HD Schellnack /// Kontakt iPhoto Twitter s90 Typographie Pop Alternative Aktionen nodesign Apple Licht Photographie Fail Denken Natur Dayshot Fragen Belletristik Software Winter Studium Medien Vernacular Fun Comics Werbung iOS Farbe Gesellschaft Print Web ScienceFiction Electronic Zukunft Magazine Frühling Jazz Hardware Kitsch Drama Retro Klassik Sommer Zitat Herbst Fantasy Sachbuch Kunst Emma Organisation Kultur

BMW 1

Konsumentscheidungen fallen  mir manchmal schwer. Ich brauche oft lange, bis ich mich zu einem Kauf entschiede und habe dann nach dem Kauf auch oft das Gefühl, die jeweils anderen Entscheidungsoptionen wären vielleicht eben doch noch besser gewesen.

Die Überauswahl und mein Hang zum Perfektionismus haben zum Beispiel meinen Autokauf nach dem Volvo Amazon etwas kompliziert gemacht. Welches Auto paßt eigentlich zu mir und hat wenigstens noch halbwegs den Flair eines 1967er Oldtimers? Am Ende einer langen Entscheidungsirrfahrt, die alle Freunden und auch mir selbst gehörig Nerven kostete, und die uns von Volvo S60 und Audi A6 über Jeeps/SUV und Smart Roadster geführt hatte, standen noch zwei Wagen im Rennen: Der Mini Cooper (oder Cooper S) und der damals brandneue 1er BMW. Und genau den konnte ich gestern mal ausgiebig als Leihwagen fahren, weil mein Cooper zur Inspektion war. Und dann ist es schön, wenn man merkt, daß man seinerzeit die richtige Wahl traf und den 1er nicht kaufte.

Der 1er ist ein dabei glasklar ein wunderbar wohltemperiertes Auto und in der Golf/A3-Klasse sicher die souveränste Wahl: der Motor ruhig, das Fahrwerk brav, die Schaltung nahezu hakelfrei, das Armaturenbrett aufgeräumt und in den Details wunderbar durchdacht, wie etwa dem langsam aufschwebenden Aschenbecher oder der wirklich idealen, fein abgestuften Lüftungsregelung. Und genau in dieser pragmatischen Semiperfektion liegt das Problem. Alles wirkt für die Preisklasse ausgereift, ästhetisch vom Reißbrett, ohne Ecken und Kanten, herzlos und glatt gestylt wie ein Apple Notebook – und insofern ohne jede Note von Individualität und Spaß. Der Wagen ist effizient, mehr nicht. Während ich den Mini-Innenraum oft als zu jugendlich empfinde, wirkt der BMW innen zu abgeklärt. Und vom Fahrspaß her ist es so, daß ich auf der Autobahn oft fast aus der Kurve geflogen wäre, weil sich der 1er im Vergleich mit dem Mini wie ein Bleigewicht anfühlt und zudem hinten bereits ausbricht, wenn der Cooper noch sicher auf der Bahn klebt. Trotz nominell besserer Maschine wirkt der 1er flügellahm, uninspiriert, die berühmte Freude am Fahren kommt bei mir nicht auf. Der einzige Gag am 1er – der dem Z8 entlehnte Startbutton –, den ich mir ja in den Cooper nachträglich habe einbauen lassen, ist nicht zu Ende gedacht, da das Schlüsselaggregat immer noch in eine Art «Schloß» gesteckt werden muß, um den Wagen via Knopf zu starten – was irgendwie reichlich uncool wirkt. Jedenfalls startete der Wagen bei mir nur, wenn der «Schlüssel» in die reichlich hakelige Halterung gesteckt war. Schade. Zudem ist der Startknopf einfach unschön plaziert, das echte «Daumen drauf»-Gefühl kommt da einfach nicht auf, es ist eher ein lahmes zu kopflastiges Zeigefinger-Feeling. Schwer zu erklären, aber in Sachen Testosteron-Ausschüttung einfach ein Designfehler. Da lobe ich mit den Z8-Button, den mir die Jungs von Timmermann nachträglich ins Armaturenbrett gebastelt haben.

Fazit: Wunderbar ausgeglichenes Alltagsauto mit dem Charme eines Versicherungsvertreters, so gesichtslos wie die A-Klasse.
Selbst wenn mir schon bewußt ist, daß beim Cooper der Funfaktor auch am Reißbrett entwickelt ist und der Designer ungezählte müde Kompromisse bei der Entwicklung hinnehmen mußte (und inzwischen am Mini-Konzept nicht mehr beteiligt ist), so steckt der Cooper dagegen doch voller kleiner Eigenwilligkeiten und
Ideen, Abweichungen von der Autobauer-Norm, daß er in Sachen emotionaler Spaßfaktor wie aus einer ganz anderen Welt wirkt.

21. Februar 2006 06:46 Uhr. Kategorie Technik. 6 Antworten.

6 Antworten

Antworten

Schreibe eine Antwort, oder hinterlasse einen Trackback von deiner Site. Antworten abonnieren.


Creative Commons Licence