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Back to the Mac


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One i to rule them all..
Es ist fast ironisch, dass Apple den Event vor zwei Tagen «Back to the Mac» getauft hat – denn tatsächlich ging es auch beim «Special Event» vom 20. Oktober unter der Oberfläche natürlich um iOs. Das Ergebnis ist eine – wenn auch nur ansatzweise vorgestellte – neue Version von OSX, die mich zum erstenmal seit einiger Zeit sehr kalt lässt. Denn Apple scheint die Strategie, iOS und OSX zu verschmelzen, schneller, ernsthafter und tatsächlich schlechter als von mir gedacht, voranzutreiben. Dass beide Systeme in nicht allzuferner Zukunft fusionieren werden, dürfte einleuchten – auch der neue MacBookAir macht deutlich, wie sehr Apple über die Brückenfunktion des Gerätes nachgedacht hat, der die Lücke zwischen «echten» Arbeitsrechnern und (noch) eher konsumatorisch orientierten iPads schließt und die ideale Maschine für mobile Webworker sein könnte. Und so scheint sich auch «Lion», die im Sommer 2011 erscheinende nächste Iteration von Apples Betriebssystem, darum zu kümmern, dass sich vor allem Notebooks mehr als eine Art Hybrid zwischen iPad und Mac anfühlen. Fullscreen-Applikationen, ein Appstore und Launchpad machen vor allem auf mobilen Rechnern Sinn, auf einem iMac mit 27″ Bildschirm oder erst recht auf einem MacPro scheinen mir diese Features auf dern ersten Blick zunächst wenig wirksam – wieviele Applikationen würden hier das Fenster füllen und wie sinnvoll soll man sich da noch zurechtfinden können? Für das Air hingegen dürften genau diese Funktionen ideal sein und den User langsam daran gewöhnen, wie es ist, auch am «echten» Betriebssystem mit iOS-Features zu arbeiten. So wird iOS in den kommenden Jahren langsam aber sicher immer mehr OSX-Features übernehmen und umgekehrt und Apple seine Nutzer langsam aber sicher auf den zunehmenden Abschied von reinen Arbeitsrechnern vorbereiten, indem es Stück für Stück die Art wie wir arbeiten, subtil verändert. Besonders frappierend ist die Tendenz zur Vollbild-Anzeige von Programmen – eine völlig neue These für Apple, die bisher sehr bewusst auf Multi-Window-Systeme, bei denen man Inhalte von einem Fenster zum anderen ziehen kann, gesetzt haben (was bei großen Bildschirmen auch absolut Sinn macht, wie ich finde – iPhoto ist nun wirklich keine App, die ich jemals Bildschirmfüllen verwendet habe). Es ist fast frappierend, dass Apple etwas wie Launchpad ernsthaft erwägt – schon auf dem iPad finde ich die Aneinanderreihung von Start-Buttons eher entnervend, die Ordner machen es nicht übersichtlicher – und so verwende ich auch hier zunehmend Spotlight, um ein Programm zu starten. Die Idee, am Schreibtisch durch fünf Reihen Logos «wischen» zu müssen, um ein Programm zu finden, ist in einer Form eine Verbesserung gegenüber Dock, Finder und vor allem eben Spotlight, vor allem wenn ich noch im Dock einen weiteren Button starten muss, um in diesen Modus zu wechseln… das ganze klingt eher nach Windows als nach Apple. Es scheint fest eher so, als wolle Apple hier eine Brücke bauen, um Nicht-OSX-Nutzern, die an das iPad gewohnt sind, eine vertraute Umgebung zu bieten, um einen Umstieg von Windows zu Apple attraktiver zu machen. Ich selbst fände allerdings, dass ein neuer Finder, eine Art ins OS integriertes Quicksilver und durchaus auch sogar eine überarbeitete, funktionalere Fassung von Raskin vielviel spannender gewesen wäre. Ganz banal wäre mir lieber, das iOS mehr wie OSX wird, nicht umgekehrt. Apple hat faktisch noch nicht ein Feature gezeigt, das in mir echte Vorfreude auf 10.7 aufkommen ließe. Aber es ist ja noch ein dreiviertel Jahr, da kann ja noch was kommen. Dennoch ist die Strategie klar: iOS wird zumindest vorläufig Paradigma aller weiteren Entwicklungen und die beiden Systeme werden weitestgehend zusammenfinden.

iLife
Auch iLife zeigt diesen Trend – iMovie, iPhoto und Garageband wenden sich fast makellos an Einsteiger, die mit ihren Digitalkameras einen fixen Familienfilm oder ein Photoalbum zusammenklicken und bei youTube zeigen oder bei Apple ausdrucken wollen. Die Intelligenz der Entwicklung setzt nicht auf mehr oder bessere Features, sondern eher dazu, immer mehr, teilweise auch etwas schrille Möglichkeiten einzubauen, die ans Geschmacklose grenzen. Jobs mag die Diashow-Optionen von iPhoto ja «awesome» finden, man darf es aber auch ganz einfach als «Kitsch» bezeichnen, wenn da die Bilder im virtuellen Schneegestöber hängen oder über Landkarten gezoomed wird. Diese latent geschmacksverirrten Ready-Made-Templates werden mehr und mehr zu einem Thema bei Apple und scheinen also beim Nutzer anzukommen, und wie bei vielen anderen Apple-Programmen ist es unmöglich bis schwer, eigene «Themes» zu erstellen. Es ist erschreckend, wie sehr Apple sich hier an die Einsteiger wendet und iMovie faktisch fast etwas schlechter geworden ist als die 2006er Version. Aus «Think Different» ist «Don’t Think» geworden – selbst Garageband wendet sich gnadenlos an Laien, die hier ihre ersten Gitarrenakkorde lernen können. Das ist natürlich völlig okay und sogar sehr clever, macht es doch den Apple-Rechner zur Kreativmaschine für die ganze Familie, zu einer Art Spielkonsole mit höherem Anspruch, wo man Klavier spielen lernt statt Zombies abschießen – aber es macht auch deutlich, wie sehr sich Apple vom Pro-User abwendet, der einfach nicht genug Geld bringt. Dabei darf man nicht unterschätzen, dass gerade iMovie und Garageband voller sehr exzellenter Features sind, die sich um Längen von anderer Einsteigersoftware abheben. Ich kenne Musiker, die erst mit Garageband «scribbeln» und dann in Logic richtig an den Songs arbeiten – und die neuen Amps in Garageband dürften die Attraktivität weiter steigern.

MacBookAir
Das Air hat sich definitiv zum guten gewandelt – von der Hardware her klingt das 13″ in der Vollausstattung fast so kraftvoll wie eins der ersten Unibody-MacBook Pro. 2,13GHZ, Dualcore, 4GB Ram und 256 MB dürften den meisten Road Warriors reichen, um ansatzweise arbeiten zu können. Designer, die mit Photoshop, Illustrator und Indesign werkeln, werden wahrscheinlich nach wie vor zum Pro greifen, das ja noch einmal aufgewertet wurde zum Quadcore mit 2,8 Ghz und faktisch ein mobiler iMac ist – aber wessen Arbeit primär aus Wissensmanagement besteht, wer eher schreibt oder sicher auch, wer eher programmiert oder wenig datenintensives Webdesign macht kommt hier auf seine Kosten, denn mit nur 1,3 kg und 0,3 bis 2 cm Höhe schließt das Air die Lücke zwischen dem ultramobilen aber wenig produktionsaffinen iPad und dem «echten» MacBook.

Hersteller von Festplatten und DVD-Laufwerken dürften sich angesichts von Steve Jobs Satz, das MBA stelle die Zukunft des Notebooks dar, akut Sorgen machen. Apple scheint entschlossen, im Consumer-Bereich auf Chips zu setzen. Wenn sie dabei die 512-GB-Grenze überschreiten können ohne allzu hohe Mehrkosten, dürfte es die ersten SSD/Flash-iMacs geben. Im Grunde geht der Trend hier also zum Solid-State-Rechner mit einem Minimum an mechanischen Teilen, die Tendenz zum «glatten» Gerät mit einem Minimum an Verschleiß, an Knöpfen und sichtbaren Lücken, wird hier fortgesetzt. Es wird deutlich, dass für Jobs der ideale Rechner so eine Art BlackBox ist, hermetisch geschlossen und vom Nutzer kaum mehr als Rechner oder Gerät erschließbaren – seine Idee von «Magic» wird am iPad greifbar, das man ja kaum noch als Rechner begreift, weil es keine Bootzeit hat, kein Geräusch macht, ein sehr direktes Interface hat, das keine Maus oder Tastatur mehr braucht, nur noch eine Glasscheibe, auf der man arbeitet. Das MBA ist ein sanfter Schrift dahin, auch die normalen Rechner mehr in diese Richtung zu bringen. Man ahnt schon, dass Apple in ein paar Jahren die Differenzen auch hardwareseitig immer kleiner machen wird – im Grunde bräuchte das iPad nur einen USB-Port und einen Minidisplay-Port und man wäre schon fast da. War das erste Air also nur eine Art Experiment, ist bereits die zweite Generation eine sehr, sehr ernsthafte Netbook-Konkurrenz und einer der ersten «Rechner», der sich total von der Idee einer Festplatte verabschiedet. Im Grunde ist es ein iPad ohne Touchscreen, mit Tastatur und mit einem anderem OS. Man braucht keine Glaskugel haben, um diesen Trend weiterzudenken. Das bahnbrechende am Air ist der Preis für die SSD-Funktionalität. Wie lange vorausgesagt, wird mit der Massenproduktion von Chips und SSD die Preisbarriere einbrechen. In der Oberliga um 2-3TB machen mechanische Festplatten (noch) Sinn, mobil haben sie ausgedient.

TouchyTouchy
Überraschend war allerdings, dass das MBA keinen Touchscreen hat. Die Begründung – «touchscreens want to be used horizontally« – klingt auch nach der üblichen Apple-Ausflucht, eine wirtschaftliche vorübergehende Entscheidung paradigmatisch zu machen. Eine dieser üblichen kurzfristigen Lügen, von der man Abstand nimmt, sobald man einen Weg gefunden hat, die eigentliche Idee ordentlich umzusetzen. Es scheint klar geworden zu sein, dass OSX 10.7 immer noch nicht ausreichend «Touch»-fähig ist und wahrscheinlich hätte ein hochauflösendes kapazitatives Display auch den ja recht attraktiven Preisrahmen des Air gesprengt, ohne wirklich allzugroßen Zusatznutzen zu bringen. Denn noch ist das Air ein Notebook, und Tastatur/Mousepad sind fest montiert. Was Sinn machen würde, wäre ein modulares System, bei dem der Tastatur/Touchpad-Teil einfach abnehmbar ist und bei dem eine ultraleichte Nur-Bildschirm-Version à la iPad nutzbar ist, man aber auch mit einem Handgriff ein «echtes» Notebook hat. Alternativ sehr attraktiv wäre eine Courier-artige Version, die mit zwei Touchscreens arbeitet, wobei einer Tastatur/Touchpad darstellen kann, man aber auch etwa hochkannt beide Screens für verschiedene Inhalte nutzen kann – links surfen, rechts schreiben usw.

So ist der Gesamteindruck von Apple derzeit der einer Firma im Umbruch, die an unendlich vielen Fronten sehr viele Dinge anschiebt und auf Zeit spielt. Nichts scheint mehr richtig final ausgegoren und völlig durchdacht, alles schielt auf die nächste Phase, die Zukunft. Obwohl natürlich alles auch «jetzt» sehr gut nutzbar ist, wird man den Eindruck nicht los, nur eine Phase eines langfristigen Game Plans zu durchlaufen, als sei die Firma schon 5 Jahre weiter. Und so werden die verschiedensten Projekte gestartet, die immer etwas unreif wirken – FaceTime, Ping, iBook, der AppStore – und die nicht so recht zusammen zu passen scheinen. FaceTime ist nicht einmal in die Elemente von Apple integriert, die sich anbieten würden (iChat), es läuft (noch) nicht auf Windows, der MacAppStore ist nicht in iTunes integriert (gerüchteweise), und Ping ist eine seltsam unbeholfene Lösung, die keinerlei Nutzwert zu haben scheint und bestenfalls Sinn machen wird, wenn Facebook sich zu einer Kooperation bereit erklärt. Der deutsche iBooks-Store ist ein Desaster, das bestenfalls den Schundfaktor einer Bahnhofsbuchhandlung aufweist… und Apple hat es immer noch nicht geschafft, iTunes zu einer funktionierenden Multimedia-Verwaltung umzumodeln, die Software wirkt mit der Verwaltung von Filmen und vor allem Büchern völlig überfordert. ePub-Bücher lassen sich in iTunes nicht einmal lesen oder editieren, die Eingabefelder sind unabhängig vom Medium fast identisch, bei vielen Büchern geht eine hoffnungslose Sucherei nach Titeln los, die mit einem anderen Interface völlig zu vermeiden wäre. Apple hat unglaublich viele und wichtige Pflöcke in den Boden geschlagen – aber erst die Zeit wird zeigen, wie diese einzelnen Claims zusammenkommen. Mit der prall gefüllten Kriegskasse und in der Geschichte des Unternehmens nie dagewesenen Medienmacht darf man gespannt sein, ob Apple den Bogen überspannt und sich verrennt… oder ob das Ganze in sechs Jahren Teil einer unglaublichen Strategie war.

22. Oktober 2010 12:42 Uhr. Kategorie Technik. Tag . 6 Antworten.

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