
Seltsamerweise habe ich dieses Album tatsächlich gekauft – obwohl es online gratis zum Download verfügbar ist, wie ich später erfahren habe. Das Geld ist dieses Debut der Band aus Hampshire aber allemal wert, auch wenn die Produktion von Track zu Track nicht immer überzeugt. Canterbury mischen verschiedene Gitarren-Indie-Pop-Genres durcheinander, klingen dabei mal garage-härter, mal etwas radioorientierter, bis hin zu psychedelischen Tracks (Accident) und lupenreinem Pop wie Diver. Es wirkt, als würde die Band mit ungezähmter Energie verschiedenste Strömungen und Möglichkeiten durchspielen, um sich selbst zu entdecken. Wie so oft bei Debütalben – und gerade hier, auf einer Zusammenstellung die klingt, als sei sie aus Monaten und Jahren von Demomaterial zusammengestellt – macht gerade diese Inkohärenz die Platte an sich spannend, weil die verschiedenen Stimmungen in einer Band greifbar sind, die Diskussionen im Proberaum über die Identität zwischen härteren Sounds einerseits und Massenappeal andererseits. Das die Band dabei so jung ist, dass manche der Songs noch aus Schultagen stammen, hört man dabei keine Sekunde – das Album wirkt vom Fleck weg so ausgereift und gekonnt, dass man eher das Gefühl hat, das dritte oder vierte Album einer Band zu hören, die sich auf langen Touren zu einer festen Gang zusammengeschmiedet hat, die anscheinend Freude daran hat, mal swingenden Groove à la The Kooks rauszuhauen, um in der nächsten Sekunde wie Screamo-Garage zu klingen – die Jungs klingen so, als würden sie einfach ihre eigene Playlist durchgehen und fröhlich ihren Helden nacheifern – und das so gut, dass sie mit dem Erstling schon reifer klingen als manche Band, die seit Jahren dabei ist. Thank You ist in mehr als einer Hinsicht ein seltsames Album – geschmacklich völlig frei flottierend, aber in jedem Song dabei überzeugend, unpoliert, aber energiegeladen… und völlig gratis, was nicht nur cleveres Marketing ist, sondern auch zeigen wird, ob sich ein solcher Schritt nur für Bands wie Radiohead lohnt oder auch für unbekanntere Acts einen Gewinn abwirft. Bleibt zu hoffen, dass der Schritt zu «verschenkter» Musik Canterbury jede Menge Konzerte, Fans und genügend Geld für ein zweites Album beschert.
29. März 2010 09:57 Uhr. Kategorie Musik. Tag Alternative. Keine Antwort.