
Das (relativ) neue Album von Folk-Alternative-Multiinstrumentalist Zach Condon macht da eiter, wo das alte aufhört. Jedes der Lieder soll eine andere Stadt, über die sozusagen fiktional der im Titel angedeutete Heißluftballon-Wettbewerb hinwegschwebt, thematisieren, und tatsächlich kann man in der überbordendenden Instrumentarisierung einen stärkeren Hang zu schunkelwalzernden 3/4-Takten heraushören, weniger aber, dass Conden sich vor der Aufnahme des Albums Brel und andere Chansongrößen angehört haben will. Denn alles in allem klingt The Flying Club Cup eben zuerst und vor allem nach Beirut. Nur… ausgebremster. Die wilde, unglaubliche Energie des ersten Albums ist weg, der Dreck ist rausgeschliffen. Was die neue Scheibe zugleich hörbarer und langweiliger werden lässt – was vielleicht auch nur daran liegt, dassman sich an den ungwohnten Soundmix von Beirut einfach auch gewöhnt hat und es inzwischen auch zahlreiche populär gewordene Vorbilder und Nachahmer gibt. Der Alternative-Balkansound von Beirut ist einfach im Mainstream angekommen.
Umso konsequenter von Zach Conden vielleicht, sich weiterzuentwickeln. Die Abkehr von der tambourinschwangeren Volksmusik Osteuropas und eine Hinwendung zu den filigraneren Strukturen von Westeuropa im 19. Jahrhundert ist dezent, aber sie ist da. Unter den Marschtrommeln, den Tambourines, dem Händeklatschen ist die Musik sparsamer, ruhiger geworden. Conden rührt einen melancholischen, bittersüßen Cocktail aus den verschiedensten ethischen und historischen Zitatquellen, und es ist nach wie vor surreal-lustig, dass diese Musik irgendwo in Albuquerqe entstanden ist.
Es mag daran liegen, dass ich gerade Austerlitz lese und Condens Musik ein nahezu perfekter Soundtrack zu diesem mäandernden Buch ist – aber The Flying Club Cup ist ein seltsam paneuropäisches Album, wie es vielleicht wirklich nur aus der Sicht eines amerikanischen Ausnahmemanikers auf Europas Vergangenheit entstehen kann, ein folkloristischer Zitatenstadel, an den sich andere in dieser Naivität und mit solcher Verve nicht herantrauen würden. Auch wenn das neue Album brütender, dumpfer ist als der Vorgänger, ist es immer noch ein brodelnder musikalischer Hexenkessel, der beispielswese am Anfang von The Mausoleum schnell ein Jazz-Zitat einwirft, bevor Condens exotisch nöhlend-wunderbarer Gesang ihn wieder in den Kontext des Albums zieht. Der Schmelztiegel, das Crossover ist die Stärke von Beirut und man darf gespannt sein, ob Conden auf kommenden Alben mehr aus dem musikalischen Balkansound-Ghetto herauskommen wird und seine Flügel ausbreitet.
7. Juli 2008 10:00 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.