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Bird: Girl And A Cello

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Das Konzept ist so simpel wie charmant und wird vom Cover (und dem Albumtitel) auf den Punkt gebracht – alles, was du an Klängen aus einem Cello und einem Sampler holen kannst, plus der elfische Gesang von Janice Price, die schon auf Just Jacks Overtones zu hören war. Während ihr Debut The Insides eher relativ normalen Girlie-Folkpop lieferte, macht der etwas an Camille erinnernde Minimalismus von Girl and a Cello die Musik von Bird weniger beliebig, einprägsamer. Es mag trotzdem bezeichnend sein, dass der vielleicht griffigste Song des Albums Some Boys eine Coverversion des Smiths-Klassikers Some Girls Are Bigger Than Others ist.

Dennoch: Bird liefert charmanten, unaufdringlichen Coffeehouse-Pop, smart produziert, der durchaus nicht immer nur oberflächlich und happygolucky bleibt, und aus dem Ein-Instrument-Gag eine ganze Menge Groove herausholt. Das als Rhythmussektion gesamplete und verfremdete und via Multitrack zur Band mutierte Cello erweist sich dabei als völlig popkompatibel und Janice Prices etwas an Feist & Co erinnernder Gesang, der auf dem ersten Album noch relativ kantenlosen Pop hergab, gewinnt durch den seltsam klassisch-jazzigen Kontrapunkt eine ganz eigene Note. Ähnlich wie bei Camille ist durchaus auch spannend, wie aus der Reduktion auf das Instrument Stimme und Cello eine ganze Vielfalt an Klängen entdeckt wird, macht es auch hier Spaß, zu hören, wie etwa ein Drumbeat aus Versatzstücken von Klopfen und Reiben auf dem Bogen und dem Klangkörper besteht, wie aus weniger eben mehr ist. Vielleicht ist es gerade in der Zeit massiv überproduzierter Tracks und schier endloser Produktionsmöglichkeiten in jedem PC eigentlich ganz spannend, dass immer mehr Musik aus konzeptioneller Selbstbegrenzung entsteht, sei es durch eine stilistische Rahmengebung (Neofolk usw), oder sei es durch eine quasi technologische Begrenzung auf ein bestimmtes Fragment der theoretisch möglichen Flut an Instrumenten. Girl and a Cello zeigt so stellvertretend den holographischen Aspekt von Musik auf, den wir auch von Camille und Björks Medulla, aber auch seit langem von Al Jarreau und Bobby McFerrin oder ganz generell aus dem Jazz und der Klassik kennen – für die Idee eines Liedes reicht eine einzige Scherbe, ein einziges Instrument, im Zweifel sogar nur eine Stimme, oft ist ein fast nur skizzierter Song mit einem Hauch von Musik emotional bemerkenswerter als mit 60köpfigem Orchester arrangiert, weil er die Phantasie des Zuhörers miteinbezieht. Zwar ist Girl and a Cello keineswegs minimalistisch und unterproduziert, sondern neigt eher zu einer Imogen-Heap-artigen Verschachtelung von Phrasierungen, Samples und Tönen, aber auch hier verdichtet sich die stilistische Konzentration zu einem kleinen, feinen Popalbum.

10. Januar 2010 19:37 Uhr. Kategorie Musik. Tag .
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