
Gestern hatte ich mir ja noch ein verschwitztes, volles, heißes Konzert gewünscht… man soll sich eben manchmal vor seinen Wünschen hüten. Bei Bloc Party im ziemlich ausverkauften Palladium in Köln habe ich es erstmals bei einem Konzert geschafft, nicht nur mein Shirt durchzuschwitzen, sondern auch ein komplettes Sacko klitschnass zu kriegen… und meine Stiefel. Das ist ziemlich einmaliger Rekord und sagt eiiges über die Zustände in der Moshpit vor der Bühne aus. Es gab einen Moment während des Konzerts, wo mein Schnürsenkel aufging, was etwas blöde sein kann, wenn man bis zu sechs Meter herumgeschubst wird und plötzlich jemand auf deinem Schnürsenkel steht. Aber an zuknoten war auch absolut nicht zu denken… sich zu bücken wäre selbstmörderisch gewesen, weil gleich hunderte von Menschen über dir wie eine Woge zusammengekommen wären, um die vermeintliche Lücke zu schließen. Bei Like Eating Glass und Helicopter hatte ich echten Sauerstoffmangel. Sehr nett also, insgesamt. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich am Montag gut sechs Stunden auf der Autobahn war, und am Dienstag direkt vorher von 9 bis 17 Uhr an der Akademie Unterricht gegeben hatte und dabei locker 4 Stunden durchgeredet habe. Da muss ein Konzert schon etwas Spassfaktor auffahren, um einen nochmal hochzuputschen. War hier aber wirklich kein Problem.
Die Band selbst präsentierte sich in einem schön reduzierten Bühnenbild, weißer Background, viel LED-Licht, einfache Truss-Türme mit Lichtinstallationen und sehr gutes, lebendiges Licht. Sparsam, cool, aber trotzdem effektiv. Ganz nouveau britpop balancierten Herr Obereke und seine Leute zwischen britischer Coolness und Showmanship. Während Russell Lissack und Gordon Moakes fast etwas gelangweilt und routiniert ihren Job erledigt haben, und Matt Tong wie immer mit unglaublicher Energie und Konzentration an den Drums werkelte, wirkte der sonst angeblich so scheue Kele von der Masse an Leuten – immerhin Bloc Partys größter Gig in Deutschland – aufgekratzt und hatte spürbar Spaß, ein bisschen in Sachen klassische Singer-Audience-Interaktion zu machen und die Masse zum Jubeln zu bringen. Die Setlist umfasste ein Best-of der beiden Alben, von A Weekend in the City eben leider auch ein zwei Durchhänger wie I Still Remember oder Sunday, eher brave Tracks, die live einfach nicht so nach vorne gehen wie etwa Hunting for Witches. Bloc spielen die Songs relativ nahe an den Albumversionen, live mit etwas mehr Druck, aber ohne große Improvisation oder Freiraum für die einzelnen Musiker, obwohl ich mir vielleicht gerade bei Russell mehr Gitarrenfreiraum gewünscht hätte, der schüchterne Gitarrist – mit einem Radiohead-Tribute-Shirt auf der Bühne – spielt für seine 25 Jahre mit einer beeindruckenden Sound-Bandbreite zwischen kristallklar klirrenden, fast an Rage against the Machine erinnernden Soli und Radioheadesquen Ambient-Echo-Sounds, so dass einfach enorm schade ist, wenn Soli vorbei sind, bevor sie richtig beginnen. Da wäre mehr einfach mehr gewesen. Aber das ist schon Detailkrittelei an einem ansonsten wasserdichten Konzert. Bloc Party haben in kürzester Zeit einen enormen Erfolg hingelegt und sind an der Kreuzung zwischen Indie und Mainstream und beweisen hier, vor einem recht gemischten Publikum aus Britpoppern und EinsLive-Audience, dass sie beide Fanbases gut im Griff haben und mit etwas Glück nicht so verwässern werden wie etwa Coldplay. Spannend wäre eigentlich, wenn Bloc Party sich eher wie Radiohead von der Indie- zur Artrock-Band weiterentwickeln würde und einen ganz eigenen Sound finden würden, der so wegweisend ist wie der des ersten Albums vor zwei Jahren war.
Sehr grandioses Konzert, sehr gutes Publikum, sehr gute Party… idealer Ausklang eines insgesamt etwas heftigen, aber abwechslungsreichen und guten Konzert-Dreisprungs.
Our most beloved Concert photographer Stefanie (immer noch vergrippt, schickt ihr Gute-Besserungs-Wünsche!!!… hat wieder eine echte Flut von Bildern gemacht. Leider war es heute etwas zu voll, als das sie hätte viel herumspazieren können für verschiedene Einstellungen ;-), mehr nach dem Break…

























9. Mai 2007 18:16 Uhr. Kategorie Live. 10 Antworten.
Schööööön war’s! :-)
Arme Stefanie, in dem Gewühl… Hoffe es geht dir inzwischen etwas besser. Ansonsten hilft vielleicht ein Tee im Bettchen und ein gutes Buch;-)
vor zwei jahren haben die ihre lieder live noch mindestens doppelt so schnell gespielt wie auf dem album. komisch
nachdem ich heute bei den gods of blitz in der zeche carl durch die fast nicht vorhandene audience getanzt bin ist mir doch glatt wieder aufgefallen wie wenig spaß im direkten vergleich konzerte der palladium größenordnung machen. klar, schon netter gig, aber irgendwie kommt halt grad durch die masse an einslive leuten einfach keine wirkliche interaktion zwischen publikum und band auf, abgesehen von den völlig nervigen großraumgesten und konzert”enden” in denen schonmal vor dem ersten zuruf die instrumente für die zugabe gestimmt werden. e-werk wär schon nicer gewesen.
ach verdammt, es war ja ein ansich sogar sehr netter abend aber dieser schlafmangel macht mich meckerig ;D
noch schneller zusatz:
die gods of blitz find ich rein muskalisch einige stages unter bloc party und das hat rein gar nix mit irgendnem szene-hipness-bullshit zutun und manchmal hör ich ja auch einslive ;)
oh gott ich muss echt ins bett…
Palladium ist nun wirklich noch nicht Großraum… LTU-Arena ist Großraum. Ich ahne bei Police furchtbares auf mich zukommen. Aus dem gleichen Grund spare ich mir – schweren schweren Herzens, zugegeben – auch Peter Gabriel, zumal mir 75 Euro echt überzogen erscheinen, selbst für einen Bühnenmagier wie Gabriel.
Ich denke, Gigs verschiedener Größenordnung haben jeweils ihre eigene Magie. Ein kleines konzert kann persönlicher und «realer» sein, wenn die Band mit der Nähe zum Publikum umgehen kann, größere Gigs bieten aber mehr Budget für ausgezeichnetes Licht, große Gesten, Ganzheitlichkeit. Das sind völlig verschiedene Ebenen und nicht jeder Band gelingt der Sprung vom kuscheligen Kellerkonzert ins Stadion, aber dafür gibt es ja eben Management und Berater und Licht/Bühnenbild-Designer ;-).
Wenn du Bloc Party aus engeren Venues kennst, ist es natürlich seltsam, sie in berstend vollen größeren Hallen zu sehen, in denen zwischen Bühne und Publikum eine Absperrung mit Security-Leuten ist, aber das ist nun mal der Gang der Dinge, wenn eine Band nach oben kommt (was man jeder Band ja gönnen sollte). Die nächste Tour ist dann wahrscheinlich Westfalenhallen-Niveau, dann Stadions.
Und irgendwann geht man wirklich nicht mehr hin, weil die Preise einfach zu hoch geworden sind und eine besondere Magie sich nicht endlos in der Masse skalieren lässt. Bands wie U2 oder Coldplay, die im Stadion einfach nicht richtig wirken und wo man dann fast besser beraten ist, gleich die DVD zu kaufen, wenn man doch eh nur noch Videoprojektionen zu sehen kriegt ;-).
Aber gottseidank kommen am unteren Spektrum ja auch immer wieder spannende Bands nach.
Ich habe Bloc Party letzte Woche in Wien gesehen, zugegebenermaßen auf einem Sitzplatz, weil sonst nichts mehr frei war. Schöne Show, obwohl ich vom Licht nicht so begeistert war. Etwas zu viel Strobo, Disco in Moskau. Was mir den Abend vermiest hat, war der Sound, der wirklich unter aller Sau war. Aus dem bassigen Brei hat man gerade noch die Drums, die Spitzen des Gesangs und die Gitarren-Pickings rausgehört. Beim Moshen fällt das natürlich nicht so auf, ich als alter Herr auf dem Sitzplatz musste aber etwas leiden.
Was sagt ihr zur Vorgruppe?
ich sag nur mit fast 40 fieber zu einem konzert latschen, das is mal dämlich, aber wenn die den- oder diejenigen unbedingt sehen will … wer braucht da schon gesundheit.
und wann kommt die zeit zum relaxen HD? schone die »kleine« doch mal ;-)
Da bin ich auch langweilig und kann mich Thomas nur anschließen. Das hab’ ich dir ja auch schon gesagt, als du krank warst: Wenn ihr nur unterwegs seid, müsst ihr euch nicht wundern, dass ihr ewig krank seid, wie soll der Körper sich erholen…?
So, genug altkluge Weisheiten losgelassen. :-)
Gott, Carina, du klingst wie meine Mum. Ich hab Stefanie x-mal gefragt, ob sie nicht lieber zu Hause bleiben will, aber sie hatte natürlich auch Lust, auf das Konzert zu gehen. Ich wäre da auch mit Schnupfen hingegangen, ist doch klar. :-D