
Schon vor einer ganzen Weile hat mir Nora Gummert-Hauser die erste Ausgabe des von ihr betreuten Magazins Botenstoff mit einem sehr netten Brief (merci!) zukommen lassen, aber ich bin nicht dazu gekommen, es zu bloggen…

Die Botenstoff ist ein studentisches Magazin der Krefelder Hochschule Niederrhein und sieht absolut ganz und gar nicht studentisch aus. Schön ausgewähltes Papier und eine kernsolide FF QuadraatSans als Brotschrift verleihen dem Magazin vom Fleck weg einen soliden Eindruck, den das relativ ruhige Design und die hochwertige Produktion auf den zweiten Blick verstärken.

Die Botenstoff, wie so viele Studenten-Magazine à la Roger oder Zwiebelfisch, will vor allem zweierlei: Nach außen die Arbeiten der Studenten vorstellen, nach innen wie eine Art Schülerzeitung mit Artikeln und Informationen wirken. Beides gelingt souverän, auch wenn die Portfolio-Seiten für mich als Außenstehenden vielleicht etwas zu kurz kommen und etwas zu unerklärt bleiben. Ansonsten liefert Botenstoff ein lesenswertes Potpourri, das angesichts der recht kleinen Projektgruppe und der kurzen Produktionszeit beachtlich ist. Ich bin immer wieder verblüfft, was Studenten – richtig motiviert – auf die Beine kriegen und Nora HAT anscheinend richtig motiviert. Ganz abgesehen davon bin ich etwas mehr als ein kleines bisschen neidisch auf dieses Projekt. Die Botenstoff ist rundherum professionell geworden, mit Liebe produziert und legt hoffentlich redaktionell den Grundstein für weitere Ausgaben. Ist auf jeden Fall Anlass, stolz zu sein.

Ganz ohne etwas Kritik geht hier aber natürlich gar nichts. Die Kritik ist aber – ganz wichtig – eher allgemein, hat eigentlich absolut nichts mit der Botenstoff an sich zu tun, sondern mehr mit Studenten-Mags und Design-Magazinen an sich und der Tatsache, dass ich mit diesem Thema gerade beschäftigt bin. Es gibt in letzter Zeit eine wahre Flut an Magazinen und sie alle sind solide gestaltet. Gerade studentische und Designer-Mags hängen derzeit an einem seltsamen schwerelosen Punkt. Sie sind nahezu ausnahmlos «designed», sprich Typo, Papier, Raster, das ist alles sehr amtlich, sehr smooth, sehr glatt. Und um etwas Dreck reinzubringen haben die Magazine nahezu alle irgendwelche funky-postmodernen Elemente aufgenommen, die – nimmt man die Mags alle einmal gemeinsam unter die Lupe – durchaus auch etwas austauschbar sind und eher ornamentalen Charakter haben. Bei der Botenstoff, aber auch bei anderen Magazinen sind das etwas ungewöhnlich umgebrochene Headlines, eine technoide Displayschrift, Schrägstriche und und und. Und obwohl mich das im Einzelfall nie stört (der Stil einer Ära ergibt sich aus Kopie und Weiterentwicklung) … in der Summe, der Querschau hat es etwas Beängstigendes. Graphik Design, so scheint mir derzeit, ist wieder da, wo wir 1970 waren. Handwerklich geschliffen, ohne große typographische Fehler, sogar oft mit schönen Details, visuell hier und da zu einer Art modernisierter Ornamentsprache neigend, mal mit dem retrospektiven Rückgriff auf romantisch verspielte florale Elemente, mal in einer Art stilistischer Rest-Bodensatz von Carson/Brody et al, ohne deren Bedeutung, Ansätze oder Inhalte zu bedenken. Da wird einfach die Form übernommen, das Gimmick, der Look. Das ist ja auch oft nett anzuschauen, aber mein innerer Adolf Loos zuckt dabei eben auch immer zusammen: Was soll das? Zum einen frage ich mich schon, inwieweit diese Überflutung mit Magazinen unweigerlich zu Inhaltsleere führen muss. Nur was knapp ist, ist konzentriert, unverwässert. Wenn jeder ein Mag macht, was sind Magazine dann jeweils noch wert, wie hoch ihre Qualität? Da entstehen insuläre Lösungen, die online längst viel ehrlicher funktionieren würden. Die RA hat letztens laut überlegt, ein Magazin zu machen und ich hab nur den Kopf geschüttelt. Brauchen wir das? Vielleicht ermüdet mich nur der Overkill, aber meine These, dass wir auf eine Design-Überproduktionsgesellschaft zulaufen, wird in Form all dieser Designer-Mags so erschreckend real greifbar. Das ist einfach zuviel an Slick, Neat, Shiny, Awesome.

Zum anderen wollen die meisten Magazine ja nur spielen. Die beißen eben nicht. Die Ray Gun war eben nicht nur visuelle Spielwiese für Carson, diese ganzen Typo-Experimente, an denen sich alle -inzwischen auch Carson selbst – klammern, waren doch nur Eye Candy. Das wirklich Befreiende und Aufregende an der Ray Gun war, dass sie die Logik eines bewegten Mediums – MTV – auf Papier brachte und damit die künstlerische, wütende Energie der Musik kommunizierte. Und Carson hatte einfach eine ganze Menge ungewöhnlicher, damals neuer und bahnbrechender Ideen, die weniger mit Optik und mehr mit einem komplett ent-regelten Denken über Magazin-Design zu tun hatten. Die wunderbar anders an die Idee von «Lesen» herangingen. Ray Gun war ein Mag, das Gewohnheiten komplett und mit furioser Wut und Schönheit in Frage stellte. Und zeitgleich hatte die post-strukturalistische Denke – zum Beispiel der Cranbrook Academy of Art – eben nichts mit reinen oberflächlichen Visuals und Stilästhetiken zu tun, sondern kam aus einer intensiven Auseinandersetzung mit Architektur, Literatur und Kultur und aus der Übertragung kulturästhetischer Rezeptionsmethoden auf das Graphik Design. Fragmentierung, Layering, Destruktualisierung, Dekonstruktion… es ging nicht (nur) um die Oberfläche, sondern eben um das, was darunter lag. Die Cranbrook-Pionieere wie Keedy oder Fella waren die ersten Siedler in einem unberührten Land, dem Grenzland zwischen Werbegrafik und Kunst.

Um ehrlich zu sein… dieser Spirit, dieser Pioniergeist fehlt mir bei studentischen Arbeiten aber auch bei Arbeiten junger Designer am Markt derzeit oft irgendwie. Durchgehend. Die Sachen sind rein visuell splashy und nett, aber sie TUN MIR NICHT WEH. Sie berühren mich nicht, sie überschreiten keine Grenze, sie sind so funktional und sympathisch, dass man auch eine Broschüre für ein mittelständisches Unternehmen in der Hand haben könnte. Ich verstehe teilweise nicht, warum Studenten- oder die freien Design-Magazine eigentlich so unglaublich normal sein wollen. Warum sie nicht experimenteller, anarchiger, klüger, punkiger, post-irgendwasiger sein wollen. Ein bisschen oberflächliche Smartness hier und da ist ja schön, aber wo ist der Drang, der NÄCHSTE Carson zu sein? (Ohne dabei konkret stilistisch Carson zu meinen, es geht um die Denke, nicht die Optik…)

Vielleicht drückt sich hier eine Sättigung aus. Die Konkurrenz am Markt erzeugt Anpassungsdruck und die Gesellschaft, in der wir leben, erzeugt ein Völlegefühl, eine Unbeweglichkeit, eine Art von Behaglichkeit, die jede Rebellion und Wut abstumpft. Vielleicht haben die Designer auch das Gefühl, das alles wichtige schon gesagt ist. Vielleicht erzeugen die sehr geschliffenen digitalen Mitteln – Fonts, Layoutsoftware, Photographie, Illustrator – auch eine Endzeit-Stimmung, so, als könne nichts mehr kommen, jetzt wo Ligaturen automatisch generiert werden.

Dabei ist es natürlich umgekehrt: Nachdem die 80er und 90er die digitale Revolution waren und Arbeiten von Leuten wie Greiman oder Hard Werken diesen Stil dokumentieren, gilt es jetzt, zu überlegen, was danach kommen kann… und brave Raster mit etwas zeitgeistigen Layout-Tricks sind wahrscheinlich nicht die Antwort.

Es ist die Aufgabe der Universitäten, mehr noch als die Vermittlung von austauschbaren Handwerk, das heute doch in einem oder zwei Semester abgehandelt sein sollte, die Studenten zu dieser Rebellion zu zwingen. Nur Studenten und kleine Independent-Magazine können doch schließlich – frei von Budget- und Zeitzwang – Design produzieren, dass nicht funktional ist, nicht ästhetisch, nicht brauchbar… sondern einfach eine Exploration der eigenen Möglichkeiten. Es kann doch nicht sein, dass die Magazine vor zwanzig Jahren spannender aussahen, vor allem aber in toto spannender WAREN als das, was mir heute als Design-Mags auf den Schreibtisch kommt.

Der Studentensprecher der Ruhrakademie hat mir einmal vorgeschlagen, man müsse ab dem ersten Semester eine Art Kulturkurs haben, in dem nur gelesen wird, Filme gesehen, Musik gehört, Theater besucht. Und das alles so hart wie möglich. Nur Sachen am Rande, experimentell, verwirrend, verstörend. Die Cutting Edge von den Sechzigern bis Heute. Und das so schnell, so hart, so massiv, dass die Studenten es kaum verarbeiten können, sondern einen Einruck kriegen von dem Wirbel, von der Energie ungebundenen kreativen Schaffens, von dem Feuer in all diesen Arbeiten. Und er hat natürlich recht. Ein Film wie Crash sagt mehr über Design als zehn Lehrbücher. Ali vs. Foreman in Zaire, Traneing In, Endspiel und und und… eine schier endlose Liste.

Vielleicht sind wir an den Punkt, wo es weniger um die Beherrschung der Werkzeuge geht, als vielmehr um die Frage, was man damit machen kann. So wie das Theater und der Film nach einer Phase der Perfektion der Mittel und Ausdrucksformen an den Moment kamen, wo man eben diese Mittel wieder in Frage stellen, neu erfinden, gegen sich wenden musste, um nicht zu sterben. Der Sinn eines Designmagazins kann nicht sein, etwas nach Design auszusehen und Designer zu interviewen oder schicke Bilder zu zeigen. Been there, done that. Sondern der Sinn eines freien Magazins muss unwillkürlich sein, auf das nächste Level zu wollen. Und vor allem: Auch mal dabei scheitern zu können. Die Emigre hatte immer den Mut, auch mal shitty auszusehen. Aus heutiger Sicht gibt es da einiges an fragwürdigem Design. Aber den Mut von vanderLans und Licko konnte man nie in Frage stellen. Ohne diese Fallhöhe, ohne die Chance des Scheiterns… ist kein Erfolg denkbar. Sicherheit ist das Gegenteil von Kunst.

So, runter von der Kanzel und zurück zur Botenstoff…. das Mag ist völlig solide gestaltet, ich kenne kommerzielle Arbeiten, die weit unprofessioneller und ideenloser sind. Das Layout bietet sich als Spielwiese verschiedener stilistischer Ideen an und ist so kurzweilig, vielleicht einen Hauch zu verspielt. Die Interviews, vor allem das mit Erik Schmid, sind hochlesenswert, die Rezensionen und die vorgestellten Arbeiten auf jeden Fall sehenswert. Nora und ihrem Team ist eine wunderbare Plattform für die Anliegen der Hochschule gelungen und ich hoffe, dass es weitere Ausgaben geben wird, die das Niveau halten und ausbauen. Als studentisches Projekt ist die Botenstoff eine bewundernswerte und wunderbar reife Leistung, ohne allzu spürbare Durchhänger und Mängel, die die prekäre Balance zwischen Innen- und Außenkommunikation mit glücklichem Händchen meistert. Ich hoffe, alle Beteiligten haben sich bei der Release Party ordentlich betrunken und gefeiert, es wäre mehr als absolut verdient :-D.

Zu bestellen gibt es das Magazin unter www.botenstoff-magazin.de








4. Mai 2007 13:02 Uhr. Kategorie Design. 34 Antworten.
so schöne artikel braucht das land! ;)
vielleicht bekommen sie nicht das richtige beigebracht? nur mal so als kampfthese, wobei ich auch nicht wüsste, was das richtige wäre, oder wie man einen carson »macht«, was ja eh nicht gehen wird, entweder hat man den rotz im blut oder eben nicht.
vielleicht sind die grenzen aber anhand der einzelnen medien aber schon abgesteckt von clean bis dreckig und uns bleibt nichts anderes übrig als uns am crossover der einzelnen stile zu versuchen.
ist vermutlich das gleiche, wie in der musik. unerträgliche langeweile, weil nicht wirklich neues passiert. techno war noch mal was ganz neues in der brachialität, wie er damals ausbrach. das wär schön und gut und hat spass gemacht dabei zu sein. aber aktuell ist echt flaute, die jugend ist einfach nur fucking boring emo-hop. wie soll aus der kultur etwas entstehen, was neu ist? vielleicht sind das aber auch genau die letzten tropfen, die wir brauchen und der nächste lässt das fass dann richtig überschwappen und wir haben was neues. wäre schön.
wir hatten in aachen einen kurs, wo wir japanische filme geshaut haben von den ganz alten s/w filmen über godzilla bis hin zu den meistens sehr blutrünstigen neuen filmen eines takashi miike. da sind sogar gestandene kerle rausgegangen, weil sie es nicht ertragen haben. aber es war gut und auch richtig, das mal zu zeigen, wo wir hier im westlichen kulturkreis alle so hollywood-konditioniert sind. die idee mit mehr kultur, die du angesprochen hast, ist dann vielleicht die richtige um den IST-zustand wieder zu resetten.
achja und beim thema musik gabs dann »noise« merzbow und co.
genau, thomas. wir brauchen wieder mehr 1/1 flyer und 2/0 plakate.
back to basics.
ich frag mich auch öfters was wohl als nächtes kommen wird, neues gibts nicht mehr.
In der Musik, finde ich, passieren durchaus hochspannende Dinge. Nur etwas abseits des Mainstreams. Oder eben als Mash-Up, so wie derzeit anscheinend französischer House als Independant vermarktbar wird (Justice, Sebastian und so…)
Etwas wirklich Neues gibt es kulturell sehr selten, solche ablativen Sprünge hast du kaum. Alles hat irgendwo seine Wurzeln, die gesamte Entwicklung von Grassroots bis Hiphop, Jazz, Pop… das lässt sich wie bei einem Baum nachvollziehen, ebenso beim Design oder in der Kunst. Cranbrook ist ja nichts neues gewesen, die haben bei Weingart und Dada weitergedacht, aben Elemente aus anderen Kulturtheorien aufs Graphische übertragen.
Derzeit allerdings sind viele Designer so zufrieden mit der Beherrschung einer stilistischen, vordefinierten Sprache, das zu wenig mutig an seltsamen Dingen gefrickelt wird. Du weißt, wasich meine, Auf einmal basteln alle mit Klebeband-Typo herum oder mit technoiden Slim-Fonts und und und… everything starts to look familiar.
Dabei geht es weniger um die Frage, ob es den «nächsten» Carson/Sagmeister/Whatever geben wird, sondern für mich eher um die Frage des persönlichen Ausdrucks. Der ja irgendwie nicht mehr vorhanden ist, wenn alle Leute sozusagen stilistisch vorformatierte Pattern abspielen. Das ist, als würde Musik nur noch mit einer Fertigsoftware generiert.
Ein wichtiger Schritt wird sein, NeoDesigner kulturell EXTREM aufzuladen. Der Designer muss Kultursurfer sein, Alroundneugieriger, Dillettant, Journalist, Trüffelschwein, Vernacular Trash genauso lieben wie barocke Architektur. Ziemlich anspruchsvoll und ich selbst werde dem sicher nicht gerecht, aber… der Weg ist der einzige. Designer müssen Dramaturgen von Gesellschaft sein. Intellektuelle mit den aufgeschürften blutigen Knien von Straßenkindern. Verspielte Wirrköpfe mit totalem organisatorischen Durchblick. Kaspar Hauser, Blixa Bargeld, Bazon Brock und eine Prügelei mitten in der Lieblingsbar….
Die sich seit 1980 abzeichnende Trennung zwischen Design als Dienstleistung und Design als «Kunstform» wird in den nächsten Jahren verschärft sein. Die Tools werden so handlich, dass die meisten Kunden die DIENSTLEISTUNG mal eben sebst einigermaßen hinbekommen. Und zugleich wächst Jahr um jahr die Konkurrenz unter den Broschürenmachern und Websiteheraushauern. Da bleibt nur noch wenig Luft, da überleben nur noch große Firmen mit großem Budget für Selbstdarstellung und die ganz kleinen Klitschen in der Nische. Design als Ausdrucksform wird entsprechend wichtiger werden, weil die Idee, der eigene Gestus unaustauschbar bleibt. Am Ende wird – mit der Konvergenz von Medien und Werkzeugen – die Fähigkeit zur Idee, zru Abstraktion und Konkretisierung, zum Denken, zum Autorentum… das zentrale Element sein. Du bist auch kein Modedesigner, weil du Nähen kannst, sondern weil du eine IDEE von Fashion hast. Du bist auch kein Autor, weil du Word bedienen kannst. Diese Trennung ist im Design anscheinend noch nicht angekommen, da bezeichnen sich Leute als Designer, weil sie einigermaßen adäquat Indesign oder Photoshop beherrschen. Es gibt Leute, die nennen sich Web-DESIGNER, obwohl sie nur mit Out-of-The-Box Softwares und Skripten arbeiten, also CMS-Fertighäuser etwas modden. Das ist kein Design und das macht in drei Jahren JEDER USER SELBST.
Als Dozenten geht es also heute nicht mehr darum, den Studenten ein HANDWERK zu vermitteln – jeder halbwegs intelligente Halbaffe kann Indesign bedienen,oder? – sondern darum, die gute alte Ideen-Haben-Können-Kreativität heranzuzüchten.
Aber wie macht man DAS?
PS…
zu «Neues gibts nicht mehr…»
Entweder gab es nie «Neues» (im Sinne einer komplett 100% frischen Information ohne Präzedenz oder Vorfahren), weil alles wie ein langer Fluss funktioniert, alles sich auseinander entwickelt.
Oder es gab immer «Neues». Definitionssache.
Aber zu sagen «Es gibt nix Neues… » Au. Au. Doppelau.
Das ist so, wie die Leute, die gesagt haben, man würde nie den Mond betreten. Oder…
Everything that can be invented has been invented.
Charles H. Duell, Commissioner of the US Patent Office, 1899
Da irrt man sich schnell gewaltig :-D
> Aber wie macht man DAS?
die frage hast du dir doch selbst schon beantwortet. trüffelschwein sein.
alles aufsaugen for many inspirations und so … filme, musik, bücher, müll, schönes, schlechtes, anderes, auch mal klassik hören und auch mal andere filme schauen.
und das dann im mash-up neuerfinden.
wenn ich mir unsere momentane deutsche printwelt ansehe gibts halt wenig neues, ok nix ist übertrieben. neues gibts deshalb nichtmehr weil es neues in dem sinne nie gab, aber irgendeiner hat ja mal angefangen mit irgendwas. brody, carson usw.
ich meine dinge wo du sagts – »wow! sowas habe ich noch nie gesehen« ähnlich wie deine aufgabe damals »zeigt mir etwas was ich noch nie gesehen habe« …
z.b. könnte mal einer ‘ne technick erfinden emails gesendete mails zurückzuholen. habe gerade ‘ne anzeige an 2 weitere adressen geschickt, nur weil ich mich verklickt habe. mist!
technick, boah! ich geh jetzt heim.
Brody… nicht neu. Rckbezug auf russische, deutsche und andere Einflüsse. Russischer Expressionismus. ORF-Typo von einem Ladenschild inspiriert. Peter Saville… Jan Tschchold und andere als Vorbild. Vaughan Oliver… deutscher Expressionismus. Carson: Weingart, Dada, Surf-Fanzines, La-Vernacular, Cranbrook…
Bewusst oder unbewusst, die alle bewegen sich im Kontext einer Evolution.
ja, aber sie haben wieder damit angefangen und neu/anders umgesetzt.
ich warte ja immernoch auf das 90er jahre rave revival im großen stil.
mickymaus techno, wo bist du?
Das Rave Revival ist doch längst voll da.
New Rave. Klaxons, Enter Shikari und so…
im großen stil. im radio. im fernsehen auf der straße.
aber vorsicht, it’s cool man, mark oh kirmestechno.
… nein – ich wills ja nicht wirklich. ;-)
aber es kommt, werdet ihr sehen.
ganz nebenbei. weil immer brody genannt wird. man sollte die epigonen nicht vergessen, die dann mainstream und indie versucht haben zu paaren: siobhan keaney, 8vo, why not, cartlidge levene und so weiter… leute, die zum teil kein neudesigner heute mehr kennt… :-D
@Robert: haha und wie der kirmeseurosound wiederkommt, wir sitzen da schon fleißig im kämmerlien dran OB DU WILLST ODER NICHT ;)
aber ich als student kann das ganze ja super verstehen, es ist so ne gewissen faulheit und trägheit die einen schnell dazu verleitet MAL EBEN was ganz nett ausschauendes rauszurotzen anstatt sich mal under the surface auf was einzulassen, ich denke es herrscht ne gewissen angst vor experimenten weil es wirklich ZU verlockend EINFACH geworden ist ne schon vorgekaute idee etwas weiterzudenken und nachher gut aussehen zu lassen. also gut im sinne von NUR gut.
aber das ist auch wirklich ein grundsätzliches problem aller hochschulen in diesem bereich, die lehrende/administrative seite macht es sich ja genauso einfach. ich hoffe wir bekommen bei uns den culture clash kurs durch, den ponyhofmädchen ichi the killer oder the locust vor den latz zu bratzen, da freu ich mich jetzt schon drauf. ich finds nen wunderbaren ansatz! :)
es geht aber nicht um ponyhof oder um möglichst strange movies… das müßte solide als reise strukturiert sein. und man darf nicht den eigenen horizont abgrasen, sondern muss sehen, was man wirklich reinpackt – kanon sozusagen.
das war ja auch nur beispielhaft, das es nicht zu nem culture SHOCK verkommen soll ist mir durchaus bewusst.
dasS natürlich
äh, ich bin neu hier, schönen guten abend.
& hallo zusammen.
eigentlich wollte ich lediglich hd’s rezension von slanted#4 lesen, aber dann schaut man sich ja doch um und findet (sehr) interessantes.
so – im wesentlichen der tonfall bisher – beklagenswert finde ich den stand im contemporary (graphic-)design überhaupt nicht.
bzw. schätze ich einen konformismus (alles ordentlich, aufgeräumt, glatt, vielleicht: neoliberal look?) nicht gerade als besondere zeiterscheinung ein – das war doch stets mainstream und ein bisschen mitschwimmen, neben vermeintlich «grossen» oder meinetwegen stilbildenden einzelleistungen, die dann im 5-jahres-intervall der geschichte übergeben und -lassen wurden, oder?
die originalität der avantgarde oder andere mythen der moderne hast du ja bereits entlarvt, hd. vielleicht ist im postmodernen zustand (der immer mal wieder seit ende der siebziger diagnostiziert wird) tatsächlich der «neue» hund begraben, und strategien wie zitat, wiederholung, punk, anti-conformiste oder new-, neo-, gegenbewegen (gegen die wellenbewegungen des zeitgeist) geben sich die klinke in die hand mit vermeintlich «neuem» – das dabei anyway aufgrund des neuheitsbegriffs überkommen, da soooo modernistisch und gläubig gegenüber dem neuen & originellen daherkommt.
vielleicht ist ausdifferenzierung gerade das, was angesichts übermächtiger geschichte zu tun bleibt, keine ahnung. erscheint mir aber sinn zu machen. und sich selbst zu spiegeln in den jeweiligen (hier visuellen) moden. das ist k e i n apologismus, haben das nicht 8vo, april greiman, emigre, brody, carson, tomato, sagmeister oder hort (auszugsweise) seit jeher gemacht?
zur ehrenrettung von (studentischen) hochschulmagazinen würde ich auf die munitionsfabrik der HfG karlsruhe bzw. auf die akademischen mitteilungen aus stuttgart verweisen, die teilweise wirklich phantastisch ausfallen.
ich bin ja eigentlich auch auf der punk- oder kleine-öffentlichkeit&zeit-dafür,-daher-mehr-frei-seite. denke nur, am ende werden die errungenschaften und qualitäten jeweiliger ästhetiken oder zeitabschnitte häufig erst im nachhinein, und dann nostalgisch wahrgenommen.
beste grüsse!
flo
Ich bin da gar nicht auf anderer Linie als du, Flo.
Ich rede aber von der Arbeit von Studenten bzw. freien Designarbeiten, das ist eben anders als etwa ein Job von MetaDesign oder andere kommerzielle Mainstream-Jobs. Ich glaube nebenbei, das Greiman sich nie um Moden gekümmert hat, ebensowenig Emigre… Brody hat eine Mode geschaffen (look is everything), Carson und Sagmeister sind schnell als Mode konsumierbar geworden. Der Übergang von Counterculture zu Mainstream ist verteufelt schnell geworden.
Es geht auch nicht um «mehr punk», sondern um mehr Aussage, mehr Wucht, mehr Force. Mehr über Zäune springen, mehr in Nachbars Garten pinkeln, raus aus der Isolierung, in die so viele Designer (und da schließ ich mich ein) gerne verfallen.
Im Nachhinein wurden übrigens Phänomene wie Saville gar nicht wahrgenommen… das war ja durchaus sehr zeitnah. Du hast ein Joy-Division-Album in der Hand und denkst: Damn.. this is kickass. So einfach.
ja, saville ist auch ganz gross (kommt immer ein wenig drauf an, wie sensibel hingeschaut wird, oder?).
aber auch einigermassen trennscharf anders als die anderen genannten, offenbar stilbildenden, die daher natürlich viel mehr rezipiert wurden.
wird ja immer wieder – zu recht – darauf hingewiesen, dass kapitalistische logiken und systematiken sich inzwischen sehr schnell den widerstand gegen sich selbst einverleiben und produktiv machen können.
ob greiman, emigre oder brody sich so fernab vom damaligen zeitgeistigen bewegt haben bezweifle ich zumindest so halb. wobei sie mit sicherheit visuelle marken gesetzt haben, die dann in der folge als beispiel-, vorbild- und neuerungshaft wahrgenommen worden sind.
aber, hey, damals gabs eben genau diese wenigen leute. und im jahr 3 designbücher. insofern scheint da ein inflationärer mechanismus am werk zu sein, ich warte ja darauf, dass diese ganze publikationsblase irgendwann platzt.
aber gabs bei den studentInnen nicht auch schon immer – äh, entschuldigung gegenüber allen betroffenen – licht wie schatten? bin ja auch 35 inzwischen, und mir kommen wiederholt tolle, und wie damals auch schon mittelmässige leute unter, je nach naturell, konstitution, vor allem interesse, aber auch begabung, und so fällts dann halt auch aus.
wobei ich einen aspekt deiner kritik wirklich teile & hochproblematisch finde, und wahrscheinlich ist das ein zentraler punkt dabei – zunehmende ausrichtung auf wirtschaftliche verwertbarkeit hernach. sprich, eben verwechselbarkeit mit mainstream- und wirtschaftlich ausgerichteten jobs. bzw. ein nachgerade einseitiges training darauf hin, an fh’s, aber auch an hochschulen. und seid doch froh, danach schnell einen job zu finden (und im mühlrad der kommunikationsbranche schlechtbezahlt vor die hunde zu gehen).
ach, und ja, look is everything, form follows fashion, definitely.
aber qualität gibts immer noch, ich behaupte jetzt einfach mal, nicht weniger als früher.
die ressourcen der aufmerksamkeit und die beschleunigung der lebenszeit lassen nur weniger wahrnehmung zu. vielleicht.
Bei Peter Saville ist immer seltsam, das ich den Mann und seine Auseinandersetzung mit seiner Arbeit absolut manisch schätze, von seinen Arbeiten aber nur so 25% wirklich überzeugend finde. Der Prozess ist bei ihm spannender als mitunter das Ergebnis. Die 25 bis 50 guten Prozent sind allerdings zeitlos meisterhaft und atemberaubend.
Carson ist ein Beispiel für das von dir erwähnte Trendwhoring. Binnen von nur zwei Jahren wurde aus dem «Alternative Style» der Ray Gun ein Look, den MTV, Pepsi, Banken und zahlreiche andere Großunternehmen übernahmen. Jeder wollte plötzlich nach Carson aussehen und ein Stück des Mantelsaums der Hipness berühren.
Und es ist eindeutig Inflation. Die Architektenkammer überlegte letztes Jahr, wie man verhindern kann, dass so viele Leute Architektur studieren, weil es gar keinen markt für so viele Architekten gibt. Bei Designern ist es ganz ähnlich. Und bedingt dadurch grassiert zugleich eine Art Geiz-ist-Geil-Mentalität. Bei unserer Akademie fragte zum Beispiel letztlich dir Firma Eismann an, ob unsere Studenten nicht mal Lust hätten, für die Fahrzeugbeschriftungen und so weiter neu auszutüfteln. Gratis oder für Handgeld, versteht sich. Kein Wunder also, dass Designer im immer härteren Wettbewerb stehen. Nicht umsonst macht der AGD mehr und mehr Akquisition-Kurse oder gibt eher alberne Tipps aus der Mottenkiste, wie man als Designer mit seinen Kunden umzugehen hat (indem man etwa den Ideenprozeß künstlich aufbauscht… au au au ).
Bei Studenten wird es IMMER Licht und Schatten geben. Gauss-Glockenkurve. In jedem Kurs sitzen zwei drei wirklich gute, eine Menge Durchschnitt und drei vier Leute, die vom Herzen und von den Händen her einfach niemals Designer in irgendeiner Form sein werden.
Die Kritik, dass FHs sich heute vielleicht zu sehr als «Ausbildungsbetriebe» verstehen, teile ich. Man sollte es so machen, dass der BA dich solide auf einen Job in der Werbung als AD vorbereitet, ein MA aber in eine komplett andere Richtung weiterbewegt. Es gibt zwei Schienen von Design, Kommerz und «Kunst» – und ja auch einen großen Bereich, der diese beiden Ansätze mal mehr mal weniger glücklich vermählt – und beides sollte angeboten werden. Es gibt einfach Leute, die wollen nur in einer Werbeagentur sitzen und sind auch durchaus glücklich, wenn sie Plakatmotive für Waschmittel oder Hundefutter entwickeln. It’s a job and it pays okay.
Qualität gibt es immer noch, keine Frage. Es gibt mehr gute Designer als man aus dem Kopf aufzählen kann, das ist bei der Expansion des Marktes unausweichlich.
Aber es fühlt sich alles ein bisschen Been there Done that an. So wie der aktuelle Britpop nicht wirklich um eine NEUE Ecke geht, sondern 80s aufarbeitet. Wenn ich aktuelle Arbeiten sehe, die irgendwie eigentlich im besten Falle gerade mal halb so mutig aussehen wie die Emigre in den frühen 90ern… da muß doch mehr drin sein, oder?
huhu … gerade lese ich hier diese wunderbare rezension, herzlichen dank hd! Ich muss jetzt dringend weg, bin in eile, melde mich aber morgen oder spätesten montag nochmal zu wort. allein ein schönes we wünscht nora!
Jetzt ist der Montag auch schon wieder fast vorbei …
HD – ich stimme dir eigentlich in fast allen Punkten zu was die Gestaltung von Designmagazinen anbelangt, und die Vielzahl der Publikationen ermüdet auch mich. Wobei ich manchmal, wenn ich dann vor mich her lamentiere auch schon denke – mein Gott, jetzt hörst du dich auch schon an, wie deine eigenen Eltern: Früher war alles besser – na gut, ich bin ja auch schon 47, aber trotzdem … Wobei ich jetzt seit ein paar Jahren mir wieder deutlich mehr anschaue, nachdem ich jahrelang wegen overkill kein Designbuch, keine Jahrbücher, keine Awardbücher, keine Designmagazine und schon gar keine zeitgeistigen Magazine mehr angesehen habe …
Bezüglich deiner Anmerkungen, dass … es die Aufgabe der Universitäten ist, mehr noch als die Vermittlung von austauschbaren Handwerk, das heute doch in einem oder zwei Semester abgehandelt sein sollte, … das halte ich doch auch für reichlich illusorisch, wenn ich mir das gesamte Curriculum des 6-semestrigen Bachelorstudiengangs ansehe. Und wenn ich die Studierenden betrachte, die sich im sechsten Semester immer noch mit den Programmen rumquälen. Ganz abgesehen davon, dass das erst das Handwerkszeug ist und noch nicht das Handwerk, sprich: Kenntnisse von Mikro- und Makrotypografie, Raster, Gestaltungs- und Designtheorie, usw. Das kann man auch nicht „abhandeln“, sondern auch das ist ein lebenslanger Lernprozess, wie ich selbst immer wieder am eigenen Leib erfahre, wenn ich wunderbarerweise von Studierenden wieder irgendwelche hilfreichen Tastenkürzel lerne, die ich vorher nicht kannte ;-)
… sondern darum, die gute alte Ideen-Haben-Können-Kreativität heranzuzüchten…
Ja, natürlich geht es darum! Wobei mir auch hier das Wort heranzüchten missfällt. Das ist meines Erachtens zwar einforderbar, aber nicht lehrbar. Das muss jeder Mensch in sich selbst spüren, ob er bereit diesen Weg zu gehen, der oft auch durch das Straucheln an sich gekennzeichnet ist. Das kann und muss auch nicht jeder. Der Preis, den man für diese Art Leidenschaft bezahlt kennen wir: Er schafft Leiden, er sät Zweifel, er nagt an unserem Selbstbewußtsein, er beschert uns schlechte Träume … ! Aber zum Glück auch Momente der Glückseligkeit! ;-))
Aber auch: Was sind Ideen wert, die handwerklich miserabel umgesetzt sind? Auch das muss gelernt sein. Der GWA Junior Award wurde im Frühjahr nicht mit einem ersten Platz dotiert, sondern mit zwei zweiten. Die Jury begründete dies mit der schlechten Umsetzung der guten Ideen. Ich denke ganz einfach, die Anforderungen an die Studenten sind auch ziemlich hoch – nicht nur inhaltlich – nein, da sie das ganze technische Equipment haben müssen, erwartet man eben auch automatisch visuell etwas ganz anderes als ein billige Power Point Anmutung, oder eine dahingestrichelte Skizze, oder ein zusammengehauenes Klebelayout, oder schlechte Typoauswahl …
Wir brauchen beides: die Idee und das Handwerk. Aber wir brauchen vor allem eines: die Aufgabe plus damit verbundene Zielsetzung, oder wenn man es mehr in Richtung freie Kunst betrachten würde, nur die Zielsetzung. Erst wenn ich es geschafft habe, diese zu formulieren, kann ich mich an den Tisch setzen um die Lösung in Form verschiedener Ideen durchzuspielen. Und dann erst folgt der gestalterische Schnickschnack, wie immer der dann aussehen mag. L’art pour l’art ist nicht unser Job.
So – jetzt aber noch was zum Botenstoff, bevor ich hier den ganzen Abend noch mehr Unfug zusammenformuliere.
… .Nur Studenten und kleine Independent-Magazine können doch schließlich – frei von Budget- und Zeitzwang – Design produzieren, dass nicht funktional ist, nicht ästhetisch, nicht brauchbar… sondern einfach eine Exploration der eigenen Möglichkeiten…
Der Fachbereich Design in Krefeld hat gerade aufwühlende Zeiten hinter sich – und auch noch vor sich – , bedingt durch strukturellen Wandel, eine Generation von Professoren
ist jetzt im Ruhestand, die neue noch nicht komplett wieder berufen, die Umstellung auf BA und MA, und wir haben einen Ortswechsel hinter uns, vom historischen Gebäude in der Peterstraße hin zum Frankenring, an dem sich schon ein Teil des Fachbereichs befand, zusammen mit dem Fachbereich Chemie der auch dort beheimatet ist. Das alles zusammengenommen hat doch sehr viel Unruhe und auch Chaos gebracht. So langsam sind jetzt alle dort angekommen. Nicht nur äußerlich.
Deshalb kam die Idee im letzten Wintersemester, ein Magazin zu schaffen welches Identität stiften sollte. Erstes Kommunikationsziel war: Die Kommunikation im Inneren des Fachbereichs zu stärken, zweites Ziel: unser Profil innerhalb der Hochschule selbst deutlich zu machen ( wir sind einer von 9 Fachbereichen der Hochschule Niederrhein)und drittens erst: die Kommunikation nach außen. Das war dann doch ein relativ enges Korsett, in dem sich die Studenten bewegten um den Botenstoff redaktionell zu erarbeiten und zu gestalten. Dazu kam, dass die Entwicklung des Botenstoff natürlich auch nicht frei von Kontroversen war und für Zündstoff innerhalb des Fachbereichs sorgte. Das heißt auch, dass die Finanzlage lange nicht geklärt war und wir, mit einer Nullnummer sozusagen, auch extreme Schwierigkeiten hatten Sponsoren in Form von Anzeigenkunden für das Magazin zu finden. Wir konnten ja noch nichts wirklich zeigen.
Aber es ist tatsächlich geschafft und ich freue mich jetzt sehr auf die weiteren Botenstoffe! Konzeptionell ist es so angedacht, dass jeder Lehrende den Botenstoff betreuen kann, wenn er möchte, und unter eigener Ägide ein Magazin erstellen kann. Das heißt, alle weitern möglichen Botenstoffe können (und werden) komplett anders sein. Nachdem der Grundstein nun gelegt ist und alle Strukturen vorhanden sind, können monothematische Hefte entstehen zu Illustration oder Designtheoretischen Ansätzen … alles ist denkbar. Ich bin gespannt ob es klappt, dass der Faden weitergesponnen wird …
Ich danke dem studentischen Team nochmals ganz herzlich. Ohne euren Durchhaltewillen hätten wir das nicht geschafft!
Photos vom Aufbau und von der Party sind übrigens zu sehen bei flickr:
http://www.flickr.com/photos/botenstoff/
und wenn ich der studentischen Getränkeabrechnung, die hier auf dem Schreibtisch liegt, Glauben schenken darf, wurde ziemlich gefeiert … 738 Bitburger 0,33l … 58 Diebels 0,33l … 85 Desperados 0,33l … 89 Sinalco 0,33l … Das Wasser wurde vom AStA gestiftet und ist desahlb ungezählt … viel kanns nicht gewesen sein ;-))
Hey Nora, ich dachte, es antwortet mal wer aaanders als ich und Montag/Dienstag war ich eigentlich nie vor Ort, abbbber jetzt…
>Früher war alles besser
Ja, das Lamento ist so alte wie die Welt, schon im Hagakure geht das so. Aber es ist eher so: Manches wird besser, manches wird schlechter. Im Graphic Design ist das ja auch so. Aber die Zeiten eines Aufbruchs wie Ende 80/Anfang 90, die digitale Revolution, ist irgendwie vorbei. Derzeit ist vieles konservativ und braver. Was vielleicht bedeutet, dass bessere Zeiten wieder bevorstehen.
>wenn ich die Studierenden betrachte, die sich im sechsten
>Semester immer noch mit den Programmen rumquälen
Wieso eigentlich? Das ist die Frage. Die gleiche Generation, die schon mit 15 Telespiele meistert, die ein hohes Maß an Komplexität besitzen, ist zu dusselig für Indesigm oder Photoshop, die nun wirklich einfach zu handhaben sind? Verstehe ich nicht. Einarbeiten in die Software sollte nicht länger als sechs Monate dauern und eine Selbstverständlichkeit sein. Ich versteh das echt nicht. Und das man Lebenslang lernt, ist doch eh klar. Ich finde auch, die Unis sollten es unterrichten, aber mich nervt die Tatsache, dass Kids zwar schaffen, alle Dinosauriernamen mit 5 zu können, aber für ein bisschen PDF-distillen anscheinend zu denkfaul sind. So schwer ist der JOb nun wirklich nicht, das Handwerk ist doch längst das einfachste.
Das kann heut jeder Praktikant in einer Firma in 14 Tagen selbst, warum nicht die angehenden Designer? Wenn man das nicht schafft, ist man halt kein Designer, sondern vielleicht Bäcker oder Maler oder Landschaftsgärtner. Wir müssen in so kurzer Zeit so viel vermitteln, da sollte es weniger und weniger um Tastenkürzel gehen. Im Grunde finde ich, sollte die Software schon – wie eine Mappe – ansatzweise vorausgesetzt sein. Schau dir mal an, was die Kollegen im Musik- oder Filmbereich von ihren Studenten erwarten.
Und du hast recht: Handwerk ist wichtig. Und die Umsetzung ist im Alltag ein Horror. Es wird nicht besser, was man mit Standardisierung der Software, mit immer leichteren Tools (evergleich mal Indesign und OTF mit … Quark 3 und Postscript… weia… oder wie einfach PDF im Gegensatz zu früh80er Postscript-File-Handling ist. Everything is so wonderfully easy today, and the kids still fuck it up… )
>Wobei mir auch hier das Wort heranzüchten missfällt
Ja, falsche Wortwahl, sorry. Herauskitzeln ist besser.
Danke für die Background-Infos zur Botenstoff, die die Leistung umso beeindruckender machen!!!!
[...] Ich sitze dann gerade ausnahmsweise mal wieder in Wuppertal in meiner Wohnung an meinem eigenen Schreibtisch und versuche all das zu rocken, was bis zum Wochenende noch auf die Beine gestellt werden will. Cheke die Koop mit Red Bull, hoffe auf die Gitter für den Singer-Songwriter Käfig, mache mir Gedanken zur nächsten Clownfisch Ausgabe, die dann mit dem Titel Zerstörung aufwartet und richtig Rock’n’Roll velangt. Bin verblüfft über Web-Mastermind Björn, der sich wie immer mal eben in eine Programiersprache, Templates, Plugins und CSS-Dateien reindenkt und dann auch mal eben eine provisorische HP bastelt. Denke dann noch ein wenig über die neue RA-Broschüre und die Homepage nach, auf der einfach noch viel an Inhalt fehlt. Bin voll happy, dass ich von unterwegs aus über mein neues Handy auf dem Spitzenblog bloggen kann und freue mich auf die dazugehörige Telefonrechnung. Recherchiere zu meinem Diplom, bin dankbar für alle Leute die mit ins kalte Wasser springen und versuchen diese Welt zu bewegen. Denke an das gestrige Gespräche über Secondlife und überlege wen an der RA man dazu bewegen könnte in dieser “neuen schönen” Welt ein Projekt zu machen und hab dabei im Hinterkopf wie skeptische und verhalten Beate und Björn bei dem Gespräch waren. Denke an meinen Bruder, der von einem Projekt an der TU Darmstadt erzählt hat, dem die neuen “Identifikationsregeln” aus Secondlife zugrunde liegen sollen. Dann blitzt mir noch schnell “Theatre du pain” auf, eine Theatergruppe zwischen Dada, interlektueller Politsatire und Monty Python, war ziehmlich englisch, französisch, spanisch und deutsch (60er-80er). Dann schweifen meine Gedanken noch schnell über die WM-Ausstellung die am 09.06. in Wuppertal startet. Und dabei erinner ich mich, dass HD das Null-Nummer Clownfisch Mag haben wollte, um es mal im Blog zu rezensieren und ich flitze schnell über die Browserleiste ins HD-Universum und bin neugierug, ob er es schon zerissen hat und finde dann in den “Botenstoff” Komentaren das: [...]
wow, genau 1Std. später
Es ist ja wirklich interessant, worüber hier gesprochen wird, deswegen möchte ich auch kurz ein paar Worte finden. Ich bin selbst eingeschrieben an besagter Hochschule, welche dieses kleine, nette Magazin rausgebracht hat, und in Zeiten des Internetblogs und zahlreicher bewegender PDF-Mags wundert es mich immer noch, dass bei derart vielen existenten Magazinen noch mehr Papier und noch mehr Geld und noch mehr Farbe für ein paar hübsche Seiten mit lapidarem Inhalt verballert werden. Mir wird schlecht, wenn ich in besagter Zeitschrift Zitate lese, wie “Bewegt die Welt, verändert Grafik Design” oder “Wir setzen Botenstoffe frei”..
Wo sind sie denn, die Botenstoffe?
Wandskulpturen aus bemalten Plastikbechern, Headlines mit Textumlauf, banale Inhalte à la “Was denkst Du auf dem Weg zur Hochschule?”.. Wo ist denn die Innovation dabei? Wenn hier so über Carson und Co. philosophiert wird, wird klar, dass solche Persönlichkeiten heute rar gesäht sind, bzw. wenn man sie findet, dann bestimmt nicht im klassischen Grafik Design. Wenn man heutzutage als Designer bestehen will, kann man sich doch nicht ewig an ein Stück Papier klammern! Heute werden zahlreiche bahnbrechende Ideen geschaffen, nur leider nicht von bornierten Designern, die zwar von sich behaupten, dass diverse Alltagssituationen sie inspirieren, aber die anschließend eben nicht die vorhandenen Möglichkeiten für wahre Kreation ausschöpfen. Sie reden halt lieber. Gerade in Deutschland beobachte ich in meinem Freundeskreis eine unglaublich große Ignoranz gegenüber innovativen Geschäfts- und Gestaltungsideen. Und es handelt sich dabei um Designer. Generell arbeitet jeder für sich und damals sind eben viele große Sachen im Kollektiv entstanden, was also heute immer schwieriger wird. Heute ist die Welt im Internet. Wo sind die Designer? Irgendwo in Ihrer eigenen oberflächlichen Welt? Viele Designer reden viel. Über sich selbst und über Ideen anderer. Diejenigen Designer aber, die wirklich Imposantes leisten, halten nunmal Ihre Klappe. Dieser ganze Brei an Möchtegern-Designern, der auch vor dieser Hochschule keinen Halt gemacht hat, wird, wenn er nicht langsam einmal das Ruder rumreißt und sich mit wirklich aktuellen Themen und Medien beschäftigt, in einem depressiven Sumpf versinken. Heute muss gestalterische Arbeit doch nicht mehr nur ästhetisch oder tiefsinnig sein, sondern erlebbar. Und funktional. Die Uhr läuft immer schneller und auch die rasante Entwicklung des Internets birgt so viele neue Geschäftsideen, die aber nur (gestalterisch und konzeptionell) von Designern umgesetzt werden können, wenn diese auch mal den Kopf über den Tellerrand wagen. . Wenn die jetzige Generation an Designern so weitermacht wie bisher, und dabei teilweise spießigere und bravere Verhaltensweisen als meine Eltern an den Tag legt, sehe ich schwarz für die Zukunft. Doch ich bin mittlerweile aus eigener Erfahrung überzeugt, dass dies ein schlichtweg deutsches Verhalten ist. Nicht ohne Grund kann ich behaupten, dass sich Angehörige anderer Staaten um ein Vielfaches mehr für Innovationen begeistern lassen und diese auch als solche wahrnehmen. Meiner Ansicht nach herrscht in Deutschland eine allgemeine Angst, etwas wirklich Großes zu vollbringen, was mit Sicherheit nicht unwesentlich und immer noch aus den Geschehnissen um 1930-45 resultiert. Ich baue lediglich auf diese These, da es in dem Falle möglich ist, dass sich die Denkweise von Designern doch irgendwann mal ändern könnte. Wenn wir es hier aber doch nur noch mit imitierenden Schön-Wetter-Designern zu tun haben, kann ich bald nur noch sagen: “Goodbye, Deutschland!”
>Viele Designer reden viel. Über sich selbst und über Ideen anderer.
>Diejenigen Designer aber, die wirklich Imposantes leisten, halten nunmal Ihre Klappe.
Ha, der HD-Diss der Woche.
Hör mal, wenn du hier solche Töne anschlägst, fänd ich es ohne Pseudonym glaubhafter. Alles andere ist aus meiner Sicht leider Trollerei und kriegt demnach (leider) keine Antwort. Erst das Gesicht und den Namen mutig zu den Worten und dann weiter…
Von mir aus. Ich steh zu meinen Worten :-)
So, na geht doch :-D
Und dann die Fragen:
>Hast du an der Botenstoff mitgemacht? Aktiv? Du hättest ja eine Chance, das Magazin in deinem Sinne zu ändern.
> Sollen Designer schweigen? In Schönheit sterben? Ich mag Leute wie Erik, die das Maul aufkriegen und nicht wie Primadonnen an ihren Schreibtischen vegetieren. Es gibt solche und solche, die introvertierten Frickeler und die lautstarken Meinungsmacher, die sicher eher nerven als die ersteren… aber beides braucht man. Und Diskurs über die eigene Arbeit, über die Sache, die man vorwärtstreibt… kriegt man nur mit den Leuten, die sich auf Seifenkisten stellen und was sagen.
Zum Rest mehr, wenn ich mehr Zeit hab :-D
Biste auf der TYPO? Lass uns Kaffee trinken, ich hab da nix zu tun und werd todmüde, also leicht plattzureden sein.
>Mags wundert es mich immer noch, dass bei derart vielen existenten Magazinen noch
>mehr Papier und noch mehr Geld und noch mehr Farbe für ein paar hübsche Seiten
>mit lapidarem Inhalt verballert werden
Ja und nein. Braucht die Welt ein Mag ehr??? NEIN. (Es gibt immer noch welche, die kicken, aber in der Masse gibts zu viel, nicht zu wenig und die Qualität leidet an der Masse). Aber ist es fpr eine Hochschule und vor allem für die Studenten immer noch ein kick-ass-projekt, ein echtes Magazin zu machen und zu drucken? Sicher. Also more power to Nora. Ist ne gute Sache und das Ergebnis sehr vorzeigbar, also nicht schlechtreden, sondern mitmachen und BESSERmachen
>Wenn hier so über Carson und Co. philosophiert wird, wird klar, dass solche >Persönlichkeiten heute rar gesäht sind,
Ja und Nein. Es gibt zu viele Pseudo-Carsons. Aber zu wenig Leute, die wie eben «Persönlichkeiten» sind. Die Zeiten haben sich aber auch geändert. Ein Peter Saville hatte 1979 -1983 seine große Phase, da war er gerade Mitte 20. Die ZEIT war einfach richtig. Things happened.
>Heute werden zahlreiche bahnbrechende Ideen geschaffen
Beispiele?
>Sie reden halt lieber.
Reden ist Gold. Beim Reden kommen Ideen. Gute Sache. Reden ist gut. Ich find eher, die Leute hängen zu stumm vor ihren Displays. Ich ja auch, so ist nicht…
>Heute muss gestalterische Arbeit doch nicht mehr nur ästhetisch oder tiefsinnig >sein, sondern erlebbar.
Klingt gut, aber was BEDEUTET das? Was heißt erlebbar??? Sind Bücher nicht erlebbar? Design ist doch immer erlebbar. Du kannst es riechen, anfassen, drauf sitzen, es in die Handnehmen und deinen Salat damit essen… Design ist ja DA.
>Die Uhr läuft immer schneller
Echt? Damn. Meine braucht immer noch 24 Stunden für den Tag. Gottseidank, mti Noch weniger Zeit käme ich ja gar nicht klar. Aber du hast recht, de Arbeit beschleunigt sich medial natürlich, auch weil die Klienten fast Echtzeitdesignerwarten, Korrekturen müssen 2 Minuten nach Durchgabe da sein usw. Die Ruhe ist weg. Die Technik macht aber auch schnelleres arbeiten möglich. Ist nicht immer gut, die Hektik.
>Entwicklung des Internets birgt so viele neue Geschäftsideen,
Ach, Geschäftsideen. Damn. Vielleicht sollte man mal anfangen, das Web wieder jenseits der virtuellen Ladentheke zu denken? Die Aufgabe von Designern ist nicht allein, dufte Geschäftsideen internetfit zu machen (auch wenn ich zugebe, sehr viele Sites sind mies designed, mies gedacht, trashy)… sondern wir haben im Zweifelsfall auch etwas mehr zu geben.
>immer noch aus den Geschehnissen um 1930-45 resultiert
Mal abgesehen von meiner These, dass im Design Vorsicht wirklichgenau aus dieser Epoche zu lernen ist (immerhin hat kaum jemand zuvor – Rom ausgenommen – Design so bwusst als Machtwerkzeug begriffen wie Hitler und nahezu ALLES an Corporate-Design-Ideologie folgt dieser faschistoiden Prototype.)… ich finde diese Aussage falsch. Weder bewusst noch unbewusst ist das so ein Angstthema. ich finde den Umgang mit dem 3. Reich eher langweilig und flach. Das Ding wird per se zum Klischee, was der Sache nicht gerecht wird.
>“Goodbye, Deutschland!�?
Was ja auch okay ist. Gibt auch andere schöne Länder ;-D
[...] vom FB Design der Hochschule Niederrhein in Krefeld stammende Botenstoff-Magazin hat sich von der ersten, aus Nora Gummert-Hausers versierter Hand kommender Ausgabe, zur zweiten, von Erik Schmid betreuten [...]