
Und noch einmal der Danger Mouse Brian Burton, diesmal nicht mit Sparklehorse sondern mit dem Shins-Sänger James Mercer, und ähnlich wie bei «Dark Night of The Soul» ist das Ergebnis eine Mischung aus naiv-minimalistischer Electronica, perfekter Produktion und psychedelischem Folk, die überraschend wenig nach «dem» Danger Mouse Sound klingt, sondern eher nach eine Fortführung des brütenden, introspektiven Sounds der Sparklehorse-Coproduktion, nur homogener, vielleicht auch nicht ganz so depressiv-introspektiv. Wo «The Ghost Inside» nahezu Hitqualitäten hat, sogar stark an die Gorillaz erinnert, gibt es etwa mit «Citizen» ein verschlepptes, melancholisches Stück Traurigkeit – und dieser Stimmungsmix zeichnet das Album insgesamt aus. Es ist unweigerlich etwas sonniger als «Dark Night», aber ebenso unweigerlich doch ein Herbstalbum, zu dem die Regentropfen hörbar gegen das Glas schlagen. «Broken Bells» zeichnet sich durch eine feinere Melancholie aus, in der wie Drogenflashbacks die gute Laune der Beach Boys hinein blitzen kann, wie alte Super-8-Filme aus der Kindheit, so wie sich immer seltsame Retro-Momente in den fast nahtlosen, wunderbar naiven und doch perfekten Mix aus elektronischen und akustischen Sounds mischen. Broken Bells, wenn man so will, ist die Light-Version des «Congratulations»-Album von MGMT, es geht zur gleichen Quelle, kommt aber mit einem leichteren Gebräu zurück. Das Paradoxe an diesem Album ist, dass Trauer selten so mitnehmend und eingängig klang – wo «Dark Knight» dich im Wortsinne wirklich ins tiefste Dunkel führt, bringt dich «Broken Bells» eher auf einen verstaubten Dachspeicher, wo seltsame Spielzeugpuppen und seltsame Kisten liegen, in die dich die Musiker immer mal wieder hineinblicken lassen. Hier ein Orgelsound, dort ein Gesangsfetzen, ein Drumcomputerbeat – irgendwie klingt vieles auf vertraute Art unvertraut, auf eine innovative Art Vintage, was eine zeitlose Melange ergibt, ein Album, das schwer zeitlich festzunageln ist. Die Schattenseite davon ist, das kein Track auf dem Album wirklich mitreissend, wirklich frisch oder mutig klingt, bei aller schönen Poesie kein Klang, keine Harmonie, kein Nichts, was dich vom Stuhl wirft und begeistert. «Broken Bells» plätschert ungemein gekonnt, hochgradig ausgefeilt und wunderschön vor sich hin und stirbt in dieser Schönheit auch ein wenig. Es ist Folk auf Valium, Pop auf LSD, es ist ein großartiges Album, wenn du es hörst und danach bleibt seltsamerweise wenig zurück – nicht einmal ein Kater.
28. Januar 2011 15:10 Uhr. Kategorie Musik. Tag Alternative. Keine Antwort.