
Noch ein Album aus 2006 – Zach Condons Beirut-Projekt klingt nach allem, aber nicht nach einer Platte, die in New Mexico eingespielt wurde und erst recht nicht nach einem Solisten, der nur auf einigen Tracks von zusätzlichen Musikern begleitet wurde. Vielmehr klingt es nach einer dieser großartig durchgeknallten melancholischen osteuropäischen oder skandinavischen Combos – und die sehr europäisch anmutenden Songtitel wie Prenzlauerberg oder Bratislava und das aus einem alten Buch herausgerissene Coverphoto unterstreichen diesen Anspruch. Beirut irrlichtert zwischen Volksmusik und Popmusik wie seit Dead Can Dance kaum ein Projekt, mit Ukulelen, Trompeten, seltsam primitiver Perkussion und einer wunderbar entsetzlich klingenden Produktion. Gulag Orkester ist so seltsam wie der Titel des Albums vermuten lässt, eine Platte, deren Surrealität aber aufrichtig wirkt und nicht als bloßer Balkanpop-Hype ankommt, was auch die auf der CD beigepackte Lon Gisland-EP deutlich unterstreicht. Emotional irgendwo zwischen Kaiser Orchestra und Amélie-Soundtrack, aber dreckiger und echter, ist Gulag Orkester ein seltsam beschwingtes und trotzdem trauriges Stück Musik, ein seltsam glücklicher Crossover und die vielleicht unwahrscheinlichste Camouflage-Platte des letzten Jahres.
21. Februar 2007 20:43 Uhr. Kategorie Musik. 5 Antworten.
Hat der CD-Lieferant mal wieder vorbei geschaut? Eine Album-Kritik nach der nächsten, das ist verdächtig :-)
Ich bin lang nicht dazu gekommen. Sind ja nicht umsonst auch nicht die ALLLLLERNEUSTEN Platten. . .
schön, dass du hier beirut vorstellst. bin vor einigen wochen drübergestolpert und mag das album ab und zu sehr. aber zu oft kann ich das nicht hören – wohl für alltagsmusik doch zu abgefahren.
Das schönste, was ich mir seit langem auf meinen MP3 Player gezogen habe.
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