist (abgesehen von den eher traurigen Package-Redesigns). Das kann aber auch so komplex sein wie die Fernsehserie «Lost», die eins der wasserdichtesten Designs hat, das man sich denken kann, die nahezu architektonisch wirkt, ein seltsamer Mix aus perfekter Planung und kreativen Sprüngen. Designer werden von Autoren solcher Langzeit-Narrationen lernen, ebenso wie natürlich von Spieleentwicklern, die längst die Einheit von Erzählen und Gestalten verkörpern, auf die Designprozesse sich auch zubewegen. Ein digitales Spiel, das den User auf Stunden binden soll, immer wieder vor den Monitor locken will, das gar erwartet, dass der Spieler Regeln, komplexe Bedienungsabläufe und Lösungsmuster erlernt und trotz wiederholten Scheiterns an einer Spielhürde nicht aufgibt, muss in einem Maße «Involvement» generieren, von dem Design noch weit entfernt ist. Games müssen erzählerisch mit verschiedenen Frustrationsniveaus umgehen, zugänglich sein und doch nicht zu einfach sie haben sich längst (wie etwa in der Demo-Szene) der Idee geöffnet, dass der User selbst aktiv in seine Spielumgebung eingreift und diese weiterentwickeln darf – dieser Aspekt ist inzwischen oft expliziter Bestandteil des Spielreizes.

Diese Idee eines interaktiven Spiels unter dialogischen und fast echtzeitlichen Multi-User-Bedingungen, bei denen bestenfalls noch eine dünne Membran den «Programmierer» vom «Anwender» trennt, es aber dennoch eine (zum Teil aber oft teambasierte) klare und vom Empfänger auch gewünschte Autorenschaft gibt, findet sich eben so auch in erfolgreichen Fernsehserien wieder – beim bereits angeführten Lost etwa gehört das Spiel der Zuschauer um die Hinweise und Rätsel der Serie zum Reiz des Formats, ebenso gab es mehrere zwischen den Staffeln angesiedelte Alternative-Reality-Game-Formate, die die Grenze zwischen Spielformat und herkömmlicher Serie endgültig durchtrennen.

Dieser Mix aus Erzählung, Exploration, Immersion einerseits und Dialog, Teamwork und Offenheit andererseits ist ein deutlicher Schritt weg von der heutigen «Narration» von Design, die immer noch zu sehr von der Auteur-Idee eines einzelnen Urhebers getragen ist, der ein Werk erzeugt, mit dem die Empfänger dann gefälligst zu leben haben, oder das sich nach realitätsfernen Marktforschungs-Vorgaben richtet, die jede Innovation ersticken und dem alten, eben besserwisserisch-manipulativen Modell anhängen. Auch, man mag es hoffen, Corporate Design als Einbahnstraße aus Agenturvorgaben in endlosen Maßketten und Anwendern, die früher oder später der eigenen Kreativität und Naivität folgend, dieser Vorgaben verlassen und somit das militärische CD-Konzept ad absurdum führen (bis es nach einer Weile der Erosion wieder von einer anderen Agentur «relauncht» werden muss, in der Hoffnung, dass es jetzt aber bitte endlich «greift»), dürfte sich gegen einen von Anfang bis Implementierung spielerischen, gemeinsamen Umgang mit der Firmenidentität austauschen lassen, der der gähnenden Langeweile völlig austauschbarer Baukastenlooks im CD-Bereich ein Ende setzt.

Das narrative Design ist open-ended, lebendig, eher eine endlos formbare Skulptur als ein finites «Werk», eher eine Umgebung, ein «Space» als ein spezifischer Ort oder Punkt. Es will nicht mehr verkaufen oder erklären oder dich in diese oder jene Richtung schieben, es will dich in erster Linie erst einmal einbinden, aktivieren, unterhalten, verwirren oder begeistern, einverleiben. Es wird die Grenze zwischen Druck, Print, Lokal und Mobil, Öffentlichkeit und Privatem auflösen. Der Designer als «Fictionaut» taucht ein, tauscht sich aus, taucht auf und hat Stories im Netz. Neben Vektorkurvenziehen und Pixelschubsen gilt es also kulturelles Wissen, Lesen, Hermeneutik, Soziologie, Gruppenpsychologie in den Designbegriff einzubringen – letzthin die Fähigkeit, Spannungsbögen zu erzeugen, Metakontinuität zu wahren, Kohäsion über verschiedenste Plattformen, Cliffhanger zu inszenieren, Handlungen und Identitäten zu entwickeln.

Im Webdesign wird sich diese Tendenz fortschreiben. Mach man sich nichts vor – «Design» im Webbereich ist nicht, eine bunte Site aus Baukastenmodulen in Joomla zusammen zu puzzeln. Design im Webbereich ist, Facebook geschaffen zu haben oder Twitter. Also eine Idee zu haben – und deren diverse Technologien überspannende konkrete Ausformung – und die Gestalt dieser Idee über die Zeit hinweg auszubauen. So wie die erste Staffel einer Serie dabei vielleicht etwas schlechter ist als die zweite (und die siebte vielleicht schlechter als die erste), so ist auch Webdesign heute ein langfristiger Prozess, der ideal transparent und echtzeitig verläuft und auf Input von Usern dynamisch reagiert. Anregungen, Ideen, Bugs – schon heute ist auch eine herkömmliche Site nicht mehr ohne eine Art öffentlichen Betatest denkbar… der Relaunch vom Fontblog hat das exemplarisch gezeigt und dabei vorgemacht, wie so etwas simples wie ein Blog zur Kommunikation von Machern und Nutzern werden kann, zu einer gemeinsamen Untersuchung der Geschichte um die es sich hier eigentlich dreht. Analog zeigt eben die Vernetzung eines simplen Haushaltsgegenstandes wie einer Waage mit einem Webspace und mobilen Applikationen mit Einbindung von Online-Community sozusagen in embryonaler Form, wie aus dem einfachen Akt der Gewichtsermittlung so etwas wie eine gemeinsame Story werden kann. Denkt man sich diese Vernetzung weiter, wird deutlich, wie ganzheitlich Designprozesse in Zukunft in das Leben hineinspielen, welche gegenseitige Einflussnahme hier möglich wird und wie zentral es ist, hier Vertrauen und Transparenz durch Glaubwürdigkeit zu schaffen. Die Äthergesellschaft ist eine Tauschgesellschaft von sozialen Akten, deren Regeln noch ungeschrieben sind, aber es zeichnet sich jetzt schon ab, dass «Echtheit» und Vertrauenswürdigkeit von Marken an Wichtigkeit für die Bereitschaft der User, Informationen zu teilen, immer wichtiger werden. Und für dieses Vertrauen müssen die Marken erst einmal selbst «sharen».

Es ist nach wie vor wahnsinnig schwer bis unmöglich, Auftraggeber von dieser Form fiktionalen Designs zu überzeugen. Die Aufgabe einer hierarchischen Kommunikation mit klaren Zielvorgaben, das einfach Machen um des Machen willens, das oft Afunktionale ist Marketingprofis nur schwer zu erklären. Meine alte These, dass Erfolg in der Werbung bedeutet, möglichst fast keinerlei klare Konsumanreize mehr in den Auftritt zu nehmen, auf Zielgruppenaffinität und Handlungsanweisungen zu verzichten, sondern nur «zu sein» (Zen-Design, wenn man so will), einfach als Unternehmen zu atmen, auf der anderen Seite aber den Konsum, so er denn freiwillig erfolgen will, so angenehm und wunderbar und einfach wie überhaupt eben möglich zu machen, ist heute so akut wie in den letzten Dekaden nicht mehr.

Mit der Auflösung der World Wide Web zu einem Äther-Internet, mit dem Nachlassen der Relevanz von Fernsehen, Radio und Print als zentralen Informationsmedien sterben die Strukturen einer reinen Sender-Empfänger-Kommunikation langsam aber sicher ab. Jede neue mediale Iteration hat schnellere Feedback-Zyklen möglich gemacht, bis wir bereits mit dem Web in einer Fast-Echtzeit-Reaktanz angekommen sind. Das «Internet der Dinge» wird die Gesellschaft tiefer spalten als jeder andere Sprung zuvor – in Mitmacher und Verweigerer, in Datenpreisgeber und Intimsphärenschützer, in Stoiker und Springer. Und weil alte Medien nicht sterben, wird es weiterhin Printanzeigen und Bücher geben, Plakate (wenn auch als animierte Displays), und natürlich auch Websites, die statisch sind, die nicht wachsen oder mutieren – und die vor allem alles immer schon besser wissen als ihre Besucher. Ob sie dem Modell eines Bundesbahn-Fahrplans oder dem eines TV-Senders folgen, solche Sites dürften und dürfen auch gerne aussterben. Emergieren und entfalten mögen sich hoffentlich Modelle, die zum Mitmachen, Mitspielen, Miterzählen einladen – Designs, die ein Lagerfeuer im Wald anzünden und auf Gäste warten und bei denen der glaubhafte Spaß an der eigenen Sache greifbar wird.

Eintauchen, auftauchen, Beute mitbringen, zubereiten und dann teilen – das jahrhundertealte Prinzip aller guten Geschichtenerzähler wird in Zukunft die Designwelt bestimmen. Weg vom Oberflächenaffekt, dem Crack-Hit der Designszene, dem schnellen BlingBling, aber auch weg von der kurzatmig schubsenden Manipulation (aber nicht von der Lüge, so sorry – alle guten Stories sind natürlich nicht ganz ehrlich), hin zu einer modernen Form kollektiver Narrationskultur, die wir im Äther gemeinsam formen, verformen und weiterspinnen, reflektieren und permanent modellieren.

Die Zukunft könnte also hoffentlich kaum spannender werden…

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Nachbemerkung: Die Vorsicht-Glas-Texte sind tatsächlich nur lautes Nachdenken über Design und die eigene Arbeit und die Zukunft… meist in einem Rutsch geschrieben und entsprechend ausufernd, ungeordnet, unstrukturiert. Sie sind nicht mit einem echten Essay zu verwechseln, auch wenn es so niedergeschrieben verdächtig danach aussieht – insofern denkt euch am besten ein Gespräch in einer verrauchten Kneipe morgens um sechs als Umfeld, dann stimmt der Ton schon eher. Sie sollen nicht belehren oder besser wissen, auch wenn es manchmal so klingen mag. Und morgen kann ich vehement das Gegenteil behaupten.

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DMIG 5 ist da – Ordnung

hd schellnack

Die fünfte Ausgabe des Design-Made-In-Germany-Online-Magazins ist … online. Zum Thema Ordnung diesmal, und eins der Magazine, dass nicht nur zeigt, wie simples und doch schönes Design online auch ganz cool funktioniert, sondern das mit gut vernetzten Texten und Interviews von Ausgabe zu Ausgabe spannender wird. Ich frag mich langsam, wie Nadine und Patrick das eigentlich noch managen, scheint aber ausgezeichnet zu funktionieren, denn die DMIG wird langsam aber sicher deutlich lesenswerter als so manches bezahlte Magazin… und als Gratismagazin mit wirklich minimalster Werbung ist das Ding einfach ein rundherum ein Geschenk und als PDF natürlich auch ideal fürs Lesen unterwegs. . Das tolle Stadtmusikanten-Motiv gibt es auch als A2-Poster, könnt ihr direkt im Magazin bestellen.

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Stuttgart 21

hd schellnack

Durch die Pressekonferenz am Montag zu Stuttgart 21 – dem von Christoph Ingenhoven (und ursprünglich Frei Otto mit-) entworfenen neuen Stuttgarter unterirdischen Bahnhof, dessen Bauarbeiten Anfang August begannen – und die zum Teil ja heftigen öffentlichen Reaktionen darauf, kommt mir in den Sinn, wie schwer es heute für Architekten und Designer ist, das Neue und vor allem das Nicht-Mittelmäßige, das Nicht-Gewohnte zu kommunizieren. Die bornierten und populistischen Kommentare zum Bahnhof – bei denen man das Gefühl nicht loswird, als würden hier recht viele Dinge, politischer Filz, DB-Geschäftemachereien und eben ein neues Gebäude, das mit all dem letztenendes nicht ursächlich verbunden ist, sondern nur zum Symbol der Aufregung hochgejazzt wird – machen deutlich, wie gemütlich sich viele Menschen im Vertrauten und im Bekannten eingerichtet haben. Alles, was diese Tapetenhaftigkeit verändert, wird in Zeiten, in denen ja ohnehin alles im Flux ist, umso vehementer angegriffen, oft in einer verwirrenden pseudoökologisch-neokonservativen Rückwärtsgewandtheit, in der sich eine oberlehrerhafte Modernisierungsangst artikuliert, wie man sie ansonsten bestenfalls aus den Kundenbriefen von Manufaktum kennt.

Ob Elbphilharmonie oder Stuttgart – natürlich ist es falsch, wenn Architekturprojekte zu Bereicherungsmaschinerien für Privatiers und Fianziers, aber auch Baufirmen oder Politikern mutieren… aber dieser Prozess, das inzwischen nahezu jede öffentliche Vergabe einem Labyrinth gleicht, in dem am Ende eben doch egoistische Interessen oft obsiegen, kennen wir auch vom Autobahnausbau – aber wir würden wegen der Privatisierung von Teilstrecken, endlosen Baustellen und kafkaesken Absurditäten nun nicht die Autobahnen als solche in Frage stellen (obwohl das mehr Sinn macht, als einen modernen Bahnhof zu verhindern, finde ich).

Ich war letztens selbst im schönen Stuttgart und konnte selbst sehen, dass der Stadtkern durch die Idee eines unterirdischen, infrastrukturell nahezu unsichtbaren Bahnhof, der oben einfach urbanen Freiraum schenkt, nur gewinnen kann. Man mag argumentieren, dass sie in der Mitte oft hochgradig zugebaute Stadt dadurch auch nicht mehr zu retten ist, aber jedes bisschen zählt. Man hat in Essen beim Abriss am Limbecker Platz gut gesehen, wie wunderbar ein großer Freiraum in der urbanen Mitte sein kann, eine Lunge, ein Park, ein Ausblick ohne Hochhäuser – bis dann ein riesiges Shoppingcenter den freien Ausblick gegen eine graue Gitterwand mit Konsumlogos austauschte und damit erst unfreiwillig umso deutlicher machte, wie wichtig ungestörter, ruhiger Blick ist.

Insofern wirkt es gerade etwas verstörend, wenn eine Mixtur aus «Unser-Dorf-soll-schöner-bleiben»-Gestrigen und einem seltsam falsch verstanden konservativen Ökologismus nun in einer anti-modernen Haltung schockgefroren verharren, wo wir eine Zweite Moderne nicht nur dringend brauchen, sondern in neuer, weniger dogmatischer Form, doch längst auch ansatzweise deutlich erleben. Es wirkt seltsam, wenn ein Architekt, der fast als Pionier einer offenen, hypermodernen und zugleich deutlich am Menschen orientierten durchlässigen Architektur nun ausgerechnet von den Grünen angegriffen wird, die in der Rolle der Bestandsverwalter seltsam deplaciert wirken und mit der Totalverhinderungsmentalität auch die sinnvollere Mit-Gestaltungsoption verzichten, S21 zu einem «grüneren», also zukunftstechnologischeren Projekt zu machen.

Wir kennen das selbst als Designer – die Mühsal der Veränderung. Was immer du machst, wenn es einen wirklichen grundlegenden Wandel nicht nur oberflächlich sondern im Denken und Handeln bewirkt, wenn es ungewohnt oder etwas «anders» ist, kannst du darauf wetten, es werden sich die die Bestandswahrer melden, die ihre Formulare im «gewohnten» Look haben wollen und die die «Das-war-doch-immer-so-warum-ist-das-jetzt-anders»-Melodie anstimmen. Nach 15 Jahren Erfahrung kann man den Text dieser Menschen, deren Bedenken man trotz allem natürlich ernst nehmen muss, fast lippensynchron mitsingen. Der Clou ist freilich, dass man genau weiß, in zwei Jahren meckern die gleichen Leute, wenn das dann «vertraute» neuere Design weiterentwickelt und verändert wird. Es gibt einfach Menschen – durchaus viele -, denen jede Veränderung, jeder Fortschritt, jede Unsicherheit Angst macht, denen die Mehrarbeit, sich auf neue Prozesse… selbst wenn diese, einmal verarbeitet, unweigerlich vorteilhafter sein mögen… einzulassen, nicht vermittelbar scheint. :-D Erik Spiekermann hat hieran einmal begründet, dass sich das Mittelmaß deshalb so oft durchsetzt (und nicht das «Beste»), weil es am wenigsten begründet werden muss, am leichtesten auch vom Mittelmaß selbst wieder verstanden wird, weil die Nomenklatura am wenigsten für «schwierige» Ideen kämpfen muss, weil man nichts hat, woran man sich reiben kann. Aber: «Nur wo die Dinge sich reiben, entsteht Glanz» (dank an Karin Schmidt-Friderichs ;-D).

Nun geht es mir weniger um die Frage, ob S21 ein gelungener Entwurf ist – ich persönlich finde, allein die Tatsache, dass so viele Menschen einen doch inzwischen recht alten, durch zig Kompromisse und bürokratische Mühlen gegangenen Ansatz immer noch als «futuristisch» bezeichnen, spricht fast für sich und die Qualität der Idee, ebenso wie mich eine Architektur anspricht, die uneitel genug ist, sich nahezu unsichtbar zu machen und unter der Erde zu verstecken. Würden wir von Koolhaas, Hadid, Foster oder Libeskind diese Art von Zurückhaltung erwarten dürfen, deren Ästhetik sich fast nur noch technologisch-teleologisch artikuliert, in Form von Lichtaugen, deren Form der Funktionalität folgt, an deren klarer Gestalt sich Designer wie Aicher oder Rams kaum würden reiben können. Obwohl ich die Elbphilharmonie von HdM als «Signature Architecture» deutlich weniger mag – das Gebäude ist ungleich eitler als S21 -, geht es aber darum, dass wir Projekte wie Stuttgart oder Hamburg brauchen. Trotz absurder Mehrkosten (die es einzudämmen und zu kontrollieren, zu demokratisieren gilt), trotz aller Bedenken. Wir brauchen eine Kultur der Zukunft in unserer Architektur, unserer Technologie, unserem Design – eine Idee von einem «Morgen», auf das unsere Architekten hinbauen, auf die wir Designer zugestalten – in Form von Produkten und Bauten, die die Zukunft vorwegträumen, die eine Fuller-esque Entschlossenheit zum Anderen haben. Das Wichtige an S21 ist nicht ein Lichtschacht oder die Frage, ob man einen alten Bahnhof abreisst oder nicht – sondern der futuristische Gestus, der Mut, nicht eine U-Bahn, sondern einen ganzen Bahnhof unter die Erde zu verlegen, eine komplexe, unsichtbare Maschinerie unter die Stadt zu legen in einem technologischen Zauberstreich, der Bevölkerung einen Open Space zurückzugeben, einen Ort zum Flanieren oder Entspannen, und zugleich eine fast magische Aufwertung von Technik zu ermöglichen, die elegant und leicht zu verschwinden scheint. Es ist die Idee von Apples altem OS X, von einem neuen Interface, dass der Blackbox Binärcode ein menschliches Antlitz gab, übertragen auf ein technisches Konzept von Mobilität. Natürlich gebrochen – wir sind nicht so weit, von weißen, sauberen, reinen Bahnhöfen träumen zu dürfen… aber die Idee verdient Applaus. Aus den ehemaligen Kathedralen der Moderne, die sich eitel in den Skylines wie platte Würmer breitmachten, sind inzwischen reine Schmuddelorte geworden. Und wenn auch S21 auf Dauer sicher eben doch auch wie jeder Bahnhof ganz banal ein Ort für Bäckereien und Drogeriemärkte, Dönerstände und Junkies, Pissoirs und Abgase sein dürfte – wer mag bei den Renderings und Zeichnungen aus dem Büro Ingenhoven nicht von einer Zukunft träumen, in der wir umweltfreundlich mit blitzschnellen Zügen sauber und effizient von einem unterirdischen Terminal zum nächsten Sausen, ohne die Welt darüber mit Gleisen zu vernarben?

Tatsache ist, wir brauchen solche Objekte des Träumens, die uns ermöglichen, Reisen und Verkehr anders zu denken, eine an Stanley Kubrick gemahnende Ästhetik in die Profanität des ICE-Alltags zu suggerieren. Ein Projekt wie S21 – mit allen Fehlern und allen Kompromissen – ist das Versprechen einer Zukunft, in der Bahnfahren sexy ist. Und ebenso wie wir Bike-Designer brauchen, die das Fahrrad zum «coolen» Objekt machen, zum dem Auto vorzuziehenden, besseren Fortbewegungsmittel, so brauchen wir eben auch Architekten, die unterirdische Zukunftswelten denken, in denen Reisen zu einer futuristischen Vision wird. Auch wenn der reale Bahnhof unweigerlich dieser Vision nie gerecht werden kann.

Es ist an dieser Stelle nicht meine Aufgabe, über die komplexe und widersprüchliche Sinn- oder Sinnlosigkeit einer Untertunnelung zu sinnieren, das Thema finde ich auch denkbar langweilig, zumal es die Architektur nicht tangiert. Wer glaubt, ein Architekt könne solche Entscheidungen maßgeblich beeinflussen, sollte überlegen, warum das Büro Ingenhoven seit ewiger Zeit um diesen Bahnhof kämpft – ein Architekt hat denkbar wenig Einfluss auf Entscheidungen eines Bahn- oder Landeschefs. Auch als Designer habe ich bestenfalls absolut indirekt Einfluss auf die Wege, die ein von uns betrautes Unternehmen geht – man kann zureden und einflüstern, inspirieren und anregen, aber man hat keinerlei Macht, man ist ja Dienstleister.

Die Angst, die man haben muss, ist, dass die Kommunen unter der Negativ-PR, wie wir sie in Hamburg und Stuttgart gerade erleben, unter dem Hype von Bürgerbefragungen und Protesten und Pressespektakel in Zukunft falsch reagieren. Richtig wäre, ganzheitlicher und transparenter zu planen und Verfilzungen und Geschäftemacherei zu unterbinden (so unmöglich das in der Baubranche meist ist). Falsch wäre, in einer Art Schreckstarre gegenüber der Öffentlichkeit zu verharren und auf stadtplanerischen Mut zu pfeifen. Denn eins muss klar sein: Am Anfang sind meist immer alle dagegen. Es gibt einen Impuls bei den meisten Menschen, der das Neue ablehnt – selbst dann, wenn das «Alte» offenbar kaum noch richtig funktioniert, umso mehr, wenn es noch passabel zu laufen scheint – und lieber in gewohnten Bahnen bleiben möchte.

Wir leben, vereinfacht gesagt, in anti-idealistischen, anti-utopistischen Zeiten. Das ist, gegenüber den Zwanziger Jahren, ein großer Verlust. Man mag sagen, dass aus den großen Utopien jener Zeit die Monster von Stalinismus und Faschismus geboren wurden, aber schaut man sich den Beginn des letzten Jahrhunderts an, ist man verblüfft über die künstlerische und soziale, literarische und musikalische Energie, die sich an der Gegenwart (auf)reibt, die in die wildesten Richtungen gegen die Wirklichkeit fabuliert und weit entfernt ist von dem traurigen Realpolitik-Umgang, den Kultur heute mit der Gesellschaft pflegt. Wir sind eine Welt, in der das kleine Rad wichtiger scheint als der große Wurf, in der Reform einen schlechten Beigeschmack bekommen hat, in der schon die Idee einer anderen Gesellschafts- oder Wirtschaftsorganisation selbst angesichts massiver Wirtschaftskrisen so unvorstellbar scheint wie die Idee eines anderen Umgangs mit Energie und Ressourcen, selbst wenn die halbe Welt im Sturm versinkt.

Stuttgart ist, so banal das klingt, das Opfer schlechter Planung und schlechter Öffentlichkeitsarbeit, einer antibürgerlichen Politik, die jetzt wahrscheinlich zurecht das Echo zu spüren bekommt. Es ist verständlich, den sichtbaren Ausfluss dieser Politik – den Bahnhof – zum Prügelknaben zu machen, aber es ist dumm. Die Reaktion der Politik wird sein, weiter business as usual zu machen, weiter hinter verschlossenen Türen zu dealen – aber in Zukunft auf städtebaulichen Mut zu verzichten und auch architektonisch im Kleinklein zu bleiben. Es wird immer und ausnahmslos schwer sein, die Öffentlichkeit von Gebäudeentwürfen à la Morphosis und Sauerbruch Hutton zu überzeugen, so wie es nicht einfach war, die sperrige Ästhetik des Eisenmann-Mahnmal zu kommunizieren. Halbwegs mutige Architektur ist nichts für den kleinsten gemeinsamen Nenner, sie begeistert erst mit etwas Abstand und muss überzeugen dürfen. Selbst vernünftige, zukunftsweisende, wenig symbolische Architektur wie die eines Christoph Ingenhoven, der ja eher dazu tendiert, seine Gebäude fast unsichtbar in die Natur einzubetten, sind noch anders genug – futuristisch genug -, um offenbar den Mob von der Kette zu lassen. Der sich offenbar anstatt eines unterirdischen Bahnhofs, der Raum für die Stadt freigibt, immer noch eine hochherrschaftliche Kirchen des Verkehrs wünscht, eine altbackene Architektur der Macht, die sich nicht sanft zurücknimmt, sondern nur gebaut ist, um zu beeindrucken.

Es ist insofern der öffentliche Protest, der selbst unweigerlich den Weg des kleinsten geringen Nenners gehen muss und vereinfacht, der die bestehenden Strukturen nicht hinterfragt, sondern verfestigt. Die Verfilzung von Politik und Wirtschaft wird eher nach Wegen suchen, noch verborgener, noch sicherer im Untergrund zu werkeln, ohne negative öffentliche Meinungsäußerungen zu provozieren, bestenfalls werden PR-Profis versuchen, in Zukunft Großprojekte vorzukommunzieren und die Citoyens zu steuern. So verständlich und richtig der Protest der Bürgerschaft gegen eine Politik ist, die scheinbar losgelöst und machtvergessen in die eigene Tasche wirtschaftet und dafür selbst infrastrukturellen Unsinn in Kauf nimmt, so falsch ist der Wir-sind-das-Volk-Komplettprotest. Wichtiger und zentraler wäre, die aktiven Bürger mehr in die Politik zu bringen, stärker zu involvieren und zu gestaltenden Kräften der Stadt zu machen – sprich, ein komplett anderes Denken über Politik einzufordern anstatt einen Kopfbahnhof. Aber vielleicht ist es einfach einfacher, gegen etwas zu sein, als für etwas. Gegen braucht noch keine Antworten, keine Utopien, keine Ziele, für ist schon deutlich schwieriger. Zentral aber wäre, dass sich Bürger, Politiker, Unternehmen und auch Architekten an einen Tisch setzen und über die Städte, das Zusammenleben von morgen nachdenken. Während der jetzige Protest den Status-Quo zementieren will, nur gegen den Wandel an sich zu sein scheint, wäre es deutlich spannender, offene Netzwerke zu spannen, in denen der ja unhaltbare Status Quo hinterfragt, durch das Säurebad der Zukunft gejagt wird und mit Mut und Energie an der Urbanität von morgen gewerkelt wird. Stuttgart könnte dafür ein guter Einstieg sein, Hamburg ebenso. Wichtig ist, den berechtigten Unmut der Bürger zu etwas positivem zu formen und die Protestler zu fordern, mehr als nur ein «Nein» zu liefern, sondern eine positive, langfristige, zukunftsgerichtete Energie zu stiften, die uns endlich aus dem postmodernen Permafrost befreit.

Bild: Ingenhoven Architects.

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Ordnung…

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… so aufgeräumt ist es ja zugegeben selten bei diesem Blick von meinem Schreibtisch. Dieses SonntagmorgenumNeun-Photo ist für die nächste Webausgabe des DesignmadeinGermany-Magazins, das bald erscheint und wieder eine (diesmal sogar fast kurze) Glosse enthält, die ich gerade freigegeben hab. Irre, was Nadine und Patrick auf die Beine stellen, bin sehr gespannt auf die vierte Ausgabe, die dritte war mehr als lesenswert und das Heft wird mit jedem neuen Nummer immer besser.

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Leipzig School of Design bietet Vorstudium an

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Nachdem ich gestern einen kurzen und vernichtenden Einblick in die Arbeit von Designstudenten hatte, finde ich diese Idee eigentlich auf den ersten Blick sehr charmant – um den von Hochschulen wie Arbeitgebern kommenden Beschwerden über die Qualität der Studenten zu begegnen, bietet die Leipzig School of Design eine Art Vorstudium an, bei dem bis zu 40 angehenden Designer ihre Mappen optimieren, erste Grundlagen kennenlernen und etwas vorbereiteter in den Bachelor gehen sollen. Das Vorstudium dauert sechs Monate und kostet monatlich 340 Euro. Aus der Ferne kann man die Qualität der Sache schlecht beurteilen, und Photos/Texte auf Homepages sind immer so eine Sache – aber die Idee an sich klingt vielversprechend, wer das Geld hat und sich auf das Studium und die Auswahlverfahren vorbereiten will, sollte sich die Sache vielleicht näher ansehen.

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Schauraum 4

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Gestern war ich kurz auf der Diplomschau der FH Dortmund. Leider ohne so richtig Zeit, mich in die Sachen zu vertiefen – was bei 80 gezeigten Abschlussarbeiten (Diplom und Bachelor) auch völlig unmöglich war, zumal die Komplexität der Abschlüsse teilweise enorm ist. In die harte Kreativität eines halben oder ganzen Jahres, die sich in multimedialen Installationen, dicken Büchern, vertiefenswerten Photos und Illustrationen niederschlägt, kann man nicht in einer Viertelstunde, einer halben Stunde eintauchen. Und – schrecklicherweise – auf Erklärungen des Absolventen und hermeneutische Hilfestellung durch den Dschungel der Referenzen jeder einzelnen Arbeit hat man bei 80 Studenten eigentlich auch keine Lust. Und so führen Abschluß-Zeigungen heute eine seltsame Krux des Designs vor, indem sie einerseits zeigen, wie wenig der Arbeiten sozial sind, sofort verständlich, einfach, klar zugänglich und wie viele an der Grenze der Kunst laborieren, für die gute Note noch mehr beeindrucken müssen, spektakulärer, andersartiger sein wollen, und wie das in der Masse dann oft langweilend und verkopft wirken kann (in der Masse – die einzelne Arbeit für sich ist meist toll). Design wird so selbstreferentiell – und wenn man sich die Plakate ansieht, die in und an der Uni hängen, wird schnell deutlich, dass die Designer nur noch dann zeigen können, was sie wollen, wenn sie für sich selbst und Gleichgesinnte arbeiten, weil nur diese ihren Stil noch begreifen… und das ist eine bedrohliche Tendenz. Andererseits wird schon in diesem Mikrokosmos klar, dass wir eine gesunde Grenze in der Ausbildung überschritten haben – es gibt schon hier zu viele Arbeiten, um sie erfassen, gewichten, vergleichen, kennenlernen zu mögen. Wenn wir über die Übersättigung des Designmarktes sprechen, hier wird sie greifbar, hier greift sie sogar tatsächlich an – die Flut guten Designs wird geballt zur Attacke, der man am Ende durchaus auch entkommen möchte, aus dem Vakuum gutgestalteter Egozentrik zurück in die Welt häßlicher Plakate und Flyer, die aber wenigstens aus realem Auftrag kommen.

Wie gesagt, die einzelnen Arbeiten sind oft gut und sehr gut – würde man nur die besten zehn Arbeiten sehen, man wäre wahrscheinlich begeistert -, und wie im Vorjahr zeigt sich eine zwar sehr durchwachsene Qualität, die aber am oberen Ende, sofern sie nicht endlos Mario Lombardo kopiert, viel viel besser ist als die FH noch vor fünf Jahren war und die ein unglaubliches Potential zeigt. Es ist die schiere Masse, die dich erdrückt – das Zuviel an Bildern, Büchern, Gewolltem und Gutgemeinten. Und natürlich die Frage, was diese 80 (!!!) Absolventen eigentlich am Kreativmarkt machen werden. Laß es nur 30 oder 40 Designer sein, oder 20 Photographen… wo kommen die Aufträge dafür her? Und das ist nur eine FH, während drumherum in Essen, Wuppertal, Krefeld, Münster, Düsseldorf, Bielefeld etc. in ganz NRW mit der Umsetzung von Bologna und dem hohen Aufnahmedruck des Landes (der mit der ansonsten etwas populistisch-kurzsichtigen Abschaffung von Studiengebühren vielleicht wieder zurückgeht) ganz ähnliche Zahlen emergieren. Dass Designer ein neues Lumpenproletariat werden, Freelancer und Büros in einen selbstzerfleischenden Wettbewerb geschleudert sind, wird beim Gang durch die so herrlich bürokratischen und zugleich verrockten Gänge von Dortmund absolut greifbar – es ist, als würdest du als Auftraggeber plötzlich einen Pitch mit 50 Büros haben. Mein Mitleid gilt den Dozenten, die sich durch diese Flut voranschwimmen müssen und anders als die Kollegen in Jura und BWL nicht ein Fach haben, in dem klare Tests, hartes Absägen und nücherne Wissensorientiertheit als Werkzeuge zur Benotung zur Verfügung stehen, sondern eigentlich der individuelle Diskurs, die kleine Gruppe, das persönliche Vermitteln von Handwerk und Vision und einer ganz erschreckend vielseitigen Kulturleistung im Vordergrund stehen müssen.

In Wuppertal ließ Andreas Uebele, selbst Professor in Düsseldorf, keinen Zweifel daran aufkommen, dass seiner Meinung nach zu viele (und zum Teil wohl auch nicht immer die bestqualifizierten) Studenten Design studieren und es ging ein Raunen durch den Raum einer Fachhochschule, deren Designbereich gerade geschlossen wird. Aber generell hat er unbedingt recht… nicht einmal nur, weil am Ende zu viele Leute mit zu leicht verdienten 1,3er BAs durch den Markt gehen, sondern vor allem, weil niemand sich die Mühe macht, den Studenten zu erklären, dass sie in eine möglicherweise prekäre Berufssituation hineinstudieren. Es ist stets die Krux des scheinbar im späteren Leben Erfolg versprechenden Studiums, dass es durch die eigene Beliebtheit dann irgendwann so überlaufen ist, dass der versprochene Erfolg für viele Studenten ausbleiben wird. Dieses universale Glücksversprechen eines verworrenen und weichgespülten Bildungssystems, in dem der Staat allen Eltern das perfekte Glück für ihre Kinder versprechen will – möglichst jeder kann Abitur machen, möglichst jeder kann studieren, möglichst jeder kann Kanzler werden – ist an sich wunderbar, nur leider ist es nicht gerecht, weil es immer schon gelogen war. Es gibt in jeder Branche Effekte von Mangel und Überflutung, von Angebot und Nachfrage… und wenn das Bildungssystem nicht sorgfältig auf solche Tendenzen reagiert, wenn es so gar kein Konzept dahinter gibt, was wer wie wo studiert oder studieren kann, wenn anything goes die Maxime ist und wenn Unterschiede im Können durch eine zunehmend egalitäre Notenvergabe ausgeschliffen werden, dann greifen eben andere Mechanismen, die leider viel härter sind, später im Leben kommen und die in ihrer Gnadenlosigkeit viel ungerechter sind als eine frühe pädagogisch ernsthafte Härte. Nur kann dem Staat es dann eben etwas egal sein, denn den Rest regelt der böse Arbeitsmarkt, und für den kannst du als Politiker nichts, du kannst die Opfer dann mit Sozialleistungen abfedern – und die sind dann perfiderweise im Haushalt höher, viel höher, als die Bildungsausgaben. Nur – sinnvoller wäre es eben anders herum.

Und so gehst du in Dortmund an teilweise ausgezeichneten Arbeiten vorbei, bist traurig, in der Flut keine Zeit für das Einzelne zu haben, durch die Masse innerlich unruhig zu werden und nur kursorisch hier zu blättern und dort zu schauen, weil es so ist, als würden in einem Plattenladen fünfzig Alben gleichzeitig laufen. Das Zuviel, an dem die Gesellschaft ja insgesamt leidet, wird hier erstickend deutlich. Und wo es einerseits enorm Freude bereitet und Stolz macht, dass so viele junge Menschen so kreativ auf die Reise gehen, sich entdecken und testen und finden, wo es toll ist, wie jeder individuell sein Ding macht… so zynisch wird man in der Gesamtschau, wenn man sich betrachtet, wie in der Design-, Photo-, Architektur- und Filmbranche gerade Aufträge vergeben werden und wie schon die bestehende Struktur kaum noch ernsthaft aufrechterhalten werden kann. Und gerade da wirst du traurig, wegen des Missverhältnises zwischen den guten Arbeiten und den tollen Leuten hier, die mit Herzblut und Energie bei der Sache sind, und der harten Realität, die diese Leute zwingt, sich härter und schneller zu prostituieren oder unter Wert zu verkaufen, als gesund ist. Ich jedenfalls drücke den Absolventen, die hier teilweise großartige Arbeiten gezeigt habe, beide Daumen…

So, genug geredet, her mit ein paar lose geschossenen Eindrücken:

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Homepage-Design zu verschenken…

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Da die Bielefelder Philharmoniker sich Anfang der kommenden Saison eine neue Homepage verpassen, verwaist das bisherige Design. Da wir das Layout eigentlich noch spannend finden, aber es niemals für einen neuen Kunden zweitverwerten würden, haben wir die Idee, es (fast) zu verschenken.

Die Site basiert auf Flash, hat aber für nicht-Flashplayer-Nutzer eine komplette HTML-Variante, es gibt ein kleines AIR-basiertes CMS für News und Termine. Das mit einem red dot ausgezeichnete Design bietet einiges an Individualisierungsmöglichkeiten, wie etwas saisonspezifische Backgroundbilder, eine klare Konzertgliederung, Raum für Downloads, ein Gästebuch und und und…

Ich finde völlig okay, wenn eine Site stirbt, so funktioniert das Web und bleibt frisch – aber wenn da draußen ein Orchester oder eine andere Einrichtung ist, die mit dem bestehenden Layout weitestgehend kongruent als Nutzer ist, sich aber eine volle Site-Konzeption eigentlich nicht leisten kann oder will und das Design der Site mag, würde ich das Design stiften.

Anfallen würden natürlich die Kosten beim Programmierer, der natürlich einiges anpassen und den Content einpflegen müsste, aber von unserer eigenen Seite aus würde ich die Gestaltung verschenken, unter der Bedingung, dass die neue Site auch schön bleibt. Das Design dürfte etwa in zwei Monaten nutzbar sein.

Einfach kurze Mail an nodesign, ich glaube ja nicht, dass sich jemand meldet, aber man kann es ja mal versuchen…

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Schauraum 4

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Die über 90 Dortmunder Abschlussarbeiten aus Fotodesign, Grafikdesign, Objekt- und Raumdesign sowie Film zeigt die FH Dortmund vom 16. – 18. Juli 2010 in der vierten Schauraum-Ausstellung. Weitere Infos gibt es hier, einen kleinen Trailer als Vorgeschmack hier.

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No Retro

«Es ist ein Ausdruck des Scheiterns, dass die Generationen, die heute als verantwortlich gelten, es wagen, die Vergangenheit wie eine Trickkiste zu behandeln, aus der sie mal dieses, mal jenes herausziehen.»

Christoph Ingenhoven, Spiegel 25/10

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Kokolores in der Novum

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Die Novum lesen wir ja ohnehin sehr gerne im Abo und lieben sie wegen der immer schönen Vorstellung von ausgefallenen Papieren und Drucktechniken, aber diesen Monat war die Freude im Büro extragroß, als unsere Praktikantin Danny entdeckte, dass ihr Diplom «Kokolores» in der Novum-Diplomschau vorgestellt wurde. Danny und ihr Freund Sebastian liefern sich derzeit fast eine Art Gefecht, wer öfters gefeatured wird… ;-)

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Kannst du es sehen

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Wie sieht es hier in 10 Jahren aus? Mit dieser Frage tauschten 12 Photostudenten der Ruhrakademie und der Berliner Neuen Schule für Fotografie die Heimat – die Studenten aus dem Ruhrgebiet und Berlin wechselten die Positionen und nahmen aus der Neugierde der Neuankömmlige das jeweils andere Territorium zwischen touristischer Neugierde und frischem Blick auf Vertrautes auf. Das Ergebnis ist Kannst du es sehen?

Heute um 19 Uhr ist nach der Berliner Ausstellung die Eröffnung im Ruhrgebiet, genauer in Essen von 19-22 Uhr. Die Ausstellung selbst läuft vom 11. Juni – 09. Juli in der Galerie Kalthoff, Sabinastraße 1 45136 Essen.

Update: Hier noch ein paar Bilder von der Eröffnung:

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Leerzeichen für Applaus

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Dieses Diplom, dass die 26-jährige Jenna Gesse an der FH Bielefeld gemacht hat, ist bereits auf den ersten Blick ungewöhnlich. Normalerweise neigen Designstudenten dazu, übergroße aufwendige Bücher zu produzieren, die schnell auf den ersten Blick mit wilder Typographie und großen Bildern, die sofort beeindrucken. Jenna geht das ganz anders an: Ihr Buch ist grau, klein und kommt ohne Bilder aus – bescheidener, zurückhaltender geht es kaum. Der einzige Luxus ist ein türkisgrüner Farbschnitt, der das Büchlein einfasst. Der Rest ist so einfach wie wunderschön: ein phantastisches Buch, das zurückhaltend gestaltet ist und im wahrsten Sinne des Wortes zurück zur Buchkunst kommt, zu guter Typographie, liebevoller Verarbeitung und schönen Texten. Jenna mischt lyrische und prosaische Texte rund um die Arbeit von Designern und Gestaltern, die nicht wie bei manchen anderen Diplomen eine Art Blindtext sind, sondern absolut lesenswert, humorvoll und klug. Mit Dirk Fütterer als Dozent steht ihr natürlich ein absoluter Könner in Sachen Buchgestaltung zur Seite, aber Jenna selbst – die im Team schon als Studentin zahlreiche Designpreise einheimsen konnte – zeigt eine für ihr Alter beeindruckende Zurückhaltung und ein Fingerspitzengefühl, das die kleinen Gags und Feinheiten, die das Buch auszeichnen, umso schöner hervorstechen lassen. Die Typographie ist da, ohne jemals zu laut zu werden, sie ist gekonnt und präsent und nicht zu konservativ, aber sie macht auch keine Mätzchen um der Mätzchen willen – alles ist eine wunderbare dichte Einheit, die harmonisch funktioniert, Tschichold würde es (wahrscheinlich) lieben.

Man kann kaum viel über das Projekt schreiben, weil man es selbst lesen muss, selbst haben muss. Ich bin mehr als sicher, dass dieses Buch über kurz oder lang beim Hermann-Schmidt-Verlag erscheinen wird/muss – aber bis dahin könnt ihr es bei der Autorin selbst aus der kleinen Diplomauflage bestellen unter jenna.gesse(at)gmx.de. Gar nicht lange überlegen, sondern direkt hinschreiben, solange es die Bücher noch gibt – ihr werdet es nicht bereuen. Dieses Buch ist klein, fein, mutig, witzig, irritierend, klug, überraschend, smart und in sich eine wunderbare Reflektion des Prozesses, eben ein Buch zu gestalten – und ein großartiges, rundum gelungenes dazu.

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Was kostet Design?

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Heute abend treffen in der FH Wuppertal erneut im Rahmen der Ferngespräche-Reihe zwei namhafte Größen der Branche aufeinander. Nachdem in den letzten Wochen bereits Uwe Lösch, Niklaus Troxler, Horst Moser und Sarah Illenberger sich die Klinke der Folkwang Universität der Künste auf dem Wuppertaler Campus in die Hand gaben, sind nun mit Johannes Erler und Andreas Uebele zwei der erfolgreichsten Designbürobetreiber der Branche zu Gast, Erler hat mit Factor Design schlichtweg moderne Designgeschichte geschrieben und ungezählte ähnliche Büros inspiriert, Uebele ist wie kein zweiter deutscher Designer zu einem Begriff für Informationsdesign geworden und hat mit dafür gesorgt, dass uns Gestaltern auch eigentlich der Architektur verwandte Betätigungsfelder immer selbstverständlicher offenstehen.

Johannes Erler hat sich bereits im vergangenen Jahr via Fontblog mehrfach zu Wort gemeldet, um seine Haltung zu Design, Honoraren und den Arbeitsbedingungen der Branche zu teilen und ist dabei auf durchweg positives Feedback gestoßen. Dabei redet er nicht nur, sondern handelt auch, etwa indem Factor Design ein nuanciertes Praktikums-Angebot ausgearbeitet hat. Andreas Uebele ist mit seiner Meinung weniger publik, aber seine Erfahrung in der Praxis und Bildung sowie einige Statements von ihm machen klar, dass auch er eine pointierte und klare Meinung zu unfairen Wettbewerben, Preisdumping und Crowdsourcing hat.

Ein Abend also, nachdem ich im letzten Monat arbeitsbedingt die Ferngespräche versäumt hatte (sehr ärgerlich, weil alle drei Veranstaltungen top waren, Troxler ist immer sehenswert, Horst Moser ein unfassbarer Schatz an Information), den ich ohnehin besucht hätte. Umso schöner, dass man mich jetzt zwingt, dorthin zu kommen, weil ich den Abend moderieren darf. Als Ersatz für Deutschlands Trendforscher Nr. 1 Prof. Peter Wippermann einzuspringen, ist allerdings in jeder Hinsicht eine schlichtweg nicht zu meisternde Aufgabe, an der ich hoffentlich zumindest mit etwas Würde scheitern werde. Ich hoffe darauf, dass die beiden Gäste den Abend schon retten werden ;-). Dazu passt ja durchaus, dass ich seit Samstag eine Halsentzündung habe und ohnehin wenig sprechen kann – was ja bei mir durchaus mal eine Abwechslung wäre.

Wenn jemand Fragen zum Thema Design/Kosten/Honorare an Erler oder Uebele hat, schreibt sie bitte in die Kommentare, vielleicht kriege ich eine eingebaut. Ansonsten freue ich mich sehr auf heute abend und auf eine spannende Diskussion.

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Design Made in Germany 4

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Die vierte Ausgabe des immer weiter wachsenden Design-Made-in-Germany-Magazins von Patrick Marc Sommer und Nadine Rossa ist online, diesmal zum Thema «Webdesign». Beim ersten Durchblättern wimmelt es mir schon zu oft von «Usabilty» (meinem persönlichen Haßbegriff der Woche), aber die Interviews und Texte sehen spannend aus. Eigentlich seltsam, dass meine zunehmend wirscher werdenden (und so ja auch als langwerdende FlashWriting-Form geplanten) Texte noch in ein so gut werdendes Blatt dürfen. Mit Information Architects und Iconwerk hat das DMIG-Team zwei tolle Interviews am Start, Christophe Stoll und Johannes Schardt denken über die Zukunft von Print im Web nach, die wir in Form von Spiegel und Zeit-Relaunch auch gleich erklärt kriegen… klingt alles spannend. So spannend, dass man das Heft eigentlich langsam am liebsten gedruckt mitnehmen möchte ;-D.

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On the Sleeve…

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Klar, jeder weiß, das Albumcover – als es sie noch gab – der große Abenteuerspielplatz für Grafik Designer waren? Aber reine Industrie-Sleeves, die reine Schutzhülle ums Vinyl? Anscheinend schon, wie dieses Blog mit teilweise wunderbar sparsamen Retro-Designs zeigt: Record Envelope.

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