
Floratone ist das Produkt einer Aufnahmesession von Ausnahmegitarrist Bill Frisell und Schlagzeuger Matt Chamberlain, der zu den bekanntesten Studio-Drummern der Welt gehört und nicht nur in der Popwelt, sondern auch im Jazz eine Größe ist. Während die meisten Jazz-Alben live oder zumindest als Ensemble eingespielt track by track werden, haben Frisell und Chamberlain die Session-Aufnahmen an die Produzenten Tucker Martine und Lee Townsend übergeben, die aus den Improvisationen ein eigenständiges Album gebastelt haben, zusätzliche Instrumente (unter anderem den schlichtweg unglaublichen Bass von Viktor Kraus, dem man wirklich keine Sekunde anmerkt, das er nachträglich eingefügt wurde, so nahtlos fügt er sich in die Kompositionen) und Effekte beimengten und dabei ein überraschend dichtes und überzeugendes Ergebnis erzielt haben, auf das Frisell in einem weiteren Schritt dann selbst wieder aufbaute und die Songs weiter anreicherte, indem er etwa Streicher und Bläser arrangierte oder zusätzliche Gitarren einspielte. Ein seltsames Prozedere, ein permanenter Remix, eine Kommunikation und insofern ein ungewohnt modernes Vorgehen, in der die Produzenten nicht hinter Glas die Musik einfangen, sondern selbst Teil des Ganzes werden, mitimprovisieren können. Man darf Floratone insofern keineswegs als «echtes» Bill Frisell-Album sehen, es wirkt gemessen an anderen Veröffentlichungen vielleicht weniger innovativ, weniger gewollt, eher beiläufig. Aber genau das, der zurückgelehnte Charme, macht das Album aus. Auf Frisells nicht endenwollender Suche, in seinen vielen Kooperationen, ist Floratone eben eine weitere interessante Seitenstraße. Der Einsteigstrack lässt keinen Zweifel daran, dass Floratone einen Fuß im Pop-Genre hat, wie ein emotional dichter Soundtrack wirkt, sumpfig, schwül, verhallt und hypnotisch. Dichte vielschichtige Rhythmen, Samples, Loops, freie Improvisation schaffen einen schwer zu kategorisierenden Sound zwischen Melancholie und Groove. Langsame, schwere effektlastige New-Orleans-Dub-Ambience kommt bei diesen Soundsklupturen auf, die Martine und Townsend aus den Session-Schnipseln geformt haben. Jazz-Puristen werden bei diesem Album verzweifeln, aber Floratone ist ein mutiges, gewagtes Studioprojekt, eine Kollaboration ganz neuen Stils und vor allem einfach absolut wunderbar anzuhören.
9. Dezember 2007 20:08 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.
super album, ich bin vor vielen jahren durch john zorn auf frisell gekommen und bis auf seine »country« platten mag ich fast alles ziemlich gut. live ist er super, ein chaot aber auch sehr sympatisch.