HD Schellnack /// Kontakt iPhoto s90 Typographie Pop Alternative Aktionen Twitter nodesign Licht Apple Photographie Denken Fail Natur Fragen Dayshot Belletristik Winter Studium Software Medien Vernacular Fun Comics Werbung Gesellschaft Farbe Web Print iOS ScienceFiction Electronic Zukunft Jazz Frühling Magazine Hardware Retro Klassik Kitsch Drama Sommer Zitat Herbst Sachbuch Kunst Fantasy Emma Organisation Kultur

CASINO ROYALE TRAILER

Ich bin an sich kein Fan des James-Bond-Mythos, nicht der Filme und schon gar nicht der eher langatmigen Bücher Ian Flemings. Sean Connery hatte den legendären 60s-Charme und die Filme – für die Zeit – den passenden Testo-Sex-Appeal, der in die Zeit der Playboys und Autorennfahrer zu passen schien. In den postfeministischen 90ern wirkte ein Pierce Brosnan als Bond aber endgültig deplaciert und albern, die Figur auf den Dressman, auf ein paar Standardsätze, auf Technikspielzeug, weibliche Dekorrollen und reichlich Explosionen sans Plot reduziert.

Wahrscheinlich wird all dies mit Daniel Craig als neuem Bond nicht besser werden. Der aktuelle Trailer zu Casino Royale sieht nach einem normalen Actionstreifen aus, als sei der Bond-Mythos nicht längst von Filmen wie Die Hard, von The Transporter und ungezählten anderen Bond-Derivaten überflügeltworden. Von einer neuen Generation von Everyday Heroes, die tougher, weniger elegant, direkter sind als der steiflippige britische Geheimdienstagent. Es ist also zu befürchten, daß es ein wenig mehr Mission-Impossible geben wird, ein bißchen mehr Thrillerkino, natürlich ein bißchen Verbeugung vor den klassischen Bond-Klischees – aber eben nicht mehr. Dabei steckt in Bond das Zeug zu einem echten Film. Zu einer echten Figur. .

Was schade wäre. Aus drei Gründen. a) Die Zeit ist gut für einen Agententhriller mit klarer Kante. Terrorismus und Angst vor dem Fremden, eine scheinbar unsichere Welt.. gutes Terrain für eine Figur wie Bond, wenn man sie nur zuspitzt. . b) Sony hat kein Geld. Und Armut, sprich mangelndes Budget für Special FX und teure Pyrotechnik,macht hoffentlich erfinderisch. Das Budget von Casino liegt deutlich unter dem letzten Brosnan-Bond. Und c) Daniel Craig. Wer hätte gedacht, daß ausgerechnet dieser hardboiled aussehende rohe Mann – und nicht ein weiterer pretty boy wie Clive Owen – aus dem Casting für den neuen Bond hervorgehen würde? Craigs Look ist alles andere als Muttersöhnchen, diese blauen analystischen Killeraugen, das zerkrumpelte Gesicht… da bekommt man ja fast die Hoffnung, daß Bond in Zukunft wieder mehr sein sollte als ein Dressman. Auch wenn Omega natürlich wieder Partner ist :-D.

Für mich wäre derideale Bond eine Figur wie Kiefer Sutherlands Agent Jack Bauer, der meiner persönlichen Vorstellung von Bonds Funktion extrem nahe ist, als eiskalter, getriebener, neurotischer Soziopath, der nur durch seine Mission und seinen suchthaften Drang nach Handlung zusammengehalten wird, zeigt, wie ein James Bond funktionierne könnte. Der Mann hat die Lizenz zum Töten.. was stellt das mit einem Menschen psychologisch an? Wie kalt, wie kaputt könnte Bond sein. Der smarte Anzug nur als Tarnung, die schicken Sprüche nur als schale und darunter der Killer-Psychopath. This would work.Was ich an 24 mag, die schiere manischeIntensität von Sutherland, ließe sich spielerisch auf Bond übertragen. Natürlich liefert Casino royale alle klassischen Zutaten, zumal die Franchise ja wieder an Connery anknüpfen will. Der Gegenspieler, die Gespielin, das Vorgeplänkel am Spieltisch… aber es bleibt zu hoffen, daß Sony die Kurve kriegt und Bond mit Ächzen und Stöhnen aus dem Kalten Krieg in den neuen assymetrischen Krieg zerrt und dem hervoprragenden Darsteller Daniel Craig, der sich hier eventuell ganz schrecklich verheizen lassen könnte, die Chance gibt, der mit und seit Roger Moore schrecklichen udn schrecklich albernen ausgemusterten Figur eine neue Bedeutung, vielleicht sogar erstmalig eine Bedeutung einzuhauchen. Anstelle von Bond als reaktiver Figur, die mehr oder minder routiniert den Weltuntergang wieder und wieder verhindert, um am Ende den weiblichen Costar im Schlauchboot zu knutschen, sollte es vielleicht mehr um die Figur gehen, um das, was mit ihr in den Filmen und zwischen den Filmen passiert. Seien wir ehrlich: Ein echter Reiz bei 24 ist doch – primär – die Frage, wieviel Schmerz phsysisch aber vor allem psychisch Jack Bauer ertragen kann. Bauer ist Hiob, Prometheus und Sisyphos in einer Figur – geschunden von seinem Job, dem er alles geopfert hat und dem er doich wie ein Junkie anhängt, dem Thrill, der eigenen fatalen Besserwisserei, dem Instinkt für die Jagd. Ohgne die brüchige und gebrochene Figur wäre 24 nicht zu ertragen. Diese Frage, zusamen mit der psychotischen Macht/Gewalt/Autoritätssache, die bei Bauer und Bond läuft, läßt sich nahtlos auf 007 übertragen. Den Charakter in den Mittelpunk rücken, nicht den (zudem immergleichen) Plot.

Wie dem auch sei, allein die Besetzung mit Craig macht einem fast Lust, sich nach Ewigkeiten mal wieder einen 007-Film anzusehen. Der Mann ist gut. Wenn sie mit ihm die Figur nicht gerettet kriegen, dann nie mehr. Ich drücke diesem Fossil der seriellen Erzählstruktur die Daumen. Und wenns mit Bond nicht klappt, bekommen wir vielleicht eine Chance, Angelina Jolie endlich als Modesty Blaise zu sehen, ja? Danke.

13. September 2006 01:36 Uhr. Kategorie Film. 5 Antworten.

5 Antworten

Antworten

Schreibe eine Antwort, oder hinterlasse einen Trackback von deiner Site. Antworten abonnieren.


Creative Commons Licence