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Battle Field Eye

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Edgar Lipki hat mich – zusammen mit seinen Mitstreiter Joker Nies und Ernst Gaida-Hartmann – bereits mit Civil Landing mehr als begeistert, das Stück ist nahezu zwei Jahre später immer noch immer dabei, wenn ich unterwegs bin. Gestern auf langer Fahrt habe ich sein etwas älteres Battlefield Eye gehört, nach Massai Hitler das dritte Stück von Lipki, dass ich kenne. Alle drei folgen einer exakt gleichen Konstruktion, die mit hoher Selbstähnlichkeit eine enge Verbundenheit der drei Werke suggeriert, die schon bei den jeweils aus zwei Worten bestehenden Titeln beginnt, aber auch mit der größeren Thematik Krieg und Ästhetik, die die drei Hörspiele wie eine Klammer umgibt. Wie Civil Landing arbeiten Lipki/Gaida-Hartmann und Nies auch bei Battlefield Eye von 2001 mit einer reduzierten Musik aus Bass, Schlagzeug/Drumcomputer, Gitarre und etwas Keyboard, die einen emotionalen und hypnotischen Teppich für die von Leslie Malton und Friedhelm Brebeck eingesprochenen Texte. Saint-Exupery, Jünger und die fast zerfleischenden Texte eines Kriegsberichtserstatters, konterkariert von Bildbeschreibungen einer angreifenden Rakete, und Wortfetzen, die einzelnen Passagen wiederholt, zwischen den beiden Sprechern wechselnd, mesmerisierend, mit wunderbar 3-2-1 angezählten Brüchen, mit Stille und Ekstase  – all das schafft einen Klangteppich, der so verstörend wie betörend ist, ein Patchwork, das durch Wiederholungen, Rhythmisierung, durch Pausen und bewusste Brüche besticht und so eine tiefere emotionale Wahrheit kommunuziert als es ein reiner Text – etwa Sontags Regarding the Pain of Others – jemals könnte. Wie eine Schleife durchlaufend, ohne Anfang, ohne Ende – und als Loop auch ideal mehrfach hörbar – ist Battlefield Eye ein vielschichtiges und trotzdem luzides Werk zwischen moderner Popkultur und dem zeitlosen Gestank verwesenden Fleisches. Das gewagte Experiment, eine an sich visuelle Story ausgerechnet in Töne zu verpacken, in der es nicht zuletzt um das von der Kamera nicht zu erfassende geht, Gefühle und Gerüche. Brebecks O-Töne haben eine Wucht – die Formulierungen, die Pausen, die kunstvolle Sezierung der Sprache am Rechner in immer wieder neu rekonstruierte Satzbausteine, teilweise gespiegelt und gebrochen von Maltons Stimme, von Verzerrung, von Delay, immer kommentiert von der Musik – die weit über ein plattes Angreifen der Kriegs-Medienkultur hinausgeht. In Lipkis Spiegelkabinett der O-Töne, in dem Meer aus Schleifen und Fragmenten eröffnet sich keine moralische Botschaft, so naiv wäre Lipki nicht, sondern eine chiffrierte Meditation über ein Thema, ein dramaturgischer, endlos weiterdenkbarer, unterkühlter Zettelkasten. Im Gegensatz zu den beiden anderen Stücken, die öffentlich bisher meines Wissens nicht verfügbar sind, kann man Battlefield Eye auf einer auch ansonsten mehr als hörenswerten Sammlung von EinsLive-Hörspielen kaufen.

25. Dezember 2008 17:36 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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