
Konsumentscheidungen fallen mir manchmal schwer. Ich brauche oft lange, bis ich mich zu einem Kauf entschiede und habe dann nach dem Kauf auch oft das Gefühl, die jeweils anderen Entscheidungsoptionen wären vielleicht eben doch noch besser gewesen.
Die Überauswahl und mein Hang zum Perfektionismus haben zum Beispiel meinen Autokauf nach dem Volvo Amazon etwas kompliziert gemacht. Welches Auto paßt eigentlich zu mir und hat wenigstens noch halbwegs den Flair eines 1967er Oldtimers? Am Ende einer langen Entscheidungsirrfahrt, die alle Freunden und auch mir selbst gehörig Nerven kostete, und die uns von Volvo S60 und Audi A6 über Jeeps/SUV und Smart Roadster geführt hatte, standen noch zwei Wagen im Rennen: Der Mini Cooper (oder Cooper S) und der damals brandneue 1er BMW. Und genau den konnte ich gestern mal ausgiebig als Leihwagen fahren, weil mein Cooper zur Inspektion war. Und dann ist es schön, wenn man merkt, daß man seinerzeit die richtige Wahl traf und den 1er nicht kaufte.
Der 1er ist ein dabei glasklar ein wunderbar wohltemperiertes Auto und in der Golf/A3-Klasse sicher die souveränste Wahl: der Motor ruhig, das Fahrwerk brav, die Schaltung nahezu hakelfrei, das Armaturenbrett aufgeräumt und in den Details wunderbar durchdacht, wie etwa dem langsam aufschwebenden Aschenbecher oder der wirklich idealen, fein abgestuften Lüftungsregelung. Und genau in dieser pragmatischen Semiperfektion liegt das Problem. Alles wirkt für die Preisklasse ausgereift, ästhetisch vom Reißbrett, ohne Ecken und Kanten, herzlos und glatt gestylt wie ein Apple Notebook – und insofern ohne jede Note von Individualität und Spaß. Der Wagen ist effizient, mehr nicht. Während ich den Mini-Innenraum oft als zu jugendlich empfinde, wirkt der BMW innen zu abgeklärt. Und vom Fahrspaß her ist es so, daß ich auf der Autobahn oft fast aus der Kurve geflogen wäre, weil sich der 1er im Vergleich mit dem Mini wie ein Bleigewicht anfühlt und zudem hinten bereits ausbricht, wenn der Cooper noch sicher auf der Bahn klebt. Trotz nominell besserer Maschine wirkt der 1er flügellahm, uninspiriert, die berühmte Freude am Fahren kommt bei mir nicht auf. Der einzige Gag am 1er – der dem Z8 entlehnte Startbutton –, den ich mir ja in den Cooper nachträglich habe einbauen lassen, ist nicht zu Ende gedacht, da das Schlüsselaggregat immer noch in eine Art «Schloß» gesteckt werden muß, um den Wagen via Knopf zu starten – was irgendwie reichlich uncool wirkt. Jedenfalls startete der Wagen bei mir nur, wenn der «Schlüssel» in die reichlich hakelige Halterung gesteckt war. Schade. Zudem ist der Startknopf einfach unschön plaziert, das echte «Daumen drauf»-Gefühl kommt da einfach nicht auf, es ist eher ein lahmes zu kopflastiges Zeigefinger-Feeling. Schwer zu erklären, aber in Sachen Testosteron-Ausschüttung einfach ein Designfehler. Da lobe ich mit den Z8-Button, den mir die Jungs von Timmermann nachträglich ins Armaturenbrett gebastelt haben.
Fazit: Wunderbar ausgeglichenes Alltagsauto mit dem Charme eines Versicherungsvertreters, so gesichtslos wie die A-Klasse.
Selbst wenn mir schon bewußt ist, daß beim Cooper der Funfaktor auch am Reißbrett entwickelt ist und der Designer ungezählte müde Kompromisse bei der Entwicklung hinnehmen mußte (und inzwischen am Mini-Konzept nicht mehr beteiligt ist), so steckt der Cooper dagegen doch voller kleiner Eigenwilligkeiten und
Ideen, Abweichungen von der Autobauer-Norm, daß er in Sachen emotionaler Spaßfaktor wie aus einer ganz anderen Welt wirkt.
21. Februar 2006 06:46 Uhr. Kategorie Technik. 6 Antworten.
Als ich das Photo und den Anfang des Berichts sah, war ich erst etwas erschrocken, weil ich dachte, Du würdest Dir ‘n 1er kaufen. Das hätte so gar nicht zu Dir gepaßt. Jetzt bin ich beruhigt ;-)
Da haben wir was gemeinsam Markus. Ich dachte auch schon…….
Aber nee, machter ja nich:-)) Schon schlimm genug, dass er den Amazon so einfach verabschiedet hat.
Nein, keine Bange, aber der 1er stand mal eine Weile lang als Alternativmöglichkeit im Raum, daher…
Wie soll sich er Amazon eigentlich verkaufen, wenn er bei Mobile und Autoscout gar nicht mehr zu finden ist?
Das mit dem Amazon verstehe ich halb. Natürlich ist das ein geiles Auto und wenn das finanziell geht, dann soll man den halten und nett im Sommer mal damit fahren. Aber auf der anderen Seite ist ein Auto eben auch ein Gebrauchsgegenstand, der einfach kostengünstig funktionieren muß. Da steht der Amazon dann nicht so richtig weit vorne. Das man mit Autos übrigens hervorragend Musik machen kann, könnt ihr gerade bei mir im Blog lesen.
Mit finanziell hat das wenig zu tun, auch wenn ein Haus von 1912 UND ein Auto von 1967 schon eine Abwägung bedingen . Es ist nur unsexy, auch im Sommer, zu einem Termin zu fahren, bei dem der Kunde (damals Overdiek) ein Zeitfenster von 30 Minuten hatund du mußt absagen, weil du einen Motorschaden hast. Oder wnen du plötzlich dein gesamtes Schaltgestänge in der Hand hälst. Oder wenn der Wagen rostet als gäbe es kein Morgen mehr. Oder einfahc morgens nicht startet, weil die Lichtmaschine defekt ist. Oder…
Und, auch wenn Hermann den Wagen ja meist in den Griff kriegt, es gibt einfach keine gute Werkstatt für die Kiste und ich will nicht immer Hermann damit belästigen, Die Volvo-Oldtimer-Werkstätten, in denen ich war, kombinieren Abzocke mit Problem-Eigentlich-Nicht-Lösen-Können, das macht echt keinen Spaß.
Ansonsten ists ein Dreamcar.
Der Amazon ist ein Traumauto, fährt ohne Mucken, steht in Mums und Hermanns Garage und gerade nicht bei Mobile und Autoscout, weil es nicht so wirklich die richtige Zeit ist für den Verkauf eines solchen Autos ist. Du bist ein ungeduldiger Liebhaber, mein Kind. Ich hoffe zu Deinen Gunsten, dass das nur die arme EVA betrifft;-)) Sie ist ein gutes altes Mädchen und hat es nicht verdient, dass du so von ihr schreibst. Kein Wunder, dass sie da Mucken bekommt.